Die Sächsische Zeitung druckt einen Bericht ab, der schon lange nicht mehr aktuell ist …

und die Redaktion hätte es besser wissen können.

Zugegeben: Ich lese Fachblogs über Medien meist eher diagonal und kann mir dafür nur recht wenig Zeit nehmen. Aber ich bin auch der Meinung: Um die Medien zu verstehen, sollte man unter anderem DWDL, das BILD-Blog und (in Sachsen) den Flurfunk kennen.

Viel zu oft findet man in den Medien falsch interpretierte Zahlen, willfährig abgedruckte PR oder aus dem Zusammenhang gerissene Informationen. Deshalb wird Medienkritik immer wichtiger.

Bei DWDL ließ mich eine Meldung von vorgestern schmunzeln: Viele deutsche Medien haben einen Agenturbericht wiedergegeben, den die dpa offensichtlich ohne zeitliche Einordnung veröffentlicht hat. Dabei haben sie übersehen, dass es sich um eine mehrere Wochen alte Meldung gehandelt hat.

Es geht dabei um einen Travestie-Star, der die Stücke der amerikanischen Sängerin Whitney Houston interpretiert hat. Sein Bild in seiner Rolle als Whitney wurde am 06. Juli bei CNN anstelle des Bildes der verstorbenen Sängerin gezeigt und am 14. Juli hat ein Boulevard-Portal die Angelegenheit publik gemacht. DWDL kommentiert:

Das Internet ist ein schnelles Medium. Nur die, die damit arbeiten, nicht immer. Am Sonntag machte eine Meldung über eine falsche Whitney Houston im deutschsprachigen Web Schlagzeilen. Dabei ist sie schon mehrere Wochen alt …


Dann geriet mir die Sache in Vergessenheit, denn es drängten Abgabetermine für diverse Manuskripte. Heute morgen habe ich mich allerdings blitzartig wieder an die DWDL-Meldung erinnert, als ich beim Frühstück die »Sächsische Zeitung« las.

Zwei Tage, nachdem die Sache im Fachblog publik wurde, druckt unsere führende Lokalzeitung den veralteten Artikel nun auch noch nach. Natürlich ohne zeitliche Einordnung des Ereignisses. Jeder Leser, der die Geschichte nicht einordnen kann, hält sie für aktuell.

Fragte nicht Harald Staun gerade erst am Sonntag in der F.A.S. in seinem Artikel »Was genau war denn früher besser?«, wann das goldene Zeitalter des Journalismus war:

[…] in jüngerer Vergangenheit, kurz vor der Erfindung des Internets, als es noch möglich war, ganze Agenturberichte wörtlich abzudrucken, ohne sich lächerlich zu machen?

Man sieht: Manche Zeitungen schaffen das heute noch. Sie merken gar nicht, wie sie sich damit erst lächerlich und dann überflüssig machen.


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