Technik, die begeistert.

In meiner knapp bemessenen Mittagspause habe ich gerade bei SPON eine sensationelle Meldung gefunden: Ein Supercomputer in China hat angeblich die tausendfache Rechenleistung des bisher besten Supercomputers der Welt erreicht. Screenshot-Ausschnitt:

tausendfach00

Tausendfache Leistung! Mindestens!


Update — Und so sieht die Einleitung jetzt aus:

So rasant rechnet sonst keiner. Die neue Technologie-Supermacht China nimmt den schnellsten Computer der Welt in Betrieb – „Tianhe-1A“ ist deutlich schneller als der bisherige Spitzenreiter aus den USA. Die Technologie-Führerschaft des Westens ist bedroht.


Der gesunde Menschenverstand sagt: Es wäre sehr ungewöhnlich, wenn man von dieser Entwicklung in Fachzeitschriften noch nie etwas gelesen hätte. Und was lese ich in den Quellen, die für dieses Fachgebiet relevant sind? Die Leistungssteigerung ist im üblichen Rahmen.

SPON! Was ist aus dem ehemaligen Nachrichtenmagazin geworden? Sie erkennen wirklich nicht das Dezimaltrennzeichen, das in einem englischen Artikel verwendet wird? Sie fragen sich nicht, wie eine Vertausendfachung zustande kommen soll? Qualitätsjournalismus, wie er sein sollte ;-)

Quelle 1: engadget.com
Quelle 2: golem.de


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7 Responses to Technik, die begeistert.

  1. stefanolix sagt:

    Aus dem Artikel haben sie auch die kursiv hervorgehobene Passage gestrichen:

    Flops bezeichnen die Anzahl der Rechenaufgaben mit Gleitkommazahlen, die ein Prozessor pro Sekunde ausführen kann (mehr auf Wikipedia…). Die Vorsilbe Peta bedeutet eine Billiarde. Die Chinesen haben nun 2,5 Trillionen Flops geschafft – man könnte auch von 2,5 Exaflops sprechen.

  2. Hej Stefan,

    so wäre es dann wohl richtig (http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5jNrxrITKkyiFveJ1tLiooVmxBbeQ?docId=CNG.1c814325f249eb3a893aece952305a43.f1):

    China sticht USA mit schnellstem Computer der Welt aus

    (AFP) – Vor einer Stunde

    Peking — China hat nach eigenen Angaben die USA im Wettlauf um den schnellsten Computer abgelöst. Der Supercomputer „Tianhe-1“ schaffe 2,507 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde, berichteten chinesische Medien. Der US-Experte Jack Dongarra, der die internationale Liste der schnellsten Rechner verwaltet, sagte der „New York Times“, der Rechner werde damit die bisherige Nummer eins klar abhängen – der Zeitung zufolge ist er 1,4 Mal schneller.

    Allerdings haben die Chinesen zum Bau ihres prestigeträchtigen Supercomputers zum größten Teil Chips „made in USA“ benutzt. Der übersetzt „Milchstraße“ genannte Rechner wurde im Nationalen Zentrum für Supercomputer in der chinesischen Hafenstadt Tianjin aufgestellt, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Das dortige Wetteramt und die nationale Offshore-Ölbohrgesellschaft habe ihn bereits getestet. „Er kann auch für die Animationsindustrie oder biomedizinische Forschung eingesetzt werden“, sagte der Leiter des Computerzentrums, Liu Guangming.

    Dongarra wollte „Tianhe-1“ auf seiner Liste der schnellsten Rechner noch nicht offiziell zur Nummer eins erklären. „Wir schließen die Bücher erst am 1. November“, sagte der Experte von der Universität Tenessee der „New York Times“. „Aber es ist wohl unwahrscheinlich, dass wir ein System haben werden, das noch schneller ist.“ Spitzenreiter ist offiziell noch ein Rechner, der in einem staatlichen Labor im US-Bundesstaat Tenessee steht.

    Es wäre nicht das erste Mal, dass ein asiatischer Rechner den USA den Spitzenplatz streitig macht. 2002 hatte wurde in Japan eine Maschine vorgestellt, die so viel Rechenkraft hatte wie die damals 20 schnellsten US-Rechner zusammen. Nachdem Japan den Spitzenplatz längst wieder verloren hat, arbeitet es derzeit an einem neuen Supercomputer, das „K Computer“ getauft wurde, um wieder ins Rennen zu gehen.

    Beunruhigend sei der chinesische Führungsplatz nicht, sagte Computer-Designer Steven J. Wallach der „New York Times“. „Es ist interessant“, sagte er. „Aber die Welt dreht sich weiter.“ Die Dinge könnten sich schnell wieder ändern. Die Chinesen wollten halt „zeigen, dass sie Nummer eins in der Welt sind – egal bei was“.

    • stefanolix sagt:

      Es wird sicher weitere solche Rekorde geben und es gibt sicher auch Anwendungen für geballte Rechenleistung.

      Vielleicht ist es aber besser, mehrere kleine Cluster mit jeweils am Bedarf orientierter Leistung aufzubauen. Die tauchen dann in keiner Rekordliste auf, sind aber möglicherweise effizienter.

      Mir ging es vor allem darum, dass man vor großen Zahlen nicht so ehrfürchtig in die Knie gehen darf, wie die SPIEGEL-Autoren in der ersten Version.

      Wenn ich eine Zahl lese, aus der sich eine tausendfache Rechenleistung ergibt, dann muss ich doch erst mal recherchieren, ob das überhaupt stimmen kann. Die Meldungen über den neuen Supercomputer waren alle noch ganz frisch, aber wenn man zwei oder drei quergelesen hatte, wusste man, dass die Zahl nicht stimmen konnte.

  3. Klaus sagt:

    Toll. Zumal eine Firma wie Google vermutlich über noch mehr Rechenleistung verfügt. «The singularity is near»

    • stefanolix sagt:

      Amazon, Google, Microsoft (und andere) bieten ja Cloud-Computing an. Dahinter steckt auch eine ziemlich große Rechenleistung, aber die kann man nicht so einsetzen wie einen Supercomputer.

      Wäre übrigens noch eine andere Frage: wenn China die Prozessoren für den neuen Rechner gar nicht selbst hergestellt hat: ist es dann überhaupt berechtigt, wie SPON von einer Technologie-Supermacht zu sprechen?

  4. Ob der nun ein bissel schneller oder viel viel schneller ist, verblasst angesichts dieses Wunderwerks aus Spanien. Das ist doch mal eine richtig gute Neuerung. ;)

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