Bilder vom Kirchentag (6): Die Pflanzen der Bibel

3. Juni 2011

Plakat mit der Ankündigung der Führungen.

Mein Beitrag: Der Granatapfel.


Darf man Nazis konfirmieren (2): Die Spielregeln und der Antrag

3. Juni 2011

Die Leitung des Spiels hatte Dr. Reinhard Höppner. Er war in der Zeit nach der friedlichen Revolution Vizepräsident der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Seine Art der Sitzungsleitung war damals durch die jahrelange Erfahrung mit den Synoden seiner Landeskirche bestimmt. So lernten wir am Fernseher die Regeln der parlamentarischen Demokratie quasi von einem hochrangigen Vertreter der evangelischen Demokratie.


Es lag jedenfalls nahe, den Umgang mit den Nazi-Themen in der Art einer Synode zu diskutieren. Den Leitantrag durfte »Oberkirchenrat« Martin Dulig einbringen. Er leitet im Hauptberuf Sachsens SPD.

Danach verwies Reinhard Höppner den Antrag in die Ausschüsse. Die Ausschüsse durften Änderungen der Punkte des Leitantrags beantragen. Die Veränderungen mussten begründet werden. Über alle Punkte des Leitantrags und alle Änderungsanträge wurde nach den Verfahrensregeln einer Synode abgestimmt.

Als »Experten« zur Beratung der »Ausschüsse« waren Vertreter der anti-rechtsextremistischen Bildungsarbeit geladen. Auf ihre Rolle wird später noch einzugehen sein.


Ich habe den Leitantrag als Bild gescannt (Klick!) und als PDF-Datei hinterlegt. Einige Passagen werde ich noch zitieren.


Martin Dulig hat den Antrag mit folgenden Argumenten begründet (Zusammenfassung):

  1. Rechtsextremismus drückt sich in Rassismus und Antisemitismus aus. Rechtsextremismus betont die Ungleichwertigkeit der Menschen.
  2. Der christliche Glaube steht im Widerspruch mit der NS-Ideologie
  3. Weil das Christentum für Nächstenliebe und die Gleichwertigkeit aller Menschen steht, muss etwas gegen den Rechtsextremismus getan werden: »Nächstenliebe braucht Klarheit im konkreten Tun.«
  4. Die Kirche ist in der Verantwortung und hat eine Vorbildfunktion.

Mein Eindruck: Es war eher die Begründung eines Politikers als die Begründung eines Christen. Politiker sind Meister des Aktionismus, auch wenn sie das mehrfach mit »Klarheit im konkreten Tun« umschreiben:

Sie brauchen immer eine schnelle Lösung, die sich gut verkaufen lässt. Sie brauchen eine einfache Lösung und sie brauchen eine dokumentierbare Lösung. Ob diese Lösung aber Bestand haben kann, musste sich im Verlauf der Diskussion zeigen.

Die Teilnehmer der Veranstaltung kamen aus vielen Landeskirchen und aus allen Altersgruppen. Junge Leute waren besonders stark vertreten. Man konnte also erwarten, dass viele praktische Erfahrungen mit Nazis in die Diskussion einfließen würden. Was meinen die über 300 »Synodalen« zu den drei Punkten des Antrags?


Fortsetzung folgt …


Der Landtag blieb für uns gestern geschlossen …

Reinhard Höppner betonte am Beginn, dass die Veranstaltung eigentlich nebenan im Sächsischen Landtag stattfinden sollte. Aus der Presse hatte man vorher erfahren, dass sich CDU und FDP mit ihrer Mehrheit dagegen gestellt hatten. Darauf ging Höppner aber nicht ein. Ich darf sagen: Für diese Veranstaltung hatten CDU/FDP damit Unrecht. Sie hätte wirklich in das sächsische Parlament gepasst.



Darf man Nazis konfirmieren? (1)

3. Juni 2011

»Darf man Nazis konfirmieren?« ist einer der wirklich plakativen Veranstaltungstitel des 33. Evangelischen Kirchentags. Solche Titel erregen Aufmerksamkeit. Sogar der Satiriker Wiglaf Droste hat sich in einem Beitrag für das linke Nischenprodukt »junge welt« über den Titel der Veranstaltung Gedanken gemacht:

Der Christentag stellt sogar noch drängendere Fragen: »Darf man Nazis konfirmieren?« Wer will das wissen und warum? Wüßte Bomber Harris eine Antwort darauf?

So weit, so billig.

Ich habe an dieser Veranstaltung teilgenommen. Ich muss die Notizen noch ins Reine schreiben, aber ich möchte Sie schon ein wenig neugierig machen.

Die Grundidee der Veranstaltung bestand darin, über einen fiktiven Antrag an eine Landessynode mit folgenden drei Kernpunkten zu diskutieren:

  1. Vertreter rechtsextremer Parteien dürfen keinen Sitz im Gemeinderat haben.
  2. Junge Menschen mit rechtsextremer Gesinnung sollen nicht zur Konfirmation zugelassen werden.
  3. Jede Gemeinde hat jährlich eine Gemeindeversammlung durchzuführen, in der über die Situation in Bezug auf den Rechtsextremismus berichtet wird. Darüber ist dem Landeskirchenamt zu berichten.

Ein solcher Beschluss hätte ziemlich weitreichende Folgen. Vordergründig geht es zwar um das Thema Rechtsextremismus, aber in Wahrheit geht es um Glaubensinhalte und um Verantwortung. Um die Verantwortung junger Menschen, um die Verantwortung der Gemeinden und um die Verantwortung der Seelsorger.

Das Podium der Veranstaltung (02.06.2011).

Deshalb wurde das Plenum in vier Arbeitsgruppen geteilt, die sich mit dem Thema unter vier Aspekten befassen sollten: Jugendarbeit, Theologie, Gemeindearbeit und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu später mehr …



Bilder vom Kirchentag (5): Augustusbrücke

3. Juni 2011

Musik, Menschen und gelöste Stimmung auf der Augustusbrücke.


Bilder vom Kirchentag (4): Wo dein Herz ist …

3. Juni 2011

da wird auch dein Bild sein ;-)

Die markanteste Geste des Kirchentags …


Bilder vom Kirchentag (3)

3. Juni 2011

Die großen Vereinfacher … (Klick vergrößert).


Bilder vom Kirchentag (2)

2. Juni 2011

Yenidze mit Kirchentagsbanner (Klick vergrößert).


Bilder vom Kirchentag (1)

2. Juni 2011

Das Kongresszentrum in Dresden war beim Kirchentag heute ein Ort für viele politische Veranstaltungen. Am Eingang sind Tageskarten erhältlich. Ohne Tageskarte kann man offiziell nicht an den Diskussionen teilnehmen.

Veranstaltungsort Kongresszentrum (02.06.2011).



Experimente mit altem Holz (1)

2. Juni 2011

Altholz 01 (vom 29.05.2011).


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Alternative Themen für einen Kirchentag (1): Rüstungsexport

1. Juni 2011

Heute beginn in Dresden der Evangelische Kirchentag. Ich wünsche allen Gästen ein frohes und friedliches Treffen in unserer Stadt. Ich will die Veranstaltungen aber trotzdem kritisch und aufmerksam begleiten.

Die Dresdner Zeitungen werden zwar vom Thema Kirchentag dominiert, aber einige Seiten werden doch noch mit anderen Themen gefüllt. So war zu erfahren, dass Angela Merkel gerade nach Indien reist, um die Regierung von einem großen Rüstungsauftrag für Deutschland zu überzeugen.

Früher war die Abrüstung ein zentrales Thema der Kirchentage. Heute scheint der Atomausstieg das wichtigste Thema zu sein. Deutschland soll besser, schneller und bewusster aussteigen als alle anderen Länder in Europa, möglichst noch heute. Alle klopfen sich dafür auf die Schulter. Aber mir kommt unwillkürlich das Gebet des typischen Pharisäers in den Sinn: »Ich danke Dir, Gott, dass ich nicht bin wie jene Sünder …«.

Ich frage mich gerade: Wodurch wird die Schöpfung eigentlich mehr bedroht — durch Waffensysteme oder durch die friedliche Nutzung der Atomenergie in Deutschland?

Die Themen eines Kirchentags kommen basisdemokratisch zustande. Für die Delegierten scheint es heute am wichtigsten zu sein, dass Deutschland in weniger als zehn Jahren im Alleingang aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie aussteigt. Die technischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge werden weitgehend verdrängt.

Frage: Wäre es nicht aus christlicher Sicht ein viel nützlicheres Projekt, stattdessen innerhalb von zehn Jahren aus dem Rüstungsexport auszusteigen?