Pluralismus ist den Linken fremd

Die linken Nachdenkseiten haben heute einen Artikel über Satire im Fernsehen in die Welt gesetzt. Mit unfreiwilliger Komik geben uns Karin Burger und Wolfgang Lieb darin einen tiefen Einblick in das Satire-Verständnis des sozialistischen Autorenkollektivs. Schon der Einstieg ist auf seine Art unvergleichlich:

Satire im Ersten west dahin wie das tote Pferd an der deutsch-österreichischen Grenze in dem bekannten Gottschalk-Witz.

Womit könnte man den Lesern besser Appetit machen, als mit einem verwesenden Pferd und einem alten Gottschalk-Witz? Ich habe mir ein Tuch vor die Nase gepresst und weitergelesen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Feindbilder in zwei kurze Sätze passen:

Mit dem Vitalitätsgrad einer Pferdeleiche agiert Dieter Nuhr am seichten Strand der ARD-Abendunterhaltung: arrogant, satt, arriviert, FDP! Zu Schande geritten durch den Erfolg, dem ihm die Privatsender als Comedian verpasst haben.

Wenn ich das nächste Mal an einem seichten Strand spazieren gehe, werde ich überall Pferdeleichen vor mir sehen. Hätten sie nicht noch einen verschimmelten Reiter auf das Pferd setzen können?


Die Pferde-Metapher wird nun geschwind zu Tode geritten. Die Autorin Karin Burger möchte uns damit nämlich auch erklären, wo sie im Fernsehen gute Satire sieht:

Es blähen sich die Nüstern im Neid auf den Satire-Säuregrad und die analytische Sprungkraft von „Neues aus der Anstalt“.

Ich habe es nicht verstanden: Wessen Nüstern blähen sich? Die Nüstern der Pferdeleiche oder die Nüstern der Autorin? – Muss man einen Artikel über Kabarett wirklich in einem derart schlechten Deutsch schreiben?


»Neues aus der Anstalt« ist also Kabarett nach dem Leitbild der Nachdenkseiten. Das ist ein gutes Stichwort: Das Bild des politischen Kabaretts im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wird ja in der Tat durch linke Kabarettisten mit Aussagen wie

Die RAF hätte heute wieder gut zu tun

bestimmt. Da wird ein Klassenstandpunkt vertreten, an dem Karl-Eduard von Schnitzler seine wahre Freude gehabt hätte.


Dieter Nuhr gehört zu den wenigen Kabarettisten, die sich auch einmal kritisch mit linken Lieblingsthemen wie dem »Bedingungslosen Grundeinkommen« oder dem wundersamen Aufstieg der Piratenpartei auseinandergesetzt haben.

Wenn man den Pluralismus im Kabarett der Öffentlich-Rechtlichen bewahren will, sollte man Dieter Nuhr eine eigene Sendung geben. Im Redaktionsstall der Altlinken werden sich dann wieder die Nüstern blähen – diesmal vor Wut ;-)


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33 Responses to Pluralismus ist den Linken fremd

  1. Frank sagt:

    Ich habe den Artikel auf den NDS heute noch nicht durchgelesen.

    Man kann am politischen Kabarett einiges kritisieren. Man muss z.B. nicht immer nur “alles ist schrecklich und wir werden alle sterben” verkünden oder (was mir früher im “Scheibenwischer manchmal auf den Keks ging) immer so schreien.

    Aber zum Thema Dieter Nuhr möchte ich anmerken, dass der mir mit seinem seit Jahren mantraartig immer wieder gleichen Inhalt “Alles ist gut, uns geht’s doch prima” noch mehr auf den Keks geht. Früher fand ich Nuhr noch gut, denn er war einer der Intelligenteren unter den Kabarettisten. Ja, er hat Recht, dass es uns nicht ganz so schlecht geht. Aber er hat früher mal auf einem wesentlich intelligenteren Niveau gearbeitet. Ich habe seinen “Satire-Gipfel” am Anfang testweise mehrfach gesehen und ihn dann – aufgrund der empfundenen Langeweile – auf meine Fernseh-Ignore-Liste gesetzt. Seine Sendung “Satire-Gipfel” zu nennen, ist eher selbst schon Satire, oder besser: Ironie.

    Ich habe u.a. auch den “Kabarett im WDR”-Podcast abonniert (hauptsächlich wegen Pispers) und dort kommt immer auch etwas von Nuhr. Stichprobenartig höre ich das dann doch gelegentlich an: Immer wiederkehrende Varianten von “Alles ist gut, uns geht’s doch prima”. Toll. Aber keinerlei neuer Erkenntnisgewinn.

    • stefanolix sagt:

      Aber ist es nicht gerade ein Zeichen für funktionierenden Pluralismus, wenn in einer Sendung mit mehreren Kabarettisten für jeden Zuschauer mindestens eine Reizfigur dabei ist?

      • Frank sagt:

        „für jeden Zuschauer mindestens eine Reizfigur“ – sozusagen ausgewogene Satire? :-)

        Nun habe ich mir den Artikel inzwischen durchgelesen. Zunächst mal sind hier nicht „die Linken“ am Werk gewesen, sondern nur eine konkrete Autorin. Diese wiederum schreibt hier lediglich eine Fernsehkritik. Von den durchaus etwas übertriebenen Schwurbeleien am Anfang mal abgesehen, gebe ich ihr inhaltlich weitestgehend Recht. Allerdings kann ich das nur auf die paar Sendungen beziehen, die ich noch gesehen habe und das ist – wie bereits erwähnt – lange her. Da ich nun gelesen habe, dass Kling, Uthoff und Rebers mit dabei waren, werde ich wohl doch mal die Mediathek aufrufen. Wenn Nuhr dort so ist wie beschrieben, kann ich ja vorwärts scrollen.

        Abgesehen davon kommen auf den Nachdenkseiten (in Kombination mit Spiegelfechter) nicht immer nur klar linke Texte, sondern auch welche, in denen es z.B. nur um Ökonomie geht. Und Piratenkritik kannst Du dort auch finden: http://www.nachdenkseiten.de/?p=14889

      • stefanolix sagt:

        Nein, ausgewogene Satire wäre es, wenn niemandem Schmerz zugefügt würde ;-)

        Ich habe die Sendung nicht gesehen. Aber wenn der Autorin einige Beiträge gefallen haben und andere nicht: Warum kann sie nicht akzeptieren, dass jeder Zuschauer seinen eigenen Zugang findet?


        PS: Ja, diese Lafontain’sche Ökonomie mit Klassenstandpunkt habe ich schon lange vermisst ;-)

      • Frank sagt:

        Satire, die niemandem weh tut, ist keine. Witzig finde ich ja, dass wir hier anscheinend alle über eine Sendung reden, die wir alle nicht gesehen haben – hier gehört ein Smiley her ;-) – (ich habe es immerhin schon bis zu 6:21 min geschafft und bin dort hängengeblieben).

      • Frank sagt:

        Lafontain’sche Ökonomie mit Klassenstandpunkt?

        Auf den NDS kommen immer mal Artikel, die einfach interessant sind und Wissen über Ökonomie vermitteln. Ich halte Jens Berger (von dem viele dieser Texte stammen) für einen intelligen Menschen. Z.B. (ich finde jetzt auf die Schnelle den Link nicht) gab es da mal einen Artikel, in welchem erklärt wurde, warum Zinsen durchaus sinnvoll sind. Das ist kein typisch linker Standpunkt.

        Aber meinetwegen: Lafontain’sche Ökonomie. Was soll das eigentlich sein? Bzw.: Was soll daran schlecht sein? Linke (zumindest intelligente Linke) haben oft mehr Wissen über Ökonomie, als ihre Gegner, die sich oft nur so „durchwurschteln“. Sarah Wagenknecht hatte die Welt erst kürzlich mit einem Konzept verblüfft, was ziemlich durchdacht klang und was selbst der FDP zu liberal war. (Ich habe es aber inzwischen vergessen, genau wie auch der Rest der Welt :-) )

      • Rayson sagt:

        Auf den NDS kommen immer mal Artikel, die einfach interessant sind und Wissen über Ökonomie vermitteln.

        Wissen? Na ja. Eher Propaganda.

        Ich halte Jens Berger (von dem viele dieser Texte stammen) für einen intelligen Menschen.

        Sicher ist er das. Nur eben ideologisch auch einzuordnen.

        Auf den NDS kommen immer mal Artikel, die einfach interessant sind und Wissen über Ökonomie vermitteln. Ich halte Jens Berger (von dem viele dieser Texte stammen) für einen intelligen Menschen. Z.B. (ich finde jetzt auf die Schnelle den Link nicht) gab es da mal einen Artikel, in welchem erklärt wurde, warum Zinsen durchaus sinnvoll sind. Das ist kein typisch linker Standpunkt.

        Aber meinetwegen: Lafontain’sche Ökonomie. Was soll das eigentlich sein? Bzw.: Was soll daran schlecht sein? Linke (zumindest intelligente Linke) haben oft mehr Wissen über Ökonomie, als ihre Gegner, die sich oft nur so “durchwurschteln”. Sarah Wagenknecht hatte die Welt erst kürzlich mit einem Konzept verblüfft, was ziemlich durchdacht klang und was selbst der FDP zu liberal war. (Ich habe es aber inzwischen vergessen, genau wie auch der Rest der Welt :-) )

        Ökonomen, die ernst genommen werden wollen, werden nichts anderes behaupten. Die Idee, dass Zinsen des Teufels sind, ist sogar historisch eher rechts einzuordnen und eng mit dem Antisemitismus verknüpft. Dass Leute wie Occupy das heute aufgreifen, hat wohl vor allem damit zu tun, dass links fühlen und links denken manchmal zwei Paar Schuhe sind.

        Aber meinetwegen: Lafontain’sche Ökonomie. Was soll das eigentlich sein? Bzw.: Was soll daran schlecht sein?

        Dass sie zu einseitig-ideologisch daherkommt?

        Linke (zumindest intelligente Linke) haben oft mehr Wissen über Ökonomie, als ihre Gegner, die sich oft nur so “durchwurschteln”.

        Du vergleichst intelligente Linke mit nicht so intelligenten Gegnern, oder was? ;-) Aber auch so bestätigt meine Erfahrung diese Aussage nicht. Ich erlebe viel mehr bei Linken oft, dass sie mit einem bestimmten angelesenen Grundmaterial in die ökonomische Diskussion gehen, aber schnell überfordert sind, wenn es fundierten Widerspruch gibt. Auf Leute wie Jens Berger trifft das natürlich nicht zu, aber mit dem würde ich auch keine zehn Minuten diskutieren, weil wir schnell unsere nicht miteinander zu vereinbarenden (und auch nur schwer gegenseitig zu widerlegenden) Grundannahmen aufdecken würden.

        Sarah Wagenknecht hatte die Welt erst kürzlich mit einem Konzept verblüfft, was ziemlich durchdacht klang und was selbst der FDP zu liberal war. (Ich habe es aber inzwischen vergessen, genau wie auch der Rest der Welt :-) )

        Dass etwas der FDP zu liberal ist, ist für mich der Normalzustand. Aber jemand wie Wagenknecht kann natürlich auch problemlos radikale Botschaften verkünden, weil ihre Klientel genau das erwartet. Im Gegensatz zu der der FDP beispielsweise. Wagenknecht würde sich übrigens nie so zum Affen (zur Äffin?) machen wie eine Claudia Roth, die gerade wieder in einem Interview behauptet hat, die FDP sei „marktradikal“, weil sie die Ordoliberalen genau studiert hat. Ich wünschte mir, sie würde mal auf die in Deutschland praktisch unbekannten Ankaps stoßen, das könnte überraschende Konsequenzen haben ;-)

      • Rayson sagt:

        Ups, zwischendrin zu viel zitiert. Aber hoffentlich erkennt man den Bezug…

    • Rayson sagt:

      Aber zum Thema Dieter Nuhr möchte ich anmerken, dass der mir mit seinem seit Jahren mantraartig immer wieder gleichen Inhalt “Alles ist gut, uns geht’s doch prima” noch mehr auf den Keks geht.

      Der Nuhr hat zwei Probleme: Erstens ist er weit gereist. Wer das gesehen hat, was er gesehen hat, und in Deutschland ob des „unsere tägliche Katastrophe gib uns heute“ nicht ständig mit dem Kopf schütteln muss, der muss schon selbst andere, ernste Probleme haben. Und zweitens ist er Rheinländer.

      • stefanolix sagt:

        Das ist ein guter Punkt.

        Ich möchte aber ergänzen: Über das rituelle Bejammern der jeweils tagesaktuellen »Katastrophe« kann man auch den Kopf schütteln, wenn man nicht weit gereist ist.

  2. Xeniana sagt:

    Ich find den Nuhr im gesunden Maß kritisch und scharfzüngig:)

      • Xeniana sagt:

        Ich hab Tränen gelacht:) ich lach ja auch ganz gern mal über mich:) Ist der Botenstoff Cortisol von dem er spricht?
        Guter Rotwein für umsonst, das wäre doch mal was:)
        Danke:)

      • stefanolix sagt:

        In Anlehnung an Nuhrs Filet: Wenn es den Rotwein für umsonst gibt, wird Dir schon bald der gute Käse fehlen ;-)

        Nur noch mal zum Ausgangspunkt und zu Franks Einwand: Mir ist klar, dass die persönlichen Marotten (Stimme, Mimik und Gestik) eines Kabarettisten nie allen Leuten gefallen werden. Mir gefällt auch kein Kabarettist zu hundert Prozent. Aber es kommt doch auch ein wenig auf den Inhalt an ;-)

  3. Xeniana sagt:

    Aber der Inhalt von dem Link war doch gut oder?(fand ich jedenfalls)

    • stefanolix sagt:

      Ich fand den Ausschnitt gut. Du fandest ihn gut. Aber mancher könnte z. B. vielleicht nicht gut finden, wie sich der Künstler bewegt. Das meinte ich.

      • Frank sagt:

        Das Video zeigt einen der besseren Momente von Nuhr. Ungefähr ab dem vorhersehbaren Bahn-Witz wird es aber wieder langweilig.

  4. Xeniana sagt:

    Was meinst du denn mit „Es kommt ein wenig auf den Inhalt an. Ich dachte um den geht es:)???

  5. funkloch sagt:

    Ich würd mich mal interessieren, in welcher Beziehung die Überschrift des Textes zu ihrem Inhalt steht.

    • stefanolix sagt:

      Der Text auf den Nachdenkseiten ist in meinen Augen ein (schlecht formuliertes) Plädoyer für den Rausschmiss Nuhrs aus der Sendung. Die Autorin wäre genau dann zufrieden, wenn alle Kabarettisten auf ihrer linken Welle funken würden.

      • Erling Plaethe sagt:

        Vielleicht bemüht sich die Autorin sich ja um eine Mitgliedschaft im DJV.
        Oder beim ÖR.

      • stefanolix sagt:

        Der DJV macht auf mich noch einen relativ vernünftigen Eindruck.

        Aber ich hätte eine Organisation für die Autorin. Aus einer Pressemitteilung:

        »Die in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) organisierten Medienschaffenden stellen auf dem 26. Journalistentag der dju in ver.di die Frage, ob sie sich tatsächlich – dem Diktum von Tagesthemen-Moderator Hanns-Joachim Friedrichs folgend – nicht „gemein machen“ dürfen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.«

        Natürlich darf man sich als Journalist mit Zielen gemein machen, die man als »gut« oder »gerecht« erkannt hat. So hat der DDR-Journalismus funktioniert ;-)

      • funkloch sagt:

        Mir wimmelts da zu sehr von Unterstellungen. Kennst Du die Frau irgendwie? Ich nicht. Find weder ihren Text links, noch dass ich bei den Nachdenkseiten von einem linken Projekt im Sinne der geäußerten Kritik ausgehe. Oder sind Wiili Brand und Helmut Schmidt so eine Art Geistesverwandte mit Herrn Schnitzler, den ich übrigens recht possierlich fand in seiner Art sich für seine luzide Analyse zu feiern. Aber das ist, genauso wie schlechter journalistischer Stil nicht ideologieabhängig.

        Hier scheints aber wahrscheinlich ohnehin nur darum zu gehen, sich wiedereinmal (wie in eigentlich allen Blogeinträgen, die kein Foto zum Gegenstand haben) darum zu gehen die staatssozialistische Sau durchs Dorf zu treiben und ja, Dresden ist da wirklich ideal dafür. Ob es nun passt oder nicht, die Junge Freiheit wird kein CDU Blatt, weil Kristina Schröder dort schreibt und in der DDR gab es eine Opptosition von links, die Piraten sind alles andere als links, auch wenn sie gerne kiffen und politisches Kabarett kann Scheisse sein, auch wenn es ideologisch richtig liegt oder auch ideologisch Scheisse und trotzdem kann ich lachen …

        Wir schreiben das Jahr 2012. Jeden Tag verrecken 80000 Menschen hungers. Ein Zustand, der sich auf natürliche Weise nicht herstellen liess, bis die bürgerliche Politik und Ökonomie entstanden sind. Es gibt gute Gründe, einem solchen System das Ende zu wünschen. Und man kann von dieser Position aus Politk machen, oder Literatur, oder Journalismus, Kunst oder es lassen … Versuch doch mal nicht immer alle herabzuwürdigen, die nicht von so einer grenzenlosen Dankbarkeit über das Sosein unserer Gesellschaft beseelt sind wie Du. Vielleicht hab ich ja auch nur noch nicht begriffen, wo die gültige Aussengrenze der Humanität ist.

        Irgendwann 1988 schrieb ich: Pluralismus ist Wahlessen, uns gehts ums Kochen. Wenns danach geht, haben linke wirklich was gegen (Parteien)Pluralismus, eben, weil er zu wenig ist. Aber auf den Text auf den Nachdenkseiten kann ich das nicht beziehen.

      • stefanolix sagt:

        Vergessen Sie bei Ihrem Rundumschlag nicht ein winziges Detail: Wie viele Millionen Menschen sind durch linksgerichtete Diktaturen ums Leben gekommen?

        Soweit ich weiß, sind die Menschen in einigen linken Diktaturen ganz ohne »bürgerliche Politik und Ökonomie« an Hunger gestorben.

        Aber sicher werden Sie mir jetzt antworten, dass Lenin, Stalin, Mao, Pol Pot, Kim Il Sung und all ihre Mitstreiter gar nicht links gewesen sind. Niemals.

        Schön, dann hätten wir das auch geklärt.


        Zweifellos ist es Luxus, sich mit Sprachkritik oder Kabarett zu befassen. Wir sollten auch aufhören, Belletristik zu lesen, Musik zu hören und unser Essen zu würzen.

        Das Ziel ist erst erreicht, wenn alle nach einer Portion ungewürztem Erbsenbrei im Plenum über das Kommunistische Manifest diskutieren und dann ins Bett gehen, um am nächsten Morgen im Kollektiv aufs Feld zu ziehen.

        Und »Abweichler« sind tote Pferde, die am seichten Strand liegen …


        PS: Ich wusste doch, dass ich vor kurzem etwas zu dem Thema der linken Avantgarde gelesen habe.


      • funkloch sagt:

        Wenn es etwas gibt, was man Dir nicht nachsagen kann, dann dass Du die Texte liest, die Du verheerst. Vergiss es. Ich hab da nicht mehr wirklich Interesse daran.

      • stefanolix sagt:

        Doch. Sie haben behauptet:

        »Wir schreiben das Jahr 2012. Jeden Tag verrecken 80000 Menschen hungers. Ein Zustand, der sich auf natürliche Weise nicht herstellen liess, bis die bürgerliche Politik und Ökonomie entstanden sind.«

        Das stimmt eben nicht: In den kommunistischen oder artverwandten Diktaturen sind ebenfalls Millionen Menschen an Hunger gestorben, sei es durch gezielte Aushungerung ganzer Gebiete, Deportation in die unbewohnte Steppe, Lagerhaft mit Zwangsarbeit oder sozialistische Planwirtschaft mit Ausrichtung auf das Militär (z. B. Nordkorea).

        Den roten Bonzen ging es prächtig und die Menschen starben an Hunger. Mit »bürgerlicher Ökonomie und Politik« hatte das gar nichts zu tun.

  6. funkloch sagt:

    1. Wenn ich schreibe bis, die bürgerliche Politik und Ökonomie kam, dann heisst das: in der Geschichte bis da hin. Keine Wetterkatastrophe und kein Krieg kann offenbar derartiges Elend produzieren, wie der Normalzustand.
    2. Schrieb ich viel, was, wenn man es zusammen nimmt einen Sinn ergibt, der über das von Ihnen herausgepickte Fragment hinausgeht. Außerdem sind genug Widerreden gegen Ihre Argumente enthalten, auf die Sie in keiner Weise eingehen. Stattdessen ziehen Sie sich ein Häppchen und sagen darauf, was Sie halt immer sagen.
    3. Ist vermutlich deutlich genug geworden, dass ich mit den Realsozialismen, die ich im Übrigen für eine Spielart bürgerlicher Gesellschaft neben anderen halte, nichts am Hut hatte und habe.
    4. War die Weltökonomie auch während der diversen Sozialismen dieselbe, die sie eben ist.
    5. Wenn ich Politik und Ökonomie schreibe, meine ich Politik und Ökonomie und eben nicht Ökonomie und Politik. Die lexikalische Ordnung schliesst z.B. ein, wohin denn eigentlich meine Kritik zielt.
    6. Ich fand den Zustand, dass zum Zeitpunkt meines geistigen Erwachens am Tag 40.000 Menschen verhungert sind schon unaushaltbar. 30 Jahre später hat sich die Zahl verdoppelt.

    • Rayson sagt:

      6. Ich fand den Zustand, dass zum Zeitpunkt meines geistigen Erwachens am Tag 40.000 Menschen verhungert sind schon unaushaltbar. 30 Jahre später hat sich die Zahl verdoppelt.

      Laut UN sind es zur Zeit ca. 24.000 Hungertote pro Tag. Wenn es vor 30 Jahren 40.000 waren, hätte sich die Zahl nicht verdoppelt, sondern fast halbiert. Und das bei einem Bevölkerungswachstum von 55%.

      • stefanolix sagt:

        Danke. Die Quellen sind: FAO und UNICEF. Die Zahl 24.000 kommt vor allem durch die hohe Kindersterblichkeit zustande.


        Der Anlass für mein Zitat des Bonmots

        Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber niemand hat das Recht auf eigene Fakten.

        war aber die ungeheuerliche Gleichsetzung: Ich beziehe mich auf die Hungertoten der totalitären sozialistisch-kommunistischen Systeme [siehe: Schwarzbuch des Kommunismus] und bekomme zur Antwort, der Realsozialismus sei für funkloch lediglich eine »Spielart bürgerlicher Gesellschaft«.

        Das nimmt man zur Kenntnis und wendet sich kopfschüttelnd ab.

  7. funkloch sagt:

    Da bin ich wohl einer falschen Zahl aufgesessen. Sehe trotzdem keinen Grund zur Freude.
    Ich würde auch des rüden Tons wegen gern die Diskussion an dieser Stelle beenden. Stefanolix: Sie dürfen gern die hier veröffentlichten Texte in Ihre Belegsammlung für die Unmenschlichkeit linker Ideen übernehmen.

    • Rayson sagt:

      Sehe trotzdem keinen Grund zur Freude.

      Es freut sich auch keiner. Aber in Sachen Hunger empfehle ich immer die Lektüre Amartya Sens.

      Ich würde auch des rüden Tons wegen gern die Diskussion an dieser Stelle beenden.

      Ich mag mich ja an zu extremen Stellen des Netzes tummeln, aber als „rüde“ habe ich den Ton hier nie empfunden. Der Hausherr taugt dazu auch nun wahrlich nicht.

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