Kalte Dusche

Am frühen Morgen des ersten April 2002 stand der BWL-Student Alex Hartmann unter der Dusche. Er ließ sich nach dem Training das eiskalte Wasser über den Körper laufen. Schon seine Eltern und Großeltern wussten: kaltes Duschen ist gesund. Es härtet den Menschen ab und es stärkt die Widerstandskräfte. Alex hatte ein rundum gutes Gefühl, als er sich vor dem Spiegel abtrocknete.

Er dachte aber auch an die vielen anderen Studenten im Wohnheim, die jetzt noch in ihren Betten lagen. Sie würden viel später aufstehen und Unmengen warmes Wasser verbrauchen. Alex seufzte, als er im Kopf die Betriebskosten kalkulierte. An diesem Tag hatte er eine Idee: Jeder Student sollte mindestens einmal in der Woche kalt duschen!

Zehn Jahre später hatte es Alexander Hartmann geschafft. Er war inzwischen Geschäftsführer des Studentenwerks. Er hatte alle Gremien überzeugt: Heute sollte der erste Kaltwassertag stattfinden. In den Dresdner Wohnheimen würde einen Tag lang nur kaltes Wasser aus der Leitung kommen.

Inzwischen gab es ein unwiderlegbares Argument: Schätzungen der Umweltschützer hatten ergeben, dass man durch das kalte Duschen seinen persönlichen CO2-Ausstoß um 20% senken konnte. Stadt und Freistaat waren auf den Zug aufgesprungen und hatten eine aufwendige Werbekampagne finanziert. Am Ende war der Widerstand gegen den Kaltwassertag sehr schwach gewesen.

Nur ein paar Studenten aus der liberalen Hochschulgruppe wollten am Nachmittag eine mobile Duschkabine vor dem Wohnheim aufstellen. Aber die Polizei war schon informiert. Sie würde dem Spuk schnell ein Ende bereiten.

Hartmann stand am Fenster seines gut geheizten Büros und dachte: Was für Spinner! Seit der Einführung der vegetarischen Ernährung in der Mensa war doch jedem klar, dass die Dresdner Studenten letztlich alles schlucken würden …


Ergänzung: Ein Artikel aus dem Mai 2011 hieß Der vegetarische Trichter und befasste sich damals schon mit dem Veggie-Day.


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50 Responses to Kalte Dusche

  1. VD sagt:

    Man muss die Leute zu ihrem Glück zwingen … das ist das, was „man“* heute unter liberal versteht.

    * man = die heutige schwarz-grüne Mainstream-Meinung.

    • stefanolix sagt:

      Wenn man sich die Zitate in dem verlinkten Zeitungsartikel anschaut, fragt man sich wirklich, was uns in den nächsten Jahren erwartet:

      Und der Veganer Marko brachte es für seine Anhänger auf den Punkt: „Das hier ist eine Anti-Aktion, die einfach nichts bringt. Der Mensch hat auch sonst keine gerechte Entscheidungsfreiheit. Was ist so schlimm daran, wenn man ein Mal im Monat auf Fleisch verzichtet?“ Und Annette, die vor der Mensa mit einem Stand das Prinzip der Verbrauchergemeinschaft Dresden vorstellte, wurde noch deutlicher: „Diese Aktion ist lächerlich.“

      Der Witz ist, dass die Verbrauchergemeinschaft und andere BIO-Läden ja durchaus auch Fleisch aus der Region anbieten. Bei einem Zwangs-Veggie-Tag aufzutreten ist alles andere als Werbung für regionale Produkte.

  2. Muyserin sagt:

    Treffer, versenkt! :)
    Ich freu‘ mich schon, wenn die Jungs und Mädels aus der liberalen Hochschultruppe uns als politische Entscheidungsträger wieder begegnen.

    Übrigens: Anstelle „Unmengen warmes Wasser“ hätte ich intuitiv „Unmengen warmen Wassers“ geschrieben, obwohl ich denke, dass beide Varianten korrekt sind. Geschmacksfrage! :)

  3. LHG-Mitglied sagt:

    Es wurden im Übrigen auch Plakate zerstört, so viel Toleranz muss sein. Ich möchte auch betonen, dass die symbolische Aktion explizit nicht gegen Vegetarismus oder vegetarische Angebote in der Mensa ging sondern ausschließlich um ein Quentchen Wahlfreiheit (man hätte ja problemlos am Veggie-Day auch ein Gericht mit Fleisch und den Rest rein vegetarisch – oder vielleicht auch vegan – machen können).

    Es gab auch kritische Leute die zum Diskutieren hergekommen sind und sich nicht an infantilen Aktionen beteiligt haben. Das Feedback von den Leuten die vorbeikamen insgesamt war ansonsten auch im Durchschnitt positiv. Hopfen und Malz sind nicht ganz verloren.

    • stefanolix sagt:

      Ich bin für eine Vielzahl von Angeboten, damit weder der Veganer noch der Fleischesser benachteiligt ist. Inzwischen muss man wirklich für die Bewahrung der Vielfalt kämpfen, die doch eigentlich selbstverständlich sein sollte.

      Veganer und Vegetarier sollten bitte nur auf eine einzige Art und Weise überzeugen: durch guten Geschmack und durch gute Rezepte. Auf dem Markt wird sich das Beste durchsetzen ;-)

      —-

      Ich bin gegen ideologisch aufgeladene Aktionen wie diesen Veggie-Day, weil Ideologen ja doch nie ohne Einschränkung der Freiheit auskommen. Deshalb der Artikel mit der kalten Dusche ;-)

      • LHG-Mitglied sagt:

        Völlig einer Meinung.

      • Antifa sagt:

        Veganer und Vegetarier sollten bitte nur auf eine einzige Art und Weise überzeugen: durch guten Geschmack und durch gute Rezepte. Auf dem Markt wird sich das Beste durchsetzen ;-)

        Naja, das Essen ist in den Mensen nicht nur stetig teurer sondern sicherlich auch abwechslungsreicher geworden, was aber leider nicht bedeutet, dass die Uniküche gute vegetarische bzw. vegane Kost anbietet. Ach hier und die von Dir genannten Ideologen standen jahrelang hinter dem Herd, die „Wahlmöglichkeit“ die ich damals hatte, beschränkte sich auf Salat.

      • stefanolix sagt:

        Letztlich wird doch überall für oder gegen eine Ernährungsweise geworben, wo Studenten sich gegenseitig einladen oder gemeinsam essen. Das ist ein großer Markt der Möglichkeiten.

        Wenn Du es der Mensa nicht zutraust, gutes vegetarisches Essen anzubieten, dann steht doch im Grunde das gesamte Essen in Frage. Denn ein herkömmliches Gericht mit Fleisch besteht ja auch zu 2/3 aus vegetarischem Material ;-)

        Und außerdem: was ist denn für den Vegetarismus gewonnen, wenn an einem Tag gleich vier vegetarische »Wahl«gerichte angeboten werden, die alle nicht schmecken?

        Ich hatte als fast-vegetarischer Genießer schon immer ein tiefes Misstrauen gegen Leute, die »Erbsensuppe für alle« wollten …

      • Antifa sagt:

        Denn ein herkömmliches Gericht mit Fleisch besteht ja auch zu 2/3 aus vegetarischem Material…

        Schon klar, nur aber eben ohne „Hauptbeilage“. Eine Umfrage unter Studierenden über ihr Essverhalten und das Angebot in den Mensen wäre sicher mal interessant.

      • stefanolix sagt:

        Ich habe mich unten schon verwundert gezeigt: Haben die Mensen das wirklich nicht nötig? Gibt es da gar keinen Wettbewerb?

      • Antifa sagt:

        Wenn man davon spricht, scheinbar schon zum 6. Mal: 6. Online-Umfrage zur Kundenzufriedenheit in den Mensen

      • stefanolix sagt:

        Ob man da mal seine Meinung sagen sollte?

  4. stefanolix sagt:

    PS: Die Köche hinter dem Herd haben jahrelang so gekocht, wie es die große Mehrheit ihrer Zielgruppe wollte. Vegetarische Gerichte werden noch nicht allzu lange nachgefragt.

    PPS: Als Gast einer großen Institution in Bonn hatte ich seit 2005 des öfteren die Gelegenheit, in der Kantine des Bundesrechnungshofs »fremd« zu essen. Dort wird das völlig zwanglos gelöst. Man kann sich jederzeit ein leckeres vegetarisches Essen zusammenstellen. Man /muss/ es aber nie tun.

  5. Bratwürgste sagt:

    In der Neuen Mensa gibt es im Schnitt an drei Tagen in der Woche ausschließlich Fleischgerichte an den Haupttheken. (Buffet zähl ich nicht mit, weil das preislich einfach jenseits von gut und böse ist)
    Das wäre ein Tag an dem die LHG mal einen Protest machen könnte. Für einen Fleischi ist es kein Problem mal ohne Fleisch zu essen, andersrum schon. Zumal es auch am Veggie-Day sowohl in der Cafeteria als auch in der Bierstube Fleisch (Schnitzel, Bratwurst, Bockwurst… usw.) gibt. Wegen einem Tag im Monat regt ihr euch auf, als würdet ihr nur noch rohes Gras von der Wiese bekommen.
    Es geht darum Verantwortung zu übernehmen. An diesem Punkt hat das Stuwe auch mit fairtrade-Kaffee gehandelt. Wer keinen Fairtrade-Kaffee will kann ja auch in die Bierstube oder einen Kaffeeautomaten gehen.
    Sinnlose Aufregung. Bloß weil die LHG einen auf „liberal“ macht… blabladamsmithbla

    • stefanolix sagt:

      Wenn es an drei Tagen nur fleischhaltige Hauptgerichte gibt, dann ist das natürlich ungerecht gegenüber Vegetariern. Dann wäre der vegetarische Tag aber nichts als ein Feigenblatt und wer braucht denn solche Heuchelei?

      Allerdings schreibt ein Kommentator im DNN-Forum auch: Hier gibt es an jedem Tag die Möglichkeit bei „Fit&Vital“ aus einem reichhaltigen Vegetarischem Angebot auszuwählen.

      Was stimmt denn nun?

      Beim Kaffee stellt sich die Frage ganz anders: Man schmeckt es wohl kaum, ob der Kaffee aus Fairtrade-Handel kommt oder nicht. Außerdem ist Kaffee nicht so ein wichtiges Grundbedürfnis wie das Mittagessen. Aber ich bin generell für fair gehandelte Waren, wenn darauf nicht nur ein Schein-Siegel ist. Da Fairtrade meist mit BIO-Anbau verbunden ist, bekommt man auch einen anderen Wert für (etwas mehr) Geld.

      Zum Begriff »liberal«: es geht einfach darum, vegetarisches Essen nicht mit Zwang durchzusetzen. Überzeugt die Menschen von Eurer Ernährung und Ihr habt mein volles Verständnis. Ich ernähre mich ja an fünf oder sechs Tagen in der Woche vegetarisch. Aber wenn Zwang damit verbunden ist, hört der Spaß auf.

      • Antifa sagt:

        Hier gibt es an jedem Tag die Möglichkeit bei „Fit&Vital“ aus einem reichhaltigen Vegetarischem Angebot auszuwählen.

        Das stimmt, aber das Essen da ist in der Regel ohne Abwechslung und ausgesprochen teuer.

        …vegetarisches Essen nicht mit Zwang durchzusetzen…

        Anders herum ist es aber seit Jahren gängige Praxis. Die meisten die ich kenne und sich bewußt ohne Vegetarisch/Vegan ernähren, essen schon lange nicht mehr an den Uni-Mensen, weil das Angebot a) überschaubar b) ohne Abwechslung und c) schlicht zu teuer ist.

      • Bratwürgste sagt:

        Die Person mit dem Fit&Vital Kommentar isst dort wahrscheinlich selbst äußerst selten. Dort kann man sich tatsächlich Teller zusammenstellen, aber dann gibt es da eben im Wechsel immer nur Kartoffel, Reis oder vielleicht mal Bratkartoffel, dazu Gemüse (Wurzelgemüse, Möhren, Mais, usw.). Das schlägt dann übrigens mit fast 50ct pro 100g zu Buche. Dazu kann man sich dann noch eine „Hauptkomponente“ kaufen, die mit ca 1,00 bis 1,50€ berechnet wird. Hier gibt es in der Tat häufig vegetarisch (vegan sehr sehr selten). Allerdings wiederholt sich das Essen da noch öfter, als sonst irgendwo. Wenn man sich vegan oder z.B. laktoseintolerant zeigt, dann bleibt einem im 90% aller Mensatagen nichts weiter, als sich für 2,60 einen Teller Kartoffeln mit Möhrengemüse und vielleicht etwas Salat zu holen.

        Der Sinn des Tages ist so und so nicht, Leute dazu zu zwingen sich vegetarisch/vegan zu ernähren. Er soll zum Nachdenken anregen. Zum Hinterfragen. Früher gab es auch nur den Sonntagsbraten und sonst gab es unter der Woche nur vegetarisches Essen. Täglicher Fleischkonsum ist ein Luxus, den sich die Erde eigentlich nicht leisen kann.

        Es gab einmal eine Woche an der Neuen Mensa, zu der Attila Hildmann (vegan-starkoch) gekocht hat. Jedes Essen war in dieser Woche mit dem CO2-verbrauch zur Produktion des Gerichtes (inkl. Transport, Strom, Anbau/Zucht usw.) ausgezeichnet. Wie das Aussah könnt ihr euch sicher denken.

      • stefanolix sagt:

        Zur Auswahl: Gibt es wirklich keine Umfragen der Mensa und keine Zusammenarbeit mit dem Studentenrat? Verzichten die Mensen auf die Zielgruppe der Vegetarier und Veganer mutwillig oder kennen sie diese Zielgruppe überhaupt nicht?

        Sind die Mensen momentan ausgelastet? Haben sie es nicht nötig, die vegetarischen und veganen Kunden anzusprechen?


        Zu Allergien und Intoleranzen: Ich würde gern medizinische Aspekte aus der Diskussion heraushalten, weil das einfach zu weit führt. Ich kenne auch Menschen, die z.B. Mehl, Milch und andere Lebensmittel nicht essen können. Sie sind eingeschränkt, aber sie wissen auch damit umzugehen.

        Eine Mensa kann meiner Meinung nach allenfalls die wichtigsten Problemgruppen berücksichtigen, aber sie kann nicht jedem Menschen eine beliebig große Auswahl bieten.


        Völlig ohne Ironie: Ich würde es begrüßen, wenn die Mensa einen veganen/vegetarischen Koch und Meister seines Fachs einstellen würde. Ich würde es begrüßen, wenn er für eines von vier Angeboten voll verantwortlich wäre. Damit wären dann 25% der Essen vegetarisch und lecker.

        Gibt es an der TU eine Erhebung über den Anteil der Vegetarier?


        Bleibt letztlich nur eine Lösung, die wir hier in unserer Familie auch praktizieren: abends leicht und warm essen.

    • stefanolix sagt:

      PS: Ich vermute, dass Bierstube und Cafeteria auch teurer sind als das Mittagessen in der Mensa, ähnlich teuer wie das Buffet. Diese Argumente heben sich also gegenseitig auf.

      Die Aufregung entsteht deshalb, weil man schon den Beginn einer zwangsweisen vegetarischen Ernährung nicht haben will. Aus einem Tag werden bald mehrere, aus mehreren Tagen werden bald ganze Wochen.

      Dass sich studentische politische Gruppen damit profilieren wollen, ist doch normal. Eine liberale Gruppe hat dieses Thema gewählt, konservative oder linke Gruppen profilieren sich mit anderen Themen.

      Wahrscheinlich wäre es besser, wenn das Thema vegetarische Ernährung politisch überhaupt nicht vereinnahmt würde. Aber daran glaubt wohl niemand mehr.

    • LHG-Mitglied sagt:

      @Bratwürgste
      Wir sind der Meinung, dass „Verantwortung zu übernehmen“ etwas mit persönlicher Entscheidungen zu tun hat. Wer aus guten Gründen auf Fleisch verzichtet/Konsum einschränkt sollte andere Leute davon überzeugen statt ihnen – wenn auch nur symbolisch an diesem Tag – die Handlungsoptionen einzuschränken. Von unten statt von oben. Auf dem Flyer wurde die Einschränkung von Fleischkonsum im übrigen positiv bewertet. Ich sehe auch nicht inwiefern „Aufregung“ von uns überhaupt produziert wurde. Die Veranstaltung wurde nichtmal explizit beworben.

      Aber was erzähl ich das jemanden der meint „blabladamsmithbla“ hätte irgendwas was mit dem Thema zu tun. Hauptsache Schublade und einfaches Feindbild stimmt.

      @stefanolix
      Brauch ja eigentlich gar nichts schreiben, du hast ja schon die Argumentation. :)

      Der Zug mit der Vereinnahmung ist tatsächlich abgefahren. Der wird auch bei anderen Themen nicht mehr aufzuhalten sein.

      • stefanolix sagt:

        Zur Verantwortung: So sehe ich das auch. Eine Aktion wie der Veggie-Tag widerspricht IMHO darüber hinaus den Grundlagen der Motivationstheorie.

        Durch Zwangsbeglückung wird sich nichts ändern. Durch Überzeugung kann sich ganz viel ändern.

        Bis vor fünf Jahren habe ich vegetarische Ernährung als lustfeindlich und geschmacklos empfunden. Nachdem ich dann zwei vegetarische bzw. vegane Kochbücher geschenkt bekam, hat sich das ganz schnell geändert.

        Wichtig war, dass darin keine Fleischgerichte simuliert wurden, sondern dass die Stärken der Kartoffeln, Getreideprodukte, Gemüsesorten und Gewürze ausgereizt wurden.

        Wenn man Fleisch mit irgendwelchen Burger-Produkten »nachbilden« will, dann muss das schiefgehen. Das schmeckt nicht. Das ist nur peinlich.


        PS: Wenn doch alle, die »blabladamsmithbla« schreiben, auch mal etwas von/über Adam Smith gelesen hätten. Oder auch ein gutes VWL-Lehrbuch ;-)

      • LHG-Mitglied sagt:

        @stefanolix
        Ja ich finds auch schade wenn vegetarische oder gar vegane Küche versucht Fleisch nachzumachen. Das was du beschreibst finde ich auf jeden Fall auch leckerer/sinnvoller. Wobei ich sagen möchte, dass es auch sehr gute vegatarische/vegane Burger gibt – meist die, die nicht versuchen die Fleischscheibe nachzuahmen sondern einfach was anderes machen.

      • stefanolix sagt:

        Ja, es gibt Burger aus unterschiedlichen Gemüsesorten, bei denen man das Aroma oder die Kombination der einzelnen Aromen schmeckt. Man kann sie grillen oder backen, manche vegetarischen Imbisse frittieren sie auch.

        Aber das ist nur ein ganz kleiner Teil der vegetarischen Küche ;-)

  6. Lenbach sagt:

    @Bratwurst

    Früher gab es auch nur den Sonntagsbraten und sonst gab es unter der Woche nur vegetarisches Essen.

    Früher gab es noch ganz andere Sachen, für die Ihr Euch stark machen könntet. Zum Beispiel sowas, das klingt doch sehr ähnlich:

    Die Gleichschaltung machte auch vor dem Küchenzettel nicht halt. Im Zusammenhang mit dem im September 1933 eingerichteten nationalsozialistischen Winterhilfswerk wurde ab Oktober das sogenannte Eintopfessen eingeführt.
    (…)
    Im November, so berichtete die Lokalzeitung, gingen “Jungmädchen der Hitler- und Stahlhelm-Jugend sogar von Haus zu Haus. Der Sammlung konnte sich niemand entziehen, da eine Nichtbeteiligung zwangsläufig – so war es in diesem Staat – als Gegnerschaft hätte verstanden werden können. Dieser Satz machte das deutlich: “ Von der Notwendigkeit der Eintopfsammlung ist wohl jeder deutsche Volksgenosse überzeugt.“
    (…)
    Die verhältnismäßige Freiwilligkeit wurde – sicher zur Freude der Gastwirte – schon bald in Zwang verwandelt. Die NSDAP gab im März 1935 bekannt: “Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß sämtliche Angehörige der Reichsbetriebsgemeinschaften 17 und 18 am Sonntag ein Eintopfgericht in einer Gastwirtschaft einzunehmen haben, und verweisen auf unsere Bekanntmachung vom 12. März.

    http://www.ns-spurensuche.de/index.php?id=4&topic=15&key=21

    Es gab einmal eine Woche an der Neuen Mensa, zu der Attila Hildmann (vegan-starkoch) gekocht hat. Jedes Essen war in dieser Woche mit dem CO2-verbrauch zur Produktion des Gerichtes (inkl. Transport, Strom, Anbau/Zucht usw.) ausgezeichnet. Wie das Aussah könnt ihr euch sicher denken.

    Ja, das kann ich mir vorstellen. Klimareligiöse und ökofaschistische Lobbyvereine „rechnen“ sich irgendwelche Zahlen zurecht, um damit zu missionieren. Ob die Zahlen stimmen, ob der CO2-Wahn überhaupt eine Berechtigung hat, ob vegetarisches Essen gesünder ist oder nicht, darüber befinden heute selbsternannte Moralisten und nicht etwa Wissenschaftler. Ihr merkt überhaupt nicht mehr, wie nah Ihr denen seid, die eigentlich keiner mag.

    • stefanolix sagt:

      Um mit dem Meisterkoch zu beginnen: ich habe inzwischen auch in einigen Restaurants vegetarisch gegessen und ich denke, das ich als Amateur von einem Meister dieses Fachs (a) eine Menge lernen und (b) wirklich ein leckeres Essen erwarten kann.

      Aber kein Koch muss sich für die CO2-Bilanz seiner Menüs rechtfertigen. Ein schlechtes Essen wird durch eine gute CO2-Bilanz nicht besser. Wahrscheinlich hat ein geschmackloser Erbsenbrei die beste CO2-Bilanz der Welt, trotzdem möchte ich mich nicht davon ernähren.


      Wir können uns hier den Luxus leisten, über Genuss und abwechslungsreiches Essen zu diskutieren. Anderswo herrscht Hunger. Vor einer CO2-Debatte müsste man eigentlich zuerst über den Hunger auf der Welt reden.

      Hier in Deutschland werden Ressourcen falsch eingesetzt, die anderswo dringend gebraucht würden. Falsch eingesetzt werden sie etwa für ineffiziente Fotovoltaik oder einen überstürzten Atomausstieg. Würde man sie richtig einsetzen, könnten diese Ressourcen in Afrika vielleicht Leben retten.


      Ich finde den Vergleich mit der »Eintopfsammlung« nicht angemessen. Ich würde eher in der DDR-Geschichte nach Vergleichen suchen. Es wird jedenfalls immer dann gefährlich, wenn aus eigentlich guten Absichten Zwang abgeleitet wird.

  7. Bratwürgste sagt:

    @Lenbach
    Was hast du denn Gefrühstückt, dass du so viel Mist in einem Beitrag schreiben kannst?
    1. Der NS-Beitrag tut gar nichts zur Sache, da hier niemand Ernährungstechnisch gleichgeschaltet wird. Zumal du mein Zitat aus dem Kontext gezogen hast. Ich bezog das auf Luxus.
    2. Diese „klimareligiöse[n] und ökofaschiste[n] Lobbyvereine“, über die du so ohne Ahnung herziehst, sitzen übrigens am Lehrstuhl für Betriebliche Umweltöknomie der TU Dresden.
    Infos zum Carbon Foodprint gibts z.B. hier: http://mein-infodienst.de/firmen/angebote/nr/16555/anzeige/1972/scroll/1/

    Mehr sag ich nicht dazu.

    P.S.: Ich habe auch mal vwl gehabt, weiß sehr wohl wer Adam Smith ist und habe ihn nur stellvertretend für alle ökonomischen/volkswirtschaflichen Denker_innen benannt, für die freie Märkte/Entscheidungen/usw. so wichtig sind. Aber stimmt schon: Schublade „free-market radicalists“ auf, LHG rein und zu. *^^Achtung: IRONIE*

    P.P.S.: Übrigens sehr interessant, dass sich die LHG irgendwelche aggressiven Typen an den Stand holen muss, um ihn zu „verteidigen“. Ein zwei Wasserbomben mehr und er wäre geplatzt oder hätte jemanden richtig verhauen. Mir fallen da auch noch ein paar unangemessene Kommentare zu ein…

    • stefanolix sagt:

      Zum PPS: Nur aus Interesse — Wer hat denn angefangen? Würden sich Veganer oder Vegetarier an ihrem Stand widerstandslos mit Wasserballons bewerfen lassen?


      Zum PS: Wer hat denn hier bitte von Marktradikalismus gesprochen oder derartige Auffassungen vertreten? Es gibt Märkte, die reguliert werden müssen, weil es ohne Regulierung überhaupt nicht funktionieren würde. Die Auswahl der Mittagsmahlzeit gehört ganz sicher nicht dazu.


      Zur CO2-Bilanz von Lebensmitteln: Man kann darüber sicher Schätzungen anstellen. Ich finde es albern und dekadent. Ein überzeugendes Argument für deutlichen Verzicht beim Fleischkonsum ist in meinen Augen die Ressourcenverschwendung durch die Massentierhaltung.

      Solange es noch jeden Tag tausende Hungertote gibt, ist es einfach ein Gebot der Humanität, dass man Bedingungen schafft, unter denen alle satt werden können. Deshalb sollte man sowohl den Fleischkonsum einschränken, als auch alle wirkungslosen »CO2-Maßnahmen« abschaffen. Und die Kopfgeburt »CO2-Bilanz einer Mahlzeit« gleich mit.

    • Lenbach sagt:

      @ Bratwürgste

      Allein die Wahl Deines Nicknames zeigt doch, wohin die Reise geht. Verächtlichmachung des Gegners, sachliche Diskussion unerwünscht. Dazu paßt haarscharf auch die Aktion mit den Wasserbomben: Stören und kaputtmachen. Der Gegner wird zum Gegner, weil er es wagt, eine andere Meinung zu vertreten. Das geht natürlich gar nicht und muß bekämpft werden. Eine Diskussion im wissenschaftlichen Sinne findet nicht statt. Diese Methoden sind übrigens bei zahlreichen sich selbst als links bezeichnenden Gruppen vertreten. Wer auf deren zwangsbeglückende Maßnahmen nicht anspringt, ist Feind, schließlich haben gefälligst alle das Gleiche zu meinen. Da wird auch gerne mal auf das „schlechte Gewissen“ und dadurch indirekt Gruppenzwang gesetzt, wie Dein Link dankenswerterweise bestätigt (Zitat: „Der Mensabesucher hat die Wahl: Entscheidet nur der persönliche Geschmack oder auch das Gewissen…?!“). Wer möchte sich schon „freiwillig“ ins gesellschaftliche Abseits befördern, zumal an eine Ausweitung gedacht ist (Zitat: „Es ist angedacht, das Angebot an vegetarischen und veganen Speisen weiter auszuweiten und den Carbon Foodprint täglich für alle angebotenen Gerichte auszuweisen.“). Ja, so geht es los…

      Und natürlich hat es mit Gleichschaltung zu tun, wenn ausschließlich Gerichte einer bestimmten Sorte angeboten werden und nicht etwa Wahlfreiheit herrscht. Mit Begriffen wie „Freiheit“ und „Demokratie“ könnt Ihr in Wirklichkeit überhaupt nichts anfangen, auch wenn Ihr es Euch gerne auf die Fahnen schreibt. Insofern ist der NS-Vergleich nicht so abwegig, wie er zunächst scheint.

      Dieser „Foodprint-Verein“ wurde übrigens auf Initiative der studentischen TU-Umweltinitiative gegründet. Ich vermute mal ganz vorurteilsbeladen, Liberale oder gar Konservative sind dort eher unterrepräsentiert. Es ist in etwa so wie bei den mittlerweile zahlreichen Gender-Lehrstühlen: Die sitzen auch alle an einer Uni, haben aber mit wissenschaftlicher Forschung wenig zu tun, sondern haben das Ziel, politische Forderungen durchzusetzen.

      Solange es um ehrlichen Umwelt- und Tierschutz geht, bin ich sofort dabei, und ich handhabe das auch so im Rahmen meiner Möglichkeiten. Ebenso verhält es sich beim Konsum von regionalen Produkten. Aber sobald Ideologie und Zwang mitspielen, ist der Spaß für mich ganz schnell vorbei.

      • stefanolix sagt:

        Der Unsinn wird ja weitergetrieben: Ein entscheidender Punkt in der oben verlinkten Mensa-Umfrage scheint zu sein (ich zitiere die Fußnote):

        ** Klimaschutz, Einsatz von Bio-Lebensmitten, Regionalität, Saisonalität, Einsatz energieeffizienter Technik

        Also wäre z.B. das perfekte CO2-optimierte Essen im Sommer: Kalte Suppe aus Gurken vom BIO-Hof aus der Region. Vorausgesetzt werden: Anlieferung des Gemüses mit dem Fahrrad und Verarbeitung mit der Hand.

        Hoffentlich liest das keiner ;-)

  8. Muyserin sagt:

    @ Bratwürgste: Mit dem Satz „Was hast du denn Gefrühstückt, dass du so viel Mist in einem Beitrag schreiben kannst?“ disqualifizierst du Dich selbst.

    Mir gefällt an dieser Diskussion, dass sie kontrovers geführt wird. Meine eigene Meinung in der Sache steht nicht fest, und ich entdecke in den verschiedenen „Lagern“ immer wieder Aspekte, über die nachzudenken sich in meinen Augen lohnt. Auf die Art erweitere ich beim Lesen der Kommentare meinen Horizont, anstatt nur stolzerfüllt auf meine eigene Meinung zu glotzen.

    • stefanolix sagt:

      Ja, ich freue mich auch über diese Diskussion. Die Standpunkte sind nicht ganz so verhärtet wie bei gewissen anderen Themen. Und ich werde jeden strafen, der jetzt dieses schöne Thema Essen verfehlt! ;-)

  9. Muyserin sagt:

    Wir haben nun viele Gründe für und gegen eine solche Aktion gefunden.

    Mir fällt dazu noch Folgendes ein. Wenn es wirklich nur eine Aktion sein soll, die Bewusstsein schaffen oder Verzichtsbereitschaft signalisieren soll, würde ein Tag im Semester auch reichen. Aber eben dieser eine Tag hat ja an der Mensa Leipzig für ähnlich hysterische Reaktionen bestimmter Studenten gesorgt, wie jetzt hier.

    Es lassen sich immer Gründe gegen etwas finden. Eine nationale Schweigeminute für die Opfer eines Völkermordes kann ich auch damit torpedieren, dass ich sage, die Leute sind eh schon tot. Oder: ich bin genügend geschichtsbewusst, ich muss da nicht mehr mitmachen.

    Oder diese globale Licht-aus-Tag (oder was es war). Ich kann mitmachen, oder aber sagen, ich trenne schon Müll, ich benutze schon Energiesparlampen.

    Dieses sich aus einer gemeinsamen Aktion ausnehmen hat aber wenig Außenwirkung, birgt wenig Inspiration, die vielleicht auch Andere überzeugen könnte.

    Dass die Mensen klar am Bedarf vorbei kochen, ist für mich evident. Die Gerichte sind seit zwanzig Jahren dasselbe Einerlei. Irgendwann kam mal der Gemüsebratling als Alternative hinzu. Das ist in etwa das Maß der Innovation.

    Aber solange es immer noch genügend Leute gibt, die es zu bezahlen und zu essen bereit sind, warum sollte sich etwas ändern? Das Problem sind nicht das Studentenwerk oder die Mensaköche, sondern die Studenten, mehr noch, die Gesellschaft insgesamt.

    Ich bin keine Vegetarierin. Aber als ich neulich sah, wie ein Restaurant mit dem Slogan „das SCHNELLE Schnitzel-Restaurant“ warb, war ich einigermaßen aufgebracht.

    Fleisch wächst nicht schnell, Fleisch verdaut sich nicht schnell. Für mein Schnitzel ist ein Tier gestorben, das sollte man auch als Fleischesser respektieren und mit Genuss essen.

    Mir war es schon Mitte der Neunziger zu teuer, in der Mensa essen zu gehen. Warum? Weil ich nicht nur günstig, sondern auch gesund und lecker essen wollte. Ich habe mir dann für lange Tage an der Uni einfach leckere Sachen vorbereitet und mitgenommen und dann lieber abends warm gekocht, anstatt in der Mensa meistens die Hälfte stehen zu lassen.

    • stefanolix sagt:

      Wenn die Mensen derart am Bedarf vorbeikochen, müsste man doch mal nach den Ursachen forschen. Einerseits wird ein Veggie-Tag veranstaltet und in der Umfrage des Studentenwerks wird nach Umweltaspekten gefragt. Angeblich soll nun bei jedem Gericht der CO2-Wert angegeben werden. Andererseits stimmt die Qualität nicht, wenn es mal vegetarische Gerichte gibt. Sind das nur Feigenblatt-Aktionen?

      Ich finde Deine Gedanken zur Schnizzel-Werbung sehr interessant. Ich habe schon seit langer Zeit kein Schnitzel mehr in einer Gaststätte gegessen, weil ich nie weiß, wo das Fleisch herkommt. Ganz selten holen wir uns mal Schnitzel von »Podemus«.

      Ich habe Mitte der 90er Jahre übrigens ganz genauso entschieden. Damals hatten wir noch eine kleine Dachwohnung in DD-Blasewitz und nur eine kleine Küche. Aber besser als Mensa war es allemal. Damals haben meine Kumpels aus dem Wohnheim sogar noch abends in der Gemeinschaftsküche gekocht und das waren wahrlich keine Hobbyköche.

      Natürlich ist es immer eine schlechte Position, wenn man an einer Sache im Grunde nichts auszusetzen hat, aber gleichzeitig strikt gegen die Methoden zu ihrer Durchsetzung ist. Man muss erklären, man muss differenzieren. Deshalb hatte ich das Bild mit dem kalten Duschen gewählt. Es ist mir übrigens beim Duschen eingefallen ;-)

  10. funkloch sagt:

    Fasse ich einmal kurz zusammen: Die Mensa legt einen Tag pro Monat ein, wo nur vegetarische Mahlzeiten zu haben sind, wobei sie einräumt, damit ihrer globalen Verantwortung irgendwie entsprechen zu wollen. Die LHG sieht das als „Zwangsbeglückungsmaßnahme“ und protestiert dagegen, weil politische Interessen nur durch Bewußtseinswandel, der durch div. Formen der Überredung zustandekommen könnte, durchzusetzen seien. Andere, offenbar vegane Leute, protestieren gegen den Protest (Bratswurststand) der LHG, weil sie ihre politischen Interessen durch die Aktionsform verunglimpft sieht. Richtig?

    Ich selbst habe bzgl vegetarischer/veganer/carnivorer Ernährung keine besonderen Präferenzen, möchte auf diesen Aspekt der Auseinandersetzung nicht eingehen.

    Mehr interessiert mich die Ebene, wo Leute, die sich als Liberale verstehen, den, nennen wirs mal „Vegetarierschnuppertag“ in die Kontinuität von NS und DDR stellen und den Zwangscharakter herausstellen.

    Was ist das eigentlich für ein Liberalismus, den hätte ich gern erklärt bekommen. Sicherlich ist Antikommunismus ein wichtiges Merkmal des Liberalismus, wenn es sein einziges wird, wirds armseelig.

    Was ich damit sagen will? Nun, dem Liberalismus geht es um Freiheit. Die kommt nicht aus dem nix, sondern wurde und wird kontinuierlich erkämpft. Dies zu sehen, unterscheidet den Liberalismus vom Konservatismus. Wann ist denn das Wahlrecht eingeführt worden, und wann das für Frauen? Wie ist das mit Gleichstellungsprojekten? Wer, wenn nicht Liberale, tritt für gleiche Rechte für alle ein?

    In der Anfangszeit des Liberalismus gab es ja noch solche Ideen, wie dass ein Friseur nicht wählen dürfte, ein Perückenmacher schon, weil nur der Besitz politische Unabhängigkeit garantiere (Kant). Aber die Diskussion ging ja zum Glück weiter und Konzepte wie das der Chancengerechtigkeit wurden entwickelt, die Auffassung, dass auch Nichtweisse Menschen sind, hat sich schwer, aber dann doch gründlich durchgesetzt. Das sind m.E. Verdienste, die der liberalen Bewegung und dem, was an den sozialistischen Bewegungen liberal war, zuzurechnen sind.

    In der Frage eines angemessenen Umganges mit der ersten Natur geht es nicht primär um Fragen der Verteilungsgerechtigkeit, bei denen Liberale ja vielleicht mit gar nicht so schlechten Gründen ihre Skepsis anmelden. Es geht um globale, wie intergenerationelle Chancengleichheit, um die materiellen Grundlagen ohne die man keine Rechte haben könnte. Und einer recht wesentlichen Strömung des Veganismus geht es um die Frage, ob eine bestimmte Spezies (homo) das Recht hätte, das Lebensrecht anderer Spezies einzuschränken, schlicht um eine Radikalisierung des Freiheitsanspruches.

    Vielleicht entzündet sich das Ganze ja (zum Teil) auch daran, dass es eine öffentliche Einrichtung ist, die da tätig wurde. Ich halte ja den Staat an sich für verzichtbar und glaube auch nicht, dass ein versagender Staat das Marktversagen regeln kann, aber: die Grundlagen des modernen Staatswesens stammen von Liberalen, nicht von Sozialisten und nicht von Konservativen. Ohne Staat ließe sich die immer im Raub gegründete ursprüngliche Aneignung von Besitz nicht aufrecht erhalten. Und dazu brauchte auch John Locke den Staat.

    • stefanolix sagt:

      Vielen Dank für den Kommentar. Ich will vor allem auf die Punkte eingehen, wo es aus meiner Sicht etwas zu ergänzen oder zu widersprechen gibt.


      Ich selbst habe den Veggie-Tag in eine Reihe mit gesellschaftlichen Aktionen in der DDR gestellt, zu denen man mit einem gewissen Zwang (Druck) angehalten wurde. Den Vergleich mit der NS-Zeit finde ich nicht angemessen, dazu müsste »LHG« antworten.


      Die Mensa ist eine öffentliche Einrichtung mit dem Monopol auf subventionierte Studentenspeisung. Genau deshalb entzündet sich der Protest.

      Etwa fünf Prozent der Bevölkerung sind überzeugte Vegetarier. Ihr Anteil an der TU mag vielleicht doppelt so hoch sein. Auch dann sind sie aber noch eine kleine Minderheit. Wenn das Mensa-Essen aus öffentlicher Hand gefördert wird und die Studenten in einem gewissen Sinne an ihre Mensen gebunden sind, stellt der Veggie-Tag eine unangemessene Benachteiligung der großen Mehrheit dar.


      Deine Ausführungen über die Entwicklung der Freiheit finde ich gut. Der Protest gegen den erzwungenen Veggie-Tag steht natürlich nur indirekt in dieser Tradition. Hier geht es nicht um so große Dinge wie Wahlrecht, Meinungsfreiheit oder Verfassung.

      Aber man kann mit Fug und Recht befürchten, dass die Freiheit der Studenten weiter eingeschränkt wird. Dagegen kann man protestieren und eine Aktionsform kann das Grillen von Bratwürsten sein.

      Würden die Vegetarier/Veganer mit dem Grillen von Gemüse kontern, hätte das meine volle Unterstützung. Das wäre ein fairer Wettbewerb. Wer aber anderen eine Ernährungsweise aufzwingen will, glaubt offensichtlich nicht an die Überzeugungskraft seiner Argumente.


      Zum Antikommunismus: Liberalismus muss notwendigerweise gegen jede totalitäre Herrschaftsform sein. Ich will sie nicht alle aufzählen, aber eine Diktatur unter dem Leitbild irgendwelcher Tugenden zählt für mich auch dazu. Selbstverständlich hast Du mit dem Nachsatz Recht: Liberalismus muss vor allem darstellen, wofür er einsteht: für welche Rechte, Pflichten und Werte. Dazu hört man leider sehr wenig.


      Kann uns der Staat in der Sache irgendwie weiterhelfen? Im ordoliberalen Sinne wird ein demokratischer Rechtsstaat befürwortet, der Regeln aufstellt und durchsetzt. Ein versagender Staat wäre nach dieser Philosophie das Ende der Freiheit. Ich ordne mich im Wesentlichen als Ordoliberaler ein und frage mich natürlich auch, welche Rolle der Staat dabei [bei der Lösung der hier angesprochenen Probleme] spielen könnte.


      Zuerst zum Inland: Ich bin der Meinung, dass der Staat Regeln für die Tierhaltung festlegen müsste, die wesentlich strenger sind als bisher. Die Massentierhaltung ist eine Gefahr für die Umwelt und wird in zunehmendem Maße eine Gefahr für den Menschen. Erst gestern war in der F.A.S. ein Artikel über die Gefahren für unsere Wasserversorgung. Durch schärfere Regeln würde Fleisch rar und es würde eine geringere Menge verbraucht. Darüber hinaus würde ich die Lebensmittelkontrollen stärken — und zwar rein fachlich, auf keinen Fall bürokratisch.


      Global betrachtet sieht es noch viel dramatischer aus. Hier müssten sich die G8-Staaten das Staatsziel setzen, den Hunger auf der Welt zu beseitigen.

      Ressourcen, Wissen und Arbeit sollten in den nächsten Jahrzehnten nicht in den CO2-Wahn, sondern in den Kampf gegen Hunger und Krankheiten gesteckt werden. Das ist eine gigantische Aufgabe, weil es mit Gesundheit und Geburtenkontrolle, Nahrung und Wasser, Demokratisierung und Aufklärung, Infrastruktur und nachhaltiger Wirtschaft zu tun hat — um nur einige Punkte zu nennen. Die Reihenfolge war eher zufällig. Es ist eben nicht mit Einzelmaßnahmen getan.

      Im Grunde müssten alle Maßnahmen gestoppt werden, mit denen wir den Hunger auf der Welt verstärken. Dazu gehört vor allem auch der Anbau von Pflanzen für die Energiegewinnung. Damit sich z.B. eine Stadt in Deutschland mit einem Palmöl-Kraftwerk und einer prächtigen CO2-Bilanz schmücken kann, werden Urwälder vernichtet, wird Wasser verschwendet, sterben wilde Tiere und in der Endkonsequenz auch Menschen.

      Ich finde das wesentlich wichtiger als die Frage, ob es bis 2050 ein halbes Grad wärmer oder kälter ist. Wahrscheinlich werden die Maßnahmen zur Bekämpfung des Hungers sogar positive Effekte auf das Klima haben. Aber das primäre Ziel muss sein, dass solche Katastrophen wie zur Zeit in Afrika bis 2050 nicht mehr über die armen Länder hereinbrechen.

      Das wäre logischerweise mit Einschränkungen bei uns verbunden. Mit Einschränkungen, die auch unseren Fleischkonsum und diversen anderen Luxus betreffen. Aber das Mittel zum Zweck muss Überzeugung sein. Zwang war noch nie produktiv.



      Ergänzung: Ich widerspreche entschieden der Auffassung, dass die Rechte der Menschen auf die Tiere übertragen werden können. Tiere stehen nicht auf der selben Stufe wie der Mensch. Ich beschränke mich auf die Forderung nach einer Abschaffung der Massentierhaltung und der Tierquälerei. Da bleibt genug zu tun.


      • funkloch sagt:

        Ich glaub, Du hast mich doch nicht richtig verstanden. Die Freiheit des Menschen kann und muß im Dienst der „Jermannsfreiheit“ eingeschränkt werden, das ist das Recht und die Begründung des Staates in einer liberalen Lesart.

        Aus Sicht der Vegetarier-/Veganenbewegung ist die mitteleuropäische Ernährungsweise sehr wohl mit Einschränkungen der Freiheit kommender Generationen, BewohnerInnen von Gegenden, in denen der Klimawandel schon heute wirkt, i.S. deren materieller Bedingungen, verbunden. Damit ergäbe sich die Aufgabe für die Öffentlichkeit, solcherart Ausübungen der individuellen Freiheitsrechte, wie des Fleischessens, einzuschränken.

        Will heißen, Ziel des anzuwendenden Zwanges ist nicht, Überzeugungen herzustellen, sondern regulierend einzugreifen, wo die Verfolgung individuell verständlicher Ziele zu gesellschaftlich widersinnigen Ergebnissen führt, bzw. die Möglichkeit der Verfolgung individueller Ziele bei anderen verunmöglicht.

        Was die Rechte der Tiere angeht: Ich selbst bin mir nicht sicher, ob die Welt eine bessere wird, wenn wir die Tiere in die Gesellschaft integrieren. Ich weiss nur, dass die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes also unabhängig von Geschlecht, Besitz und Klassenzugehörigkeit) ein unverzichtbarer Fortschritt war. Und ich finde es ebenso unerlässlich für eine liberale Gesellschaft, dass man die Sklaverei nicht mit pseudozoologischen Argumenten legitimiert, was aber nun mal historisch der Fall war. Und ich finde es gut, dass wir heute Indianershows im Dresdner Zoo, die es bis zum Anfang des 20. Jhd gab, geschmacklos finden.

      • stefanolix sagt:

        Selbstverständlich bleibt das allgemeine und gleichberechtigte Wahlrecht eine große Errungenschaft. Aber den Tieren würde ich es trotzdem nicht zugestehen ;-)


        Mir war auch schon vor dem Kommentar von „starchild“ und Deinem zweiten Kommentar klar, dass es radikale Forderungen gibt und dass Einzelne sehr drastische Zwangsmaßnahmen befürworten.

        Aber wie ich unten schon andeutete, möchte ich mich auf das Machbare konzentrieren. Es gibt Eingriffe, die den Fleischkonsum senken können, ohne allzu stark in Freiheitsrechte einzugreifen.


        Wenn man sich die Zahlen zum Fleischverbrauch anschaut, wird deutlich: so kann es nicht weitergehen. In Deutschland wird ein arithmetischer Mittelwert von etwas mehr als 80 Kilogramm pro Kopf angegeben, wobei vermutlich alle Vegetarier und Kleinkinder mitgezählt werden. Die Verteilung ist also auch noch schief. In den USA sind es weit über 100 Kilogramm. Das kann und darf nicht so weitergehen.

    • LHG-Mitglied sagt:

      Ich wollt‘ mich eigentlich aus der Diskussion ausklinken weil ich das Gefühl hatte das im Prinzip alles gesagt war aber weil hier noch ein wenig andere Themen berührt wurde: liefere ich ein allerletztes Mal nach. Anmerkung: Habe auf ein paar Absätze meiner Replik gerade wieder gelöscht weil es dann doch zu OT wird.

      @funkloch
      1. Nach meinem Wissen wurde der Veggie-Tag von uns mit keiner Zeile in die Kontinuität von NS und DDR gestellt.

      2. Du hast völlig Recht, dass es insbesondere auch darum ging, dass es sich um eine öffentliche Einrichtung handelt. Die hat sich anderen Maßstäben zu fügen als Private. Nie im Traum würde es mir einfallen gegen – was weiß ich – die „Autonome Veganer-Coop e.V.“ zu protestieren weil die dort 7 Tage die Woche nur vegane Produkte anbieten. ;)

      3. Mir ist vollkommen bewusst, dass ein gewichtiger Teil der Motivation die Ausweitung der Selbstbestimmung auch auf Tiere ist – ist ja nicht so, dass man nie beim Singer mal reingelesen hätte. Allein überzeugt bin ich (noch?) nicht. Was ansonsten das Verhältnis Mensch/Tier angeht hat stefanolix hier schon gutes geschrieben.

  11. starchild sagt:

    „In their behavior toward creatures, all men are Nazis. Human
    beings see oppression vividly when they’re the victims. Otherwise they victimize blindly and without a thought.“
    Isaac Bashevis Singer, author, Nobel Prize 1978

    So viel zur großen Strömung unter den Veganer_innen. Früher wurden auch Menschen in Zoos und Zirkussen ausgestellt und vorgeführt, weil man ihnen das das Recht auf ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben verweigerte. Ich hoffe ich werde den Tag miterleben, an dem das Töten oder Ausbeuten eines Tieres – aus welchem Grund auch immer – genauso unter Strafe gestellt wird, wie das eines Menschen. Zoos zur Belustigung, Vergewaltigung zur Milchproduktion…
    Ich werde mit dieser Meinung wohl recht allein da stehen, aber das führt so und so zu weit.

    Zum Thema: Wer aus einem Veggietag im Monat (der ja noch nicht mal beinhaltet, dass es an diesem Tag in dieser Mensa kein Fleisch gibt) eine Bevormundung sieht, leidet wohl an grober Unselbstständigkeit. Wer unbedingt sein Fleisch braucht soll sich doch einfach mal über das Angebot des Tages informieren und dann in die Cafeteria gehen. Wer sich einfach nur hinstellt und sagt es gibt nichts „Fleischiges“, bloß weil es an den großen Essenausgaben nichts gibt, macht was falsch. Wie Muyuserin sagte, kann man sich zur Not auch selbst was machen – billiger ist das meist auch noch.
    Bloß weil Vegetarier_innen und Veganer_innen eine Minderheit sind, heißt das nicht, dass man sie einfach ausblenden kann. So klein ist die Minderheit dann auch nicht. Dann würde ich nämlich auch mal ganz schnell die Landesregierung ausblenden. Wer bei einer Wahlbeteiligung von grad mal 50% und dann davon grad so 50% der Stimmen behauptet, den Willen der Bürger_innen zu vertreten ist auch etwas verblendet. Warum die Leute nicht wählen gehen ist wieder eine ganz andere Frage.

    • stefanolix sagt:

      Wir hatten die teureren Angebote (Cafeteria, Gaststätte, Imbiss) in der Diskussion schon für beide Seiten ausgeschlossen, sowohl für die Vegetarier als auch für die Fleischesser. Gleiches Recht für alle.

      In diesem Sinne sollte es selbstverständlich an jedem Werktag im Monat mindestens ein ordentliches vegetarisches Gericht zum subventionierten Mensa-Preis geben. Das ist Minderheitenschutz und dagegen gibt es keinen vernünftigen Einwand.


      Ich sehe es im übrigen nicht als angemessen an, anderen Leuten die Selbständigkeit abzusprechen, wenn sie sich gegen Zwang und Bevormundung durch die Vegetarier wehren.


      Ich bin für eine deutliche Einschränkung des Fleischkonsums, was in vielerlei Hinsicht vorteilhaft wäre (Gesundheit, Umweltschutz, Globaler Kampf gegen den Hunger …).

      Meine eigene Menge von maximal 200 bis 250 Gramm pro Woche sehe ich als sinnvoll an, will sie aber ausdrücklich nicht als Maßstab für andere Menschen setzen.


      Ich werde den Wettbewerb um die radikalste Meinung nicht gewinnen. Menschen und Tiere stehen für mich definitiv nicht auf der selben Stufe. Es muss allerdings trotzdem eine Menge Unrecht gegenüber Tieren abgeschafft werden. Das steht für mich auch außer Frage.

      • Muyserin sagt:

        Randnotiz: Manche Christen argumentieren aus der Bibel heraus so: gerade weil Tiere nicht auf der selben Stufe stehen wie der Mensch, bedürfen sie besonderen Schutzes seitens der Menschen. Kein ganz dummer Gedanke, finde ich.

      • stefanolix sagt:

        Hat auch mal jemand nachgezählt, wie viele Tiere in der Bibel als Opfer dargebracht werden? Hat jemand gezählt, wie viele Tiere bei der Sintflut ertrunken sind?


        Gut, das Opfern der Tiere findet vorwiegend im Alten Testament statt. Und nach der Sintflut hat Gott einen Bund mit den Menschen gemacht.

        Ich glaube aber auch nicht, dass man aus dem Neuen Testament eine vegetarische oder vegane Ernährung eindeutig ableiten kann.

        Es ist wie mit so vielen anderen Dingen: wer ohnehin schon von seiner vegetarischen Sache überzeugt ist, der kann sich in der Bibel die Bestätigung dafür holen.

        Wer davon überzeugt ist, dass man Fleisch in Maßen essen kann, wird im Neuen Testament ebenfalls seine Bestätigung finden.

        Dass Verschwendung, Gier und Tierquälerei als Sünde abzulehnen sind, sollte allerdings eindeutig klar sein.

  12. starchild sagt:

    Ich finde es ja als Veganer immer wieder belustigend, wenn ich mir vorwerfen lassen muss, dass wegen MEINEM Konsum von Soja-Produkten und Palmöl Regenwald abgeholzt werden muss. Kurz nachdenken, was das noch lebende Tier in der Massentierhaltung so zu essen bekommt… Heu? Gras? Wiesenkräuter? Ja leben wir denn hier im Schlaraffenland? Es gibt Soja! In allen erdenklichen Formen. 80% der Ernte werden direkt als Tiernahrung vertan.
    Wenn alle einfach nur einen Tag in der Woche auf ihre Fleischration verzichten könnten eine gute Milliarde Menschen besser ernährt werden (mal von Transportproblemen, politischen Unruhen usw. abgesehen). Irgendjemand hier meinte ja auch, dass Fleisch ein ziemlicher Luxus wäre, den wir uns eigentlich nicht leisten können. Zumindest nicht mit gutem Gewissen.
    Ich hab noch einen Vorschlag: Keine reduzierte MwSt. auf Tierprodukte. Für den Anfang würde es auch schon eine Abschaffung von Subventionen für den Tierproduktsektor tun.

    Ähm… aus der Bibel würde ich mir keine Rechtfertigung für irgendetwas holen. Ein Werk, dass durch tausende Hände hier und da mal geändert wurde, wo hier und da beim Zitieren mal der Kontext ignoriert wird, wo ein Spruch gilt und der nächste dann doch nicht… je nach gusto… lieber nicht. Auf dieses dünne Eis wage ich mich lieber nicht.

    • stefanolix sagt:

      @starchild: Ich habe mich gegen das Verbrennen von Palmöl im Kraftwerk gewandt, selbstverständlich nicht gegen die Verwendung in der Küche. Ich muss allerdings zugeben, dass ich in der Küche mit Palmöl noch keine Erfahrungen gemacht habe, aber es gibt ja viele andere Öle. Ich habe gerade mal nachgesehen: Man kann es wohl ziemlich hoch erhitzen. Wozu verwendest Du es?


      Was den wünschenswerten Verzicht betrifft, liegen unsere Ansichten nicht so weit auseinander.


      Am System der Umsatzsteuer würde ich nichts mehr ändern. Das ist politisch völlig kaputtgespielt. Es würde auch sicher nichts am Fleischkonsum ändern, wenn der Umsatzsteuersatz auf Fleisch auf 19% gesetzt würde.


      Zur Bibel müsste man nicht nur eine, sondern viele Extra-Diskussionen eröffnen. Aus dem Neuen Testament kann man Grundlinien für das eigene Leben ableiten, wobei jeder Mensch seine eigenen Schwerpunkte setzt.

      Man kann aber mit dem Neuen Testament in der Hand heute keine Politik machen und mit dem Alten Testament natürlich erst recht nicht.


      • starchild sagt:

        Ich selbst verwende Palmöl in der Küche gar nicht – habe es einmal zum Kuchenbacken verwendet. Das war nicht lecker, da es einen gewissen eigengeschmack hatte. Es ist nur so, dass Palmöl inzwischen in sehr vielen Produkten ist. Es hat eben den Vorteil, dass es bei Zimmertemperatur noch fest ist. Es muss also nicht, wie andere Öle und Fette, gehärtet werden. Bei diesem Härtungsprozess entstehen häufig ungesunde Transfette. Daher wird Palmöl gerne statt gehärteter Fett verwendet.

      • stefanolix sagt:

        Danke für die Aufklärung. Ich verwende nur eine begrenzte Auswahl von Ölen/Fetten, die sich einfach bewährt haben. Ganz selten kommt mal ein »exotisches« Produkt hinzu.

        Für das Backen bin ich in diesem Haushalt nicht zuständig und das ist auch gut so ;-)

  13. Eigentlich ist ja hier „alles“ gesagt worden, deshalb nur noch ein paar Nachgänge von mir – die Hauptgerichte sind durch ;)

    Der Einstieg von Stefan über die Satire mit dem „Kaltduschtag“ war vielleicht etwas schwierig. Oder nur für mich :)

    Der VeggieDay war ja nur an der „Neuen Mensa“ … da gibt’s fußläufig Alternativen; Alte Mensa, Siedepunkt usw. Keine Ahnung wie gut die PR im Vorfeld war und wieviele Fleischesser vom VeggieDay überrascht worden sind.

    Sinnvoll finde ich solche „Aktionstage“ – auch als Wenigfleischesser – nicht wirklich. Bewusstseinswandel erreicht die Mensa bzw. das Studentenwerk nur über ein kontinuierlich gutes Angebot an vegetarischen Gerichten. Letztlich zählt, was gut schmeckt … Ökobilanzen etc. mal hin oder her.
    Ab einem gewissen Punkt wirken Aktionstage einfach lächerlich. Ich glaube, da braucht man etwas Fingerspitzengefühl, denn mitunter ist die Botschaft längst in der Bevölkerung angekommen – der Rest kann sich von selbst entwickeln.

    Den Bratwurststand von LHG finde ich da schon wieder recht sympathisch, auch wenn ich in den letzten 5 Jahren vielleicht drei Bratwürste gegessen habe.

    @ funkloch
    Ich verstehe deine Staatsskepsis. Bin auch kein Staatsfreund in dem Sinne, doch es ist eher eine Frage der Struktur. Nationalstaaten haben immer mehr ausgedient, sie sind ein Überbleibsel des 19. und 20. Jahrhunderts.
    Dennoch braucht es Strukturen, und auch Hierarchien. Momentan gibt es m.E. wenig flache Hierarchien oder sehr undurchsichtige, vermutlich auch weil es viele überflüssige, inkl. Kompetenzgerangel und -wirrwarr, gibt.

    Ich kann schon verstehen, warum man nach „Ordnung und Sicherheit“ ruft, wenn man Angst vor „Anarchie und Chaos“ hat, denn viele Menschen trauen sich selbst nicht und somit auch anderen nicht. Das ist ein Übergang, den jeder Mensch nur selbst machen kann.

    Und ich denke, bevor man selbst etwas abzuschaffen versucht, z.B. den Staat, sollte man Alternativen bereits erlebt und erprobt haben. Denn häufig stolpert man über dieselben Probleme wie es sie auch im Staat gibt.

    @ muyserin, Stefan, starchild et al.
    Ich glaube, dass mit der Bibel und den Tieren usw. kommt immer ein bisschen über den Bibel-Satz „Macht Euch die Erde untertan“ – siehe hier.
    Das Problem ist die Interpretation, denn so oder so ausgelegt, kann er eine Ausbeutung „auf Teufel komm raus“ ;) genauso rechtfertigen wie eine Nutzbarmachung nachhaltiger Art, im Sinne von Kreislaufwirtschaft und Denkansätzen wie „Nur so viel wie nötig, nicht soviel wie möglich“ und „wenn man etwas verbraucht, sollte man für Ersatz sorgen“ usw. usf.

    War alles etwas wahllos von mir zusammengewürfelt, doch ich denke, man findet den Zusammenhang zu den jeweiligen obigen Kommentaren ;)

    • stefanolix sagt:

      Danke für den Kommentar. Ich habe die Zusammenhänge durchschaut ;-)


      Man befasse sich mal mit den Strukturen, die ein (frisch gekochtes oder angeliefertes) Essen in einem Kindergarten oder einer Schule regeln und die den Preis dieses Essens bestimmen.

      Jedes Essen im Kindergarten, in der Schule oder in der Mensa wird aus unterschiedlichen Töpfen »gefördert« und »bezuschusst«, in die wir wiederum auch irgendwie einzahlen. Am Ende weiß niemand mehr, welchen Anteil seines Essens er eigentlich selbst bezahlt.

      Nachdem im sogenannten »Bildungspaket« auch das Schulessen enthalten war, wundert mich die babylonische Verwirrung um die Beantragung und um die Kosten überhaupt nicht mehr. Denn viele Kommunen haben das Essen der Kinder aus ärmeren Familien bereits »bezuschusst«. Werden diese Zuschüsse nun vollständig, teilweise oder überhaupt nicht durch das Bildungspaket ersetzt?


      Ergänzung: Ich wäre in meiner Studentenzeit nicht von der Neuen Mensa bis zum »Siedepunkt« gelaufen, auch nicht bis zur »Alten Mensa«. Die notwendige Zeit hatten wir damals gar nicht. Und wie man hört, haben die Studenten ja heute eher noch mehr Stress, ihn der entsprechenden Zeit ihr Studium zu schaffen.

  14. stefanolix sagt:

    Ich habe noch ein witziges Projekt zum Thema gefunden: die Halbzeitvegetarier ;-)

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