Ein kulinarischer Alptraum

Nach der lebhaften Diskussion mit Frank, Klaus und Michael über die 75.000 Bücher aus OpenSource-Quellen konnte ich schlecht schlafen. Ich hatte nämlich einen Alptraum und es ist sicher purer Zufall, dass es darin um ein ähnliches Thema ging …

In meiner Gegend gibt es einen BIO-Laden mit einem Komplettangebot an Lebensmitteln aus regionaler Herkunft. Eines Tages bietet ein Unbekannter dem Geschäftsführer dieses Ladens ein ganz tolles Geschäft an: Der Laden soll ein neues Wurstsortiment ins Sortiment aufnehmen.

Der Unbekannte verrät weder die Mischung der Zutaten noch die Herkunft des Fleisches. Das Fleisch kann bei der Jagd erbeutet worden sein, es können aber auch mal ein paar Hunde oder Katzen mit hineingeraten. Schlachtabfälle sind als Beimengung auch nicht vollständig ausgeschlossen.

Insgesamt sei es aber völlig legal, solche Wurst anzubieten, sagt der Großhändler. Alle Zutaten werden ultrahocherhitzt und entsprechen den strengen Auflagen des deutschen Lebensmittelrechts. Die Wurstpelle ist ein Hightech-Produkt aus der Nanotechnologie. Mit einem garantiert legalen Formulierungstrick kann man solche Wurst auch in einem BIO-Laden anbieten.

Würdet Ihr als Eigentümer des Ladens auf dieses Geschäft eingehen, wenn Ihr aus jeder Wurst 50% Reingewinn ziehen könntet?


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15 Responses to Ein kulinarischer Alptraum

  1. Frank sagt:

    Dass Du solche Albträume durchmachen musstest, tut mir leid – das hatte zumindest ich nicht beabsichtigt! Ich hatte übrigens auch einen Albtraum, der mit dem Thema verbunden war: Im Rahmen einer Datenrettungsaktion sollte ich die gesamte Wikipedia auf Tontafeln kopieren! Immerhin weiß niemand, ob in 50 Jahren noch Geräte existieren, die Festplatten lesen können, Tontafeln dagegen haben Jahrhunderte überdauert. Ich war schon bei „Aachen“ … ;-)

    Aber im Ernst: Der Vergleich mit Lebensmitteln ist doch völlig unbrauchbar! Bei Lebensmitteln mit unbekanntem Inhalt drohen Krankheiten oder gar Todesfälle, bei Büchern mit auch auch öffentlich verfügbaren Inhalten dagegen wohl eher nicht …

    • stefanolix sagt:

      Nein, in meinem Beispiel drohen keine Krankheiten und Todesfälle, es entspricht ja alles dem Lebensmittelrecht. Es drohen allenfalls Ekel und Übelkeit, wenn die Wahrheit ans Licht kommt.

      Für mich persönlich sind Bücher im übertragenen Sinne Lebensmittel.

      Die öffentlich verfügbaren Inhalte kann doch überhaupt niemand prüfen. Wer weiß denn zum Beispiel, wie viele Plagiate in der Wikipedia stehen?

      Übrigens: danke für den Hinweis auf die Schreibweisen Alptraum bzw. Albtraum. In diesem Artikel findet man für beide Schreibweisen eine Begründung:

      http://de.wiktionary.org/wiki/Albtraum

  2. Muyserin sagt:

    Also, als Bioladenbesitzer hätte man beim Einschlagen wohl jegliche Selbstachtung verloren!

    • Klaus sagt:

      Als Bioladenbesitzer hat man schon deshalb die Selbstachtung verloren weil man sich diesen besserverdienenden Ökofuzzis anbiedert :-P

      • stefanolix sagt:

        Verdirb es Dir nicht mit allen Gästen dieses Blogs ;-)

      • Klaus, als Herrin eines Kleinverlags bin ich leider noch eine Weile auf zusätzliche Sozialknete angewiesen.
        Und wo kauf ich Eier und Fleisch?
        Genau. Ökoladen. Wie die besserverdienenden Fuzzis, die meine Bücher kaufen und ohne die ich bis zur Rente auf Hartz IV bliebe.
        Weil nämlich die besserwissenden Fuzzifeinde so gute Literatur nicht in ihre Regale stellen.

      • Klaus sagt:

        @ Claudia Sperlich
        Ich wünsche Ihnen viel Glück beim Aufstieg zur Gruppe der besserverdienenden Ökoladenfrequentierer, die ohne zusätzliche Sozialknete auskommt.

        Ich muss gestehen, so als Fuzzifeind, dass ich die Autoren Ihres Kleinverlags nicht kenne. Allerdings sind vier von fünf auch nicht relevant für die Wikipedia, und der fünfte, leider schon verstorbene Autor hat etwas zu viel Lobhudelei im Artikel. Aber nach so einem schönen Frühlingstag bin ich ganz relaxt und verzichte auf den Qualitätssicherungsbaustein.

        Einen schönen Abend

      • Tja… Neugier scheint nichts für Fuzzifeinde zu sein. „Was der Bauer nicht kennt, das frißt er nicht.“ Gilt auch fürs Lesen.

      • stefanolix sagt:

        Klaus: Das hier ist ein Ordnungsruf!

  3. Klaus sagt:

    Also mir tut es nicht leid wenn Blogbetreiber meinetwegen Al[bp]träume haben, scheint mein Daseinszweck in letzter Zeit zu sein ;-)

    Ich lasse mal fiktive Geschichten mit ihren willkürlichen Regeln beiseite. Ich mache mir zu diesen Thema erst wieder Gedanken falls jemand diese Idee mittels Print-on-demand umsetzen will :-)

  4. Hendrik sagt:

    Hmmm. Unternehmer scheinen Menschen 2. Klasse zu sein. Man traut ihnen für Geld alles zu (außer Verstand). Sogar ihre Unternehmensstrategie über Bord zu werfen. Ein Imageproblem. Oder eine traumhafte Schublade?

  5. stefanolix sagt:

    Ich erkläre noch mal an einem anderen Beispiel, was mit in der Wikipedia-Sache wichtig ist.

    In den 80er Jahren haben viele Leute eine alte japanische Tradition aufgegriffen und aus Papier kleine Kraniche gefaltet. Damit wollten sie etwas für den Frieden und gegen die Abrüstung bewirken.

    Nehmen wir an, dass diese Tradition in bevölkerungsreichen asiatischen Ländern auflebt und dass sehr viele Kinder in ihrer Freizeit solche Symbole falten. Nehmen wir an, dass die gefalteten Werke traditionell in großer Zahl in der Öffentlichkeit ausgelegt werden und aus beständigem Papier bestehen.

    Was sollte einen cleveren Unternehmer daran hindern, in den Herkunftsländern ein paar schlecht bezahlte Leute auszuschicken und die gefalteten Vögel für einen Viertelcent pro Stück einsammeln zu lassen? Er kann sie hier für einen Euro pro Stück verkaufen, weil viele Leute von der Tradition nichts wissen und sich einfach an den Faltwerken freuen.

    Das Geschäftsmodell ist juristisch nicht angreifbar.

    Aber ich würde in Kenntnis der gesamten Kette bei diesem Händler niemals wieder irgend etwas kaufen.

  6. Hendrik sagt:

    Was Du sagen möchtest, ist mir auch bereits bei der ersten Geschichte klar geworden. ;)

    Die Versuchung gibt es immer wieder, ob beim Privatmensch oder Unternehmer. Moral oder Geld.

    Jeder Unternehmer ist zum Scheitern verurteilt, der nur eine kurzfristige Profitmaximierung im Auge hat. Nachhaltigkeit wird in der Wirtschaft mit „langfristiger Strategie“ übersetzt.

    Gerade in sensiblen Bereichen wie Bio-Food oder Spendensammlungen wäre der Akteur bei Strafe seines berechtigten Unterganges mit dem Klammerbeutel gepudert, den Verbraucher/Nachfrager zu veralbern. Sowas wird heute schnell geoutet und beendet. Dem Internet sei Dank.

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