Garantieziehung (2)

Anfang Januar hatte ich in einem Artikel über die Verluste des Freistaats Sachsen aus Geschäften der ehemaligen Sachsen LB geschrieben:

Die Pressemitteilungen des Freistaats sind deutlich ausführlicher, wenn ein Sächsischer Minister irgendwo in einem kleinen Dorf den neuen Kuhstall einweiht. Und merkwürdigerweise sind diese Pressemitteilungen auch nicht durchgängig im Passiv verfasst …

Dieses Thema greift die »Sächsische Zeitung« heute auf. Die Kommentatorin Annette Binninger schreibt in einem Kommentar zu den neuerlichen »Garantiezahlungen«:

Acht dürre Zeilen über einen Fast-Milliardenverlust – mehr gab es dazu angeblich nicht zu sagen in Sachsens Regierungsapparat. Mehr Informationsbedarf sah man stattdessen zur Landesgartenschau in Löbau oder der Mitführpflicht von Warnwesten im Straßenverkehr.

So unterschiedlich sind Blogger und Journalisten manchmal gar nicht …


Leider kann die »Sächsische Zeitung« der Versuchung nicht widerstehen, ihren Bericht auf Seite 1 mit diversen Null-Aussagen »anzureichern«. Beispiel:

Mit den nächsten Nachzahlungen wird im Juni gerechnet. Deren genaue Höhe ist noch unbekannt.

Dabei ist das ganz einfach: Seit 2009 erfolgen die Zahlungen immer am Quartalsende und die genaue Höhe ist vorher nie bekannt.


Zur traurigen Realität (ein Klick auf die Bilder vergrößert die Darstellung):

Kumulierte Darstellung der Zahlungen des Freistaats Sachsen.

Kumulierte Darstellung der Zahlungen des Freistaats Sachsen.

Entwicklung der einzelnen Zahlungen des Freistaats Sachsen.

Entwicklung der einzelnen Zahlungen des Freistaats Sachsen.


Link:
Pressemitteilung des Freistaats zur Zahlung im Quartal 1 / 2013


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12 Responses to Garantieziehung (2)

  1. Wolf sagt:

    Schön, das auch mal grafisch zu sehen! Das zweite Diagramm enthält meines Erachtens keine kumulierten Zahlen (Bildunterschrift).

  2. Kurt sagt:

    Es wäre gut, nochmals darauf hinzuweisen, wer uns diese Suppe eingebrockt hat. Einer der Hauptverantwortlichen hieß [X. Y.] von der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Er war einer von jenen, die Holger Witzel völlig zu Recht „kriminelle Westmigranten“ nennt.
    Link.

    http://www.stern.de/politik/deutschland/schnauze-wessi-kriminelle-west-migranten-in-leipzig-1555372.html

    Ich bitte um Verständnis, dass ich den Namen unkenntlich gemacht habe. Der Autor.

    • stefanolix sagt:

      @Kurt: Es gab politisch Verantwortliche. Es gab operativ Verantwortliche.

      Man muss sich aber auch bewusst sein, dass die politisch (strategisch) Verantwortlichen damals vermutlich daran geglaubt haben, den Freistaat mit solchen Geschäften »reicher« zu machen und dem Wahlvolk Erfolge präsentieren zu können.

      Es stellt sich also auch die Frage nach unserer Verantwortung als Bürger. Im Grunde müssten uns die Finanzskandale der letzten Jahre eine Lehre sein. Es fehlt an einer Partei, die die Interessen derer vertritt, die seriös wirtschaften wollen.

      • Antifa sagt:

        Wir haben doch die FDP!

      • stefanolix sagt:

        Die FDP dürfte in die Vorgänge um die Sachsen LB (neben den Grünen) von allen Parteien am wenigsten verwickelt sein. Sie war damals nicht in Regierungsverantwortung und eine Zeitlang auch gar nicht im Landtag.

  3. Antifa sagt:

    Fast genauso spannend wie Autodiebstähle ;) Interessant ist, dass Sachsen mit den veranschlagten 2,75 Milliarden ja noch gut weg kommt, die möglichen Ausfälle waren ja um einiges höher.

    • stefanolix sagt:

      Selbst wenn die Begrenzung Bestand haben sollte: Ich sehe keinen einzigen Cent davon als »gut weggekommen« an. Bisher ist auch überhaupt nicht klar, ob die 2.75 Milliarden Euro die Verzugszinsen in Höhe von ca. 300 Mio. Euro enthalten. Wenn nicht, dann werden wir schon über 3 Milliarden zahlen müssen.

      Auch wenn es bei der ursprünglichen Summe bleibt: Die Auswirkungen solcher Geschäfte führen zu einer Entwertung unseres Geldes.

    • stefanolix sagt:

      Den verlinkten Artikel sehe ich zum Teil als reißerisch und spekulativ. Die reinen Fakten sind deprimierend genug …

      • Antifa sagt:

        Spekulativ? Was ist denn daran schon wieder spekulativ:

        „Die nächsten Verluste, die die Nachrangfinanzierung der LBBW treffen würden, werden bis zu einer Höhe von 6,0 Mrd. EUR im Rahmen der seit 30. Juni 2009 bestehenden Risikoabschirmung vom Land Baden-Württemberg getragen“, heißt es dazu in den Regelmäßigen Berichten der LBBW.

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