Aus der »Bundeszentrale für politische Bildung« und aus der »Welt«: Beiträge zu Tabuthemen

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat vor Kurzem einen Artikel über den Antisemitismus unter muslimisch geprägten Jugendlichen veröffentlicht. In der Zusammenfassung des Artikels heißt es:

Im August 2012 verprügeln wahrscheinlich muslimische Jugendliche einen Berliner Rabbi auf offener Straße und verletzen ihn dabei schwer. Feige Attacken wie diese gelangen zwar regelmäßig zu medialer Aufmerksamkeit. Viel häufiger begegnet einem der Antisemitismus unter muslimischen Migranten aber im Alltag, auf Schulhöfen, in Schulklassen, Moscheen, auf Facebook, in Satellitensendern und in Foren.

Dieser Artikel kann natürlich nur im Kontext gesehen werden: Antisemitismus gibt es auch in der deutschen Bevölkerung und ihm ist überall entschieden entgegenzutreten. Aber es ist schon erschreckend, was da beschrieben wird. Das Problem muss endlich analysiert und angepackt werden. Man kann über einige Schlussfolgerungen von Ahmad Mansour sicher trefflich streiten. Aber es ist zu respektieren, dass er das Problem benannt hat.


Vielleicht liegt es an den Informationen, die uns hier in Deutschland erreichen? – Manchmal denken sogar die Vertreter des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens darüber nach, was sie besser machen könnten:

Nur, was ich nicht verstehe: Warum ist der Aufschrei der Welt soviel leiser, wenn er denn existiert, wenn Tag für Tag für Tag Raketen auf Zivilisten in Israel abgefeuert werden und das nicht erst seit gestern,

warum ist der Aufschrei nicht groß, daß Organisationen wie Hamas, Islamischer Jihad, Hizbollah im Libanon usw. zivile Wohngegenden wählen, um von dort aus ihre Raketen auf den Feind abzufeuern und damit “Kollateralschaden” zu provozieren, denn sie wollen ja, daß es zivile Opfer gibt, damit diese Bilder um die Welt gehen und die Welt dann aufschreit.

Das ist nicht nur im Nahen Osten so, sondern überall. Mag das auch daran liegen, daß wir TV-Journalisten diese Bilder des täglichen “Terrors” für die Zivilisten auf der israelischen Seite nicht in den Abendnachrichten bringen?

Der Autor weist dann zu Recht darauf hin, dass die Zeit der Nachrichten im Fernsehen begrenzt sei. Aber wer hat denn die politischen Magazine drastisch gekürzt und immer wieder auf unattraktive Sendeplätze verschoben? War das nicht die ARD?

Nun will ich nicht behaupten, dass die Zielgruppe der muslimisch geprägten Jugendlichen durch die politischen Magazine der ARD erreicht worden wäre. Aber die Nachrichten der »Tagesschau« und die Berichte der Nachrichtenagenturen setzen einen gewissen Informationsrahmen. An diesen Nachrichten kommt kaum jemand vorbei. Ohne objektive Informationen über die wirklichen Zusammenhänge in und um Israel besteht die Gefahr, dass der Antisemitismus wächst.


In der »WELT« wird über in Deutschland lebende Türken berichtet, die mutig darauf hinweisen, dass der Totschlag am Berliner Alexanderplatz nicht aufgearbeitet wird. Sie sind empört über die »Reaktionslosigkeit«:

„Da wird ein junger Mensch gelyncht, mitten unter uns, weil jemand schlechte Laune hatte“, sagt Yasaroglu. „Ich stelle mir bloß vor, ein Faschist hätte einen Türken zusammengeschlagen. Das hätte einen Aufschrei gegeben!“
„Mich schreckt diese Form des Rassismus ab. Jeder Verein nutzt eine Tat für seine Interessen. Opfer ist Opfer.“ Gewartet hätten er und seine Mitstreiter, ob Migrantenpolitiker und Verbandsvertreter von sich aus ihre Betroffenheit zeigen würden. Aber es sei keine Reaktion gekommen.


Kurzes und nicht endgültiges Fazit aus beiden Artikeln: Wir brauchen eine ehrliche Berichterstattung über alle Arten der Gewaltkriminalität und eine objektive Analyse der Gefährdungen. Wir brauchen eine deutliche Stärkung der Prävention und eine deutliche Stärkung des Rechtsstaats.

Die Prävention kann am besten in Kooperation mit den Gruppen unter den Migranten funktionieren, die auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Diese muss man stärken.


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13 Antworten zu Aus der »Bundeszentrale für politische Bildung« und aus der »Welt«: Beiträge zu Tabuthemen

  1. Xeniana sagt:

    Ein Artikel , der mich beschäftigt.Grundsätzlich kann ich dem Fazit zustimmen. Wie aber kann eine Stärkung des Rechtsstaates in diesem Zusammenhang aussehen?

    • stefanolix sagt:

      Stärkung des Rechtsstaats: Jede extremistische Gewalttat und jede antisemitische Hetze sollte so schnell wie möglich vor Gericht kommen und es sollte sehr schnell ein rechtskräftiges Urteil gesprochen werden. Tat und Konsequenz müssen dicht beieinander liegen. Das stärkt die Generalprävention und die Spezialprävention.

      Bewährungsstrafen werden von solchen jugendlichen Tätern als Freispruch empfunden, also sollte man Freiheitsentzug mit Ausbildung bzw. Schulabschluss kombinieren. Wer einen Rabbi fast totprügelt oder (wie auf dem Alexanderplatz) einen Menschen erschlägt, sollte im Strafvollzug intensiv arbeiten und lernen. Nach zwei oder vier Jahren (je nach Schwere der Tat) *könnte* ein anderer Mensch entlassen werden.

  2. E-Haller sagt:

    Sehr schwieriges Thema. Sehr, sehr schwierig. Und voll von Fußangeln. Ich frag mich immer, wie groß beispielsweise der Antisemitismus in Deutschland tatsächlich ist. Zwar hat Merkel am Wochenende deim Zentralrat von einem „großen Maß“ gesprochen – aber ist das mal irgendwo belegt?

    Was ist denn Antisemitismus heute? In der Deutung einiger omnipräsenter Vertreter auch, wenn man die heutige (Außen-)Politik Israels öffentlich kritisiert. Aber ist das tatsächlich „Antisemitismus“, wenn man z.B. drohende Angriffskriege gegen den Iran (weder vom Völkerrecht noch von der internationalen Gemeinschaft in irgendeiner Form gedeckt) verurteilt?

    Ich verstehe auch folgende Argumentation nicht: „denn sie wollen ja, daß es zivile Opfer gibt, damit diese Bilder um die Welt gehen und die Welt dann aufschreit.“ – Wollen sie wirklich, dass die Welt entsprechende Bilder sieht und aufschreit? Was wäre denn die Folge eines internationalen Aufschreis? Vielleicht wollen sie einfach nur simple Rache, für die Demütigungen, die Tag für Tag in den besetzten Gebieten zu erfahren sind? Für zivile Opfer, die es durch israelische Raketen gibt?

    • stefanolix sagt:

      Das ist die Argumentation des ARD-Journalisten und aller neutralen Beobachter. Wer Raketenabschussrampen direkt neben zivilen Objekten wie Kindereinrichtungen und Wohnungen aufstellt, der *will* solche Bilder erzeugen.

      Es ist kein Antisemitismus, wenn man sich um den Frieden in dieser Region sorgt. Israel hat selbst das allergrößte Interesse daran. Aber es sollte doch bekannt sein: Man braucht zehn konstruktive Menschen, um über lange Zeit etwas aufzubauen. Man braucht nur einen Destruktiven, um in einer Minute alles wieder zu zerstören.

      Israel hat den Gazastreifen geräumt und dieses Gebiet an eine Selbstverwaltung übergeben. Seitdem kommen von dort permanent die Raketen des Terrors. Die ganz primitiven Raketen fallen sogar zum Teil auf Araber und Palästinenser, weil sie perverserweise nicht steuerbar sind.

      Die »moderneren« Raketen werden direkt aus dem Iran geliefert! Muss man sich da eher Sorgen wegen der iranischen oder wegen der israelischen Politik machen?

  3. Michael sagt:

    Schwieriges Thema ?

    E-Haller sagt:
    Sehr schwieriges Thema. Sehr, sehr schwierig. Und voll von Fußangeln. Ich frag mich immer, wie groß beispielsweise der Antisemitismus in Deutschland tatsächlich ist. Zwar hat Merkel am Wochenende deim Zentralrat von einem “großen Maß” gesprochen – aber ist das mal irgendwo belegt?
    Was ist denn Antisemitismus heute?

    Na dann lesen Sie mal hier nach. Und haben Sie die letzte Grass-Debatte verschlafen?
    Schwierig ist die Lösung des Problems, das Thema an sich nicht, wenn man sich an die Fakten hält.
    Und da geht es bei Ihnen schon los :

    E-Haller sagt:
    In der Deutung einiger omnipräsenter Vertreter auch, wenn man die heutige (Außen-)Politik Israels öffentlich kritisiert. Aber ist das tatsächlich “Antisemitismus”, wenn man z.B. drohende Angriffskriege gegen den Iran (weder vom Völkerrecht noch von der internationalen Gemeinschaft in irgendeiner Form gedeckt) verurteilt?

    Das können Sie verurteilen, bis Sie schwarz werden, kein vernünftiger Mensch wird Sie deshalb einen Antisemiten nennen. Nur wo hat das offizielle Israel je mit einem Krieg gedroht? Es gab die Warnung des israelischen Premiers vor der Uno an den Iran „bis hierher und nicht weiter“, Offizielle des Iran haben dagegen schon des öfteren Israel mit der Auslöschung gedroht.

    E-Haller sagt:
    Ich verstehe auch folgende Argumentation nicht: “denn sie wollen ja, daß es zivile Opfer gibt, damit diese Bilder um die Welt gehen und die Welt dann aufschreit.” – Wollen sie wirklich, dass die Welt entsprechende Bilder sieht und aufschreit? Was wäre denn die Folge eines internationalen Aufschreis? Vielleicht wollen sie einfach nur simple Rache, für die Demütigungen, die Tag für Tag in den besetzten Gebieten zu erfahren sind? Für zivile Opfer, die es durch israelische Raketen gibt?

    Nun ja, was den Luftschutz im Gazastreifen betrifft, sind die Führer der Verbrecherorganisation Hamas mit ihren Bunkern bestens gerüstet. Die Zivilbevölkerung sucht Schutz in UNO- und NGO-Gebäuden. So betrachtet kann man mit Fug und Recht sagen : Die Hamas will solche Bilder.
    Und „simple Rache für die Demütigung in den besetzten Gebieten“ ? Seit wann ist Gaza besetzt? Im Westjordanland gibt es Besatzung bis autonome Gebiete, eine Staffelung. Aber das ist ein anderes Thema. Die Hamas sollte im Gaza für Ordnung sorgen statt , wie Sie meinen, für andere Rache zu üben.
    Was Ihr Verständnis betrifft : Verstehen Sie eigentlich, warum Israel trotz jahrelangen Raketenbeschuß aus Gaza so lange still gehalten hat?

    • stefanolix sagt:

      Sie haben so lange durchgehalten, weil sie in der Zeit ihr Raketenabwehrsystem immer weiter verbessert haben und weil sie die Raketenabschussanlagen möglichst so gut aufklären wollten, dass es wenige zivile Opfer gibt. Das geschieht ja inzwischen mit Drohnen, die Informationen über drohende Raketenangriffe liefern. Und dann gibt es Präventivschläge. Aber alle militärischen Lösungen wären nicht notwendig, wenn aus dem Gaza-Streifen kein Terror mehr käme. Hier gibt es eine ganz klare Ursache-Wirkungs-Beziehung.

      • Antifa sagt:

        Sie haben so lange durchgehalten, weil sie in der Zeit ihr Raketenabwehrsystem immer weiter verbessert haben und weil sie die Raketenabschussanlagen möglichst so gut aufklären wollten, dass es wenige zivile Opfer gibt. Das geschieht ja inzwischen mit Drohnen, die Informationen über drohende Raketenangriffe liefern. Und dann gibt es Präventivschläge.

        Da spricht der Militärexperte. Wo hast Du das denn her?

      • stefanolix sagt:

        Kannst Du Dir die Informationen zum israelischen Abwehrsystem bitte in Eigenverantwortung beschaffen? Einstieg: Iron Dome.

      • Antifa sagt:

        Das ist mir durchaus bekannt, aber darum ging es mir nicht. Die von Dir aufgestellte Behauptung, dass Israel sich nicht verteidigt habe, um das eigene Raketenabwehrsystem zu verbessern, ist einfach Quatsch.

      • stefanolix sagt:

        Diese Behauptung habe ich nicht aufgestellt. Tatsache ist, dass Israel vor jedem Gegenschlag sehr genaue Aufklärung betreibt, um die Schäden der palästinensischen Zivilbevölkerung möglichst gering zu halten. Und Tatsache ist auch, dass ohne diese Raketenabwehrsysteme dort inzwischen ein Bodenkrieg entbrannt wäre.

    • Antifa sagt:

      Nun ja, was den Luftschutz im Gazastreifen betrifft, sind die Führer der Verbrecherorganisation Hamas mit ihren Bunkern bestens gerüstet.

      Scheinbar ja nicht ;)

  4. Michael sagt:

    Antifa sagte:
    Scheinbar ja nicht ;)

    Muß man Sie wirklich darauf hinweisen, daß dieser Abschuß der Beginn der israelischen Reaktion war.

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