Zum Extremismus (2): Die Verharmlosung des Linksextremismus

Die »Farm der Tiere« ist für die meisten Menschen eines der ersten politischen Bücher im Leben. In der DDR mussten wir das Buch heimlich lesen, heute ist es für jeden verfügbar. Wie alle Fabeln ist »Farm der Tiere« völlig zeitlos. Auch wer die Vorgänge in Russland zwischen 1917 und 1945 nicht kennt, ist beeindruckt von dem verständlichen und moralischen Text.

Nach der Revolution gaben sich die Tiere in Orwells Fabel sieben Gesetze. Diese Gesetze zeichneten sich durch einen radikalen Egalitarismus aus: niemand soll Privilegien genießen, die Tiere sollen als Gemeinschaft zusammenhalten, niemand soll sich so verhalten, wie die ehemaligen Ausbeuter:

1. Alles was auf zwei Beinen geht, ist ein Feind.
2. Alles was auf vier Beinen geht oder Flügel hat, ist ein Freund.
3. Kein Tier soll Kleider tragen.
4. Kein Tier soll in einem Bett schlafen.
5. Kein Tier soll Alkohol trinken.
6. Kein Tier soll ein anderes Tier töten.
7. Alle Tiere sind gleich.

Doch bald rissen einige Tiere die Macht an sich. Sie töteten und unterdrückten, sie beuteten die anderen Tiere aus und pflegten am Ende gute Beziehungen zu den ehemaligen Ausbeutern.

Zweifellos waren die Revolutionäre in vielen ehemals sozialistischen und kommunistischen Staaten am Anfang so radikal wie die Tiere in Orwells Fabel. Die Produktionsmittel wurden verstaatlicht, die Bauern wurden zwangskollektiviert, niemand sollte mehr besitzen als der andere. Doch jeder Versuch endete bisher mit der Machtergreifung einer kleinen Clique, mit Schauprozessen und Lagern, mit vielen Toten.

An die »Farm der Tiere« musste ich denken, als ich ein Statement von Gero Neugebauer las. Er gehört zu den Wissenschaftlern, die den Begriff Linksextremismus ablehnen. In einem Beitrag für die Veranstaltung »Gibt es Extremismus?« (Dresden, 2010), Quelle (1), Seite 17/18, schreibt er:

»Die unter Rechtsextremismus subsumierten Einstellungen und Verhaltensweisen sind in toto eine Bedrohung des demokratischen Gemeinwesens und der ihr zu Grunde liegenden Werte. Das kann m. E. auch in Bezug auf die Konsequenzen einer Ideologie gesagt werden, die dogmatisch auf Prinzipien des Stalinismus und der Diktatur des Proletariats beruht und irreführend als »links« tituliert wird.« [Hervorhebung von mir]

Er glaubt also, mit einem Federstrich die Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts umschreiben zu können: stalinistische, kommunistische und artverwandte Diktaturen begannen nach seiner Meinung niemals linksradikal und werden nur irreführend so bezeichnet.

Diese Verharmlosung erscheint mir gefährlich. Heute wird radikaler und militanter Egalitarismus ja durchaus wieder als Vorwand für Brandanschläge, Angriffe auf die Polizei und andere Gewalttaten verwendet. Gero Neugebauer beschreibt dann, was nach seiner Definition links ist:

Linke Einstellungen nenne ich solche, die nicht allein antikapitalistisch und wohlfahrtsstaatlich, sondern zugleich auch libertär, demokratisch und antiautoritär bestimmt sind. Betrachtet man die aus diesen Kontexten stammenden Vorstellungen über die Strukturen und Regeln der politischen Organisation einer Gesellschaft, dann sind diese gemäß ihren Herkünften und Zielen durchaus unterschiedlich sowohl hinsichtlich des Reflektionsniveaus ihrer Chancen auf Realisierung als auch der ihnen zu Grunde liegenden Einstellungen. Und eine Einstellung, wie sie im »Lied des Autonomen« beschrieben wird, mag vielleicht extrem erscheinen, sie ist es jedoch nicht politisch. [Liedtext: siehe Quellen (1) und (2)].

Meine Übersetzung dieser verschachtelten Trivialität: Wer als Linker zu extremen Mitteln greift, ist nicht politisch, sondern nur unterschiedlich ;-)  — Und wir hatten schon festgestellt: wer den Kommunismus oder Stalinismus propagiert, ist nicht links. Damit fehlt für linke Angriffe auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung plötzlich ein aussagekräftiger Begriff.

Wenn aber kein Begriff existiert — müssen wir uns dann mit dieser Gefahr überhaupt noch beschäftigen?

Ich fand eine Idee am 13. Februar im Ansatz gut: das war der »Täterspaziergang« zu den Standorten der Naziherrschaft in Dresden. Dieser Spaziergang ist auch eine anschauliche Warnung vor den heutigen Neonazis. Aber einen zweiten Täterspaziergang müsste es zu den Standorten der SED-Diktatur in Dresden geben — als anschauliche Warnung vor der Ideologie der gewaltsamen Gleichmacherei.


Eine aktuelle Ergänzung: In diesem Beitrag auf npd-blog.info argumentiert der grüne Politiker Sven-Christian Kindler gemeinsam mit der grünen Politikerin Astrid Rothe-Beinlich gegen die Verwendung des Begriffs Extremismus. Er ist »Haushaltsberichterstatter für das Bundesprogramm gegen Rechtsextremismus«.



(1): Material zur Veranstaltung »Gibt es Extremismus?« (Dresden, 2010) (dort gibt es eine PDF-Datei zum Download).
(2): Webseite mit dem Text »Lied des Autonomen«


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43 Responses to Zum Extremismus (2): Die Verharmlosung des Linksextremismus

  1. googlehupf sagt:

    Bezüglich Neugebauers Definition von „links“ kann ich mir vorstellen, dass ihn ähnliche Motive leiten wie „uns“ wenn wir uns gegen die Entstellung des Begriffs (neo)liberal wehren, der sich ja seit langer Zeit in eine Chimäre jeglichen Unheils verwandelt hat.
    Wenn ich libertärer Linker wäre, würde ich wohl auch versuchen klarzumachen, dass ich nicht den Stalininismus wiederhaben will und das Regime eben nicht links gewesen sei. Wobei die MLPD sich sicherlich als links sieht aber sich im Gegensatz zur libertären Linken von Stalin und Mao nicht abgrenzt. Also gelangen wir dann vielleicht doch zu der Trennline Etatismus vs. Antietatismus?

    Letztlich definiert Neugebauer den Begriff links nach einem bestimmten Verständnis: aus einer Untermenge des Begriffs links und anderer Begriffe.
    Andere Phänomene die mit in der Gesamtverständnismenge des Begriffs mit herumschwimmen lässt er weg. Kann man sicherlich vernünftig begründen aber man kann dagegen auch argumentieren, wie du es z.B. hier gemacht hast.

    Das mit dem Täterspaziergang fand ich auch ganz interessant und teile da deine Einschätzung.

    Ach ja, wie kann man eigentlich „wohlfahrtsstaatlich“ (seltsames Adjektiv für Menschen) und gleichzeitig libertär sowie antiautoritär sein? Passt für mich nicht zusammen.

    • stefanolix sagt:

      Zunächst: es ist doch völlig unumstritten, dass viele Linke ihre Überzeugung mit völlig friedlichen Mitteln vertreten. Gern auch linkslibertäre und gleichzeitig wohlfahrtsstaatliche Überzeugungen ;-)

      Das ist ja kein Linksextremismus.

      Wenn Herr Neugebauer sauber zwischen linksradikalen Überzeugungen und linksmotivierter Gewalt abgrenzen würde, dann hätte ich ihn ja hier nicht als Verharmloser zitieren müssen ;-)

      Aber dass militante Linke nicht politisch seien, kann doch wohl nur ein schlechter Witz sein.


      Und zum Täterspaziergang — man kann es bei so heiklen Themen nicht oft genug wiederholen:

      Der Widerstand aller demokratischen Kräfte gegen Neonazis ist wichtig und soll nicht zerredet werden. Ich will im Frühjahr, wenn es mir die Zeit gestattet, mindestens zwei Täterorte besuchen, beschreiben und fotografieren.

      Mir ist es aber wichtig, die Balance wiederherzustellen und die Argumente der Verharmloser der linken Gefahr zu untersuchen. Extremistische Bedrohungen müssen differenziert diskutiert werden. Und wenn wir einen besseren griffigen Begriff dafür finden, soll es mir recht sein. Bis dahin heißen die beiden Gefahren Rechtsextremismus und Linksextremismus.

  2. randOM sagt:

    Links, rechts, alles Quatsch. Nur orientierende Bezeichnungen um Dinge zu verorten. Das kann als Kategorisierung richtig sein, ist es aber meist nicht. Das Entscheidene ist doch, wie sich die verhalten, die Macht haben und das bringst Du ja mit Deiner Nacherzählung der Orwell-Fabel zum Ausdruck: „Doch bald rissen einige Tiere die Macht an sich. Sie töteten und unterdrückten, sie beuteten die anderen Tiere aus und pflegten am Ende gute Beziehungen zu den ehemaligen Ausbeutern.“
    Und wenn man über einmal das Thema „Macht“ diskutiert, dann muss man zum Beispiel auch Anarchismus, also die Negation „zentraler Macht“ mitdenken…

    Eine persönliche Bemerkung sei mir noch erlaubt: „Linke Gefahr“ klingt nach Bedrohungslage und Notstandsgesetzen. Wer braucht denn sowas? Also ich nicht. Die Braunen sehe ich hingegen als echte Gefahr, weil sie schon keine zu unterschätzenden Basis haben, vom Dumm-Proll bis zum hochintelligenten Akademiker mit Herrenmensch-Attitüde. Da sehe ich „die Linken“ wesentlich schwächer aufgestellt, ganz zu schweigen von den „extremen Linken“. Also bitte schön den Ball flach halten! Danke, Kamerad! :-)

    • stefanolix sagt:

      In meinem Artikel geht es um die Frage, ob das Offensichtliche benannt oder verschwiegen werden soll. Und deshalb spiele ich einen ganz ruhigen Ball, Kamerad ;-)

      Seien wir realistisch, benennen wir das Unmögliche: Ein so hoch entwickeltes Gemeinwesen wie die Bundesrepublik kann nicht nach dem Prinzip der Anarchie fortbestehen.

      Sowohl Wirtschaftsleistung als auch Sozialleistungen brauchen eine stabile Basis. Ein solches Gemeinwesen kann nach den Grundsätzen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung organisiert sein. Zumindest sagen die historischen Erfahrungen, dass eine solche gesellschaftliche Grundordnung von allen fehlerbehafteten Ordnungen die beste ist.

      Was ich mit meinen Gedanken zu Orwells Fabel ausdrücken wollte: die Ideologie von der Gleichheit aller und vom Verzicht auf Machtausübung mag sehr schön sein — aber bisher entstand dabei immer eine wesentlich schlimmere Gesellschaftsform als unsere Demokratie. Da gab es keinen Gedanken an die »Negation zentraler Macht«.

      In meinem Artikel geht es überhaupt nicht darum, ob die Bedrohung von links oder rechts größer ist. In meinem Artikel geht es auch nicht um andere Bedrohungen, wie z.B. Machtkonzentrationen in der Wirtschaft.

      Scheindemokratische Gesellschaftsordnungen wie z.B. in Singapur können wirtschaftlich eine Weile gut funktionieren, pressen aber die Menschen in ein unfreies System.

      In der Ablehnung totalitärer Systeme sind wir uns ja sicher einig, Kamerad …

    • Lenbach sagt:

      Eine persönliche Bemerkung sei mir noch erlaubt: „Linke Gefahr“ klingt nach Bedrohungslage und Notstandsgesetzen. Wer braucht denn sowas? Also ich nicht. Die Braunen sehe ich hingegen als echte Gefahr, weil sie schon keine zu unterschätzenden Basis haben, vom Dumm-Proll bis zum hochintelligenten Akademiker mit Herrenmensch-Attitüde. Da sehe ich „die Linken“ wesentlich schwächer aufgestellt, ganz zu schweigen von den „extremen Linken“.

      Das hat man heute wieder gesehen. Die Linksextremen quasi nicht vorhanden. Von Bedrohung und Notstand keine Spur.

      Wie kann man nur eine so verschobene Wahrnehmung haben? Man sehe sich einmal das an:

      http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/a-z/5869251.html?5588147

      • stefanolix sagt:

        Das konnte randOM aber gestern noch nicht wissen. Am Abend des 19. Februar war klar, dass beide Sorten der Extremisten Gewalt angewendet haben. Aber nicht in der Nacht um halb zwei Uhr.

        Im Rauch der brennenden Mülltonnen hat sich die Illusion von einem guten und gewaltfreien Widerstand gegen eine Demonstration der Rechten aufgelöst — Stunden, bevor die Rechten überhaupt zum Demonstrieren angetreten sind.

        Schlimm ist es für die Leute in den Wohngebieten im Dresdner Süden gewesen, die für die ganze Sache überhaupt nichts können.

      • Lenbach sagt:

        Es läuft aber doch immer nach dem gleichen Schema ab, dazu muß man kein Hellseher sein. Es ist immer ein erheblicher Prozentsatz dabei, der NIE friedlich demonstrieren würde. So etwas wie heute unter umgekehrten Vorzeichen wäre undenkbar! Da zu behaupten, die Rechte wäre wesentlich besser aufgestellt als die Linke, also bitte…

        (…) Mehrere tausend Gegendemonstranten waren, insbesondere im Umfeld der Versammlungsorte am Hauptbahnhof und dem F.-C.-Weiskopf-Platz, unterwegs. Unter den Demonstranten befanden sich zahlreiche gewalttätige Personen.

        Die Gewalttäter versuchten wiederholt in den Versammlungsraum des rechten Spektrums zu gelangen bzw. Teilnehmer anzugreifen. Darüber hinaus gingen sie auch zielgerichtet gegen Einsatzkräfte vor. Dabei sind Beamte massiv mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen worden. Mehr als 50 Polizisten wurden verletzt.

        Nach einem gezielten massiven Durchbruch durch die Polizeiabsperrrung kam es am Nachmittag auf der Fritz-Löffler Straße/Reichenbachstraße zu einer Verhinderungsblockade. Dabei waren bis zu 800 Personen beteiligt. Unter ihnen befanden sich auch Mitglieder des Bundestages und des sächsischen Landtages.

        Weiterhin setzten Gewalttäter Mülltonnen in Brand, blockierten Straßen und griffen eine Polizeidienststelle an (die Polizei berichtete bereits dazu).(…)

        http://www.polizei.sachsen.de/pd_dresden/5936.htm

      • Frank sagt:

        Das Idiotische daran ist ja auch, dass diese angeblich Linksextremen mit linker Politik bzw. überhaupt mit ernsthafter Politik höchstwahrscheinlich sowieso nichts am Hut haben. Dass solche Ausschreitungen dann nur negative Image-Auswirkungen auf echte linke politische Arbeit haben, ist doch klar. Und warum sich linke Politiker und Organisationen (also LINKE, Grüne, SPD, Gewerkschaften, bis hin zu Umweltschutzverbänden) nicht ganz klar von solchen Randale-Touristen distanzieren, ist mir ein absolutes Rätsel.

        Einige weitere Videos des Tages hat übrigens dieser Kollege zusammengefasst.

      • stefanolix sagt:

        Und für mich ist es ein Rätsel, warum sich friedliche Dresdner nicht von coloRadio distanzieren. Ich habe gestern die Sendung ab etwa 18.45 verfolgt und fand es so übel wie nie zuvor. Ich schreibe gerade einen Artikel darüber …

      • Frank sagt:

        Interessant fand ich vorher eine Stelle, als ein Student von der Situation südlich vom Bahnhof berichtete und abschließend (sinngemäß) sagte: „Ich möchte alle Demonstranten dazu aufrufen: Bleibt friedlich! Gewalt und Konfrontation schaden unserem Anliegen nur“. Und der Moderator bei CR sagte (sinngemäß aus dem Gedächtnis):“Hm … naja … wir akzeptieren ja auch andere Meinungen …“

  3. Muyserin sagt:

    @Frank: Widersprichst Du Dir nciht selbst, wenn Du einerseits sagst, „dass diese angeblich Linksextremen mit linker Politik bzw. überhaupt mit ernsthafter Politik höchstwahrscheinlich sowieso nichts am Hut haben.“, andererseits aber forderst, dass „linke Politiker und Organisationen (also LINKE, Grüne, SPD, Gewerkschaften, bis hin zu Umweltschutzverbänden)“ sich „ganz klar von solchen Randale-Touristen distanzieren“ müssten. Das hinkt doch. Wenn etwas nicht auf meinem Mist gewachsen ist, muss ich mich doch davon auch nciht distanzieren.

    • Frank sagt:

      Prinzipiell hast Du damit Recht, aber dass diese Typen mit Politik gar nichts am Hut haben, ist ja nur meine persönliche Einschätzung. Offiziell bezeichnet man das in den Medien und in der Politik schon als links(-extrem). Und viele dieser „Randale-Touristen“ bezeichnen sich wahrscheinlich selbst auch als links. Insofern wäre es für o.g. Parteien und Organisationen schon gut, sich von solchen als „linksextrem“ eingestuften Typen abzugrenzen.

      • Muyserin sagt:

        Ich denke, solange sich die o.g. Organisationen mit ihrem Tun in einem freiheitlich-demokratischen Rahmen bewegen, besteht dazu kein Anlass.

      • Frank sagt:

        Na, sagen wir mal so: Es ist letztlich deren Sache, ob sie ihr Image aufbessern wollen, oder nicht.

      • Muyserin sagt:

        Distanziert sich die CDU von Ewiggestrigen bei Vertriebenenverbänden? Juckt das CDU-Wähler?

      • Frank sagt:

        Was hat das jetzt damit zu tun?

        1. Könnte man fragen, ob Vertriebene mit Steinen werfen (aber darauf fallen mir selbst Gegenargumente ein und das führt vom Thema weg)

        2. Ist diese Argumentationsmethode nicht sehr wegweisend: Wenn die Menschengruppe X etwas falsch macht, ist es doch kein Lösungsansatz zu sagen, die entgegengesetzt orientierte Gruppe Y hätte aber auch schon mal etwas falsch gemacht.

        3. Links sein bedeutet für mich immer noch* (einfach ausgedrückt), dass man Mut zu neuen Gedanken hat (ja, ich weiß, dass man das bei unseren real existierenden linken Parteien/Organisationen nicht immer ausmachen kann) – jedenfalls wäre es da für diese linke Seite ein schöner Ansatz zu sagen: Wir reden uns nicht damit heraus, dass ja auch die Gegenseite Fehler macht, sondern stehen über solchen Denkweisen und sind schon einen Schritt weiter …

        (* Ich hoffe, dass das jetzt nicht in zeitraubende Grundsatzdiskussionen ausartet ;-) )

      • stefanolix sagt:

        Aber man muss sich doch die »Bündnispolitik« mal ganz sachlich ansehen. Auf dem Plakat zur Blockade der Neonazi-Demo ist keine Distanzierung von Gewalt enthalten, sondern im Gegenteil ein Solidarisierung mit allen, die das selbe Ziel haben. Von der Wahl der Mittel ist dort nicht die Rede.

        So, und politische Kräfte mit Mut zu neuen Gedanken nennt man nicht links, sondern progressiv. Linke können progressiv sein, aber andere Leute nicht minder ;-)

  4. Paul sagt:

    @Paul: Äußern Sie bitte Ihre Kritik in sachlicher Art und Weise — damit sind Sie immer willkommen. Aber das ging zu weit.

    • Frank sagt:

      Falls das jetzt meine Argumentation irgendwie unterstützen soll, muss ich leider sagen: Das ist nicht logisch (Zitat Mr. Spock) und ein völlig überzogener und unverschämter Vergleich! Es ging bisher darum, dass Parteien sich von politisch nahestehend eingeordneten Extremisten distanzieren sollten. Aus welchem Grund sollte Muyserin Kindermördern nahestehend sein?

  5. Micha W. sagt:

    @ Links, Rechts usw.
    So weit mir bekannt ist, wird in UK „rechts“ eher als „mehr Eigeninitiative (Wirtschaft)“ (sinngemäß meine Deutung) und „links“ mit „mehr Staat“ gesehen … mit Abstufungen natürlich.
    Neubauer hat m.E. recht, denn er bezieht sich auf das Totalitäre, da geht es weniger um „links“ und „rechts“. Auch eine monopolartige Ausbreitung einiger Unternehmen hat etwas Totalitäres an sich. Mit anderen Worten, links und recht bzw. libertär und autoritär überschneiden sich mitunter.

    @Animal Farm
    Ich habe das Buch nicht mehr hier, doch ich hatte mal ’ne englische Ausgabe … und wie ich bei Wikipedia gerade las (http://en.wikipedia.org/wiki/Animal_Farm#.22The_Freedom_of_the_Press.22) kritisierte Orwell sehr wohl auch die britische Politik, auch wenn die Inspiration zu „Animal Farm“ vom Stalinismus kamen.
    Man kann auch gern mal die „Intentions“ Orwell’s zu „1984“, 4 Jahre nach „Animal Farm“ entstanden/erschienen, lesen: http://en.wikipedia.org/wiki/Nineteen_Eighty-Four#Intentions
    Orwell sah sich selbst angeblich als „demokratischer Sozialist“ …

    Alles in allem wollte ich damit die Schwierigkeit mit den Begriffen „links“ und „recht“ nochmals betonen … das führt meist zu wenig, „libertär“ und „autoritär“ führen da m.E. meist weiter.

    @ Einträge „löschen“
    Stefan, kurze Frage, wäre es nicht sinnvoller, Einträge drin zu lassen – abgesehen von SPAM à la „X§$ .. usw“?
    Ich meine klar, ist ein von dir betriebener Blog, doch kann man da nicht entspannt mit etwas Humor drauf reagieren? Wenn jemand anderes sich nicht im Zaum halten kann, ist das doch nicht dein Problem … und wenn mal ein etwas schräger Eintrag drin ist, verliert dein Blog nicht gleich Dutzende Leser ;) … „löschen“ sieht immer ein bisschen nach Zensur aus, weil keiner weiß, was dort gestanden hat ;)

    • stefanolix sagt:

      Die Deutung Links/Rechts bezog sich auf Deutschland. Was Du zitierst, ist auch eine sehr interessante Einteilung, trifft es aber IMHO in Bezug auf »unseren« Extremismus nicht. In der deutschen Geschichte war der Staat unter der nationalsozialistischen Diktatur übermächtig und unter der stalinistischen Diktatur auch — natürlich jeweils in seiner speziellen Ausprägung. Entsprechend eingeschränkt war die Freiheit.

      Zur »Farm der Tiere« werde ich noch etwas schreiben.

      Zum Löschen: Frank hat ja danach auf den Eintrag noch andeutungsweise geantwortet. Wenn man mich scharf angeht, dann kann und muss ich damit umgehen. Aber wenn man meine Gäste angreift, dann sehe ich mich eher in der Pflicht, etwas zu löschen. In diesem Fall war der Kommentar einfach unverschämt und inakzeptabel.

  6. Muyserin sagt:

    Meiner Meinung nach besteht ein Unterschied darin, ob ein Blogger zensiert oder von seinem Hausrecht Gebrauch macht. In manchen Fällen muss er sogar löschen, wenn die Inhalte gegen Gesetze verstoßen.

    Wieso sollte man im Leben eigentlich immer auf alles entspannt reagieren? Die, die beleidigen, sind doch am unentspanntesten. Das Sprichwort: „Wie man in den Wald hineinruft, schallt es zurück“ passt da sehr gut.

    • stefanolix sagt:

      Für’s Protokoll: Ich war beim Auskommentieren (Unsichtbarmachen) ganz entspannt ;-)

      Um noch mal auf Micha zurückzukommen: Mir geht es dabei wirklich nicht um die Anzahl der Aufrufe meines Blogs. Ich muss so etwas aus Überzeugung tun oder es aus Überzeugung lassen.

    • Micha W. sagt:

      Hmm, „Hausrecht“, schwieriges Thema … natürlich ist es besser hinzuzufügen, dass man etwas entfernt hat als es ohne Hinweis zu tun … gibt es durchaus auch in der Bloggerszene. Doch ein „Hausrecht“ auf einen Blog?
      Hmm, nehmen wir mal an, der Blog hier, wäre ’ne BAr, wo ab und an mal jemand reinkommt, der nichts trinkt und Gäste anpöbelt. Schmeiße ich den raus?
      Kann man machen … vielleicht bringt es das nächste Mal paar seiner Kumpels mit ;) … also, unterhält man sich mit ihm und gibt ihm mehrere Glas Wasser, die er gern kostenfrei bekommen kann … Menschen, die provozieren wollen, bekommt man doch nicht los, in dem man sie ausschließt, oder? ;)

      Gesetze? … Hmm, Recht und Gerechtigkeit sind ja zwei verschiedene Dinge. Gesetze sind nichts vom Himmel gefallenes … zudem wird jedes Gesetz meist auch einer Interessenabwägung unterzogen.

      Und wenn diejenigen, die beleidigen jene sind die am unentspanntesten sind, dann kann ich ja auch ganz entspannt sein und den „Mist“ stehen lassen .. und wenn mir etwas einfällt, schreibe ich etwas dazu, mit dem ich mich über den Schreiber lustig mache …

      Es sind – alles in allem – nur Anmerkungen meinerseits … Stefan, du kannst natürlich so verfahren, wie du es für richtig hältst ;)

      • Muyserin sagt:

        @ Micha W. „Hausrecht auf einen Blog“, schreibst Du. Es gibt das Recht auf einen Blog (freie Meinungsäußerung) und das Hausrecht innerhalb bzw. über einen Blog. Dieses musst Du sogar wahrnehmen: ohne jetzt über juristische Detailkenntnisse zu verfügen, nimmst Du mit dem Impressum Verantwortung für ein Blog an.

        Du bringst das Beispiel mit der Bar und redest vom Gast, der rumpöbelt und den man dafür rauschmeißen könnte, aber nicht unbedingt würde. Ich weiß nicht, welche Bars Du so frequentierst, aber in meinen Stammkneipen geschähe das ganz schnell. Wenn sich der Wirt nämlich nicht um das Wohlergehen aller Gäste kümmert, bleiben diese ganz schnell weg. Und das, was den Wirt am meisten interessiert, ist sein Umsatz.

        Was dem Wirt sein Umsatz, ist uns Bloggern die Diskussion. Wenn man sich die nicht unerhebliche Zeit nimmt, seine Gedanken auszuformulieren und in einem Artikel zu veröffentlichen, erhofft man sich Reaktionen, Antworten.

        Und ein Troll (ich nenne es der Einfachheit halber so, auch wenn die Motivation nicht immer Trolling sein mag) kann ein ganzes Forum lahm legen. (Dazu gibt es Studien, die ich Dir bei Bedarf gerne zukommen lassen kann.)

        Schon jetzt ist es so, dass Du mit Deinen zwei Fragen, die Stefanolix Löschpraxis in Frage stellen, sowie ich mit meinen Einlassungen darauf, vier Beiträge weit vom eigentlichen Thema entfernt sind. Das ist doch eigentlich schade. :)

        Ich weiß nicht, wie viele Kommentare Du auf Deinem Blog erhältst, und wie viele davon fragwürdiger Natur sind. Jedenfalls steht es Dir frei, dort mit ihnen ganz liberal, ja sogar libertär zu verfahren. ;)

      • Micha W. sagt:

        @ Muyserin
        „Fragwürdige“ Kommentare auf meinen Blogs – rund 10%, schätze ich. Doch ich habe auch weit weniger zu tun als Stefan, deshalb kann ich auch drauf eingehen ;) … zudem habe ich mittlerweile Spaß an einigen schrägen Zeitgenossen gefunden – wenn man sich selbst nicht so ernst nimmt, stellt man auch schnell seine ganz eigene Schrägheit mal fest :)

        @ Wirt & „Rausschmeißen“
        Wenn dem Wirt der Umsatz immer an vorderster Stelle steht, dann dürfte auch jeder der pro Stunde nur ein Getränk kauft, schnell draußen sein :)
        McDonalds hat das (psychologisch) optimiert, angeblich zum Beispiel durch aggressive Farbwahl des Inventars (knallgelb & – rot), was auf Gäste unangenehm wirkt, so dass sie nicht lange sitzen bleiben wollen :)

        @ „Hausrecht“
        So weit ich weiß, übernimmt man nicht zwangsläufig die Verantwortung für die Meinungen anderer. Dann würde jeder Hausbesitzer, der über Nacht einen Hakenkreuz an seine Wand gemalt bekommt, ein Problem haben.

        @ „Troll“, Thema & Extremismus
        Nehmen wir mal ruhig dieses Wort, meist gern auch als „Totschlagwort“ benutzt: der Troll.
        Extreme bzw. Extremisten sind doch auch nichts anderes als sog. „Trolls“ … sie stören immer irgendwie wen, rufen Opposition/Gegenwehr hervor und im Fall von Nazis, fordern dann einige auch mal „Dresden nazifrei“ … was genauso absurd ist wie ein „trollfreies Internet“.
        Es kommt darauf an, wie man damit umgeht …

        @ Vier Beiträge „am Thema vorbei“
        Liebe Myuserin … ich hoffe doch du fühlst dich nicht gezwungen, einen Kommentar zu schreiben, oder? ;)
        Wenn wir immer „hart am Thema“ bleiben wöllten, dann könnte man auch eine Zensur einführen … der Meinungsmarkt regelt das schon ganz elegant – was uninteresant ist, wird einfach überlesen.
        Wer aus- oder abschweifend schreibt, der verliert sowieso bald die Lust, wenn keiner die Sachen liest oder keiner drauf antwortet – übrig bleibt, was er für sich selbst schreiben, und dennoch mitteilen möchte … ich schreibe das sehr wohl selbstkritisch, dessen bin ich mir bewusst :)

      • Muyserin sagt:

        Micha, Let’s agree to disagree, und jetzt zurück zum eigentlichen Thema. :)

      • stefanolix sagt:

        Ich danke Euch für die Anmerkungen zu Hausrecht und Zensur. Ich sollte eine Seite zu meinen Prinzipien verfassen und immer wieder verlinken, wenn ich mal eingreifen muss.

        Der Anteil an wirklich beleidigenden Kommentaren ist hier extrem (sic!) gering. Der Anteil an provokativen Kommentaren ist höher, aber da greife ich gar nicht ein.

        OT: Interessant ist übrigens, dass vor einiger Zeit in unserer Gegend in den Briefkästen ein anonymer Zettel lag, auf dem man aufgefordert wurde, eine bestimmte Kneipe nicht zu besuchen, weil der Eigentümer den Neonazis nahestünde. Ohne Beweis. Das Trollen findet seinen Weg zurück in das reale Leben …

      • Antifa sagt:

        Gabs da zufällig Schnitzel?

      • stefanolix sagt:

        Keine Ahnung, ich war dort nicht. Aber mir ist das »Kauft-nicht-beim-…«-Prinzip in jedem Fall zuwider.

        Die Gegner bestimmter zweifelhafter Produkte können immer sachliche Öffentlichkeitsarbeit machen, auch gewaltfreie Aktionen.

        Aber wenn jemand einen Anbieter denunziert, nur weil dieser zu einer bestimmten ethnischen oder politischen Gruppe gehört, dann kommen mir zuverlässig die Bilder aus der NS-Zeit in den Sinn.

      • Frank sagt:

        @ Antifa: Leicht off topic, aber – Schnitzel (also überhaupt Fleisch) essen war doch auch irgendwie faschistisch, oder? Das habe ich mal Mitte der 90er in einem sehr linken Jugendklub in Zittau gelernt (ich war ziemlich erstaunt und belustigt). Leider habe ich die Beweisführung vergessen. Falls die noch jemanmd kennt, würde mich das interessieren.

      • Antifa sagt:

        Bestimmt Fleisch, die Formulierung kommt mir auf jeden Fall bekannt vor.

      • FGönther sagt:

        Das vegetarische Zitat stammt von Isaac Bashevis Singer, Literaturnobelpreisträger 1978, :“Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka“. Fehlt auf keiner veganen oder Tierrechtlerseite.

      • Frank sagt:

        Danke für den Hinweis! Ich hätte natürlich auch selbst auf die Idee kommen können „fleisch essen faschistisch“ bei Google einzugeben. Da stößt man ja auf erhellende Texte … ich habe nun immerhin gelernt, dass man besser nicht Bockwurst essend auf einer linken Demo auftauchen sollte.

      • stefanolix sagt:

        Wenn Du Pech hast, machst Du Dich schon mit einer Flasche Milch unbeliebt. Schau Dir mal die Menüs an, die man manchmal auf Webseiten der Autonomen findet: phantasielos und dominiert durch Hülsenfrüchte. Hauptsache es schmeckt nicht. Kein Wunder, dass die oft so verkniffen sind.

        @Singer-Zitat: Solche Bezüge zu den Verbrechen der Nationalsozialisten sind mir immer suspekt. In fast allen Fällen ist derjenige, der so etwas vertritt, ein Fanatiker oder ein Wirrkopf.

        Zum veganen Essen noch eine Anmerkung, da ich ja selbst Werktagsvegetarier bin: Genießer kennen sehr leckere vegane Gerichte. Fanatiker können nicht genießen …

  7. Muyserin sagt:

    Auch in Großbritannien gelten dieselben Definitionen für die Einordnung der politischen Landschaft. Es gibt right-wing (konservative) und left-wing (linke) Parteien. Natürlich sind diese historisch anders gewachsen als in Deutschland und haben daher eine z. T. andere Ausrichtung.

    Mit dem Zusatz „extreme“ wird klar, wann es sich um extremistisches Gedankengut handelt. Das Äquivalent zur NPD ist in etwa die BNP, also die Nationalen.

    • stefanolix sagt:

      Wobei Micha speziell in Bezug auf das Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft nicht unrecht hat: die Konservativen sind in der Tendenz für weniger, die Linken für mehr staatliche Eingriffe in die Wirtschaft.

      Extremisten müssen zur Durchsetzung ihrer Ziele immer auf Unterdrückung setzen und so wird es nach der »Machtergreifung« einer extremistischen Kraft IMHO immer einen sehr starken Staat geben.

      • Micha W. sagt:

        Wie würdest du denn dann die jetzige politische Situation in Deutschland bezeichnen, Stefan, wo m.E. ein recht starker Staat mit einer ebenfalls recht starken Wirtschaft (meine hier: multinational agierende Unternehmen, weniger bis gar nicht den Mittelstand) konkurriert und man sich – wenn’s beiden nützt (Energie, Militär, Automobilbau usw.) – gegenseitig „die Hände reicht“? ;)

        Mit libertär meine ich im Übrigen nicht zwangsläufig liberal ;)

      • stefanolix sagt:

        Ich sehe Deutschland als freiheitlich-demokratischen Staat mit Fehlern und Schwächen. Freiheit und Demokratie können auch durch geballte wirtschaftliche Macht gefährdet werden. Aber ich sehe in der Wirtschaft keine so große Macht, dass sie die FdgO gefährden könnte.

      • Antifa sagt:

        Das ist ja eben die Krux, hier nicht, aber Waffen und Waffentechnologie liefern deutsche Unternehmen in andere Staaten ja seit Jahren munter. (siehe Siemens/Iran, Heckler & Koch/Mexiko, oder gleich die Regierung/Afghanistan) Und das sind nur einige der zahlreichen bekannt gewordenen Beispiele!

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