So zeigt man’s mit Statistik

Nach den vielen persönlichen und teilweise gehässigen Angriffen auf den Parteivorsitzenden der FDP kann man in diesem Artikel nachlesen, aus welchen Gründen diese Partei inzwischen um ihre Existenz kämpft. Das liegt nicht an Personen, das liegt an ihrer gesamten Politik.

Nüchterne Demoskopie und Statistik mit einer aussagekräftigen Info-Grafik am Ende: zwei Diagramme zeigen die Entwicklung über einen langen und einen kurzen Zeitraum. Einzelne Wähler kommen als Ergänzung in der rechten Seitenleiste zu Wort. So sollte über Politik geschrieben werden, so sollten Zahlen dargestellt werden! Warum lese ich so etwas nicht in der sächsischen Lokalpresse?


5 Responses to So zeigt man’s mit Statistik

  1. Danke für den Link, aber man kann sich die Antwort auf die gestellte Frage nicht so leicht machen.
    Wenn in dem Artikel festgestellt wird, dass Guido Westerwelle nicht der allein Schuldige an dem Desaster der FDP ist, dann ist das zwar richtig, beantwortet aber nicht den Punkt, wie ein glaubwürdiger Neuanfang der Partei mit dem alten Chef aussehen kann.

    Zuden vergisst der Artikel vollkommen, dass die FDP niemand außer dem Vorsitzenden ist. Dass diese Partei über Jahre zur „One-Man-Show“ verkommen ist, liegt am Vorsitzenden.
    Und diese Situation ist, nebenbei bemerkt, auch die Ursache dafür, dass die Revolution gegen ihn ausfallen wird. Weil da niemand ist. Weit und breit ist da niemand, der für einen Neuanfang stehen könnte.

    Und wo wir gerade bei der „One-Man-Show“ sind: es war vor allem der Vorsitzende, der die Partei auf EIN EINZIGES Thema getrimmt hat – und selbst da hat die Partei nicht einmal im Ansatz etwas bewirken wollen.

    Es gab viele kritische Stimmen, die Guido Westerwelle schon vor dem Amtsantritt als Botschafter für die englische Sprache nahegelegt haben, bei der thematischen Verengung der Partei auf das Steuerthema doch unbedingt das Finanzministerium zu übernehmen. Die Entscheidung, ein Zweit-Genscher sein zu wollen, muss er ganz alleine tragen.

    Gerade heute wäre der politische Boden für die FDP mit einem neuen und glaubhaften Vorsitzenden (oder einer Vorsitzenden aus Bayern) ideal. Gerhard Baum hätte den Unsinn von Zensursula bekämpft, er hätte wahrscheinlich ein gutes Wort für WikiLeaks gefunden.

    So wie uns zurzeit die bürgerlichen Rechte beschnitten werden schreit die Politik geradezu nach einem liberalen Korrektiv. Das ist aber mit dieser FDP nicht gegeben und kann auch von Guido Westerwelle nicht mehr glaubwürdig vertreten werden.
    Norbert Röttgen hatte schon Recht, als er im September sagte, dass der FDP Vorsitzende „irreparabel beschädigt“ ist.

    Nur ein Neuanfang mit einem Vorsitzenden, der glaubwürdig auf Seiten der liberalen Freiheit steht, kann diese Politiklücke geschlossen werden.

    Warum steht das nicht in der sächsischen Lokalpresse? Einfach deshalb, weil es zu kompliziert und damit nicht massentauglich ist.

    • stefanolix sagt:

      Du hast ja zum Teil recht und doch ist mir das zu einfach. Ein einzelner Vorsitzender darf in einer demokratischen und noch dazu liberalen Partei niemals so viel Macht haben, dass er derartigen Schaden anrichten kann. Dann sind doch alle Politiker und Delegierten mit verantwortlich, die ihn erst so hoch gehoben haben.

      Es tut mir leid, aber die ganze Partei (als Organisation) kann heute kaum noch einen politischen Inhalt glaubwürdig vertreten. Wenn das so weitergeht, kann sich die FDP in die außerparlamentarische Opposition verabschieden.

  2. Frank sagt:

    Dass diese Partei über Jahre zur „One-Man-Show“ verkommen ist, liegt am Vorsitzenden.

    Sehe ich nicht so. Wieso ist eine komplette Partei nicht in der Lage, diesem oberpeinlichen Westerwelle mal ein paar hilfreiche Tipps zu geben, wie man künftige Fettnäpfchen umschifft und das weitere Entstehen lustiger Youtube-Clips vermeidet? Letzteres ist immerhin das einzige Verdienst Westerwelles. Wieso konnte diese Partei jemanden, der allen Ernstes im Guido-Mobil durch die Lande fuhr und sogar im Big-Brother-Container gastierte, zum Parteivorsitzenden machen? Hatten die wirklich keinen besseren Kandidaten? Da diese Partei keinen einzigen ihrer Posten in der aktuellen Bundesregierung mit einem akzeptablen Menschen zu besetzen in der Lage war, sagt das viel über diese Partei aus. Über Westerwelle muss man nicht weiter reden, aber wie kann man denn solche Gestalten wie Niebel und vor allem Brüderle zu Ministern machen? Rösler fällt da ja regelrecht noch halbwegs positiv aus dem Rahmen, solange er nicht wieder seine Entertainer-Qualitäten entdeckt und anfängt, Witze zu erzählen. Dann beginnt auch bei ihm wieder das Fremdschämen. Kein Wunder, wenn das negative Auswirkungen auf Umfragewerte hat.

    Nun könnte ich mich über schlechte Werte der FDP freuen, allerdings halte ich das für kurzsichtig. Denn immerhin haben fast 15% der Wähler damals die FDP gewählt. 15% wählten eine klar antisoziale Partei (die Zeit, da man „sozialliberale“ Tendenzen in der FDP nachweisen konnte, sind schon mehrere Jahrzehnte her). Da frage ich mich: Wen wählen diese Leute beim nächsten Mal?

  3. @Frank:

    Ich denke, Du siehst das Problem richtig, aber die Schlussfolgerungen siehst Du nicht.
    Wenn Du schreibst, dass Du es nicht so siehst, dass es die Verantwortung des Vorsitzenden dieser Partei ist, dann irrst Du.

    Du hast treffend geschildert, wie man die entsprechenden Minister sieht, aber noch einmal: all das ist die Verantwortung des Vorsitzenden, weil er eben eine „One-Man-Show“ aus der Partei gemacht hat.

    Jeder, der Konturen hat oder hatte, wurde ausgegrenzt, die Führung ist samt und sonders von des Vorsitzenden Gnaden, kein Wunder, dass man weit und breit schaut und niemand ist da, der Ordnung schaffen könnte.

    Unvergessen ist sicher die Affäre Möllemann. Auch damals war Kubicki als dessen Anwalt auf der Gegenseite zum Vorsitzenden. Gerhard Baum hat seit dem Amtsantritt des Vorsitzenden keine nennenswerten Beiträge mehr für die Partei geleistet, weil er gemerkt hat, dass freiheitliche Gedanken nicht mehr wichtig waren, einzig das Thema Steuer war erwünscht.

    Nun kann man schimpfen, wie man will, immerhin hat diese Strategie als Opposition zum Erfolg geführt, nur jetzt zeigt sich, dass da nichts ist außer dem einen Thema – und das ließ sich nicht einmal ansatzweise durchsetzen. Warum? Nicht, weil die Kassen „leer“ sind, sondern weil man nicht das Finanzministerium besetzen wollte.

    Ich bin sehr sicher, es würde Millionen von Deutschen in Steuerfragen schon genügen, wenn die Mehrwertsteuer endlich gerecht gestaltet würde. Nicht, dass dann dem Bürger am Ende „mehr Netto vom Brutto“ bleibt, aber er würde sehen, dass dieses Thema wenigstens mal angepackt würde.

    Die „Lex McDonald’s“ abzuschaffen wäre ein großes Ziel, ordnungspolitisch geboten, fair und auch für diesen Giganten bezahlbar.
    Aber Schäuble hat die Reform der Mehrwertsteuer für die nächsten Jahre ausgeschlossen, weil kaum Mehreinnahmen zu erwarten sind und sich dafür der Kampf gegen die Giganten und Lobbyisten nicht lohnt.

    McDonald’s dankt Schäuble und allen, die hier ebenfalls untätig herumstehen.

    • stefanolix sagt:

      Die FDP hatte als Opposition von 1998 bis 2009 Erfolg, weil in dieser Zeit die beiden Regierungen so viele Fehler gemacht haben. Gegen die »Große« Koalition oder gegen die Rot-Grüne Bundesregierung war Opposition ja wirklich nicht allzu schwer, da konnte man inhaltlich und rhetorisch glänzen.

      Die FDP hat in Steuerfragen den Offenbarungseid abgelegt, als sie sehenden Auges das System der Umsatzsteuer noch ein wenig unfairer und unübersichtlicher gemacht hat und als sie nach der Wahl ihren einzigen ausgewiesenen Steuerexperten kaltgestellt hat. In Bezug auf Steuern muss mir die FDP in den nächsten zehn Jahren überhaupt nichts mehr erzählen.

      Die FDP hat momentan einen Wirtschaftsminister, der den geringen Einfluss dieses Amtes einigermaßen nutzt und keinen besonderen Schaden anrichtet. Aber weder Herr Brüderle noch sonst irgendein Politiker muss mir etwas vom Aufschwung erzählen, wenn wir gerade die Rückstände gegenüber der Zeit vor der Krise aufholen. Und das ganze noch mit Milliarden unterstützen, die von unseren Enkeln nur geliehen sind.

      Bindende Regeln für Banken, mit denen man das nächste Mal das Schlimmste verhindern kann, haben wir immer noch nicht. Stattdessen sorgen wir als Steuerzahler dafür, dass die Boni der Banker gezahlt werden, die ohne den Staat keinen Job mehr hätten. Und es wurde kein Politiker jemals zur Verantwortung gezogen, der die Milliardenverluste der Landesbanken mit zu verantworten hat … Insofern gebe ich der FDP wirtschaftlich allenfalls ein Genügend, besser als in der Großen Koalition ist die Wirtschaftspolitik jetzt auch nicht.

      Derweil steigen für fast alle Bürger die Sozialabgaben und es bleibt jedes Jahr weniger Netto vom Brutto. Und FDP-Minister Rößler definiert den Begriff »Netto« um, damit diese Entwicklung noch ein wenig schöngeredet wird. Auch das kann ich in einer Großen Koalition ohne Beteiligung der FDP haben. Dass Herr Rößler ein klein wenig sympathischer daherkommt als Ulla Schmidt — dafür kann ich mir auch nichts kaufen.

      Offen gesagt könnten wir meinetwegen eine permanente Großen Koalition einführen. Wozu noch wählen? In einer Großen Koalition kriecht dann zwar alles so dahin, aber man weiß wenigstens, woran man ist. Und auf so einen Unfug wie mit der Hotel-Umsatzsteuer hätten Merkel/Steinbrück gleich verzichtet …

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