So zeigt man’s mit Statistik

28. Dezember 2010

Nach den vielen persönlichen und teilweise gehässigen Angriffen auf den Parteivorsitzenden der FDP kann man in diesem Artikel nachlesen, aus welchen Gründen diese Partei inzwischen um ihre Existenz kämpft. Das liegt nicht an Personen, das liegt an ihrer gesamten Politik.

Nüchterne Demoskopie und Statistik mit einer aussagekräftigen Info-Grafik am Ende: zwei Diagramme zeigen die Entwicklung über einen langen und einen kurzen Zeitraum. Einzelne Wähler kommen als Ergänzung in der rechten Seitenleiste zu Wort. So sollte über Politik geschrieben werden, so sollten Zahlen dargestellt werden! Warum lese ich so etwas nicht in der sächsischen Lokalpresse?



Werbung und Realität

28. Dezember 2010

Aus einer oft wiederkehrenden Werbe-Mail:

Tagesgeld-Konten sind eine moderne, sichere und flexible Form der Geldanlage (…). Das Besondere an der Bank X ist der im Vergleich mit anderen Tagesgeld-Konten besonders hohe Zinssatz von 2,2% p.a.

Einmal kurz nachgeschaut:

Die Einlagen sind bei der Bank X im Rahmen der Regelungen der britischen Einlagensicherung geschützt. Mittel aus den deutschen Einlagensicherungsfonds stehen im Bedarfsfall nicht zur Verfügung.

Keine weiteren Fragen.

Was mich am Ende des Jahres übrigens noch aufgeregt hat, war ein Plakat mit einem ziemlich aufdringlichen Angebot zur Raten-Finanzierung von Weihnachtsgeschenken. Wenn man das Angebot angenommen hätte, dann hätte man pünktlich zu Weihnachten 2011 die letzte Rate gezahlt. Bei Investitionen ist das ja vernünftig, aber bei Geschenken? …

Andererseits: So freut sich also der Beschenkte im Jahr 2010 und der Schenkende im Jahr 2011 ;-)



Beamtenlogik?

27. Dezember 2010

Der oberste Vertreter der Beamten denkt laut über Arbeitsniederlegungen im Öffentlichen Dienst am Jahresbeginn 2011 nach und wird in der Presse heute mit folgenden Worten zitiert:

Bei Warnstreiks werden wir auch die Finanzverwaltung, besonders die EDV-Abteilungen mit ihren Angestellten, berücksichtigen. Das wird viele Bürger positiv treffen, weil sie dann erstmal keine Steuernachzahlungsbescheide bekommen. Auch daran werden wir denken. [Quelle]

Am Beginn eines Jahres sind wohl eher die Steuererklärungen zu bearbeiten, von denen sich die Steuerpflichtigen eine Rückzahlung erhoffen. Steuerpflichtige, die eine Nachzahlung befürchten, werden sich wohl so lange Zeit lassen, bis sie wirklich abgeben müssen. Vielleicht könnte man in einem »SZ«-Interview auch mal nach der anderen Seite einer Medaille fragen?



Schillerlinde: Historische Abbildung

26. Dezember 2010

In diesem Blog war ja schon einige Male von der Schillerlinde die Rede. Jetzt habe ich herausgefunden, dass es in Blasewitz wirklich schon mal eine Schillerlinde gegeben hat. Hier ist der Beweis:

Die ursprüngliche Schillerlinde (Klick vergrößert).

Die ursprüngliche Schillerlinde (Klick vergrößert).


Laufempfehlung

25. Dezember 2010

Wenn sich jemand in der letzten Woche des Jahres bei ähnlichem Wetter wie heute noch ein kleines Lauftraining antun möchte, habe ich eine Empfehlung. Ich bin heute morgen über den Schillerplatz, den Körnerplatz, die Schillerstraße und die Bautzner Landstraße nach Bühlau gelaufen. Dann ging es ganz locker die drei Kilometer Grundstraße wieder nach unten (zwischen dem Elbniveau und Bühlau liegen etwa 140 Höhenmeter).

Es war traumhaft schön. Der Neuschnee dämpfte die Schritte, das Licht hat den Kopf erhellt und die Winterluft hat den Lungen gutgetan. Zur Nachahmung empfohlen — man braucht allerdings dichte Trail-Schuhe mit Winterprofil …


Draußen sitzen, draußen spazieren

25. Dezember 2010

Kein Wetter, um draußen zu sitzen:
Tische vor dem Schillergarten am ersten Weihnachtsfeiertag.

… aber ein schöner Tag für Spaziergänger, Skiläufer und Läufer.


Alle Jahre wieder …

24. Dezember 2010

Weihnachten 2010


Die Haushaltsabgabe kommt

15. Dezember 2010

Na prima. Jetzt kann ich mir ausrechnen, welche Kostensteigerung ab 2013 auf unseren Haushalt zukommt. Die Ministerpräsidenten der Länder haben die haushaltsabhängige Fernsehgebühr beschlossen — auch für alle Bürger, die weder einen Fernseher haben, noch einen haben wollen. Ein resignierter Kommentar zu diesem Thema war gestern in der gedruckten F.A.Z. zu lesen und steht heute auch online zur Verfügung.

Was hat man in diesem Jahr nicht alles über Schlichtungen, Bürgerbeteiligung und Demokratie gehört? Das kann man ganz schnell vergessen. In dieser Frage sind nun wirklich alle Bürger betroffen und alle Bundesländer beteiligt — trotzdem wurde keiner gefragt. An einer ganz wesentlichen Stelle wurde uns ein weiteres Stück Freiheit genommen: die Freiheit, sich für oder gegen die Bezahlung eines Medienangebots entscheiden zu können.

Übrigens trifft es die Unternehmen noch viel härter: sie müssen für jedes Fahrzeug zahlen, das sie für die Arbeit benötigen — obwohl doch in den Fahrzeugen nun wirklich nur noch Mitarbeiter sitzen werden, die schon für ihren Haushalt zahlen.

Verböte es sich beim Thema Freiheit nicht von selbst, würde ich jetzt nach einem Nutzen dieser Maßnahme suchen. Vielleicht hat es ja irgend einen Sinn, dass ich dann Geld für einen Leistung ausgebe, die ich gar nicht haben will. Ich fürchte nur, dass kein Nutzen zu finden sein wird. Möglicherweise wird der einzige Trost sein, dass dann die unsäglich primitive GEZ-Werbung im Kino endlich wegfallen kann. Wenn sie nicht durch noch primitivere Propaganda ersetzt wird, mit der man das Volk vom Nutzen dieser Gebühr überzeugen will …



Erregungstest

9. Dezember 2010

Man denkt ja manchmal, dass die Menschheit etwas dazulernt. Aber oft muss man sich damit abfinden, dass es wohl wieder nur ein Tagtraum war. In einigen Medien wird heute über Erregungstests berichtet, die in der Tschechischen Republik an homosexuellen Asylbewerbern durchgeführt worden sind. Die taz schreibt:

Tschechiens Innenminister Radek John hatte dagegen die Tests verteidigt. Die Asylbewerber müssten den tschechischen Behörden überzeugend beweisen können, dass sie Homosexuelle sind, sagte der Minister am Mittwoch im tschechischen Rundfunk. Andernfalls hätte der Betroffene keinen Anspruch auf Asyl. »Dann soll er doch in ein Land gehen, wo diese Tests nicht durchgeführt werden und dort Asyl beantragen«, sagte John.

Ans Licht kam diese Praxis übrigens erst nach einer Untersuchung der EU-Grundrechteagentur, sonst hätten die Tschechen wohl munter damit weitergemacht.

Das entwürdigende Verfahren in Kurzform: Man will herausfinden, ob ein Proband homosexuell ist. Also schließt man ihn an Messgeräte an und misst seine physische Erregung, während ihm pornographische Filme oder Bilder mit heterosexuellem Inhalt gezeigt werden. Wird eine zu starke Erregung gemessen, unterstellt man ihm, dass er in Wahrheit nicht homosexuell ist. Und wer hat’s erfunden? Die Wikipedia weiß es:

Der erste Phallograf wurde in den 1950er Jahren von dem tschechoslowakischen Forscher Kurt Freund entwickelt. Der ursprüngliche Zweck des Gerätes war, Männer davon abzuhalten, zu behaupten, sie seien homosexuell, um nicht in den Militärdienst eingezogen zu werden.

Erfunden und erstmalig eingesetzt wurde das Gerät also in einer kommunistischen Diktatur. Wie ist es aber um die geistige Gesundheit von Politikern und Beamten bestellt, die sich solche Tests ausdenken und noch im Jahr 2009(!) den Befehl geben, so etwas anzuwenden? Ein Rechtsstaat und Mitglied der Europäischen Union muss einfach die Verhältnismäßigkeit wahren. Solche Methoden können nicht verhältnismäßig sein, weder bei einer Musterung noch in einem Asylverfahren.

Nun erfährt man in der Wikipedia auch, dass solche Messgeräte in der Medizin durchaus sinnvoll angewendet werden können, um z.B. im Schlaflabor bestimmte Erregungskurven messen zu können. Man sucht auf diese Weise nach der Ursache für Impotenz.

Aber kann man damit zwischen Lüge und Wahrheit unterscheiden? Finden sich wirklich Ärzte und Psychologen, die solchen pseudowissenschaftlichen Quatsch mitmachen und damit sexuelle Orientierung quasi »messen« wollen? Solche Verfahren müssen doch auch Spuren bei den Leuten hinterlassen, die daran von Staats wegen beteiligt sind …

Es gibt sicher keine belastbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Verfahren. Es ist auch für einen Laien nachvollziehbar, dass dieser Test mit mehrfacher Unsicherheit behaftet ist. Wenn es aber kein wissenschaftlich abgesicherter Test ist, dann darf ein Rechtsstaat diesen Test erst recht nicht anwenden. Es sprechen also nicht nur ethische Gründe dagegen. Solche Tests sind gleichzeitig unethisch und dumm.

So denkt man zumindest. Aber dann liest man in dem Wikipedia-Artikel, dass im Jahr 1977 sogar ein deutsches Gericht einen solchen Test befürwortet haben soll, allerdings wohl auf freiwilliger Basis und zum Beweis der Unschuld eines Angeklagten. Ich konnte noch nicht herausfinden, worum es in diesem Prozess ging. Aber es ist ja bekannt, dass der 175er-Paragraph in der Bundesrepublik noch ziemlich lange galt …


PS: Was hätte wohl der brave Soldat Schwejk getan, der ja im Roman auch oft zusehen musste, wie andere übel schikaniert wurden? Ich glaube, er hätte diese Kleingeister mal ganz gepflegt in den Hintern getreten …


Herbst/Winter/Blüte

2. Dezember 2010

Aufgelesen an meinem Wegesrand (02.12.2010).

Aufgelesen an meinem Wegesrand (02.12.2010).

Aufgelesen an meinem Wegesrand (02.12.2010).


Moderate Preissteigerung der DVB?

1. Dezember 2010

Die Dresdner Neuesten Nachrichten berichten heute über eine Studie, in der die Nahverkehrssysteme aus 93 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz verglichen werden. Dresden fällt dabei vor allem durch die letzte Preissteigerung auf.

Für Falk Lösch, Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), ist dieser Schluss schlicht „Käse”. So habe es in Dresden lange Jahre keine oder nur eine geringfügige Erhöhung der Ticketpreise gegeben. Lösch vermisst die Langfristperspektive in der Studie. (Hervorhebung von mir, Quelle: DNN).

Die DNN haken bei solchen Aussagen natürlich nicht nach. Aber ich kann Herrn Lösch die Perspektive gern aufzeigen, denn ich habe mir die Preise für meine Jahreskarten gemerkt:

Jahr Jahreskartenpreis
2008 415€
2009 435€
2010 455€
2011 471€

Das ist eine Steigerung in drei Schritten um insgesamt 13.5%. Im Mittel habe ich jedes Jahr einen Aufschlag von 4.31% in Bezug zum Vorjahr bezahlt. So viel zum Thema »keine oder nur geringfügige Erhöhung« …


Quelle: Bericht der DNN.


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