Die Beschwörung des Wassers mit dem Kammerton A

Im Nachhinein ist man immer klüger: Man hätte schon aufmerksamer hinschauen müssen, als dieses Mondwasser zu Mondpreisen angeboten wurde und als es Menschen gab, die dieses Wasser auch noch gekauft haben. Was treibt Menschen dazu, einen gepfefferten Aufpreis für ein Wasser zu bezahlen, das in der Vollmondnacht in Flaschen gefüllt wurde? Der Mond ändert sich ja nicht, wenn wir mehr oder weniger von ihm sehen …


In der Stadt Münster ist man in der vergangenen Woche noch einen Schritt weiter gegangen. Dort wollte man das Wasser eines kleinen Flusses in einem »ökologischen Kulturhappening« mit Musik beschwören. Aus einem Bericht der lokalen Medien:

Die Musik des Projekts basiert auf hohen und tiefen As, ihre Schwingungen sollen über die Luft aufs Wasser übertragen werden und zur Säuberung dessen beitragen. Mit beiden Händen dirigiert Thomas Nufer die Kinder, gibt Anweisungen, welche Schule wann einsetzt, wann laut und wann leise gesungen werden soll.

Man muss sich diesen Unsinn bildlich vor Augen führen: Es handelt sich um ein Fließgewässer. Das beschworene Wasser ist einige Sekunden später schon flussabwärts abgeflossen. Das nachfließende Wasser blieb also ganz und gar unbeschworen. Welche nachhaltige Wirkung erhofft man sich für den Fluss? ;-)


In einem weiteren Bericht aus der dortigen Lokalpresse heißt es:

83 Schüler der Sekundarschule Roxel unter Leitung von Reiner von Borzyskowski (Gitarre) und Ulrich Hesselkamp (Stabspiele) flüsterten viermal den Zauberspruch »Wasser der Aa, werde klar«, während die Klassen 5A und 5D der Gesamtschule Münster in einer Prozession Sonnenblumen in die Aa warfen.
(…)
Alle haben ein Ziel und singen es kraftvoll zum dadaistisch-freejazzigen Ende heraus: »Weg mit den Kolibakterien, weg mit den Blaualgen.«

An dieser obskuren Beschwörungszeremonie am Fluss Aa nahmen auch eine Bürgermeisterin(!) und ein Vertreter des Amtes für Grünflächen- und Umweltschutz teil. Dadurch erhielt das Spektakel einen offiziellen Anstrich.

Im Zentrum des Massenhappenings standen zwei Ampullen, gefüllt mit Aa-Wasser. Wolfram Goldbeck vom Amt für Grünflächen- und Umweltschutz brachte die Proben sogleich zu einem Labor für Mikrobiologie. Mit Ergebnissen ist Anfang Oktober zu rechnen.

Sollten die Gewässerproben irgendein »Ergebnis« zeigen, wäre es eine gute Gelegenheit, mit den Schulkindern über Korrelation und Kausalität nachzudenken. Allerdings müssen das dann wohl die Eltern übernehmen, denn die Lehrer haben das Spektakel ja selbst mit organisiert. Und bei vielen Eltern frage ich mich, ob sie dazu willens und in der Lage sind.


Was mir besonders zu denken gibt: In den Berichten über die angebliche »Reinigung« des Wassers durch musikalische Schwingungen wird die organisierte Teilnahme von Kindern mehrerer Schulen erwähnt.

Wenn Schulklassen dabei waren, dürften in die Vorbereitung auch Lehrer, Schulleiter und/oder Elternvertreter involviert gewesen sein. Da wird also eine obskure Handlung offensichtlich durch staatliche Stellen und den staatlichen Schulträger unterstützt.

Eigentlich müssten aufgeklärte Lehrer, Schulleiter und Elternvertreter aber schon im Vorfeld verhindern, dass solcher Unsinn überhaupt in die Schulen getragen wird. 

Die Schüler sollen sich in der Schule mit Naturwissenschaft beschäftigen. Sie sollen die Grundlagen des Experimentierens kennenlernen und ich befürworte unbedingt, dass sie dabei auch Wasserproben entnehmen und selbst untersuchen. Ich finde es auch richtig, wenn Kinder im Rahmen ihrer Beobachtungen auf Umweltprobleme aufmerksam werden. Aber Pseudowissenschaft und obskure Praktiken dürfen in der Schule keinen Raum finden.


Um den Kreis zum Mondwasser zu schließen: Die Initiatoren des Projektes sind für rationales Denken und Naturwissenschaft ohnehin verloren. Sie sollten bedenken, dass einmal in 28 Tagen der Vollmond über dem kleinen Fluss steht. Wenn er einen Einfluss auf Mineralwasser in Flaschen hat, dann hat er ganz gewiss auch einen großen und guten Einfluss auf das Wasser der Aa. Damit er ungehindert auf das Wasser scheinen kann, sollte man alle Brücken abreißen ;-)

Es steht dem Künstler völlig frei, mit Privatleuten zu singen und zu musizieren — meinetwegen, bis der Fluss sich dagegen wehrt und über die Ufer tritt. Aber Schulklassen, Lehrer (in ihrer beruflichen Funktion) und Repräsentanten der Kommune (in Ausübung ihres Amtes) haben dabei nichts zu suchen. Zettel resümiert in seinem Blog:

Sie werden sich wohlfühlen, diese Abergläubischen und Wissenschaftsfeindlichen, diese von ihren LehrerInnen mit Dummheit und Pseudowissenschaft indoktrinierten SchülerInnen; sich wohlfühlen in einem Land, in dem der Obskurantismus längst nicht mehr in den Nischen der Gesellschaft zu finden ist, sondern zunehmend in die Medien vordringt, in die Schulen und ins Bürgermeisterbüro der Christdemokratin Reismann.


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40 Responses to Die Beschwörung des Wassers mit dem Kammerton A

  1. Das ist ja gruselig. Ich hoffe, die Sektenbeauftragte des Bistums Münster, Brigitte Hahn, spricht mal ein paar Takte mit Lehrern und Schülern.

    • stefanolix sagt:

      Ich glaube nicht, dass diese Aktion der Katholischen Kirche gefährlich werden kann ;-)

      Eine Gemeinschaft im Sinne einer Sekte scheint sich dort nicht zu bilden. »Sekte« bedeutet ja im Wortsinn: organisierte Abspaltung (Abtrennung) einer Gemeinschaft von der eigentlichen Religionsgemeinschaft.

      Eine einmalige obskure Aktion begründet IMHO keine Sekte.

      • Das nicht, aber solche Aktionen machen für weitere Obskuritäten anfällig. Ich halte diese obskure neopagane Aktion für schädlich für die Kinder. (Erwachsene, die so was mitmachen, haben schon einen Schaden.)

    • Muriel sagt:

      Pot, meet kettle.
      Ich wollte gerade schreiben, dass es eigentlich nur konsequent ist, solchen Quatsch an Schulen anzubieten, solange wir noch staatlichen Religionsunterricht betreiben.

      • stefanolix sagt:

        Da sehe ich einen Unterschied: Im Religionsunterricht wird nicht behauptet, dass man die Qualität des Wassers eines Flusses durch eine Prozession (oder eine vergleichbare Aktion) beeinflussen könne.

        Ein vernünftiger Religionslehrer kann den Kindern sagen: Wenn der Fluss sauberer werden soll, dann müsst Ihr, Eure Eltern, andere Erwachsene, öffentliche Stellen und/oder Unternehmen mit anpacken. Für den Erfolg der Tätigkeiten können Christen z. B. beten oder Fürbitten formulieren. Aber ein Fluss wird nicht durch Brimborium sauberer …

      • Muriel sagt:

        Natürlich werden im (Ich hätte sagen sollen: konfessionsgebundenen) Religionsunterricht nicht dieselben unsinnigen und schädlichen Behauptungen als Wahrheit verbreitet, sondern andere. Aber das Problem ist grundsätzlich das gleiche: Der Staat nutzt seine Macht, um einer bestimmten Gruppe die Chance zu geben, ihre unsinnigen Märchen an Kinder zu verkaufen und es ihnen schwerer zu machen, ein unvoreingenommenes Bild der Realität zu erarbeiten.

      • stefanolix sagt:

        In der Frage, ob man gleichzeitig liberal und Christ sein kann, hat sich Rayson oft geäußert. Meine ganz kurz gefasste Meinung dazu: Es ist möglich, wenn man eine strikte Trennung von Staat und Kirche voraussetzt.

        Der Staat nutzt seine Macht, mich als Elternteil zu einer Entscheidung zu zwingen: Wollen Sie Ihr Kind in den Religions- oder Ethik-Unterricht schicken? Ich muss mich nicht für Religion entscheiden und niemand kann mich dazu zwingen.

        Ich fände eine konsequentere Trennung richtig: Religion sollte nur in der Kirche unterrichtet werden (in der Evangelischen Kirche speziell als Vorbereitung auf die Konfirmation und die freie mündige Entscheidung, ob ein junger Erwachsener austreten oder in der Kirche bleiben will).

        Aber ich finde als Vater in den Schulen momentan andere Änderungen viel wichtiger, z.B. die bessere Besetzung der Lehrerstellen und die Ausstattung mit Lernmaterial.


        Interessanterweise hat sich übrigens auch der Papst in der letzten Zeit für eine stärkere Trennung von Staat und Kirche ausgesprochen [soweit mir in Erinnerung ist: bei seinem Besuch in Deutschland].

      • Muriel sagt:

        Darum ging es mir zwar gar nicht, aber wenn wir schon mal dabei sind:
        Ja, man kann natürlich politisch liberal sein, und gleichzeitig Christ.
        Aber die Grundideen des Christentums (oder zumindest seiner dominanten Strömungen) passen in meinen Augen vorne und hinten nicht mit liberalen Werten zusammen.
        Man muss insofern diese merkwürdige Doppelmoral haben, aber das muss man als religiöser Mensch ja sowieso, wenn man in einer heutigen Gesellschaft funktionieren und nicht eingesperrt werden will.

      • stefanolix sagt:

        Vermutlich hätten wir beide Schwierigkeiten, die dominanten Grundströmungen des Christentums in Deutschland zu beschreiben.

        Vermutlich kann man es bei der Katholischen Kirche noch einigermaßen genau beschreiben (ich bin aber kein Katholik und möchte mich deshalb nicht dazu äußern).

        In der Evangelischen Kirche, der ich näher stehe, findest Du so viele Ausrichtungen und Strömungen, dass auch eine (weitgehend) liberale Einstellung nicht auffallen würde. Auf dem Kirchentag 2011 in Dresden hättest Du danach allerdings vermutlich ziemlich lange suchen müssen ;-)


        Ob Christ oder Atheist: Letztlich kommt es doch immer auf unsere individuellen Entscheidungen an. Dabei bleibt IMHO sehr oft verborgen, aus welchem Beweggrund wir uns für A oder B entschieden haben: Erziehung, Prägung, Zwang, Anpassung?

        Um den Bogen zurück zu obskuren Aktion an der Aa zu schlagen: Manche lehnen sie aus religiösem Beweggrund ab, andere aus naturwissenschaftlichem Beweggrund oder einfach nur aus dem gesunden Menschenverstand.

        Ich würde gern mal mit jemandem diskutieren, der die Aktion befürwortet und unterstützt hat. Denn man kann sie ja weder religiös noch naturwissenschaftlich begründen — und dem gesunden Menschenverstand widerspricht sie sowieso …

        Was treibt diese Leute an?


      • Muriel sagt:

        Naja, was soll die antreiben? Die glauben, dass sie was Gutes und Richtiges tun.

      • Atheist sagt:

        Und wie war das mit dem Wasser zu Wein? Über Wasser laufen, brennenden Büschen und die Beschenkung durch Steintafeln auf Bergen? Ist das Christenneid, dass es noch Leute gibt, die an solchen Quatsch glauben können?

      • stefanolix sagt:

        @Atheist: Wäre es ein Ansatz, dass man diese Zitate aus der Bibel nicht wörtlich nimmt, sondern dass man darüber nachdenkt, welcher Sinn dahinter verborgen sein könnte?


        Ein Gemeinwesen ohne Regeln kann es nicht geben. In ganz früheren Zeiten hat man diese Regeln durch ein Narrativ legitimiert, heute werden Gesetze demokratisch gemacht. In erster Näherung würde ich behaupten: In unseren demokratisch entstandenen Gesetzen ist ein gewisser Anteil der zehn Gebote enthalten.

        Wir ächten Mord und Totschlag, Raub und Diebstahl, Falschaussage und üble Nachrede. Wir haben ein System zur Versorgung der Vorfahren. Wir haben bestimmte staatlich festgelegte Feiertage und den Sonntag, an denen die Arbeit weitgehend ruht.

        Andererseits ist heute aufgrund der Trennung von Staat und Kirche niemand mehr gezwungen, sich zu einem bestimmten Gott zu bekennen oder eine kaputte Ehe zu erhalten, nur weil sie in der Kirche geschlossen wurde.

        Zum letzten Gebot, das ja eher eine Empfehlung ist: Heute ist es jedem selbst überlassen, ob er das Eigentum seines Nachbarn begehrt oder ob er seinem Nachbarn die Partnerin ausspannt. Aber man lebt vermutlich ruhiger, wenn man sich selbst Eigentum und eine Beziehung aufbaut.

        Insgesamt sehe ich auch heute noch einen gewissen Einfluss dieser Steintafeln ;-)

      • stefanolix sagt:

        @Muriel: Ich glaube unbesehen, dass sie es gut gemeint haben. Aber »gut gemeint« ist noch lange nicht »gut gemacht« …

  2. Muriel sagt:

    @stefanolix: Du sagst es. Aber was du an Atheist geschrieben hast, finde ich teilweise ein bisschen sonderbar, weil sich mir nicht erschließt, worauf du hinauswillst.

    In unseren demokratisch entstandenen Gesetzen ist ein gewisser Anteil der zehn Gebote enthalten. Wir ächten Mord und Totschlag, Raub und Diebstahl, Falschaussage und üble Nachrede.

    Und du glaubst, das war vor den biblischen Geboten alles nicht geächtet?
    Du glaubst, vor diesen Steintafeln (von denen wir keinen Grund haben, anzunehmen, dass es sie jemals gegeben hat) haben die Menschen in regellosen Gesellschaften gelebt, in denen es als okay gab, einander zu töten, zu berauben und zu verleumden?
    Sogar wenn es so gewesen wäre: Was willst du damit sagen?
    Was hat das mit dem Kommentar von Atheist zu tun?
    (Ja, das gehört nicht hierher, aber ich konnte nicht widerstehen. Eine kurze Zurechtweisung genügt, und ich höre auf mit dem Thema.)

    • stefanolix sagt:

      Ich wollte mit keinen Satz ausdrücken oder andeuten, dass es vor den biblischen zehn Geboten keine Regeln gegeben habe.

      Natürlich hat es Regeln gegeben. Aber soweit wir es heute zurückverfolgen können, waren vermutlich viele dieser Regeln religiös legitimiert (im Sinne von Naturreligionen oder polytheistischen Religionen). Die Priester als damals herrschende und auch forschende Elite haben ihre Regeln und Anweisungen gegenüber dem Volk religiös untersetzt. Sie hatten einen riesigen Wissensvorsprung gegenüber dem gemeinen Volk und den haben sie natürlich entsprechend genutzt.


      Auch wenn man meinen Kommentar missverstehen konnte: Die beiden Steintafeln mit den zehn Geboten sind für mich ein Symbol. Ich nehme diese Geschichte nicht wörtlich. Ich glaube nicht daran, dass ein alttestamentarischer Gott diese Tafeln gemeißelt hat und dass er sie dem Mose übergeben hat.

  3. Rayson sagt:

    Aber die Grundideen des Christentums (oder zumindest seiner dominanten Strömungen) passen in meinen Augen vorne und hinten nicht mit liberalen Werten zusammen.

    Um diese Aussage zu treffen, muss man aus meiner Sicht eins von beiden nicht verstanden haben.

    Und wie war das mit dem Wasser zu Wein? Über Wasser laufen, brennenden Büschen und die Beschenkung durch Steintafeln auf Bergen? Ist das Christenneid, dass es noch Leute gibt, die an solchen Quatsch glauben können?

    Was ich nicht verstehe, ist, dass es andere Leute stört, wenn jemand glaubt, dass sein Gott genau dies getan hat.

  4. Frank sagt:

    Eigentlich gibt es außer „au weia“ nichts weiter zu dem Thema zu sagen. Aber es ist schon deprimierend, wie diese freiwillige Selbstverblödung von Erwachsenen um sich greift. Noch schlimmer ist es, wenn diese nun auch noch Kinder da mit hinein ziehen.

    Einer derjenigen, welcher mit Wasser an den Esoterikern viel Geld verdient hat, ist übrigens kürzlich gestorben:
    http://blog.psiram.com/2012/09/johann-grander-ist-tot/

    Und zu den hier geäußerten Ideen, solange es noch Religionsunterricht gäbe, sei das alles nur halb so wild: Das sehe ich nicht so, das ist nichtvergleichbar. Und ich bin immerhin Atheist und lehne Religionsunterricht eigentlich auch ab. Aber Religionsunterricht ist immerhin noch halbwegs nachvollziehbar, weil es auf Jahrtausende alte Angewohnheiten und vererbte Meinungen zurück geht. Wir Menschen ändern unsere Gewohnheiten leider nur langsam. Doch die gesamte Esoterikszene ist damit nicht vergleichbar, weil sich hier Menschen trotz vorhandener Informationsmöglichkeiten und trotz doch recht gut funktionierendem Schulsystem dem möglichen Wissen verweigern und sich in eine völlig neue freiwillige Dummheit begeben. Dass sich hier sogar Lehrer beteiligten, ist in der Hinsicht die Krönung.

    • Muriel sagt:

      Da lege ich jetzt aber schon Wert auf die Klarstellung, dass ich es nicht „halb so wild“ finde. Ich schrieb „nur konsequent“.
      Dass eine Idee Jahrtausende alt ist, macht sie nicht besser, und Esoterik gibt es außerdem auch schon seit Jahrtausenden.
      Und wir sollten vielleicht fairerweise anerkennen, dass selten Menschen aus esoterischen Gründen ermordet werden, und esoterische Kriege gab es bisher noch keinen einzigen, wenn ich das richtig überblicke.
      Trotzdem ist Esoterik natürlich dumm und falsch.
      Just sayin‘.

      • stefanolix sagt:

        Könnten wir bitte mal beim Thema »Wasser« bleiben: Mir ist nicht bekannt, dass heute (im Jahr 2012) eine der beiden christlichen Religionsgemeinschaften behaupten würde, sie könne allein durch eine Zeremonie die Wasserqualität eines kleinen Flusses verbessern.

        Dass es in der Vergangenheit schweren Missbrauch der christlichen Religion gegeben hat bzw. dass unter dem Vorwand der christlichen Religion Menschen ermordet und Kriege vom Zaun gebrochen wurden, bestreitet hier niemand. Mein Artikel bezog sich aber auf ein Ereignis im Jahr 2012.

      • Muriel sagt:

        Alles klar, bin schon still.

      • stefanolix sagt:

        So war das nicht gemeint ;-)

        Neulich in einer Diskussion in Deinem Blog habe ich sinngemäß geschrieben, dass die christlichen Kirchen im Laufe der Jahrhunderte in bestimmter Hinsicht zivilisiert werden mussten.

        Das wurde notwendig, weil vor allem die Katholische Kirche Macht an sich gerissen, ausgeübt und missbraucht hatte. Im Verlauf von Reformation und Gegenreformation ist viel Blut geflossen. Später wurde auch in protestantischen Gebieten gefoltert und gemordet.

        Das war barbarisch.

        Das Zivilisieren der christlichen Religion wurde ermöglicht und erkämpft durch die Aufklärung und vor allem durch mutige Persönlichkeiten, unter denen manche gläubig und andere nicht gläubig waren.

        Im ursprünglichen Christentum sind Machtausübung, Machtmissbrauch, Folter und Mord nicht angelegt.

        Heute haben wir keinen Idealzustand, aber eine Machtausübung und ein Machtmissbrauch durch die Kirchen sind in Deutschland weitgehend ausgeschlossen. Religion ist Privatsache und hat — meiner Meinung nach — weit mehr positive als negative Auswirkungen.

        Mich befremdet die undifferenzierte Religionsverachtung, die in manchen Diskussionen zu spüren ist. Die Vergangenheit lässt sich nicht ungeschehen machen. Aber es gibt im Christentum heute Millionen von Menschen, die in einer aufgeklärten und verantwortungsbewussten Weise leben. Diese heute lebenden Menschen kann man nicht immer wieder mit den Keulen Inquisition und Religionskriege prügeln. Sie haben niemanden gefoltert oder mit Krieg überzogen.


        Ich sehe die Sache mit dem Wasser so: Unter anderem(!) aus christlicher Verantwortung kann man sich für die Erhaltung der Umwelt einsetzen, in diesem Fall für die Verbesserung der Wasserqualität.

        Wer das tut, ob als Christ oder Atheist, wird in der Regel naturwissenschaftlich und technisch begründete Lösungen einsetzen.

        Dieses oben beschriebene Brimborium hat mit einem verantwortungsbewussten Leben nichts zu tun und es hat mit dem Christentum nichts zu tun.

      • Muriel sagt:

        Ich hoffe, es ist okay, wenn ich noch kurz antworte. Sonst lösch den Kommentar ruhig. Ich will die Diskussion hier ganz ehrlich nicht derailen, aber andererseits liegt mir das Thema am Herzen.
        Klarstellung: Die esoterischen Morde und Kriege waren mehr als humorvolle Überspitzung gemeint. Zwar richtet Religion in meinen Augen viel, viel mehr Schaden an als esoterischer Quatsch, aber insbesondere dem Christentum werfe ich heute keine besondere Gewalttätigkeit mehr vor.
        Dass Machtmissbrauch durch die Kirchen ausgeschlossen ist, halte ich für eine gewagte Behauptung. Nicht nur erteilen sie konfessionsgebundenen Unterricht an staatlichen Schulen und werden im Arbeits- und anderen Rechtsgebieten besonders bevorzugt, nicht nur zieht der Staat Steuern für sie ein und bevorzugt sie durch automatische Beteiligung an Ethik-, Rundfunk- und sonstigen Kommissionen, sondern sie haben außerdem da dieses kleine Problem im Umgang mit Kindesmissbrauch, das ich zwar ausdrücklich nicht der Religion als solcher zur Last lege, das aber mit Machtmissbrauch durch die Kirchen in meinen Augen trotzdem sehr treffend umschrieben ist.

        Mich befremdet die undifferenzierte Religionsverachtung, die in manchen Diskussionen zu spüren ist.

        Um es kurz zu fassen: Ich verachte generell die organisierte Verbreitung der Unwahrheit. Religion ist nicht die Wurzel, aber in meinen Augen eine der hässlichsten Blüten der menschlichen Realitätsverweigerung.
        Ganz unabhängig von Krieg und Folter.

        Dieses oben beschriebene Brimborium hat mit einem verantwortungsbewussten Leben nichts zu tun und es hat mit dem Christentum nichts zu tun.

        Da hast du vollkommen Recht. Das Christentum beschwört keine Flüsse. Wollte ich nie behaupten. Aber dieser Esoterikmist ist in meinen Augen im Kern trotzdem das gleiche Problem wie der konfessionsgebundene Religionsunterricht, wie ich schon schrieb: Der Staat nutzt seine Macht, um Kindern in öffentlichen Schulen Blödsinn beizubringen. Das ist gut gemeint, und meistens ist es freundlicher Blödsinn, aber trotzdem wird erstens ein falsches Bild der Welt vermittelt, und zweitens (was ich viel schädlicher finde) eine schlechte Epistemologie.
        Es ist ja hier wie da nicht der eigentliche Inhalt das Problem. Die Kinder richten ja keinen Schaden an, indem sie dem Fluss was vorsingen. Der Schaden entsteht doch vorrangig dadurch, dass sie lernen, nicht kritisch zu denken und sich im Umgang mit echten Problemen statt auf wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse auf Aberglauben und Humba-humba-täterä zu verlassen.

        Verdammt, jetzt ist es doch ein sehr langer Post geworden. Wie gesagt, ich verstehe, wenn du ihn einfach löschst.

    • stefanolix sagt:

      Im Grunde genommen müsste es wirklich ein Pflichtfach »Weltanschauung« geben, in dem solche Themen aus den Bereichen der »freiwilligen Selbstverblödung« behandelt werden.

      Vielleicht war das alles nur eine Aktion der neuen Fernsehsendung »Verstehen Sie Esoterik?« und bald kommt im Fernsehen ein Moderator aus dem Wasser gestiegen, der die ganze Sache auflöst?

    • Frank sagt:

      Der Film war wirklich Klasse! Er kam kürzlich auf 3sat. Den sollte man in Schulen zeigen. In dem Film wurden die „genialen“ Ansichten der Verschwörungstheoretiker, Esoteriker und sonstigen Spinner herrlich auf die Spitze getrieben, indem man sie einfach nur reden ließ … mit Aufklärungstexten könnte man diese Ansichten kaum besser lächerlich machen.

      Und verblüffend war auch, dass all diese Typen immer wieder mit irgendwelchen Nazi-Sachen anfingen. Dass es da ein paar Überschneidungen gibt, ist ja bekannt (allerdings auch, weil einige Nazis in die Eso-Richtung schlugen). Aber dass es so drastisch ist, hätte ich nicht vermutet. Naja, der Produzent hat sich natürlich die drastischsten Aussagen für den Film genommen, aber immerhin wurden sie zunächst auch gesagt.

  5. Du musst einfach 2000 Jahre weiter denken, der von Frank erwähnte Johann Grander ist dann vielleicht schon in speziellen Gebäuden mit zum Beispiel einem Strohhalm im Mund zu sehen, freitags (Badetag) wird ihm weltweit gehuldigt und in seinem Namen bekämpfen sich unterschiedliche, welch Wortwitz, Strömungen in der Interpretation seiner Ausflüsse.

    Für mich ist der Schritt von Religion zu Esoterik und zurück ein sehr kleiner, es soll Leute geben, die Heiligenbilder in der Brieftasche tragen, um ordentlich beschützt durch den Tag zu kommen. Oder ein Kreuz an einer Kette. Oder welche, die „psychologisch wichtige“ Marken im Aktienhandel sehen (und diesen tagtäglich in den Nachrichten verkündet bekommen). In der Schule hat der ganze Quatsch natürlich nichts zu suchen.

  6. Andreas sagt:

    Auch wenn der Eintrag schon etwas älter ist:
    Ich habe mal Anfang November bei der Stadt Münster per Mail nachgefragt (beim Schulamt wegen der Schülerbeteiligung und einer Nachbearbeitung im Unterricht und beim Grünflächenamt wegen der Wasserproben). Ergebnis:
    Während der Herr vom Grünflächenamt, der damals die Wasserproben nahm, auf meine Mail geantwortet hat (erwartungsgemäß war keine Änderung beim Wasser feststellbar), blieben mehrere Mails an das Schulamt unbeantwortet. Auch eine Mail an den Oberbürgermeister blieb bis jetzt unbeantwortet.

    • stefanolix sagt:

      Danke für die Nachfragen und die Ergebnisse! – Die Frage an den Vertreter des Grünflächenamtes müsste trotzdem lauten: Warum haben Sie sich für so eine unwissenschaftliche Aktion einspannen lassen?

      »Belebtes Wasser« scheint allerdings für manche Menschen magische Kräfte zu haben: Es gibt in BIO-Läden Wasser aus der selben Quelle als normales Mineralwasser, Lichtwasser und Mondwasser. Der Preis steigt entsprechend stark an: Vollmondwasser ist am teuersten.

      Ich stelle mir jetzt lebhaft vor, welche Flaschen auf den Tischen im Lehrerzimmer dieser Schule (und im Schulamt?) stehen ;-)

  7. […] Oktober 2012 hatte ich über eine obskure Wasserbeschwörung berichtet. Heute befasst sich das Blog Astrodicticum simplex mit dem […]

  8. user unknown sagt:

    stefanolix sagt: 2. Oktober 2012 um 05:55
    Könnten wir bitte mal beim Thema »Wasser« bleiben: Mir ist nicht bekannt, dass heute (im Jahr 2012) eine der beiden christlichen Religionsgemeinschaften behaupten würde, sie könne allein durch eine Zeremonie die Wasserqualität eines kleinen Flusses verbessern.

    Aber in jeder kath. Kirche gibt es Weihwasser, und an Wallfahrtsorten wird es Kanisterweise abgefüllt und mit nach Hause gebracht. Wofür?

    Ah – das Wasser alleine wirkt nicht, man muss auch dran glauben, oder? Und das menschenmögliche tun. Und dann hängt es immer noch von der göttlichen Gnade ab, die wie der Zufall des Würfels funktioniert. Genau so. Also überhaupt nicht.

    Also wo ist der Unterschied zur Flußbeschwörung?

    • Frank sagt:

      Dieser Vergleich mit Weihwasser ist ziemlicher Blödsinn. Weihwasser erfüllt nur innerhalb einer Glaubensgemeinschaft einen bestimmten rituellen Zweck. Und wer sich an bestimmten Quellen Wasser kanisterweise abfüllt, soll meinetwegen damit glücklich werden.

      Aber hier geht es darum, dass Schülern unter dem Deckmantel „Ökologie“ und „Kultur“ ein absoluter Quatsch eingeredet wurde. Das hat nichts mit Ritualen innerhalb einer Glaubensgemeinschaft zu tun, hier wirdjungen Menschen außerhalb einer solchen etwas falsches eingeredet, ohne sie darauf hinzuweisen, dass es sich hier nur um eine (zumal recht absurde) Glaubensfrage handelt.

      • stefanolix sagt:

        Danke für die Anmerkung. Ähnlich wollte ich es auch gerade formulieren, ich bin nur gerade etwas in Zeitdruck.

        Weihwasser wird in der Kirche in der Seelsorge eingesetzt. Der einzelne Gläubige ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich. Jeder (mit sich selbst ehrliche) Gläubige weiß: Es hat keinen Sinn, nur pro forma Weihwasser abzufüllen. Es kommt darauf an, wie man mit anderen Menschen und mit sich selbst umgeht. Wie man seiner Verantwortung gerecht wird. Nach welchen Leitlinien man lebt.


        Dagegen die esoterische Seite: Das Wasser eines Flusses kann man beschwören und weihen, solange man will, es wird sich dadurch nicht verändern.

      • user unknown sagt:

        Dieser Vergleich mit Weihwasser ist ziemlicher Blödsinn. Weihwasser erfüllt nur innerhalb einer Glaubensgemeinschaft einen bestimmten rituellen Zweck.

        Also ein Motorradfahrer, der sich gegen Unfälle segnen läßt, dem hilft es nur vor Unfällen mit christlichen Unfallgegnern oder christlich gesegneten Brückenpfeilern?

        Oder er fährt in jemanden rein, aber nur, wenn dies kein gesegneter ist, Dann spaltet sich die Realität auf, und für den gesegneten gab es den Unfall nicht, aber für den ungesegneten gibt es eine 2. Realität mit Unfall?

        Oder welchen Zweck erfüllt sonst das Weihwasser? Nicht den, den der Priester dazusagt? Lügt er? Täuscht er die alten Weiber?

  9. user unknown sagt:

    Der einzelne Gläubige ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich.

    Was heißt das? Dass es keine göttliche Gnade gibt?

    Es kommt darauf an, wie man mit anderen Menschen und mit sich selbst umgeht.

    Den Einwurf habe ich ja vorweggenommen, nicht gemerkt? Es kommt also nicht auf das Weihwasser an, das ist nur ein Betrugsinstrument für die Doofen?

    Wie man seiner Verantwortung gerecht wird. Nach welchen Leitlinien man lebt.

    Also doch irgendwie die Frage, dass jemand, obwohl mit Weihwasser eingesprengt, krank wird als Strafe Gottes für Fehlverhalten – nicht erst beim jüngsten Gericht, sondern schon im Hier und Jetzt? Und mit Erdbeben, Flutkatastrophen und Krieg straft er ganze Landstriche von Sündern?

    Gell, das ist irgendwie griffiger, das glaubt man lieber, vor allem wenn man jung und gesund ist und nicht von einem Erdbeben erst kürzlich heimgesucht wurde.

    Dagegen die esoterische Seite: Das Wasser eines Flusses kann man beschwören und weihen, solange man will, es wird sich dadurch nicht verändern.

    Das verstehe ich jetzt nicht ganz. Also weihen funktioniert nicht – auch nicht wenn es ein christlicher Priester macht? Wieso macht er’s dann, und ist das ein Spezialfall nur für Flüsse und Ökologie, aber Brücken und Motorräder kann man weihen, und da wirkt es auch?

    • Michael sagt:

      @Frank

      dieser Unbekannte stellt sich absichtlich dumm.
      Wir leben säkular und Religion ist Privatsache. Wenn aber in einer (mit Steuergeldern unterhaltenen) Schule esoterischer Unsinn betrieben wird, ist scharfe Kritik angesagt.

      User unknown ist wohl auf Haarspalterei aus.
      Bin gespannt, wie Sie aus der Nummer rauskommen.

  10. Michael sagt:

    Tja Stefan, so hat das schon Karl Kraus gesehen.
    Bei manchen Ihrer Beiträge muß ich mich nicht mal bremsen, da ist es mir einfach des Themas nicht wert.

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