Die Dresdner Qualitätspresse gibt eine dpa-Meldung wieder. Oder: Warum wir in Dresden kein Leistungsschutzrecht brauchen.

24. September 2012

Um es ein wenig spannend zu machen: Welches der folgenden beiden Zitate stand gestern (am 24. September) auf der Titelseite der »Dresdner Neuesten Nachrichten« und welches stand am selben Tag auf der Titelseite der »Sächsischen Zeitung«?

Version 1

Weil sie Meldevorschriften nicht einhalten, werden vielen Erwerbslosen in Sachsen Arbeitslosengeld oder Hartz-IV-Leistungen gekürzt. Die Linke sieht in der steigenden Fallzahl einen Beleg für immer weiter anziehende soziale Daumenschrauben.

Sachsens Arbeitslose handeln sich mehr Leistungskürzungen ein. Bei den Hartz-IV-Empfängern stieg die Anzahl der neu verhängten Sanktionen von knapp 49.000 im Jahr 2007 auf fast 60.000 im vergangenen Jahr. Dies geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor, die von der Zwickauer Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann (Linke) angefordert wurde. Danach wurden 2011 knapp 13 Millionen Euro an Hartz-IV-Leistungen einbehalten, weil die Betroffenen Vorschriften nicht einhielten.

Version 2

Weil sie Meldevorschriften nicht einhalten, werden vielen Erwerbslosen in Sachsen Arbeitslosengeld oder Hartz-IV-Leistungen gekürzt. Die Linke sieht in der steigenden Fallzahl einen Beleg für immer weiter anziehende soziale Daumenschrauben.

Sachsens Arbeitslose handeln sich mehr Leistungskürzungen ein. Bei den Hartz-IV-Empfängern stieg die Anzahl der neu verhängten Sanktionen von knapp 49.000 im Jahr 2007 auf fast 60.000 im vergangenen Jahr. Dies geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor, die von der Zwickauer Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann (Linke) angefordert wurde. Danach wurden 2011 knapp 13 Millionen Euro an Hartz-IV-Leistungen einbehalten, weil die Betroffenen Vorschriften nicht einhielten.

Hier finden Sie die Version 1 und hier finden Sie die Version 2.


Interessant ist: Für diese Meldung findet man keine Daten und keine Quelle im Netz. So kann man aufgrund früherer Erfahrungen nur misstrauisch sein: Die LINKE ist nicht erst einmal durch eine Pressemitteilung aufgefallen, in der die Zahlen aus dem Zusammenhang gerissen wurden.

So beklagte die Linksfraktion wortreich eine Zunahme der Leiharbeit in Kindergärten, verschwieg aber geflissentlich, dass überhaupt nur ein halbes Prozent aller Beschäftigten dieser Branche in Leiharbeit tätig sind. Ich habe das damals gebührend gewürdigt: Leiharbeit im Kindergarten: Der Zahlentrick der Linkspartei:

Die Summe beträgt: 1.342.234 Beschäftigte. In der Summe dieser Beschäftigten sind insgesamt 7.338(!) Beschäftigte enthalten, die bei Leiharbeits-Unternehmen angestellt sind.

Später hat es die LINKE ein zweites Mal mit solchen Zahlenspielereien versucht. Dabei ging es um Pflegekräfte. Aber die »Süddeutsche Zeitung« war wachsam und hat die Zahlen richtig eingeordnet. Auch darüber habe ich berichtet.


Wenn die Abgeordnete Sabine Zimmermann von der Linkspartei eine Pressemitteilung zum Thema Arbeitslose herausbringt, ist also höchste Wachsamkeit geboten. Wer solche Pressemitteilungen ohne eigene Recherche abdruckt, der verbreitet sicher keine in den Zusammenhang eingeordneten Informationen.

Googelt man der Meldung hinterher, finden sich nur ganz wenige Treffer. Bei Google-News finden sich nur Hinweise auf die Provinz-Ableger der »LVZ« und die »Sächsische Zeitung«. Sind die anderen Zeitungen schon beim Copy & Paste vorsichtig geworden?

War es vielleicht die aberwitzige Konstruktion »immer weiter anziehende soziale Daumenschrauben«, die den einen oder anderen Redakteur mit einem Rest an Sprachverstand vor dem Einfügen der Meldung ins Redaktionssystem zurückschrecken ließ?


Auch in diesem Fall darf man jedenfalls vermuten, dass sich die Zahlen in ihrem Gesamtzusammenhang ganz anders darstellen: Frau Zimmermann bezieht sich auf unterschiedliche Zeiträume und es fehlen die Bezüge zur Gesamtzahl der Arbeitslosen. Die Zahlen sind nicht transparent, solange die Datenquelle (hier: die vollständige Antwort der Arbeitsagentur) nicht veröffentlicht wurde.


Ich frage mich in diesem Zusammenhang, womit die zitierten Dresdner Qualitätszeitungen ein Leistungsschutzrecht begründen wollen, wenn sie zu diesem sensiblen Thema nur eine dpa-Meldung wiedergeben, die ihrerseits nur die Wiedergabe einer Pressemitteilung (ausgerechnet) der Linkspartei ist.

Ein Leistungsschutzrecht wäre genau dann begründet, wenn sich die Dresdner Presse in den Statistiken der Arbeitsagentur kundig machen und die Zahlen für Dresden und Sachsen im Gesamtzusammenhang aufbereiten würde. Wenn sie unabhängige Experten befragen würde. Wenn sie die Arbeitsagentur befragen würde. — Und dann (aber wirklich erst dann) sollte die Presse auch Politiker nach ihrer Meinung fragen. Möglichst aus mehreren Parteien …

Wenn ich nämlich die Pressemitteilungen der Linksfraktion lesen will, kann ich direkt auf die Website der Linken gehen oder mir ein »Neues Deutschland« kaufen.



Der Somst: Übergang zwischen Sommer und Herbst (2)

23. September 2012

Vermutlich die letzten Somst-Bilder aus dem Jahr 2012 …


Ergänzung: Noch einige Libellenbilder (Klick vergrößert die Ansicht) …

Vermutlich auch die letzten Libellenbilder 2012.


Fotografien und Modelle in einer neuen Ausstellung in den Deutschen Werkstätten

20. September 2012

In der modernen Halle der Deutschen Werkstätten ist wieder eine neue Ausstellung zu besichtigen: Handwerklich perfekte Holzmodelle und beeindruckende Fotografien von zeitlos schönen Bauwerken.

Ausstellung im September und Oktober 2012.



Apfelzweig aus Hellerau

20. September 2012

Auf dem Weg zu einer Arbeit habe ich in Hellerau diesen Apfelzweig gesehen:

Apfelzweig (20.09.2012).


Eine Brunnenplastik wird saniert …

18. September 2012

Wie die Stadtverwaltung Dresden mitteilt, wird die Brunnenplastik »Der Flugwille des Menschen« morgen abgebaut und in den nächsten Jahren gründlich saniert. Mir kommen bei dieser Plastik aus den 1950er Jahren spontan eher Regentänze und der »Cargokult« in den Sinn ;-)

Cargokult oder Regentanz?

Cargokult, Regentanz oder Gymnastik zur Stärkung des Flugwillens?



Der Somst: Übergang zwischen Sommer und Herbst (1)

17. September 2012

Seit Zettel in seinem Blog den Somst gepriesen hat, wollte ich eigentlich mit Fotos aus dieser schönen Zeit des Jahres antworten. Aber es kamen unerwartet einige Aufträge herein und die Arbeit forderte ihr Recht. Gestern fand ich dann doch den Weg an zwei Somst-Orte: in den Schlosspark Pillnitz und in den Botanischen Garten.

Faszinierend ist die Vielfalt der Korbblütengewächse …

es gibt viele reifende und auch reife Früchte …

Manche Blumen haben eine Sturmfrisur …

und andere werden durchleuchtet.

Die Libellen sonnen sich nicht mehr lange …

Die Früchte des Chinesischen Apfels werden bald zu Boden fallen.

Die Disteln sind auch in diesem Jahr wieder unnachahmlich zerzaust.


Die Stadtverwaltung und ihr RSS-Feed

17. September 2012

Als interessierter Dresdner Bürger kann man die Pressemitteilungen der Stadt in Form eines RSS-Feeds lesen. Die Stadtverwaltung schreibt dazu:

Wie erfahren Sie von neuen Pressemitteilungen auf dresden.de, ohne ständig alle relevanten Seiten im Auge behalten zu müssen? Mit RSS (Really Simple Syndication) können Sie permanent und komfortabel alle neuen Artikel einsehen.

Permanent und komfortabel? Vielleicht. Aber sicher nicht aktuell. Denn die Pressemitteilungen werden regelmäßig deutlich verspätet in den RSS-Feed gestellt. Manchmal sind sie sogar zuerst in den gedruckten Zeitungen zu lesen, bevor sie in den RSS-Feed kommen. Heute morgen wurde beispielsweise folgende Meldung veröffentlicht (Screenshot):

pm_2012-09-17

Im RSS: Eine leicht verspätete Pressemitteilung …

Im Text heißt es:

Der Sommer geht zur Neige und die Wassertemperaturen laden nicht mehr zum Baden im Freien ein. Dies ist auch in den Dresdner Freibädern zu bemerken, da die Badegäste ausbleiben. Aus diesen Gründen hat sich der Sportstätten- und Bäderbetrieb schweren Herzens entschlossen, die letzten noch offenen Freibäder ab Sonntag, 16. September, zu schließen.

So konnte man es dann auch am Wochenende in der Zeitung lesen.

freibad_dnn_400

Ausriss: DNN vom 15.09.2012 (Lokalteil).

Per RSS kommt die Meldung allerdings erst heute. Vielleicht sollte man die Stadt Dresden mal darauf hinweisen, dass RSS deshalb so weit verbreitet ist, weil man damit die Meldungen wirklich aktuell abrufen kann — wenn sie nicht gerade von der Stadtverwaltung Dresden kommen ;-)


Ergänzung: Links nachgetragen.