Symposium zum 19. Februar: Konservative alte Herren erzählen Geschichten

Einer der Hauptvorwände gegen das Symposium zum 19. Februar lautete: Da sitzen konservative alte Herren beieinander und erzählen von früher. Wir brauchen aber Lösungen für die Zukunft.

Die Befürchtungen schien sich zu bestätigen, als Hans-Peter Uhl und Jörg Schönbohm auf dem Podium Platz nahmen. Beide hatten in ihrer beruflichen und politischen Laufbahn mit der inneren Sicherheit zu tun. Beide mussten Verantwortung übernehmen, wenn extremistische Demonstrationen angemeldet und durchgeführt wurden. Beide konnten darüber viel erzählen.


Nun stellt sich in der Tat die Frage: Kann man Lösungen für die Zukunft aus Geschichten von gestern ableiten? — Es gibt in der Bildung und in der Psychologie eine Methode, die man als »Storytelling« bezeichnet: Durch das Erzählen von Geschichten soll Wissen vermittelt werden. Man verwendet diese Methode, um Lebenserfahrungen und Werte weiterzugeben. Man kann damit Denkprozesse einleiten und zum Handeln motivieren.

Vielleicht wurden Hans-Peter Uhl und Jörg Schönbohm zum Geschichtenerzählen eingeladen. Ich habe jedenfalls aus ihren Geschichten einiges gelernt. Ich habe mich dabei nicht auf die Personen und ihre politische Vita konzentriert. Mir geht es hier ausschließlich um ihre Äußerungen in Dresden.


Hans-Peter Uhl war Leiter des Kreisverwaltungsreferats der Stadt München. Er konnte berichten, dass eine Verwaltungsbehörde für Entscheidungen auf der Basis des Grundgesetzes und im Sinne der Meinungsfreiheit immer angegriffen wird. Bildhaft gesprochen: Er wurde aus der eigenen Partei (CSU) als radikaler Linker und von den Nazigegnern als radikaler Rechter diffamiert, weil in seiner Verantwortung umstrittene Kundgebungen und Demonstrationen stattfanden. Dieses Muster finden wir heute wieder, wenn das Bündnis »Dresden nazifrei« proklamiert:

[Wir haben den Erfolg] in diesem Jahr gegen Stadtverwaltung, Gerichte und Polizei erkämpft: Trotz deren erkennbaren Interesses, den Nazis ihren Aufmarsch mit allen Mitteln zu ermöglichen, konnte dieses Ziel nicht erreicht werden.

Das ist die diplomatische Variante. Die ungeschminkte Variante möchte ich hier nicht wiedergeben.


Jörg Schönbohm war Innenminister in Brandenburg. Brandenburg hatte damals ähnliche Probleme wie Sachsen: eine rechtsradikale Partei saß im Landtag und die Rechtsradikalen wollten bestimmte Orte für Demonstrationen missbrauchen. Einer dieser Orte ist der Soldatenfriedhof in Halbe.

Jörg Schönbohms Geschichte zum Umgang mit diesem Naziaufmarsch: Demokratische Kräfte haben sich geeinigt, auf ihre Parteisymbole zu verzichten und gemeinsam für die Werte unserer Verfassung einzustehen. Linke, Sozialdemokraten und Konservative standen gemeinsam für die Demokratie. Die Nazis ließ man laufen — aber ins Leere. Man machte ihnen auf friedliche Weise klar, dass ihre Parolen niemand beachten will.


Vor dem Forum forderten Vertreter des Bündnisses »Dresden nazifrei«: Wir wollen auch auf dem Podium sitzen. Nach Recherchen des Blogs Sehnsuchtsort waren sie auch eingeladen, haben aber die Einladung zurückgewiesen:

Das Bündnis Dresden nazifrei war natürlich zur Diskussion geladen, wie gestern aus zuverlässiger Quelle zu erfahren war. Warum es an dem Podium nicht offiziell teilgenommen hat, kann das Bündnis nur selbst erklären.

Man kann aber vermuten, warum sie den Dialog verweigert haben. Vielleicht wollten sie die Geschichten der beiden alten Männer nicht hören, in denen es um den Respekt gegenüber der Verfassung und um eine friedliche Lösung ohne Konfrontation ging.


In der nächsten Folge werde ich mich mit den unabhängigen Teilnehmern auf dem Podium befassen: Robert Koall und Frank Richter.


Kokardenblume

Schwarz-Rot-Gold:
Die Farben der Kokardenblume und unserer Verfassung …


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6 Responses to Symposium zum 19. Februar: Konservative alte Herren erzählen Geschichten

  1. Muyserin sagt:

    Wie könnte denn dieses „ins Leere laufen lassen“ in Dresden konkret aussehen?

    • stefanolix sagt:

      Darüber müsste man reden, wenn man sich weitgehend über das Ziel einig ist. Eine kleine Runde um den Hauptbahnhof sollte möglich sein. Vorausgehen könnten gründliche Durchsuchungen jedes einzelnen Demonstranten auf verfassungsfeindliche Symbole und Waffen.

  2. falschgold sagt:

    generalleutnant ad erzaehlt vom friedlichen loesen von konfrontationen und von respekt zum.. aeh, zur verfassung. da hat sich der veranstalter des symposioums aber wirklich um ein problemorientiertes panel bemueht.

    • stefanolix sagt:

      Zum Ausgleich saßen dort: Dipl.-Soziologe Stephan Kühn (Zivildienst) und der ehemalige Kaplan Frank Richter (aktiver Pazifist in den Tagen der Friedlichen Revolution).

      Hätten alle die selben Erfahrungen, müsste man ja keine austauschen.

      Übrigens hat sich Herr Schönbohm glaubhaft für das ausgesprochen, was er in Brandenburg maßgeblich mit initiiert hat. Ob er vorher mal Offizier war, ist mir ehrlich gesagt egal. Deshalb schrieb ich auch

      Ich habe mich dabei nicht auf die Personen und ihre politische Vita konzentriert. Mir geht es hier ausschließlich um ihre Äußerungen in Dresden.

  3. Antifa sagt:

    Der Uhl ist aber auch nicht ohne: Politische Positionen

    • stefanolix sagt:

      Uhls Meinungsäußerungen zur Vorratsdatenspeicherung und zur Überwachung sind ganz klar freiheitsfeindlich und solche Gesetze werden regelmäßig in Karlsruhe kassiert. Ich hoffe, dass das Verfassungsgericht dabei bleibt.

      Genau deshalb habe ich die politische Vita oben »ausgeblendet« und mich auf das Symposium konzentriert. Denn ich will nicht unterstellen, dass Uhl in Angelegenheit B falsch liegt, nur weil er in Angelegenheit A irrt.

      Und nach der politischen »Gesäßgeographie« wollte ich erst recht nicht urteilen.

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