In der Ideologie der RAF

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über eine Entgleisung des Kabarettisten Urban Priol:

Am Samstag auf dem Münchner Odeonsplatz mokierte sich Urban Priol vor etwa 30.000 Zuhörern über Wolfgang Bosbach, den Vorsitzenden des Innenausschusses im Bundestags, der vor einem „Rückfall in die Terrorspirale der siebziger Jahre“ gewarnt habe.

Er höre schon das Stammtischgegrummel, sagte Priol: „Die hätten heute wieder gut zu tun in Deutschland.“ Aber wen „von diesen Nasen“ solle man denn heute entführen? Einer wie der Brüderle „der textet die doch so zu, dass die den Kofferraum aufsperren und sagen: Bitte geh!“

Die SZ versucht eine Erklärung: Der Kabarettist sei damals erst sechzehn Jahre alt gewesen und vielleicht zu jung, um die Dimension dieser Verbrechen zu erfassen. — Dem will ich entgegensetzen: Ich war damals zehn Jahre alt und habe kein Bild des ermordeten Arbeitgeberpräsidenten gesehen, sondern die Berichte am Radio meiner Oma im Deutschlandfunk verfolgt. Ich muss sagen: ich habe die Dramatik auch ohne Bilder verstanden. Ich könnte heute noch das alte Radio beschreiben, aus dem die Nachrichten von den RAF-Verbrechen kamen.

Herr Priol ist intelligent und clever. Er muss also ganz genau wissen, welche Verbrechen die RAF begangen hat. Er muss ganz genau wissen, dass die Mörder im Namen des Roten Symbols auch völlig unbeteiligte Menschen kaltblütig getötet haben.

Wenn jemand vom politisch rechten Rand vergleichbar zynische Stammtischparolen aufnähme, dann würde man den mit sofortigem Sendeverbot belegen — und nicht zu Unrecht. Man sollte Herrn Priol im Fernsehen keine Bühne mehr geben.

Und wenn er sonst irgendwo live auftritt — er sollte das tun können, denn wir haben ja Meinungsfreiheit und die letzten RAF-Anhänger wollen auch ihren Spaß —, wünsche ich ihm die gebührende Nichtachtung aller Bürger, die sich Ethik und Orientierung bewahrt haben.


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79 Responses to In der Ideologie der RAF

  1. ohja! wirklich schlimm dass der da mit Terroristen kommt! Wirklich völlig untragbar!
    Ruft der doch tatsächlich ernst gemeint zum Terror auf, das ist ja fast so schlimm wie wenn irgendwelche Politiker dazu auffordern Grundrechte zu streichen oder Rentner/Schüler mit Wasserwerfern niederzuknüppeln.
    Gut dass sowas bei den Politikern eindeutig satire ist, nicht so eindeutig ernst gemeint wie bei Priol. Bei ihm könnte noch jemand wirklich so handeln und es könnten wirklich Menschen verletzt werden!

    Also ernsthaft: Erst nachdenken, dann schreiben!

    • stefanolix sagt:

      Hast Du den Artikel in der »SZ« wirklich gelesen? Und wärst Du bei rechten Stammtischparolen genauso tolerant?

      • besser noch: ich hab den Artikel gelesen und mir auch das passende Video dazu angesehen. Die Leute haben sogar in der Tat gepfiffen… aber ich glaube kaum dass sie damit gegen Priol Stimmung machten. ;-)
        Lacher gab es übrigens dafür mehr als genug.

        Natürlich reicht eine sinnvolle Berichterstattung nicht für Stimmungsmache wie in der Süddeutschen.
        Link zu einem Youtube-Video von der Demonstration, auf der die Worte gefallen sind.

      • stefanolix sagt:

        Bitte: Die »Süddeutsche Zeitung« ist nun ganz sicher nicht verdächtig, Stimmung gegen Kabarettisten von der Ausrichtung Urban Priols zu machen. Es geht in diesem Artikel und in meiner Meinungsäußerung allein um den üblen Stil Priols. Und ich wiederhole mich: wenn ein ähnlich geschmackloser Witz von Rechts gekommen wäre, würde man ihn (zu Recht) ebenfalls ächten.

      • hast du dir das video überhaupt angesehen? Alles was Priol sagte war ging in die Richtung „Bosbach fing von der RAF an, wir sollten nicht wieder in eine Ära der Gewalt zurückfallen“ und „Wenn heute sowas vorkommen würde und jemand den Brüderle entführt, dann zahlt doch keiner mehr Lösegeld“ (beides frei zitiert)

        Und was ist daran jetzt schlimm? Der lässt in jeder Folge der Anstalt härteres Zeugs los und wie gesagt hat nicht er die RAF ins Spiel gebracht. Weiterhin spielte er nur darauf an wie idiotisch der Kommentar bezüglich RAF war und wurde hinterher bejubelt und beklatscht.

        Ich kann da weder irgendwas verwerfliches in der Rede entdecken, noch die Stimmung gegen Priol von der in der Süddeutschen die Rede ist. Belege mir erstmal was überahaupt dein Problem mit der Aktion sein soll und dann können wir mal weiterreden.

      • Frank sagt:

        Also, die Leute haben an der Stelle durchaus gelacht. Pfiffe waren an anderen Stellen auch immer mal zu hören – die hatten gar nichts mit Priol zu tun. Was hat Priol denn gesagt? Er zitierte Bosbach: „Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht zurückbewegen in die Terrorspirale der Gewalt der 90er Jahre … der 70er Jahre!“ Ach, Bosbach, geht’s noch? Eine Rückkehr der RAF? Dier haben sich ja längst aufgelöst … man hört schon das Stammtischgemurmel: Die hätten heute wieder gut zu tun in Deutschland.“

        Den Satz – da bin ich mir ganz sicher – hat er auch schon mal in anderem Zusammenhang in „Neues aus der Anstalt“ gebracht. Alles lachte damals, kein Mensch regte sich in irgend einer Zeitung darüber auf. Das Ding mit Brüderle ist lediglich ein durchschnittlicher Brüderle-Witz. Zu etwas anderem kann man Brüderle auch nicht gebrauchen als Witze über ihn zu machen. Und mit dem Satz „die RAF hätte heute wieder gut zu tun“, hat Priol sogar Recht. Der Satz bedeutet ja nicht, dass nun jemand losziehen und Leute umbringen soll. Priol hat ja keinen Mord-Aufruf von sich gegeben. Er sagt nur, dass es viele potentielle Ziele gäbe. Einen Mord-Aufruf könnte man Priol gegenüber Merkel andichten – sowas kam in der letzten „Anstalt“. Alles lachte. So war’s ja auch gemeint.

        Intelligente politische Kabarettisten sind selten. Priol wegen so einer Lapalie gleich nun Fernsehverbot auszusprechen, wäre geringfügig übertrieben. Außerdem kann Pispers nicht alles allein machen. Und da politische Satire sowieso noch nie etwas verändert hat, kann man so etwas auch mal durchgehen lassen. Es ändert ja auch so herum nichts.

      • stefanolix sagt:

        Ich habe mich jetzt bis zu der Stelle durchgekämpft und ich sage: die »SZ« hat die Stelle richtig wiedergegeben. Priol kommt auf die RAF zu sprechen und dann:

         … das Grummeln am Stammtisch immer öfter: Schade eigentlich, die hätten gut zu tun im Moment! [*Pfiffe und Beifall*] Aber was, aber was soll das? Wiederkehr vom Deutschen Herbst, Rückkehr der RAF? Wen von den Nasen sollten die denn heute entführen? Da zahlt doch keiner mehr Lösegeld! [*Pfiffe und Beifall*] Da wird Vergnüüügungssteuer fällig! Einer wie Brüüüderle, einer wie der Brüüüderle, der textet die solange zu, bis die den Kofferraum aufmachen und sagen: Geh! Bitte, bitte geh!

      • stefanolix sagt:

        Natürlich ist das kein Aufruf zu irgendeinem Verbrechen. Wer hat denn das bitte behauptet?

        Es ist ein brunzdummer Vergleich, ein Vergleich, den man aus der anderen politischen Ecke aber sofort ächten würde.

        Ich bleibe dabei: Das ist unterste Schublade. Die Kofferraum-Anspielung ist eine eindeutige Anspielung auf die Schleyer-Entführung.

        Und intelligentes politisches Kabarett ist diese Rede aber ganz gewiss nicht. Sorry, davon erwarte ich mehr.

      • Frank sagt:

        Ich habe auch nicht behauptet, dass bei jemandem, der ansonsten intelligent ist, auch automatisch jeder einzelne Satz gleich intelligent sei. Manchmal sagt auch ein Intelligenter etwas Mittelintelligentes oder gar Banales. Und sobald Kabarett Witze über Brüderle oder Westerwelle einbaut, wird es sowieso durchschnittlich, weil das billiges Material ist. Unterste Schublade war es nicht (aber das ist Geschmackssache). Meine Güte – was denkst Du, wie oft bei Auftritten beliebiger Kabarettisten/Comedians z.B. Barschel-Vergleiche kommen – da ruft auch nicht immer gleich jemand: Geschmackos! Sendeverbot! Olaf Schubert baut gern mal etwas mit Nazis ein und hat auch noch kein Sendeverbot. Gut so.

        Die andere politische Ecke … hast Du schon jemals einen halbwegs intelligenten Witz von Rechts gehört? Ich kann mich an einen solchen Vorfall erinnern.

        Der Kommentator in der „Süddeutschen Zeitung“ hat da übrigens alles weggelassen, was bei dem Auftritt wichtig und diskussionswürdig wäre. Statt dessen hat er sich gezielt einen winzigen Abschnitt heraus gesucht, der auslegbar ist. Da hat jemand gezielt nach einer Nadel im Heuhaufen gesucht.

      • Frank sagt:

        Huch – einen entscheidenden Buchstaben vergessen:

        Die andere politische Ecke … hast Du schon jemals einen halbwegs intelligenten Witz von Rechts gehört? Ich kann mich an keinen solchen Vorfall erinnern.

      • stefanolix sagt:

        (1) Der ehemalige Ministerpräsident Barschel ist nicht von Terroristen ermordet worden. Um Anspielungen auf den Fall beurteilen zu können, müsste ich sie sehen. Die Titanic hat m.W. für den Engholm-Barschel-Vergleich Lehrgeld in fünfstelliger Höhe gezahlt.

        (2) Witze über Brüderle und Westerwelle sollen in jeder erdenklichen Menge gemacht werden, dagegen habe ich nie etwas gesagt. Beide sind Politiker und müssen das aushalten. Aber Witze im Zusammenhang mit der RAF nicht, denn Priols »die hätten heute gut zu tun« /kann/ sich nur darauf beziehen, dass »die« heute wieder Menschen ermorden müssten. Tut mir leid, ich sehe den Witz nicht.

        (3) Ich mache keine Witze von Rechts und ich höre keine. Aber ich höre (auch in unserer schönen Stadt) rechte, dumme Stammtischparolen. Und man /kann/ diese rechts-dummen Stammtischparolen so weiterentwickeln, wie Priol das mit der linken Parole von der RAF-Wiederkehr gemacht hat. Dadurch wird noch lange kein guter Witz daraus, sondern auch nur so ein instinkt- und pietätloser Ausbruch wie der hier zur Diskussion stehende …

        (4) Was wäre denn an diesem Auftritt noch diskussionswürdig?

      • Frank sagt:

        Zu 1) Ist doch egal, ob Barschel von Terroristen ermordet wurde. Barschel fiel mir nur so spontan ein. Mir ging‘s darum, dass auch in anderen Zusammenhängen schon Scherze gemacht wurden, die man als geschmacklos einstufen könnte, ohne dass da gleich ein großer Aufschrei „verbieten!“ kam.

        Zu 2) Witze über Brüderle & Westerwelle sollen gemacht werden, solche über die RAF aber nicht? Aha. Warum? Warum darf man keine Witze im RAF-Zusammenhang machen? Warum sollen bestimmte menschliche Bereiche vom Witze-machen ausgeschlossen bleiben?

        3) Stammtischparolen sind nicht witzig, sondern dumm. Selbst wenn man Priols Textabschnitt meinetwegen auch als dumm einstuft, bleibt das insofern ein Ausrutscher. Stammtischgequatsche ist dagegen durchgängig dumm (nehme ich zumindest an – bin zu selten dabei).

        Zu 4) Der Rest von Priols Text vielleicht? Ich habe aber ehrlich gesagt, wenig Lust, nun den gesamten Auftritt zu transkribieren und zu analysieren. Da würde ich Priol notfalls lieber eine Mail schreiben und ihn um das Manuskript bitten.

      • stefanolix sagt:

        Frank, was das in der Süddeutschen steht und was ich geschrieben habe, sind persönliche Meinungen. Ich will meine Meinung nicht verabsolutieren und der SZ-Journalist will das sicher auch nicht.

        Man kann unterschiedliche Vorstellungen von Satire haben, das steht doch völlig außer Frage. Aber genauso wie es in NS-Fragen gewisse Tabuthemen gibt, sollte es diese Tabus auch in Bezug auf den brutalen Terrorismus der RAF geben. Die RAF hat ohne Gewissensbisse Menschen ermordet, weil ihre Mitglieder sich für die Guten und Gerechten hielten. [Ergänzung: Und deshalb finde ich die Bemerkung unanständig, RAF-Terroristen hätten heute auch gut zu tun].

        Ich habe mir ja den Rest von Priols Rede angehört, darin ist alles vorhersehbar und es enthält keine einzige gute Pointe. Priol redet seinem Publikum nach dem Mund und gibt ihm Stichworte, wo sie lachen sollen. Das ist (in meinen Augen) kein gutes und wirkungsvolles Kabarett.

      • Frank sagt:

        Da zum Thema „Rechter Humor“ gerade etwas frisch herein kam: Sofern die Rechten überhaupt Humor erzeugen, dann ist es normalerweise unfreiwillig: http://npd-blog.info/2011/03/29/npd-warmpussytube/

      • Frank sagt:

        Und bei der Gelegenheit fiel mir ein, dass sich kürzlich tatsächlich jemand von der NPD als Entertainer versucht hat: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/videos/extra2965.html – etwa ab der 2. Minute. Viel mehr darf man von denen nicht erwarten.

      • stefanolix sagt:

        OK. Aber es relativiert ja nun sicher nicht die Aussage des Herrn Priol.

        Übrigens schreibt jetzt auch die »Süddeutsche«, dass Priol den Spruch, wonach die RAF heute gut zu tun habe, schon länger bringt. Ich denke noch darüber nach, welchen Aspekt dieser Meldung ich als bedenklicher empfinde … Ich frage mich bei solchen Sprüchen: Wen sollte die RAF nach dem Willen Priols und seiner Mitlacher denn als erstes ins Visier nehmen?

      • Frank sagt:

        Na, Herrn Brüderle jedenfalls nicht. Hat er ja ausdrücklich gesagt, dass das nichts bringt.

      • stefanolix sagt:

        Das stimmt. Wenigstens kann er jetzt (bald) ruhig schlafen.

  2. Muyserin sagt:

    Es war sicher sehr geschmacklos, aber Ethik und Satire gehen nicht immer Hand in Hand.

    • stefanolix sagt:

      Möglich. Aber man kann genügend bissige Satiren über Brüderle & Co. machen, ohne solche Parallelen bemühen zu müssen. An Anlässen ist doch da wirklich kein Mangel.

  3. Grilleau sagt:

    Du meinst die BND-RAF

    Staatsterror und False Flag mitten in Deutschland | Celler Loch 1978

    Die Bundesregierung erkauft sich ihren Terror und inszeniert mit dem Geheimdienst einen RAF-Angriff auf die JVA in Celle. Sogar der angebliche Schuldige ist gekauft und wird der Öffentlichkeit präsentiert. Der Staat verschwört sich mit Kriminellen gegen die eigene Bevölkerung um Angst zu schüren, um Recht zu brechen und neue Gesetze zu schaffen. Die Wertegesellschaft läßt sich das gefallen – sie liebt ihre Werte und verteidigt sie mit Selbstbetrug.

    http://grilleau.blog.de/2011/01/05/staatsterror-false-flag-mitten-deutschland-celler-loch-10306634/

    • stefanolix sagt:

      Extra für Sie, werter Grilleau, noch ein Zitat aus der »SZ«:

      Das Bild des toten Arbeitgeberpräsidenten, der am 19. Oktober 1977 zusammengekrümmt im Kofferraum eines Autos im französischen Mülhausen gefunden wurde, ist bleibendes Zeugnis einer erbärmlichen, menschenverachtenden Ideologie.

      Möchten Sie behaupten, dass dieser Mord eine »false-flag«-Operation gewesen ist? Sicher nicht. Und nur auf dieses Verbrechen nimmt Priol Bezug, nicht auf das »Celler Loch«.

  4. foster sagt:

    Ich interpretiere den Hinweis auf die 16 nicht als Versuch einer „Erklärung“, sondern als Vorbereitung für den dann folgenden Satz. Heißt zusammen: ein Jugendlicher hätte bei dem Spruch vielleicht noch versuchen können, mit der Ausrede Gedankenlosigkeit zu kommen, ein 50jähriger wie Priol hat ganz sicher keine.

    sozusagen als Antizipierung (und Begründung der Ablehnung) einer möglichen Entschuldigung Priols.

    • stefanolix sagt:

      Kann man vielleicht so auslegen. Aber es sei noch einmal klar gesagt: Ein gestandener politischer Kabarettist kann überhaupt keine mildernden Umstände geltend machen. Es war eine wohlüberlegte Rede und es gab überhaupt keinen nachvollziehbaren Grund für diesen Ausfall.

      • foster sagt:

        Kurz: ja. Und wenn ich mir die sonstige Wortwahl der SZ (bzw. dieses SZ-Autors) ansehe („Priol hetzt“, „Entgleisung“), und auch die Anmerkung zur Reaktion des Publikums, dann halte ich diese Auslegung für die wahrscheinlichste. Holzhaider ist hier in Bezug auf Priol schlicht deiner Meinung.

  5. Grilleau sagt:

    Der Nazi Mann, Hanns Martin Schleyer nicht, aber Siegfried Buback oder auch Herrhausen…

    • stefanolix sagt:

      Jetzt wird es ja völlig abstrus. Ich will keinen der beiden Fälle hier zum Gegenstand von Verschwörungstheorien machen.

      Und was die Nazivergangenheit Schleyers betrifft: Kein einziger Punkt rechtfertigt die Entführung und den Mord an ihm.

      Viel schlimmer als dieses Verbrechen stufe ich aber die Morde der RAF an völlig Wehrlosen und in jedem Sinn Unbeteiligten ein.

  6. Grilleau sagt:

    Die RAF ist ein Kind des BND so wie die NPD eines ist. Und False-Flag-Operation sind gang und gäbe in der westlichen Welt…

    Anschlag Oktoberfest München 1980, Operation Gladio

    Link zu einem Youtube-Video über Spekulationen über den Anschlag Oktoberfest München 1980

  7. Antifa sagt:

    Jetzt darf man nicht einmal mehr lachen :-/

    • stefanolix sagt:

      Doch. Gerade in diesen Tagen gibt es so viel zu lachen! Andrea Nahles, Kurt Beck und Sigmar Gabriel bei der Analyse der SPD-Ergebnisse im ZDF-Live-Stream fand ich gestern lustiger als den ganzen Vortrag des Herrn Priol, den ich mir heute antun musste.

  8. Antifa sagt:

    Also wenn ich Deinen Maßstab bei der Titanic anwenden würde, dann müssten die eigentlich mit jeder Ausgabe vor dem Kadi laden.

    • stefanolix sagt:

      Ich lese die »Titanic« nicht mehr. Mich hat besonders ein sehr unappetitlicher Westerwelle-Titel abgeschreckt (nicht weil ich ein Fan von ihm gewesen wäre, sondern weil die »Titanic« sich mit Anspielungen auf seine sexuelle Orientierung auf ein Niveau mit den allerdümmsten Homosexuellenhassern gestellt hat).

      In der Engholm-Barschel-Affäre (»Sehr witzig …«) hatte ich sogar noch ein gewisses Verständnis für das Magazin, aber andererseits haben es die Richter wohl als bösartigen Angriff auf die Persönlichkeit gesehen.

  9. googlehupf sagt:

    Priol ist halt n‘ Giftzwerg dessen sogenannter Humor darauf basiert die Klischees abzufeuern die sein Publikum gerne hören möchte. Die hier angesprochene Titanic ist da z.B. ’ne ganze Ecker besser und kreativer.

    Aber dennoch denke ich, dass man das aushalten. Im Zweifel auch Geschmacklosigkeiten. Außerdem – wenn ich mich über jeden Euro aufregen müsste der im Rundfunk an Gestalten wie Priol verballert wird käme ich ja gar nicht mehr zum Schlaf. ;)

    • stefanolix sagt:

      Ich sage doch gar nicht, dass eine Gesellschaft das nicht aushalten muss. Natürlich muss sie es im Rahmen der Meinungsfreiheit aushalten.

      Aber man sollte solche Leute nicht mit Zwangsgebühren auch noch teuer bezahlen. Soll er doch mit seinem Programm durch linke Kulturprojekte und autonome Hinterhöfe tingeln. Da hat er seinen linken Stammtisch. Da muss er sich nicht so viel Zwang antun wie auf einem öffentlichen Platz in München.

  10. tigger sagt:

    Ja, da lacht der linke Stammtisch, der ansonsten politisch korrekt das Binnen-I verwendet :)

    • stefanolix sagt:

      Ja, ich möchte lieber nicht wissen, was in solchen Köpfen vorgeht. Erschreckend war ja nicht nur, was aus dem Kopf des Redners drang. Erschreckend war auch dass so viele mitgegrölt haben.

      Frage an mich selbst: Und warum braucht es eigentlich vorher immer Trommeln zum Einheizen?

  11. Das politische Klima wird rauer, nicht zuletzt dank unserer Politiker. Mich erinnert Priols Spruch an „O hängt ihn auf…“ (http://goo.gl/i38vY) – und solche Witze waren schon immer Waffe des Volkes.

    • stefanolix sagt:

      Welcher der beiden Witze?

      Dass die RAF heute gut zu tun hätte — wo doch deren »Tun« immer nur Morden war?

      Oder dass man Brüderle lieber laufen lassen als entführen sollte? Das wäre vielleicht ein Witz, wenn es nicht in Verbindung mit der ersten Aussage stünde.

      • Bosbachs Ausspruch, wir fänden zurück in die Terrorspirale der 70er.

        Verbale Aufrüstung auf beiden Seiten, nur kann man bei Priol eventuell davon ausgehen, dass er einen (vielleicht schlechten) Witz machen wollte. Bosbach dagegen meint das völlig ernst (und werkelt Kraft seines Amtes im Hintergrund vielleicht schon an Gesetzen, die dann hoffentlich wieder vorm BVG scheitern).

      • stefanolix sagt:

        Nun, wenn überzogene Gesetze scheitern, dann geht doch alles seinen rechtsstaatlichen Gang.

        Dafür muss man doch nicht das Bild einer RAF heraufbeschwören, die heute gut zu tun (lies: zu morden!) habe — und die übrigens früher auch Vertreter des Rechtsstaats ermordet hat.

      • Dafür muss man doch nicht das Bild einer RAF heraufbeschwören, die heute gut zu tun (lies: zu morden!) habe […]

        Sehe ich auch so, wie gesagt, der eine macht einen schlechten Witz darüber, der andere nutzt es (das heraufbeschworene Bild einer RAF) als Bedrohungsszenario, das so nicht existiert. Letzterer verursacht mir persönlich deutlich mehr Unbehagen. Die Innenminister der letzten Jahre scheinen hauptsächlich das Schüren von Angst als ihre Hauptaufgabe zu betrachten.

      • stefanolix sagt:

        Deiner fundamentalen Bosbach-Kritik stimme ich doch auch als überzeugter Liberaler zu. Aber Du begründest sie ja auch sachlich. Priol übt gar keine Kritik in der Sache.

  12. Micha W. sagt:

    Hey, Stefan, jeden Tag so’n Artikel und du kannst hauptberuflich Blogger werden ;) … zumindest zeitmäßig …
    Also, gleich vorweg … ich habe noch nicht den SZ-Artikel gelesen und auch das Video nicht angesehen …
    Googlehupf (28.3.2011, 22:16) hat’s m.E. gut getroffen, Priol ist ein „Giftzwerg“ bzw. in seiner Rolle agiert er als solcher – wobei das vielleicht schon der Knackpunkt ist. Spricht er in einer Rolle oder als er oder in einer Mischung?
    Ich konnte bei den 30+ Folgen „Neues aus der Anstalt“ über Priol selten lachen, er hat mich auch nicht zum Nachdenken angeregt. Seine Attacken auf Merkel waren (sind?) von einer Art, die mir nicht liegt, obwohl ich selbst gern Witze über Angela Merkel sehe bzw. aufnehme und gern weiter nutze (z.B. Bundeskanzlerin/Bankenzinsluder… doch Priols Niveau ist einfach nicht mein Fall. Er agiert überwiegend aggressiv und hat selten Sinn für einen fein(er)en Humor, finde ich.

    Kritisch sehe ich allerdings deine(n) Wunsch/Aufruf/Forderung nach einem „Sendeverbot“ für Priol. Zum einen weil das Methoden sind, die ich nicht unterstütze (du weißt ja warum ;)) und zum anderen, weil solche Äußerungen auch ein Parameter für die Stimmung im Volk sind bzw. sein können – als Reflektion sozusagen. D.h. wie reagieren Menschen auf solche Äußerungen? Warum? usw. usf.

    Ansonsten bleibt mir nur übrig, zu sagen, dass jedes Land in gewisser Weise nicht nur die Politiker bekommt, das es verdient, sondern auch die Kabarettisten ;)

    • stefanolix sagt:

      Moment, zum Thema »Sendeverbot« sage ich lieber gleich noch etwas, da widersprechen sich meine Meinungen von damals (gegen ein Sendeverbot) und heute (mindestens für eine Sendepause) überhaupt nicht.

      Herr Priol agiert für sehr gutes Geld als Auftragnehmer eines öffentlich-rechtlichen Senders und er wird aus Gebührengeld bezahlt. Als Auftragnehmer muss man sich auch an bestimmte Regeln halten. — Das ZDF war nie ein Mitmachsender für Leute aus der Bevölkerung, die ein Amateurradio betreiben.

      • „Gegen“frage, Stefan: hat Herr Priol in seiner Arbeitszeit für das ÖRF auf der Demo/Veranstaltung gesprochen oder sozusagen als Privatperson? ;)
        Mit anderen Worten: war’s ein bezahlter Job oder Ehrenamt?

      • stefanolix sagt:

        Er wurde aufgrund seiner Bekanntheit eingeladen und angehört. — Ehrenamt? Das wäre mit Gemeinnutz verbunden und am Gemeinnutz der zitierten Worte darf ich wohl zweifeln. An der Ehrenhaftigkeit sowieso …

      • Das war m.E. nicht die Beantwortung meiner Frage, Stefan … ich versuch’s mal anders: darf ein Mensch – wenn überhaupt (?) – ein Sendeverbot für Worte bekommen, die er nicht am betreffenden Arbeitsplatz gesagt hat?
        Meinetwegen können wir als zweite Frage noch den Sinn oder Unsinn von Sendeverboten behandeln? ;)

      • stefanolix sagt:

        Nun, es gibt zumindest Präzedenzfälle, in denen Prominente vom Bildschirm verschwanden, weil sie sich öffentlich nicht entsprechend dem Selbstverständnis ihres Senders geäußert haben.

        Ich zitiere hier mal via Wikipedia-Artikel zwei Stimmen über die Moderatorin Eva Herman, ohne mir deren politische Aussagen auch nur im Geringsten zu Eigen zu machen:

        In derselben Ausgabe kritisierte die NDR-Rundfunkrätin Sara-Ruth Schumann Herman: Sie erwarte von einer „intelligenten Moderatorin“, „dass sie sauber formuliert.“ Michael Fürst, Mitglied im NDR-Verwaltungsrat, erklärte: „Wenn sie diesen verquasten Unsinn so gesagt hat, spricht das für ein sehr schlichtes Gemüt und ist historisch unverantwortlich.“

        »Verquaster Unsinn« passt auf Priols Heraufbeschwören der RAF-Mörder nicht minder. Er ist aber offensichtlich klüger als Frau Herman und hat sich wohl nicht mehr zu dem Fall geäußert.

        Wer als Moderator einer regelmäßig ausgestrahlten Sendung so im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht, muss sich auch an dem messen lassen, was er in der Öffentlichkeit sagt.

  13. randOM sagt:

    Du bewegst Dich immer mehr auf dem Niveau von Strauß – nicht dem Vogel, sondern Franz-Josef. Ich habe aufgehört, Deinen Blog zu lesen, weil ich mich eh nur aufrege. Vernagelt ist wohl das passende Wort: Du siehst überall die linke Gefahr um möchtest drauf hauen – das kann man auch Paranoia nennen. Wir leben in einer Demokratie und da darf man gerade als Kaberettist auch mal was Grenzwertiges sagen. Wer da gleich Bühnen- oder besser gleich noch Berufsverbot fordert, der sollte sich in eine Zeitmaschine setzen und in den 1970ern dem (un)seeligen FJS die Eier kraulen. Guts Nächtle, Wutbürger!

  14. stefanolix sagt:

    (1) Die „Süddeutsche“ ist ein Blatt mit Strauß-Meinungen? Vergiss es!

    (2) Zur Meinungsfreiheit gehört auch meine Meinungsfreiheit und ich finde Bezüge auf Mörder bedenklich.

    (3) Wenn man gegen solche Bezüge nichts sagt, kommt der nächste „Kabarettist“ von Rechtsaußen und macht einen Pogrom-Witz. Ganz harmlos?

    (4) Hier steht nirgends etwas von der Unterdrückung der Meinungsfreiheit eines Urban Priol. Das hast Du Dir vielleicht ausgedacht und hineininterpretiert.

    (5) Wutbürger? Was für ein billiges Klischee!

    Ergänzung am nächsten Tag: Ich habe mir gerade mal die Wikipedia-Seite zum Wutbürger durchgelesen. Es gibt ja keine einheitliche Definition, sondern mehrere Interpretationen. Aber keine passt auf mich:

    Gegen Sarrazin habe ich schon argumentiert, als er sein erstes Interview in der Zeitschrift Lettre International gegeben hat. Zum Glück ist das dokumentiert.

    Ein Stuttgart-21-Wutbürger kann ich auch nicht sein, weil ich mit dieser Stadt nix zu tun habe. Meine Eisenbahnreisen werden dadurch nicht berührt. Allenfalls würde ich mir wichtigere Projekte wünschen, wie die Verbesserung der Strecke Dresden-Berlin.

    Bin ich gegen ökologische Veränderungen? Ich habe kein Auto, sondern DVB-Jahreskarte und Bahncard.

    Tut mir leid: Insgesamt sehe ich diesen Kommentar als billigen Versuch, mich zu diskreditieren und mich in einer Ecke zu stellen, in der ich nichts zu suchen habe.

    • Mal ’ne Außensicht in eueren Dialog …
      Dieser deiner Sätze, Stefan ist missverständlich:

      „Man sollte Herrn Priol im Fernsehen keine Bühne mehr geben.“
      Das klingt nach Sendeverbot, insbesondere weil du im Satz vorher darauf ansprichst …
      Dein Schluss ist, wenn das von „rechts“ passieren würde, dann gäbe es Sendeverbot, also sollte man dies mit „links“ (~ Priol) auch machen.
      Ich frage mich, warum man nicht einfach rechte und linke Radikalkabarettisten sich selbst am besten blamieren lassen kann?
      Hmm, eigentlich hast du recht, Stefan … ich finde, ins ÖRF gehört noch so ne richtige rechte Sau, die „übelst“ vom Leder zieht ;) … also, wenn schon gleiche Rechte, dann alle bitte ;)
      Bei extra3 darf der „Föhrer“ auch sein Kabarett machen ;)

      • stefanolix sagt:

        Zum »Föhrer«: Diese Videoclips und der Storch Heinar von Endstation Rechts sind satirischer Anti-Nazismus in Reinkultur. Bei den »Föhrer«-Clips habe ich manchmal schon Tränen gelacht.

        Der Wort »Fernsehen« habe ich betont, weil Herrn Priol sonst jede andere Bühne offenstehen soll, wo die Leute freiwillig bezahlen oder zu seinen Auftritten auf einer Demo kommen.

        Tja. Warum hat man dann Frau Herman nicht weitermachen lassen? Das war doch auch Satire in Reinkultur, es stand nur nicht als Satire im Programm …

      • Frank sagt:

        Leute …

        …rechte und linke Radikalkabarettisten …

        Noch einmal: Es gibt keine rechten Kabarettisten. Nennt mir ein Beispiel für einen solchen. Es gibt keinen. „Rechter Kabarettist“ ist irgendwie ein Widerspruch in sich.
        Bei der Gelegenheit auch noch einmal: Je mehr ich darüber nachdenke, hat Priol tatsächlich völlig recht mit seiner Bemerkung, eine RAF hätte (wenn es sie überhaupt noch gäbe) heute wieder viel zu tun. Denkt mal an die Milliardenversenkung im Rahmen der angeblichen „Bankenrettung“. Als normaler Bürger nimmt man solche Prozesse fassungslos zur Kenntnis und denkt an Erich Kästner: „So nehmt denn hin, was wir ersparten …“. Was bleibt einem da? Der Glaube an den Rechtsstaat? Sehr lustig. Eine RAF, die ihre Arbeit ernst nehmen würde, hätte heute tatsächlich viel zu tun. Da hat Priol doch recht. Und er hat weiterhin recht, wenn er sagt, dass eine Entführung von solchen Gestalten wie Brüderle reichlich sinnlos sei. Priol hat es gut auf den Punkt gebracht.

      • stefanolix sagt:

        Selbstverständlich kannst Du das Problem der Banken auch demokratisch-rechtsstaatlich klären: die Bürger müssen einfach mehrheitlich eine Partei wählen, die alle Banken verstaatlicht.

        Welcher Anteil des Ersparten ist denn bisher eigentlich verlorengegangen? Ich meine jetzt keine Anlagen in hochriskanten Wertpapieren, sondern wirklich Sparguthaben. Bei den hochriskanten Anlagen ist es ganz einfach: das Geld ist nicht weg, es ist nur woanders.

        Zur Beratungspflicht der Banken gehört immer auch ein Kunde, der die Beratung wirklich nachfragt, sich anhört und versteht. Viele waren aber durch Steuersparversprechen oder Rendite-Erwartung völlig geblendet.

        Das alles müsste man wirklich mal sehr genau untersuchen, bevor man die RAF ins Spiel bringt. Und was würde sich ändern, wenn sie tätig würde?

        Warum kennt niemand einen rechtsradikalen Kabarettisten? Weil ein solcher nur in den entsprechenden Kreisen tätig ist, in denen wir alle nichts zu suchen haben wollen? Weil die Medien als Lehre aus 1933ff solche Witze überhaupt nicht drucken und auf solche Veranstaltungen nicht hinweisen würden?

        In der Phase vor der Machtergreifung gab es viel rechtes Kabarett, unter anderem ist das bei Victor Klemperer dokumentiert (auch mit Beispielen).

        Ich bin sicher: heute gibt es das auch, aber es kennen nur die Leute aus der Zielgruppe.

      • @ Eva Herman
        Hmm, ich erinnere mich nicht mehr genau, doch Eva Herman wurde im Fernsehen selbst auf’s Glatteis geführt, ausgehend von ihrem Buch und dann kam irgendetwas mit „Autobahn“, „Frau am Herd“ usw. – wobei ich selbst schon Eva Herman’s Argumente mit den Vorwürfen anderer vermenge… irgendwo habe ich das Buch noch (2 Euro bei eBay ;)) – vielleicht sollte ich es doch mal fertiglesen ;)

        Ich fand den Rausschmiss von Eva Herman bei Kerner (?) erbärmlich. Der Mann war völlig überfordert und hat sich bemüßigt gefühlt, zwischen Senta Berger und Eva Herman zu entscheiden. Zack, war „die böse Eva“ draußen ;)
        Entweder man schickt beide raus, was nicht geht, dann hat Kerner nur noch einen Gast ;) … oder man bringt die Sendung mit etwas Humor zu Ende, doch Kerner war da einfach überfordert.
        Alles in allem kann ich mit Eva Herman nichts anfangen, doch man sollte gewisse Dinge des gesellschaftlichen Miteinanders zumindest mit in Betracht ziehen.
        Und genauso ist das mit Priol … auf allen Seiten.

        @ Priol
        Wie gesagt, Priol sprach außerhalb des Fernsehens … man mag nun meinen, dass so eine Person nicht mehr im Fernsehen arbeiten sollte, doch eine Sendeverbot zu fordern, geht in die völlig falsche Richtung. Die Denke „Wenn’s andere nicht dürfen, dürfen es die und die auch nicht.“ führt zu nichts. Ganz im Gegenteil … Sendeverbot heißt direkte oder indirekte Zensur … nicht sehr liberal, Stefan ;)

        Ich mach’s mal ganz plakativ … wenn du Priol nicht mehr im Fernsehen sehen möchtest, dann sehe einfach seine Sendungen nicht an. Wenn mehrere Menschen so ticken wie du, sinken die Einschaltquoten und die Sendung mit evtl. um- oder abgesetzt. Das ist die „Demokratie des Konsumenten“ ;)

      • stefanolix sagt:

        Sende(r)verbot ist eben nicht Zensur. Zensur ist dann gegeben, wenn die Staatsmacht verbietet, dass ein bestimmter Inhalt verbreitet wird. Das hat mit dem »Sendeverbot« nichts zu tun und das hat auch meines Wissens niemand gefordert. Seine ganz spezielle Meinung über die RAF kann Herr Priol auch ohne Sendeplatz im ZDF verbreiten.

      • Ich schrieb:
        Sendeverbot heißt direkte oder indirekte Zensur
        Machen wir meinetwegen ein Senderverbot draus.

        Wenn eine Person X wegen einer Äußerung im Medium Y ein Sende- bzw. Auftrittsverbot ausgesprochen bekommt, dann hat das natürlich Auswirkungen auf das Umfeld.
        Wir einer „geschasst“, werden die anderen vermutlich leiser oder „revoltieren“ … bei coloRadio interessierts niemanden wirklich ;) – also eher Fall 1 (miese Stimmung und Konfliktverlagerung).

        Ein gegen eine bestimmte Person ausgesprochenes Verbot wirkt immer als Erziehungsmaßnahme für alle, denn – in diesem Fall – hat Priol etwas verbal von sich gegeben. Ergo: alle, die auch in diese verbale Schiene kommen würden, MÜSSTE logischerweise dasselbe Schicksal treffen.
        Okay, nennen wir es „Aufbau und Ausbau der Schere im Kopf“ … dann vergiss das mit der Zensur, auch okay für mich ;)

      • Kurzer Nachtrag, weil’s zum RAF-Komplex passt und ich gerade ein Bert-Engelmann-Buch über Franz Josef Strauß lese … darin auch seine Rede von Sonthofen, 19. November 1974
        Einfach mal nach RAF suchen, die Rede ist recht lang … mir geht’s um die Stimmung, die dort rüberkommt.

        Man könnte Priol wohl als kabarettistische Antipode von Strauß ansehen ;)
        Die Strauß-Rede ist auch sonst sehr interessant … schon sprachlich und rhetorisch gesehen.

      • stefanolix sagt:

        Man weiß ja nicht, ob diese Mitschrift echt ist. Aber die folgenden Sätze passen heute mehr noch als damals:

        Erstens ist der Patient in einem Zustand, wo er unter zwei großen Beschwerden leidet, nämlich Zerrüttung der Staatsfinanzen und Inflation mit steigender Arbeitslosigkeit, d. h. es gibt kein Rezept, das der Bekämpfung beider Krankheiten dient. Man kann immer nur einer Krankheit zu Leibe rücken, und jedes Rezept, das der einen Krankheit zu Leibe rückt, vermehrt das Übel auf der anderen Seite, so daß man also hier auch eines Tages zu einem dosierten Einsatz von Mitteln über längere Zeit hinweg kommen muß.

      • Die Mitschrift scheint zumindest ansatzweise so zu sein … ist auch in Engelmanns Strauß-Buch abgedruckt, und hmm – kann sein, dass ich da etwas verwechsle – war wohl auch mal im Spiegel … hmm, ne das nehme ich zurück, ich schaue nochmal genau nach ..

        Das Ding ist ja, dass Straußens Analyse schon im Jahr 1929 oder 1933 ansatzweise gepasst hätte … ebenso hunderte JAhre vorher, zerrüttete Staatsfinanzen und Arbeitslosigkeit gab es in dieser Kombination schon immer mal wieder …
        Doch Strauß malt immer wieder dem kommunistischen Geist an die Wand … wie gesagt, dass Schwarzbuch FJS ist höchstinteressant. Strauß stand mit diversen Diktatoren in Verbindung und unterstützte reaktionäre, latent-faschistische Organisationen in halb Europa … u.a. nante er Chile (unter Pinochet) ein freies und demokratisches Land … mehr Zitate (ohne Garantie) habe ich hier gefunden.

        Und … um auf Priol zurückzukommen. Man kann nun kritisieren, inwieweit man solche Statements machen darf/sollte/kann .. ungeklärt ist, wie es Priol gemeint hat – das ist der Knackpunkt für mich.

  15. googlehupf sagt:

    Hier geht’s weiter in der SZ

    • stefanolix sagt:

      Danke! Der Artikel ist richtig gut ;-)

      Da kann sich der Kollege randOM ja gleich an der linksliberalen »Süddeutschen« abarbeiten. Dort schreiben bestimmt auch nur Wutbürger …

      • hahahaha
        hat den Artikel mal jemand durchgelesen?
        Es mag ja durchaus sein dass Priol nicht gerade das höchste Niveau vertritt, es mag durchaus sein dass keine seiner Pointen witzig ist, aber wenn ich über mehrere Seiten darüber rante dass jemand kein Provocateur ist, dann ist das ein totaler reinfall. Die SZ hat sich provozieren lassen, was soll er denn sonst sein?
        Dann noch so Aussagen wie:

        Das gute und wahre Tucholsky- Wort, Satire dürfe alles, wird inzwischen immer wieder als Feigenblatt an die Lenden unzureichend durchbluteter Politclowns wie Urban Priol, Georg Schramm und Bruno Jonas gepappt.

        Mit denen man sich endgültig ins Abseits stellt. Georg Schramm ein Clown? Früher wollten Clowns witzig sein, wie sich die Zeiten doch geändert haben…

      • Frank sagt:

        Ich würde mal eher sagen, der Artikel ist richtig schlecht. „… unzureichend durchbluteter Politclowns wie Urban Priol, Georg Schramm und Bruno Jonas“ – na gut, wenn man Priol nicht leiden kann, soll man meinetwegen schlecht über ihn schreiben, aber Schramm und Jonas so zu bezeichnen … Aber das muss ich hier nicht analysieren, die ersten paar dortigen Kommentare fassen alles gut zusammen.

      • Frank sagt:

        @ Herrn Tod: Na, da hatten wir ja zeitgleich fast denselben Gedanken ;-)

      • stefanolix sagt:

        Ich meine nicht, dass der RAF-Spruch Priols eine intelligente Provokation ist.

        Ich schränke meine Zustimmung zum SZ-Artikel allerdings jetzt auf die Angelegenheit Priol ein. Die tadelnden Anmerkungen über andere Kabarettisten lasse ich außen vor, weil ich diese Kabarettisten nicht näher kenne.

        Gegenüber Dieter Hildebrandt (den ich von früher her schätze und von dem ich auch einige Bücher habe) fällt Priol allerdings wirklich stark ab.

      • Uuuh, da hat sich aber einer abgearbeitet ;)

        Also, der Herr Hilmar Klute hat sicher einige interessante Punkte angesprochen, doch irgendwie ging da etwas mit ihm durch. Mir scheint er wollte schon immer mal über das „politische Kabarett im Deutschland des 21. Jhds“ schreiben und Priol gab ihm den willkommenen Anlass.

        Dabei stolpert er m.E. über seine eigene Fallen …
        Zitat: Jedes noch so wohlfeile Gerempel dieses Mannes wird als politische Offenbarung angesehen, und Priol muss nur den Namen der Bundeskanzlerin aussprechen, um johlendes Einverständnis darüber herzustellen, dass Angela Merkel blöd sei. Parteiintern laufe Merkel unter dem Decknamen Lady Gaga, sagt er und weiß natürlich nicht, dass Lady Gaga eine witzige, kluge und großartige Sängerin ist. Vordergründig mag dieser Einwand beckmesserisch sein, in Wahrheit zeigt er aber, wie ungenau, schlampig und willkürlich im politischen Kabarett mit Sprache und Witz umgegangen wird.
        Der Herr Klute hat einfach einen völlig anderen Humor als Priol ;)

        Ich glaube, Klute kann nicht wirklich „um die Ecke denken“, oder Worte von anderen mal etwas anders interpretieren … den „Angela Merkel = Lady Gaga“-Witz kann man auf so viele Weisen interpretieren und Klute … naja, also der macht für mich Kabarett :)

        Der läuft Priol ungewollt den Rang ab ;)

        „… dass Satire ausschließlich dann zugreifen kann, wenn sie eine souveräne Distanz zu ihrem Gegenstand gefunden hat. Priol hat das nie verstanden.
        Hmm, dasselbe – das mit der Distanz zum Gegenstand – gilt natürlich auch für Journalisten ;)

        „Das politische Kabarett in Deutschland, es ist längst tot. Urban Priol ist der hausmeisterhafte Wiedergänger einer gewesenen Kultur.“
        Wow … also wenn die politikbezogenen Kabarettisten in Deutschland diese Steilvorlage nicht nutzen, stimme ich Herrn Klute vollkommen zu ;)

      • Das ich gerade eben drei verschiedene Zitierweisen gewählt habe, mal mit „“, mal ohne, mal kursiv, mal nicht … wird mir hoffentlich von „beckmesserisch“ arbeitenden Lesern nicht angekreidet ;) … ich lerne dazu, versprochen :)

        Das Wort „beckmesserisch“ (Wikipedia-Link) habe ich übrigens auch aus Klutes Artikel … ich glaube, er trifft sich da selbst ganz gut …

  16. es gibt übrigens auch andere, die für die SZ über Priol schreiben … m.E. mit etwas mehr Abstand als die bisher hier verlinkten SZ-Artikel ;)

    „Was darf Satire?“ – SZ, 28.03.2011

    • stefanolix sagt:

      Das ist Meinungspluralismus. Zu denken gibt mir das Ende des Beitrags:

      Priol hat die Passage schon seit Monaten im Programm. Größere Proteste, sagt sein Sprecher, habe es nie gegeben.

      Soll das bedeuten, dass solche Bezüge auf die RAF-Mörder heute salonfähig sind?

      • „Salonfähig“ vielleicht nicht, nur reagieren offenbar viele entweder gar nicht, denken sich ihren Teil oder oder oder … wie das eben mit der Kunst so ist ;) … man kann Priol so oder so auslegen – nur er weiß, was er – im konkreten Fall – wirklich meinte.

      • stefanolix sagt:

        Wie viele Auslegungen von »gut zu tun haben« gibt es bei RAF-Terroristen?

      • Priol sprach im Konjunktiv, wenn deine Widergabe richtig ist … „hätte“.
        Erstens gibt es die RAF nicht mehr, „bestenfalls“ Nachahmer, zweitens sagte er sicher nicht „Die RAF hat wieder gut zu tun …“
        Ob es ein (indirekter) Aufruf zu Gewalt ist, tja, darüber ließe sich „streiten“.
        Sagen wir’s so … ich werde auch nach dieser Sache sicher kein Priol-Fan und du hast insofern recht, dass solche Statements genau zu hinterfragen sind …

        Ein Sende(r)verbot sehe ich dennoch kritisch, worüber ich auch einiges schrieb, denn das öffnet die Türen für Zensur …

      • stefanolix sagt:

        Natürlich im Konjunktiv: die RAF gibt es ja nicht mehr. Priol kann nur so verstanden werden: Die RAF hätte gut zu tun, wenn es sie noch gäbe. So versteht es ja auch die linksliberale »Süddeutsche Zeitung«.

        Ich habe nie behauptet, dass Priol zur Gewalt aufgerufen hat. Aber: was wäre, wenn jemand genau den selben Spruch (im Konjunktiv) auf rechtsgerichtete Terrorgruppen aus der Geschichte anwenden würde?

      • Gut, jetzt komme ich der Sache wieder näher :)

        Wenn man Straußens z.B. Reden der 1970er Jahre liest, und u.a. spricht er von „roten Ratten“, dann könnte man dies mal im „Rechts-Links-Denkschema“ sozusagen „andersherum“ sehen … Strauß hat in der Politik Stammtischreden gehalten. Interessant z.B. wie ich heute früh las, dass er mit Leuten wie einem gewissen Dr. Eberhart Taubert zusammengearbeitet, unter den Nazis u.a. Drehbuchautor von „Der ewige Jude“, auch bekannt als „Ratten-Taubert“ … er hatte in dem Film Juden mit Ratten verglichen. Der Film ist wirklich gut gemacht, im Sinne von perfide und manipulativ im Höchstmaße … dass das beim „deutschen Michel“ gewirkt hat, verwundert mich nicht … was keineswegs irgendetwas rechtfertigen soll. Ganz im Gegenteil, der Film hat mir z.B. bei der Beantwortung der Frage geholfen, wie das Dritte Reich überhaupt so und so lange existieren konnte.
        Jedenfalls verwendete Strauß 30-40 Jahre nach dem Dritten Reich für die Roten (primär SPD plus Kommunisten usw.) fast haargenau das Vokabular, das bei den Nazis für die Juden angewandt wurde.

        Nun könnte man daraus – rückblickend – ein Abtreten, Redeverbot, oder etwas in der Art (Berufsverbot??) für FJS ableiten? Hmmm, schwierige Frage … Fordern kann man es freilich, doch was kommt dabei raus. Indirekt gibt man ihm recht, denn dann sagt er „Seht, die Kommunisten machen’s immer über Mundtotmachen.“ Man würde also auch Priol – wenn man jetzt mal diese Schiene verfolgen würde – indirekt recht geben. Nur eben „andersherum“ …

        Folglich begnüge ich mich persönlich damit, solche Äußerung für mich selbst zu bewerten und bestenfalls darüber zu kommunizieren .. so wie du es ja auch getan hast – per Blog. Forderungen führen m.E. zu nicht viel … meist eher zum Gegenteil dessen, was man gewollt hat.

      • Frank sagt:

        Priol kann nur so verstanden werden: Die RAF hätte gut zu tun, wenn es sie noch gäbe.

        Naja – genau das habe ich doch auch gesagt. So hat er es ja auch gemeint. Und es ist doch falsch, diese politische Kritik nicht wahrzunehmen, sondern sie wegen scheinbar falscher Wortwahl in eine Kritik am Kritiker umzudrehen!

  17. […] bestimmt. Da wird ein Klassenstandpunkt vertreten, an dem Karl-Eduard von Schnitzler seine wahre Freude gehabt hätte. […]

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