Kommunale Anteilseigner der Stadtwerke: Fluch oder Segen?

Die Befürworter staatlicher oder kommunaler Versorgungsbetriebe argumentieren gern mit dem Nutzen für die Bürger und die Beschäftigten: Die Daseinsvorsorge soll dem Staat oder der Kommune obliegen. Auch die Beschäftigten seien bei einem staatlichen (kommunalen) Unternehmen besser aufgehoben, als bei einem profitgierigen Privatunternehmen.

Der Autor dieses Blogs hat beruflich seit etwa fünf Jahren relativ häufig mit Mitarbeitern von Stadtwerken und Zweckverbänden zu tun. Es ergeben sich viele Gelegenheiten zum privaten und zum fachlichen Meinungsaustausch.


Zwangsläufig sieht man die Arbeit der eigenen Stadtwerke mit anderen Augen und weiß sie ganz anders zu schätzen: Man kennt die langen Zeiträume, in denen Planung, Bau und Rehabilitation von Leitungen realisiert werden müssen. Man lernt etwas über die Prinzipien der planmäßig-vorbeugenden Instandhaltung. Man weiß um die Notwendigkeit von finanziellen Rücklagen.

Und nicht zuletzt: Man sieht, welch harte Arbeit im Bereitschaftsdienst, in der Wartung, in der Reparatur und in den Baumaßnahmen steckt. Auch bei Hitze und Frost arbeiten Monteure im Rohrgraben, damit wir als Großstadtbewohner Wasser und Fernwärme haben.


Man weiß das alles und dann liest man einige Artikel über die Stadt Bochum und ihre Stadtwerke. Die Stadt ist hochverschuldet, die Wirtschaftslage ist schlecht. Die Stadtwerke schreiben auf ihrer Website über sich selbst:

Wir sind ein unabhängiges und selbstbewusstes Unternehmen in kommunaler Hand. Zur erfolgreichen Weiterentwicklung unseres Unternehmens und zum Wohle unseres Anteilseigners streben wir stets nachhaltigen ökonomischen Erfolg an.

Und diese kommunalen Stadtwerke haben nichts besseres zu tun, als das Geld gleich in 25.000-Euro-Paketen an mehr oder weniger prominente Redner aus Politik und Kultur zu verteilen. Wohlgemerkt: Für wenige Stunden des gepflegten Parlierens.


Ein einfacher Überschlag: Mit 25.000 Euro kann man einen Netzmonteur etwa ein Quartal beschäftigen. Ein Quartal, in dem er zum Beispiel nachts Bereitschaftsdienst hat, wenn bei Frost ein Rohr platzt und wenn die Bochumer Bürger frühmorgens trotzdem duschen wollen. Dieser Netzmonteur bekommt dann von seiner Geschäftsführung folgendes Stück Unternehmenskultur zum Frühstück:

Unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern begegnen wir wertschätzend und vertrauensvoll. Wir erwarten ein hohes Maß an Leistungsbereitschaft.

Und in seiner Freizeit kann er in der Zeitung oder im Internet immer mehr Artikel über die Peinlichkeiten aus dem eigenen Unternehmen lesen. Auch die lokalen Blogs im Ruhrgebiet haben recherchiert. Die Stellungnahme seines kommunal geführten Arbeitgebers sieht so aus:

Es gab keine Absprachen der Stadtwerke Bochum – weder schriftlich noch mündlich – mit Herrn Steinbrück, dass er sein Honorar aus dem Auftritt am 26.11.2011 in Höhe von 25.000 € einem von ihm zu bestimmenden karitativen Zweck hätte spenden müssen. Eine entsprechende Erklärung haben die Stadtwerke Bochum heute Peer Steinbrück gegenüber abgegeben. Wir bedauern, dass es in diesem Zusammenhang zu Irritationen gekommen ist.

Die Verursacher dieser »Irritationen« sollten bei Gelegenheit mal in eine Baugrube steigen und den Netzmonteuren erklären, wozu es notwendig ist, mehrmals im Jahr 25.000 Euro für ein nettes Gespräch auszugeben, anstatt eine Verstärkung für den Bereitschaftsdienst einzustellen. Sie sollten sich dabei warm anziehen.


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