Regulierung der Straßenmusik in Dresden

30. Mai 2013

Zu den Plänen der Stadtverwaltung zur Regulierung der Straßenkunst haben Frank und der Kollege vom Dresdner Rand schon einiges geschrieben.

Aus der künstlerisch wertvollen Pressemitteilung der Stadtverwaltung war unter anderem zu erfahren:

Das neue Verfahren ist eine sinnvolle, alle Interessen berücksichtigende Lösung, die den Verwaltungsaufwand in Grenzen hält und die Straßenmusiker/Straßenkünstler nicht unangemessen belastet. Dabei wird um Verständnis gebeten, dass nicht allen Interessen Einzelner entsprochen werden kann, da so eine allgemein verträgliche Lösung immer auch die Akzeptanz der Interessen des Anderen erfordert.

Diese neue Regelung muss wohl zum Konzept der sympathischen Bürokratie gehören, das sich die Stadt ins Leitbild geschrieben hat:

Dresden ist 2025 eine Stadt mit sympathischer Bürokratie, in der die Verwaltung nicht herrschen, sondern dienen will.

Die Verwaltung muss den Bürgern und Unternehmen dienen und aus deren Sicht mitdenken können. Sie muss zügig für sie arbeiten und ihnen ohne obrigkeitliche Attitüde auf Augenhöhe freundlich entgegenkommen.

Sie erinnern sich nicht? Bitte hier entlang ;-)


Künstler und Kulturschaffende weisen darauf hin, dass es auch bisher schon Regeln für Straßenkunst gegeben hat und dass keine Verschärfung notwendig ist.

Die letzten Dresdner Liberalen vertrauen auf Eigenverantwortung und einige Grundregeln in Form von Leitplanken.

Die radikalen Linken fordern eine neue Steuer für Besserverdienende. Mit den Einnahmen soll den Künstlern ein Mindestlohn von zehn Euro gezahlt werden.

Die Grünen fordern eine CO2-Abgabe auf alle Blasmusik-Instrumente und einen besseren Schutz der Hufeisennase.


Die Diskussion im Stadtrat ist noch nicht beendet. Doch schon geht das Gerücht um, dass die Stadtverwaltung Dresden ab 01.01.2014 die Stelle eines Geigerzählers ausschreibt …


Advertisements

Grüner Mai

23. Mai 2013

Auch wenn das Wetter in diesen Tagen etwas durchwachsen ist: In und um Dresden gibt es eine gute Mischung aus Sonne und Regen. Die folgenden Bilder sind gestern und heute in und um Bad Schandau entstanden …

Mai 2013

Mai 2013

Mai 2013

Mai 2013

Mai 2013

Mai 2013

Mai 2013

Mai 2013

Mai 2013

Mai 2013

Mai 2013

Mai 2013


Bargeld lacht …

22. Mai 2013

sagte man früher. Gegenwärtig scheint es allerdings (fast schon) eine Kampagne gegen das Bargeld zu geben. In den Zeitungen werden die Kosten für die Versorgung mit Bargeld aufgerechnet. Ein SPON-Kolumnist will das Bargeld abschaffen. Die Finanzminister sind aus nachvollziehbaren Gründen dagegen.

Man sollte nicht vergessen: Bargeld ist ein Stück Freiheit.

Jede Kartenzahlung hinterlässt eine Datenspur. Kartenzahlungen können mit Kassenzetteln verknüpft werden. Kassenzettel können mit Ihrer Person verknüpft werden.

Niemand kann den Missbrauch dieser Daten verhindern, wenn sie erst einmal erfasst wurden.

An dem Tag, an dem das Bankgeheimnis in Europa zu Grabe getragen wird, sollten wir uns einer Sache bewusst sein: Ohne Bargeld stehen wir nackt vor allen, die Zugriff auf unsere Zahlungsdaten haben.



Sinistres am Freitag

17. Mai 2013

Der Ad-Sinistram-Autor Roberto De Lapuente behandelt heute in einem Artikel die »Unmöglichkeit reinen Lebens« und postuliert: »Wer atmen will, macht sich schuldig«. In seinem Artikel habe ich einen Absatz gefunden, der gleich drei Irrtümer enthält:

Für die politische Linke ist die ungleiche Bezahlung (normalerweise) zweier Arbeiter unerträglich – für die politische Rechte und die Mitte, die irgendwo rechts steht, ist das kein gescheiterter Versuch arbeitsteiliger Organisation, sondern Ausdruck von Individualität und irgendwo auch gerechtfertigt, weil Ungleichheit etwas sei, was entweder Gott oder aber die Natur gegeben habe.

Ich melde hier dreifachen Widerspruch an.


Unterschiedliche Leistungen sind nicht von Gott oder der Natur gegeben

Vermutlich würde mich der Ad-Sinistram-Autor aus der Linksaußen-Position in seinem festgefügten Links-Rechts-Schema als »irgendwo mitte-rechts« einordnen. Ich kenne aber hier überhaupt niemanden, der behauptet, eine ungleiche Bezahlung sei »von Gott oder der Natur gegeben«.

Eine ungleiche Bezahlung bei gleicher Tätigkeit resultiert im Normalfall aus ungleicher Leistung und ungleicher Qualifikation von Menschen. Für ihre Leistung und Qualifikation sind diese Menschen weitgehend selbst verantwortlich – und kein höheres Wesen.

Wenn ihr Verdienst zum Leben nicht reicht oder wenn sie gar nicht arbeiten können, dann müssen sie natürlich unterstützt werden. Aber wenn hundert Menschen in einem Unternehmen arbeiten und unterschiedlich hohe Leistungen bringen, dann sollen diese Leistungen auch unterschiedlich bezahlt werden. Es gibt schließlich nicht nur eine Verteilungsgerechtigkeit, sondern auch eine Leistungsgerechtigkeit.


Arbeitsteilige Organisation ist nicht unbedingt mit gleicher Bezahlung verbunden

Eine ungleiche Bezahlung hat auch überhaupt nichts mit einem »gescheiterten Versuch arbeitsteiliger Organisation« zu tun. In einer arbeitsteiligen Organisation werden in der Regel eben nicht alle Menschen gleich bezahlt. Manche Arbeit wird stärker nachgefragt und folglich höher bewertet.

Die Erfahrungen aus Sozialismus, Maoismus, Stalinismus und ähnlich gelagerten linken Gesellschaftsmodellen zeigen: Gleichmacherei galt allenfalls für die arbeitsteilig arbeitenden Massen. Die Funktionärskaste war »gleicher« (vgl. George Orwells »Farm der Tiere«) und hat sich von der Arbeit schön weit entfernt gehalten.


Die Linke spricht nicht für die Arbeiter, wenn sie eine leistungsgerechte Entlohnung ablehnt

Es liegt ja bekanntlich im Selbstverständnis der Linken, dass sie die Interessen der Arbeiter und Angestellten vertritt. Die Mehrheit der Arbeiter und Angestellten in der Wirtschaft legt aber sehr viel Wert auf eine Bezahlung nach Leistung und Qualifikation. Eine Gleichmacherei beim Lohn widerspricht folglich ihren Interessen.

Auch die meisten Gewerkschafter und die SPD sind prinzipiell für Aufstieg durch Qualifikation und für leistungsgerechte Entlohnung.

Allenfalls die Vertreter einer ganz radikalen Linken sind auf totale Gleichheit fixiert. Das sind dann allerdings mehrheitlich keine Arbeiter und Angestellten, sondern man kann sie eher als Salon-Linke bezeichnen. Dort stehen dann wohl Bücher wie »Auf die faule Haut« von Roberto De Lapuente im Regal – das für kapitalistisches Geld verkauft und über Amazon vertrieben wird ;-)

Bekommen eigentlich »auf der faulen Haut« auch alle den gleichen Lohn?



Negative Stimmen bei der Bundestagswahl?

17. Mai 2013

Unter dem Titel »Parteienpolitikverdrossenheit. I dislike.« plädiert Antje Schrupp für ein Wahlsystem mit negativen Stimmen:

Ich wäre also durchaus bereit, meinen politischen Willen in Form einer „Minusstimme“ auszudrücken. Also zu sagen: Von den vorhandenen Parteien will ich von der Partei X am allerwenigsten vertreten werden. Ich könnte mir denken, dass es anderen auch so geht, und ich würde wetten, dass die Möglichkeit, eine Minusstimme zu vergeben, mehr Menschen an die Wahlurnen brächte.


Ich gebe diesem Vorschlag eine Minusstimme ;-)

Angesichts der jetzt schon zu beobachtenden Negativ-Kampagnen in der Politik halte ich das Verfahren für sehr anfällig und in der Praxis für nicht anwendbar.

Ich fürchte folgendes: Populisten und Demagogen würden in einem solchen Wahlsystem die Unzufriedenheit der Menschen ausnutzen und sie zur Abgabe negativer Stimmen aufrufen. Wer also mit dem System ohnehin nicht zufrieden ist, würde dann rein destruktiv wählen. Dabei würden die Stimmen vieler konstruktiver Wähler eliminiert.

Es ist schon nicht einfach, eine populistische und demagogische Partei zu bekämpfen. Aber einem Aufruf zur Abgabe negativer Stimmen kann man argumentativ kaum begegnen.

Demokratische Wahlen können nur mit positiven Stimmen funktionieren. Das Bundesverfassungsgericht hat sich schon einmal zu einem negativen Stimmgewicht geäußert, das eher als Nebeneffekt unseres Wahlrechts aufgetreten ist. Eine Regelung nach dem Vorschlag von Antje Schrupp hätte in Karlsruhe (hoffentlich!) keine Chance.



Nachruf auf Don Vito vom »Schandmännchen«

16. Mai 2013

Michael Müller, Autor und Gründer der Satireseite Schandmännchen, ist tot. Unter dem Pseudonym Don Vito Mascarpone hat er über viele Jahre Kochrezepte in Geschichten verpackt und damit viele Menschen inspiriert. Das älteste (hier) erhaltene Rezept ist aus dem Jahr 2000.

Es geht ja die Sage, dass Don Vito Mascarpone aus einer alten Mafia-Familie stammt und dass er für seine Bosse oft unter ungewöhnlichen Bedingungen kochen musste. Natürlich war er dem Gesetz des Schweigens verpflichtet. Manchmal machte er Andeutungen über seine Arbeit für gewisse Familien und manchmal seufzte er:

Nein, wahre Größe zeigt sich im Verzicht. Wenn die Petersilie verhagelt und die Milch sauer ist, wenn die Soße nicht binden will und der Wein zu warm ist, wenn das Weib mit dem Liliputaner aus dem Wanderzirkus durchgebrannt ist und einem der Gesang im Halse stecken bleibt – wenn man dann noch eine vorzeigbare Mahlzeit zuwege bringt: Dann ist das echte Größe.

Viele Rezepte waren kurz und bündig gehalten. Andere beschäftigen den Hobbykoch deutlich länger als eine Stunde. Im Grunde hat Don Vito ein Kochblog geführt, bevor der Begriff Kochblog überhaupt erfunden wurde.

Man spürte als Hobbykoch in jedem Rezept, dass es gründlich durchdacht war und dass Don Vito Wert auf einwandfreie Zutaten legte. Er hatte in seinem Leben einfach zu viele Skandale kommen und gehen sehen. Schon im Jahr 2002 schrieb er in einer Kolumne:

Wenn man so alt wird wie ich, erscheint einem das Leben mitunter wie eine kaum noch überschaubare Reihe von unterschiedlichen Lebensmittel-Skandalen. Vor BSE und Schweinpest gab es hormonverseuchtes Kalbfleisch, nikotinbehandeltes Geflügel, wurmbefallene Fische und glykolgesüßten Wein. Und ganz früher gab es den Frischei- Skandal der deutschen Nudelindustrie.

Die Reihe dieser Skandale ist in den folgenden Jahren nie zu Ende gegangen. Don Vito war sich der Probleme bewusst, aber ihm lag wenig am Diskutieren. Im Jahr 2001 schrieb er:

Vielleicht sehen Sie ja jetzt auch ein, dass das alles nicht so einfach ist, dass es um langwierige und ermüdende Diskussionen geht. Und dabei hab ich noch gar nicht mit der Diskussion der Konsequenzen begonnen. Das würde auch ausufern.

Don Vito agitierte und diskutierte nicht. Er veröffentlichte einfach Rezepte und wir konnten etwas daraus machen. Jedes seiner Rezepte war ein Grund mehr, verantwortungsbewusst einzukaufen und zu kochen. Das bedeutet ja nicht, dass man teuer einkaufen muss. Selbst und bewusst zu kochen ist aber immer mit Arbeit verbunden, man muss sich Zeit dafür nehmen.

Die Rezepte des Don Vito Mascarpone haben bei uns oft zum Familienfrieden beigetragen, denn wenn ein gut gelaunter Familienvater mit einem guten Rezept am Herd steht, ist der Sonntag auf jeden Fall gerettet ;-)

Am Sonntag wird es bei uns die Venezianische Ente geben. Ich werde mir am Herd eine Träne verdrücken.



In sechs Schritten zur Premiumwerbung

15. Mai 2013

1. In den gedruckten Zeitungen war und ist die Werbung eine Geldquelle: Auf begrenzter Fläche können nur wenige Anzeigen geschaltet werden. Damit sind bei stabiler Wirtschaftslage planbare Einnahmen zu erzielen. Die Devise lautet: Weniger ist mehr. Werbung stört nicht beim Lesen.

2. In den digitalen Ausgaben der Zeitungen ist Werbung für die Verlage keine Geldquelle: Die Preise für die aufdringliche und ungeliebte Digital-Werbung sind in den Keller gesunken. Die Devise lautet: Mehr ist weniger. Werbung stört die Nutzer erheblich beim Lesen.

3. Warum stört Werbung im Printprodukt nicht beim Lesen? Die Verlage fügen die Werbung im Print selbst in das Layout der Zeitung ein. Sie folgen dabei ihren eigenen Interessen und Qualitätsansprüchen. Gestaltung und Vermarktung sind getrennt.

4. Warum stört Werbung im Digitalprodukt erheblich beim Lesen? Im Web beziehen sie ihre Werbung von den Betreibern der Ad-Server. Diese folgen völlig anderen Interessen und Gesichtspunkten als die Verlage. Gestaltung und Vermarktung sind nicht getrennt, das Layout der digitalen Zeitung wird regelrecht zerstört.

5. Die Lösung ist: digitale Premiumwerbung. Sie wird von den Verlagen selbst verantwortet. Sie wird gestalterisch ins Layout eingepasst und sauber vom redaktionellen Teil abgegrenzt. Sie kommt ohne Animation, Audio, Scripte und Tracking. Sie lenkt nicht vom Lesen ab. Und das Beste: Man muss sie mit Ad-Blockern nicht herausfiltern. Weil sie die Nutzer nicht stört, nicht gefährdet und nicht ausspioniert.

6. Premiumwerbung kann und darf den Werbetreibenden niemals billig verkauft werden. Aber sie wird von den Leserinnen und Lesern eines hochwertigen Mediums auch nicht abgeblockt, sondern als notwendiger Bestandteil wahrgenommen. Damit entsteht ein Gewinn für alle Seiten: Der Verlag verkauft Anzeigen. Der Leser erhält ein ordentliches Produkt. Der Werbetreibende (und nur er!) kennt die Anzahl der abgerufenen Werbebotschaften.