Krankenhaus-Entscheid (Argument 4)

LINKE und SPD betreiben mit ihren Plakaten eine FUD-Kampagne. Die Abkürzung FUD steht — übersetzt — für »Furcht, Unsicherheit und Zweifel«. Man bezeichnet eine Argumentationslinie als FUD, wenn sie bei den Wählern oder bei den Kunden das Gefühl hervorrufen soll: Beim Angebot der anderen Seite wird uns etwas ganz Schlimmes passieren.

Die SPD stellt uns beispielsweise vor die Wahl: Wenn Sie JA sagen, dann bekommen Sie Gesundheit. Wenn Sie mit NEIN stimmen, dann drohen »blutige Entlassungen«. Als ich fassungslos vor dem Plakat stand, dachte ich: Mit diesem Argument kommen sie bei der nächsten Landtagswahl ganz bestimmt auf keinen grünen Zweig. Ich merke mir sowas ;-)

Weiter im FUD-Angebot: die Zwei-Klassen-Medizin. Was für ein höherer Blödsinn! In Sachsen gibt es eine Ein-Klassen-Medizin für über 90% der Versicherten; sie wird unter anderem in diesen beiden Krankenhäusern zur Verfügung gestellt.

Ja, es gibt auch ein paar wohlhabende Privatversicherte. Aber für fünf Prozent der Bevölkerung wird doch kein privater Investor die Krankenhäuser DD-Neustadt oder DD-Friedrichstadt in ein Zwei-Klassen-Krankenhaus mit einer ominösen »Ersten Klasse« umwandeln! Und die Stadt natürlich erst recht nicht: Wir als gesetzlich Versicherte werden garantiert nicht »zweitklassig« werden, wenn die Krankenhäuser als GmbH im Eigentum der Stadt organisiert sind.


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15 Responses to Krankenhaus-Entscheid (Argument 4)

  1. tsetse sagt:

    deine taktik ist jetzt auch nicht gerade besser: einlullen. von argumenten keine spur.

    • stefanolix sagt:

      Das stimmt nicht. Ich analysiere die Aussagen der Plakate. Wenn mir jemand schlüssig erklärt, auf welche Weise alles außer einem JA zur Zwei-Klassen-Medizin in diesen beiden Krankenhäusern führen soll, dann gehe ich gern auf die Argumente ein.

      Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Krankenhäuser ändern sich nicht. Mit einer gGmbH im Eigentum der Stadt ist keine Verschlechterungen gegenüber dem heutigen Zustand zu befürchten. Eine Schließung droht auch nicht. Insofern bin ich für den Abbau doppelter Strukturen, für eine bessere Handlungsfähigkeit und für ein Ende der Konkurrenz zwischen diesen beiden Einrichtungen.

  2. David sagt:

    Wo liegt jetzt der Unterschied zur Argumentation der Befürworter der Privatisierung? Wenn nicht Privatisiert wird, gehen die Krankenhäuser vor die Hunde ist der Tenor.

    Wie und vor allem warum nur eine andere Rechtsform die defizite reduzieren kann, dass konnte bisher keiner erklären.

    • stefanolix sagt:

      Der Unterschied liegt darin, dass man die Verluste heute schon in Millionen Euro messen kann. Ich bin dagegen, dass die Stadt diese Verluste ausgleicht.

      Die Krankenhäuser müssen sich aus den Einnahmen tragen, die ihnen durch die Krankenkassen erstattet werden. Die Krankenhäuser müssen dafür wirtschaftlicher arbeiten und schneller entscheiden können. Offensichtlich können sie das in der Form zweier Eigenbetriebe nicht.

      Es ist ja nicht so, dass mit dem Übergang in eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt Dresden der Totalausverkauf und der totale Zusammenbruch droht — siehe DREWAG und Stadtentwässerung, die nachhaltig und wirtschaftlich funktionieren. Früher waren solche Unternehmen auch kommunale Eigenbetriebe. Vermisst das jemand?

      • DREWAG (ab 2013 wieder zu 100% in kommunaler Hand, momentan gehören 35% der EnBW und „wir“ kaufen diese Anteile gerade zurück….) und Stadtentwässerung erhöhen in finanziellen Notlagen einfach die Gebühren.

        Was macht ein Krankenhaus?
        Es empfiehlt in der Schwangerschaft zum Beispiel bessere Diagnostik auf Grund einer im Kindergarten der Geschwister aufgetretenen Röteln-Welle. Glücklicherweise ist diese Diagnostik eine IGEL-Leistung und von der Schwangeren selbst zu bezahlen, so dass die Krankenkasse mit ihren Pauschalen da nicht reinfunkt. Hat natürlich nichts mit Zwei-Klassen-Medizin zu tun, die 70 Euro hat schließlich jeder.

      • Antifa sagt:

        Deine Antwort beantwortet doch seine Frage überhaupt nicht?

      • stefanolix sagt:

        @Peter: Auf jeden Fall ist die Rechtsform einer GmbH anstelle eines Eigenbetriebs für Unternehmen der elementaren Daseinsvorsorge (Wasser, Abwasser, ÖPNV) geeignet. Ich sehe niemanden, der davon Nachteile hätte.

        Bist Du ganz sicher, dass ein Krankenhaus in Trägerschaft einer städtischen gGmbH so einfach IGEL (privat gezahlte Gesundheitsleistungen) anbieten darf? Wie soll das abgerechnet werden?

        Auf jeden Fall liegt Problem mit diesen Röteln-Tests nicht in der Krankenhaus-Rechtsform gGmbH, sondern in der Bezahlung oder Nichtbezahlung von Leistungen durch die Gesetzlichen Kassen. Darüber wird aber das Dresdner Wahlvolk nicht entscheiden!

        Es wird darüber entschieden, ob die Mittel der Gesetzlichen Kassen in Zukunft effizienter eingesetzt werden — oder ob wir weiterhin Millionen-Defizite aus der Stadtkasse ausgleichen müssen, weil sich zwei Krankenhäuser weigern, zu fusionieren …

        @Antifa: Soll ich meinen Kommentar so umformulieren, dass ein korrekter Antwortsatz daraus wird? ;-)
        Ich denke, man versteht es auch so. Wer es nicht versteht, darf gern nachfragen.

  3. FGoenther sagt:

    Bestimmung des Röteln-Immunstatus ist KASSEN-Leistung, Bestandteil der Mutterschaftsvorsorgerichtlinien der gesetzlichen Kassen und hat mit IGEL nicht das Geringste zu tun. Auch kann sich jede Frau bereits vor einer Schwangerschaft den Immunstatus bestimmen lassen – Kassenleistung im Rahmen der Kontrazeptionsberatung und bei unzureichender Immunlage auf gegen Röteln impfen lassen – ebenfalls Kassenleistung. Bei (ausschließlichen) Impfungen wird nicht mal die Praxisgebühr fällig.

    • Es geht nicht um Bestimmung des Röteln-Immunstatuses und es geht auch nicht um vorbeugendes Impfen. Es ging um Möglichkeiten, wie Ärzte ihre Patienten subtil zum Inanspruchnehmen von IGEL-Leistungen drängen können.
      Dann nenne es zum Beispiel Ringelröteln (Symptome ähnlich, Impfung nicht möglich) und bringe es in Verbindung mit der völlig normalen Sorge werdender Eltern um Gesundheit des heranwachsenden Kindes. Ist natürlich völlig aus der Luft gegriffen, komischerweise allein im Bekanntenkreis mindestens fünfmal aufgetreten. Und wie gesagt, es soll nur ein Beispiel sein.

      • stefanolix sagt:

        Lieber Peter Macheli, ich will doch überhaupt nicht bestreiten, dass es IGEL gibt. Ich mache mir auch meine Gedanken über die Anwendung dieser Leistungen.

        Aber man muss doch unterscheiden, ob diese Leistungen in einer privaten Arztpraxis oder in einem Krankenhaus angeboten werden.

        Die Stadt Dresden als Eigentümerin der Krankenhäuser entscheidet (im Rahmen des geltenden Rechts), ob IGEL angeboten werden dürfen oder nicht. Das kann sie sowohl im Eigenbetrieb als auch in einer gGmbH tun.

        Mein persönliches Fazit: Beim Krankenhaus-Entscheid geht es definitiv nicht um den Einsatz dieser Leistungen in den beiden städtischen Krankenhäusern.

        Eine private Arztpraxis macht ihren Kunden Angebote. Die Kunden müssen nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden, ob sie diese Angebote annehmen wollen.

        Grundsätzlich haben wir in Deutschland im weltweiten Vergleich ein vorbildliches Gesundheitssystem, in dem sehr viele Behandlungen von den Kassen bezahlt werden – übrigens für jeden Versicherten, vom ALG-II-Empfänger bis zum Gutverdienenden an der Bemessungsgrenze. Das ist für mich die größte soziale Errungenschaft dieses Landes und ich verstehe nicht, warum das so oft schlechtgeredet oder negiert wird.

        IGEL sind also oft nur wünschenswerte Zusatzleistungen in einem recht guten Gesundheitssystem. Natürlich gibt es ein Informationsgefälle zwischen Arzt und Patient. Der Patient muss sich möglichst gut informieren. Aber das ist ja nicht unmöglich.

        Es wäre wirklich mal zu hinterfragen, warum so viele Leute alles Erdenkliche über Mode, Smartphones, Autos oder ihre Hobbies in Erfahrung bringen, sich aber kaum um Informationen über Körper und Gesundheit kümmern.

      • FGoenther sagt:

        Tschuldigung Herr Macheli, aber sie schrieben ausdrücklich von Röteln. Das die Bestimmung der Antikörper gegen Ringelröteln – Sie können auch Zytomegalie, Toxoplasmose und Windpocken hinzufügen – IGE-Leistungen sind, ist eine ganz andere Baustelle.
        Ich halte sie im Verdachtsfall bei Schwangeren jedenfalls für sinnvoll – oder wollen Sie einer Frau sagen, sie solle sich mal keinen Kopf machen, wenn sie in der Schwangerschaft den Verdacht äußert, sie habe mit Ringelröteln möglicherweise Kontakt gehabt ? Ich nicht – auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Schadens für das Kind im Mutterleib im Promillebereich liegt, kann so was sehr teuer werden. Fragen Sie den Anwalt Ihres Vertrauens, was da zu holen ist. Da sind die 20 bis 25 Euronen, die so eine Laboruntersuchung kostet Peanuts – wenn man zudem beobachtet, was Frauen so für Nails, Piercing, Tattoo, lila Haarschopf und Flatrate locker abdrücken.
        Ich will jetzt hier keine OT-Diskussion über IGEL aufmachen, aber Ihr Beitrag schien mir symptomatisch dafür zu sein, wie in die Diskussion über die ökonomischen, sozialen und gesundheitspolitischen Folgen einer Fusion von Kraneu und
        Krafrie unter dem Dach einer GmbH mit Parolen Stimmung gemacht wird.

      • FGoenther sagt:

        Ich werde jedenfalls mit NEIN stimmen – nicht weil mich die roten Plakate – die Stefanolix m.E. richtig als Stimmungsmache bewertet hat – aufregen, sondern aus der Einsicht, daß KraNeu und KraFrie als eigenständige KH der Stadt – nicht zu vergessen mit der Konkurrenz Uniklinikum, Diako, Josephstift und den für den Randbereich nicht unwesenlichen Elblandkliniken (GmbH), Rhoenklinken Freital, Aesklapeios Sächs.Schweiz usw. im Rücken – unwirtschaftlich agieren und aus den Puschen kommen müssen. Wenn ich sehe, daß z.B. im Neustädter KH einzelne Fachrichtungen top und überlaufen sind, während Friedrichstadt in diesen Disziplinen so vor sich hindümpelt – wobei es in anderen Klinikbereichen genau umgekehrt ist, denke ich, daß da eine Umstrukturierung unter einem gemeinsamen Dach unumgänglich ist – auch im Sinne der Mitarbeiter. Komischerweise hat sich auch noch niemand darüber aufgeregt, daß schon Teile die allg. Patientenversorgung geoutsoursed oder wie Radiologie, Strahlentherapie, Onkologie oder Nuklearmed., Pathologie, einzelne Laborbereiche privatisiert worden sind.
        privatisiert worden ist

      • Es ist schon schwierig mit der Kommentiererei, wenn man immer nur wenig Zeit hat.
        Die IGEL-Leistungen erwähnte ich im Zusammenhang mit der Zwei-Klassenmedizin, sicherlich definiert das aber jeder für sich anders. Wie die Abrechnung im Krankenhaus erfolgt, weiß ich nicht, könnte mir aber geschicktes Einsetzen/Abrechnen durchaus vorstellen, bzw wäre darüber nicht erstaunt.

        Wir haben hier ein vorbildliches Gesundheitssystem, das es aber zu verteidigen gilt. Ich kann keine Verbesserung durch eine Änderung der Rechtsform erkennen, sehr wohl aber Risiken. Bisherige Entscheidungen im Stadtrat (Verkauf Woba, DREWAG) bestärken mich darin.

        Wenn eine Zusammenlegung der KH sinnvoll ist (aus meiner Sicht auf jeden Fall) – warum macht die Stadt das nicht, bisher gehören ihr die Häuser und diese Entscheidung dürfte daher bereits jetzt und auf der Stelle möglich sein.

        Ob das Outsourcen sinnvoll war, steht auf einem anderen Blatt, FGoenther. Am Ende waren das Bereiche, die durch Einnahmen auch „Quersubventionierungen“ ermöglicht hätten, zB Laborbereiche sind meines Wissens häufig recht profitabel. Am Ende wird der gGmbH-Teil ja auf die Notfallaufnahme zurechtgestutzt, macht dann dauerhaft Verluste und vor der Schließung kauft Dresden das Ding für Unsummen mal wieder zurück, weil man’s braucht.

        Ich verabschiede mich aber hier aus der Diskussion, ich habe dafür leider keine Zeit.

  4. randOM sagt:

    Nanu, noch gar nichts zu den „Geheimgutachten“?
    Meine Entscheidung steht fest. Ich beuge mich FUZ – Furcht, Unsicherheit und Zweifel – und stimm mit JA!

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