Glücksgas

In der Dresdner Presse tauchen heute Gerüchte auf, nach denen das Rudolf-Harbig-Stadion bald »Glücksgas-Arena« heißen soll. Ein Vermarkter des Stadions habe dieses Unternehmen als Namenssponsor aufgetrieben. Wenn man das so liest, dann fragt man sich in der aktuellen Novemberstimmung: Was ist Glücksgas und wogegen hilft es? ;-)

Abgesehen davon, dass man den Namen »Glücksgas-Arena« kaum ohne Schluckauf aussprechen kann, fragt man sich natürlich zuerst: warum heißt ein Unternehmen »Glücksgas«? Ich hatte davon noch nie etwas gehört. Die Wikipedia weiß auch nichts und empfiehlt mir eine Suche nach Glücksrad. Aber noch mehr Glück brauche ich gerade nicht.

»Glücksgas« ist ein Unternehmen, das mit Endverbrauchern Gas-Verträge abschließt. Weil diese Kooperation mit dem Anbieter »Goldgas« von Schornsteinfegern (Kaminkehrern) ausgeht, hat man das Unternehmen »Glücksgas« getauft.

Ob dieser Name eine glückliche Wahl ist? Ich weiß es nicht. Das Stadion darf aber auf keinen Fall so heißen. Erstens hat es schon einen Namen — und nicht ohne Grund. Zweitens würde man sich vermutlich vor der gesamten Liga lächerlich machen. Und drittens ist die kolportierte Summe als Ausgleich für die Nachteile viel zu gering.

Es bleibt zu hoffen, dass das alles nur ein geschickt eingefädelter Werbegag war … Andere Blogger machen sich auch schon Gedanken über dieses Thema. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass Dynamo-Fans in Zukunft sagen: »Ich gehe am Samstag in die Glücksgas-Arena« ;-)


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19 Responses to Glücksgas

  1. Alex sagt:

    Kann ich mir auch nicht vorstellen. Im Gebrauch wirds immer das Dynamo-Stadion oder RHS bleiben.

    Fakt ist aber, dass wie heute in vorwiegend neuen Stadien üblich, der Name vermarktet werden wird. In DD nicht anders. Lange wird es also definitiv nicht mehr Rudolf-Harbig-Stadion heißen.

    Allerdings mit „Glücksgas“ kommt man sich doch arg veralbert vor. Auch bei der Summe bin ich bei Dir Stefanolix. Das Doppelte wäre ja mal ein Anfang. Die genannte Summe empfinde ich zumindest def. unter Wert!

    Diese geht im übrigen nicht an den Verein, sondern ist in den Konzessionsverträgen zur Refinanzierung zwischen Vermarkter und Eigentümer (Stadt) geregelt. Indirekt nützt es dem Verein, wenn sich dadurch auch seine Zahlungsverpflichtungen verringern würden. Aber da haben andere mehr Einblick…

  2. Muyserin sagt:

    Ich habe es a.a.O. schon geschrieben, wiederhole es aber hier nochmal:

    Ich verstehe nicht, warum Unternehmen immer noch meinen, es sei eine gute Strategie bzw. gute Werbung, einem Stadion seinen Stempel aufzudrücken.

    Mir fallen jetzt gerade keine konkreten Beispiele ein, aber ich erinnere mich an mindestens zwei Fälle, wo berühmte Stadien gegen den Widerstand der Fans von einem Sponsor einen neuen Namen übergestülpt bekamen. Dann geht der Sponsor pleite, oder der Vertrag läuft aus, und zurück bleibt ein Kapitel in der Vereinsgeschichte, das sich weder für den Sponsor noch für den Verband rühmlich lesen dürfte. Hat man eigentlich mal untersucht, wie der Negativeffekt gegenüber dem positiven Werbeeffekt am Ende zu Buche schlägt?

    • Antifa sagt:

      Der Nutzen für die Vereine ist monetärer Natur, moderner Fußball braucht nunmal Kapital. In den meisten Fällen sind die Geldgeber lokale Großunternehmen (Allianz, Veltins, VW, Red Bull, Mercedes etc.) die sich auf Vereinsebene finanziell engagieren wollen, der Vorteil ist sicherlich die steuerliche Abschreibemöglichkeit und gerade bei erfolgreichen Vereinen die häufige mediale Verwendung des Sponsornamens. In welchem Fall ist denn ein Sponsor pleite gegangen?

      Es gibt auf jeden Fall einige lustige Bezeichnungen:

      • stefanolix sagt:

        Allianz passt zu beiden Vereinen aus München. VW ist ohnehin Sponsor in Wolfsburg — auch OK. Veltins und Red Bull passen noch irgendwie zu den Fans, die sich diese Getränke während des Spiels reinkippen. Aber ein kaum bekanntes Unternehmen, das den Endkunden Gas-Lieferverträge vermittelt?

    • stefanolix sagt:

      In Hamburg ist es lustig:

      Bis einschließlich 30. Juni 2001 trug es den Namen Volksparkstadion, bis einschließlich 3. Juli 2007 AOL Arena und bis einschließlich 30. Juni 2010 HSH Nordbank Arena. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hieß es FIFA WM-Stadion Hamburg, zu den Europapokal-Spielen lautet die offizielle Bezeichnung Hamburg Arena.

      (Quelle)

    • Antifa sagt:

      Als Grund für das Engagement äußerte sich das Unternehmen im Fall von Dynamo damit: „Mit dem Erwerb des Namensrechtes und der Exklusivpartnerschaft mit Dynamo Dresden möchten wir glücksgas noch bekannter machen“. Das ist ja grundlegend erst einmal nicht von der Hand zu weisen.

  3. Ich muß bei Glücksgas an Lachgas denken. Ein altmodisches Narkosemittel als Namensgeber eines Stadions? Ick weeß ja nich…

    • tonari sagt:

      Hihi, ging mir ähnlich.
      Der Name geht überhaupt nicht. „Gas“ hat eh schon einen faden Beigeschmack.

      • stefanolix sagt:

        Prinzipiell ja, aber dann dürfte es auch kein »Verbundnetz Gas« geben. Gas als Brennstoff muss ja letztlich irgendwie benannt werden.

        Aber außerdem ist das Unternehmen hier in Dresden wirklich nicht bekannt. Bei einem »Bäcker-Eisold-Stadion« wäre der Name des Sponsors wohl bekannter ;-)

    • stefanolix sagt:

      Ja, die gegnerischen Fußballer werden aus dem Lachen nicht mehr herauskommen. Vielleicht spielen sie dann wie betäubt ;-)

  4. Frank sagt:

    Das erinnert mich gleich wieder an die Sache mit dem Namenssponsor für den Fernsehturm: http://goo.gl/aurVs

    • stefanolix sagt:

      Die Telekom hätte ja wenigstens etwas mit dem Turm zu tun. In Bonn gibt es eine U-Bahn, die heißt auch einfach Telekom-Express. Warum nicht, wenn’s zum Ort passt?

  5. carluv sagt:

    Jedes Stadion in jeder Kuhbläke ist jetzt eine „Arena“, so wie jedes Einkaufszentrum mit der Bezeichnung „Arkaden“ klassisch aufgehübscht wird. In Leipzig heißt das Zentralstadion seit einiger Zeit „Red-Bull-Arena“, nein, noch schlimmer: „Red Bull Arena“, samt namntlich passendem Fußballverein. Die örtliche Zeitung schreibt dann im Sportteil von den „roten Bullen“ – das war früher auch kein positiv besetzter Begriff.
    Aber „Glücksgas“ ist natürlich besonders schön. An deren Stelle würde ich Flyer in die Briefkästen werfen, auf denen steht:
    „Gas von den Stadtwerken reizt zu Tränen, Glücksgas zum Lachen.“
    Und die örtliche Zeitung titelt dann bald im Sportteil: „Gaser im Glück!“ Ganz apart wird auch der Bericht vom ersten herben Polizeieinsatz überschrieben: „Tränengaseinsatz in der Glücksgas-Arena!“

    • stefanolix sagt:

      Die Kunden bekommen weiterhin das Gas von den Stadtwerken geliefert. Nur die Abrechnung erfolgt über einen anderen Anbieter. Die Arbeitsplätze bei den Stadtwerken sind zumindest in den Bereichen nicht gefährdet, wo wirklich für die Gasversorgung gearbeitet wird.

      Der Witz ist ja: nur ganz wenige Kunden wechseln wirklich den Gasanbieter. Entweder ist die Trägheit der Kunden zu groß oder sie lassen sich davon überzeugen, dass sie mit dem zu viel gezahlten Geld die Belange ihrer eigenen Kommune unterstützen. In Dresden entwickeln sich die Preisaufschläge letztlich zu einer weiteren Steuer (Abgabe) der Bürger, mit der z.B. der ÖPNV quersubventioniert wird.

      Zu dem Stadion in Leipzig: ist damit die große WM-Arena gemeint?

      • carluv sagt:

        Die große WM-Arena ist gemeint. Aber früher war das Stadion größer – 100.000 Plätze.

      • Alex sagt:

        …früher „Zentralstadion“ und das größte in Gesamtdeutschland. Die neue WM Arena wurde praktisch in den alten „Kessel“ hineingebaut. Man kann die Umrisse noch gut erkennen. Jetzt fasst es 44.000 Plätze.

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