Ideologie im Kindergarten

In der DDR gab es nicht nur die Jungen Pioniere mit ihren blauen Halstüchern und die Thälmann-Pioniere mit ihren roten Halstüchern. Es gab auch eine strikte Anweisung an alle Kindergärten, die Ideologie der SED in Wort, Bild und Gesang umzusetzen.

So mussten die Kinder zum Beispiel Lieder über die NVA-Soldaten singen. Die meisten Erwachsenen wussten, dass diese NVA-Soldaten nicht etwa den Frieden sicherten, sondern an der Grenze Flüchtlinge erschossen haben. Trotzdem bestand die offizielle Pflicht, solche Lieder mit den Kindern zu trainieren – ob die Kinder wollten oder nicht. Natürlich haben die Kinder überhaupt nicht verstanden, wovon sie da gesungen haben.

Auf Youtube gibt es ein Video, das mich an diese Zeit erinnert. Kinder aus einem Kindergarten sollen »für das Klima« singen. Man mag es nicht »singen« nennen, was man in diesem Video hört. Man sieht ganz deutlich, dass einige Kinder dabei nicht freiwillig mitmachen, dass sie dieses Gebrüll geradezu quält. Trotzdem dürfen sie offensichtlich die Bühne nicht verlassen.

Wer sich das ganze Video aufmerksam anschaut, hat ein sehr gutes Beispiel dafür gesehen, wie man mit Kindern im Kindergarten nicht umgehen sollte.


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23 Responses to Ideologie im Kindergarten

  1. Frank sagt:

    Gegen Indoktrinierung von Kindern habe ich auch was. Aber

    1. Ich denke, dass man bei jeder Kindergartenveranstaltung „wir spielen was vor“ oder „wir singen gemeinsam ein Lied“ ein paar Knirpse entdecken wird, denen das nicht gefällt.

    2. Weiß ich nicht, ob man das dem Kindergarten so anlasten kann? Bei dem konkreten Kindergarten dürfte es auch daran liegen, dass die Klientel, also die Eltern so etwas möglicherweise erwarten und die Erzieherinnen da auch solche Sachen anbieten müssen. Immerhin gibt der Kindergarten an: „Der Leitgedanke von HAMBURG INTERNATIONAL KIDS ist eine ganzheitliche Erziehung“. Weiterhin geht es um „ökologisches Denken“. Wer schon mal Eltern erlebt hat, die ihr Kind nur in einen ganz speziellen Kindergarten geben wollen, welcher auch ein gewünschtes (und manchmal recht obskures) Konzept hat, der ahnt, wie anstrengend Eltern für Erzieherinnen sein können. (Ich hatte bis vor kurzem eine solche Dame als Nachbarin – ich könnte viele lustige Stories erzählen …)

    Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass in ähnlichen Kitas vergleichbare Projekte stattfinden. Wir haben in Dresden ja auch z.B. „Das ökologische Kinderhaus in der Dresdner Neustadt“ – vielleicht gibt es da ähnliche Videos ;-) ?

    • stefanolix sagt:

      Jeder Kindergarten hat ein Konzept und ein »Leitbild vom Kind« (wenn ich das an dieser Stelle etwas vereinfachend so sagen darf). Von diesem Leitbild wird die Planung der Projekte, der Veranstaltungen und des Tagesablaufs bestimmt.

      Ich darf aus eigener Beobachtung und der Erfahrung mit langjähriger ehrenamtlicher Dokumentation sagen: Kindergartenkinder können über ein bis zwei Quartale anspruchsvolle Projekte verwirklichen. Da wird von der Themenwahl über die Zielsetzung und die Gestaltung des Logos alles von den Kindern verwirklicht.

      Ein Leitbild, das die Kinder in den Mittelpunkt stellt, wird zuverlässig verhindern, dass die Kinder zu einer Gruppe zusammengestellt werden und eine solche Vorführung bieten müssen.

      Spät am Abend gern mehr, mir fehlt jetzt gerade aus beruflichen Gründen die Zeit für längere Ausführungen.

      Was dort jedenfalls geboten wird, ist nicht nur von einem falschen Leitbild geprägt, sondern es spricht darüber hinaus auch noch jedem Ansatz von Musikpädagogik Hohn.

    • Xeniana sagt:

      auf die lustigen Stories wäre ich gespannt:)

  2. Xeniana sagt:

    Das ist „Bella ciao“ oder? Konnte es vor lauter Gebrüll nicht genau hören. Also musikpädagogisch stimme ich dir zu Furchtbar.
    Wie kann man so was ins Netz stellen?

    • Gutartiges Geschwulst sagt:

      Es ist “Bella ciao”, wenn auch in einer wahren Horrorversion.
      Warum können die Gören nicht mal was anständiges singen, wie „Die Internationale“ (moderne Version)?:

      [Link entfernt. Wer sich dafür interessiert, mag »Die Wahre Internationale« bei Youtube suchen. Muss ich hier im Blog nicht haben.]

    • stefanolix sagt:

      @Xeniana: Weil es für eine gute Sache ist? – Aber über das musikalische Problem hinaus sträubt sich alles in mir, wenn ich den Umgang mit den Kindern sehe.

  3. Xeniana sagt:

    Aber gerade weil es für eine gute Sache sein soll, hätte man sich Mühe geben können…

    • stefanolix sagt:

      Ein Kindergarten ist nach meiner bescheidenen Meinung in erster Linie für die Bildung und Betreuung der Kinder da. Die Indoktrination für eine »gute Sache« ist schon in der DDR furchtbar schiefgegangen …

      • Der Emil sagt:

        Nur zu Satz 2:

        Ach wirklich?

        Ich hab es anders erlebt. Jaja, eas gab ganz viele DDRen, in meiner wußze man zB, daß die Grenztruppen zwar an der Grenze auch geschossen haben, aber NVA-Soldaten zu keiner Zeit am Hindukusch oder in Srebrenica die Deutschen Interessen verteidigen mußten. Ob das Lied vom Volkspolizisten schlimmer war als Haribo-Werbung oder Yu-Gi-Oh-Geträller?

  4. Xeniana sagt:

    Ich hab mir darüber Gedanken gemacht, aber ich finde es gar nicht so einfach zwischen konzeptionell verschiedenen Richtungen und Indoktrination zu unterscheiden. Was stört dich denn am Umgang? Die Erzieher machen zumindes auf dem Video ja nichts……Ich reblogg das mal ok?

  5. Xeniana sagt:

    Nein, irgendwie stimme ich dir da nicht zu . Di Kinder haben ja nicht für eine politische Richtug gesungen. Unter deinem Blickwinkel kann da dann doch alles Indoktrination sein. Der Aufbau einer Krippe, ei Gebet, ein Projekt gegen Nazis….. es ging doch nur um das „Klima“ oder?

    • stefanolix sagt:

      Kindergartenkinder können nicht bei einem »Projekt gegen Nazis« mitmachen, weil sie gar nicht verstehen, worum es dabei geht.

      Sie können sich einbringen, wenn es im Kindergarten um Achtung und Toleranz, gesundes Selbstbewusstsein und Respekt gegenüber anderen Menschen geht. Was ja eine sehr gute Vorbeugung ist.

      Und ähnlich ist es mit dem Klimaschutz: Kinder sollen natürlich lernen, sorgsam mit Ressourcen umzugehen, ihren Müll wegzuräumen etc. Aber Kinder ahnen im Kindergartenalter nichts von Nachhaltigkeit und erst recht nicht von irgendwelchen »bösen« oder »guten« Formen der Energieversorgung.

    • Lenbach sagt:

      es ging doch nur um das “Klima” oder?

      Nur ist gut. Die Welt des Kinderfernsehens z.B. ist voll mit diesem Mist:

      http://www.tivi.de/fernsehen/logo/index/19467/index.html

      Und von wegen keine politische Richtung: Damit die Kinder die Eltern dann zum „grünen“ Stromwechsel nötigen zu können und bereits frühzeitig wissen, wer die Guten sind, nämlich die mit der hübschen Sonnenblume im Logo. Auf welcher Seite der Symbiose sie später dann arbeiten, Strom- und Gelderzeuger oder Politiker, ist eigentlich egal.

      Der Aufbau einer Krippe, ei Gebet, ein Projekt gegen Nazis…

      Bin ich altmodisch, wenn ich es abartig finde, wie jemand auf die Idee kommen kann, den Aufbau einer Krippe, das Sprechen eines Gebets und ein Projekt gegen Nazis in einem Satz zu nennen? Und das auch noch bezogen auf den Kindergarten?

      Da würde den Kindern dann erzählt werden, daß Nazis ganz kurze Haare haben, keine Ausländer mögen und deshalb ganz böse sind. Außerdem seien sie Klimaleugner. Und schwups!, schon sähe es ganz traurig aus für den einen Jungen im Video, (halbrechts hinten natürlich), der das „Klimalied“ nicht mitsingt, dabei den asiatisch aussehenden Jungen mißtrauisch beäugt und außerdem kurze Haare hat. Und weil dann alle jahrelang (in der Schule geht das ja weiter) ganz mies zu dem „Entlarvten“ sind, behält er die kurzen Haare aus Trotz einfach bei und wird wirklich böse…

      • stefanolix sagt:

        Hier muss ich kurz eingreifen. Xeniana hat die Beispiele zwar kühn in einen Satz gefasst, aber es gibt wirklich eine Gemeinsamkeit: Spezielle Gruppen könnten jeweils Indoktrination unterstellen. Ich will das gar nicht weiter mit Beispielen ausführen, zwei Andeutungen sollen genügen: Entschiedene Gegner der Kindergärten unterstellen eine Indoktrination der Kinder im Sinne des Staates oder der Wirtschaft; entschiedene Gegner der Religion unterstellen eine Indoktrination bei jeder Beschäftigung mit religiösen Themen.


        Zum ersten Absatz: Es wäre in der Tat zu untersuchen, in welchem Umfang die Solar/Wind-Lobby Material für Kindergärten und Schulen sponsort, mit dem die Kinder in diese Richtung beeinflusst werden. Dafür fehlt mir jetzt einfach die Zeit. Aber Kinder sind kritischer, als man denkt. Wenn sie zu plump agitiert werden, dann gehen sie auf Distanz.


      • Xeniana sagt:

        Ich finde deinen Stil im besten sinne polemisch….Vielleicht hast du recht , dass man die Beispiele nicht in einem Satz nennen kann,.Du nennst es abartig, ich nenne es gedankenlos.
        Den Rest ist meiner Meinung nach an den Haaren herbeigezogen….. .

      • Lenbach sagt:

        @stefanolix

        Auch ganz kurz: Am Besten sollten Kinder überhaupt nicht indoktriniert werden, weder im Kindergarten, noch in der Schule. Ich denke, da sind wir uns einig. Die Kinder sollten unbeschwert aufwachsen von politischen Ansichten oder Ideologien. Sie sollten in erster Linie Spaß haben und das soziale Miteinander lernen. Wenn man an Terminen wie Weihnachten oder Ostern, die die Kinder ja in der Familie erleben, über den Hintergrund dieser Feste „aufklärt“ (Krippe bauen), sehe ich darin keine Indoktrination, sondern in erster Rolle eine Pflege der Tradition und des Brauchtums. Sowas gibt Struktur und Halt. Ich finde das wichtig, aber wie gesagt, vielleicht ist das bereits eine altmodische Ansicht.

        @Xeniana

        Ich finde eben, man kann diese Dinge nicht miteinander vergleichen, siehe meine Antwort an stefanolix. Mich regen diese zeitgeistigen Erziehungsmaßnahmen unglaublich auf. Es gibt bspw. mittlerweile Kindergärten, die sich mit Gender Mainstreaming beschäftigen. Abartig!

        Also nimm es bitte nicht persönlich, der polemische Abschnitt hat sich einfach aufgedrängt beim Betrachten des Videos.

  6. Xeniana sagt:

    Der Kommentar sollte sich auf Lenbach beziehen!
    @stefanolix Ich schätze deine Sachlichkeit!!!

  7. flax sagt:

    Politische Instrumentalisierung von Kindern in Kinderläden hab ich auch nach der Wende in Westberlin erlebt.
    Es war zur Zeit des ersten Golfkrieges und wir waren alle ganz fleißig dabei durchgestrichene Panzer zu malen und amerikanische Fahnen durchzustreichen um unsere Bilder dann in Geschäften in Kinderladennähe aufzuhängen.

    Es war zwar nicht staatlich Aufoktroyiert wie in der DDR aber besonders in linken Kreisen in denen ich groß geworden bin gehörte es dazu. Frei nach der linken Ideologie „Alles ist politisch“.
    Selbst der Bastelluntericht im Kinderladen.

    mfg flax

  8. okapi sagt:

    Mal abgesehen davon, dass die Grenztruppen und die NVA verschiedene bewaffnete Organe waren. Erstere waren die bösen. Letztere haben im Sommer den Frieden geschützt und im Winter in den Braunkohletagebauen gekämpft. Und trotzdem ist Stefanolix´ Einleitung schon ziemlich weit hergeholt.

    Ich halte es für ein Ding der Unmöglichkeit, Kinder im Kindergarten und auch zu Hause im luftleeren Raum nur mit Stift und Schere und leerem (!) Mal- und Bastelpapier ohne Beeinflussung „unbeschwert“ Kind sein zu lassen.
    Wo wollen Sie denn die Grenze ziehen, was ideologische, politische oder religiöse Beeinflussung ist. Müll trennen, Strom sparen ist gut, nur warum? (Schwupps: Öko(Ideo)logie!) Weihnachtsengel basteln – Warum hat das Kind Flügel? (Schwupps: Religion.) Krieg und Frieden? (Schwupps: Politik!)
    Ein kirchlicher Kindergarten darf scheinbar beeinflussen, ein weltlicher nicht?
    Es ist seit Urzeiten Tradition, dass die Kinder bereits von klein auf – gleich nach der Taufe – „indoktriniert“ werden, nicht erst seit Erfindung des Kindergartens. Sonst würden sie z.B. keine Christen werden. Warum also so viel Wind? Die Eltern haben doch die Freiheit, den Kindergarten passend auszusuchen oder gar Herdprämie zu nehmen.

    Unstrittig ist, dass der Kindergarten oder wer auch immer mit der Veröffentlichung des Videos einen Bock geschossen hat – unabhängig vom Thema . Das hat im Interesse der Kinder nichts im Web zu suchen. Offenbar scheint man das korrigiert zu haben. Bei mir kam gerade „privat“ beim Aufruf des Videos.

    • stefanolix sagt:

      Es geht in meinem Artikel um eine Parallele: Früher sangen die Kinder »Soldaten sind vorbeimarschiert« und heute singen sie »für das Klima« – in beiden Fällen verstehen Kinder definitiv nicht, was sie da von den Erwachsenen vorgegeben bekommen.

      Wo will ich die Grenzen ziehen? Erstens soll das Kind als Persönlichkeit respektiert werden. Dazu zählt auch, dass man es nicht für die Zwecke von Erwachsenen instrumentalisiert.

      Zweitens soll das Kind entsprechend seinem Verständnis und seinen Fähigkeiten handeln. Ein Junge im Kindergartenalter kann verstehen: Wenn durch mein Basteln Müll anfällt oder wenn etwas schmutzig geworden ist, muss ich mich darum kümmern. Dann kann ihm die Erzieherin erklären, wo er den passenden Mülleimer und das Küchenpapier findet. Jedes Kind aus der Gruppe deckt reihum den Tisch – damit es Mittagessen geben kann.

      Es ist sicher unumstritten, dass Kinder ein soziales Verhalten üben sollen. Aber es wäre völlig verfehlt, sie mit einem Lied auf den Lippen für die Sicherung der Sozialversicherungssysteme singen zu lassen.

  9. Sathiya sagt:

    Nachdem ich alle Kommentare gelesen habe: den Kindern im Kindergartenalter ist es zum gößten Teil schnuppe, ob sie die Vogelhochzeit oder die Nationalhymne singen.
    Es bedeutet ihnen nichts. Was ihnen aber etwas bedeutet, sind die Reaktionen der Erwachsenen. Und manche Kinder singen gern, machen weniger gern, aber alle müssen auf der Bühne stehen, um einen „gemeinsamen Augenblick“ zu erleben. Das finde ich viel schlimmer, das prägt sich viel stärker ein.

    Ich erinnere mich viel deutlicher an Augenblicke der Demütigung (in denen ich zu etwas gezwungen wurde, was ich selbst nicht wollte, den Kampf dagegen, das Aufgeben und die Erniedrigung, den Wünschen eines anderen nachkommen zu müssen – in meinem Fall ein mich lächerlichmachender Bühnenauftritt. Seitdem hasse ich es, öffentlich mehr als einen kurzen Satz sagen zu müssen), als an irgendwelche Armeelieder (ja, ich bin auch ein DDR-Kind).

    Und noch eines: mit Kindern läßt sich ganz wunderbar Politik machen.
    Ist es nicht entzückend, wenn kleine Mädchen auf Staatsempfängen Blumen überreichen? Oder kleine Jungens oben auf Panzern mitfahren… oder die süßen Kleinen ein Plakat für den Frieden, gegen Windkraftanlagen, für Solarstrom, gegen Rot-Grün, für das Leistungsschutzgesetz, was auch immer übergeben?
    Solange sich die Politik nicht ändert, wird es sowas geben. Solange mit Kindern und an Kindern Geld verdient wird.

    Ich verstehe vollkommen, daß man sich gestört fühlt und dagegen protestieren möchte. Nur wo? Bei wem? Es ist eben leider ein Kampf gegen Windmühlen…

    Grüße, Sathiya

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