Wenn ein reicher und abgesicherter (Salon)Linker über die Finanzkrise nachdenkt

dann kommt in der SPON-Kolumne »Im Zweifel links« zur aktuellen Lage so etwas heraus:

Sie ist nicht nur verzweifelt. Sie ist aussichtslos. Am Ende dieser Krise, das wissen wir schon jetzt, wird es entweder den Euro oder die freien Märkte oder den europäischen Sozialstaat nicht mehr geben. Die Variante, die den 500 Millionen Menschen der Europäischen Union am besten dienen würde, ist die unwahrscheinlichste: die Einhegung der Märkte.

Diese Analyse ist nicht nur verzweifelt. Sie ist einsichtslos.


  1. Am Ende dieser Krise wird es den Euro immer noch geben. Die Frage ist: Was wird er dann noch wert sein?
  2. Am Ende dieser Krise wird es auch die Marktwirtschaft noch geben. Die Frage ist: Welche Angebote fragen wir nach?
  3. Am Ende dieser Krise wird es letztlich auch einen Sozialstaat geben. Die Frage ist: Wie verhindern wir, dass es ein Sozialstaat auf Pump bleibt?

Augstein lässt die wesentliche Ursache der Krise nicht an sich heran.

Die Staaten in einer wirklich kritischen Situation haben viel zu lange ihre hohen Staatsausgaben auf Pump finanziert. Wenn das Verhältnis zwischen Wirtschaftsleistung und Schulden nicht mehr stimmt, wird selbstverständlich jeder Schuldschein zum Spekulationsobjekt. Es wird spekuliert, ob der Schuldner noch zahlen kann.

Im Umkehrschluss: Ohne die exzessive Staatsverschuldung hätten die Spekulanten viel weniger Gelegenheit zum Spekulieren.

Der Staat hat sich ja selbst zum Spekulanten gemacht: Zu keinem Zeitpunkt war der Stadtkämmerer irgendeiner deutschen Stadt gezwungen, an den internationalen Finanzmärkten riskante Geschäfte zu tätigen. Zu keinem Zeitpunkt waren Landesbanken dazu gezwungen, mit dem Segen der Politiker bis zum Zusammenbruch weiter zu spekulieren.

Die selben Politiker sollen jetzt die Märkte: Ordnen? Eingrenzen? Abschaffen?

Es lag nie an den unmoralischen Angeboten. Es lag immer nur an der unmoralischen Nachfrage.


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2 Responses to Wenn ein reicher und abgesicherter (Salon)Linker über die Finanzkrise nachdenkt

  1. Muyserin sagt:

    Interessanter Denkanstoß. Danke.

  2. […] der Salon-Linke Jakob Augstein vorschlägt, wird die Solidarität in Deutschland jedenfalls nicht stärken. Im Gegenteil: Eine […]

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