Wer noch auf Facebook aktiv ist

sollte diesen Artikel lesen. Dort wird anschaulich vermittelt, wie viele Datenspuren und welche unglaubliche Menge an Daten jeder Nutzer bei Facebook hinterlässt.

Es geht dabei nicht um die Informationen im Profil, die man entweder öffentlich preisgibt oder nur mit seinen »Freunden« teilt. Das ist nur das, was man sieht. Es geht vielmehr um die Daten, die sich bei der Nutzung, bei den Empfehlungen und bei der Interaktion mit anderen Nutzern ansammeln. Der Kern des Artikels:

Viele der Informationen sind mit Vermerken wie „Deleted true“ als gelöscht gekennzeichnet, doch Facebook vollzieht diese Löschungen nicht. Wer auf Facebook etwas „löscht“, versteckt die Daten meist nur vor sich selbst. Viele weitere Daten über mich gibt Facebook nicht heraus, da sie dessen „geistiges Eigentum“ oder „Betriebsgeheimnis“ sind oder einfach „zu schwer zuzuschicken“, obwohl jedermann ein Recht auf eine Kopie der Daten hat. Stutzig macht einen, dass es sich hier zufällig um die besonders heiklen Daten handelt.

Wie in vielen anderen Situationen des täglichen Lebens müsste man auch hier die Überschrift verwenden: »Was man sieht und was man nicht sieht« (Bastiat).

Da hat jemand ein ganz normales Profil bei Facebook, das auf wenige Seiten passen würde. Er merkt plötzlich, dass dort im Umfang von mehr als 1.000 Seiten Daten gespeichert wurden. Und das sind nur die Daten, die offiziell herausgegeben werden. Eine unbekannte Menge weiterer Informationen kann oder will Facebook gar nicht offenlegen. Man kann sich darüber auf »Europe vs. Facebook« informieren. Dort wird beschrieben, wie Facebook inzwischen die Nutzeranfragen behandelt:

Facebook hat sein bisheriges Auskunftsformular am 4. November nach tausenden Anfragen entfernt. Nun werden Nutzer auf ein “Download Tool” umgeleitet. Wenn Sie das Tool nutzen haben Sie aber kein Recht auf Auskunft.

Über diese Tool erhalten Sie nur eine Kopie Ihres Profils, aber keine Daten welche Facebook im Hintergrund speichert oder generiert. Daher bekommen Sie nur ca. 29% der Daten die Facebook speichert.

Wenn man sich mal richtig gruseln möchte, kann man auf dieser Seite nachsehen, welche Daten Facebook mindestens speichert. Die Datenschutz-Aktivisten haben z.B. herausgefunden, dass Freundschaftsanfragen immer gespeichert bleiben, selbst wenn man sie abgelehnt hat. Auch solche Nachrichten wie im folgenden Beispiel von der verlinkten Seite werden im Datenbestand nicht gelöscht:

Author: Max Mustermann (123456789)
Recipients: Petra Musterfrau (987654321)
Sent: 2011-06-06 19:05:56 UTC
Body: Hallo, willst du heute Nacht noch zu mir kommen?

Warum schreibe ich erst heute darüber? Weil ich bei Frank einen interessanten Artikel über Google+ und Diaspora gelesen habe. Sein Fazit: Er ist inzwischen Fan von Google+. Doch es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass bei Google+ weniger Daten als bei Facebook gesammelt werden oder dass Google mehr von Datenschutz hält als Facebook.

Es gibt noch keinen Anbieter, der einen fairen Umgang mit Nutzerdaten und ein funktionierendes Geschäftsmodell miteinander verbindet. Vielleicht wird es diesen Anbieter irgendwann geben. Für den Moment gilt: Der Satz »Jeder kann doch entscheiden, welche Daten er öffentlich in sein Profil stellt und mehr gibt er nicht preis!« ist genauso von der Realität überholt wie »Ich habe doch nichts zu verbergen!«.


6 Responses to Wer noch auf Facebook aktiv ist

  1. Frank sagt:

    Doch es gibt keinen Grund zu der Annahme, (…) dass Google mehr von Datenschutz hält als Facebook

    habe ich aber nicht geschrieben. Speziell zu dem Aspekt habe ich eigentlich das Gegenteil behauptet. Zumnindest in meinem anschließend verfassten Artikel “Vorteile von Google+ gegenüber Facebook“, den ich auf speziellen Wunsch von Herrn Winkler schrieb :-)

    • stefanolix sagt:

      Gemeint war: Ich sehe keinen Grund zu der Annahme, dass der Datenschutz bei Google eine höhere Wertigkeit hat als bei Facebook. Mag sein, dass man bei Google die Oberfläche ergonomischer gestaltet und dass dadurch die Einstellungen besser zu finden sind.

      Es geht doch aber um die internen Vorgänge: Was passiert mit den Protokollen des Nutzerverhaltens? Was geschieht mit (anscheinend) gelöschten Daten? Wer hat Zugriff auf die Informationen, die Google und Facebook sammeln?

  2. Frank sagt:

    Schon richtig – ausschließen kann man auch bei Google nichts. Aber noch sind keine konkreten Fälle von Datenmissbrauch aufgetreten. Aber genaugenommen trifft das dann auch auf unsere Blogs zu, die ja immerhin bei wordpress.com – also bei einer amerikanischen* Firma laufen: Woher weiß ich, dass ein von mir gelöschter Artikel wirklich gelöscht ist? (* Das mit der amerikanischen Firma ist eigentlich egal, bei einer deutschen wäre es prinzipiell nicht anders.)

    • stefanolix sagt:

      Auf WordPress gibt es keine internen Nachrichten, keine »Freundschaften«, keine engeren oder weiteren Nutzerkreise. WordPress ist kein »soziales Netzwerk«. Sicher ist es interessant, was ich mir auf WordPress anschaue, was ich in meinen Artikeln für Links setze oder welche Blogs ich öffentlich gut finde. Aber was in dieser Beziehung mit meinem Profil verbunden wird, kann ich ja durch mein Verhalten selbst steuern.

  3. Frank sagt:

    Dass WordPress etwas anderes ist als Facebook, ist mir auch schon aufgefallen – das Gegenteil wäre nicht sehr löblich für mich :-)

    Naja – mal im Ernst: Mir fiel Dein Satz auf

    Was geschieht mit (anscheinend) gelöschten Daten?

    Wenn ich bei WordPress einen Text verfasse, den ich am nächsten Morgen wieder lösche, weil er mir z.B. jemandem gegenüber als beleidigend erscheint – ist er dann wirklich gelöscht? Ich habe genau wie bei Facebook keine Kontrolle darüber. Auf irgendeiner Festplatte eines Servers wird er zumindest als Backup noch eine Weile vorhanden sein und könnte so wieder das Licht der virtuellen Welt erblicken.

    Natürlich ist es ein Unterschied, ob man das bei Facebook ganz bewusst nicht löscht und fröhlich weiter verwendet oder ob von WordPress versehentlich mal eine alte Festplatte auftaucht (was außerdem anscheinend noch nie passiert ist). Aber ausschließen kann ich es in beiden Fällen nicht.

    Ich sehe keinen Grund zu der Annahme, dass der Datenschutz bei Google eine höhere Wertigkeit hat als bei Facebook. Mag sein, dass man bei Google die Oberfläche ergonomischer gestaltet und dass dadurch die Einstellungen besser zu finden sind.

    Eine übersichtlichere Oberfläche, bei der man Einstellungen besser findet, ist schon ein Zeichen für Nutzerfreundlichkeit und für Transparenz. Du bist ja nicht bei Facebook und kannst daher nicht wissen, wie kompliziert die Menüstruktur dort zeitweise schon war. Wenn die bedenklichen Funktionen dort erst ganz tief unten zu finden sind und dann beschönigende Namen und keine Erklärung haben, dann ist es schon ein Unterschied, ob man bei der Konkurrenz alles in übersichtlich gehaltenen Menüs mit eindeutigen Namen und sogar noch mit dazu abrufbaren Erklärungen findet.

    Hat der Datenschutz bei Google eine höhere Wertigkeit als bei Facebook? Immerhin erklärt die eine Firma ausdrücklich alle Funktionen und hat bislang noch keine bekannten Missbrauchsfälle (obwohl sie weltweit von sehr vielen Menschen kritisch beobachtet wird) und die andere Firma erklärt kaum etwas und hat bereits sehr deutliche Missbrauchsfälle. Da sehe ich schon einen Unterschied.

    Ich will auf keinen Fall eine Firma in den Himmel heben. Gegenüber Firmen – vor allem wenn sie große Marktanteile besitzen – sollte man immer kritisch sein. Aber ich sehe in der Beziehung „Datenschutz und Transparenz“ durchaus einen Unterschied zwischen Google und Facebook.

  4. […] Jahre nicht klüger. Ich würde mich ja schon aus Prinzip von einem Unternehmen fernhalten, das gegenüber seinen Nutzern und gegenüber der Öffentlichkeit so intransparent […]

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