Das herbeigeschriebene Desaster

Wenn man Ihnen erzählen würde, dass die Nachrichten bei SPON heute eine Zeitlang von einem unglaublichen Desaster aus dem amerikanischen Vorwahlkampf dominiert wurden: Was würde ihnen spontan dazu einfallen? Ein Korruptionsskandal? Vorwürfe wegen sexueller Belästigung? Eine Fernsehdebatte ohne jeglichen Inhalt?

Ich wäre jedenfalls nicht darauf gekommen, was wirklich geschehen ist und was sich hinter dem Desaster verbirgt: Ein Kandidat der Republikaner hat sich in einer Befragung im Fernsehen ein wenig verhaspelt. Er hat einen sekundenlangen Aussetzer gehabt, wie es jedem von uns in einem Vortrag, in einem Seminar oder in einer Diskussion passieren kann. Mehr ist gar nicht passiert.

Als Indiz der unglaublichen Relevanz dieser Angelegenheit zitiert SPON das »Klatschblog« gawker:

Es ist das, was der Klatschblog Gawker später genüsslich als Hirnfurz tituliert: Perry, der sowieso als etwas langsam Verhöhnte, kann sich nicht erinnern. Er hat einen klassischen Aussetzer, live, vor laufenden Kameras.

Das eigentliche Desaster liegt darin, dass unsere Presse sich aus lauter Republikaner-Feindlichkeit mit solchen Lappalien abgibt, anstatt eine faire und fundierte Berichterstattung über die politischen Standpunkte der beiden Seiten zu liefern. Amerika hat momentan einen sehr schwachen Präsidenten, der übrigens oft sogar für einfache Reden einen Teleprompter benötigt. Da würde es mich schon interessieren, was seine Kontrahenten von der anderen Seite politisch zu bieten haben — und nicht, ob ihnen im Fernsehen kurzzeitig ein Begriff entfallen ist.


One Response to Das herbeigeschriebene Desaster

  1. Peter Macheli sagt:

    Ich habe Spiegel Online einfach als Blog eingestuft und schon stört mich das nicht mehr.

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