Motivation zur Medienkritik

In den letzten Tagen gibt es in den Dresdner Blogs interessante Beiträge aus der Rubrik »Medienkritik«. Einen davon hat Steffen Peschel geschrieben. Sein Beitrag An was sich Journalisten messen lassen müssen: Transparenz! befasst sich mit einer Seminararbeit von drei Studentinnen, die im »Flurfunk« veröffentlicht wurde. Sie hatten unter dem Titel

»Der menschenverachtende Schnapsburger« –
Möglichkeiten als Dresdener Bürgerjournalist

drei Angebote zum Mitmachen getestet, bei denen Leserinnen und Leser einer Zeitung den Medien Fotos oder Informationen bereitstellen können.

Ich finde Steffens Titel gut (auch wenn ich mit »Woran« begonnen hätte). Ich kann seine Kritik an dem Beitrag aber nicht so recht teilen. Er kritisiert zum einen, dass das Angebot der »Sächsischen Zeitung« zu kurz behandelt wird. Das mag stimmen: Die Studentinnen haben keine Reaktion der »SZ« bekommen und es steht nicht im Artikel, wie oft sie nachgefragt haben.


Allerdings habe ich den Eindruck, dass in der »Sächsischen Zeitung« kaum noch Meldungen oder Fotos aus der Leserschaft veröffentlicht werden. Vielleicht ist der »SZ-Augenzeuge« eingeschlafen?

Und selbst wenn er nicht eingeschlafen ist: Stellt sich eine Zeitung als besonders glaubwürdig dar, wenn sie auf ihren Seiten ein nicht honoriertes fremdes Werk verwendet, wo doch eigentlich die Arbeit der Journalistinnen und Journalisten hingehört?

Für mich als Blogger mit offenen Augen und gern genutzter Kamera käme es jedenfalls niemals in Frage, der »Sächsischen Zeitung« einen Text oder ein Bild zu schenken, damit sie mit meinem Werk Geld verdient.

Ich denke, dass Bloggen mit einiger Berechtigung als »Bürgerjournalismus« bezeichnet wird, während die Nutzung von Werken der Bürger in einem kommerziellen Medium eigentlich kein Bürgerjournalismus ist. Diese Wortwahl würde ich kritisieren, wenn ich die Seminar-Arbeit der drei Studentinnen bewerten müsste.


Steffen kritisiert zum anderen, dass die BILD in der Arbeit der Studentinnen am meisten Beachtung findet. Das mag an zwei großen Unterschieden gegenüber dem anderen Angebot liegen. Erstens bietet man bei der BILD einen materiellen Anreiz. Zweitens wollten die Studentinnen testen, ob ihr »Ekelfoto« in der BILD abgedruckt worden wäre. An dieser Sache sind sie drangeblieben und das war gut so.


Apropos BILD: Das BILD-Blog nimmt sich schon seit einiger Zeit auch Artikel aus anderen Medien vor, wenn diese Medien gegen die Grundsätze des guten Journalismus verstoßen. Sie haben das Thema meines Artikels über die Titelseite der »Dresdner Neuesten Nachrichten« vom Freitag heute aufgegriffen.

Nachdem jetzt einige Anfragen hereinkommen: Als ich diesen Artikel über penetrante PR für eine Automarke geschrieben habe, wollte ich damit einfach nur auf einen Missstand hinweisen — nicht mehr und nicht weniger. Ich muss zugeben: Die Profis beim BILD-Blog haben es lockerer gelöst als ich.


Ich hatte eine Schreckensvision vor Augen, die heute in der Print-Ausgabe der F.A.Z. veröffentlicht wurde: Die Stadt New Orleans wird Kürze die größte Stadt in den USA ohne täglich erscheinende Lokalzeitung sein.

Ich möchte nicht, dass es in zehn oder fünfzehn Jahren in Dresden nur noch die BILD gibt. Ich würde gern weiterhin die beiden Dresdner Zeitungen lesen, die nicht zur Boulevardpresse gehören. Aber dafür müssten sich »DNN« und »Sächsische Zeitung« wirklich sehr anstrengen und das Vertrauen der Leser neu gewinnen. In Abwandlung eines Zitats von Johann Wolfgang Goethe:

Ich hasse alle Pfuscherei wie die Sünde, besonders aber die Pfuscherei in den Medien, woraus für Tausende und Millionen nichts als Unheil hervorgeht.

Die Abwandlung des Zitats besteht einzig darin: Goethe sprach im März 1832 im Gespräch mit Eckermann über die Pfuscherei in Staatsangelegenheiten. Ich halte aber inzwischen die Pfuscherei in Medienangelegenheiten fast schon für gefährlicher. Deshalb empfehle ich zum Abschluss noch einen Artikel im »ZETTELs Raum« über den politischen Gleichklang in deutschen Medien.


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