Des Steinbrücks neue Kleider

14. März 2013

In einer kurzweiligen Frühkritik berichtet die F.A.Z. über die Befragung des ehemals hochbezahlten Vortragsredners und jetzigen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück durch die Moderatorin Anne Will.

Kurze Zusammenfassung: Der Kandidat ist nackt.

Man fragt sich unwillkürlich: Warum hat man ihm so viel Geld für das Reden hinterhergeworfen, wenn er auf einfache politische Fragen keine Antwort weiß? An der Qualität seiner Aussagen und der Leistung als Politiker kann es nicht gelegen haben.

Peer Steinbrück hat noch nie eine bedeutende Wahl gewonnen. Meine Prognose und meine Hoffnung: 2013 sollte nicht das Jahr sein, in dem sich daran etwas ändert.


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Zitat des Tages: Der Aufwand beim Eintreiben von Steuern

11. März 2013

Erinnern wir uns: Als die FDP noch in der Opposition war, stritt sie mit großen Worten [Guido Westerwelle] und auch mit Fachkompetenz [Hermann Otto Solms] für Vereinfachungen im Steuerrecht. Seit sie in der Regierung ist, hört man zu diesem Thema von den (ehemals) Liberalen nicht mehr viel. Jetzt spricht ausgerechnet der SPD-Finanzminister in Rheinland-Pfalz Klartext:

Es ist doch bemerkenswert, dass die amerikanische Bundessteuerverwaltung mit etwa 90 Millionen Einkommensteuerpflichtigen mit weniger Personal auskommt als Deutschland mit zirka 30 Millionen Steuerpflichtigen.

Nun müsste man sicher tiefergehend untersuchen, wie viel Personal die Kommunen und die Bundesstaaten der USA wirklich zum Eintreiben der Steuern einsetzen. Aber die Frage ist berechtigt: Ist die Steuerverwaltung hierzulande nicht mit viel zu viel Aufwand verbunden?

In dem F.A.Z.-Artikel geht es um das Prinzip der Selbstveranlagung der Bürger. Das entspricht etwa der Arbeit, die ein Steuerberatungsbüro heute erledigt.

Natürlich müssten dafür Voraussetzungen geschaffen werden: Etwa der Abbau von Sonderregelungen und Ausnahmetatbeständen – kurz: eine Vereinfachung der Steuergesetzgebung. Aber ein weiterer Aufbau von Bürokratie scheint mir viel größere Nachteile zu haben.

Wenn sich diese Linie durchsetzt, wird die FDP ein weiteres Thema verlieren. Angesichts ihrer weitgehenden Tatenlosigkeit auf dem Gebiet des Steuerrechts in fast vier Jahren Regierungsverantwortung kann ich das nicht einmal bedauern. Was jetzt vorgeschlagen wird, könnte seit knapp vier Jahren in Arbeit sein, wenn man den Sachverstand der FDP-Steuerexperten in die Regierung eingebracht hätte …



In Wahrheit bin ich Öko

10. März 2013

In einer Glosse der heutigen F.A.S wird über einen unglaublichen Erfolg feministischer Aktivist_Innen berichtet: Sie haben es offenbar geschafft, ein T-Shirt mit der Aufschrift »In Mathe bin ich Deko« vom grausamen und menschenverachtenden Markt zu verbannen. Das ist nämlich, Sie ahnen es:

ein klassisches Beispiel für Diskriminierung und Alltagssexismus


Zu einem richtigen Shit-Storm ist es wohl gar nicht mehr gekommen. Es scheint eher ein lauwarmer Shit-Wind gewesen zu sein – vulgo: Es war ein Furz im Netz. Aber das reichte: Der Anbieter knickte ein und bietet das T-Shirt nicht mehr an.

Nun könnte man einen Augenblick darüber nachdenken, ob jemals eine junge Frau dazu gezwungen wurde, das T-Shirt zu kaufen und zu tragen.

Man könnte darauf hinweisen, dass die Aufschrift eine gehörige Portion Selbst-Ironie enthält – darin ist es den vielen Hacker-T-Shirts auf einschlägigen Konferenzen nicht unähnlich.

Man könnte sich allerdings auch die Frage stellen: Was um alles in der Welt geht es irgendwelche Gender_Innen, Pirat_Innen und sonstige verbohrte Aktivist_Innen an, welche Aufschrift und welche Ich-Botschaft junge Frauen auf dem eigenen T-Shirt tragen?

Man fragt sich unwillkürlich: Steht Selbstironie unter dem Erlaubnisvorbehalt der Gutmeinenden?

Wann kommen die ersten Öko-Aktivisten angelaufen, um zu verhindern, dass ein Porsche-Fahrer mit dem T-Shirt »In Wahrheit bin ich Öko!« in sein Fahrzeug steigt?


Beide T-Shirts haben in Sachen Selbstironie einen tieferen Sinn. Das T-Shirt des Porsche-Fahrers könnte auf die allgegenwärtige Öko-Heuchelei und das Greenwashing hinweisen. Das T-Shirt einer hübschen Schülerin könnte der deutliche Hinweis für den Mathelehrer sein: Guck nicht bloß! Bring mir etwas bei!


Die Autorin der Glosse in der F.A.S. heißt Bettina Weiguny. Ich lese ihre Artikel gern. Sie ist als Journalistin, Ehefrau und Mutter ziemlich fit in Wirtschaft und Psychologie. Sie findet den Spruch offensichtlich nicht verachtenswert.

Sie gibt uns am Ende ihrer Glosse ein didaktisch wertvolles Rätsel auf. Leider werden sich damit gerade diejenigen nicht befassen, die es am Nötigsten hätten: Die humorlosen Krawall_Aktivist_Innen suchen vermutlich lieber nach dem nächsten Aufreger, statt sich mit Zahlen, Daten und Fakten zu befassen.

Die Aufgabe stammt aus einem Mathebuch der 8. Klasse. Sie ist für Schülerinnen und Schüler gleichermaßen gedacht. Hier ist sie in meinen Worten:

Eine gleichmäßig langsam fahrende Autokolonne wird von einem Flugzeug überflogen. In Fahrtrichtung der Autokolonne braucht das Flugzeug dafür drei Minuten, entgegen der Fahrtrichtung braucht es nur zwei Minuten. Das Flugzeug fliegt gleichmäßig mit 200 km/h. Wie lang ist die Autokolonne? Wie schnell fährt sie?

Lösungsvorschläge bitte per E-Mail an stefanolix (at) gmx (dot) net – in den Kommentaren hinterlassen ;-)

Eine Auflösung mit ausführlichem Lösungsweg gibt es morgen heute Abend. Die noch nicht freigeschalteten Kommentare werden dann natürlich freigeschaltet.


Links zum Thema:
Blog von Bettina Weiguny
Ein Artikel in der TP (Heise)
Ein Artikel in der taz
Ein Artikel in einem Blog der Süddeutschen Zeitung


Ich habe schon die ausführliche Beschreibung der Lösung vorbereitet. Bitte wirklich nur klicken, wenn Sie sich den Spaß am Knobeln nicht verderben wollen: Die Lösung.



DNN: Meister der Statistik

6. März 2013

Die DNN gibt heute als ostdeutsche Regionalzeitung eine Meldung wieder, bei der sich mein Haar schon sträubt, bevor ich mit dem Lesen fertig bin.

Es geht um die Anzahl der Frauen (und Männer), die bezogen auf 10.000 Einwohnerinnen (Einwohner) den Führerschein machen. Die DNN schreibt über eine Studie des ACE:

Die geringste Bereitschaft zur Teilnahme am motorisierten Individualverkehr ist in den östlichen Bundesländern zu verspüren. In Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern machten demnach im Jahr 2011 nur 59 von 10000 Einwohnerinnen ihren Pkw-Führerschein. Knapp davor liegt Sachsen-Anhalt (60). Die geringste Quote weist Sachsen (57) auf. Allerdings landen auch bei den Männern die aus dem Freistaat auf dem letzten Platz.

Und natürlich muss die Ursache dafür in den wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen liegen. »Wer sich noch kein Auto leisten kann, der zögert auch beim Erwerb einer Fahrerlaubnis.« meint ein Experte des ACE.

Das ist offenbar nicht zu Ende gedacht.


Warum legen zur Zeit weniger Ostdeutsche ihre Führerscheinprüfung ab? Weil es einfach weniger junge Erwachsene in dem Alter gibt, in dem man normalerweise den Führerschein erwirbt. Und warum gibt es in ganz Ostdeutschland weniger junge Erwachsene?

In den Jahren 1991 bis 1995 brach die Geburtenrate um bis zu 40 Prozent ein. Folglich kommen jetzt sehr geburtenschwache Jahrgänge in das Erwachsenenalter. Und genau deshalb melden sich (bezogen auf 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner) weniger junge Frauen und Männer zur Prüfung an.

Ein Auto-Experte muss das nicht unbedingt wissen. Aber eine ostdeutsche Regionalzeitung darf diese Ursache nicht unter den Tisch fallen lassen.


Link: Studie des ACE



Ein klares Wort zum Leistungsschutzrecht

4. März 2013

Der Heise-Verlag hat dankenswerterweise eindeutig klargestellt:

Daher legen wir Wert darauf, unseren Nutzern noch einmal klar öffentlich zu erklären, dass Links auf und kurze Textausschnitte/Snippets aus unseren Publikationen weiter höchst willkommen sind und dass dies weiterhin keiner Erlaubnis des Verlages bedarf oder gar Geld kostet.

Selbstverständlich werden wir auch niemanden deswegen abmahnen oder auf eine andere Weise dagegen juristisch vorgehen. Als Richtlinie hier gilt: Erlaubt ist zum Beispiel die Übernahme der Artikelüberschrift nebst Anrisstext oder eine vergleichbare Textlänge.

Sympathisch. Praktisch. Gut so.

Als Dresdner Blogger wünsche ich mir, dass sich die Dresdner Zeitungsredaktionen an diesem Verlag ein Beispiel nehmen und mit ebenso klaren Worten zeigen: Eine öffentliche Diskussion über (und mit) Medien soll nicht an einem handwerklich schlecht gemachten Gesetz scheitern.

Wir werden als Blogger mehr oder weniger mit dem #LSR zurechtkommen müssen. Ich schlage deshalb vor, dass wir uns als Dresdner Blogger an die vier Dresdner Redaktionen wenden und eine klare, zitierfähige, juristisch wasserdichte Stellungnahme erbitten.



Zettels Vermächtnis: Es soll weitergehen

4. März 2013

Vor einer Woche erreichte uns die Nachricht von Zettels Tod. Viele Kommentatoren haben sich in Zettels Forum in ein virtuelles Kondolenzbuch eingetragen. Einige haben Geld für eine Traueranzeige gesammelt und gemeinsam am Text gearbeitet.

Ich verbinde mehrere Erinnerungen mit Zettel: Erstens die herzliche Begrüßung jedes Kommentators im Kleinen Zimmer. Zweitens die gerechte und konsequente Diskussionsführung: Moderation und Gesprächsführung im besten Sinne. Drittens die vielen Artikel aus neuen Perspektiven: Aufklärung und Anregung zum Selbstdenken. Viertens die Kontakte im Zusammenhang mit meinen drei Gastbeiträgen in Zettels Raum.

Auf diese Weise kann man den Verlust eines Menschen verarbeiten: Man tauscht sich aus, man denkt über den Toten nach, man sucht nach einem Vermächtnis. Zettels persönliches Vermächtnis fand sich in einer Diskussion im Forum. In einer Schwächephase schrieb er vor zwei Jahren:

(…) es gibt so viele tolle Menschen, die das weiterführen können, was ich angefangen habe. ZR und das Kleine Zimmer hängen ja nicht daran, wie lange das Herz eines Menschen noch pumpt. Ihr sollt das gefälligst weiterführen. Meines Erachtens ist das Kleine Zimmer einmalig im deutschen Netz. Da müßt Ihr alle euch halt a bisserl engagieren.

Jetzt haben einige Autoren und Vertraute Zettels beschlossen, dass Zettels Raum weitergeführt werden soll. Wie aus ihrem Kreis zu vernehmen ist, wird innerhalb der nächsten 14 Tage noch am Konzept gearbeitet und am 18. März sollen die ersten Artikel erscheinen.

Ich freue mich, dass im Kleinen Zimmer weiter diskutiert werden wird und dass in Zettels Raum neue Artikel erscheinen werden. Wenn man die vielen Beiträge in den Diskussionssträngen nach Zettels Tod liest, wird klar: Allen Beteiligten ist bewusst, dass man eine Persönlichkeit wie Zettel nicht ersetzen kann.

Aber auf der anderen Seite ist auch klar: Seine regelmäßigen Leser, Gäste und Co-Autoren haben viel von ihm gelernt und einige wollen in seinem Sinne weitermachen. Was könnte man über einen ehemaligen Professor und Publizisten noch Besseres sagen?


#LSR-konforme Suchmaschine

3. März 2013

Spaßvögel haben eine Suchseite programmiert, die mit dem neuen Leistungsschutzrecht der Presseverlagslobby konform ist. Ein Beispiel für die Anwendung: Die Suche nach Peer Steinbrück.

Schön, wenn man es mit Humor sehen kann. Testen Sie es selbst ;-)

In Irland versuchen derweil die Verlage schon, für Hyperlinks zu kassieren. Das droht bei uns auch – wenn der Hyperlink etwa aus einer längeren Überschrift gebildet wurde.

Was ich noch mehr fürchte: Dass damit unliebsame Kritiker mundtot gemacht werden sollen. Denn bei kritiklosen Lobhudlern wird sicher keine Zeitung kassieren.