Zwischen Kirchentag und Musikfestspielen

Blick auf »Dresden singt und musiziert« (Klick vergrößert).

Bewegend: »Wachet auf, ruft uns die Stimme …« in dem wunderbaren Raum zwischen Brühlscher Terasse, Kathedrale und Schloss mit seiner einzigartigen Akustik.


Nur laut: Mission mit Rockmusik und sehr stark vereinfachter Botschaft: »Yes, Lord!«.

Laute Mission mit skandiertem »Yes, Lord!«.

16 Responses to Zwischen Kirchentag und Musikfestspielen

  1. Lenbach sagt:

    Ein schöner Artikel von Fleischhauer zum Thema. Ausschnitt:

    Überhaupt die Energiewende. Kein anderes Thema war auf dem Kirchentag so präsent, nicht nur bei der „Kirche mit Kindern gegen die Atomkraft“, die sich gleich direkt an die Kanzlerin wandte. Was die grünen Protestler zu Tausenden auf die Straße treibt, muss auch den grünen Protestanten bewegen. So forderte der Kirchentag den Ausstieg aus der Atomkraft innerhalb der kommenden fünf Jahre, was sich so noch nicht einmal die Ökopartei traut – und, weil man so schön in Schwung war, auch gleich ein Verbot aller neuen Kohlekraftwerke.

    Nun lässt sich einwenden, dass es auf Dauer schwierig sein dürfte, ein Industrieland ganz ohne verlässliche Energiequellen am Laufen zu halten, aber in einer Welt, wo man vor allem dem Gefühl vertraut, sind solche Überlegungen nachrangig. Mit dem Herzen zu denken beziehungsweise mit dem Kopf zu fühlen, wie es schon bei Konstantin Wecker hieß, gilt auf dieser Art von Veranstaltung als besondere Tugend. Mit der Aufklärung hat sich der Sentimentalismus nie wirklich anfreunden können, Rationalität muss seit langem mit dem Vorwurf leben, zynisch, kalt, ja irgendwie männlich zu sein. Der Stolz auf das unbedarfte Denken ist geradezu Signum der Gefühlstheologie: „Präreflektierte Unmittelbarkeit“ sei doch „eigentlich ganz schön“, verkündete Margot Käßmann zum Auftakt der grünen Tage in Dresden, womit sie zweifellos vielen Zuhörern aus dem – ja: Herzen – sprach.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,766864,00.html

    Da ist man direkt froh, Katholik zu sein.

  2. Nettes Foto mit dem gelben Bibel-Spruch … habe mal gegoogelt und fand hier den „Rest“ des Matthäus Evangelium 7,21
    Nicht jeder der zu mir sagt: Herr, Herr! wird eingehen in das Königreich des Himmels, sondern wer den Willen meines Vaters in den Himmeln tut. 22. Viele werden zu mir sagen an jenem Tag: Herr, Herr! Haben wir nicht in Deinem Namen prophetisch geredet, und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben, und durch deinen Namen viele Machttaten getan? 23. Und dann werde ich ihnen bekennen: Niemals kannte ich euch, weicht von mir ihr Täter der Gesetzlosigkeit!
    Tja, wer will hier wen „missionieren“ … Christen andere Christen? Christen Heiden? Christen Atheisten? Atheisten und Heiden Christen? :) :)

    • stefanolix sagt:

      Ich muss dazu folgendes erklären: Die Gruppe hat die Umstehenden animiert, immer wieder »YES, LORD« zu skandieren. So kann das Schild durchaus eine Art Protest gegen oder einen Kontrast zum Auftritt der Gruppe darstellen ;-)

      • Hmm, soviel Selbsthumor traue ich den meisten beim Kirchentag nicht zu … oder doch? :)
        Ansonsten „klassisches Eigentor“? ;)

        Ach, ich will eigentlich doch mehr Kirchentage in Dresden … soviel Anregung und Spaß auf einmal … wie Ostern und Weihnachten zusammen :)

      • stefanolix sagt:

        Selbstironie darf man wohl ausschließen. Aber ich glaube auch nicht, dass es der Plakatträger als Eigentor wahrnimmt.

  3. Jane sagt:

    Also mir als Religionsskeptiker hat es des Öfteren ziemlich gegruselt, während ich (ausschließlich beruflich) auf dem Kirchentag unterwegs war. Es ist mir einfach nicht geheuer, wenn mir 14-jährige Mädels mit überdimensionierten Pappherzen um den Hals entgegenkommen, auf denen sinngemäß steht: Wer kann eigentlich noch gegen dich sein, wenn Gott für dich ist, oder: bist du dir bewusst, dass es Gott war, der so etwas Schönes wie dich geschaffen hat?
    Was machen diese Kids eigentlich im Bio-Unterricht? Gute Miene zum ihrer Ansicht nach bösen Spiel?

    Und dann: Wer gedacht hätte, auf einem Fest der Christen stünden Nächstenliebe und Rücksichtnahme nicht bloß auf Plakaten und Schals, sondern auch im eigenen Tun und Handeln hoch im Kurs, der irrte sich gründlich. Ein Erlebnis von der Käßmann-Bibelarbeit in der Eissporthalle vom Donnerstag: Tausende drängelten sich vor der überfüllten Halle, um der Übertragug nach draußen zu folgen. Ob man dabei Fluchtwege zustellte, interessierte niemanden. Als ich die Halle vorzeitig verlassen wollte, um zum nächsten Termin zu gelangen, musste ich feststellen, dass kein Weg mehr zur Straße führte, wo mein Rad stand. Auf mein und Bitten mehrerer anderer Gäste, die auch zur Straße wollten, doch mal eine kleine Gasse freizumachen, reagierten die Kirchentagsbesucher gereizt bis aggressiv: „Ich geh hier bestimmt nicht weg, bloß weil Sie jetzt rauswollen!“, giftete uns eine ältere Dame mit Kreuzkettchen und Gesangbuch an. Überhaupt taten die mitten auf dem Weg sitzenden zumeist recht jungen Christen überhaupt nicht dergleichen. Der ebenso junge Ordnungsdienst war völlig überfordert. Auf meine Frage, wie ich denn jetzt zur Straße kommen solle, zuckte er nur mit den Schultern und wies mich an, hinten herum ums ganze Ostragehege zu laufen (!!). Ich ging schließlich in die Halle zurück und verließ sie auf der anderen Seite durch den abgesperrten Pressebereich. Die Gäste, die zuvor mit mir versuchten, zur Straße zu gelangen, hatten diese Möglichkeit nicht.

    Insgesamt machte ich drei Kreuze, als der Kirchentag endlich vorbei war. Nichts als immense Kosten (und die tragen auch die Nichtchristen mit), vollgestopfte Straßen und ÖPVN, zugemüllte Parks, fünf Tage lang den dreifachen Bläserruf und jede Menge Arbeit, die es mir unmöglich machte, meine Erkältung auszukurieren. Das tue ich stattdessen gerade während meines Urlaubs.

    • stefanolix sagt:

      Zuerst: die besten Wünsche für schnelle Genesung!

      Es ist natürlich eine blöde Situation, wenn man beruflich dazu bestimmt wird, sich über mehrere Tage auf dem Kirchentag aufzuhalten. Ich stelle mir gerade vor, dass ich von einer Konferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit alten Parteikadern und RAF-Sympathisanten bloggen müsste.

      Mir zeigt das Erlebnis in der Margot-Käßmann-Halle zwei Dinge:

      1. Viele Anhänger der reinen Lehre scheinen nach dem Motto »Do as I say, not as I do« zu handeln. Sie setzen hochmoralische Sprüche in die Welt oder konsumieren sie, aber mit dem Tun hapert es dann. Etwas Toleranz und Verständnis hätten das Problem sicher lösen können, von Nächstenliebe ganz zu schweigen.

      2. Wenn ich es jemals zu einem Presseausweis bringen sollte, habe ich eine Option mehr, falls ich mal eine Veranstaltung verlassen muss ;-)


      Zu den Mädels mit den Pappherzen: Es widerspricht sich ja nicht unbedingt mit dem Bio-Unterricht. Sie meinen es so: Jeder Mensch stammt von den ersten (von Gott erschaffenen) Menschen ab. Dass es jeden einzelnen Menschen gibt, ist Gottes Wille. Die biologischen Vorgänge sind davon getrennt.

      Die etwas härtere Variante (Kreationisten mit wenigen tausend Jahren Geschichte) habe ich auf dem Kirchentag nicht wahrgenommen. Aber ich war eher sporadisch vor Ort und u.a. noch an Politik interessiert.

      • Jane sagt:

        Sehr interessant zum Thema fand ich den Vortrag von Richard David Precht in der Frauenkirche – soll ja nicht so aussehen, als würde ich hier alles und jeden auf dem Kirchentag schlechtreden wollen.

        Wie meinte er so schön: Floskeln wie „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ oder „Tue Gutes“ werden zwar oft frenetisch beklatscht und als moralisches Diktum anekannt. Aber im Grunde überfordern solch generelle und uneigentliche Forderungen den menschlichen Verstand, und deshalb fällt es ihnen auch so schwer, tatsächlich danach zu handeln. Und dennoch fällt das irgendwie keinem auf, zumindest wird es aus den Reihen der Christen selten hinterfragt.

      • Jane sagt:

        Oh, übrigens, das mit dem Presseausweis ist gar nicht so schwer. Für einen Obolus kann den jeder erwerben ;) Auf dem Kirchentag brauchte jeder Journalist allerdings eine gesonderte Akkreditierung – die mir natürlich abhanden gekommen war. Das hieß vor jeder Veranstaltung Spießrutenlaufen am Einlass und so manches Mal meinen Fotografen herbeitelefonieren, der mich dann mit reinnehmen durfte ;/

        Wer Akkreditierungen von Schreibtischen wegklaut, stinkt!

      • @ Jane
        Wer auf Massenveranstaltungen geht, braucht immer ne gehörige Portion (Selbst-)Humor … kann auch sonst im Leben nicht schaden. Da bin ich dem jüdischen Humor ganz dankbar, auch wenn dieser wohl auch stark von Jahrhunderte lange Verfolgungen & Ausgrenzungen beeinflusst wurde.

        @ allgemein
        Früher dachte ich mal, dass es Christen besser haben, weil sie an Gott glauben. Dann lernte ich mehr und mehr Christen kennen und dachte, dass ich manchmal wohl christlicher bin als viele Christen …

        Naja, früher habe ich auch mal an den Weihnachstmann geglaubt oder dass nur Männer ohne Liebe Sex haben können :)

  4. Jane sagt:

    Also, ich glaube ja nicht, dass es so etwas wie einen „jüdischen Humor“ gibt. Es gibt sicherlich viele humorvolle Juden, aber die würden sich inmitten einer Menschenmasse sicherlich auch nicht humorvoller verhalten als ein Christ oder ein Nicht-Religiöser.
    Aber wenn man dringend zum nächsten Termin muss, und die Leute ringsrum interessiert das in ihrer aufgesetzten Glückseligkeit einen Scheiß, dann vergeht einem der Humor schon mal kurzzeitig.

    • stefanolix sagt:

      Doch, es gibt einen traditionellen ganz spezifischen jüdischen Humor. Darüber sind ganze Bücher verfasst worden. Oft sind die Witze durch Selbstironie und psychologische Tiefe charakterisiert.

      Was Du zum Verhalten in der Menschenmasse sagst, ist richtig. Dort können aber der richtige Witz oder die angemessene humorvolle Bemerkung schnell mal eine Situation retten.

      Ich habe das in der Straßenbahn erlebt, wo sich zwei typische raubeinige Dynamo-Fans durch Kirchentagsbesucher aus NRW etwas eingeengt fühlten. Erst musste man befürchten, dass gleich die Bierflaschen fliegen. Die Leute fanden aber ein lustiges und freundliches Wort. Einige Haltestellen später haben die Dynamo-Fans die Kirchentagsbesucher freundlich und etwas gönnerhaft mit den Sehenswürdigkeiten Dresdens bekanntgemacht. Und natürlich über Fortuna Düsseldorf abgelästert. Das war Situationskomik vom Feinsten.

      • Jane sagt:

        Dann möchtest du dem nichtjüdischen Humor also mangelnde Selbstironie und psychologische Tiefe attestieren? Sorry, kann ich nicht gelten lassen, da lassen sich genügend Beispiele finden, die das bestreiten würden.
        Übrigens kann ein Witz an falscher Stelle durchaus auch ins Gegenteil umschlagen und provozierend wirken. Ob da Juden nun unbedingt feinfühliger witzeln, möchte ich zu bezweifeln wagen.
        Und ich wage auch zu bezweifeln, dass es sich bei den von dir als Beispiel angeführten Dynamo-Fans um Juden handelte ;)

        Also, ich glaube nicht, dass jüdischer Humor das Allheilrezept für Kirchentagsgedränge wäre. Der Terminus „jüdischer Humor“ ist außerdem mit Vorsicht zu genießen, da er ethnifiziert. Im Ergebnis könnte man meinen, es gäbe eine spezielle Art von Humor, die alle Juden gemein hätten – und nur die. Und genau das halte ich für zweifelhaft.

      • stefanolix sagt:

        Aber das Zuschreiben spezieller Eigenschaften bedeutet doch nicht gleichzeitig, dass ich anderen diese Eigenschaften abspreche. Woraus schließt denn Du das in diesem Fall?

        Im letzten Absatz meines Kommentars ging es um die Wirkung des richtigen Humors am richtigen Ort. Klar. Es wäre sicher ein Experiment wert gewesen, einen richtig schönen Margot-Käßmann-Witz in der vollbesetzten Eishalle zu erzählen ;-)

      • Zitat Jane:„Also, ich glaube ja nicht, dass es so etwas wie einen „jüdischen Humor“ gibt. Es gibt sicherlich viele humorvolle Juden, aber die würden sich inmitten einer Menschenmasse sicherlich auch nicht humorvoller verhalten als ein Christ oder ein Nicht-Religiöser.“

        Autsch … sorry, Jane, doch du hast mein Humor-Zentrum mehrmals getroffen :)
        Nicht immer gleich von einem selbst auf andere schließen … kann als erste Annährung helfen, ab dann besser nochmals nachdenken :)

        Wie Stefan schon schrieb, es gibt über den jüdischen Humor bzw. jüdischen Witz ganze Abhandlungen, in den allermeisten Fällen von Juden verfasst.
        Die englische Wikipedia-Version zu „Jewish Humour“ gibt auch etwas mehr Einblick als die deutsche.

        Wer Juden bzw. Menschen jüdischen Glaubens/Herkunft/Kultur die eigene – gerade weil häufig sehr schmerzvolle – Kulturgeschichte abspricht, bewegt sich auf ganz glattem Eis … ich denke, es wäre gut, wenn man vor lauter „politscher Korrektheit“ (???) nicht unbeabsichtigt übers Ziel „hinausschießt“, denn das geht schnell nach hinten los ;)

        Im Übrigens würde Google helfen … journalistische Recherche ist doch kein Problem für dich. Wäre vielleicht auch mal ne Anregung für die Zeitungen, für die du schreibst … der Dresdner kann etwas stilvollen Humor wirklich vertragen ;)

        Ansonsten kann ich auch „Two and a half men“ empfehlen. Manches finde ich tendenziell platt, doch der m.E. sehr selbstkritische Humor schimmert da oft durch, und die Produzenten Chuck Lorre alias Charles Michael Levine und Lee Aronsohn sind ja eventuell jüdischer Herkunft – so ganz vermutlich, eventuell, möglicherweise.
        Das Platte in „2,5men“ hat allerdings vermutlich mehr damit zu tun, dass sich das Thema „Sex“ nunmal gut verkauft und im Fernsehen noch besser … insofern kein Vorwurf, sondern eher (m)eine Erklärung … und naja, eine Sitcom ist eben eine Sitcom – nicht mehr, doch auch nicht weniger :)

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