Much Ado about Not(h)ing

Das Medienblog »Flurfunk« aus Dresden berichtet über die politische Aufregung um eine vermutlich manipulierte Online-Umfrage zur Wahl des neuen Bundespräsidenten. Reden wir zuerst über mögliche Ursachen und dann über ein weiteres Beispiel für das Versagen des Journalismus.

Solche Online-Umfragen können ja beliebig manipuliert werden: Entweder man bringt viele Leute dazu, die Umfrage aufzurufen und »dafür« oder »dagegen« zu sein. Oder man manipuliert die Umfrage mit einem kleinen Script, das automatisch viele Male »dafür« oder »dagegen« aufruft.

Für die (wahrscheinlich) manipulierte Umfrage beim MDR sind zwei Erklärungen möglich: Viele Leute aus einer bestimmten politischen Richtung wurden auf die Umfrage aufmerksam gemacht, haben den folgenlosen »Klick gegen Gauck« und gegen das »System der etablierten Parteien« ausprobiert und sich nachher ganz groß gefühlt. Gleichzeitig könnten einige Nutzer gegen Joachim Gauck sein, die eine technische Hürde bei so einer einfachen Umfrage leicht umgehen können.

Der Flurfunk-Autor erwähnt als eine mögliche Ursache für das merkwürdige Kippen des Meinungsbildes den Verweis auf die Umfrage in »Fefes Blog« Wenn man »Fefe« (Felix von Leitner) seit den Zeiten der technischen Newsgroups kennt, dann kennt man auch sein Talent zum Polarisieren. Wenn man sein Blog seit den ersten Tagen liest, dann weiß man: Das Interesse seiner Leserschaft an den Links auf seinem Blog hat schon so manchen Server in die Knie gezwungen. Sein Blog zählt zu den Blogs mit den größten Besucherzahlen.

Felix von Leitners Position in der Bundespräsidentenfrage war von vornherein eindeutig: Neuer Bundespräsident soll der Kabarettist Georg Schramm werden. Er ist außerdem dezidiert gegen alles, was für ihn in irgendeiner Weise liberal oder konservativ aussieht. In der Vergangenheit gab es auf seinem Blog durchaus schon den offenen Hinweis an seine Leserschaft: Klickt doch mal da oder dort, das Ergebnis müsste sich doch drehen lassen.

Oh und wo wir gerade bei Umfragen sind: Die Süddeutsche fragt nach „Polit-Stars 2009“ und die aktuelle Auswertung geht zwar im Großen und Ganzen in die richtige Richtung, mit den ganzen Gruselpolitiker im roten Bereich, aber da geht noch was. Bei Westerwelle finden z.B. nur 63%, dass er völlig versagt habe, bei Merkel gar nur 53%. Hier könntet ihr helfen, die Realität genauer zu modellieren. (Quelle)

Der Eintrag zur MDR-Umfrage liest sich für mich als langjährigen Leser des Fefe-Blogs wie eine Aufforderung ohne Worte — wenn man die Vorgeschichte seiner Äußerungen zu Umfragen, zu Joachim Gauck und zu Georg Schramm kennt.

Aber auch ohne solche Überlegungen kann ist diese Umfrage journalistisch völlig wertlos. Und jetzt kommen wir zum Versagen des Journalismus. Der »Stern« schreibt beispielsweise ernsthaft über eine Umfrage der »Ostsee-Zeitung«:

In einer Onlineumfrage der Zeitung verneinen 73 Prozent der Nutzer die Frage, ob Joachim Gauck der richtige Bundespräsident sei.

Wie wir gesehen haben, können Umfragen binnen kurzer Zeit manipuliert werden. Das Ergebnis ist in keiner Weise repräsentativ — eigentlich weiß jeder, dass es völlig wertlos ist. Trotzdem wurde diese Online-Umfrage der »Ostsee-Zeitung« am Montag und Dienstag in den Medien als Indiz für eine Stimmung gegen die Nominierung von Joachim Gauck zitiert. Für mich gibt es nur zwei Schlussfolgerungen: Online-Umfragen sind den Klick nicht wert. Und Artikel über Online-Umfragen sind das Papier nicht wert.


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41 Responses to Much Ado about Not(h)ing

  1. E-Haller sagt:

    …und Artikel über Artikel über Online-Umfragen nicht den Webspace!?
    ;)

  2. Frank sagt:

    Zu dieser MDR-Umfrage kann ich nur anmerken: Da Gauck doch nun einmal per Definition der „Bundespräsident der Herzen“ ist, kann dieser Anti-Gauck-Balken schon deshalb nicht so lang sein. Das wäre ja ein Widerspruch in sich. Völlig richtig also vom MDR, diese spontan entstandene Anomalie wieder zu löschen!

    So und nun im Ernst: Mir sind sowohl der MDR, die Ostsee-Zeitung und die gefühlten Tausend täglichen Online-Umfragen herzlich egal. Am aller herzlich egalsten ist mir allerdings der angebliche Bundespräsident der Herzen, also Herr Gauck. Ich hätte lieber den erstbesten, willkürlich an der nächsten Straßenbahnhaltestelle ausgewählten Menschen als Bundespräsidenten gesehen. Begründung? Keine. Ich kann Gauck schlicht nicht leiden. Aber selbst das ist letztlich egal, da dieses Amt ohnehin überflüssig ist. Soll er halt BP sein – immer noch besser, als wenn man uns nun wieder monatelang mit dem Unfug der nächsten BP-Wahl belästigt hätte.

    • stefanolix sagt:

      Monatelang kann die Diskussion nur laufen, wenn die Wahl turnusmäßig ansteht. Nach einem Rücktritt muss ja innerhalb von 30 Tagen ein neuer Präsident gefunden werden. Oder meinst Du gefühlte Monate? ;-)

  3. E-Haller sagt:

    Das Online-Umfragen nicht repräsentativ sein KÖNNEN, ist wohl der Mehrheit von uns klar. Schlimm ist wirklich nur, dass die Medien dies nicht wahrhaben wollen und daraus dann doch noch Inhalte generieren… Aber Meinungsumfragen, die einigermaßen repräsentativ sind, kosten eben Geld (Geld, das klassischen Printmedien immer weniger zur Verfügung steht) – das ist der ganze Grund.

    Im Übrigen ist das kein „ostdeutsches Problem“, wie man aufgrund der aufgezeigten Beispiele meinen könnte. Man beachte folgende Umfrage: http://bit.ly/vZmlJt zur Bürgermeisterwahl in Frankfurt (rechte Seite). Der Aufruf zum Abstimmen für die PARTEI findet sich hier: http://bit.ly/z1VmYz

    • stefanolix sagt:

      [Der Kommentar hing in der Warteschleife.]

      Ich sehe es noch aus einer anderen Perspektive: Mit Umfragen generieren die Online-Ausgaben der Zeitungen viele Klicks. Mit vielen Klicks kann man Besucherzahlen nachweisen und letztlich ein wenig Geld verdienen.

      Wenn die Umfrage von einer Zeitung oder von einem öffentlich-rechtlichen Sender veranstaltet wird, wird sie vermutlich von anderen Medien reflexartig für »valide« gehalten.

      Nein, ich hatte es auch keinesfalls für ein ostdeutsches Problem gehalten. Der »Stern« (hält sich ja gern für journalistisch relevant) hat die Umfrage doch auch für bare Münze genommen. Und ich möchte nicht wissen, wie viele Blogger oder Medien aus dem »Westen« auf den Zug der Empörung über den MDR aufgesprungen sind …

  4. Michael sagt:

    Wenn Ihnen das Ganze so Egal ist, warum verschwenden Sie dann 140 Worte daran?
    Interessant zu wissen wäre, warum Sie Gauck nicht leiden können. Jedenfalls befinden Sie sich da in dieser Nachbarschaft :
    http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article13882458/Partei-der-Denunzianten.html

    • stefanolix sagt:

      Michael: Es gibt viele Gründe, Joachim Gauck als Bundespräsidenten zu befürworten oder abzulehnen. Naturgemäß gibt es in dieser Frage auch erwünschte oder unerwünschte »Nachbarschaft« — bei den Befürwortern wie bei den Gegnern.

      Ich möchte nur eindeutig klarstellen, dass ich keinen Kommentator auch nur in der Nähe von Denunzianten sehe, nur weil er Vorbehalte gegenüber Joachim Gauck hat.

      Allerdings würde ich mir von Frank auch eine etwas aussagekräftigere Begründung wünschen, weil ich ihn sonst gar nicht so kurz angebunden kenne ;-)

    • Frank sagt:

      Warum sollte muss man immer begründen können, warum man jemanden leiden kann oder nicht? Möglicherweise hat es bei mir etwas damit zu tun, dass ich ganz allgemein gegenüber denjenigen ein gewisses Misstrauen hatte, die nach 89 behaupteten, sie seien vorher Bürgerrechtler gewesen, obwohl man von den meisten dieser Leute vorher noch nie etwas gehört hatte. Und das, obwohl der Buschfunk in der DDR immer recht gut funktionierte.

      Ich kann hier keine fundierte Gauck-Analyse anbieten, aber ich kann eben nur sagen, dass der Mann mir auch schon in seiner Zeit in der Gauck-Behörde irgendwie unsympathisch war. Das mag unsachlich sein, ist aber in diesem Fall einfach mal so.

      Hier noch etwas möglicherweise Unsachliches zu dm Thema: http://juergenmeyer.blogger.de/stories/2004089/

      • stefanolix sagt:

        Na ja, vielleicht hat der Buschfunk von Rostock bis Dresden eine Weile gebraucht? ;-)

        Nein, im Ernst: Die Bitte um Begründung war eher ironisch gemeint.

      • stefanolix sagt:

        Der Kommentar von »Jürgen Meyer« scheint mir zu sehr von Verschwörungstheorien befeuert zu sein.

      • Frank sagt:

        Hier noch ein Artikel zu diesem Thema:
        http://www.heise.de/tp/artikel/36/36456/1.html

        Übrigens fand nicht nur ich (nicht verlinkbar – das stellte sich in Gesprächen heraus): Hätte Gauck Stil, dann würde er den Posten nicht annehmen. Denn er wurde ja schon einmal abgelehnt. Und dazu kommt noch, dass ihn ja auch diesmal niemand so richtig wollte. Lediglich die FDP freute sich wie ein Schneekönig, weil sie der CDU eins „ausgewischt“ hatte. Das ist eine wahrlich stilvolle Politik! Naja, schön für die FDP, dass sie mal etwas zu lachen hat.

        Aber eigentlich war Gauck schon beim letzten Mal nur ein Kompromiss und wurde damals bereits von SPD/Grünen gar nicht so richtig ehrlich gewollt, die CDU war gegen ihn und falls ich mich recht erinnere, war auch die FDP beim letzten Mal gegen ihn. Und dass die LINKE und sogar die NPD gegen ihn sind, macht das Maß dann noch voll. Würde ich so in dieses Amt berufen, dann würde ich mir schon Gedanken machen, wie ehrlich die Glückwünsche und der Beifall gemeint sein können …

        http://www.heise.de/tp/artikel/36/36465/1.html

      • Rayson sagt:

        Der Kommentar von »Jürgen Meyer« scheint mir zu sehr von Verschwörungstheorien befeuert zu sein.

        Isser.

        http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-17269572.html

      • stefanolix sagt:

        In den nächsten Wochen wird uns wohl jeder Stasi-Schmutz vorgelegt werden, den die Abteilung für Desinformation vor, während und nach der Wende über Joachim Gauck produziert hat.

      • Frank sagt:

        Ich muss natürlich selbstkritisch einräumen, dass ein Verdacht, der ausgerechnet auf eine Äußerung von Peter-Michael Diestel zurückgeht, auch nicht besonders seriös klingt …

        Falls Gauck sich aber doch zu diesen Vorwürfen äußern muss, ist es wichtig, dass er nicht scheibchenweise mit einer Salamitaktik damit herausrückt ;-)

  5. Lenbach sagt:

    Seltsam: Als Gauck seinerzeit von rot-grün nominiert wurde, ist niemandem aufgefallen, daß ihn keiner wollte, im Gegenteil. Immer wurde betont, er liege in jeder Umfrage weit vorne und sei damit der wahre Präsident des Volkes. In der Zwischenzeit hat Gauck jedoch an der einen oder anderen Heiligen Kuh der Linken gerührt, und sowas kann selbstverständlich nicht ungestraft bleiben.

    Als Nicht-DDR-Bürger weiß ich nicht, wer dieser Mann ist und ob er etwas vorzuweisen hat, außer Grünen-Mitgliedschaft, aber eines ist klar: Konservative, westliche Gesellschaft geht natürlich gar nicht.

    „Hans-Jochen Tschiche, einst Pfarrer in der DDR und 1989 Gründungsmitglied des Neuen Forums, übt scharfe Kritik an der Nominierung Joachim Gaucks zum Bundespräsidenten. Das Amt sei „eine Würdigung, die er nicht verdient“.
    (…)
    Tschiche bescheinigt Gauck, dieser sei endlich „dort angekommen, wo er schon immer hin wollte – im konservativen Teil der westlichen Gesellschaft“. Aber genau dieser Teil der Gesellschaft habe den Markt entfesselt. „Die Konservativen haben die Geister gerufen, die ganze Länder in die Pleite treiben.““

    http://www.tagesspiegel.de/politik/buergerrechtler-hans-jochen-tschiche-gauck-ist-die-falsche-person/6242562.html

    • stefanolix sagt:

      Natürlich melden sich jetzt auch noch die ewigen Anhänger des »Dritten Weges«, also einer eigenständigen DDR mit ein wenig Freiheit und (was sie nicht so offen sagten) einem prinzipiell sozialistischen Wirtschaftssystem.

      Als ich in der Wendezeit ein junger und idealistischer Student war, hat mir die Idee der »Selbständigkeit in Freiheit« anfangs auch gefallen. Es wurde aber schnell klar, dass diese Lösung keine Chance hatte. Sie wurde buchstäblich abgewählt. Die Leute hätten die DDR scharenweise verlassen und wären in die BRD übergesiedelt — niemand hätte sie daran hindern können. So wäre die DDR wirtschaftlich nicht lebensfähig gewesen.

      Der zitierte Politiker Hans-Jochen Tschiche ist ein dezidierter Anhänger von Bündnissen der SPD und der Grünen mit den SED-Nachfolgern PDS und Linkspartei. Insofern kann es mich nicht wundern, dass er sich so äußert.

  6. Michael sagt:

    Was der Herr Meyer hier über Gauck und die Stasi
    http://juergenmeyer.blogger.de/stories/2004089/
    schreibt, sind üble Interpretationen.
    Das hat in Etwa die Qualität der Monologe des Fichtenmannes. ( http://hinter-der-fichte.blogspot.com/ )
    Hier
    http://www.jungewelt.de/2012/02-22/107.php?sstr=Gauck
    schreibt der Stasi-Mann, der für Gauck zuständig war.
    Das hier
    <>
    soll ihn schlecht dastehen lassen. Wenn der Aktenführer Stasimann Amthor auch nur eine ehrenrührige Sache über Gauck hätte – meint jemand, er hätte sie nicht benutzt !?
    So reicht es nur zu einer gehässigen Einschätzung am Schluß.

    Anfrage an Stefanolix :
    Wie zitiert man hier und versteckt Links hinter Worten?

  7. Michael sagt:

    Das hier … ging verloren :
    Zitat Stasi-Mann Amthor :
    „Als Gauck schon Bundestagsabgeordneter war, hat er die Gelegenheit genutzt, in unserer ehemaligen Dienststelle mehrere Stunden lang unbeobachtet seine Akte einzusehen. Das ist nachgewiesen, auch wenn Gauck gerichtlich versucht hat, dem Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel eine entsprechende Äußerung untersagen zu lassen. Gauck ging es wohl darum, sich zu vergewissern, daß keine belastenden Tatsachen in der Akte stehen.“
    Zitat Ende

  8. Rayson sagt:

    Zitat Stasi-Mann Amthor :

    Auch hier empfehle ich den oben verlinkten „Spiegel“-Artikel. Ist ja alles nichts Neues, was jetzt aufgetischt wird.

  9. Michael sagt:

    Rayson zu Zitat Stasi-Mann Amthor :
    Auch hier empfehle ich den oben verlinkten “Spiegel”-Artikel. Ist ja alles nichts Neues, was jetzt aufgetischt wird.

    Na ja, derSPIEGEL-Artikel ist von 2000, die Junge Welt von 2012.
    Und diese Einschätzung dort ist m.W. neu:

    Amthor : Das stimmt, es war ein grober Fehler unserer Dienststelle, anzunehmen, Gauck könnte geworben werden. Er ist immer ein erbitterter Gegner des Sozialismus geblieben – eine Zusammenarbeit schied daher für uns aus.

    Versuchten doch seinerzeit die Genossen über Diestel, Schnur&Cie ihm ihren eigenen Stasi-R..tz an die Backe zu schmieren.

    Frank : Ich muss natürlich selbstkritisch einräumen, dass ein Verdacht, der ausgerechnet auf eine Äußerung von Peter-Michael Diestel zurückgeht, auch nicht besonders seriös klingt …
    Falls Gauck sich aber doch zu diesen Vorwürfen äußern muss, ist es wichtig, dass er nicht scheibchenweise mit einer Salamitaktik damit herausrückt ;-)

    Wie gesagt, der Prozeß war 2000. Was muß Gauck jetzt dazu noch herausrücken?
    Aber bei der Abteilung Desinformation und Zersetzung weiß man ja nie…

    Frank : Aber eigentlich war Gauck schon beim letzten Mal nur ein Kompromiss und wurde damals bereits von SPD/Grünen gar nicht so richtig ehrlich gewollt, die CDU war gegen ihn und falls ich mich recht erinnere, war auch die FDP beim letzten Mal gegen ihn. Und dass die LINKE und sogar die NPD gegen ihn sind, macht das Maß dann noch voll. Würde ich so in dieses Amt berufen, dann würde ich mir schon Gedanken machen, wie ehrlich die Glückwünsche und der Beifall gemeint sein können …

    Ja, die Nominierung entsprang einer dollen Gemengelage.

    Frank : Und dass die LINKE und sogar die NPD gegen ihn sind, macht das Maß dann noch voll.

    Was haben Sie denn für ein Maß ? Ich würde mir eher Gedanken über Beifall von diesen Seiten machen.

    • Frank sagt:

      Was haben Sie denn für ein Maß ? Ich würde mir eher Gedanken über Beifall von diesen Seiten machen.

      Mir ging es nur darum, dass wirklich keiner wirklich für Gauck war. Aber wie schon eingangs gesagt: Ist ja letztlich egal.

      Übrigens kann es kein Argument sein, die eigene Position zu überdenken, nur weil die LINKE oder meinetwegen auch die NPD einzelne Aspekte dieser Position gelegentlich befürworten. Man muss sich nur eine beliebige Stadtratssitzung ansehen – da kommt es oft genug vor, dass Grüne, SPD, CDU, FDP mit wechselnder Verteilung bei Abstimmungen auch einmal die benötigten jeweiligen Ja- oder Nein-Stimmen von der LINKEN enthalten (die NPD fällt ja glücklicherweise nicht so ins Gewicht, stimmt aber auch immer irgendwie ab). Allein in der vorletzten Stadtratssitzung gibt es da mehrere Beispiele (von der letzten ist die Niederschrift noch nicht online).

    • Frank sagt:

      Wer übrigens Langeweile verspürt, der kann sich ja noch die lange Diskussion auf „Spiegelfechter“ zu Kampf um die Deutungshoheit der Gauck-Zitate durchlesen, wo die Gauck-Zitate noch ein weiteres Mal zerpflückt werden.

  10. Michael sagt:

    stefanolix am 23.02.12 :
    Michael: Es gibt viele Gründe, Joachim Gauck als Bundespräsidenten zu befürworten oder abzulehnen. Naturgemäß gibt es in dieser Frage auch erwünschte oder unerwünschte »Nachbarschaft« — bei den Befürwortern wie bei den Gegnern.

    Wie Recht Sie haben, kann man hier nachlesen.
    Da schießen zwei, die unterschiedlicher nicht sein können, in die gleiche Richtung, wenn auch mit unterschiedlicher Munition.

  11. Michael sagt:

    Zur Interaktion Klarsfeld – DDR-Führung in den 60er Jahren heute ein Artikel in der FASZ mit der Überschrift :
    Besuch der alten Dame

    • stefanolix sagt:

      Einfach klasse finde ich übrigens das Layout und die beiden Fotos in der Printausgabe. Die F.A.S. ist ein unbedingtes Muss auf unserem Frühstückstisch. Mindestens so wichtig wie meine selbstgekochte Marmelade.

  12. Linker sagt:

    Tja, hätte die BRD den Antifaschismus wenigstens dem Anschein nach so betrieben wir die DDR (statt Nazis zu Bundespräsidenten zu machen) hätte die Nazijägerin sich die Altnazis auf beiden Seiten vornehmen können. Das Jammern darüber kommt 50 Jahre zu spät.

    • stefanolix sagt:

      Mit einem Achtel ehemaligen NSDAP-Mitgliedern unter den Volkskammerabgeordneten ist der Anschein aber kaum noch gewahrt …

      Tatsache ist doch, dass sich weder BRD noch DDR ein neues Volk schaffen konnten. Man musste mit den (mit)schuldigen Menschen weitermachen. Warum? Weil man nicht einfach mehrere Millionen Menschen in die Abstellkammer der Geschichte sperren kann.

      Die DDR hat (unter Anleitung Stalins) sogar eine Blockpartei für die ehemaligen Mitglieder von Nazi-Organisationen geschaffen, die beim Aufbau politisch mitarbeiten wollten: die National-Demokratische Partei Deutschlands. Schritt für Schritt wurde dann die Diktatur der SED etabliert.

      In der BRD haben die »entnazifizierten« kleinen Leute ab 1949 am Aufbau eines demokratischen Rechtsstaats mitgearbeitet.

      Keiner der beiden deutschen Staaten hatte in der Frage der ehemaligen Mitglieder von NS-Organisationen irgendeinen Grund, mit dem Finger auf den anderen zu zeigen. Dass sie es trotzdem taten, ist ein Teil des Kalten Krieges gewesen.

  13. Michael sagt:

    Linker : Tja, hätte die BRD den Antifaschismus wenigstens dem Anschein nach so betrieben wir die DDR (statt Nazis zu Bundespräsidenten zu machen) hätte die Nazijägerin sich die Altnazis auf beiden Seiten vornehmen können. …

    Tja, Linker – Sie haben das

    FASZ : Die Linkspartei setzt allerdings auf denselben Reflex, mit dem schon die DDR ihren Antifaschismus inszenierte – ebenfalls mit Hilfe von Frau Klarsfeld. Denn die „Nazi-Jägerin“ verfolgte ihren selbstgestellten Auftrag 1968 tatsächlich auf recht einäugige Weise. Während sie ehemalige NSDAP-Mitglieder, die in Westdeutschland zu Amt und Würden gelangt waren, anprangerte, schwieg sie über die Nazis im Partei- und Regierungsapparat des SED-Staates.
    Dabei waren, im Zuge des deutsch-deutschen Widerstreits der sechziger Jahre, längst viele Fakten über den Verbleib ehemaliger NSDAP-Mitglieder in der DDR ans Tageslicht gebracht worden. Nachdem die SED mit ihren Enthüllungen über ehemalige Nazis in Regierung, Justiz und Wirtschaft das internationale Ansehen der jungen Bundesrepublik zu erschüttern suchte, reagierten westdeutsche Einrichtungen wie der antikommunistische „Untersuchungsausschuss freiheitlicher Juristen“ mit einer Gegenkampagne über ehemalige Nazis in der DDR. Westdeutsche Medien berichteten Mitte der sechziger Jahre ausführlich über ehemalige Nazis im SED-Zentralkomitee, im DDR-Ministerrat und in der DDR-Volkskammer. Dort saßen damals unter den 400 Abgeordneten 51 frühere NSDAP-Leute.

    wohl überlesen.
    Angesichts dieser Liste hätte Klarsfeld, auch in der DDR, eine Backpfeifenbrigade gebraucht.

    Linker : …Das Jammern darüber kommt 50 Jahre zu spät.

    Wer jammert denn im Falle Klarsfeld? Vielleicht kommt das noch.

    • stefanolix sagt:

      Und angesichts der Anmaßung, die Selbstschussanlagen und Minenfelder als »antifaschistischen Schutzwall« zu bezeichnen, obwohl sie gegen die DDR-Bevölkerung gerichtet waren, scheinen mir Ohrfeigen fast zu mild zu sein …

    • Linker sagt:

      Michael, Sie scheinen meinen Kommentar zwar zitieren zu können, aber nicht verstanden zu haben.

      Herr Stefanolix, das Problem ist doch, daß „Ihre“ F.A.S. meint, den kalten Krieg immer noch führen zu müssen, statt sich Ihre doch recht ausgewogenen Gedanken zu machen.

    • stefanolix sagt:

      Das Thema ist sehr heikel. Bereits um den einfachen Satz

      Nach der Nominierung Klarsfelds wurde im März 2012 berichtet, dass sie bei der Planung ihrer Aktionen gegen Kiesinger von der DDR-Führung unterstützt wurde.

      ist heute in der Wikipedia ein »edit-war« ausgebrochen; infolgedessen musste der Artikel geschützt werden.

  14. Michael sagt:

    Linker : Michael, Sie scheinen meinen Kommentar zwar zitieren zu können, aber nicht verstanden zu haben.

    Wieso scheinen – ich habe ihn zitiert.
    Hier noch mal Ihr Kommentar

    Linker : Tja, hätte die BRD den Antifaschismus wenigstens dem Anschein nach so betrieben wir die DDR (statt Nazis zu Bundespräsidenten zu machen) hätte die Nazijägerin sich die Altnazis auf beiden Seiten vornehmen können. …

    zum besseren Verständnis des Kommenden.
    Wenn für Sie Antifaschismus darin besteht, daß man Nazis nicht zum Bundespräsidenten macht, dann war die DDR ja fein raus. Ansonst bin ich aufgeschlossen für Erklärungen, auch was den „Anschein“ betrifft.

  15. Michael sagt:

    Hier noch Etwas zu B. Klarsfelds DDR-Relationen.

  16. Michael sagt:

    Kurz vor der BP-Wahl noch ein lesenswerter Artikel zu Beate Klarsfeld mit Hintergrundbetrachtungen.

    • stefanolix sagt:

      Ich lese es mit etwas geteilter Meinung: Natürlich ist die Jagd nach den alten Nazis notwendig gewesen. Aber auch in der DDR waren zur Zeit der »Entlarvung« Kiesingers immerhin 20% der Volkskammerabgeordneten ehemalige NSDAP-Mitglieder. Beide deutsche Staaten konnten sich nach 1949 kein neues Volk aussuchen.

      Beate Klarsfeld lebte immer in Freiheit. Und in einem freien Land ist man auch in einer wichtigen Beziehung frei: dass man von einer Diktatur kein Geld für Propaganda-Dienstleistungen annehmen muss.

      Nehmen wir an, ich sei ein deutschsprachiger Experte für die Verbrechen der Japaner im II. Weltkrieg. Zweifellos gab es diese Verbrechen und zweifellos zählten sie zu den größten Grausamkeiten der Geschichte. Aber würde ich mich von Nordkorea für öffentlichkeitswirksame Aktionen gegen Japan bezahlen lassen?

  17. Michael sagt:

    Ich wäre misstrauisch, wenn es in Ihrem Beispiel um Kollaborateure ging, welche ausschließlich in Südkorea zu finden wären.
    Aber zurück zu Klarsfeld, ich möchte noch mal drei Aspekte behandeln.
    1. Zurecht muß sie sich fragen lassen, warum sie Nazis nicht auch in der DDR jagte, aber Aktenhilfe in der DDR suchte.
    Im Artikel Unschuld in Purpur findet sich eine etwas lahme Antwort :

    Zitat Klarsfeld: „Uns ging es darum, in den Fällen aktiv zu sein, wo wir wussten, wir können die Menschen vor Gericht bringen.“

    Mit anderen Worten, an die Nazis in der DDR war kein Rankommen.
    2. Beate Klarsfeld ist als Unterstützerin Israels bekannt. Hat die konsequente Anti-Israel-Haltung der DDR sie überhaupt nicht berührt?
    3. Gysi behauptete in der Debatte, dass Beate Klarsfeld bei ihrem Engagement von den Regierungen (und Geheimdiensten) Israels, Frankreichs, den USA und der DDR unterstützt worden sei, nur nicht von der BRD, („…und darüber solle man doch bitte schön reden.“)
    Wenn das stimmt, wüsste ich gern mal einen Grund dafür. Bekanntlich gab es nach einer Aufdringlichkeit seitens der Linken in einem Berliner Kaffee ein Gespräch Klarsfeld – BND-Chef.

    Naja – morgen um diese Zeit ist diese Diskussion auch Geschichte.

  18. Michael sagt:

    Heitmann + Gauck

    In Zettels Raum
    kann man ein paar Äußerungen des sächsischen Pastors Steffen Heitmann nachlesen, deretwegen er 1994 diffamiert wurde und als BP-Kandidat zurücktrat. Weiter liest man Zettels Ansichten zu Hintergründen der ersten und zweiten Gauck-Nominierung.
    Gauck passiert heute ähnliches, weil er den Freiheitsbegriff in den Mittelpunkt stellt.

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