Gentest zur Aufklärung einer schweren Straftat

Offiziell wird uns ja immer vermittelt, dass ein DNA-Test nur zur Aufklärung besonders schwerer Straftaten und nur nach einem richterlichen Beschluss eingesetzt werden darf.

Jetzt stellt sich heraus: Staatsorgane im Rot-Grün regierten NRW haben den DNA-Test sogar zur Aufklärung eines Dummerjungenstreichs unter Mitarbeitern des Öffentlichen Dienstes eingesetzt — und auf den Beschluss eines Richters haben sie dabei locker verzichtet. Aus einem Bericht des Portals »Der Westen«:

»Dezernent Herr Hellermann hat mündlich ein Vollzugshilfeersuchen an mich gestellt«, sagte Polizeidirektor Dinter. Das heißt, dass die Polizei die Rechtmäßigkeit der Probe nicht zu prüfen hatte, sondern lediglich ihr Know-how und ihr Personal zur Verfügung stellte. Die Verantwortung für die Speichelprobe liegt damit bei der Behörde.

Die Behörde hat den Gentest offiziell als »freiwillig« deklariert. — Ich sehe den Vorgang noch wesentlich kritischer als der im verlinkten Beitrag zitierte Gewerkschaftsvertreter:

Erstens kann keine Freiwilligkeit vorliegen, wenn die Speichelprobe von den Dienstvorgesetzten angesetzt wird. Von den 40 Mitarbeitern haben ganze zwei die Teilnahme verweigert und zwei weitere haben ihre Einwilligung nachträglich zurückgezogen.

Zweitens ist die Verhältnismäßigkeit der Mittel bei weitem nicht mehr gegeben — es ist auch bei freiwilliger Teilnahme ein Eingriff in unveräußerliche Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter.

Drittens ist es auch noch eine verantwortungslose Verschwendung von Arbeitszeit und Ressourcen. Die Polizei hat mit Sicherheit wichtigere Dinge zu tun, als eine Pinkel-Attacke aufzuklären.

Wenn zwei Führungskräfte nichts besseres zu tun haben, als nach einer Bagatelle solch eine unverhältnismäßige Maßnahme durchzudrücken, dann haben sie dort in Soest offenbar ein gravierendes Führungsproblem. Und die Mitarbeiter sollten sich schleunigst über ihre Rechte informieren …

Der Mitarbeiter kann sicher freiwillig seinen Speichel abgeben. Aber spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem aus den Genproben digitale Daten erfasst werden, müsste es eine gültige Rechtsvorschrift als Grundlage der Datenerfassung geben. Die würde ich gern mal sehen …


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6 Antworten zu Gentest zur Aufklärung einer schweren Straftat

  1. Damit nimmt man den Pisser doch viel zu wichtig.
    So eklig die Sache ist (und jawoll, so verboten), sollen doch bitte mal alle auf dem Teppich bleiben, schon damit der Knabe sich nichts einbildet auf seine Großtat (“Nach mir fahndet die Polizei!”).

    • stefanolix sagt:

      Wenn sie dort nicht so eine drastische Maßnahme eingeleitet hätten, würde man sich ja spontan an die »Feuerzangenbowle« erinnern: Da hat es ja auch nie etwas gebracht, so eifrig nach den »Öbeltätern« zu suchen. Aber ein Gruppengentest ist wirklich kein Spaß.

  2. Christiane sagt:

    Da bleibt nur ein Kopfschütteln, oder? So eine Verschwendung… von allem… wieviel Menschen haben sie damit beschäftigt, um Informationen einzuholen, die sie nix angehen??

    • stefanolix sagt:

      Noch eine Idee, die mir gerade kam: Hätte man von 40 öffentlich Bediensteten aufgrund eines dummen Streiches eigentlich Fingerabdrücke genommen? Und um wie viel tiefer geht ein kompletter Gentest!

      Ich fürchte, man will uns daran gewöhnen, dass dieser Eingriff in die Persönlichkeitsrechte selbstverständlich wird, vielleicht bald sogar bei Kindern, die in der Schule etwas angestellt haben könnten. Jedes Kopfschütteln und jedes Nein sind wertvoll.

  3. Christiane sagt:

    Wo kann ich unterschreiben? Da wäre ich sofort dabei!

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