Das dapd-Blog zum Qualitätsjournalismus: Beitrag 3

Am Anfang der neuen Woche noch eine kurze Notiz zum Thema Qualitätsjournalismus: In dem schon erwähnten dapd-Blog wurde der dritte Gastbeitrag veröffentlicht. Er stammt vom MDR-Hörfunkdirektor und stellvertretenden Intendanten Johann Michael Möller.

In allen drei bisherigen Beiträgen der Serie des dapd-»Blogs« ist mir aufgefallen: Es geht kaum um die Qualität — aber es geht immer um das liebe Geld.

Es wird immer wieder betont, dass Qualitätsjournalismus einen Preis habe. Aber es wird nie untersucht, welche Qualitätsprobleme es gibt und welche Ursachen sie haben. Der Gastautor Johann Michael Möller schreibt:

Und was wir außerdem wieder lernen müssen, ist die schlichte Tatsache, dass auch journalistische Qualität ihren Preis hat. Unsere Gesellschaft sollte in diesen komplizierten Zeiten wieder bereit sein, sich ihre verlässliche Unterrichtung und demokratische Teilhabe etwas kosten zu lassen.


Die schöne Formel

»Unsere Gesellschaft sollte bereit sein, sich XYZ etwas kosten zu lassen!«

ist aber nichts anderes als eine Chiffre für:

»Wir sollten eine Zwangsabgabe für XYZ einführen.«

Anstelle von XYZ kann man beliebige Ziele einsetzen. Eine Folge der Sentenz »Unsere Gesellschaft sollte bereit sein …« ist z. B. der ständig steigende Anteil der Steuern und Abgaben am Strompreis.


Der direkte Hinweis an die Politik darf folglich nicht fehlen. Möller schreibt den Politikern ins Stammbuch:

Und unsere Repräsentanten müssen begreifen, dass die Entwertung des Qualitätsjournalismus einhergeht mit dem Glaubwürdigkeitsverlust ihrer Politik.

Es wäre allerdings zu hinterfragen, ob der Glaubwürdigkeitsverlust der Politik nicht auch etwas mit dem Qualitätsverlust der Zeitungen zu tun haben könnte. In manchen Fällen hängt beides so eng zusammen, dass man trefflich über Ursache und Wirkung streiten könnte.


Das favorisierte Gebührenmodell hatte die Vorrednerin des MDR-Hörfunkdirektors als Vertreterin der potentiellen Nutznießer eines Zwangsgebührenmodells für Zeitungen bereits auf den Punkt gebracht:

Das öffentlich-rechtliche Modell (die Gesellschaft finanziert durch Gebühren, Steuern oder Haushaltsabgaben ein der Allgemeinheit verpflichtetes Medium) ist – trotz Drucks der Politik und Privatwirtschaft – bewährt im Rundfunk. Sollte der private Markt versagen und eine umfassende Information der Gesellschaft in Gefahr geraten, könnte das öffentlich-rechtliche Modell auch für andere Medienbereiche Pate stehen.

Das sind wohlklingende Worte mit zwei Schönheitsfehlern: Das Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist weder ein besonders gutes Beispiel für Qualitätsjournalismus, noch ist es der Allgemeinheit verpflichtet.


Der Anteil der Ausgaben für politikbegleitenden Journalismus an den Gesamtkosten von ARD und ZDF dürfte recht gering sein. Mit den ständig überproportional steigenden GEZ-Gebühren wurde eine riesige Bürokratie aufgebaut. Es werden mit leichter Hand Unsummen für seichte Abendunterhaltung und für Sportrechte ausgegeben. Aber von wirklich investigativem und kritischem Journalismus hört man kaum noch etwas. Beispielhaft schreibt die Wikipedia zum Politmagazin »Monitor«:

Der Sendeplatz von Monitor, wie der der anderen ARD-Politmagazine auch, wurde in den letzten Jahrzehnten häufig geändert. Aktuell wird die Sendung im Wechsel mit Panorama und Kontraste am Donnerstag um 21:45 Uhr ausgestrahlt. Mit diesem Sendeplatz einher ging eine Kürzung auf nur noch 30 Minuten Länge. Andere Termine der letzten Jahre waren Donnerstag 20:15 Uhr und 21:00 Uhr.


Wenn wir uns einen Augenblick vorstellen, dass ein zwangsfinanziertes Modell für die Tageszeitungen eingeführt würde: Wäre das Ergebnis ein besserer Journalismus? — Nein, es geht nicht in erster Linie um das Geld. Antoine de Saint-Exupéry hat in »Wind Sand und Sterne« geschrieben:

Was können wir tun, um diese Befreiung des Menschen in uns zu fördern? […] Da sichert die Gesellschaft dem Dichter oder Forscher sein Brot, um seine schöpferische Arbeit zu ermöglichen; der Geförderte schläft träge ein. […] Was nützen uns die politischen Lehren, die den Menschen zu entwickeln versprechen, wenn wir von vornherein gar nicht wissen, was für Stoff ihnen zur Verfügung stehen wird?

Als Saint-Exupéry im Jahr 1939 diese Zeilen schrieb, gab es noch keinen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. Heute kann man sehen, dass dass ein solches System die schöpferischen Journalisten weder anzieht noch fördert.

Das beste Beispiel dafür ist der MDR des Johann Michael Möller: Er ist bekannt für ein leichtes, gemütliches Unterhaltungsprogramm mit mitteldeutschem Lokalkolorit und ohne besonderen Tiefgang — aber ganz bestimmt nicht für investigativen und innovativen politikbegleitenden Qualitätsjournalismus. Wenn der Schunkelsender MDR das Vorbild für zwangsfinanzierte sächsische Lokalzeitungen sein soll, dann kann man sich den Weg zum Briefkasten sparen.


PS: Eigentlich sollte dieser Artikel am Ende der letzten Woche erscheinen und ich hatte ihn am Freitag auch schon begonnen, aber Freitag und Samstag waren dann sehr arbeitsreich. Um den ersten Blogger die Ehre zu geben: Der Beitrag des MDR-Hörfunkdirektors wurde zuerst in einem Lesehinweis im Medienblog Flurfunk erwähnt.


Advertisements

14 Responses to Das dapd-Blog zum Qualitätsjournalismus: Beitrag 3

  1. Muyserin sagt:

    Was nützen uns die politischen Lehren, die den Menschen zu entwickeln versprechen, wenn wir von vornherein gar nicht wissen, was für Stoff ihnen zur Verfügung stehen wird?

    Ich habe nicht verstanden, was mit dem Stoff gemeint sein sollte.

    Httest Du Dir das Buch inzwischen besorgt? :)

    • stefanolix sagt:

      Nein, das Zitat ist nicht aus »Die Stadt in der Wüste« ;-)

      Ich interpretiere die Stelle so: Wir wissen nicht, welche Menschen (mit welchen speziellen Anlagen und Fähigkeiten) in der Zukunft zur Verfügung stehen werden. — Also ist es auch nicht sinnvoll, für die nächste Generation Heilslehren zu entwerfen. Die nächste Generation soll von selbst darauf kommen, was gut und befreiend für sie ist.

  2. Xeniana sagt:

    Ich bin über den “ Stoff“ auch kurz gestolpert, habe es dann aber auch als “ menschlichen Stoff“ interpretiert.
    Ich finde das Thema „Qualitätsjournalismus“ so wie du es aufgegriffen hast spannend…

    • stefanolix sagt:

      Ich glaube nicht, dass jetzt bald eine Zeitungsgebühreneinzugszentrale aufgebaut wird. Aber wenn ich mir die Wendungen in den Beiträgen so anschaue, scheinen einige Leute davon zu träumen.


      Jeder Mensch hat begrenzte Möglichkeiten. Manche Menschen können sich wirklich kein Zeitungs-Abo leisten. Aber die große Mehrheit der Bürger hat einen gewissen Spielraum und könnte es. Es wäre doch mal interessant, der Frage nachzugehen, warum viele Menschen lieber Geld für etwas anderes ausgeben, als für eine Zeitung.

  3. Xeniana sagt:

    Wir bekommen die Tageszeitung.Leider…..

  4. Michael sagt:

    Masse statt Klasse

    Stefanolix :
    Das favorisierte Gebührenmodell hatte die Vorrednerin des MDR-Hörfunkdirektors als Vertreterin der potentiellen Nutznießer eines Zwangsgebührenmodells für Zeitungen bereits auf den Punkt gebracht:

    Das öffentlich-rechtliche Modell (die Gesellschaft finanziert durch Gebühren, Steuern oder Haushaltsabgaben ein der Allgemeinheit verpflichtetes Medium) ist – trotz Drucks der Politik und Privatwirtschaft – bewährt im Rundfunk. Sollte der private Markt versagen und eine umfassende Information der Gesellschaft in Gefahr geraten, könnte das öffentlich-rechtliche Modell auch für andere Medienbereiche Pate stehen.

    Das sind wohlklingende Worte mit zwei Schönheitsfehlern: Das Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist weder ein besonders gutes Beispiel für Qualitätsjournalismus, noch ist es der Allgemeinheit verpflichtet.

    Die Androhung dieser Dame ist in der Tat ein dicker Hund – Reichsschrifttumkammer und SED-Zentralorgan lassen grüßen. Nur das man Letzteres nicht abonnieren musste.

    Stefanolix :Wenn wir uns einen Augenblick vorstellen, dass ein zwangsfinanziertes Modell für die Tageszeitungen eingeführt würde: Wäre das Ergebnis ein besserer Journalismus? — Nein, es geht nicht in erster Linie um das Geld. Antoine de Saint-Exupéry hat in »Wind Sand und Sterne« geschrieben: …

    Kommen Sie bitte an dieser Stelle bitte nicht mit dem Feingeist und schlechten Piloten Antoine de Saint-Exupéry. Natürlich geht es ums Geld und man sollte der Dame Ihre Unverschämtheit um die Ohren hauen.
    Ich habe mal die Öffentlich-Rechtlichen gezählt : 23x TV und ca. 66x Radio.
    Kein Mensch kann, geschweige denn will, diese zwangsfinanzierte Vielfalt, konsumieren. Besonders schlimm finde ich die nur fürs Fernsehen produzierten Serien : Von ihrem “Talent“ leben auf diese Art ganze Heerscharen von Schauspielern, die sich dann in diversen Gesprächsrunden, auch hier gut bezahlt, „Künstler“, nennen.

    Siehe auch DIE ZEIT zum Thema.

    • stefanolix sagt:

      Als ich schrieb »Nein, es geht nicht in erster Linie um das Geld«, habe ich mir selbst die rhetorische Frage beantwortet, ob man durch mehr Geld zu einem besseren Journalismus kommen könne.

      Ich bin ganz klar der Meinung (und man sieht es ja an den Öffentlich-Rechtlichen): Mehr Geld führt *nicht* automatisch zu höherer Qualität des politikbegleitenden Journalismus. Mehr Geld aus Zwangsabgaben schon gar nicht.


      Selbstverständlich geht es der Vertreterin eines Berufsverbandes um die Bezahlung der Fachkräfte — wer will es ihr verdenken? — Nur macht sie sich nicht die Mühe, die Qualität der Fachkräfte zu hinterfragen.

  5. Michael sagt:

    Ich habe dazu keine andere Meinung.
    Als Problem sehe ich die Vermehrung der Öffentlich-Rechtlichen in D und den damit verbundenen Anstieg der GEZ.
    Vielfalt ist ja ganz schön aber ich will selber wählen und bezahlen.
    Wie kann man das Ganze zurückdrehen auf ein vernünftiges Maß, Beispiel BBC?

  6. Michael sagt:

    Gerade passend zum Thema gefunden.

    • stefanolix sagt:

      Nicht immer hat man (leider) die Zeit, die Sprache der Gebühreneintreiber gebührend zu analysieren. Ich hoffe inständig, dass uns eine Zwangsgebühr für Zeitungen erspart bleibt.

      Meine Antwort auf Beitrag #5 ist übrigens schon im Hinterkopf fertig. Heute wurde im dapd-Blog nämlich noch ein wahres Hohelied auf die deutschen Qualitäts-Zeitungen veröffentlicht, das ich nicht unbeantwortet lassen kann ;-)

      http://blogs.dapd.de/journalismus/2012/10/23/gastbeitrag-von-paul-josef-raue/

      • Michael-DD sagt:

        Wie wär´s mit ZSZ

        Es muß nicht immer die Sprache der Gebühreneintreiber sein, die Sprache der GEZ-Befürworter ist auch deutlich.
        In der SäZ vom 17./18.Jan. 2015 jubelt ein Sohn der Arbeiterklasse,
        immerhin im Teil Unterhaltung,
        „Es lebe die GEZ“
        Es geht vor allem über GEZ-Hasser, das Wort Meinungsvielfalt kommt auch 1x vor.

        Bittner :
        Die GEZ-Hasser, die sich für Rebellen halten, weil Sie die Abschaffung ders Staatsfunks fordern – sind sie nicht vor allem Fußvolk für einen neuerlichen Feldzug von Medienkonzernen, die gerne unliebsame Konkurrenz loswerden wollen?

        Ich glaube der Philosoph Jürgen Habermas hat vor einer Weile mal überlegt, ob es nicht sinnvoll sein könnte, auch öffentlich-rechtliche Zeitungen zu gründen. Mir ist diese Idee auf jeden Fall sympathischer als die entgegengesetzte, nun auch die politische Öffentlichkeit bis auf den letzten Rest zu privatisieren.

        Das geht natürlich nicht ohne eine neue Gebühr + Behörde; wie wär´s mit ZSZ = Zeitungsgeld-Service-Zenrale.
        Aber es geht auch anders : Die Politik sprich Ramelow drängt in´s Privat-TV.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: