Symbol der Vernunft in einer Stadt im Ausnahmezustand

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Das Symbol der Vernunft auf den Bannern der Mahnwachen.

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62 Responses to Symbol der Vernunft in einer Stadt im Ausnahmezustand

  1. Muyserin sagt:

    Gleichzeitige Nähe und Abgrenzung von der Swastika. Gut gemacht, finde ich.

  2. KurtE sagt:

    Muyserin, ich seh nix!
    Nachdem ich jetzt eine Nacht drüber geschlafen habe, kann ich immer noch keine Nähe zu dem, was im englischen Sprachraum Swastika genannt wird, sehen.
    Kann es vielleicht sein, daß Muyserins Nerven gestern abend noch etwas überreizt waren?
    Außerdem scheint mir, daß es für deutsche Sozialisten ohne Hakenkreuz gar nicht geht. Derzeit in der für politische Demonstrationen einzig legalen Form des durchgestrichenen Kreuzes sehr beliebt. Allerdings wird es immer öfter falsch dargestellt, nämlich richtig – auf einem Schenkel stehend. Die nationalen Sozialisten ließen es aber auf der Spitze balancieren. Schon daher wußte der gebildete Esoteriker und Hinduist, daß es nichts werden kann mit denen. Aber das nur am Rande.

    • stefanolix sagt:

      Zunächst: Bitte ganz freundlich fragen und nicht persönlich werden.

      Meine ganz eigenen Nerven waren gestern z.B. durchaus beansprucht, nachdem ich relativ unvermittelt nur das Brüll-Duell zweier Extremistenhorden miterlebt habe. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Nerven der Bewohner der Stadtteile im Dresdner Süden noch viel strapazierter waren. Und die Nerven derer, die dort Verwandte oder Freunde haben.

      Zur Frage: Darüber müsste man mit den Designern des Logos sprechen. Meine ganz bescheidene Interpretation:

      Durch die Farbgebung steht das Symbol für Vielseitigkeit, durch die Formgebung für Zusammenhalt. Ich kann nur meinen ersten Eindruck wiedergeben, dass ich in dem Logo zuerst eine Allianz der Bürger gegen die Extremisten gesehen habe, eben ähnlich wie bei der symbolischen Gemeinschaft Ubuntu.

      Schau Dir mal das echte Symbol Swastika intensiv an (da sind mehrere Bilder) und vielleicht die Erklärung zu »Gammadion«. Du findest in dem oben dargestellten Symbol auch vier Mal den Buchstaben Gamma, von denen aber jeder nur dann zustandekommt, wenn die Hand den Arm festhält.

  3. Muyserin sagt:

    KurtE, meine Äußerungen verfolgen Sie bis in den Schlaf, und Sie werfen mir Überreizung vor? Können Sie mit dem Begriff Projektion etwas anfangen?

    Beginnen wir mit einem ganz praktischen Ratschlag: Wie wär’s mit einer Brille? Und dann als Erstes den Knigge lesen? Ihr herablassend-aggressiver Tonfall trägt für mich nicht wesentlich zu der Diskussion bei.

    Dass Sie sich bemüßigt fühlen, Ihr Pseudonym mit dem Wikipedia-Eintrag zur Swastika zu verlinken, schwankt zwischen aufklärerischem Gestus und Oberlehrerhaftigkeit. Schön, Sie haben versucht, sich zu informieren. Das macht Ihre Behauptung, das Wort sei nur im englischen Sprachraum gebräuchlich (die Sie sich bei der Wikipedia angelesen haben mögen) nicht richtiger. Es stimmt schlichtweg nicht. Oder sollten alle meine Kunstgeschichte-Dozenten englische Geheimagenten gewesen sein?

    Es mag in der Alltagssprache nicht allzu gebräuchlich sein, wird aber durchaus dann verwendet, wenn es gilt, das eindeutig faschistisch besetze Hakenkreuz vom Gebrauch in anderen Kulturen und Kontexten zu differenzieren.

    Falls Sie doch imstande sein sollten, das Symbol auf einer sachlichen Ebene, die nicht ins persönliche abgleitet, zu diskutieren: ich sehe die vier Hände als Mittelpunkt, von denen die Arme ähnlich den „Strahlen“ des Sonnenrades ausgehen. Indem man auf den jeweiligen Knick verzichtet, suggeriert das Symbol Stärke. Das ist meine persönliche, subjektive Assoziation – etwa so, wie ich in Zukunft Ihren Namen mit einer bestimmten Vorstellung verbinden werde, ohne dass diese den Tatsachen entsprechen muss.

    Übrigens sind Symbole fast immer vieldeutig. Ein Symbol weist über sich selbst hinaus auf etwas Anderes, dass sich der Rezipient je nach Kontext hinzu denkt. Je nach Bezugsrahmen kann ein Symbol so völlig anders aufgenommen werden. Und so wird es weniger an meinen Nerven als in der Natur der Sache liegen, dass Sie und ich hier nicht zusammenkommen.

    • stefanolix sagt:

      Ich habe (als interessierter Laie) lange über die Interpretation mit den Sonnenstrahlen nachgedacht. Und ich bin froh, dass Symbole vielfältig zu deuten sind ;-)

      Ich denke, dass die Ausstrahlung des Logos aus dem Sinn kommt, denn ich damit verbinde.

      Die Arme und Hände sind zu einem Zentrum verbunden, darin sehe ich die Betonung eines Bundes von friedlichen, vielfältigen und entschlossenen Menschen gegen eine Gefahr. Hinter jedem der vier Arme steht ja ein Mensch.

      Aber es konzentriert sich (nach meinem Gefühl) zum Zentrum hin, dagegen sind Strahlen vom Zentrum ausgehend orientiert. Sollte ich spontan ein Symbol mit der Betonung auf Ausstrahlung zeichnen, würde ich es nach allen Seiten offen gestalten.

    • KurtE sagt:

      @muyserin:
      Es gibt keinen Grund, mir gegenüber schnippisch zu werden, nur weil deine erste Bildinterpretation von mir als mißglückt angesehen wird. Im übrigen schrieb ich nicht von „in den Schlaf verfolgt“ sondern von „eine Nacht drüber geschlafen“. Das mache ich gerne, wenn ich was erstmal nicht verstehe. (Auch jetzt ist mir nicht klar, wo dieses Bild gleichzeitig Nähe und Abgrenzung zu Swastika symbolisiert.) Und was eine Projektion ist, weiß ich ebenfalls. Ich besitze noch einen Dia-Projektor.

      Mir ist unverständlich, warum du so auf meinen Kommentar einsteigst. Aber da du deine Dozenten erwähnst, dürfen wir davon ausgehen, daß du akademische Bildung hast. Womit sich mehrere Spekulationsmöglichkeiten diesbezüglich eröffnen.
      Belassen wir es dabei.

      P.S.: You can say you to me.

      • stefanolix sagt:

        Dein Einstieg kam schon nicht ohne Nadelstiche aus, also enthielt die Antwort auch welche. Was erwartest Du denn als Antwort auf einen Einstieg wie »kann es sein, dass deine Nerven etwas überreizt waren«? — So, und nachdem das geklärt ist, geht’s bitte wirklich sachlich und höflich weiter …

  4. randOM sagt:

    ls ich Samstag gegen 11 in die Kreuzkirche geschaut habe, da standen vllt. 10 Leute davor und drin beteten drei oder vier. Da haben die Nazis bestimmt ganz große Angst bekommen. :-)

    • stefanolix sagt:

      Hätte die Kombination aus Mahnwachen, friedlichem Widerstand und Polizei funktioniert, dann wäre es ein moralischer Sieg über die Neonazis geworden.

      Das Problem waren am Samstag nicht die Mahnwachen, sondern die 3.000 gewaltbereiten Linksextremisten. Hätten die nicht stundenlang die Polizei angegriffen, dann wären genügend Kräfte zur Absicherung der friedlichen Demonstranten verfügbar gewesen.

      Beide Dresdner Zeitungen (DNN, SZ) präsentieren heute ein Foto eines friedlichen Demonstranten mit dem Motto »Keine Gewalt«. Die meiste Gewalt ging am Samstag von Linksextremisten aus.

      Ich habe oben auch nicht geschrieben, dass ich die Mahnwachen für eine Lösung des Problems halte. Ich habe geschrieben, dass sie ein Zeichen der Vernunft gesetzt haben.

    • Jane sagt:

      Als ich die Videoaufnahmen von den Protesten am 19.2. sah, sah ich zigtausende Gegendemonstranten. Viele saßen und blockierten, einige warfen Steine und Flaschen, wieder andere prügelten mit Eisenstangen auf Polizisten ein. Was ich nicht sehen konnte, war Angst in den Augen der Nazis. Im Gegenteil: Was man sah, waren Wut und Zorn. Zorn, der sich alsbald gegen Polizisten, Gebäude und Unschuldige entlud.
      Das ist NICHTS, worauf man stolz sein kann. Das ist nichts, was den Titel „Erfolg“ rechtfertigt.

      • stefanolix sagt:

        Was ich (im Hauptbahnhof) nicht sehen konnte, war irgendein Sinn in den Augen der Extremisten, irgendeine politische Aussage.

        Als das Demonstrationsrecht ins Grundgesetz geschrieben wurde, ging man von vernünftigen Menschen aus, die in der Öffentlichkeit organisiert und weitgehend friedlich ihre Meinung äußern würden. Was ist davon übriggeblieben?

  5. Jane sagt:

    Ich finde es besorgniserregend, wie aggressiv der Umgang miteinander allgemein geworden ist, was den Umgang mit dem Gedenken am 13. Februar und der Frage, ob Nazis in Dresden demonstrieren dürfen oder nicht, betrifft. Man sieht das auch hier wieder: In nullkommanichts wird verbal zum Angriff übergegangen, bzw. der Fehdehandschuh mit Freuden aufgenommen. Wo ist da noch Platz für sachliche Auseinandersetzungen? Im Neustadtgeflüster braucht man sich an Diskussionen zum Thema eigentlich gar nicht mehr beteiligen, wenn man nicht der mehrheitlich linksalternativen Grundhaltung zustimmt. In anderen Blogs werden unliebsame Kommentare einfach gelöscht.

    Ich hasse es, zu sagen, aber Dresden radikalisiert sich. Und das in weiten Teilen der Bürgerschaft.

  6. stefanolix sagt:

    Mir wurde gerade heute in meinem eigenen Blog die Verbreitung von Pogromstimmung vorgeworfen, weil ich konsequent über beide Arten des Extremismus schreibe. Ja, vielleicht hast Du recht: Dresden radikalisiert sich. Darin haben wir ja leider Übung …

    • Jane sagt:

      Wie bitte? Unglaublich. Wenn hier momentan jemand Pogromstimmung verbreitet – und ich hasse es abermals, das sagen zu müssen – dann sind das ausgerechnet jene, die hier mit allen möglichen Mitteln (von gemäßigtem bis gewaltsamem Protest) versuchen, eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe ihrer Grundrechte zu berauben. Dabei wird nicht davor zurückgeschreckt, Nazis als „Müll“ zu titulieren, den man nicht in der Stadt haben will. Entschuldigung: Aber darf es bei der wirksamen Bekämpfung von Rechtsextremismus nicht nur darum gehen, die GESINNUNG zu bekämpfen? DARF man tatsächlich den MENSCHEN bekämpfen? Genau das passiert aber momentan. Ich bin weit davon entfernt (schon aufgrund des spannungsgeladenen historischen Zusammenhangs), hier von einem „Pogrom“ zu sprechen, aber es wird zumindest ein riesen-Popanz aus Angst und Wut gegenüber den Nationalen und Rechtsextremen aufgebaut, der so völlig übertrieben ist. Dass mittendrin schon Menschen zu Schaden gekommen sind, von denen überdies einige bleibende Schäden zu erwarten haben, ist das eigentlich Erschreckende an der momentanen Dimension, die der sogenannte „Kampf gegen Rechtsextremismus“ in Dresden angenommen hat.

      • stefanolix sagt:

        Eine noch spannendere Frage ist: welches Ziel rechtfertigt es, mit so brutalen Mitteln die Polizei zu bekämpfen? Wer sind die geistigen Brandstifter?

    • Jane sagt:

      Dass man jemanden wie dich bei einem Massenmedium arbeiten lässt, grenzt schon an Fahrlässigkeit. Ein Blick in dein polizeiliches Führungszeugnis würde mich mal interessieren.
      Wirklich, ich habe selten jemanden noch radikaler nach einem strikt vorgegebenen Leitmotiv argumentieren hören als dich. Dabei schreckst du wahrlich vor nichts zurück – auch nicht davor, die heutige NPD mit den Nationalsozialisten in den 20er-Jahren zu vergleichen. Dabei könnte man wahrlich kaum einen dümmeren Vergleich ziehen, schaut man sich mal die politisch-gesellschaftliche Situation damals und heute an sowie die Entwicklung, die die NSDAP seit ihrer Gründung innerhalb von nur zehn Jahren nahm, und der der NPD in den letzten zehn Jahren hier in Sachsen (wo sie übrigens als einziges Bundesland überhaupt noch eine untergeordnete Rolle spielt).
      Eins kann man wohl sagen: Von gesellschaftspolitischer Analyse hast du keinen blassen Schimmer. Und Demokrat bist du noch nie gewesen, sonst wüsstest du, dass eine Demokratie nach ihrem Wesen ihren Erhalt nicht erzwingen DARF, da sie sich selbst sonst ad absurdum führt. Wichtigstes Ziel in einer Demokratie muss daher sein, durch Einflussnahme eine möglichst große Zahl an Menschen auf Kurs zu halten, statt abtrünnige Minderheiten radikal zu bekämpfen. Zum Auf-Kurs-Halten muss zudem zählen, die Abtrünnigen nicht abzuschreiben und in den Untergrund zu drängen, sondern um sie zu kämpfen, statt sie zu BEkämpfen!
      Dazu gehören zum Beispiel auch so verlorene Seelen wie du.

      • stefanolix sagt:

        Jane, ich möchte auch Dich um Sachlichkeit bitten. Ich der Sache soll deutlich und klar diskutiert werden, auch kompromisslos gegen Extremisten, aber wir müssen uns hier nicht gegenseitig persönlich angreifen.

      • Jane sagt:

        Ich greife nicht an, ich äußere meine Empörung. Das wird wohl noch erlaubt sein, wenn man sich mal ansieht, was der hier (und nicht nur hier) vom Stapel lässt. Die Sachlichkeit ist bei diesem Thema längst gestorben. Der Versuch, daran festhalten zu wollen, wird mit Spott und Häme belohnt.

  7. falschgold sagt:

    Voellig falsch gelesen, kein Nazivergleich (also nicht „Der Stefanolix ist ein Nazi“, Himmel!), sondern der Beleg fuer Deine These fuer die Radikalismusanfaelligkeit der Stadt.

    • stefanolix sagt:

      Ich habe den Godwin völlig zu recht gesetzt: Jane und ich schrieben über den Stil der Diskussionen, die heute in Dresden ablaufen. Das hat mit der NS-Vergangenheit nichts zu tun und es gab deshalb überhaupt keinen Grund, mit einem Nazi-Vergleich einzusteigen.

      • falschgold sagt:

        Also wenn Du den Zusammenhang zwischen dem 13./19. Februar und der NS-Vergangenheit nicht verstehst, kann das alles fuer Dich auch keinen Sinn machen. [Beleidigung gelöscht]

        (Welches der beiden Worte „..kein Nazivergleich“ ist Dir nicht klar? )

  8. FGönther sagt:

    „Ich hasse es, zu sagen, aber Dresden radikalisiert sich. Und das in weiten Teilen der Bürgerschaft.“

    in welche Richtung ? Mich würde mal interessieren, angesichts der Marschkolonnen auf den Autobahnzubringern, wieviele einheimische Dresdner an dem Antifa-Event teilgenommen haben.

    Zum Symbol: Erinnert mich an ein Lied, daß ich als Jungpionier gelernt habe. Den Text habe ich nicht mehr ganz parat, aber irgendwie hieß es da rassistisch „ob brauner, weißer, roter, gelber „. Wer sind also die Blauen ? Die Klingonen ?
    Will sagen: Das Symbol ist sentimentaler Käse. Als psychologisch-psychotherapeutischer Halbvorgebildeter frage ich mich, welcher sozial nicht opportuner Affekt soll hier abgewehrt werden ? Bei falschgold bin ich mir da sicher. Aber das ist eine andere Baustelle.

    • Muyserin sagt:

      @FGönther: Na, dann pass mal auf, dass von Deiner Halb- und Vorbildung nicht nur der Eindruck von Einbildung zurückbleibt. ;)

      Wieso können wir nicht über das Symbol diskutieren, ohne dass es gleich ausfällig zugeht? Was hast Du denn jetzt eigentlich gesagt, außer dass in einem Pionierlied, dessen Text Du selbst nicht mehr zusammenbekommst, bestimmte Farben verwendet werden?

      Ich z.B. finde gut, dass das Symbol gerade nicht auf die etablierten Farben setzt, die gemeinhin Ethnien symbolisieren: Gelb für Chinesen, Weiß für Europäer, Braun für Afrikaner, etc.

      Ist doch schön, dass durch die Verwendung von Blau und Orange ein gewisser Verfremdungseffekt eintritt. Vielleicht eine Aufforderung, darüber nachzudenken, dass diese Zuschreibungen eh nur Konstruktionen darstellen. Und unter uns gesagt: wenn ich einem Na’vi die Hand zum Schulterschluss reichen dürfte, wäre ich glücklich! ;)

      Ich halte die Diskussion über ein geeignetes Symbol für alles andere als sentimentalen Käse. Ich konnte mich mit keinem der zur zeit verwendeten Symbole anfreunden. Ich finde es z. B. nicht unproblematisch, dass die Weiße Rose verwendet wird, obwohl diese für mich durch die Geschwister Scholl anders konnotiert ist.

      • Jane sagt:

        Stefan: Genau das ist ja das Verlogene an der Debatte, und ich muss sagen, dass mich das insbesondere bei den Linken immer mehr enttäuscht. Die müssten doch selbst am besten wissen, wie es ist, wenn ständig irgendjemand nach ihrem Verbot oder ihrer Überwachung kräht, wenn ständig ihre Gesellschaftsfähigkeit infrage gestellt wird.
        Wenn ich das ablehne – und das tue ich, das dürftest du wissen -, dann muss ich das aber konsequent in jedem Falle tun, wenn ich glaubwürdig bleiben will.

        Unterdrückung und Entrechtung sollte immer das allerletzte Mittel sein, um den gesellschaftlichen Frieden aufrechtzuerhalten. Das heißt, wenn die Nazis wieder bewaffnet und aggressiv auftretend nach der Macht zu greifen versuchten, dann wäre selbstverständlich rigoroses Durchgreifen im Sinne der wehrhaften Demokratie gefordert. Das tun sie aber nicht. Sie wollen sich versammeln und ihre Meinung äußern – bitte sehr! Als Demokrat habe ich das so lange zu respektieren, wie damit nicht die Rechte Dritter verletzt werden.

      • stefanolix sagt:

        Ich versuche ja gerade, die Grenzen zwischen radikal und extremistisch zu untersuchen, speziell auch den Begriff Extremismus.

        Die Strategie der Linken ist in diesem Sinne undemokratisch. Die selben Werkzeuge müssten nach dieser Logik auch gegen Stalinisten angewendet werden.

    • stefanolix sagt:

      Ich verstehe das »radikalisiert« so: viele Dresdner haben eine radikale Meinung über die Ereignisse am 19. Februar, was die Diskussion extrem erschwert.

      Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Extremisten beider Seiten von außerhalb kommen. Die Propaganda spricht dann von Europas größtem Nazi-Aufmarsch und von Europas größtem Nazi-Widerstand. Nachgezählt hat das bisher niemand.

      Welche Gefahr (symbolisch) durch die Aktion der Kirchen abgewehrt werden soll, liegt doch wohl auf der Hand. Es ist sicher jedem bewusst, dass Symbole nicht direkt gegen Gewalt helfen. Aber das tun Menschenketten wie am 13. Februar auch nicht.

      • FGönther sagt:

        „Es ist sicher jedem bewusst, dass Symbole nicht direkt gegen Gewalt helfen. Aber das tun Menschenketten wie am 13. Februar auch nicht“

        Genau – habe ich spätestens vor einem Jahr auf unserem Heimweg von der Synagoge via Neustadt und Hechtviertel selbst erlebt. Ich bin kein Nazi, 100 pro, meine Ahnengalerie ziert kein Opa mit EK I, ganz im Gegenteil.
        Warum, zum Teufel, muß ich deshalb mit einer weißen Rose (für mich schon wieder ein Problem – was hat Dresden mit den Geschwister Scholl zu tun ?) Männchen machen, damit es auch BBC und Al Dingsbums mitbekommen, daß Dresden keine neue Hauptstadt der Bewegung ist?

      • Jane sagt:

        Mit „radkalisiert sich“ meinte ich vor allem, dass Feindbilder sowie die Annahme, dass diese vehement (auch physisch) bekämpft gehören, eine zunehmend größere Rolle hier spielen. Der 13. Februar und die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus sind zunehmend durch Kampf- und Kriegsrhetorik geprägt. Die Wahl der Methoden passt sich dem an: Um den Feind zu bekämpfen, halten immer mehr Menschen auch Mittel für legitim, die offensichtlich nicht durch den demokratischen Rechtsstaat gedeckt sind.

        Bestes Beispiel gester Abend bei „Fakt“ auf MDR. Carmen Lay von den Linken: Weil die Nazis den Rechtsstaat selbst ablehnen, sollten die Grundrechte für sie auch nicht gelten. NPD verbieten usw…
        So hört man das immer wieder aus dem Lager der Blockade- und Gewaltbefürworter. Aber so einfach ist das eben nicht. Nicht alle Nazis lehnen den Rechtsstaat in gleichem Umfang oder gar vollumfänglich ab – die meisten bejahen ihn sogar, wollen aber eine exklusive Auslegung: Also Grundrechte ja, aber nur für Volksdeutsche.
        Im Prinzip ist das nichts anderes als das, was Carmen Lay tut, wenn sie sagt: Grundrechte ja, aber nur für Anhänger ausgewählter opportuner politischer Überzeugungen.

        Ich lehne die Nazi-Ideologie genauso ab wie wohl alle hier. Aber ich bin dafür, dass man das Problem mit politischen und gesellschaftlichen Anstrengungen unter Kontrolle bringt und im erträglichen Bereich hält, statt mit Verboten und Entrechtung Menschen, die allzu oft ohnehin in prekären und benachteiligten Verhältnissen leben, deren Mitläuferschaft oft nur das Ergebnis einer Suche nach Bestätigung und Halt ist, noch weiter zu kriminalisieren und zu marginalisieren – und das, obwohl doch mit der Tatsache, dass die Nazis so weit diszipliniert werden konnten, dass sie wenn sie schon laufen dürfen, wenigstens auf das Abspulen menschenverachtender Parolen verzichten, schon einiges erreicht wurde.

      • stefanolix sagt:

        Oh, das ist aber eine ganz böse Falle: Wenn die LINKE fordert, dass Grundrechte für die Rechtsradikalen nicht gelten sollen, was ist dann mit den autonomen Gewalttätern?

        Sollen Linksextreme nach ihren Angriffen auf den Rechtsstaat in dem selben Rechtsstaat ihre Grundrechte behalten? Natürlich, anders ist es doch gar nicht möglich. Also gilt das gleiche Recht für alle.

      • googlehupf sagt:

        @Jane
        Das hat die echt in der Öffentlichkeit vom Stapel gelassen? Au backe. So gesehen dürften für MLPD und Teile der Linkspartei ja ähnliche Maßstäbe gelten. Merkt sie gar nicht welches Fass sie damit aufmacht?

        Gibt’s den Ausschnitt/die Sendung noch irgendwo zu sehen? Bin beim MDR nicht fündig geworden.

      • stefanolix sagt:

        Die Politikerin heißt Caren Lay. Hier könnte es sein:
        http://www.mdr.de/fakt-ist/8251890.html
        Bekomme den Stream aus der Mediathek aber momentan nicht geladen.

      • Frank sagt:

        An Herrn oder Frau googlehupf: http://www.mdr.de/mediathek/8257460.html

      • Frank sagt:

        uups – Dein Kommentar mit link war noch nicht zu sehen, als ich das verfasst habe. Bei mirläuft das Video aber (habe jetzt nur keine Zeit zum Ansehen).

      • googlehupf sagt:

        Besten Dank, sagt der Herr. ;)

  9. FGönther sagt:

    @Meyserin

    „Ist doch schön, dass durch die Verwendung von Blau und Orange ein gewisser Verfremdungseffekt eintritt.“

    Eben – ein Verfremdungseffekt wie z.B. wenn man Parmesan durch Analogkäse ersetzt. Hauptsache es bleibt Käse.

    „@FGönther: Na, dann pass mal auf, dass von Deiner Halb- und Vorbildung nicht nur der Eindruck von Einbildung zurückbleibt. ;)“

    Da schon Jaroslav Hasek von den “ nach allen von den psychologischen Wissenschaften erfundenen Gesetzen “ schrieb, bin ich da einfach bescheiden. Es entwickelt sich – Genossen.
    Ich empfehle zur Lektüre Fritz Riemann “ Grundformen der Angst“ oder Hoffmann/Hochapfel „Neurosenlehre“.

    • Muyserin sagt:

      @FGönther: Zitat: „Ich empfehle zur Lektüre Fritz Riemann “ Grundformen der Angst“ oder Hoffmann/Hochapfel „Neurosenlehre“.“

      Empfehlungen, die völlig kontextlos in eine Diskussion reingeklascht werden, mögen ja wahnsinnig belesen wirken, aber sind sie das tatsächlich? Ich empfehle auch vieles, von Joyce‘ Ulysses bis zu Ottolenghis neuem Kochbuch, aber ehe ich das hier in die Diskussion einfließen lasse, würde ich schon noch mit ein zwei Sätzen begründen, warum.

  10. Muyserin sagt:

    Kann mich Janes Worten von 10:25 nur anschließen (es ist keine weitere Antwortebene mehr möglich).

  11. Muyserin sagt:

    @Jane 10:40 h: Aber es sind ja Steine geflogen (ich nehme jetzt mal als Bsp. die Filmaufnahmen von der „Praxis“ in Löbtau; ohne dass es mir um eine Präferenz von Rechts oder Links ginge.): hätte man das nicht in dem Moment zum Anlass nehmen können, nach dem Motto „ein schlechtes Saatkorn verdirbt die ganze Ernte“, die Demos abzubrechen? Und sich damit immer noch im rechtsstaatlichen Rahmen zu bewegen? Oder wäre die Situation dann weiter eskaliert? (Stefan sprach ja davon, dass die Polizeikräfte auch in anderen Städten gebunden waren).

    • stefanolix sagt:

      Soweit ich weiß, konnten zum Zeitpunkt des Angriffs auf das Projekt in Löbtau bereits keine geordneten Demonstrationen irgendwelcher Art mehr durchgeführt werden. Die Polizei war am 19. Februar nicht mehr überall handlungsfähig.

      • Muyserin sagt:

        Das ist beängstigend. Denn es war ja vorhersehbar, nein?

      • stefanolix sagt:

        Es bleibt nur eine immer neue demokratische Abwägung zwischen Polizeistaat und freiheitlichem Staat, zwischen Kosten und Gefahrenabwehr. Die Bundeswehr darf nicht im Inneren eingesetzt werden, das ist auch richtig so. Mehr Polizeikräfte waren offensichtlich nicht verfügbar.

    • Jane sagt:

      Ich glaube nicht, dass man von einem geplanten aggressiven Auftritt sprechen kann, wenn die Protagonisten, nachdem sie derart provoziert wurden, spontan zu Steinen greifen die auf ein Gebäude werfen.
      Diese Reaktion ist so nicht zu tolerieren, da gewalttätig, aber es handelt sich dabei eben um eine Reaktion, die aus dem Kontext heraus bewertet werden muss, nicht um ein kalkuliertes Vorgehen. Die Rechten werden die Steine wohl kaum in Beuteln mit zur Kundgebung gebracht haben, sodass man von einer Bewaffnung sprechen könnte.
      Wenn man sich dagegen diverse autonome Foren anschaut, wie man sich schon im Vorfeld eingeschworen hat, die „Bullen niederzurennen“ und die „Rechten zu verkloppen“, dann kann man da schon weitaus eher von einem kalkulierten gewaltbereiten Vorgehen sprechen.

      • falschgold sagt:

        [Persönlicher Angriff gelöscht] Der Nazimob, der ein Wohnhaus ueberfaellt wurde provoziert, das spontane Ausgraben von Steinen statt Anlieferung im Harass, als Beleg fuer die initiale Friedfertigkeit von Nazis? Alter Schalter..

      • Muyserin sagt:

        @Jane: Was meintest Du mit „derart provoziert“? Könntest Du das bitte nochmal darlegen?

      • stefanolix sagt:

        Das Verbrechen bleibt ein Verbrechen. Die Behinderung der Demonstration darf niemals ein Vorwand dafür sein, in einem Wohnprojekt Zerstörungen anzurichten.

        Genausowenig wie die Gewalttaten der Linksextremen am dem späten Vormittag damit zu entschuldigen sind, dass sich rechtsradikale Demonstranten angekündigt hatten.

  12. Jane sagt:

    Also noch mal für alle fett, weil’s oben anscheinend überlesen wurde: „DIESE REAKTION IST NICHT ZU TOLERIEREN, DA GEWALTTÄTIG“. Ausrufezeichen.

    Ich hatte von Märschen gesprochen, die sich von ihrer gesamten Zielsetzung und Ausrichtung aggressiv gegen die demokratischen Grundfesten unseres Landes richten. Hätten die Gegendemonstranten den Aufmarsch nicht verhindert, wäre es mit großer Sicherheit nie zu dem Angriff auf die „Praxis“ gekommen. Das wollte ich mit „Reaktion“ gesagt haben. Es existiert ein Unterschied zwischen Kalkül und spontaner Kurzschlussreaktion. Das heißt noch lange nicht, dass das Angriff auf das Wohnprojekt irgendwie zu rechtfertigen wäre.

    • stefanolix sagt:

      Hätten die Linksautonomen die Polizei nicht angegriffen (somit geschwächt und gebunden), dann hätte die Polizei vielleicht das Wohnprojekt besser schützen können. Die Polizisten sind in erster Linie auch Menschen und irgendwann am Ende ihrer Kräfte.

      • Jane sagt:

        Genau das denke ich auch. Und hätte es nicht am 13. Februar 2010 und 2011 schon massive Aktionen vonseiten linker Demonstranten gegen die rechten Veranstaltungen gegeben, hätte es vielleicht am 19. vielleicht gar keinen aufgehetzten rechten Schlägermob gegeben. Hätte, hätte, hätte – hier wird denke ich deutlich, dass man all diese Vorkommnisse nicht einzeln herausgreifen kann, sondern als Produkt des Gesamtzusammenhangs zu sehen sind, der sich nun schon seit mindestens vergangenem Jahr aufgebaut hat.

  13. Jane sagt:

    Und falschgold:
    Es spricht Bände, dass du nicht imstande bist, in irgendeiner Weise sachlich zu argumentieren. Stattdessen legst du mir forwährend irgendwelchen Schund in den Mund, den ich nie gesagt habe – z.B., die Nazis seien „friedfertig“. WO STEHT DAS?? Wenn ich mich richtig entsinne, schrieb ich was von „gewalttätig“, also mach gefälligst die Augen auf!

    Der Nazimob hat das Wohnhaus überfallen, weil der Linken-Mob zuvor eine genehmigte Demonstration verhinderte, für die all diese Leute von weit her gekommen waren. Ich will hier mit Sicherheit nicht auf die Tränendrüse drücken und Sympathie für die armen armen Nazis heischen – es geht mir darum, aus der Perspektive der Betroffenen heraus ein bestimmtes Verhalten zu *erklären* – nicht zu rechtfertigen, wohlgemerkt – Ursache – Wirkung, aktio – reaktio.
    Und ich finde es bedenklich, dass man einem Medienvertreter, von dem man einen gewissen soziokulturellen Horizont erwarten können sollte, da noch den Unterschied erklären muss.

    • stefanolix sagt:

      Es gibt an solchen Tagen eine Spirale aus Aktion und Reaktion. Es ist nicht immer zu erkennen, wo da der Anfang liegt. Man kann den Anfang auch bei der jeweiligen Abfahrt am Morgen sehen, als sie alle mit Hass aufeinander und auf die Demokratie nach Dresden kamen.

    • falschgold sagt:

      Das Gegenteil von „gewalttaetig“ ist „friedfertig“.

      Dass ein Nazimob irgendeinen Grund braucht, eine linkes Wohnprojekt zu ueberfallen, ist eine gute Nachricht. Endlich! Danke! Gut recherchiert!

      • stefanolix sagt:

        Das Gegenteil von »gewalttätig« ist »gewaltlos«.

        Dass ein extremistischer Mob immer einen Grund oder Vorwand für Gewalt finden wird, sah man am 19. Februar auf beiden Seiten.

      • falschgold sagt:

        ..und das Synonym fur „gewaltlos“ ist „friedfertig“. WTF?

        http://www.openthesaurus.de/synonyme/friedfertig

      • Jane sagt:

        Sie brauchen offensichtlich genauso sehr oder wenig einen Grund dafür wie Linksextremisten. Der einzige Grund, den beide brauchen, ist die Präsenz des jeweils anderen, des Feindbildes. Es gibt Leute, die sind so objektiv, das auf beiden Seiten zu erkennen. Dann gibt es noch Leute wie falschgold, die sehen über derartige Züge auf der favorisierten Seite gerne hinweg und beklagen sie umso lautstärker auf der Seite des Gegners – ein wahrhaft mustergültiges Beispiel an journalistischer Neutralität und Unvoreingenommenheit übrigens!

    • „Der Nazimob hat das Wohnhaus überfallen, weil der Linken-Mob zuvor eine genehmigte Demonstration verhinderte, für die all diese Leute von weit her gekommen waren.“

      14:01, als laut Twitter die Praxis dran war, war weder eine Nazidemo verhindert noch irgendwas klar für diesen Tag. Der braune Trupp war im Gegenteil durch eine Polizeisperre am Plauener Bahnhof gebrochen, um Waffenkontrollen zu entgehen. Wobei letzteres nicht verifiziert ist.
      Mit dem Linken-Mob verallgemeinerst Du außerdem unzulässig, die wenigsten Teilnehmer der Gegendemonstrationen/-blockaden würden sich dem von Dir – auch in Nazikreisen gern – gebrauchten Begriff zurechnen lassen. An anderer Stelle legtest Du noch Wert darauf, eben nicht alle in einen Topf zu schmeißen.
      Die Praxis war im Sommer schon mal Ziel eines Brandanschlages. Ich könnte Dir jetzt böswillig die Antwort „Sie provoziert eben durch ihr bloßes Vorhandensein“ in den Mund legen. Mache ich aber nicht. War wahrscheinlich Rivalität unter Jugendbanden oder Rowdytum damals.

  14. stefanolix sagt:

    [doppelt geposteter Kommentar gelöscht].

  15. Muyserin sagt:

    Aber wenn es keinen offiziellen Pressesprecher und keine offizielle Pressesprecherin gibt, dann kann sich auch gern der verantwortliche Redakteur melden.

    Um Himmels Willen, Stefan, bist Du von alle guten Geistern verlassen? Ein Verantwortlicher? Das wären ja feudalistisch-hierarchische Strukturen. Ich dachte, das hätte unser System längst überwunden.

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