Herzschlag für die Kunst

Heute abend habe ich noch kurz in der Kreuzschule vorbeigeschaut. Der Abend des Tages der Offenen Tür stand unter dem Motto »Herzschlag« und hier sind zwei Bilder:

Am Haupteingang (10.02.2011).

IMG_2011-02-10-8

Projektion vor dem Theaterkeller (10.02.2011).

Im Theaterkeller haben Schüler einer 9. Klasse einige kurze Szenen aus dem »Nathan« gespielt. Sie haben die Dialoge meist auf mehrere Schüler aufgeteilt. So haben mehrere Schüler die Ringparabel vorgetragen und auch in anderen Szenen wechselten die Darsteller. Schön war die Schach-Szene am Anfang, in der Sittah zu Saladin sagt:

Frag noch! — Weil du mit Fleiß, mit aller
Gewalt verlieren willst. — Doch dabei find
Ich meine Rechnung nicht. Denn außer, daß
Ein solches Spiel das unterhaltendste
Nicht ist: gewann ich immer nicht am meisten
Mit dir‘ wenn ich verlor?

Die Schüler waren ungefähr in dem Maße aufgeregt, wie Saladin beim Schachspiel geistesabwesend ist ;-)

Ich hatte eigentlich gedacht, dass man viele Bezüge auf die heutige Zeit einbauen könnte. Als wir das Stück Anfang der 1980er Jahre in der Schule gelesen haben, war unsere Hauptsorge nicht der Konflikt zwischen den drei Weltreligionen, sondern das Wettrüsten zwischen Ost und West. An 9/11 oder an die Bedrohung der Kunstfreiheit durch religiöse Fanatiker war nicht zu denken.

Die Deutschlehrerin und ihre Schüler haben die Texte der Szenen aber gar nicht verändert und so wirkten sie sehr eindringlich. Doch das Publikum dieses Abends musste man wohl nicht überzeugen und die Menschen, die man überzeugen müsste, kommen nicht zum »Nathan« …


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6 Responses to Herzschlag für die Kunst

  1. katharina b. sagt:

    Also ich war auch da … die Performance war interessant! Auch die Bandkonzerte haben (nicht nur mir) gefallen ;)

    Freu‘ mich schon auf nächstes Mal!

    • stefanolix sagt:

      Ich kann nur sagen (nach dem was ich gesehen habe): es waren ganz viele begeisterte, engagierte und aufgeregte Schüler dabei, das Motto »schola lucis« war schon in sehr vielen Gesichtern zu sehen.

      Und ja: die Musik war laut und gut ;-)

  2. Muyserin sagt:

    Die Bilder gefallen mir.

    • stefanolix sagt:

      Ich hätte gern mehr Bilder gemacht, aber bei der Aufführung hätte es wirklich gestört und in den Gängen der Schule wollte ich auch das Fest nicht stören. Ich war ja nur Gast und wir waren nur etwas mehr als eine Stunde dort.

  3. Erfreulich zu lesen! Ein Hoch auf die Deutschlehrerin, die ihre Schülern für den Nathan so begeistern konnte.

    • stefanolix sagt:

      Oh ja! Man merkte allen Beteiligten die Aufregung an ;-)

      Für mich war der Nathan in der Zeit der achten/neunten Klasse ein Schritt zur geistigen Befreiung aus einer extrem engstirnigen und kleingeistigen Religionsgemeinschaft, in der ich damals noch zwangsweise sein musste. Im Rückblick aus weiter Ferne kann ich sagen, dass da einfach ein heranwachsender Junge und ein Stück zum richtigen Zeitpunkt zusammengetroffen sind. Ich habe freiwillig viel mehr gelesen, als wir eigentlich mussten …

      Allerdings hätte man es sich Anfang/Mitte der 1980er nicht träumen lassen, dass nach dem Jahr 2000 wieder so ein schlimmer religiöser Fanatismus aufleben würde. Das schien doch durch die Aufklärung und die Vernunft und die Trennung von Staat und Kirche überwunden …

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