Wie Journalismus funktionieren sollte

Stefan Niggemeier zeigt auf verständliche Weise, wie die jährliche »Statistik« über die Zahl der Krankmeldungen zustandekommt, von der wir alle gestern oder heute in der Zeitung gelesen haben: Durch eine methodisch falsche Stichprobe.

Nun hat mich natürlich interessiert, wie unsere beiden Dresdner Zeitungen damit umgehen.

Die Sächsische Zeitung hält es nicht für nötig, ihren Lesern zu erklären, wie die statistischen Daten erhoben werden und wie sie interpretiert werden müssten. Aber ihre ganz großen Worte vom »Welttag der Statistik« haben sie in der Redaktion sicher noch im Ohr:

Bei der Suche nach Zusammenhängen gibt es zwangsläufig auch fehlerhafte Annahmen, da individuelle Denkweisen in die Untersuchung einfließen. Statistiken sind deshalb nicht generell unbrauchbar. Doch wenn sie täglich Entscheidungen beeinflussen (…), dann muss man mit Statistiken umgehen können. [»Sächsische Zeitung« vom 20. Oktober 2010, Seite 7]

Die Dresdner Neuesten Nachrichten reichen die selbe dpa-Meldung weiter wie die »SZ«.

Der Witz ist: Vor knapp einem Jahr hat Stefan Niggemeier schon einmal auf das Problem hingewiesen. Es ist einfach traurig, dass ein einzelner journalistischer Blogger in zwei Artikeln mehr leistet, als die zuständigen Redakteure beider Zeitungen zu diesem Thema auf die Reihe bekommen …

Chronisch krank ist wohl wirklich die einzige passende Überschrift, wenn es um den Journalismus dieser Zeit geht. Entweder hat in diesen Redaktionen niemand mehr Zeit, sich um den Inhalt der Meldungen zu kümmern. Oder es ist ihnen schon lange gleichgültig.

In der alljährlichen künstlichen Aufregung um »konjunkturell bedingt« steigende oder fallende Krankenzahlen geht nämlich unter, was eine große Krankenkasse als Ergebnis der Auswertung aller Krankmeldungen herausgefunden hat:

Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse DAK hat für ihren „Gesundheitsreport” übrigens die Krankmeldungen ihrer Mitglieder komplett ausgewertet. Danach blieb der Krankenstand 2010 gegenüber dem Vorjahr konstant bei 3,4 Prozent.

Aber das wäre ja keine Meldung wert.


Ergänzung aus dem Gesundheitsreport der Techniker-Krankenkasse:

Insbesondere kurzfristige Trends sollten aus den Stichtagsstatistiken nur sehr zurückhaltend und erst nach Überprüfung der kalendarischen Lage der berücksichtigten Stichtage abgeleitet werden. Andernfalls drohen erhebliche Fehlinterpretationen und Fehleinschätzungen der tatsächlichen Entwicklungen.

(Quelle: TK)


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45 Responses to Wie Journalismus funktionieren sollte

  1. Niggemeier stellt da im Grunde nichts Neues fest, doch es ist gut, daran zu erinnern. Wirklich gute Journalisten sollten immer mal solche Dinge wieder als Nachricht bringen, doch der Vorgang dahinter, dass dies bene gerade nicht geschieht, ist sicher seit Jahren/Jahrzehnten wahrscheinlich ein recht simpler.

    Neben der „offiziellen Schere“ durch den Chefredakteure oder irgendwelche anderen Entscheider schleicht sich natürlich recht schnell auch die Schere im Kopf ein. Was ein Chefredakteur einmal ablehnt, lehnt er eventuell ein zweites Mal auch ab und wenn man sich traut den Artikel abzugeben, wird evtl. gekürzt oder man schreibt ihn nochmal um, wenn nicht gar nochmals. Vielleicht gibt es auch interne Vorgaben (?), die sicher so schwammig ausgelegt sind, dass man es dem Redakteur überlässt … und der hat primär Interesse an seinem Arbeitsplatz.
    Seit einigen Jahren kommt dann das Einbrechen einiger Anzeigenkunden hinzu, es gibt mehr freie Mitarbeiter, die noch mehr auf ein „Ja“ vom Chef angewiesen sind. Zudem werden vermutlich Aufgabenfelder neu verteilt und somit bleibt weniger Zeit übrig, also heißt häufig PM von ABC übernehmen, plagiatieren sozusagen ;)
    Hinzukommen eventuelle Bedenken, was ein Missfallen bei bestehenden oder potenziellen Anzeigenkunden betrifft.
    Last but not least schleift sich bei Schreibern auch ein gewisses „Feeling“ dafür ein, was die Leser von Zeitung A, B oder C lesen „wollen“. Das ist eine gegenseitige Anpassung, die eigentlich keiner wirklich will.

    Ich würde mal behaupten, dass 30-70% der Zeitungsinhalte Halbwahrheiten wie die o.g. mit dem Krankenstand sind.

    Mir reicht mittlerweile einmal im Monat eine Tageszeitung – zur Unterhaltung und um Namen aufzuschnappen, bei Interesse schaue ich im Internet nach … wenn ich mal am Flughafen bin, mache ich ne „kleine persönliche Presseschau“ und das reicht dann wieder für ne ganze Weile ;) … weniger ist mehr.

    • stefanolix sagt:

      In diesem Fall haben sie ja »nur« eine Agenturmeldung durchgereicht und Pech gehabt, dass diese Meldung weder Hand noch Fuß hatte. Vermutlich kann man sich auf einen großen Teil solcher Meldungen verlassen.

      Aber es muss doch einen Redakteur für soziale Themen geben, der sich wenigstens ein klein wenig mit der Materie auskennt. Stefan Niggemeier ist im Hauptberuf Fachjournalist für Medien und Fernsehkritiker. Er arbeitet gar nicht auf dem Gebiet Wirtschaft und Soziales und erkennt trotzdem, was da für Fehler gemacht werden.

      Am meisten ärgere ich mich über mich selbst: warum habe ich jahrelang solche Meldungen gelesen? Warum habe ich denen das abgenommen? Man sollte eigentlich sein Abo abbestellen und am Kiosk nur noch Fachzeitschriften kaufen. Aber irgend etwas würde mir beim Frühstück doch fehlen …

      • Stefan, diesen Satz von dir „Vermutlich kann man sich auf einen großen Teil solcher Meldungen verlassen.“ kannst du dir in einem Jahr nochmals vornehmen und nen eigenen Blogbeitrag draus machen ;)

        „Aber es muss doch einen Redakteur für soziale Themen geben, der sich wenigstens ein klein wenig mit der Materie auskennt. „
        Sicher, doch warum auch bei der SäZ oder der DNN (oder der LVZ)?

        Solche Meldungen bzw. deen Verbreitung beruhen auf „blindem Vertrauen“ mit dem inneren „Das wird schon wer überprüft haben.“
        Wer checkt Geschichtsbücher? Wer Lexika? etc.

        Für eine solche Analyse braucht man vielleicht nur 20 Minuten, um herauszufinden, dass man diese Zahlen äußerst kritisch sehen sollte. 2 Stunden bis 2 Tage, um einen Artikel draus zu machen (siehe Stefan Niggemeier).
        Doch das alles ist irrelevant, wenn man selbst unkritisch ist. Und Zeit- und Kostendruck macht unkritischer – Tendenz steigend ;)

      • stefanolix sagt:

        Vermutlich kann man sich wirklich auf einen großen Teil der dpa-Meldungen verlassen. Nur muss man als Redakteur daraus mit einem eigenen Kopf einen eigenen Artikel machen. Die Meldung über die Statistik an diesen bestimmten Stichtagen ist ja nicht falsch. Falsch sind nur die Spekulationen, die daraus entstehen.

        Es geht doch nicht darum, dass ich in der SZ einen Artikel wie die beiden Artikel von Stefan Niggemeier erwarte. Ein Anfang wäre doch schon mal, wenn sie bei der Zeitung einfach alle Agenturmeldungen über Statistik prüfen würden: nehmen wir sie oder lassen wir sie weg? Die meisten dieser Meldungen (gerade wenn sie aus der PR kommen) sind tendenziös und man kann sie bedenkenlos weglassen.

        Was denkst Du, welcher Zeit- und Kostendruck erst entsteht, wenn immer mehr Leute aus Unzufriedenheit ihre Zeitung abbestellen oder am Kiosk liegenlassen? Ich will die beiden noch einigermaßen anständigen Dresdner Zeitungen nicht in einer Abwärtsspirale sehen.

      • Apropos „sich auf etwas verlassen können“. Ich zitiere mich nochmals selbst: „.. Ich würde mal behaupten, dass 30-70% der Zeitungsinhalte Halbwahrheiten […] sind“
        Ich habe bewusst nicht Lügen geschrieben, sondern Halbwahrheiten….

        Im Grunde kann man es semi-wissenschaftlich erklären. Aus Daten werden Informationen abgeleitet, aus Informationen glaubt man Wissen abzuleiten. Doch weder weiß man, wie die Daten entstanden sind, noch wer die Informationen abgeleitet hat und auf dieser Grundlage soll dann Wissensvermittlung geschehen???

        Regelmäßiges Zeitungslesen macht tendenziell dümmer, meine Erfahrung, weil das eigene Denken abtrainiert wird. Nur regelmäßiges BILD-Zeitungslesen ist besser, dass macht nämlich richtig dumm, doch man merkt es wenigstens nicht mehr :)

      • Frank sagt:

        Ich würde mal behaupten, dass 30-70% der Zeitungsinhalte Halbwahrheiten […] sind

        Allerdings könnte man „Halbwahrheit“ auch zu jedem beliebigen anderen Text sagen (na gut – ausgenommen meine Blog-Artikel :-) ), weil man bei jedem Text Stellen bzw. Details finden wird, an denen nicht zu Ende recherchiert wurde. Und „zu Ende“ recherchieren ist ja meist auch eher nur theoretisch möglich.

      • stefanolix sagt:

        Du (Michael) sprichst von der Zeitung und ich spreche von der dpa. In die Zeitung gelangen nicht nur Agenturmeldungen. In die Zeitung kommen auch viele Pressemitteilungen und PR-Meldungen und durch Lobbyisten beeinflusste Artikel. Damit steigt natürlich der Anteil der »Halbwahrheiten«.

  2. Jane sagt:

    Stefan, ich glaube auch kaum, dass Stefan Niggemeier als journalistischer Blogger täglich ein derartiges Pensum an Neuigkeiten und Nachrichten verarbeiten muss, wie es Zeitungsredaktionen müssen. Wenn man jetzt gemein wäre, würde man Stefan Niggemeier einfach vorwerfen, dass er weder über den Kirchentag noch über EHEC oder andere wichtige Themen rund um Dresden berichtet hat. Genau das ist aber einfach die primäre Aufgabe einer lokalen Tageszeitung.
    Tiefenrecherche kostet Zeit. Zeit ist allerdings etwas, das in Zeitungsredaktionen bekanntlich rar gesät ist. Kurzum: Eine Tageszeitung muss Prioritäten setzen und kann nicht jede einzelne DPA-Meldung (möglichst noch tagesaktuell) in ihre Bestandteile zerlegen und auf Herz und Nieren prüfen. Das ist schlicht und ergreifend nicht möglich. Das kann vielleicht ein journalistischer Blogger, der sich nicht auch noch parallel um das lokale Tagesgeschäft kümmern muss. Außerdem funktioniert das bei der Tageszeitung meist so: Es kommt eine Agenturenmeldung, die wird halt erst mal aus Gründen der Aktualität und Vollständigkeit vermeldet. Dann ist es aber durchaus möglich, dass sich gleichzeitig ein Redakteur oder Freier an diese Meldung heftet und zu recherchieren beginnt. Und schwups, eine Woche später kommt dann ein kritischer Artikel zur Thematik, der Hintergründe bietet. Also bitte: einfach etwas Geduld haben.

    • @ Jane
      Deine Erklärungsversuche in allen Ehren, doch du fühlst dich bei Dingen angesprochen, die dich gar nicht betreffen. Wenn du Leser für die DNN interessieren möchtest oder sie interessiert bleiben lassen willst, dann reichen Erklärungsversuche und keine Rechtfertigungsausflüchte. Und wenn dann noch indirekt gegen Kollegen geschossen wird à la „Wenn man jetzt gemein wäre, würde man Stefan Niggemeier einfach vorwerfen, dass er weder über den Kirchentag noch über EHEC oder andere wichtige Themen rund um Dresden berichtet hat. Genau das ist aber einfach die primäre Aufgabe einer lokalen Tageszeitung.“ dann kann ich nur lachen.

      Keiner erwartet, dass alle alles machen, doch wenn man den Anspruch hat, eine informative Tageszeitung zu sein, dann kann man auch versuchen entweder manche Dinge selbstkritisch zu betrachten oder manche Dinge einfach nicht bringen, wenn man sich mit der Materie nicht auskennt. Ich muss auch nicht zu allem eine Meinung kundtun … auch wenn’s manchmal so aussehen mag ;)

      Übrigens, Jane … „Außerdem funktioniert das bei der Tageszeitung meist so: Es kommt eine Agenturenmeldung, die wird halt erst mal aus Gründen der Aktualität und Vollständigkeit vermeldet.“
      Beim Militär entstehen bei einer solchen Verfahrensweise auch schon mal Kriege ;) … gut, dass es „nur“ Worte sind; prinzipiell besser ist’s dennoch nicht.

      „Dann ist es aber durchaus möglich, dass sich gleichzeitig ein Redakteur oder Freier an diese Meldung heftet und zu recherchieren beginnt. Und schwups, eine Woche später kommt dann ein kritischer Artikel zur Thematik, der Hintergründe bietet. Also bitte: einfach etwas Geduld haben.“
      Ich freue mich auf den Artikel, der demnächst in der DNN erscheinen wird … danke im Voraus, Jane :)

      Und bitte erspar dir Kommentare à la „Ich habe gesagt, dass es möglich ist, nicht dass es so sein wird …“ o.ä. … ich habe dein „Und schwups, eine Woche später …“ gelesen :) … meinetwegen sind auch zwei Wochen okay …

      • Jane sagt:

        Danke für deine freundlichen Ergüsse der Weisheit, Micha, aber ich entscheide immer noch selbst, wo ich wann und welchen Kommentar abgebe. Vor allem sollte man mit derartigen Ratschlägen sparsam umgehen, wenn man selbst sie nachweislich nur ungenügend beherzigt – das wirft so einen wenig sachlichen Besserwisser-Schatten.

        Erstens ist Stefan Niggemeier nicht mein Kollege. Zweitens – und jetzt musst du tapfer sein – habe ich geschrieben „ich könnte, wenn ich gemein wäre“. Wenn du solche Richtigstellungen nicht hören willst, rate ich dir, künftig besser keine Unrichtigkeiten zu konstruieren, um anderen (warum auch immer) an den Karren zu fahren – so einfach ist das.

        Und noch etwas: „Manche Dinge nicht zu bringen“, nur weil man keine Enthüllungsstory dazu bringen kann, entscheidet heutzutage darüber, ob ein Leser sein Abo kündigt oder nicht. Davon wiederum hängen Jobs ab. Auch leiden andere Themen zwangsläufig, wenn Zeit und Arbeit übermäßig in ein Thema gesteckt werden – die Blattplanung ist immer eine Gratwanderung. Wie ich schon schrieb, man muss da Prioritäten setzen, über alles kann man mit drei Dutzend Leuten nicht schreiben. Mag ein Thema vielleicht auch zu kurz kommen – andere Leser freuen sich dafür über ein anderes, das tiefgreifend behandelt wurde. Man kann es nicht ALLEN rechtmachen. Aber über so was hast du dir natürlich noch nie den Kopf zerbrochen. Merkt man, dein Kommentar hat mich einigermaßen entsetzt.

      • Jane sagt:

        Übrigens:

        „Übrigens, Jane … „Außerdem funktioniert das bei der Tageszeitung meist so: Es kommt eine Agenturenmeldung, die wird halt erst mal aus Gründen der Aktualität und Vollständigkeit vermeldet.“
        Beim Militär entstehen bei einer solchen Verfahrensweise auch schon mal Kriege ;)“

        Du hättest wirklich besser daran getan, hier deinem Drang, mit einem möglichst saftigen Schlag zu kontern, zu widerstehen. Ich habe wirklich selten einen unsinnigeren Vergleich hingeworfen bekommen. Das fängt schon da an, dass Kriege wohl kaum „beim Militär“ entstehen – was zum Teufel ist bloß in dich gefahren??

      • stefanolix sagt:

        @Michael: Sag mal, gehst Du heute nach der Devise »Viel Feind‘, viel Ehr’« vor? ;-)

        Der Vergleich mit dem Krieg ist wirklich kein glücklicher. Wenn Du auf Unüberlegtheit beim Publizieren anspielen wolltest, hätte es vielleicht doch bessere Möglichkeiten gegeben.

        Ich weiß nicht, welche Tageszeitungen Du liest oder gelesen hast (oben hast Du erklärt, dass Du nur einmal im Monat in eine Tageszeitung schaust). Ich gebe zu, dass ich noch sehr oft Zeitung lese (manchmal zwei bis drei Zeitungen am Tag).

        Ich respektiere einerseits die Journalisten, die sich wirklich noch Mühe geben. Ich ziehe den Hut vor Fotografen, denen richtig gute Bilder gelingen.

        Aber andererseits bin ich oft wütend über Artikel, die reine PR-Schreibereien sind. Und über einen Teil der Fotos in SZ und DNN möchte ich den Mantel des Schweigens decken.

      • stefanolix sagt:

        @Jane: Nachdem ich vorhin schon über meinen Grundrespekt gegenüber den Journalisten gesprochen habe, jetzt noch ein grundlegender Punkt. Ich kritisiere nicht, weil ich dem Printjournalismus feindlich gegenüberstehe, sondern weil ich Zeitungen wirklich mag und brauche. Aber die Zeitungen müssen dann auch ihrer Rolle gerecht werden und sich an ihren eigenen Ansprüchen messen lassen (siehe SZ und »Tag der Statistik«).

      • @ Jane
        Okay, gleich vorweg … du hast in allen Punkten Recht.

        Sorry, dass ich Stefan Niggemeier als Kollegen von dir ansah … ich dachte, dass ihr beide Journalisten seid. Fehler vom Amt … oder einfach ein Missverständnis.

        Krieg beginnt mitunter schon beim Militär. Es ist nicht immer so, dass Politker sagen „So jetzt macht mal.“. Auch das Militär hat eine Lobby .. wer da wen „anstiftet“, ist nicht immer so klar. Doch das ist sicher nichts Neues für dich, du kennst sicher den MIK. Vor dessen Einfluss warnte.schon Eisenhower, dass ist 50 Jahre her. Und trotz so vieler Frieden liebender Politker – hat sich viel verändert? ;) .. Woran das wohl liegen mag?

        Apropos „Krieg“ & „Medien“ … schon mal den Begriff „Informationskrieg“ gehört, Jane?
        Im übertragenen Sinne ist eine Meldung, die eine Halbwahrheit ist, ein Teil des „Wissenskrieges/Bildungskrieges“. Durch eine Meldung der dpa, die z.B. die DNN übernimmt, sterben keine Menschen, schon klar. Doch welchen Sinn hat die Verbreitung einer Meldung überhaupt? Einfach nur um jeden Tag die 32 Seiten zu füllen?

        Andererseits wäre es ohne solche „Halbwahrheiten“ ja auch nur halb so schön :)

        Mir ist übrigens durchaus bewusst, welcher Aufwand hinter einer Zeitung steckt, wenn auch nicht so detailliert wie dir. Ich hatte auch schon mal ein Vorstellungsgespräch bei der DNN :) … O-Töne von Frau X: „Wir fangen 8 Uhr früh an … und wann Sie Feierabend haben, sagen wir Ihnen … hier gehen die meisten 22 Uhr.“ :)
        Mir schwante allerdings, dass Frau X mir diese „Halbwahrheiten“ (?) rüberbrachte, um mir indirekt entweder zu sagen „Lassen Sie es lieber … “ oder „Wir wollen Sie hier nicht.“ ;)

        Ansonsten, Jane, Respekt meinerseits für deine Arbeit und deinen Blog … ich merke,Halbwdu bist glücklich damit. Was will man mehr vom Leben?

        @ Stefan
        „Viel Feind, viel Ehr“?
        Hmm, kann sein, habe ich noch nicht drüber nachgedacht.

        Ich schreibe mitunter nur, was ich denke, ohne es vorher durch den „Höflichkeits-Filter“ zu schicken. Durchaus fühlen sich da einige vielleicht „angepisst“. Doch eine klare Sprache ist mir lieber – sofern ich es selbst auch hinbekomme ;)

        Tageszeitung liest du sicher häufiger als ich. Hab ich als Kind regelmäßig gemacht und habe Artikel ausgeschnitten, letzteres mach ich z.T. jetzt noch. Danach Jahre lang nix, ab und an mal ein Kurz-Abo bei SZ oder DNN und ein Jahr junge welt. Jetzt lese ich querbeet, was ich eben in die Hände bekomme – wenn ich nichts dafür bezahlen muss ;) … okay, vielleicht sind’s 5 Tageszeitungen im Monat, vielleicht zehn, vielleicht auch nur drei … kaufen tu ich durchschnittlich eine pro Monat.

        Ich höre mehr Radio … oder lese im Internet, jedenfalls brauche ich Abwechslung :) .. seltener lese ich englischsprachige Zeitungen, das fehlt allerdings, das gebe ich gern zu ;)

    • Antifa sagt:

      Tiefenrecherche kostet Zeit. Zeit ist allerdings etwas, das in Zeitungsredaktionen bekanntlich rar gesät ist. Kurzum: Eine Tageszeitung muss Prioritäten setzen und kann nicht jede einzelne DPA-Meldung (möglichst noch tagesaktuell) in ihre Bestandteile zerlegen und auf Herz und Nieren prüfen.

      Doch, denn genau das macht Qualitätsjournalismus aus. Ohne gleich wieder die Moralkeule herausholen zu wollen, aber in Sachsens Tageszeitungen wird in der Regel nicht recherchiert, sondern kopiert. Einzige lobenswerte Ausnahme ist in meinen Augen die Leipziger Internetzeitung, die beispielsweise im Fall der groß angekündigten Drogenrazzia einen journalistisch durchaus interessanten Beitrag veröffentlicht hat. Sowas lese ich in den anderen Blättern so gut wie nie. Das Gleiche lässt sich auch für den aktuellen Datenskandal bei der sächsischen Polizei feststellen, da muss ein Blatt wie die TAZ nicht einmal wirklich recherchieren, um einen handfesten Polizeiskandal offenzulegen. Und beide Blätter sind finanziell sicher auch nicht auf Rosen gebettet.

      • stefanolix sagt:

        Die Dresdner Presse hat ja heute nachgelegt und einigermaßen sachlich berichtet. In der Sache ist ja eigentlich alles gesagt, jetzt müssen Justiz und Polizei und Regierung handeln bzw. Stellung nehmen.

        Die taz hatte inhaltlich schon einiges vorgelegt, dafür verdient sie Respekt. Aber dort sind nun wieder Meinung und Berichterstattung ziemlich miteinander vermischt.

        Die Dresdner Presse muss jetzt an der Sache dranbleiben. Ich will z.B. wissen, ob man überhaupt mal ein paar wirkliche Gewalttäter vor Gericht bringt. Die Ermittlungen gegen friedliche Blockierer bringen in dieser Beziehung wohl nicht viel.

      • Antifa sagt:

        Aber dort sind nun wieder Meinung und Berichterstattung ziemlich miteinander vermischt.

        Erst loben, um sie gleich danach wieder der politischen Parteinahme zu bezichtigen, schlechter Stil in meinen Augen.

        Die Dresdner Presse muss jetzt an der Sache dranbleiben. Ich will z.B. wissen, ob man überhaupt mal ein paar wirkliche Gewalttäter vor Gericht bringt.

        Informationen darüber gibt es doch schon, siehe Anfrage der Grünen im Sächsischen Landtag. Lustigerweise richten sich natürlich die Mehrzahl der Verfahren gegen die, die den Nazisaufmarsch blockiert haben.

      • stefanolix sagt:

        Nein, das stimmt nicht. Mir geht es in diesem Artikel und den Kommentaren wirklich nur um die journalistische Seite. Ich habe mich genauso über die Kampagnen der F.A.Z. pro Vorratsdatenspeicherung geärgert, wo in genauso zweifelhafter Weise Information und Meinung vermischt werden.

        Leider gibt es bei uns kein explizites Verwertungsverbot für widerrechtlich erlangte Informationen (»fruit of the poisonous tree«). Im Sinne der Rechtssicherheit und des Rechtsstaats müssen alle Informationen über Unbeteiligte und gewaltfreie Demonstranten sofort mit einer Verwertungssperre belegt werden.

        Andererseits: wenn man den schweren Straftaten auf die Spur kommen will, muss man erst mal alle Daten durchsuchen können. Ich halte aber das Verfahren aus schon genannten Gründen für ineffektiv.

      • funkloch sagt:

        Hier kommt, wie so oft, das Hölzchen aufs Stöckchen. Wenn man im Zusammenhang mit dem 19.2. von Gewalt spricht, meint man:

        1. Leute, die sich in der direkten Auseinandersetzung mit Polizisten, die die Blockaden verhindern oder auflösen wollten, bissel daneben benommen haben (Schubsen usw.), was m.E. bei der Stärke der passiven Bewaffnung der Polizei eigentlich nicht wirklich problematisch ist.
        2. Leute die ihre Präsenz durch brennende Mülltonnen etc. versucht haben zu verstärken. Das ist Sachbeschädigung, Vereitlung polizeilicher Maßnahmen etc. Sollte m.E. auch weder durch Gesprächsdatenauswertung aufzuklären sein, noch solche von der schwere der Tat her rechtfertigen.
        3. Leute, die vorsätzlich und vorbereitet mit Pyrotechnik und taktischer Gewaltanwendung versucht haben, den Blockadeansatz zu unterstützen. Das sind Leute, die nach genau den selben Taktiken vorgehen, wie Fußball Hools, bzw. direkt welche sind. Dabei ist es selbstverständlich, dass es a) keine „Leitung“ gibt, sondern strikt als Netzwerk einzig auf vorheriger Absprache basierend gehandelt wird und b) keine Handys am Platz gibt. Schließlich sind das die Gründe, dass Woche für Woche im Umfeld von Fußballstadien Schlachten stattfinden, die die i.A. Polizei weder verhindern, noch nachträglich rechtlich verfolgen kann.

        Die Polizei weiß um diese Zusammenhänge. Damit stellt sich die Frage, warum in der Breite Handydaten eingezogen wurden und das Märchen von der „Einsatzzentrale“ im Roten Baum so gebaut wurde. Nach meiner Auffassung gibt es nur drei Erklärungen: 1.) die gezielte Diffamierung eines politischen Lagers 2.) das Abfischen dieser Informationen unter Vorwänden um sich ein Lagebild des Bündnisses gegen die Naziaufmärsche zu verschaffen, ohne diese Daten je vor Gericht zu bringen 3.) die Hoffnung den „Beifang“ aus der Datenauswertung doch irgendwie vor Gericht gegen einfache BlockiererInnen durchzubekommen.

        Ich selbst glaub, dass es wohl um 2.) geht, ebenso, wie bei den Razzien bei Leuten, die kaum miteinander zu tun haben und denen vorgeworfen wird, sich kriminell vereinigt zu haben =)

        Da am 19.2. als Erklärung für die Razzia beim Roten Baum eine TKÜ angegeben wurde, halte ich es für höchst interessant, wann eigentlich die Daten von den Providern eingezogen wurden. Darüber hinaus natürlich, wer eigentlich den Antrag eingebracht hat (Staatsanwaltschaft, LKA, Verfassungsschutz oder Polizei) und wie die Daten von einer Behörde zur anderen gekommen sind. Das Märchen von der „Übereifrigkeit“ ist auf jeden Fall Schutzbehauptung. Auch bei den Ermittlungsbehörden gibt es Arbeitsteilung, womit den Nachnutzern eigentlich prinzipiell kein Zugang zu den Daten offen steht, die vermeintlich im Zusammenhang mit schwerem Landfriedensbruch eingeholt worden sind. Weil sie für die Untersuchung des schweren Landfriedensbruch schlicht nicht zuständig sind.

      • Antifa sagt:

        Da am 19.2. als Erklärung für die Razzia beim Roten Baum eine TKÜ angegeben wurde, halte ich es für höchst interessant, wann eigentlich die Daten von den Providern eingezogen wurden.

        Dabei geht es um das Verfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und nicht direkt um die von Dir richtig skizzierten Vorkommnisse vom 19. Februar. In dem Zusammenhang wurden nicht nur Funkzellenabfragen gemacht sondern über Monate die Telefone der Beschuldigten überwacht und Gespräche aufgezeichnet.

    • Torsten sagt:

      …könnte dieses Vorgehen (Nachricht erstmal bringen – gern auch auf Kosten der Qualität) vielleicht einer der vielen Gründe für den Leserschwund bei den klassischen Tageszeitungen sein? Mir persönlich wäre eine später gebrachte – dafür besser recherchierte Nachricht lieber, als eine kopierte Meldung eines Nachrichtendienstes. Wie sagt man so schön „Nichts ist so alt wie die Zeitung von heute“. Dass die Zeitung (immer weniger) ein Garant für Aktualität ist, sollte sich ja mittlerweile auch unter den Zeitungsmachern rumgesprochen haben. Warum nicht mal mit Qualität punkten – das wäre doch mal was! ;-) Die Agenturmeldungen werden doch schon großflächig in sehr viel schnelleren Medien (Radio, TV, oder dieses neumodische Internet) breitgetreten…da muss sich der Printbereich nicht auch noch dranhängen.

      • Jane sagt:

        Nachweislich nicht, Torsten. Für den Leserschwund sorgen vielmehr der Boom bei den digitalen Medien, der Bevölkerungsrückgang und auch die Ausdifferenzierung des Zeitungsmarktes. Und außerdem gingen die Zeitungen ja auch schließlich schon imm so vor, dass zunächst auch Agenturenmeldungen gedruckt werden, einfach wegen des Informationswertes, den die ja trotz allem immer noch haben. Es ist übrigens interessant, wie schnell einem mangelnde Selbstkritik unterstellt wird, sobald man gegen Kritik von außen etwas einzuwenden hat – und das nur, weil langsam durchgesickert ist, dass man selbst bei einer Tageszeitung arbeitet.
        Wie gesagt, man kann es nicht allen rechtmachen. Wir haben im Gegensatz zur SZ einen Leserbeirat, der auch regelmäßig zur Redaktionssitzung und um seine konstruktive (!) Kritik gebeten wird. In Foren herumposaunen kann jeder. Wer wirklich was ändern will, der sollte sich mal die Zeit nehmen und einen Tag lang in einer Redaktion vorbeischauen oder besser noch: In den Leserbeirat eintreten – wer dann Kritik äußert, weiß wenigstens, wovon er redet . Solche Kritik wird auch in den Redaktionen gern gesehen und angenommen.
        Wir haben übrigens eine Mitarbeiterin bei uns, die am Service-Telefon sitzt. Ich kann nur sagen, dass mir die arme Frau K. echt leidttut, weil sie so oft mit Anrufen bombardiert wird, in denen sich Leser darüber beschweren, dass wir diese oder jene Neuigkeit nicht vermeldet hätten und man diese stattdessen aus der SZ oder der BILD erfahren mussten, und die dann mit der Kündigung ihres Abos drohen. Es gibt also schon einen großen Bedarf da draußen, zunächst über bestimmte Geschehnisse überhaupt informiert zu werden, statt gar nicht darüber zu lesen.

      • stefanolix sagt:

        @Jane: von mir oder von Torsten kam jedenfalls keine destruktive Kritik an Dir und erst recht kein Vorwurf der mangelnden Selbstkritik.

        Beides würde ich mir nicht erlauben, denn ich weiß, wie schwer es ist, in einer festgefügten Struktur etwas zu verbessern. Es ist übrigens nicht durchgesickert, für welche Zeitung Du schreibst, sondern Du hast Deine Beiträge mit Namen gekennzeichnet.

        Aber andererseits, mal ganz unter uns: es gibt jeden Tag Dinge, die wirklich nicht sein müssten. Die Fotomontage mit der Brücke ist heute einfach schlecht gemacht und die Bildquelle „Web“ ist einfach inakzeptabel. Auch der Fotograf eines Fotos unter CC-Lizenz hat einen Namen! Ich glaube nicht, dass der Fotograf „Web“ hieß ;-)

        Ich posaune übrigens nicht in Foren herum. Ich bekomme meine Kritik an meinen eigenen Werken direkt hier in den Kommentaren. Sollten die Redakteure auch mal probieren.

        Ohne Ansehen der Institution: Beiräte meide ich, wo ich es irgend kann. Niemand weiß, wie sie zusammengesetzt wurden und niemand weiß, wessen Interessen sie vertreten.

        Im übrigen sollt Ihr es nicht allen recht machen, sondern nur mir ;-)

      • stefanolix sagt:

        @Torsten: Ich fürchte, eine Tageszeitung mit diesem Anspruch bekommst Du in Dresden nicht unter einem Preis von drei Euro pro Ausgabe zusammen ;-)

      • Das mit der „mangelnden Selbstkritik“ kam aus meiner Ecke … und ich möchte auch kurz darauf eingehen.
        Es kommt darauf an, was man für einen Anspruch an eine Zeitung hat. Will man unterhalten werden? Will man informiert werden? Will man über aktuelle Stadtneuigkeiten etwas erfahren?

        Insofern ziehe ich meinen latenten Vorwurf der „mangelnden Selbstkritik“ gern zurück, denn ich bin selbst davon ausgegangen, dass Zeitungen auch ansatzweise etwas zur Wissensbildung/ -erweiterung beitragen wollen. Da war der Haken … diesen Anspruch haben die wenigsten Zeitungen, denn sie wollen zu 90% informieren; nicht mehr, doch auch nicht weniger … Themen dienen daher lediglich dazu, dass man den Leser dazu anregt, selbst zu recherchieren, wenn es ihn oder sie interessiert. Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen.

        Insofern alles bestens, Jane … vergiss das mit der Kritik wieder, war mein Ding.

      • Torsten sagt:

        @Jane: Hört sich für mich ein bisschen nach „Beratungsresistenz“ an. Wenn ihr mit aller Kritik so umgeht, kann ich mir auch gut vorstellen, was so ein Leserbeirat bringt. Mir war übrigens nicht bekannt, dass du bei einer Tageszeitung arbeitest – wobei sich mit diesem Wissen deine Kommentare etwas anders lesen…;-)

        @stefanolix: Da ist was dran – wobei das vermutlich kein Dresdner, sondern ein generelles Problem ist.

        Solange es die Tageszeitungen nicht schaffen, sich durch irgendetwas (mir fallen da spontan Qualität und Hintergrundinformationen ein) von den „schnellen“ News-Medien abzugrenzen, wird es wohl in naher Zukunft keine Tageszeitungen mehr geben. Natürlich gibt es auch jede Menge Beispiele für guten Print-Journalismus – sollte ja auch mal gesagt werden – aber ich habe den Eindruck, dass derartige Beispiele immer weniger werden und dass der „Einheitsbrei“ überhandnimmt.

      • Zitat Torsten: „Solange es die Tageszeitungen nicht schaffen, sich durch irgendetwas (mir fallen da spontan Qualität und Hintergrundinformationen ein) von den „schnellen“ News-Medien abzugrenzen, wird es wohl in naher Zukunft keine Tageszeitungen mehr geben. „
        So etwas hatte ich in ähnlicher Weise auch im Kopf, doch hab’s aus zweierlei Gründen nicht geschrieben. Der erste war, dass es nach „bloßem Meckern“ aussehen würde, was häufig aus einer Kritik herausgelesen wird ;)
        Der zweite Grund ist prinzipieller Art: wozu braucht es Print-Tageszeitungen überhaupt noch? Noch zehn Jahre hin und die o.g. Tendenzen mal nüchtern einbezogen … ?

        Online-Ausgaben sind zeitnaher, gerade wenn’s nur um Verbreitung von mehr oder minder inhaltsvollen Meldungen geht. Sie haben mehr Platz und bedürfen weniger bzw. anderer Layout-Arbeit. Sie können zudem Ton und Video nutzen, und verlinken. Eine Printzeitung kann bestenfalls schreiben „Wir berichteten am .. darüber“. Und Online-Ausgaben sind billiger für den Leser, denn der Bezahl-Modus setzt sich nicht bis ganz schwer durch. Vielleicht ändert sich das, ich glaube nicht daran. Billiger ist’s auch für den Zeitungshersteller, denn er spart sich den Vertrieb und braucht „nur noch“ PR/Öffentlichkeitsarbeit.

        Insofern wird für mich die Tendenz im Printbereich eher zu Wochenjournalen, Fachzeitschriften o.ä. gehen, die auch von Spnsoren abhängig sind. Tageszeitungen werden nur durch starke Abhängigkeit zu diesen oder jenen Sponsoren überlebn oder als Genossenschaften, wobei das Klientel der Leser die Richtung der Zeitung beeinflusst. Hmm, das mal als meine momentane Wahrnehmung.
        Zudem gibt es eine Reihe kostenfreier Zeitschriften. Angefangen von den monatlichen Journalen der Krankenkassen oder wie in Dresden „Sächsischer Bote“ und „Wochenkurier“. Veranstaltungskalender gibt auch genügend.

        Der Zeitdruck bzw. die um einen Tag fehlende Zeitnähe – ausgelöst durch die IT-Ära – macht somit m.E. einerseits Tageszeitung nahezu überflüssig, und andererseits löst die finanzielle Seite den Bestand langsam von allein auf. Dafür wird’s mehr Blogger geben, die Meldungen auswerten usw. usf.

        Okay, eine Ausnahme sehe ich, die BILD-Zeitung wird überleben … die hat den größten Unterhaltungswert und der relative Anteil der Bevölkerung, der mehr unterhalten statt inhaltlich fundiert informiert werden will, bleibt noch eine ganze Weile konstant, plus „sex sells“-Faktor :) … bei renommierten Zeitungen würde ein Umschwenken auf „mehr Sex“ wohl eher das Gegenteil bewirken, vermutlich.

      • Frank sagt:

        Micha, ich denke nicht dass dadurch

        Dafür wird’s mehr Blogger geben, die Meldungen auswerten usw. usf.

        wirklich ein Ersatz entsteht. Blogger (und wir wissen ja hier größtenteils, wovon wir reden) beziehen sich häufig nur auf Texte (oder Fernsehsendungen), die schon in den Medien kamen. Man ist also nur ein Zweitverwerter. Am Anfang der Kette steht aber immer noch eine herkömmliche Arbeit eines Journalisten. Als Blogger analysiert man diese dann zwar häufig im Sinne einer Kritik oder weil man einen aus seiner Sicht wichtigen Artikel weiterempfehlen will (was inzwischen per Facebook viel effizienter geht). Aber wir Blogger verfassen in den wenigsten Fällen wirklich eigene Texte, die dem Anspruch einer allgemeinen Information genügen, wie sie ein Zeitungsleser erwartet. Häufig sind unsere Themen zu persönlich oder zu speziell.

        Und wenn ich mir nur die Pressemeldungen der Stadt Dresden ansehe, die ich per Feedreader jeden Tag sehe, dann sehe ich eben auch, dass fast nie eine davon ein Dresdner Blogger auswertet. Und ich selbst fühle mich auch nicht dazu verpflichtet.

      • Frank sagt:

        Ich bin gestern über BILDblog auf einen Artikel gestoßen, in dem es um eine in Dresden herausgegebene Zeitschrift geht. Dort wird nebenbei erwähnt, dass den Autoren da „höfliche zwei Cent pro Druckzeichen“ gezahlt werden. Da das nach einem ersten Überschlag alles andere als viel ist, interessierte mich, was man denn woanders als Journalist verdient. Es lohnt sich hier nicht, links auf gefundene Texte zu bringen, denn diese Suchanfrage kann jeder selbst wiederholen und es gibt sehr viele Texte dazu. Jedenfalls frage ich mich seitdem, wie man als durchschnittlicher Journalist überhaupt noch davon leben kann?

      • stefanolix sagt:

        Zum Leben vom Schreiben: Fachzeitschriften zahlen etwas besser (und pro Seite), aber man darf sich natürlich nicht das Maß »Cent pro Zeichen« vergegenwärtigen. Es lohnt sich dann, wenn man sowieso im Thema steckt und vielleicht sogar noch etwas hinzulernen kann.

        Man muss als Autor immer versuchen, ein einmal erarbeitetes Thema oder Wissensgebiet so gut wie möglich zu vermarkten. Dabei sind einige Autoren erfolgreicher als andere. Nach meiner Beobachtung nicht aufgrund ihres Genies, sondern vor allem deshalb, weil sie fleißig sind, ihr Material sehr gut organisieren und sich sehr gut vernetzen. Und ganz oben, auf der winzigen Spitze der Pyramide, sitzen auch einige geniale Autoren.

      • stefanolix sagt:

        Zu den Pressemitteilungen, die ich auch per Feed lese: Viele kann und will man gar nicht kommentieren, weil sie einfach so schrecklich trivial sind. Zur Zeit gibt es auf dem Fußweg zwischen Körnerplatz und Blauem Wunder (rechts) eine winzige Baustelle. Der Fußweg ist auf weniger als zehn Metern halb gesperrt. Das war der Stadt im Vorfeld eine eigene Pressemitteilung wert.

      • Frank sagt:

        Na gut, es kann aber auch nicht jeden Tag eine unglaubliche Wahnsinnsmeldung von der Landeshauptstadt kommen – manchmal passiert bei uns eben nur etwas Triviales. Das war nur ein spontan gewähltes Beispiel – mir ging es nur um das Prinzip, dass wir Blogger kein Ersatz für Zeitungen sind. Beispielsweise haben wir ja heute auch das hier: 150 Millionen Euro zusätzliche Investitionsmittel für Bildung in Dresden bis zum Jahr 2015. Wäre doch mal was! Hat es einer von uns gebracht? Nö (und das müssen wir auch nicht). Aber in der SZ stand es (DNN habe ich z.Z. nicht). Gestern wurde der „TRICHTER“ eingeweiht. Auch nicht uninteressant. Hat aber auch keiner von uns erwähnt.

        Mir geht es nur um die These, wenn Tageszeitungen entfielen, würden Blogger und andere Leute diese Funktion übernehmen. Der Normalbürger hat wahrscheinlich wenig Lust, sich am Frühstückstisch mit Notebook oder Tablet aus verschiedenen Internet-Quellen (Google-Alerts, Feedreader, Twitter, Facebook …) Themen zusammen zu suchen. (Allerdings erwische ich mich gelegentlich dabei und mache mir dann Gedanken über Internetsucht  ).

      • stefanolix sagt:

        Wenn es nicht notwendig ist, eine Pressemitteilung herauszugeben, dann ist es notwendig, keine Pressemitteilung herauszugeben ;-)

        (In Anlehnung an einen Spruch von Charles de Montesquieu).

      • @ Frank
        Ich meine, die Auswertung der Meldung der Meldung ;)

        Und was nicht interessant ist, für eine kritische Betrachtung, ist eben nicht interessant. Zumindest nicht so interessant, als dass es jemanden zum Bloggen animieren würde.

        Ich z.B. werte nicht jede EHEC-Meldung aus, sondern fasse meine Meinung zusammen – wenn ich Zeit finde. Ich meine, ich will ja keinen Zeitungsleser am Zeitungslesen hindern oder davon abbringen, sondern die Meldung(en) für etwas eigenes nutzen, z.B. über Satire oder eben über eine Richtigstellung/Analyse etc.

        @ Journalisten-Gehälter
        Fundstück aus der FTD, 12.10.2010, C2 Kommunikation:
        „Ob WAZ Mediengruppe, Gruner + Jahr, Süddeutscher Verlag oder Burda Medien: Kaum ein großer Verlag, der im Zuge der Wirtschaftskrise nicht massiv Stellen eingespart hätte. Viele der entlassenen Journalisten versuchen sich auf eigene Faust durchzuschlagen. Rein von Honoraren für Texte und Rundfunkbeiträge kann man jedoch kaum noch leben. Für eine Reportage in einer Zeitung mit einer Auflage von mehr als 200 000 Exemplaren bekommt der Autor zwischen 1,21 Euro und 1,32 Euro pro Zeile. Macht bei 300 Zeilen etwa 475 Euro. Wenn der Journalist ordentlich arbeitet, hat er mehrere Tage recherchiert und geschrieben. Unter dem Strich bleibt ihm ein Tageslohn von oft unter 100 Euro.“
        Ach, das waren/wären (noch) Zeiten, wird sich jeder (freie) Journalist im Osten jetzt wahrscheinlich denken ;)

        So, wer bloggt über den „hail hail rock ’n‘ roll“ von gerade eben ? :)

  3. @ Stefan
    Schon mal überlegt, deine Kritik auch ins DNN-Forum zu schreiben?
    Kann indirekt auch Werbung für deinen Blog sein ;)

    • stefanolix sagt:

      Ich war bisher nur ein- oder zweimal dort (als Leser), nachdem wohl Frank auf eine Diskussion hingewiesen hatte. Da kam mir das DNN-Forum vor, wie eine Fortsetzung des Heise-Forums mit anderen Mitteln ;-)

      • Frank sagt:

        Naja, beim DNN-Forum dauert es schon mal ewig, ehe die Admins neue Einträge freischalten. Da vergingen manchmal mehrere Tage. Das DNN-Forum ist – geschwindigkeitsmäßig betrachtet – sozusagen das Gegenteil von Twitter. Außerdem muss man dort immer mal damit rechnen, dass aus unerklärlichen Gründen Texte gar nicht erscheinen. Und ob es dann jemand von einer Redaktion liest, bezweifle ich sowieso. Da erreicht man sicher mehr mit einem Leserbrief oder mit einer Mail an die Redakteure.

        Aber was hast Du gegen das Heise-Forum? Bei Telepolis sehe ich immer auch die Kommentare bei interessanten Texten durch. Gelegentliches Getrolle filtere ich inzwischen – nach diversen Jahren Internettätigkeit – automatisch aus. Das lernt man ja irgendwann (ich nehme an, allen Anderen hier geht es nicht anders).

      • stefanolix sagt:

        Ich kann es mir einfach zeitlich nicht leisten, noch in einem weiteren Forum aufzutreten. Ich komme ja kaum dazu, alle interessanten Artikel aus den mir naheliegenden Blogs zu lesen, geschweige denn zu kommentieren. Deshalb habe ich mich bei Heise schon vor vielen Jahren abgemeldet und bei der DNN werde ich mich gar nicht erst anmelden.

        Telepolis lese ich, wenn irgendwo in einem Blog auf einen interessanten Artikel hingewiesen wird, aber vornehmlich zu Datenschutz und Freiheit im Netz. Politisch finde ich sie eher mäßig.

  4. E-Haller sagt:

    Und auch heute wieder ein Glanzlicht falsch interpretierter Statistiken auf sz-online:
    http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2795380

    Trotz dem berechtigten Hinweis des ACE im Text, dass „häufigere Kontrollen durchaus auch zu einer höheren Zahl der Verstöße führen können“

    lässt sich die SZ zu folgender Überschrift und Einleitung hinreisen:

    „Sachsens Autofahrer besser als der Durchschnitt

    Die Sachsen nehmen Regeln im Straßenverkehr offensichtlich ernster als Fahrzeuglenker in anderen Bundesländern… “

    Alles klar!

    • Netter Artikel, E-Haller … besonders die Überschrift :)

      Zitat „Spitzenreiter in der Statistik sei Nordrhein-Westfalen, wo 1.422 Einwohner Punkte auf dem Flensburger Konto haben [Sachsen 1114, Anm. M.W.]..“

      Dafür sterben Sachsen wieder öfter ;)

      Statistik vom Stat.BA
      NRW 2010/2011 … Tote 36/29 (-7), Verletzte 2011 – 4309 (+2,2% ggü. 2010)
      Sachsen 2010/2011 … Tote 5/14 (+9), Verletzte 2011 – 966 (+5,3& ggü. 2010)

      EW NRW 17,87 Mio., Sachsen 4,15 Mio. .. Faktor 4,3.

      Naja, die Sächsische Zeitung schreibt eben für Sachsen nicht für Nord-Rheinwestfalener :)

      Warum schreibt eigentlich keiner „Wer mehr Punkte in Flensburg hat, bleibt statstisch gesehen häufiger am Leben?“ :)

      • E-Haller sagt:

        Nee, der Schluss muss doch in Überlagerung beider Erkenntnisse ein anderer sein:

        Wer sich im Straßenverkehr nicht an die Regeln hält, lebt länger!!!

      • stefanolix sagt:

        A: Und wer zu Hause bleibt, lebt noch länger?
        B: Nein, zu Hause passieren die meisten Unfälle ;-)

    • stefanolix sagt:

      Danke für das Beispiel! Die Statistik wäre nur dann etwas wert, wenn wirklich in jedem Bundesland die Kontrolldichte gleich wäre. Ohne eine Angabe über die Anzahl der Kontrollen (Kontrollstunden) sagt die Punktestatistik gar nichts aus.

      Darüber hinaus: Viele Autofahrer werden vielleicht nur außerhalb ihrer Heimat erwischt, weil sie in ihrer Umgebung relativ gut über Blitzer und Kontrollen Bescheid wissen. So ist in großen Bundesländern mit vielen Langstreckenpendlern und Kontrollen die Gefahr größer, einen Punkt zu kassieren. Und folgerichtig liegt NRW vorn ;-)

  5. E-Haller, Einspruch, diese Schlussfolgerung ist nicht zulässig, da du das Durchschnittsalter von Sachsen und NRW-lern nicht mit in die Analyse einbezogen hast, korrekterweise jene der Autofahrenden und Verunglückten :)

    Und keiner sagt, wieviele Sachsen auf Straßen in NRW und wieviele NRW-ler auf Straßen in Sachsen verunglückt sind oder Punkte bekommen haben.

    Gut, das eigentlich weniger angenehme Thema „verunglückte im Straßenverkehr“ ist jetzt wohl für mich ausgereizt (hab’s ja selbst angeschnitten :) ) … vielleicht können wir übereinstimmend festhaltend, dass eine Lektüre der Sächsischen Zeitung zumindest anregend sein kann ;)

    • stefanolix sagt:

      Vielleicht sollte man sich aber auch noch mal ansehen, wie groß die Spannweite der Punktestatistik nach Bundesländern ist. Die einzelnen Ergebnisse weichen nicht allzu stark vom Medianwert ab.

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