Politischer Streik in Dresden

Eine kleine Geschichte über Umwelt und Verkehr

In der schönen Stadt Dresden hatten die Stadtwerke im Jahr 2016 immer mehr private Haushalte, Schulen und Unternehmen an das Fernwärmenetz angeschlossen. Das war gut für die Umwelt:

Die Versorgung mit Fernwärme ist um so effizienter, je mehr Verbraucher in einem zusammenhängenden Stadtgebiet angeschlossen sind. Man kann die Energie des Erdgases nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung in Wärmeenergie und Elektroenergie umwandeln. Somit wird der Energieträger bestmöglich ausgenutzt.


Die Gewerkschaft »wär.mi« hat eine Idee

An einem kalten und schneereichen Freitag im Februar 2016 beschloss die Gewerkschaft wär.mi: Wir bestreiken am kommenden Montag die Stadtwerke und trennen alle Verbraucher für 24 Stunden vom Fernwärmenetz.

Der Verband der kommunalen Wärmeversorger wies noch am selben Tag darauf hin, dass der Streik mitten im kalten Winter vor allem die Schulen, die Universität, die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst und die umweltbewussten Verbraucher treffen würde.

Aber die Bonzen Führungskräfte der Gesellschaft wär.mi waren der festen Überzeugung, dass sie das alles nichts anginge: Schließlich hätten sie das Recht zum Warnstreik und im Übrigen könnten sich die Leute doch einen eigenen Heizlüfter mitbringen.

Die Mitarbeiter der Stadtwerke verabschiedeten sich am Freitagnachmittag ins Wochenende und die Bürger konnten am Wochenende nur noch spekulieren, wie es am Montag ab drei Uhr morgens weitergehen würde. Auf der Website der Stadtwerke gab es bis zum Sonntagmittag keine weiteren Informationen – warum auch?


Die Gewerkschaft »ver.di« hat auch eine Idee

Die Geschichte über das Unterbrechen der Fernwärmeversorgung ist natürlich frei erfunden. Die Fernwärmeversorgung kann nicht einfach für 24 Stunden unterbrochen werden. Auch die Trinkwasserversorgung muss immer gewährleistet sein. Wo kämen wir sonst hin?

Keinesfalls erfunden ist allerdings diese Meldung: Die Dresdner Verkehrsbetriebe sollen morgen ab drei Uhr morgens für 24 Stunden bestreikt werden. Die Gewerkschaft ver.di hat am Freitag die Ankündigung eines Warnstreiks in die Welt gesetzt. Seitdem erfährt man nichts Neues mehr.

Um es klarzustellen: Natürlich haben Arbeitnehmer das Recht, sich zur Vertretung ihrer Interessen zusammenzuschließen und natürlich gibt es auch das Recht auf einen Warnstreik. Die Maßnahme der Gewerkschaft ver.di lässt aber jegliche Verhältnismäßigkeit vermissen.

Sie trifft – ähnlich wie in meiner kleinen Geschichte – vor allem die Schüler und Studenten, die jeden Tag kreuz und quer durch die Stadt fahren. Sie trifft die Mitarbeiter mit Jobtickets. Sie trifft darüber hinaus diejenigen Bürger, die sich umweltbewusst verhalten und deshalb jedes Jahr eine Jahreskarte kaufen.

Die Taxizentrale kann übrigens auch keine Auskunft darüber geben, ob ein bestelltes Taxi morgen früh wirklich bereitsteht. Schließlich ist Winter. Und es kann ja keiner ahnen, dass die Gewerkschaft mitten im Winter auf solche abstrusen Ideen kommt.


Wo bleibt die Verhältnismäßigkeit?

Diese Streikmaßnahme trifft nicht die bösen Kapitalisten oder den Staat. Sie trifft die gesamte Bevölkerung: Wir subventionieren als Steuerzahler den öffentlichen Nahverkehr mit vielen Millionen Euro Steuergeld. Weitere Millionen-Subventionen bekommt der öffentliche Nahverkehr aus den Gewinnen der Stadtwerke. Nicht zuletzt steigen die Preise der Jahreskarten und Einzeltickets jedes Jahr um bis zu fünf Prozent.

Die Gewerkschaft ver.di streikt also gegen die eigene Bevölkerung. Der Streik geht zu Lasten der Umwelt, zu Lasten der ÖPNV-Nutzer und zu Lasten der Unternehmen. Wenn man die Verhältnismäßigkeit dieser Maßnahme beurteilen will, muss man genauer hinschauen. Wofür wird eigentlich gestreikt?

Die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes sind in einer ostdeutschen Landeshauptstadt wie Dresden relativ gut situiert. Sie bekommen ordentliche Löhne und Gehälter. Sie ordnen sich etwa in der Mitte der Einkommensskala ein. Und sie haben sehr sichere Arbeitsplätze.

Bei dem angekündigten »Warnstreik« von stolzen 24 Stunden geht es nicht um Lohnerhöhungen. Es geht auch nicht um den Ausgleich von krassen Benachteiligungen der Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe. Es geht um eine politische Machtdemonstration der Gewerkschaft.

Ein Warnstreik im ÖPNV von zwei bis vier Stunden ist durchaus verhältnismäßig. Er dokumentiert die Streikbereitschaft der Gewerkschaftsmitglieder und er kann der Bevölkerung die Forderungen plausibel machen. Eine Blockade des ÖPNV über 24 Stunden ist dagegen in keiner Weise verhältnismäßig.


Kann man daraus Schlussfolgerungen ableiten?

Es sollten also Gesetze zur Verhältnismäßigkeit von Streikmaßnahmen im Öffentlichen Dienst eingeführt werden. Sonst wird eines Tages wirklich für 24 Stunden die Fernwärme abgedreht, weil eine Gewerkschaft ihre Macht gegenüber den Bürgern demonstrieren will.

Ich befürchte nur, dass unsere parlamentarische Demokratie dafür schon zu schwach ist. Wir scheitern ja auch an anderen Aufgaben: Am vernünftigen Umgang mit der Einwanderung. An den Staatsschulden. Am Länderfinanzausgleich. An Sicherung des Wertes unserer Währung. Oder auch an der Begrenzung der milliardenschweren Zwangsabgaben für die ineffiziente Photovoltaik.

Eigentlich ist es also fast schon egal, ob morgen in Dresden Busse und Bahnen verkehren oder ob im Februar 2016 die Wohnungen noch beheizt werden. Willkommen in der Zeit der spätdeutschen Dekadenz …


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116 Responses to Politischer Streik in Dresden

  1. Muriel sagt:

    Ich habe ja so meine grundsätzlichen Probleme mit dem Konzept Streik.
    Aber ich bin eben auch Fundamentalist.

    • stefanolix sagt:

      Dein Artikel bringt fundamentale Positionen auf den Punkt (ich würde ihn jetzt nicht als fundamentalistisch bezeichnen). Der Hinweis auf geschlossene Verträge ist natürlich richtig.

      Ich bin nicht generell gegen das Streikrecht, aber ich bin ganz dezidiert gegen solche Exzesse und gegen hohle Machtdemonstrationen.

      Ich denke, dass die Bediensteten im ÖPNV wie auch die Mitarbeiter bei den Stadtwerken [zumindest im Bereich der Daseinsvorsorge] einen impliziten Vertrag mit der Gesellschaft haben. Die Gesellschaft zahlt für die Daseinsvorsorge und die Mitarbeiter tun ihre Arbeit.

      Zumindest in den ostdeutschen Bundesländern haben sie dafür auch ordentliche Arbeitsbedingungen, Sicherheiten und Einkommen. In westlichen Großstädten wie München ist das Einkommensgefüge anders und es kann den Bedarf nach Lohnerhöhungen geben, weil dort die Lebenshaltungskosten wesentlich höher sind. Aber dann soll die Gewerkschaft ver.di ihre Forderungen bitte auch dort vortragen und vor allem: Es soll in einem angemessenen Rahmen bleiben.

    • Erling Plaethe sagt:

      Dein Artikel (hier duzt man sich, oder?) spricht mir aus dem Herzen. Ich kann das mit der Streikerei nur unter dem Aspekt des unmündigen Arbeiters verstehen, der seine Souveränität an eine Gewerkschaft abgegeben hat.
      Und was ver.di anbelangt, hat man es hier mit einem Monopol zu tun, welches sich m.E. außerhalb jeglicher kartellrechtlicher Bestimmungen der offenen Erpressung bedient.
      Was an sich kein Problem wäre, wenn sich Konkurrenten auf den Markt der Gewerkschaften begeben und das Monopol von ver.di brechen könnten.
      Nur werden solche Versuche politisch bekämpft, auch von der Arbeitgeberseite. Und das ist nicht nur im öffentlichen Dienst so.

      • Muriel sagt:

        (hier duzt man sich, oder?)

        Kurze Antwort: Klar, mich immer gerne.
        Unnötig ausführliche Antwort: Ja, das verwirrt mich auch immer total. Persönlich finde ich es auch im privaten Bereich immer ein bisschen irritierend, wenn mich jemand ungefragt duzt, bin mir aber gleichzeitig bewusst, dass das eigentlich nur reaktionäres borniertes Verharren auf eigentlich nicht besonders sinnvollen Traditionen ist, und arbeitsmäßig halte ich es durchaus aus Überzeugung konsequent mit dem Sie, hier zwar aus einigermaßen vernünftigen Gründen, wie ich mir einbilde, die aber andererseits auch nur darin bestehen, dass ich ziemlich sicher bin, dass viele andere da noch genauso reaktionär und borniert auf den Traditionen beharren, und ganz eigenartig wäre es nun, wenn einer, mit dem ich beruflich zu tun habe, mein Blog läse, denn der würde / müsste mich in den Kommentaren sinnvollerweise duzen, und ich ihn (oder sie) auch, aber ansonsten würden wir weiterhin … Na gut, bisher ist das Problem nicht aufgetreten, zumindest nicht, dass ich wüsste. Ähm. Worum gings?

        Und was ver.di anbelangt, hat man es hier mit einem Monopol zu tun, welches sich m.E. außerhalb jeglicher kartellrechtlicher Bestimmungen der offenen Erpressung bedient.

        Die Erpressung ist gar nicht so sehr mein Haupteinwand, aber ich finde die Gewerkschaften tendenziell auch, ganz unabhängig davon, dass sie nun mal Interessen vertreten, die manchmal mit meinen kollidieren, als maßlos unsympathisch, zum Beispiel, weil sie öffentlich gerne so tun, als wäre die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer notwendigerweise eine kriegerische (Allein der Begriff Arbeitskampf schon…) und weil sie auch darüber hinaus in meinen Augen ihre Mitglieder dermaßen dreist verarschen, dass es mir manchmal die Tränen in die Augen treibt.
        Eine Gewerkschaft, die wirklich die Interessen vertritt, die sie sich auf die Fahne schreibt, könnte durchaus eine gute Sache sein.

        Nur werden solche Versuche politisch bekämpft, auch von der Arbeitgeberseite.

        Absolut. Finde ich immer bedauerlich, dass viele (zumindes der Selbstbezeichnung nach) Liberale sich mit dem Gedanken so schwer tun, dass die Partikularinteressen von Unternehmen häufig kein bisschen mit liberalen Prinzipien übereinstimmen und genauso etatistisch und sozialistisch sein können wie die Forderungen von Gewerkschaften und ähnlich offen links orientierten Verbänden.
        Sag ich jetzt mal so ein bisschen pointiert.

      • stefanolix sagt:

        Das ist schwierig: Auch kleine, unabhängige Spartengewerkschaften können den Verkehr lahmlegen. Ich erinnere mich an diverse Lokführer-Streiks. Die Gewerkschaft der Lokführer war damals sehr klein und sie war unabhängig von der riesigen Gewerkschaft, in der alle anderen Bediensteten der Bahn organisiert waren.

        Für einen Streik im ÖPNV muss man nur die Bus-Depots blockieren und einige Straßenbahnzüge geschickt auf den passenden Kreuzungen platzieren. Wie schon gesagt: Ein paar Destruktive können viel Schaden anrichten.

      • Erling Plaethe sagt:

        @stefanolix
        Natürlich, anderes Beispiel war ja immer die Vereinigung Cockpit. Gerade das von dir genannte Argument des Lahmlegens wurde von der Operngewerkschaft benutzt, um ihr Monopol zu erhalten. Also kleine wie große Gewerkschaften können dem Kunden weh tun – und dem Arbeitgeber.
        Aber das ist ja nun einmal der Sinn eines Streiks.
        Die Operngewerkschaft allerdings, wie auch andere Monopolgewerkschaften haben nur noch einen Organisationsgrad von um die 20% und der sinkt seit Jahren.
        Ein Streik bringt aber, oder sichert zumindest neue Mitglieder. und da wird eben auch mal gestreikt wenn es die tarifliche Auseinandersetzung gar nicht unbedingt erfordert. Das lässt sich in den festen Ritualen der Tarifverhandlungen immer wieder auf’s Neue beobachten. Da wird dann wochenlang wegen ein paar Zehntel gestreikt.

      • stefanolix sagt:

        Wenn es denn um Prozente ginge! Momentan ist es aber nur ein Warnstreik, weil den Gewerkschaften der Verlauf der Verhandlungen nicht genehm ist.

        Pikantes Detail am Rande: Es streiken die Mitarbeiter der Dresdner Verkehrsbetriebe, obwohl sie in Dresden von allen Busfahrern am besten verdienen und die besten Bedingungen haben. Die schlechter bezahlten Mitarbeiter bei der Taeter-Tours (49% Beteiligung der Verkehrsbetriebe) und bei den privaten Subunternehmern streiken nicht.

      • Erling Plaethe sagt:

        Wenn mich ein Dienstleister nicht zufriedenstellt wechsle ich ihn. Erst wenn die Kunden einem miserablen Unternehmen den Rücken kehren, ändern sich die Dinge für alle. Und wenn nicht, haben sie sich für denjenigen geändert, der eine Alternative gefunden hat.
        Wie auch immer die aussieht. Muss ja kein Auto sein.
        Als ich in längst vergangener Zeit, ob meines motorisierten Untersatzes von Glückseligkeit umweht, einfach nur herumgefahren bin, tat ich das auch im tiefsten Winter. Das war ein super Fahrtraining und hat natürlich mächtig Spaß gemacht. ;-)
        Ich mein, demnächst gebe ich wieder eine Menge Geld aus, um den ganzen Tag bei dünner Luft die Geschwindigkeitsbeschränkung innerorts, bis der letzte Lift fährt, zu überschreiten. Also an der Kleidung kann’s nicht liegen.

      • stefanolix sagt:

        Man kann ja die Zufriedenheit nicht in dieser Ausnahmesituation messen. Außerdem blockiert ja morgen ver.di den Betrieb und nicht der Dienstleister Dresdner Verkehrsbetriebe.

        Insgesamt ist das Preis-Leistungs-Verhältnis immer noch ganz in Ordnung. Verbesserungsmöglichkeiten gibt es natürlich immer.

        Aber klar: Man denkt über Alternativen nach. Das Problem: Mit einem Auto via Car-Sharing kann man an solchen Tagen nicht rechnen, weil natürlich der Bedarf sehr hoch ist.

        Und ein eigenes Auto lohnt sich für mich einfach nicht. Es würde fast nur herumstehen. Da investiere ich lieber in andere Arbeitsmittel und in mich selbst.

      • Erling Plaethe sagt:

        Ich hab ja auch von einem Moped gesprochen. :-D
        Aber der Unterschied zwischen ver.di und den Dresdner Verkehrsbetrieben ist, ja, fließend, oder?
        Ich weiß gar nicht wo die Trennlinie verlaufen soll, Du etwa?
        Klaus Wowereit ist jedenfalls ver.di Mitglied, aber vielleicht ist das in Dresden ganz anders. Glaub ich aber ehrlich gesagt nicht so richtig.

      • Erling Plaethe sagt:

        Und mal ganz davon abgesehen:
        Ich mach das Unternehmen dafür verantwortlich, wenn es seine vertraglichen Zusagen nicht einhält und nicht die betriebsratsverwöhnten Mitarbeiter.
        Wenn ich mir nach einem Restaurant-Besuch eine Salmonellenvergiftung zuziehe, gehe ich da doch nicht noch einmal hin, weil der Geschäftsführer mir versichert, dass nicht er das Essen verdorben hat, sondern sein Koch!

      • stefanolix sagt:

        Wenn aber die Gewerkschaft der Großküchenangestellten den Eingang des Restaurants blockiert, mache ich nicht den Betreiber oder den Koch verantwortlich ;-)

        Dem Vernehmen nach zwingt hier eine Minderheit unter den Angestellten der Verkehrsbetriebe allen Dresdner ÖPNV-Nutzern eine Blockade auf. Dafür kann und will ich nicht das ganze Unternehmen verantwortlich machen.

        Es gab in Sachsen schon Streiks in anderen Branchen, bei denen die Streikposten aus dem Westen kamen und hier die Werke blockiert haben. Dafür würde ich auch nicht die Unternehmen verantwortlich machen.

      • Erling Plaethe sagt:

        Nein, ich auch nicht. Das finde ich kriminell.
        Da habe ich mal eine Frage zu: Kann das Unternehmen mit trainiertem Sicherheitspersonal nicht seine Eingänge freihalten?
        Und muss die Polizei nicht tätig werden können? Das ist doch Hausfriedensbruch.

      • stefanolix sagt:

        Ich glaube nicht, dass man gegen den Willen von einigen Dutzend gut organisierten Leuten den Straßenbahn- und Busverkehr erzwingen kann.

      • Erling Plaethe sagt:

        Naja, Margaret Thatcher hat gezeigt, dass auch gegen weitaus militantere Gewerkschaften der Rechtsstaat nicht kapitulieren muss.

      • Paul sagt:

        Der Streik soll doch immer den Arbeitgeber treffen und nicht den Kunden.
        Der Streik in dem Verkehrsbetrieb trifft den Kunden. Dem Eigentümer – der Stadt Dresden – kann es doch eigentlich egal sein ob die Bahn fährt oder nicht.
        Oder wie?

      • stefanolix sagt:

        @Erling Plaethe: Das meinte ich am Ende des Artikels: Die Regierung, der Bundestag und der Bundesrat sind nicht willens oder nicht in der Lage, die Rahmenbedingungen richtig zu setzen. Die Balance ist einfach nicht gewahrt.

        Man müsste Warnstreiks im öffentlichen Sektor so einschränken, dass sie nicht politisch missbraucht werden können. Die Daseinsvorsorge muss einfach gewährleistet sein (siehe: Beispiele Wasser und Fernwärme).

        Eine andere Frage wäre: Wie sieht es mit Streiks im eigentlichen Tarifkonflikt aus? Man muss immer wieder daran erinnern: Die Verhandlungen sind noch gar nicht gescheitert!


        @Paul: Bitte bringe die Stadt Dresden nicht auf solche Ideen! Der Stadt kann es nicht egal sein. Sie ist ja selbst mit abhängig vom ÖPNV.

  2. derbaum sagt:

    danke für deine worte – sie sprechen mir aus dem herzen! leider werden sie nichts bewirken.

    ich habe eben einen strassenbahnfahrer gefragt ob ich denn nun morgen früh um 5 auf arbeit laufen muss oder halb sechs mit der bahn fahren kann. er konnte? es mir nicht beantworten (ich hab ihm die zwickmühle angemerkt) – zu 90%, wenn nicht der schlichter…, oder die firma… also stelle ich mich auf eine stunde durch schnee und eis stapfen ein, denn wenn ich morgen aus solidarität streike ist meine firma übermorgen pleite!

    • stefanolix sagt:

      Ich habe heute morgen das Radfahren zum Bäcker (und zurück) geprobt: Wird in Richtung Arbeit vermutlich morgen nicht funktionieren, wenn man bei der Arbeit anständig und vor allem sauber & trocken angezogen sein will (am Freitag war es noch vertretbar).

      Morgen früh wird sich wohl etwas organisieren lassen, aber wir müssen auch noch einen Schüler quer durch die Stadt ins Gymnasium und zurück bringen. Ich bekomme am Rande mit, wie gerade für eine soziale Einrichtung die Fahrgemeinschaften zusammengestellt werden (dort haben mehr als 50% der Mitarbeiter kein Auto, aber der Dienst muss natürlich abgesichert werden).

      Nein, eine Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen kann ich beim besten Willen nicht erkennen! Es braucht viele Mitarbeiter, um konstruktiv etwas auf die Beine zu stellen. Es braucht nur ein paar Destruktive, um alles lahmzulegen.

      • derbaum sagt:

        stimmt – profilneurotiker bei gewerkschaften die die daseinsberechtigung ihres jobs beweisen wollen!

      • stefanolix sagt:

        Um die Balance zu wahren: Auf der Seite der kommunalen Arbeitgeber sind sicher auch welche vertreten. Man denke an die Stadtwerke Bochum und ihre 25.000-Euro-Redner. Für dieses Geld kann man einen Netzmonteur oder einen Straßenbahnfahrer ein ganzes Quartal lang beschäftigen.

      • Muriel sagt:

        Ein Straßenbahnfahrer verdient bei euch 5.000 Euro im Monat? Yikes!

      • stefanolix sagt:

        Mit ging es um eine Größenordnung. Ich hatte die sogenannten »Arbeitgeberanteile« der Sozialversicherung und zusätzlich weitere arbeitsplatzbezogene Fixkosten eingerechnet.

        Beim fiktiven Netzmonteur der Stadtwerke Bochum gehören dazu beispielsweise die Schutzausrüstung, der Umkleideraum, die Dusche, die Bereitschaftsausrüstung für Notfälle usw. Ich denke, dass man dann recht schnell auf 25.000 Euro pro Quartal kommt.

      • Muriel sagt:

        Na gut, ja. Mir kam meine Antwort auch beim Tippen schon ein bisschen pingelig vor, aber dann dachte ich, och, ich wüsst ja schon gerne, wie die Zahl zustande kommt.
        Aber so leuchtet es mir halbwegs ein. Wenn man beim Busfahrer noch den Bus, die Garage und gelegentliche Unfallschäden dazurechnet, dann wirds vielleicht auch was.

      • stefanolix sagt:

        Das ist Dein gutes Recht: Wenn ich Zahlen in die Welt setze, muss ich sie auch begründen ;-)

        Die Produktionsmittel (Bus, Straßenbahn) würde ich nicht mal einbeziehen. Die Kosten des Arbeitsplatzes sind auch deshalb so hoch, weil auf den Arbeitsplatz ja noch die Verwaltung und die Bürokratie-Kosten anteilig umgelegt werden.

        Bei den tariflich sehr gut abgesicherten Mitarbeitern im städtischen ÖPNV, die morgen streiken, kommen vermutlich noch diverse Sozialleistungen des Arbeitgebers hinzu.

        Es kann gut sein, dass man den Busfahrer in Dresden für 25.000 Euro etwas länger beschäftigen kann, als den Netzmonteur in Bochum. Aber ursprünglich ging es darum, dass man dem Steinbrück dieses Geld für ein paar Stunden Gequatsche gezahlt hat ;-)

      • Muriel sagt:

        womit ich übrigens (abgesehen von Neid) keinerlei Problem hätte, wenn es anständig erworbenes Geld gewesen wäre. Aber jetzt werde ich doch wieder fundamentalistisch, und die Diskussion tobt hier ja auch schon, ohne dass ich sie noch unnötig erweitere.

      • stefanolix sagt:

        Ich spüre da gar keinen Neid, es ist ja nicht mein Geld. Ich wollte nur das Zitat »profilneurotiker bei gewerkschaften« ergänzen durch »Profilneurotiker bei kommunalen Arbeitgebern«.

        Denn auf gewisse Probleme mit dem eigenen Profil scheint es mir schon hinzuweisen, wenn die Manager der Stadtwerke einer hochverschuldeten Kommune jemanden für dieses Honorar auftreten lassen ;-)

      • Muriel sagt:

        Es ist auch nicht meins. Genau deshalb spüre ich doch Neid.

      • stefanolix sagt:

        Ich will nicht behaupten, dass ich völlig frei von Neid wäre. Aber diesen Politiker beneide ich definitiv nicht. Ärgern würde ich mich, wenn ich bei den Stadtwerken Bochum beschäftigt wäre oder wenn ich dort meine Gebühren zahlen müsste. Aber neiden? Nein.

      • Muriel sagt:

        Ich will jetzt auch nicht behaupten, dass dieser Kommentar von mir völlig ernst gemeint gewesen wäre.
        Aber ich fände es schon schön, wenn mich jemand auch so gerne reden hören würde. (Ja, ich weiß. Deshalb ja.)

      • stefanolix sagt:

        Wenn die Höhe des Honorars ohne Mauschelei, Filz oder Korruption zustande käme und wenn der Auftraggeber mein Honorar aus privater Geschäftstätigkeit aufbringen würde, würde ich definitiv nicht Nein dazu sagen. Allerdings bleibt nach dem Versteuern ja sowieso wesentlich weniger übrig ;-)

      • Muriel sagt:

        Dazu sag ich jetzt nix.

  3. Zwei Sachen: Zum einen habe ich das Gefühl, dass man Streik mal historisch betrachten müsste und diese da zu ziehenden Erkenntnisse in die Überlegungen mit einbeziehen könnte. Natürlich ist dabei zu beachten, dass wir heute andere Machtkonstrukte haben, als vor 100 oder 200 Jahren. Ich würde außerdem nicht die Diskussion um den Grund und die Sinnhaftigkeit des Streiks in einem Topf mit der Diskussion werden, dass die Fahrpreise immer wieder erhöht werden. Es gibt ja auch die Idee des fahrscheinlosen ÖPNV. Darüber möchte ich jetzt hier nichts diskutieren, nur darauf verweisen und fragen, ob das dann auch bedeuten würde, dass in dieser Situation dann regelmäßig mal der Bus oder die Tram nicht kommen muss, schließlich zahlt der Nutzer auch nichts dafür. Wohl kaum.

    Was die Gewerkschaft versäumt, ist eine öffentliche Diskussion, die einem Streik in seiner öffentlichen Auswirkung gerecht werden muss. Das ist für mich der Punkt.

    • stefanolix sagt:

      Beim fahrscheinlosen Nahverkehr [den ich bei einer geeigneten Ausgestaltung durchaus befürworte] würde doch aber auch die gesamte arbeitende Gesellschaft für die Kosten aufkommen. Wo wäre denn da der Unterschied in puncto Streik?

      Mein Verweis auf die Kosten des ÖPNV steht doch nur deshalb im Artikel, damit klar wird, gegen wen ver.di den Streik richtet. Nicht gegen die DVB, sondern gegen uns alle.

      Eine Gesellschaft darf sich in Sachen Daseinsvorsorge nicht von ein paar Gewerkschaftsbonzen abhängig machen. Und der ÖPNV gehört m. E im gewissen Sinne zur Daseinsvorsorge, gerade in Zeiten, wo überall für umweltgerechte Mobilität getrommelt wird.

      • @stefanolix, dafür, dass du hier anonym dick aufträgst hältst du dich mit einer Erklärung, warum du von Bonzen sprichst, recht gut zurück. Man bekommt ja fast das Gefühl, es betrifft dich persönlich. ;)

      • Muriel sagt:

        Du findest, er trägt dick auf? Und du findest, wenn er es nicht anonym machen würde, wäre es nicht so dick, und dann müsste er nicht erklären, warum er von Bonzen spricht?
        Oder wie meinst du das?

      • stefanolix sagt:

        Also ich finde, dass es weder für den Artikel noch für meine Kommentare eine Rolle spielt, wie ich morgen meine Arbeit gestalten werde und wie meine Familienmitglieder mit der Situation zurechtkommen. Dass wir kein Auto haben, sollte hinlänglich bekannt sein. Deshalb Trotzdem steht es mir doch aber frei, meine Meinung zu sagen.

        Jede Macht muss in Grenzen gehalten werden: Die Macht des Staates, die Macht großer Konzerne und auch die Macht der Gewerkschaften. Das sage ich auch öffentlich auf dem Dresdner Altmarkt ;-)

  4. Frank sagt:

    Das ist letztlich ein Grundproblem: Wenn man nun schon einmal die Möglichkeit zum Streiken hat, soll man es so machen dass es

    a) niemanden behindert
    b) in möglichst drastischer Form wahrgenommen wird?

    Ich finde es auch nicht toll, dass ausgerechnet bei diesem Wetter gestreikt wird (ich fahre zur Zeit mit dem Bus, mein Sohn muss morgen in die Schule). Aber eine gesetzliche Regelung, wann und bei welchen Bedingungen gestreikt werden darf, wäre auch wieder irgendwie … naja: Typisch deutsch.

    • stefanolix sagt:

      Wie man es machen soll? Also ich habe genügend Phantasie, wie man es ohne 24 Stunden Blockade machen könnte. Beispielsweise könnte man einen tatsächlichen Warnstreik im Zeitrahmen von wenigen Stunden organisieren und dabei mit den Leuten wirklich reden (also die Position der Gewerkschaft kommunizieren). Was jetzt stattfinden soll, ist ein purer Machtmissbrauch.

      Also noch mal: Ich will die gewerkschaftliche Betätigung nicht behindern oder verhindern, aber ich will auch Verhältnismäßigkeit und Vernunft wahren.

      Wenn wir nicht von Gewerkschaftsbonzen erpresst werden wollen, bleiben nur gesetzliche Regelungen in einem vernünftigen Rahmen. Oder willst Du wirklich mal 24 Stunden auf Trinkwasser verzichten?

      • henteaser sagt:

        Du könntest natürlich auch mal 24 Stunden auf Arbeit und Schule verzichten. Trifft eh nur jene, die bei Wind und Wetter durch die Stadt rammeln, weil sie es zu müssen glauben. (Abgesehen davon, dass es vermutlich auch ohne Streik genug Verspätungen geben würde dank des sog. Schneechaos.)

      • stefanolix sagt:

        Ich habe Verträge zu erfüllen. Andere aus der näheren und weiteren Verwandtschaft müssen Kinder betreuen und bilden, das Gymnasium besuchen, Laborversuche kontrollieren oder Essen kochen.

        Ja klar: Mancher Einwohner Dresdens könnte einen Tag Ruhe einlegen. Ich hätte mir den Tag auch anders geplant, wenn ich es langfristig gewusst hätte. Aber viele Menschen können es eben nicht!

      • derbaum sagt:

        so isses – mein chef wäre sicher nicht erfreut wenn ich einfach nicht erscheine morgen. und ich muss am monatsbeginn miete und die DVB-fahrkarte löhnen – also bin ich auf meinen lohn angewiesen…
        und es widerspricht meiner zuverlässigkeit einfach nicht tzur arbeit zu erscheinen!

  5. Erling Plaethe sagt:

    Lieber Stefanolix,
    Deutschland ist das Land von Nicolaus Otto, Rudolf Diesel, Carl Benz und Gottlieb Daimler.
    Und es ist das einzige Land auf der Welt, wo man auf nicht wenigen Strassen so schnell fahren kann wie man kann wenn man kann.
    Ich werde niemals dieses unglaubliche Glücksgefühl vergessen, als ich mich mit 15 Jahren das erste mal motorbetrieben fortbewegte.
    Autofahren macht auch Spaß, nicht nur frei. ;-)

    • stefanolix sagt:

      OK ;-)

      Ich lebe eben in einer Großstadt, in der ich im Normalfall recht gut auf einen privaten PKW verzichten kann. Noch dazu in einer guten Gegend, die im Normalfall ordentlich angebunden ist.

      Ich fühle mich besonders frei, wenn ich an einem freien Tag ganz zeitig zum Lauftraining komme, wenn die Luft schön klar ist. Oder wenn an einem verschneiten Tag kaum Autos im Straßenverkehr unterwegs sind ;-)

    • Rayson sagt:

      Mich hat vor x Jahren mal ein unangekündigter Warnstreik der ÖTV (die Älteren unter uns wissen noch: das waren die Vorgänger der Operngewerkschaft), der mich in einem kalten Winter auf eine Straßenbahn warten ließ, die nie kam, vom straßenbahn- zum autofahrenden Studenten gemacht. Einfach, weil ich diesen Hanseln dieses Stück Macht über mich nicht gönnte.

      • stefanolix sagt:

        Das ist die individuelle Lösung. Vielleicht werde ich eines Tages auch noch umsatteln.

        Aber die Macht der ver.di-Gewerkschaft sollte auch unabhängig von unseren persönlichen Präferenzen grundsätzlich begrenzt werden ;-)

  6. […] Der angekündigte Warnstreik von ver.di und der daraus folgende Ausfall der größten Teile des Straßenbahn- und des …. Spannend ist, dass man in der Dresdner Medienwelt fast das Gefühl bekommt, dass man nur in […]

  7. Martin sagt:

    also ich fahre morgen früh um 2Uhr los und mach am Abend ein bißchen länger.

    • stefanolix sagt:

      Ich sehe da keinen Grund, der eine so drastische Maßnahme rechtfertigen würde. Meinetwegen sollen sie von 05.00 Uhr bis 09.00 Uhr streiken, das wäre angemessen. Aber 24 Stunden sind maßlos übertrieben.

      • Martin sagt:

        das geht schon. Bei uns ist morgen auch nicht viel zu tun. Muß nur eine Straßenbahn auf dem Pirnaschen bewachen.

  8. dgb sagt:

    2 eur Fahrpreis. lohn der nicht zum leben reicht. der wutbürger kommmt nicht zur Arbeit und regt sich auch noch darüber auf. Dieses Land verdient sich so was von selbst.

    • stefanolix sagt:

      Mit Verlaub: Das ist Unsinn. Das Einkommen der öffentlich Bediensteten liegt hier in Dresden keinesfalls an der Armutsgrenze, sondern im mittleren Bereich der Einkommen.

      Abgeglichen mit den Lebenshaltungskosten reicht es also gut zum Leben. Das mag in westlichen Ballungszentren anders aussehen, aber hier im meinem Artikel geht es um den Streik in Dresden.

      • dgb sagt:

        Stimmt, das gehört natürlich gändert, wo kommen wir denn hin, wenn es noch Arbeiter mit mittlerem Einkommen gibt. Von unseren Steuergeldern! Da sieht die Deutsche Bank Einsparungspotential.. Aber fangen Sie jetzt bitte nicht an, eine Abstraktionsebene weiter zu denken..

      • stefanolix sagt:

        Fangen Sie jetzt bitte nicht versehentlich an, sachlich über die Angemessenheit von 24 Stunden Warnstreik zu Lasten der Bürger zu diskutieren. Wo kämen wir denn da hin? ;-)

        Für Dresden gilt das, was ich im Artikel und in den Kommentaren gesagt habe: Den öffentlich Bediensteten geht es nicht schlecht und sie leben keinesfalls an der Armutsgrenze. Ihre Behauptung »Lohn, der zum Leben nicht reicht« ist also Unsinn.

        Wenn das anderswo nicht so ist, sollte ver.di auch dort streiken. Dann dürfte die Akzeptanz vermutlich höher sein.


        Ich habe mit den Interessen der Deutschen Bank nichts zu tun und ich glaube auch nicht, dass sich die Deutsche Bank für den Warnstreik interessiert. Aber sie eignet sich natürlich gut als Feindbild und für einen netten kleinen Trollversuch.

    • Muriel sagt:

      Und ich hab mich schon gefragt, wieso der Busfahrer gerade so blass war…

      • dgb sagt:

        abstraktion für anfänger: „Ihre Behauptung »Lohn, der zum Leben nicht reicht« ist also Unsinn.“ – noch (jetzt kurz innehalten, nachdenken,. danke.)

        nicht inneghalten? ok: die strassenbahnfahrer sind, weil man auf einer strasse nur einmal gleise verlegen kann, eine der wenigen monopolangestellten und haben deshalb als eine der letzten noch die macht für ein gehalt zu kämpfen, im gegensatz zu deutschen amazon-angestellten, (ein metawitz, sie schaffen das..)

        da sie argumentoren über stammtischniveau historisch gerne öffentlich zu trollen erklären habe ich ihnen eine beantwortende emailadresse hinterlassen.

        abstraktion für fortgeschrittende: „Ich habe mit den Interessen der Deutschen Bank nichts zu tun..“ http://goo.gl/JFd4e

        argumentieren sie jetzt.

      • Muriel sagt:

        Ich find das ja total toll, dass dgb hier aufgeschlagen ist, um zu illustrieren, was mir an Gewerkschaftern so unsympathisch ist. Normalerweise muss man das erklären, hier ist es total überflüssig.

      • @dbg ein Tipp unter Fortgeschrittenen: Nicht so von oben herab. Natürlich unterstreicht ja genau das, was stefanolix mit Bonzen meint. Wobei natürlich nicht geklärt ist, wer hier als dbg schreibt, sollte man auch nicht vergessen.

      • stefanolix sagt:

        Sehr geehrte(r) dgb,

        zum wiederholten Male: Ich habe den gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern zu keinem Zeitpunkt das Recht abgesprochen, für ihre Interessen einen Warnstreik durchzuführen. Aber es ist unverhältnismäßig, diesen Warnstreik über 24 Stunden hinzuziehen.

        War das jetzt verständlich?

        Jeder von uns kann täglich seinen Ermessensspielraum und seine Möglichkeiten nutzen, um anderen Menschen den Tag schlecht zu machen. Denken Sie mal einen Augenblick darüber nach, wie wir leben würden, wenn das jeder Mensch täte.

        Zwei bis vier Stunden Warnstreik und eine ordentliche Kommunikation hätten völlig gereicht, um den Dresdnern das Anliegen klar zu machen.

        Meinen Sie wirklich, dass Ihr Auftreten und Ihre Kommunikationsweise unter dem Namen »dgb« der Sache der Gewerkschaften dienen?


        Zu Deutschen Bank werde ich mich hier nicht äußern. Thema dieses Artikels ist die absurd überzogene Machtdemonstration der Gewerkschaftsführung zu Lasten der Dresdner Bevölkerung.

      • dgb sagt:

        „ein Tipp unter Fortgeschrittenen: Nicht so von oben herab“ schwer in diesem forum. schon schlimm, wenn das bild vom unterbelichteten proletarier mit schlechtem satzbau nicht stimmt.

        @herr stefanolix: die begrenzung des themas mag die argumentation vereinfachen, das es blogleser gibt, die ihre simple weltsicht verkomplizieren ist mit der veröffentlichung ihrer gedanken leider implizit. wenn ihnen das probleme bereitet empfehle ich einen newsletter.

      • Rayson sagt:

        @dgb

        Ach komm, Alter, von einem unangenehmen Thema zu einem anderen abzulenken, wo man sich (womöglich trügerisch, aber der subjektive Eindruck zählt) in der Offensive wähnt, ist in politischer Agitation nur Anfängerniveau. Da hast du doch sicher mehr drauf.

      • stefanolix sagt:

        @dgb: Für Ihre Diskussionsweise gibt es einen Begriff, den ich ungern anwende, der aber hier zutrifft: Derailing. Das bedeutet: Das willkürliche Herausspringen aus einer Diskussion, das Ablenken vom Thema oder »die Diskussion auf ein anderes Gleis heben«.

        Ich werde hier nicht über die Deutsche Bank diskutieren, sondern ich werde bei meinem Thema bleiben. Die Deutsche Bank ist an diesem Tarifkonflikt nicht beteiligt und hat mit dem Warnstreik nichts zu tun.

        Wenn Ihnen das nicht passt, dann diskutieren Sie doch bitte anderswo weiter.

      • stefanolix sagt:

        @dgb: Noch ein kurzes PS.

        Ich kenne fast alle Teilnehmer dieser Diskussion schon länger, einige auch persönlich. Keinem der Teilnehmer würde ich Überheblichkeit gegenüber Arbeitern unterstellen.

        Gute Facharbeit wird hier respektiert und sie soll ordentlich bezahlt werden. Nach allem, was mir bekannt ist, werden die Mitarbeiter der Dresdner Verkehrsbetriebe auch ordentlich bezahlt.

        Ich bin sicher, dass die 24-stündige Blockade zum heutigen Zeitpunkt bei einer Urabstimmung unter allen Mitarbeitern der Verkehrsbetriebe nicht mehrheitsfähig wäre. Das ist keine Idee von Arbeitern, sondern eine Idee von Gewerkschaftsfunktionären.

      • dgb sagt:

        herr stefanolix, das derailing kommt nicht von mir, ich habe bewusst den gedankenanstoss re ihre steuern-> DB hntenangestellt. bleiben wir also beim thema:

        ihnen ist als selbstständiger (oder gut situierter angestellter, ich kann nur spekulieren) der Arbeitskampf (als schlecht klingender, diskussionskonstituierender begriff) nur bewusst, wenn er ihr bequemes leben tangiert. das argument „Urabstimmung‘ erscheint ihnen entsprechend original. versetzen sie sich bitte kurz in die Lage des Arbeiters in lohnabhängigkeit in einem ArbeitsMARKT, und legen Sie sich selbst den Stimmzettel “ Streik : YES/NO‘ vor. Ihre Existenz hängt davon ab. Stimmen sie jetzt ab, entwickeln sie Empathie und extrapolatieren sie.

        Ergebnis :

      • Rayson sagt:

        @stefanolix

        Ich höre bei Freund „dgb“ einen vertrauten Sound.

      • stefanolix sagt:

        @Rayson: Ich glaube nicht, dass er schon mal hier war. Aber es gibt merkwürdige Zufälle.

        @dgb: Ich lasse Ihre Argumente jetzt erst mal ruhen.

      • Antifa sagt:

        Nach allem, was mir bekannt ist, werden die Mitarbeiter der Dresdner Verkehrsbetriebe auch ordentlich bezahlt.

        Was verdienen sie denn nun?

        Ich persönlich finde sowohl den Streik als auch gewerkschaftliche Mitbestimmung vollkommen in Ordnung und werde morgen einfach etwas früher mit dem Fahrrad auf Arbeit fahren.

      • Antifa sagt:

        Was verdienen sie denn nun?

        Um mir die Frage selbst zu beantworten, denn außer bloßer Behauptung kamen hier bisher keine Zahlen: 1700 Euro brutto verdient nach Angaben des ver.di-Geschäftsführers ein Berufsanfänger bei der DVB für eine 40 Stunden Woche. Ob auch im Vergleich mit dem bundesweiten Durchschnittseinkommen das unter „relativ gut situiert“ fällt, würde ich ernsthaft bezweifeln. (Zahlen für Sachsen von 2010)

        Ich glaube nicht, dass man gegen den Willen von einigen Dutzend gut organisierten Leuten den Straßenbahn- und Busverkehr erzwingen kann.

        Da anwortet im gleichen Artikel der ver.di-Mann noch einmal: „Beinahe alle Mitarbeiter beteiligten sich, Streikbrecher soll es keine gegeben haben.“ Natürlich wird es auch Teile der Belegschaft gegeben haben, die nicht zu einem Streik bereit gewesen sind, aber die kühne Behauptung, dass „ein gutes Dutzend“ dafür verantwortlich gewesen ist, passt auch nicht so ganz.

      • Muriel sagt:

        „Ein gutes Dutzend“
        Gemeinhin benutzt man Anührungszeichen ja, um ein direktes Zitat zu kennzeichnen.
        Stattdessen kann man natürlich auch was völlig anderes reinschreiben als derjenige gesagt hat, dessen Aussage man kritisieren will.
        Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

      • stefanolix sagt:

        @Antifa: Gewerkschaftsangaben sind immer kritisch zu hinterfragen. Ist das ein Lohn inklusive Zulagen? Welche Sozialleistungen trägt der Arbeitgeber? Wie sicher ist die Arbeit? Wann bekommt der Berufsanfänger seine erste Lohnerhöhung?

        Ich halte diese Aussage zum Einkommen eines Berufsanfängers für bewusst eingesetzte Propaganda.

        Der Vergleich mit dem bundesweiten »Durchschnitt« ist zwar ein beliebter Trick, aber offensichtlich Blödsinn. Es kann hier nur um das Einkommensgefüge in Sachsen bzw. Dresden gehen. Die Einkommensunterschiede sind hier in Sachsen viel geringer als in Bayern oder Hessen, wo sehr viele Reiche wohnen.

      • stefanolix sagt:

        @Muriel: Man kennt diese Diskussionsweise inzwischen und man muss sie eben entsprechend einstufen …

        Am Sonntag begann Kommentator »dgb« ja noch mit ganz anderen Schauermärchen ;-)

      • Muriel sagt:

        Ja gut, dgb ist offensichtlich ein gewerkschaftsfeindlicher Maulwurf, aber antifa kaufe ich noch ab, dass er wirklich für die Sache eintritt, die er hier dem Anschein nach verteidigt.

      • Antifa sagt:

        Ist das ein Lohn inklusive Zulagen? Welche Sozialleistungen trägt der Arbeitgeber? Wie sicher ist die Arbeit? Wann bekommt der Berufsanfänger seine erste Lohnerhöhung?

        Ich bin gespannt auf die Antworten, dafür dass hier massiv die Gewerkschaft und die scheinbar bereitwillig streikende Belegschaft aus subjektiver Einschätzung heraus angegriffen werden, fehlt es mir einfach an irgendwelchen substanziellen Aussagen, die für mich eine Kritik an der Aktion nachvollziehbar machen lässt.

        Für das „Zitat“ entschuldige ich mich, aber eine eigene anonym aufgestellte Behauptung von „einigen Dutzend“ damit zu deckeln, dass die Angaben der Gewerkschaft kritisch hinterfragt werden müssten, ist auch kein guter Stil. Überhaupt ist es mir persönlich völlig egal, wer wieviel verdient und streikt. Wenn die Belegschaft einen Streik befürwortet, dann wird das schon Gründe haben.

      • stefanolix sagt:

        Wenn man nach der Qualifikation geht: Der oben benannte Berufsanfänger verdient übrigens schon mehr, als ein Kraftfahrzeugführer in Sachsen im Durchschnitt bekommt.

  9. Xeniana sagt:

    Eine schöne Geschichte, die von wärmi:)Man mag sich das gar nicht vorstellen, bei so einem Wetter ohne strom…brrrr.

  10. Antifa sagt:

    Auch wenn das Dich wahrscheinlich nicht groß interessieren wird, steht zumindest die Herkunft des Begriffes in Deutschland nicht gerade für eine sachliche Auseinandersetzung, die dem Thema gerecht wird. Aber wahrscheinlich sind Deine persönlichen Erfahrungen mit Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern ganz im Unterschied zu den meinen, blöderweise immer nur negativ gewesen.

    • Antifa sagt:

      Mir ging es um den hier inflationär verwendeten Begriff des Bonzen.

    • stefanolix sagt:

      Zu meiner grundsätzlichen Auffassung zu Gewerkschaften: siehe Antwort auf Mannis Kommentar. Sie sind notwendig. Sie sind im Grundgesetz verankert.

      Ich unterscheide aber grundsätzlich zwischen der legitimen Vertretung der Arbeitnehmerrechte und dem Missbrauch des Streikrechts durch Ideologen, wie es heute in Dresden der Fall ist. Und ja: In diesem Fall wende ich auch den Begriff »Gewerkschaftsbonze« an.

      Diese überzogene Maßnahme ist nur als Machtmissbrauch zu erklären und deshalb müsste es von Gesetz wegen eine Einschränkung solcher Warnstreiks geben.

      Im Übrigen kann ja jeder im Laufe des Tages mal recherchieren, wie die Gewerkschaften ihre eigenen Mitarbeiter behandeln und bezahlen.

  11. Manni sagt:

    Das dürfte der bisher „kommentarreichste“ Beitrag hier sein!? Schöne Diskussion mit guten Beiträgen von allen Seiten, wie ich finde.
    Möchte mich zum konkreten Anlaß aber gar nicht äußern, nur mal was grundsätzliches anmerken: als Angestellter, somit „abhängig Beschäftigter“ oder wie auch immer man so ein Vertragsverhältnis bezeichnen mag, bin ich natürlich interessiert an einer starken Vertretung meiner persönlichen Interessen gegenüber der Arbeitgeberseite (Achtung: „Lobby-Arbeit“) und deshalb seit über 20 Jahren Mitglied der IG Metall.
    Hier wird auf betrieblicher Ebene durchaus gute Arbeit geleistet, auch habe ich z.B. die Mitgliedern gewährte Arbeits-Rechtsschutzversicherung schon in Anpruch genommen.
    Was mir allerdings regelmäßig aufstößt, ist dieses „Politik-Betreiben-Wollen“ der verschiedenen Gewerkschaften, sei es Verdi oder „meine“ IG Metall, was von der Beeinflussung regionaler Tarifverhandlungen durch die Bundes-Zentrale bis zur Wahlempfehlung bei Land- und Bundestagswahlen reicht.
    Gewerkschaften sollten sich als Lobby-Organisationen begreifen – für die Interessen ihrer Mitglieder und sich darauf auch beschränken.
    Leider haben wohl auch hier – wie in der sonstigen Gesellschaft – Ideologen aus der linken Ecke die Meinungsführerschaft übernommen.

    • stefanolix sagt:

      In der Frage der Vertretung von Arbeitnehmerrechten gibt es für mich nichts zurückzunehmen oder zu ergänzen.

      Schon immer bin ich für eine betriebliche Mitbestimmung im vernünftigen Rahmen und für die Vertretung der Arbeiter durch Gewerkschaften mit Augenmaß. Ein gutes Beispiel ist die Gewerkschaft der Chemiearbeiter, heute in der IG BCE aufgegangen. Die Chemie-Gewerkschafter einigen sich mit den Arbeitgebern immer recht schnell auf gute Rahmenbedingungen und beide Seiten haben etwas davon. In den großen Chemiekonzernen wird gutes Geld verdient, stimmt die Weiterbildung, gibt es interessante Arbeitszeitmodelle …

      Ein politisches Mandat haben die Gewerkschaften jedenfalls nicht. Und wenn der Arbeitgeber letztlich die ganze Gesellschaft der Stadt Dresden ist, muss das Streikrecht mit besonderem Augenmaß und mit Verhältnismäßigkeit ausgeübt werden.

      Es gab schon Beiträge mit wesentlich mehr Kommentaren (u. a. zum Thema 13. Februar). Hier fällt auf, dass es recht viele Kommentare in kurzer Zeit sind.

  12. […] und wenn ich was zu sagen hätte würde ich jeden verantwortlichen bei ver.di und der dvbag dazu verdonnern einmal in der woche 10km unter diesen bedingungen durch die stadt laufen zu müssen!und ich meine nicht die bus- und bahnfahrer, die haben sich ihr geld verdient und machen einen tollen job! (meistens) – sondern die die meinen sich auf kosten der fahrgäste profilieren zu müssen oder ihre macht demonstrieren wollen – gut nachzulesen hier! […]

  13. Andreas sagt:

    dgb zeigt hier recht deutlich, warum mich als „Arbeiterkind“ die Gewerkschaften so ankotzen.
    Von einer Interessenvertretung der Arbeitnehmer kann bei manchen Gewerkschaften sicherlich nicht mehr ausgegangen werden, es werden lediglich noch die Interessen der Funktionäre vertreten.
    Noch ein Hinweis für die Dresdener „Nahverkehrs-Angewiesenen“:
    Bestreikt doch mal den Eingang der ver.di-Vertretung in der Cottaer Str. 2

    • stefanolix sagt:

      Gestern hat man Solidarität und Privatinitiative gegen Gewerkschaftswillkür erlebt: Viele Menschen haben spontan Fahrgemeinschaften gebildet, die Eltern haben den Transport der Schüler organisiert, die Taxi-Unternehmen haben richtig gute Arbeit geleistet. Da ist mir nicht bange, dass man auch mehrere Tage eines solchen Streiks zu Lasten der Dresdner Bürger überstehen wird.

      Ich habe gestern und heute mit sehr vielen Menschen gesprochen: Nahezu alle haben die Streikmaßnahme als maßlos überzogen eingestuft.

      • Antifa sagt:

        Gestern hat man Solidarität und Privatinitiative gegen Gewerkschaftswillkür erlebt

        Wozu ein Streik auf einmal alles führen kann …

        Ich habe gestern und heute mit sehr vielen Menschen gesprochen: Nahezu alle haben die Streikmaßnahme als maßlos überzogen eingestuft.

        Tja und bei mir auf Arbeit herrschte fast ausnahmslos Verständnis für den Streik. So sehr unterscheiden sich dann scheinbar die Menschen.

      • stefanolix sagt:

        Es kommt wohl immer darauf an, wo jemand arbeitet. In der Dresdner Gewerkschaftszentrale oder im Dresdner Hauptquartier der Linkspartei würde mich die Zustimmung nicht überraschen ;-)

      • Antifa sagt:

        Es kommt wohl immer darauf an, wo jemand arbeitet. In der Dresdner Gewerkschaftszentrale oder im Dresdner Hauptquartier der Linkspartei würde mich die Zustimmung nicht überraschen ;-)

        Auch wenn das möglicherweise so sein sollte, kann ich es leider nicht beurteilen. Mich würde eine Bevölkerungsbefragung zu dem Thema, ob höhere (bzw. angemessene) Löhne mit Streiks erkämpft werden sollten, schon interessieren.

      • stefanolix sagt:

        Bevor solche Umfragen gestartet werden, würde ich allerdings die Einführung eines Unterrichtsfaches »Grundlagen der Ökonomie« in den Schulen befürworten – und eine Nachschulung der Erwachsenen ;-)

        Denn ganz sicher befürwortet eine Mehrheit beispielsweise den Mindestlohn von 8.50 Euro für Jeden – aber kaum jemand überlegt sich, welche Folgen das hat.

  14. Andreas sagt:

    http://www.dresden-fernsehen.de/default.aspx?showNews=1282892&ID=12209:
    „Der Forderungskatalog der Gewerkschaft umfasst insgesamt 31 Punkte. Darunter eine 38-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, mehr Urlaub für Schichtarbeiter von bis zu 34 Tagen, eine Jahressonderzahlung von 1.500 Euro, im Durchschnitt die Verdopplung von Zuschlägen für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit. In Einzelfällen sogar eine Vervierfachung. Darüber hinaus zusätzliche freie Tage für Arbeit an Wochenfeiertagen sowie Bonusregelungen speziell für Gewerkschaftsmitglieder. In Summe würde das eine Mehrbelastung für die Unternehmen von rund elf Prozent der Lohnkosten bedeuten. Nach dem letztjährigen Tarifabschluss, bei dem es um die eigentliche Grundvergütung ging, mussten die sächsischen Verkehrsbetriebe bereits eine Steigerung von insgesamt 6,3 Prozent verkraften.“

    Ich sach nur: Der Kunde (und Finanzier) als Geisel

    • stefanolix sagt:

      Oh. Dieses Gesamtpaket an Forderungen wird ja nur selten in dieser Deutlichkeit kommuniziert. Das stand m. W. so deutlich in keiner Zeitung.

      Wenn man sich in diesem Zusammenhang daran erinnert, wie »dgb« hier eingestiegen ist und wie manche Kommentatoren gleich mal die Verelendung der Fahrer an die Wand malen …

  15. Koppelt die Angestelltengehälter einfach an die Diäten der Land- und Bundestagsabgeordneten, da hat man wenigstens einheitliche Prozente und muss sich nicht erst streiten.

    • stefanolix sagt:

      Und das würden Sie als soziale Lösung bezeichnen? Ich muss mich doch sehr wundern.

      • Wo lesen Sie denn das Wort sozial in meinem Beitrag?
        Das Gefeilsche könnte wegfallen, wäre ja schon per Abstimmung entschieden.
        War allerdings als Scherz von mir gemeint, dass unsere Abgeordneten anderen aus dem öffentlichen Haushalt bezahlten Angestellten die gleichen prozentualen Einkommenssteigerungen zugestehen, ist unvorstellbar.

        Ich wüsste ansonsten nicht, wo unsere Gesellschaft auf Maßhaltung und Rücksichtnahme aufbaut (außer in den Sonntagsreden natürlich).

      • Muriel sagt:

        Welche Steigerung wäre das denn?
        Ich hatte bisher den Eindruck, die Entwicklung der Abgeordnetenentschädigung wäre nicht besonders rasant.

      • stefanolix sagt:

        Ihre Lösung würde den Abstand zwischen den beiden »Gehaltsklassen« vergrößern. Bei einer gleichartigen prozentualen Erhöhung wächst der Abstand der absoluten Gehälter …

        Beispiel (ausgehend von einer Grunddiät in Sachsen von 5.000 Euro und dem halb so hohen Gehalt eines Angestellten mit 25 Jahren Berufserfahrung) bei einer Erhöhung um 5%:

        5.000 € auf 5.250 €
        2.500 € auf 2.625 €

        Die Differenz der beiden Gehälter wächst also nach der Erhöhung von 2.500 auf 2.625 €.

        Im Schnitt der letzten Jahre dürften die jährlichen Steigerungen der Diäten der Abgeordneten im sächsischen Landtag geringer ausgefallen sein als die Steigerungen der Gehälter der DVB-Angestellten.


        Es wäre aber noch aus einem anderen Grund keine gute Idee: Öffentlich Bedienstete und Abgeordnete werden aus Steuergeld bezahlt. Wenn man die Erhöhungen aneinander koppelt, wächst der Anreiz, immer tiefer in die Taschen der Bürger zu greifen.

      • Antifa sagt:

        „[…] wächst der Anreiz, immer tiefer in die Taschen der Bürger zu greifen […]“

        Am Ende würde es einfacher sein, das vorhandene Geld sinnvoller zu verteilen, an den richtigen Stellen zu sparen und die Steuern für gewisse Teile der Bevölkerung ausnahmsweise zu erhöhen, die trotz der Dauerkrise bisher immer profitiert haben. Aber natürlich macht es ökonomisch mehr Sinn, Lohnerhöhungen (bzw. -anpassung) mit dem Verweis auf ein sowieso schon ausgesprochen niedriges Lohnniveau zu verneinen.

      • stefanolix sagt:

        Das Problem ist: Es gibt kein »vorhandenes Geld«. Ein Problem, das mit zu hohen Steigerungen verbunden ist, wird in dem Begriff »Lohn-Preis-Spirale« erkennbar. Ein anderes Problem in dem Begriff »Geldmenge«.

        Um aber noch mal zur DVB zurückzukommen: Die Fahrer dort verdienen bereits als Berufsanfänger deutlich mehr als der Durchschnitt der Kraftfahrer in Sachsen. Deutlich mehr auch als die Mitarbeiter der Taeter-Tours und einer anderer Firma, die beide für die DVB fahren. Wenn es um Lohngerechtigkeit und gleiches Geld für gleiche Arbeit ginge, wären doch erst mal andere an der Reihe. Oder was übersehe ich da?

      • Muriel, ausgehend von den Bundestagsabgeordneten müssten sich die Durchschnittseinkommen seit 2000 über den Daumen gepeilt um 20-25% erhöht haben. Zu weiterer Recherche habe ich keine Zeit.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Di%C3%A4ten_(Politik)

        http://de.statista.com/statistik/daten/studie/206798/umfrage/entwicklung-reales-bruttoeinkommen-in-deutschand/

      • stefanolix sagt:

        Bei dem Streik ging es aber nicht um die Durchschnittseinkommen in Deutschland, sondern um die Löhne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DVB. Diese Löhne dürften in den Jahren seit 2000 um mindestens 20 % gestiegen sein, vermutlich aber um deutlich mehr als 20 %. Denn 20 % in diesen 12 Jahren entsprechen ja einer jährlichen Steigerung von deutlich weniger als 2 %.

        In Ihrem Kommentar vom 01.03.2013 haben Sie geschrieben:

        War allerdings als Scherz von mir gemeint, dass unsere Abgeordneten anderen aus dem öffentlichen Haushalt bezahlten Angestellten die gleichen prozentualen Einkommenssteigerungen zugestehen, ist unvorstellbar.

        So unvorstellbar ist das gar nicht. Die Tarifabschlüsse im Öffentlichen Dienst für die unteren Einkommensgruppen (wozu z. B. Busfahrer gehören) liegen deutlich über der Steigerung der Abgeordnetendiäten.

      • ‚Dürften‘ ist natürlich auch so eine Aussage. ‚Könnten‘ ja auch 4% aller zwei Jahre sein, immer wenn ich von Tarifabschlüssen im Radio höre, fallen Zahlen wie 3,6% oder 3,3%.

        Abgesehen davon würde ich allen Nichterhöhungsbetroffenen raten, für höhere Löhne zu streiken.

      • stefanolix sagt:

        Wer für höhere Löhne streikt, streikt auch für höhere Preise ;-)


        Wenn im Radio oder in der Zeitung von Tarifabschlüssen die Rede ist, bekommt man lediglich einen Durchschnittswert genannt. Der ist aber wenig aussagekräftig.

        Die Einkommen der unteren Einstufungsgruppen werden in der Regel stärker angehoben, als die Einkommen der mittleren und oberen Gruppen. Der Durchschnittswert bildet also nicht die Steigerung des Einkommens eines Busfahrers ab.


        PS: Aller zwei Jahre vier Prozent Steigerung ergibt nach zwölf Jahren übrigens auch deutlich mehr als zwanzig Prozent.

      • „Wer für höhere Löhne streikt, streikt auch für höhere Preise ;-)“

        Je nach Branche auch für geringere Gewinne. ;-)

        Wenn es denn a) alle 2 Jahre ist – Stichwort Gürtel-enger-schnallen – und b) schrieb ich 20-25%. Bei 3,6% oder 3,3% sieht es auch schon anders aus. Die Entwicklung der Durchschnittseinkommen scheint aber eine ganz andere Sprache zu sprechen – und da klammere ich jetzt die Busfahrer mangels konkreter Gehaltszahlen aus.

      • stefanolix sagt:

        Da es im ÖPNV keine Gewinne gibt, können wir das Schmälern von Gewinnen wohl vergessen.

        In der Regel führen hohe Einkommenssteigerungen im Öffentlichen Dienst zu einer schnelleren Drehung der Lohn-Preis-Spirale.

        Es geht ganz knallhart darum, einer Gruppe von privilegierten Beschäftigten gegenüber den anderen Beschäftigten Vorteile zu verschaffen. Ich wäre sofort einverstanden, wenn man die DVB per Streik oder auf anderem Weg zwingen würde, die Beschäftigten der Tochterunternehmen mit den eigenen Fahrern gleichzustellen. Aber mit dem Ergebnis dieses Tarifkonflikts wird die Ungerechtigkeit definitiv größer. Unter anderem auch deshalb, weil ein Teil des Kostendrucks an die Tochterunternehmen weitergegeben werden wird.

      • stefanolix sagt:

        Im Übrigen geht es in Peter Machelis Link um »abhängig Beschäftigte in Privathaushalten«. Dazu dürften Busfahrer der DVB eher nicht zählen.

      • OMG, das passiert, wenn man das nebenbei überfliegt. Um diese ziemlich dürftig gekennzeichnete Einschränkung genauer zu verstehen, muss man sich dort wohl anmelden.

        Ansonsten bleibe ich dabei: Wer mehr Geld will, muss sich kümmern, ich verweigere ab subjektiv gesteckten Untergrenzen ebenfalls die Arbeit. Diese steigen mit den Jahren, in Abhängigkeit von ihrer Art und dem Auftraggeber. Und klar steigen damit auch die Kosten für irgendjemanden oder für alle, Wachstum ist ja schließlich alternativlos.

      • stefanolix sagt:

        Es gibt gesundes und ungesundes Wachstum. Es ist kein gesundes Wachstum, wenn die Löhne steigen, ohne dass eine Leistungssteigerung dahintersteckt.

        Für die Tätigkeit »Busfahren« sind die Mitarbeite der DVB sehr gut situiert und keinesfalls in der Nähe einer Zumutbarkeitsgrenze.


        Das Beispiel unserer sehr offenen und fairen Diskussion um Statistik und Zahlen zeigt, wie wichtig Sorgfalt in der Argumentation ist. Wenn man nämlich die richtigen Zahlen nimmt und mal die Ideologie weglässt, kommt man oft auf überraschend »konservative« Lösungen. Stichwort: die Philosophie der vernünftigen schwäbischen Hausfrau [die wirklich nichts mit der CDU zu tun haben muss!].

  16. Antifa sagt:

    Immerhin hatten sie mit der Methode Erfolg: Einigung im Tarifkonflikt des Nahverkehrs

    • stefanolix sagt:

      Eine Methode wird nicht legitim, nur weil jemand damit Erfolg für seine Partikularinteressen hat. Jetzt sind alle negativen Folgen eingetreten, die man vor dem Streik schon befürchten musste: DVB-Fahrkarten werden teurer. Der Abstand zu den anderen Beschäftigten wird vergrößert (eigentlich haben wir eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Beschäftigten des ÖPNV). Ein weiterer willkürlicher und überzogen langer Streik im nächsten Tarifkonflikt ist trotzdem nicht abgewendet. Wie man sieht, ist »Erfolg« durchaus relativ.

      • Antifa sagt:

        DVB-Fahrkarten werden teurer…

        Wo steht das?

        Abstand zu den anderen Beschäftigten wird vergrößert (eigentlich haben wir eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Beschäftigten des ÖPNV)

        Mit dem Argument könnte man sich auch für Lohnsenkungen einsetzen. Lösungsvorschlag: Lohnangleichung.

      • stefanolix sagt:

        Die Fahrkarten werden teurer –  so sicher wie das Amen in der Kirche. Spätestens im Dezember 2013 wissen wir mehr. Außerdem werden die staatlichen Zuschüsse und die Gewinnabführungen der DREWAG steigen müssen.

        Nein, ich bin nicht für Lohnsenkungen bei der DVB gewesen, sondern für eine schnellere Anhebung der Einkommen der schlechter bezahlten Fahrerinnen und Fahrer. Die Beschäftigten der DVB sind ohnehin stark privilegiert. Sie brauchen die Verbesserungen lange nicht so notwendig, wie die Kollegen in den Unternehmen, die im Auftrag der DVB fahren.

        Ergänzung: Diese Maßnahmen vergrößern also die »Gerechtigkeitslücke«, von der die Linke immer spricht. Oder einfacher ausgedrückt: Es ist nicht fair.

      • Antifa sagt:

        Die Fahrkarten werden teurer – so sicher wie das Amen in der Kirche.

        Werden sie das nicht sowieso immer und ist der Grund für die letzten Steigerungen nicht auch der, dass auch die Arbeitnehmer vor immer höheren Kosten (Mieten, Strom, Nahverkehr) stehen, die irgendwie bezahlt werden müssen.

        Diese Maßnahmen vergrößern also die »Gerechtigkeitslücke«, von der die Linke immer spricht.

        Klingt gerade so, als ob Streiks durch „stark priviligierte“ Bevölkerungsschichten irgendwie falsch wären. Jeder hat das Recht zu streiken und nur weil irgendwer noch schlechter bezahlt wird, bedeutet das nicht, dass anderen die Möglichkeit für Lohnerhöhungen zu streiken nicht zustehen. Danach könnte ich mit dem Argument der „Arbeiternehmerfreizügigkeit“ in der EU jeden Streik delegitimieren. Und „links“ ist das Thema nicht, mir fällt gerade keine deutsche Partei ein, die nicht das aktuell diskutierte Thema „Mindestlohn“ auf ihrer Agenda hätte. Meinetwegen ist dieser Streik stark durch Gewerkschaftsvertreter forciert worden (Zahlen zur tatsächlichen Streikbeteiligung stehen immer noch aus), aber letztendlich gibt der Erfolg ihnen ja recht.

      • stefanolix sagt:

        Gehen wir davon aus, dass zwei Busfahrer im Auftrag der Stadt Dresden Bus fahren. Der eine arbeitet bei der DVB zu Top-Konditionen und der andere hat das Pech, bei einem Subunternehmer der DVB zu arbeiten. Dann besteht offenbar bei gleichen Anforderungen und gleicher Qualifikation eine große Lücke in der Bezahlung und bei den Arbeitsbedingungen. Nach meinem Gerechtigkeitsgefühl sollte diese Lücke nicht auf Kosten aller Dresdner noch vergrößert werden.

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