Ein interessanter Wunsch der »Sächsischen Zeitung«

31. Dezember 2012

Die Kulturredaktion der »Sächsischen Zeitung« hat einen großen Artikel mit guten Wünschen für das Jahr 2013 veröffentlicht. Und wie das so mit guten Wünschen ist: Wer sie lesen will, der soll erst mal bezahlen:

Wünsch dir was
Jetzt schlägt’s zweitausenddreizehn: SZ-Kulturredakteure verraten, was sie sich für das neue Jahr erhoffen, nämlich …

Damit Sie den Artikel vollständig lesen können, benötigen Sie einen Zugang zu unserem Premiumdienst sz-exklusiv.

In der gedruckten »Sächsische Zeitung« bin ich am Morgen in den Genuss aller Wünsche gekommen. Zwei Wünsche haben mich ganz besonders zum Nachdenken angeregt und ich habe in meinem kostenlosen Premiumblog etwas darüber geschrieben. Bitte hier entlang ;-)

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Schwanentanz

30. Dezember 2012

Schwäne auf der Elbe (30.12.2012).


Winterlicht / Elbwiesen

30. Dezember 2012

Winterlicht / Elbwiesen (30.12.2012).


Winter im Botanischen Garten (5)

29. Dezember 2012

Bilder vom 29.12.2012.


Anzahl und Quote der Gefangenen in Sachsen

21. Dezember 2012

Sachsen hat zur Zeit etwa 4.128.000 Einwohner. Ein kleines statistisches Rätsel: Wie viele Menschen werden das Weihnachtsfest 2012 in Sachsen im Gefängnis verbringen? Sind es (jeweils rund):

(a) 30.000
(b) 15.000
(c) 7.500
(d) 3.500

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Zettels Nachruf auf Peter Struck

19. Dezember 2012

Zettel hat einen einfühlsamen Nachruf auf Peter Struck verfasst, in dem er die beiden Seiten der SPD charakterisiert:

Sie war und ist zu einem Teil eine Partei, die von einer gesellschaftlichen Utopie träumt; einer vom Staat kontrollierten Gesellschaft, in der alles das, was das Leben gefährlich und unwägbar macht, durch Netze und Stützen abgemildert, am besten ganz aufgefangen wird. Eine Partei der Sanftheit und des Stillstands also; der Ablehnung von Konkurrenz und Wachstum. Eine der Parteien, die sich uns Bürger als umsorgt von Mutter Staat wünschen.

Zu ihrem anderen Teil war die SPD aber auch immer die Partei von wagemutigen Leuten wie Ferdinand Lasalle, der bei einem Duell ums Leben kam; wie Friedrich Ebert und Gustav Noske, die sich dem Versuch einer kommunistischen Revolution entgegenstellten. Die SPD war im Widerstand gegen die Nazis ebenso wie gegen die Kommunisten.


Der sächsischen SPD fehlt(e) es nach der Wende an Persönlichkeiten vom Format eines Peter Struck. Ich finde es bedauerlich, dass die SPD mit ihrer stolzen Geschichte hier im Freistaat nie zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz der CDU geworden ist. Ein Wettbewerb zwischen gleichstarken Konkurrenten wäre gut für die sächsische Demokratie und für beide Parteien gewesen …



Nette Anfragen

19. Dezember 2012

WordPress liefert eine Liste der Suchbegriffe, mit denen das eigene Blog gefunden wurde. Mit den Suchbegriffen sind manchmal ganze Geschichten verbunden, so wie in diesem Fall:

im botanischen garten gibt es einen kaktus, der eine nahe familienangehörige bezeichnet. welchen kaktus suchen wir?

Schön, wenn man helfen kann. Man findet ihn in diesem Blog mit dieser Suche ;-)



Das neue Online-Angebot der Sächsischen Zeitung: Ein Artikel und seine Quelle

18. Dezember 2012

Unter den »Schlagzeilen des Tages« ist im neuen Online-Angebot der Sächsischen Zeitung momentan folgende Überschrift zu finden: Interne Extremismus-Plattform für Kommunen. In wenigen Zeilen wird berichtet, dass sich die sächsischen Kommunen mit einem internen Wiki in Zukunft besser vernetzen können. Als Quelle der Meldung wird dpa genannt.


Wäre es wirklich so schwer, einen Link auf die eigentliche Quelle der Meldung zu setzen? Es gibt zu diesem Thema nämlich eine Pressemitteilung der sächsischen Staatsregierung, die wesentlich ausführlicher und informativer ist. Kleiner Geheimtipp an die »Sächsische Zeitung«: In einem Online-Medium kann man solche Quellen verlinken, so wie es Blogger schon seit Jahren tun …


Das Thema ist nämlich viel interessanter, als es die dpa-Meldung erscheinen lässt. Einerseits will die Staatsregierung Wissen vermitteln und den Austausch über die Erfolgsmethoden zur Stärkung der Demokratie anstoßen.

Die Plattform soll extremismusbezogenes Hintergrundwissen vermitteln. In diesem Zusammenhang werden regelmäßig aktualisierte Informationen zum Extremismus im Freistaat Sachsen, aber auch zu seinen kommunalen Bezügen (z. B. regionale Lagebilder) sowie entsprechende Arbeitsmaterialien Strategien und Handlungsvorschläge bereitgehalten.

Andererseits soll es eine weitgehend geschlossene Veranstaltung werden:

Außerdem wird auch der Austausch und die Diskussion unter den Nutzern eine wichtige Rolle spielen. Das „KommunalWiki“ lebt davon, dass sich viele dort aktiv einbringen und ihr Wissen mit anderen teilen. Auch können gezielte Fragen an eine Kommune gestellt werden, die zuvor ein erfolgreiches Projekt vorgestellt hat.

Insofern – und auch um Missbräuche zu vermeiden – ist das Kommunal-Wiki ungeeignet für einen Zugang der breiten Öffentlichkeit über das Internet. Es handelt sich um eine reine Intranet-Plattform.

Das ist sehr schade und damit wird eine Chance vergeben: Prinzipiell kann man auf jeder Plattform öffentliche und interne Informationen miteinander verbinden. Es stellt sich hier die Frage: Wer hat Zugang? Wem wird der Zugang verweigert?



Das neue Online-Angebot der »Sächsischen Zeitung«

18. Dezember 2012

Ich hatte es im Blog »Flurfunk« gelesen und war sofort neugierig: Die »Sächsische Zeitung« hat einen neuen Online-Auftritt gestartet.

Der Artikel zu diesem Neustart ist am Mittag von der sz-online-Startseite verschwunden, nachdem es im Kommentarbereich massive Kritik der Leserinnen und Leser gab. Am Ende dieses Artikels heißt es:

Schreiben Sie uns oder kommentieren Sie hier unter dem Artikel, was wir besser machen können, wie Ihnen das neue Layout gefällt und was Ihnen im neuen Auftritt vielleicht noch fehlt.

Zunächst werden wir Ihre Anregungen sammeln – Anfang 2013 folgt dann die Auswertung und etwas später werden Programmierer und Redakteure die besten Ideen und Verbesserungswünsche umsetzen.

Das haben viele Kommentatoren getan. Man findet unsachliche Kritik und sachliche Hinweise. Etliche drohen mit Abo-Kündigung. Das Lob hält sich in engen Grenzen.


Gestaltung

Auch wenn ich damit in der Minderheit sein sollte: Ich finde die Gestaltung prinzipiell in Ordnung und sehe eine positive Entwicklung. Die Seite macht jetzt einen freundlicheren und offeneren Eindruck. Die (wenigen) frei verfügbaren Artikel sind gut lesbar.

Die Darstellung der Fotos aus der gedruckten Ausgabe wird sich sicher verbessern lassen. Aber das gehört zu den Startschwierigkeiten. Für die Gestaltung: Daumen hoch!


Werbung

Allerdings muss ich den Einsatz eines Firefox-Plugins zum Blockieren der Werbung dringend empfehlen. Ich habe mir die Seite mit dem Safari-Browser ohne Werbe-Blocker angeschaut: So hätte ich es keine fünf Minuten ausgehalten. Man kann sich wirklich nicht auf den Inhalt konzentrieren, wenn die (wahllos zusammengestellte) Werbung von allen Seiten blinkt.

Interessant ist: Die »Sächsische Zeitung« streut zwischen die Artikel Werbung ein und grenzt diese Werbung allenfalls symbolisch ab. Die Werbe-Artikel sind typographisch wie die redaktionellen Artikel gestaltet. Im Safari sehe ich ganz klein das Wort »Anzeige«, aber keine Abgrenzung.

Kaum abgegrenzte Anzeige …

Screenshot-Ausschnitt aus Safari: Kaum abgegrenzte Anzeige.
Oben ist das letzte Wort des vorhergehenden Artikels zu sehen.
Darunter geht es mit dem nächsten redaktionellen Artikel weiter …

Mit Firefox und Werbe-Blocker fällt die eingestreute Werbung übrigens weg. Dann sieht man nur noch an manchen Stellen das Wort »Anzeige«, aber man sieht diese Anzeigen-Artikel nicht mehr. Auch eine Lösung.


Funktionen

Im alten Online-Auftritt konnte man sehr bequem auf die Nachrichten der letzten Tage zugreifen. Somit fand man die meisten Artikel recht schnell. Das ist (bisher?) nicht mehr vorgesehen. Es gibt in keinem Bereich eine Möglichkeit, direkt auf die Nachrichten von gestern zuzugreifen.

Noch gravierender ist aber ein anderer Einschnitt: Eine Suchfunktion ist überhaupt nicht mehr erkennbar. Früher wusste man: rechts oben gibt es eine Suche. Heute sucht man vergebens danach. [Update: Suche ist jetzt vorhanden.]

Ich habe nicht den Eindruck, dass man die neue Website mit erfahrenen Nutzern getestet hat. Ich wage die Behauptung: Wenn man wirklich Usability-Tests durchgeführt hätte, wäre man mit dem Angebot in dieser Form nicht an den Start gegangen. Für die Funktionalität: Daumen ganz weit runter! Es kann nur besser werden.


Inhalt

Zum Zeitpunkt des Schreibens an diesem Artikel ist im Bereich Sport gar kein Artikel frei verfügbar. Alle Artikel weisen ein Euro-Symbol auf. In den anderen Bereichen sind nur ganz wenige Artikel frei verfügbar. Viele Kommentatoren geben den Eindruck wieder, dass der Anteil der frei verfügbaren Artikel drastisch gesunken sei.

Manche Artikel werden jetzt mit Symbolfotos versehen. Um es vorsichtig auszudrücken: Die Auswahl ist nicht immer glücklich. Wenn die Zeitung kein aktuelles Foto zu einem Sachverhalt hat, kann ich gern darauf verzichten. In dieser Form bietet die »Sächsische Zeitung« nur Material für Stefan Niggemeiers Serie mit super-sinnlosen Symbolfotos.

Für den Inhalt: Daumen waagerecht. Es kann besser werden, wenn man mehr Artikel freischaltet und auf offensichtlich sinnlose Symbolfotos verzichtet. Allerdings sollte man in Zukunft auch auf solche Einlagen verzichten:

Polizei nimmt achtfach gesuchten Mann fest

Dresden. Einen achtfach gesuchten Mann haben Beamte der Bundespolizei am Montag auf dem Dresdner Hauptbahnhof festgenommen. Der 68-Jährige war gleich zweimal zur Festnahme ausgeschrieben, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.

Die Konkurrenz hat nämlich gleich einen draufgesetzt. Die DNN titelt:

Bundespolizei nimmt am Dresdner Hauptbahnhof neunfach gesuchten Mann fest


Dialog mit den Lesern

Der Artikel zum Neustart hatte bisher mehr als 140 Kommentare. Eine Antwort der Redaktion habe ich beim Überfliegen nicht gefunden. Man könnte sich ja vorstellen, dass ein Online-Redakteur schreibt: Wir arbeiten daran, die Suchfunktion bereitzustellen. Oder: Wir bereiten noch die eine oder andere Verbesserung vor.

Auch wenn das zusätzliche Arbeit ist: Für den Start des neuen Angebots hätte man zumindest am ersten Tag jemanden einsetzen sollen, der auf die Kommentare der Leser reagiert.


Fazit: Es kann besser werden. Es muss besser werden. Die »Sächsische Zeitung« sollte mit der Auswertung der Kritik und mit Verbesserungen nicht bis Anfang 2013 warten …



Winter 2012 im Botanischen Garten (4)

17. Dezember 2012

Rundgang im Sukkulentenhaus … (16.12.2012).


Wenn der Spaß zu weit geht

16. Dezember 2012

Die »F.A.Z.« bringt ein beeindruckendes Stück Medienkritik zum Fall der Krankenschwester, die sich nach dem üblen Scherz-Anruf eines australischen Senders in England das Leben genommen hat.

Das ist alles richtig: Der Anruf löste eine tragische Kettenreaktion aus. Die Kettenreaktion führte zum Tod eines Menschen. Die Medien müssen Konsequenzen ziehen.

Aber diese Kettenreaktion hätte unterbrochen werden können: Die Führungskräfte und Personalverantwortlichen des Hospitals hätten in dieser Situation Gespräche mit den beiden betroffenen Krankenschwestern führen müssen [eigentlich hatte die zweite Krankenschwester auf der Station mindestens genauso falsch gehandelt].

Allen Beteiligten muss bekannt gewesen sein, welche Besonderheiten mit dem Fall verbunden waren: Die Krankenschwester hatte Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Sie hatte ein besonderes berufliches Ehrgefühl. Sie hatte Familie. Sie stand urplötzlich exponiert in der Öffentlichkeit.

Es hätte doch ein Personalgespräch gereicht, um der Krankenschwester Klarheit über ihre Zukunft im Job zu geben. Dabei hätte man auch erkannt, wie es um die Mitarbeiterin steht und ob sie eine psychologische Betreuung braucht.

In meinen Augen hat nicht nur der Sender aus Australien versagt, sondern auch die Führungsetage des Krankenhauses.



Winter 2012 im Botanischen Garten (3)

16. Dezember 2012

Rundgang am dritten Advent …


Ins lauwarme Wasser

14. Dezember 2012

Der Dresdner Stadtrat hat die Bäder der Stadt in eine GmbH unter dem Dach der Technischen Werke Dresden ausgegliedert. Dazu lässt sich die Zeitung DNN folgenden denkwürdigen Satz einfallen:

Ab Januar nächsten Jahres liegen die städtischen Schwimmbäder nicht mehr dem Haushalt der Stadt auf der Tasche, sondern der Gewinn- und Verlustrechnung der Technischen Werke Dresden (TWD), einer städtischen Dachgesellschaft der Stadt, zu der auch die DVB und die Drewag gehören.

Diesen Satz muss man in seine Bestandteile zerlegen, um ihn in seiner ganzen Tragweite verstehen zu können:

1. Die städtischen Schwimmbäder liegen bis zum 31.12.2012 dem Haushalt der Stadt »auf der Tasche«.
2. Die städtischen Schwimmbäder liegen ab Januar 2013 der Gewinn- und Verlustrechnung der TWD »auf der Tasche«.
3. Zur TWD gehören auch DVB und DREWAG.

Und dann sieht man: Es stimmt einfach nichts. Der Autor verwendet die Metapher »auf der Tasche liegen« in einem völlig falschen Zusammenhang. Die Bäder können weder dem städtischen Haushalt noch einer Gewinn- und Verlustrechnung »auf der Tasche liegen«.


Bis Ende 2012 ist es so: Die Bäder bieten den Bürgern subventionierte Leistungen an. Die Subventionen werden aus dem Haushalt der Stadt aufgebracht. Der Haushalt der Stadt wird mit dem Steuergeld der Bürger und Unternehmen gefüllt. Also zahlen die Bürger und Unternehmen.

Ab Anfang 2013 bieten die Bäder den Bürgern immer noch subventionierte Leistungen an. Dann werden diese Subventionen aus den Gewinnen der DREWAG aufgebracht. Die Gewinne der DREWAG werden erzielt, weil die Kunden mehr Geld für Wasser, Strom, Fernwärme und Gas bezahlen, als für die Kostendeckung notwendig wäre. Also zahlen auch in diesem Fall die Bürger und Unternehmen.


Jetzt behaupten die Befürworter der Eingliederung der Bäder in die TWD: Das ist doch eine tolle Maßnahme. Der Haushalt wird in den Jahren von 2013 bis 2017 um 37 Millionen Euro entlastet.

Dabei verschweigen sie aber: Die DREWAG als Gewinn erzielendes Unternehmen innerhalb der TWD wird mindestens mit diesem Betrag belastet. In Wahrheit wird die Belastung vermutlich noch größer sein, denn die neue Bäder-GmbH muss kräftig investieren, um Schließungen maroder Bäder abzuwenden. Das wird meist teurer als geplant.


Auch das ist aber noch nicht die ganze Wahrheit. Die Gewinne der DREWAG sind nur scheinbar eine Verfügungsmasse der Stadtverwaltung. Die DREWAG müsste ihre Rücklagen eigentlich für nachhaltiges Wirtschaften einsetzen: für Investitionen in unsere Versorgungsnetze und in energiesparende Technologien. Das ist nämlich ihrer Kernaufgabe.

Außerdem – und darüber redet in Dresden kaum jemand: Die DREWAG muss den Preis für den Rückkauf von Anteilen durch die Stadt im Jahr 2010 aufbringen. Diese Kredite bedienen sich ja nicht von selbst. Laut Geschäftsbericht 2011 haben sich die Verbindlichkeiten von 2010 (dem Jahr des Rückkaufs) bis 2011 um 86 Millionen Euro erhöht. Die DREWAG hatte Ende 2011 Verbindlichkeiten von insgesamt 632 Millionen Euro.

Es ist also an dieser Angelegenheit überhaupt nichts so einfach, wie es die DNN darstellt. Der Journalist hat keinen Sprung ins kalte Wasser gewagt. Er hat sich sanft ins lauwarme Wasser gleiten lassen. Immerhin schreibt er am Ende:

Die Verwaltung musste von allen Fraktionen Schelte einstecken, weil die Vorlage viele Fragen offen ließ, so gebe es kein tragfähiges Finanzkonzept, fehle ein Personalüberleitungskonzept und es mangele an einer Bäderkonzeption.

Dann fragt man sich um so mehr: Warum kam dieser Beschluss zustande?


Link: Geschäftsbericht der DREWAG (PDF)



Panzerbilder aus der Wikipedia in der DNN

11. Dezember 2012

Die DNN berichten heute über eine interessante Aktion: Dresdner Friedensaktivistinnen wollen einen ganzen Panzer mit Selbstgestricktem verhüllen (hier gibt es mehr Informationen). Als Illustration werden den Leserinnen und Lesern zwei Bilder von Panzern angeboten, die laut Quellenangabe von den Nutzern Balcer und Radomil aus der Wikipedia stammen. Sie stellen einen Leopard-Panzer und einen T-34-Panzer dar.

Bild 1: Leopard-Panzer von Nutzer Balcer.
Bild 2: T-34-Panzer von Nutzer Radomil.

Das Pikante daran ist: Beide Bilder stehen unter einer speziellen Lizenz.

Es ist erlaubt, die Datei unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation, zu kopieren, zu verbreiten und/oder zu modifizieren (…).

Wenn man Bilder gemäß dieser Lizenz verbreiten möchte, muss man immer einen Hinweis auf die Lizenz beifügen. Die Quelle »Wikipedia« reicht auch dann nicht, wenn die beiden Wiki-Nutzernamen der Fotografen genannt werden.

Noch wichtiger ist aber: Wenn diese Bilder unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation stehen, dann dürfen sie ohne Weiteres nur in Werke eingefügt werden, die unter der selben Lizenz frei verbreitet werden können – kurz: in freie Dokumentationen. Das trifft aber auf eine gedruckt oder digital verbreitete Zeitung gerade nicht zu.



Das Urteil trifft nicht Dynamo Dresden. Es trifft die Stadt Dresden.

11. Dezember 2012

In der F.A.Z. und bei SPON ist es seit gestern Abend eine wichtige Nachricht: Dynamo Dresden wurde vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes für eine Saison vom DFB-Pokalwettbewerb ausgeschlossen. Der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz sagte:

»Solche Stadionüberfälle sind Anschläge auf den Fußball im Allgemeinen, die einer konsequenten Ahndung bedürfen.«

Auch die Lokalzeitungen berichten über das Thema. Gern werden aktive Spieler, Fans, Funktionäre und bekannte ehemalige Spieler befragt. Und es ist ja auch bedauerlich, dass den Sportlern und Fans die Teilnahme an einem attraktiven Wettbewerb versagt bleibt.

Doch kaum jemand denkt wirklich über die letzte Konsequenz nach: Am Ende trifft es alle Bürger der Stadt Dresden. Wir müssen – wie schon so oft – finanziell für die Verluste des Vereins geradestehen.


Dynamo Dresden ist gegenwärtig in einer tiefen wirtschaftlichen Krise: Es droht der Abstieg aus der zweiten Liga. Es wird 2013 große Einnahmeverluste geben. Es müssen Altschulden aus der Vergangenheit zurückgezahlt werden.

Die wirtschaftliche Krise wird auch zu einer sportlichen Krise werden. Der Verein hat viel zu stark auf Legionäre gesetzt. Doch Legionäre sind verschwunden, wenn es dem Verein nicht mehr so gut geht. Neue Legionäre findet man nur schwer, wenn man als einziger Verein in Deutschland vom Pokalwettbewerb ausgeschlossen ist.

Die Spieler aus der Region, die sich wohl trotzdem für den Verein zerreißen würden, hat man viel zu lange vernachlässigt. In den aktuellen Aufstellungen sieht man sie kaum noch.

Diese beiden Krisen des Vereins verschärfen sich gegenseitig. Am Ende werden die Bürger der Stadt Dresden belastet: Wenn Dynamo Dresden die hohe Miete für das Stadion nicht mehr zahlen kann, muss die Stadt wieder mit Millionenzuschüssen einspringen. Aber wir können jeden Tag in der Zeitung lesen, dass das Geld in den nächsten Jahren an allen Ecken und Enden fehlen wird. Wem will man etwas wegnehmen?

Es stellt sich die Frage: Kann und will sich die Stadt Dresden diesen Verein noch leisten?


PS: Wie das BILD-Blog schreibt, hat ein Sportmagazin mit dem Namen einer großen Boulevardzeitung noch kurz vor dem Urteil verbreitet, es könne nicht zu einem Ausschluss aus dem DFB-Pokal kommen:

SPORT BILD Plus erfuhr aus dem Umfeld des DFB-Sportgerichts: Auch diesmal wird Dresden mit einem blauen Auge davonkommen. Ein Ausschluss aus dem DFB-Pokal ist nicht möglich, weil dieser gegen die DFB-Satzung verstoßen würde.

Nun will ich nicht spekulieren, ob solche Gerüchte auch in Fan-Kreisen Wirkung zeigen. Aber die Forderungen nach dem ungehinderten Einsatz von Pyrotechnik und die immer wieder vorgebrachten Verharmlosungen der Vorfälle zeigen ja: Viele haben den Ernst der Lage einfach nicht begriffen.

Es darf in einem Fanblock mit hunderten dichtgedrängten Menschen nicht mit dem Feuer gespielt werden. Und es gibt keine Entschuldigung oder Erklärung dafür, dass hunderte Fans den Platz stürmen, nachdem die Mannschaft ein Elfmeterschießen verloren hat. So banal ist das. Und doch kommt es immer wieder vor.


Eine weitere Ergänzung: Zettel hat einen Artikel über die Reaktion der Linkspartei-Vorsitzenden Katja Kipping geschrieben und in »Zettels kleinem Zimmer« gibt es eine Diskussion dazu.

Katja Kipping hat wie jede andere Politikerin und jeder andere Politiker aus Dresden das Recht, sich für diese Stadt und diesen Verein einzusetzen. Aber es gibt in dieser Sache kaum eine dümmere Argumentation als den Ost-West-Vergleich. Wenn Dresdner »Fans« zu hunderten das Spielfeld stürmen, nachdem ihre Mannschaft sportlich ehrenvoll im Elfmeterschießen ausgeschieden ist, dann sind nach so vielen »Vorstrafen« harte Konsequenzen angemessen.



Bunter Vogel im Advent

10. Dezember 2012



Nach dem schwarzen Vogel jetzt ein bunter …


Gedankenzähler für Führungskräfte

9. Dezember 2012

Heinrich Alt ist ein wichtiges Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit. Er hat die undankbare Aufgabe übernommen, die Maßnahme »Schrittzähler für Arbeitslose« zu verteidigen. Heinrich Alt wird also bei SPON zitiert:

Leider werde mit zweierlei Maß gemessen: »Wenn in Managerkursen Schrittzähler getragen werden, ist das eine tolle Idee, wenn es Arbeitslose tun sollen, ist es automatisch Blödsinn«, sagte er. Dabei sei es doch ganz einfach: »Wer sich gut fühlt, wer sich fit fühlt, habe auch Selbstvertrauen – und bekommt nachweislich schneller einen Job.«

Folgt man der Logik Heinrich Alts, dann müsste man für Führungskräfte der Bundesagentur schleunigst einen Gedankenzähler entwickeln.

Dieses Gerät wird an das Hirn angeschlossen und zählt während der Arbeitszeit jeden Gedanken mit. Denn es ist doch ganz einfach: Wer viel denkt, fühlt sich fit. Wer sich fit fühlt, hat auch Selbstvertrauen — und kommt nachweislich schneller voran.


Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie bei der Bundesagentur für Arbeit schon mit einem solchen Gedankenzähler experimentiert haben.

Vermutlich hat irgendwann im heißen August 2012 ein Vorgesetzter auf den Gedankenzähler seines Assistenten geschaut und geblafft: »Meier! Sie hinken hinterher! Denken Sie schneller! Wir brauchen eine neue Maßnahme!«.

Also kam Meier auf die Idee mit dem Schrittzähler. Und als diese Maßnahme in der Öffentlichkeit nicht so gut ankam, musste sie via SPON verteidigt werden.


Vor allen anderen Einwänden: Maßnahme und Begründung sind in einem erschreckenden Maß paternalistisch. Eine paternalistische Maßnahme ist bevormundend und entmündigend. Bevormundung und Entmündigung machen nicht fit, sondern krank.

Was stimmt an der Begründung der Maßnahme außerdem nicht?

Erstens ist es ein riesengroßer Unterschied, ob sich ein Manager freiwillig einen Schrittzähler ans Bein bindet oder ob es ein Langzeitarbeitsloser auf Veranlassung der Superbehörde tut, die Macht über ihn hat.

Zweitens kommt es darauf an, welche Art von Schritten man tut. Der Schrittzähler zählt beim Schlendern, beim Eilen, beim Treppensteigen und beim Rennen. Jede Art der Fortbewegung wirkt sich anders aus. Und man sollte es nicht übertreiben.

Drittens ist auch nicht erwiesen, dass jedem Menschen mit einem Schrittzähler gedient ist. Für manche Menschen wäre es vielleicht besser, wenn sie zum Schwimmen oder in die Sauna gehen würden. Kann das ein Bürokrat der Bundesagentur herausfinden oder sollte man es nicht besser dem Arzt überlassen? – Und selbst wenn es der Bürokrat besser wüsste als der Arzt: Will er der Schwimmerin einen Bahnenzähler und dem Saunagänger eine Sanduhr mitgeben?

Schließlich viertens: Es ist ganz gewiss niemandem geholfen, der viele Schritte in die falsche Richtung geht. Der Weg sollte zu einem Ziel führen.



Winter 2012 im Botanischen Garten (2)

9. Dezember 2012

Einige Bilder aus dem Sukkulentenhaus und dessen Vorraum …


Winter 2012 im Botanischen Garten (1)

9. Dezember 2012

Einige Bilder vom Rundgang in der Kälte …


Popcorn aus Vollkorndinkel

7. Dezember 2012

Es ist ein beliebter politischer Trick vor fast jeder Wahl: Wenn es dem Kandidaten schlecht geht, muss seine Frau einspringen.

Manchmal klappt es: Michelle Obama und Hillary Clinton dürfte einen nicht geringen Anteil an den Erfolgen ihrer beiden Ehemänner gehabt haben. Manchmal geht es fürchterlich schief: Norbert Röttgen konnte auch ein beherzter Einsatz seiner Frau nicht mehr retten.

In der Tageszeitung »Die Welt« hat nun Gertrud Steinbrück »einen seltenen Einblick gewährt«, um ihren Mann zu unterstützen. Gastautor R.A. hat in Zettels Raum schon einiges dazu geschrieben. Besonders lustig ist Frau Steinbrücks Seitenhieb auf die Gattinnen der amerikanischen Politiker:

Wer auch nur etwas graue Substanz unter seiner Schädeldecke hat, weiß, dass die Fotos der Politiker-Familie bei Chips und Cola vor dem Fernseher gestellt sind. Sie sind ein großer Fake. Das ist geistiges Popcorn, das die Intelligenz eines jeden Bürgers beleidigt.


Wollte man bei diesem Beispiel bleiben, müsste man nun sagen: Frau Steinbrück verteilt Popcorn aus Vollkorndinkel. Sie beleidigt zwar auch die Intelligenz der Bürger, aber sie tut es auf besonders gesunde Art und Weise.

Ist Ihnen aufgefallen, wie sehr sich Frau Steinbrück an die Erwartungen der Zielgruppe anpasst? Sie betont ihr umweltbewusstes Verhalten so stark, dass es fast schon peinlich wirkt:

Sie nimmt im Restaurant extra ein kleines Schnitzel. Sie heizt ihr Haus nicht allzu stark. Sie fährt oft in Bonn mit dem Fahrrad zur Arbeit, aber sie radelt auch in Berlin auf dem Kurfürstendamm. Sie kommt zum Interview extra mit dem Zug von Bonn nach Berlin und das wird im Artikel betont, als ob sie gerade zu Fuß den Südpol erreicht habe.

Popcorn aus Vollkorndinkel schmeckt mir ebenso wenig wie Popcorn aus stark gezuckertem Mais …



Selbstironie von Journalisten für Journalisten

4. Dezember 2012

Viele Leute diskutieren zur Zeit über Qual und Qualität im Journalismus. Manche Blogger fragen sich, ob die Zeitungen noch vital genug sind, um gut zu recherchieren. Manche Politiker und manche Verbandsvertreter der Medienbranche suchen nach neuen Geldquellen für die Zeitungen.

In einem Artikel bei jetzt.de (Süddeutsche Zeitung) werden Pläne der Schwarz-Gelben Bundesregierung aufgedeckt, die noch einen Schritt weitergehen: Journalisten sollen zu Journalisten umgeschult werden.

Der Text ist zwar an einigen Stellen etwas verkrampft und man hätte aus der Idee eine ganze Serie machen können – aber so direkt werden die Qualitätsprobleme der Medien selten angesprochen. Fazit:

Der Plan von Ursula von der Leyen Journalisten zu Journalisten umschulen zu lassen, wird also weithin positiv angenommen. Wie immer steckt in jedem Ende auch ein Anfang oder besser gesagt Neuanfang: Vielleicht beginnen die Journalisten einfach mal wieder mit dem, was sie dann gelernt haben: Journalismus.

Mal sehen, ob der Artikel auch in Dresdner Redaktionen gelesen wird …



AKES

3. Dezember 2012

Das Innenministerium des Freistaats Sachsen hat heute eine brisante Pressemitteilung veröffentlicht. Es geht darin um das automatisierte Kennzeichenerkennungssystem AKES zur gezielten Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität.

Grenzüberschreitende Kriminalität bedeutet für uns in Ostsachsen vor allem: Diebstahl von Material, Werkzeug, Nutzfahrzeugen und privaten Fahrzeugen. Dadurch werden hohe Schäden verursacht. Der Abtransport der Beute in die Tschechische Republik oder nach Polen wird bisher noch zu selten unterbunden.

Die Opposition und die Dresdner Tagespresse haben auf die Tests solcher Systeme im Spätsommer 2012 mit (zum Teil) skandalisierenden Pressemitteilungen und Artikeln reagiert. Daraufhin hatte ich Anfang September einen Artikel zum Umgang mit Pressemitteilungen der Grünen in der »Sächsischen Zeitung« geschrieben.


Das Innenministerium beschreibt die Funktionsweise des Systems so:

Wird eine Übereinstimmung des erkannten Kennzeichens mit einem Kennzeichen in der Datenbank durch die Software ermittelt (Treffer), erfolgt eine optische und akustische Alarmierung des Messbeamten. Das System erfasst dazu Informationen über Ort und Zeit des Treffers. Der Messbeamte prüft, ob es sich nicht um einen Lesefehler handelt und leitet dann die Maßnahmen zur Kontrolle des Fahrzeuges ein.

Wird keine Übereinstimmung festgestellt, werden die erfassten Daten, technisch spurlos, anonym und ohne die Möglichkeit einen Personenbezug herzustellen, automatisiert gelöscht!

Wenn es wirklich so funktioniert, stellt das System keinen Eingriff in die Grundrechte der Bürger dar. Man darf davon ausgehen, dass das System den Anforderungen aus Karlsruhe entspricht.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Jahr 2008 geurteilt:

Eine automatisierte Erfassung von Kraftfahrzeugkennzeichen zwecks Abgleichs mit dem Fahndungsbestand greift dann, wenn der Abgleich nicht unverzüglich erfolgt und das Kennzeichen nicht ohne weitere Auswertung sofort und spurenlos gelöscht wird, in den Schutzbereich des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung (Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG) ein.
(…)
Die stichprobenhafte Durchführung einer solchen Maßnahme kann gegebenenfalls zu Eingriffen von lediglich geringerer Intensität zulässig sein.

Dieses Urteil markiert übrigens einen weiteren Fall, in dem der Schutz unserer Grundrechte durch das Bundesverfassungsgericht funktioniert hat. Vor 2008 waren die Geräte so ausgerüstet, dass man damit den gesamten Verkehr »mitschneiden« konnte. Nach dem Urteil wurde ihr Einsatz in vernünftiger Weise eingeschränkt. Eine Anwendung des Prinzips der »checks and balances« …


Die Grünen-Abgeordnete Jähnigen übt sich derweil in der Kunst der Prophezeiung. Sie weiß heute schon:

Falsche Wege muss man nicht bis zu Ende gehen. Herr Ulbig verschweigt, dass die Kfz-Kennzeichenscanner beim Kampf gegen den Autodiebstahl keine große Hilfe sein werden.

Warten wir die Ergebnisse der ersten Einsätze ab. Und warten wir ab, was morgen zu diesem Thema in der Zeitung stehen wird. Im Blog wurden Sie heute schon informiert ;-)



Ein genialer Vorschlag der Zeitungsverleger. Oder doch eher ein schlechter Witz?

3. Dezember 2012

Der BDZV-Präsident Helmut Heinen hat eine Pressemitteilung veröffentlicht, für die man eigentlich Vergnügungssteuer erheben müsste: Um langfristig eine vitale Presselandschaft in Deutschland zu erhalten, soll die Mehrwertsteuer auf Zeitungen abgeschafft werden.

Viele Beobachter erinnern sich noch recht gut an die Kommentare in den Zeitungen, als die Bundesregierung zum Erhalt einer vitalen Hotellandschaft in Deutschland eine Mehrwertsteuer-Erleichterung für Hoteliers eingeführt hat.

Die meisten Kommentatoren haben diese Maßnahme in Bausch und Bogen verurteilt. Aber in eigener Sache kann man es ja mal versuchen. 

Es gibt dabei allerdings ein klitzekleines Problem: Wenn man die Kunden nicht vom Nutzen der Zeitung überzeugt, dann kaufen sie auch keine. Dann fällt nicht nur die Umsatzsteuer weg, sondern der gesamte Umsatz.

Echtes Vergnügen kommt auf, wenn man den zweiten Vorschlag des BDZV-Präsident liest. Die Zeitung ist kein Produkt mehr – sonder eine haushaltsnahe Dienstleistung:

Zudem sollten Zeitungsabos wie andere haushaltsnahe Dienstleistungen im Sinne des Einkommenssteuerrechts gelten und damit von der Steuerschuld abziehbar sein. „Wenn man Zeitungen helfen will, ist eine steuerliche Erleichterung besser als Subventionen“.

Da hätte ich zwei Fragen an den BDZV-Präsidenten: Wie oft sind in den Zeitungen seit 2009/2010 die Begriffe »Hotel-Subvention« oder »Hotelier-Subvention« verwendet worden? Und worin besteht der Unterschied zu Ihrem Vorschlag?


Link: Interview des BDZV-Präsidenten mit der F.A.Z.



Politiker und Experten

3. Dezember 2012

In der Politik müssen die Positionen vieler Interessengruppen berücksichtigt werden. Das gilt für alle Politikfelder und es gilt ganz besonders auf dem Feld des Leistungsschutzrechts für Presseverlage. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und in Kurzform:

Die Bürger wollen möglichst gut informiert sein. Sie wollen gleichzeitig von möglichst gut informierten Politikern regiert und vertreten werden.

Die Presseverlage wollen mit ihren Produkten Erlöse erzielen. Sie sind mit »dem Internet« in vielfacher Weise und zum gegenseitigen Vorteil verbunden.

Die Wirtschaft braucht die Medien als Werbepartner und als Informationsquellen. Die Politik ist mit den Medien in ähnlicher Weise wechselseitig verbunden.

Die Internetkonzerne sind ein besonderer Teil der Wirtschaft: Sie bieten den Bürgern, den Presseverlagen, der Wirtschaft und der Politik ihre Leistungen an.


Die CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag hat nun am Ende der vergangenen Woche eine Pressemitteilung zum Leistungsschutzrecht veröffentlicht. Darin hat sie die Position der Zeitungsverleger vertreten und die Interessen aller anderen Gruppen schlichtweg vergessen.

Zu Beginn der Pressemitteilung wird der Gesetzesvorschlag so eingeordnet, wie es sich der medienpolitische Sprecher der CDU-Fraktion vorstellt:

Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage soll eine Schutzlücke schließen und Rechtssicherheit insbesondere für Presseverlage bringen, die im Internet bisher nicht mit anderen Werkvermittlern gleichgestellt sind.

Das stimmt gleich doppelt nicht. Erstens gibt es keine »Schutzlücke«: Die Leistungen der Presseverlage stehen unter dem Schutz des Urheberrechts. Niemand darf einen Zeitungsartikel oder ein Pressefoto ohne Genehmigung des Verlags kopieren und auf einer Internetseite veröffentlichen.

Zweitens sind Presseverlage darin allen anderen Werkvermittlern gleichgestellt: Es ist ebenso verboten, einen Film, ein Musikstück, ein Notenblatt oder ein Kapitel aus einem Roman zu kopieren und zu veröffentlichen.

Zweifellos werden mit den Suchergebnissen jeder Suchmaschine ganz kurze Ausschnitte aus den Zeitungsartikeln veröffentlicht. Aber dafür gibt es eine klare Rechtsgrundlage und jeder Zeitungsverlag könnte es mit einer simplen technischen Lösung ausschließen.


Die Experten des Max-Planck-Instituts für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht haben zum aktuellen Gesetzentwurf eine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht. In der Zusammenfassung heißt es klipp und klar:

Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger ist sachlich nicht erforderlich. Es liegt weder Marktversagen noch eine wettbewerbswidrige Leistungsübernahme durch Dritte vor.

Und die Experten scheuen sich nicht, auf die Folgen hinzuweisen:

Die Leidtragenden wären Verlage, Autoren, Nutzer, die im Internet nach Informationen suchen, und somit die deutsche Volkswirtschaft insgesamt.

Nun steht es Politikern generell frei, ob sie sich von Experten beeinflussen lassen möchten. Aber in den meisten Fällen ist es angeraten, den Experten wenigstens Gehör zu schenken.


Sebastian Gemkow ist der medienpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag. Aus seiner Sicht scheint es in diesem Konflikt nur eine einzige maßgebliche Interessengruppe zu geben:

Es ist gut, wenn das Leistungsschutzrecht kommt. Es wird Zeit, dass die geistigen Leistungen von Verlagen geschützt werden. Wer Nachrichten und Informationen im Internet professionell zur Verfügung stellt und journalistische Standards einhält, muss diese Leistungen refinanzieren können. Die unentgeltliche Weiterverwertung erschwert dies und gefährdet auf Dauer die Informationsvielfalt und Informationsauthentizität im Internet.

Um es vorsichtig auszudrücken: Es macht keinen guten Eindruck, wenn sich eine politische Kraft einseitig zugunsten einer Interessengruppe positioniert.

Die CDU-Fraktion blendet alle Argumente aus, die dafür sprechen, dass »die Zeitungsverlage« und »das Internet« wechselseitig voneinander profitieren. Es wird eine Regelung gefordert, die nach Aussage der Experten in dieser Form mehr Schaden als Nutzen anrichten wird.


Jeder politisch informierte Bürger konnte in den letzten Wochen und Monaten beobachten, dass die Presseverlage in einer breit angelegten Kampagne für das Leistungsschutzrecht werben.

Eine andere Interessengruppe spricht sich dagegen aus: Google wirbt für die Position der Internetwirtschaft mit ganzseitigen Anzeigen in den Zeitungen und natürlich auch auf der eigenen Website.

Im letzten Abschnitt der Pressemitteilung geht die CDU-Fraktion nun – wiederum einseitig – auf die Google-Kampagne ein, ohne die Kampagne der Zeitungsverlage auch nur zu erwähnen:

Gleichzeitig kritisiert Gemkow die Art, in der der Suchmaschinenbetreiber Google seine Kritik am Leistungsschutzrecht für Presseverlage über das eigene Internetangebot vorbringt. (…) Der Konzern hatte im Vorfeld der Lesung eine Kampagne gegen die Einführung eines Leistungsschutzrechts gestartet.

Die CDU-Fraktion gibt also eine komplette Pressemitteilung im Sinne der Presseverlage heraus. Sie verliert kein Wort über den Interessenausgleich zwischen den einzelnen Interessengruppen. Dort müsste Politik aber ansetzen.

Der CDU-Abgeordnete Sebastian Gemkow schreibt, dass die Zeitungen Nachrichten und Informationen professionell zur Verfügung stellen und journalistische Standards einhalten. Er sollte darauf hoffen, dass diese Pressemitteilung keinem professionellen Journalisten in die Hände fällt.


Links:
Ausführliche Stellungnahme des Max-Planck-Instituts
Pressemitteilung der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag



Winteranfang im Botanischen Garten

2. Dezember 2012

Winteranfang im Botanischen Garten (02.12.2012).

Kälte und Raureif, Blätter und Licht, Junges und Vergängliches: Einige Bilder vom kurzen Rundgang im Botanischen Garten …

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