Suspendiert

In Zettels Raum ist ein Artikel des Co-Autors Herr zur Suspendierung einer jungen Vikarin erschienen. Sie hatte einen muslimischen Mann geheiratet. Viele Kommentatoren scheinen ihm Recht zu geben. Grund genug für einige eigene Gedanken.

Wie hätten wir reagiert, wenn es ein junger Mann aus Israel gewesen wäre? Hätte es eine Rolle gespielt, ob er moderat oder orthodox oder überhaupt gläubig ist?

Wer darf so etwas eigentlich prüfen?

Wie hätten sie denn in dieser Landeskirche reagiert, wenn die Vikarin einen pro-forma-Christen geheiratet hätte, der seit Jahren keine Kirche mehr von innen gesehen hat, aber immer noch pünktlich Kirchensteuer zahlt? Oder einen internen Kirchenkritiker? Oder einen richtig scheinheiligen Heuchler vor dem Herrn?

In einem Bericht auf »evangelisch.de« wird der zuständige Vertreter der Landeskirche zitiert:

Hoesch wies darauf hin, dass der Ehepartner eines Pfarrers oder einer Pfarrerin laut württembergischen Kirchenrecht grundsätzlich evangelisch sein müsse, da die Notwendigkeit bestehe, dass der Partner den Dienst aktiv unterstütze. Erfahrungen mit einer Ausnahmereglung hätten gezeigt, dass „selbst bei hoher Reputation eines nichtchristlichen Ehepartners die Belastungen des Pfarramts nicht durchhaltbar waren“.

»Grundsätzlich« heißt in der Sprache der Juristen, dass es Ausnahmen gibt. Es gibt viele Konstellationen, in denen es funktionieren kann, obwohl es zum ersten Mal ausprobiert wird. Es gibt auch Konstellationen, in denen es völlig schief läuft, obwohl vielleicht sogar beide Eheleute aus einer Pfarrersfamilie kommen.

Ich denke es sollte von der Gemeinde abhängig gemacht werden, in der sich die spätere Pfarrerin um eine Pfarrstelle bewirbt. Wenn sie die Gemeinde überzeugen kann — warum sollte sie keine gute Pfarrerin werden können?


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14 Responses to Suspendiert

  1. Laut 1 Kor. 7,12-16 ist eine Ehe zwischen einem christlichen und einem anders- oder überhaupt nicht gläubigen Partner durchaus möglich. Mich wundert, daß das kirchlicherseits anders gesehen wird; die Möglichkeiten der Auslegung sind doch gerade in dieser Perikope nicht übertrieben groß.

    • stefanolix sagt:

      Die Ehe zwischen einem normalen Gemeindemitglied und einem Partner anderer Religion ist ja immer möglich. Hier geht’s nur um die Berufs-Chancen der Vikarin bzw. künftigen Pfarrerin.

      Ich bin der Überzeugung, dass eine solche Konstellation in manchen Gemeinden durchaus segensreich sein kann, wenn der Partner z.B. integrierend auf die muslimischen Bürger im Gemeindegebiet wirkt.

      Selbstverständlich sind auch Probleme denkbar. Aber die Landeskirche hat offensichtlich den Einzelfall gerade nicht geprüft, sondern formaljuristisch entschieden.

  2. Zettel sagt:

    Lieber Stefanolix,

    mögen Sie Ihren Kommentar nicht in Zettels kleinem Zimmer bringen?

    Zu Ihrem letzten Punkt eine Frage: Wenn jemand erst einmal ordiniert ist – hat er (in diesem Fall sie) dann nicht einen Anspruch, von der Kirche beschäftigt und also als Pfarrer eingesetzt zu werden?

    Herzlich, Zettel

    • stefanolix sagt:

      Soweit mir bekannt ist, kann ein Pfarrer nicht als Pfarrer eingesetzt werden, wenn ihn die Gemeinde nicht haben will. Ob es einen Anspruch auf (diese oder eine andere) Beschäftigung gibt, weiß ich leider nicht.

      • Zettel sagt:

        „Soweit mir bekannt ist, kann ein Pfarrer nicht als Pfarrer eingesetzt werden, wenn ihn die Gemeinde nicht haben will. Ob es einen Anspruch auf (diese oder eine andere) Beschäftigung gibt, weiß ich leider nicht.“

        Und warum, lieber und sehr geschätzter Sfefanolix, führen Sie dieses Diskussion nicht mit dem Autor Herr selbst?

  3. Zettel sagt:

    Lieber Stefanolix,

    ich verstehe das, ehrlich gesagt, nicht. Sie sind ein (nebenbei: Ein von mir außerordentlcih geschätztes) Mitglied im kleinen Zimmer,

    Wenn Sie Herr kritisieren – warum zum Geier tun Sie das nicht mit offenem Visier im kleinen Zimmer?

    Er kann dann doch antworten.

    Herzlich, Zettel

    • stefanolix sagt:

      Ich habe den ganzen Tag darauf gewartet, im „Kleinen Zimmer“ antworten zu können. Meine beiden Kurzkommentare hier konnte ich in einer kurzen Pause ohne Eingabe eines Passworts schreiben. Im „Kleinen Zimmer“ muss man sich anmelden, um kommentieren zu können. Das wollte und konnte ich in der Umgebung nicht tun, in der ich heute gearbeitet habe. Ich habe kein Vertrauen zum dortigen Netz.

    • stefanolix sagt:

      In der Sache möchte ich aber hier noch hinzufügen, dass ich den Autor und Kommentator Herr sehr schätze.

      Mein Artikel von gestern abend enthält eine Kernfrage an mich (und andere): Wie hätte sich der Fall in anderer Konstellation dargestellt? Diese Frage möchte ich stellen dürfen, ohne dass auch nur ein Hauch eines persönlichen Angriffs auf Zettels Raum oder Herr darin enthalten ist.

      • Zettel sagt:

        Lieber Peter Macheli,

        freut mich, daß es Ihnen gefällt – auch wenn ich Ihre Wortwahl etwas, sagen wir, schräg und absonderlich finde. ;-)

        Herzlich, Zettel

  4. Peter Macheli sagt:

    Ein putziges kleines Biotop haben Sie sich da geschaffen, Herr Zettel. Das Internet bietet doch für jede noch so schräge Absonderlichkeit Raum.

    Wieder weg,

    Peter Macheli

  5. Zettel sagt:

    Lieber Stefanolix,

    ich hatte das genau so verstanden, wie Sie es erläutert haben, und Sie deshalb eingeladen, den Beitrag im kleinen Zimmer zu schreiben.

    In unserer Wertschätzung für Herr sind wir uns einig; und ich bin – vermute ich – mit Herr einig darin, daß wir Sie außerordentlich schätzen.

    Herzlich, Zettel

    • stefanolix sagt:

      Was natürlich einschließt, dass wir in bestimmten Fragen auch unterschiedliche Meinungen haben können ;-)

      Mir gefällt einfach der Umgang mit dieser Vikarin nicht. Ich kann die formaljuristische Argumentation gut nachvollziehen: Das Kirchenrecht ist so, wie es ist. Es muss exekutiert werden. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass die Kirchenverwaltung damit der Kirche (als Gemeinschaft der Gläubigen) eher geschadet als genutzt hat. Zumal es ja offenbar schon eine Ausnahme gegeben hat.

      Viele Atheisten oder andere kirchenferne Menschen hier im Osten sagen: »Was geht mich das an?«, wie z.B. der Herr Macheli mit seinen gut fundierten Ausführungen zum Thema Konfirmation.

      Aber mich geht das eben etwas an und deshalb habe ich ein wenig darüber nachgedacht.

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