Live-Blogging

Experiment: Der Bericht von einem Tag, der viel Arbeit, viele spontane Gedanken und einige Wartezeiten bringen wird. Es beginnt um 05.55 Uhr. Die ersten Bilder kommen vermutlich am frühen Abend.


Wartezeit. Gestern abend habe ich mich in der Diskussion im Blog »Flurfunk« an den Begriff »Gatekeeper« erinnert. Die Wikipedia erklärt:

Mit dem Terminus Gatekeeping soll die publizistische Wirkungsweise der Massenmedien bestimmt werden. Mit dem Aufkommen des Internet, insbesondere dessen kollaborativer Anwendungen wie Blogs, Online-Foren und -Netzwerken, ist die Gatekeeper-Funktion der Massenmedien jedoch in ihrer Wirkung zunehmend eingeschränkt. (Quelle)

Ich habe einen Artikel aus der DNN vom Montag neben dem Rechner liegen, der dieses Prinzip ganz gut illustriert. Dieter Wonka schreibt über die Grundsatzwerkstat der FDP in Leipzig. Darüber hätte es sehr viel zu berichten gegeben. Es gab wohl einen lebhaften demokratischen Streit, wie man in diesem Bericht aus der »ZEIT« nachlesen kann.

Dieter Wonka titelt: »FDP präsentiert sich als Unternehmerpartei« und geht in seinem Artikel fast ausschließlich auf eine einzige Passage des Entwurfs ein. Dort heißt es laut DNN:

Dem Ideal unseres Wirtschaftsbürgers entspricht der Unternehmer, der Verantwortung für den langfristigen Unternehmenswert und das Wohl von Mitarbeitern und Vertragspartnern übernimmt, aber auch der Verbraucher, der emanzipiert und bewusst konsumiert.

Dieser Satz liest sich sehr merkwürdig, wenn man ihn aus dem Zusammenhang entnimmt. Im Original steht folgender Text:

Wir wollen eine Wirtschaftsordnung der verantworteten Freiheit, die neue Akzeptanz gewinnt. Der Staat als Ordnungskraft muss Risiken durch Haftung und Marktmacht durch funktionierenden Wettbewerb begrenzen. Wirtschaftliche Anreize für Innovation und Effizienz schonen die natürlichen Lebensgrundlagen besser als grünliche Detailvorgaben. Dem Ideal unseres Wirtschaftsbürgers entspricht der Unternehmer, der Verantwortung für den langfristigen Unternehmenswert und das Wohl von Mitarbeitern und Vertragspartnern übernimmt, aber auch der Verbraucher, der emanzipiert und bewusst konsumiert.

Aus dem verkürzten Zitat kann man eine FDP als Unternehmerpartei ableiten. Aus dem Absatz im Zusammenhang ganz sicher nicht mehr.

[06.48 Uhr]


Beim Live-Blogging werde ich den Artikel inhaltlich nicht rückwirkend ändern, aber ich werde sicher an der einen oder anderen Stelle die Lesbarkeit verbessern. Mir ist dieses Prinzip schon immer sehr wichtig gewesen. Zettel schreibt in seiner Richtlinie zum Kommentieren:

Eigene Beiträge dürfen nachträglich in Bezug auf Tippfehler oder stilistisch überarbeitet, aber nicht in ihrer Substanz verändert oder gelöscht werden. Nachträgliche Zusätze, die über derartige orthographische oder stilistische Korrekturen hinausgehen, müssen durch „Edit“, „Nachtrag“ o.ä. gekennzeichnet werden.

In der letzten Woche bin ich (für meine Verhältnisse) relativ hart eingestiegen, als Rappelsnut seinen Artikel über die Pestalozzi-Schule in Pirna geändert hat. Für den Ton möchte ich ihn jetzt gern nachträglich um Verständnis bitten, aber inhaltlich bleibe ich dabei.

Ich gehe auf Beiträge aus Zeitungen, Blogs oder anderen Medien ein, weil ich meine Gegenposition, meine Kritik oder meine Zustimmung zeigen will. Das ist nicht mehr möglich, wenn Artikel geändert werden. Ich kann doch meine Meinung nicht immer wieder mit Zusätzen wie »X hat bis 12.00 Uhr noch geschrieben, dass …« ergänzen.

[07.09 Uhr]


Deshalb kommt hier noch die Quelle für das FDP-Zitat.

[07.13 Uhr]


Die ganz einfachen Grundsätze der Wirtschaft muss man in Erinnerung rufen, seit sogenannte Banker in wenigen Stunden zwei Milliarden sogenannte Euro in den Sand setzen können.

[07.55 Uhr]


Die F.A.Z. schreibt:

Bundeskanzlerin Merkel eröffnet die IAA, verweist auf die wichtige Rolle der Autoindustrie und verspricht: „Wir werden hilfreich zur Seite stehen.“ Doch den traditionellen Rundgang durch die Messehallen absolviert sie ohne erkennbare Freude.

Hilfreich zur Seite stehen? Rette sich, wer kann!

[07.58 Uhr]


Das Auto im Kopf des F.A.Z.-Berichts sieht fast so schön aus wie die Magic Mouse von Apple.

[08.02 Uhr]


Interessante Entwicklung der Zugriffe auf die Berichte über den skandalisierenden Artikel der Sächsischen Zeitung. Ich bekomme jetzt immer mehr Suchanfragen in der Art:

sächsische zeitung ronny zimmermann internet

Der Artikel ist immer noch im Netz. Vermutlich hat diese Zeitung nicht verstanden, worum es eigentlich geht. Die nächste Stufe wäre jetzt wohl eine lobende Erwähnung im BILD-Blog, so wie damals …

[08.20 Uhr]


Ab in die Arbeit …

[09.50 Uhr]


Pause. Lustige Fotos folgen am Abend.

Setzt Berlin seinem Regierenden Bürgermeister schon zur Amtszeit ein Denkmal?

[13.07 Uhr]


Fertig. Touristenrunde absolviert. Park, Schatten, Bloggen ;-)

Das tat gut: Ausruhen auf einer Bank neben dieser Skulptur im Tiergarten.

[15.34 Uhr]


Ja, mach nur einen Plan
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch ‘nen zweiten Plan
Geh‘n tun sie beide nicht.

Mit diesen Zeilen von Bertolt Brecht verabschiede ich mich vorerst. Der Akku ist gleich leer ;-(

[20.49 Uhr]


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4 Responses to Live-Blogging

  1. Frank sagt:

    Thema „Ändern von Artikel-Inhalten“:

    Ich gehe auf Beiträge aus Zeitungen, Blogs oder anderen Medien ein, weil ich meine Gegenposition, meine Kritik oder meine Zustimmung zeigen will. Das ist nicht mehr möglich, wenn Artikel geändert werden. Ich kann doch meine Meinung nicht immer wieder mit Zusätzen wie »X hat bis 12.00 Uhr noch geschrieben, dass …« ergänzen.

    Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass man eigene Artikel nie ändern sollte, obwohl man vielleicht inhaltliche Fehler bemerkt hat. Denn immerhin könnte ja irgendwer im Weltnetz etwas über den Artikel geschrieben haben … wie will man das überprüfen?

    Ich denke, das ist kein brauchbares Argument für eine Unveränderbarkeit von Artikeln.

    • stefanolix sagt:

      Doch, man sollte sie ändern, wenn man einen Fehler findet oder wenn man etwas ergänzen muss.

      Das habe ich ja auch gemacht, als Rappel wünschte, nicht zuerst (vor der SZ) genannt zu werden. Aber man kann eindeutig erkennen, was vorher dort stand und was ich geändert habe.

  2. Muyserin sagt:

    Das gibt es doch gar nicht! Den Brecht-Song „Das Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“ habe ich vor wenigen Tagen zum ersten Mal gehört, von meinem Vater, der sich immer bei der Zeile „Der Mensch ist gar nicht gut/drum hau ihn auf den Hut“ wegschmeißt.

    Das ist ja fast ein morphisches Feld! ;)

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