Die NichtDenkSeiten

Eine Leseempfehlung: Auf deliberation daily ist zu lesen, auf welche Weise die »Nachdenkseiten« den Meinungspluralismus denunzieren.

Im Rahmen unserer Meinungsfreiheit muss es auch solche Angebote wie die »NachDenkSeiten« geben. Mich stören diese linksradikalen Verlautbarungen nicht. Gelegentlich reibe ich mich daran.

Ich bezweifle allerdings, dass die »NachDenkSeiten« ihre Leser jemals zum Nachdenken anregen wollten. In meinen Augen sind es jedenfalls schon lange die »NichtDenkSeiten«. Sie können andere Medien gar nicht ohne den allgegenwärtigen »Manipulationsverdacht« betrachten. Beispiel:

Der Manipulationsapparat gegen Steuererhöhungen läuft mal wieder auf Hochtouren

Und das schreiben sie, während ihr eigenes Lager auf allen Kanälen massiv für Steuer- und Abgabenerhöhungen trommelt und deren Auswirkungen verharmlost.

In einem demokratischen Wettbewerb um Lösungen ist es aber schon das erste Foulspiel, wenn man seinem Gegner nur für das Vortragen von Argumenten bereits Manipulation unterstellt.


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10 Responses to Die NichtDenkSeiten

  1. Frank sagt:

    Kann es sein, dass Du Dich zur Zeit in etwas hinein steigerst, was die Nachdenkseiten betrifft? Jens Bergers oder Wolfgang Liebs Texte als „linksradikale Verlautbarungen“ einzustufen … na, ich weiß ja nicht. Ein paar Leute veröffentlichen auf den NDS ihre Meinung. Das ist häufig interessant, aber manchmal kommt dabei natürlich aber auch etwas heraus, womit die Autoren etwas übers Ziel hinaus schießen. Oder worüber man zumindest geteilter Meinung sein kann. Das passiert uns anderen Bloggern auch gelegentlich, das ist bei persönlichen Meinungen nun einmal so. Das von Dir verlinkte Beispiel mit der kostenlosen BILD-Ausgabe könnte man darunter verbuchen, allerdings ist das durchaus eine sehr diskussionswürdige Angelegenheit.

    Zum konkret erwähnten Thema: Die GRÜNEN haben laut über Steuererhöhungen nachgedacht. Nicht dass ich für Steuererhöhungen bin – aber es ist völlig okay, wenn Politiker auch unpopuläre Ideen aussprechen (aber das wäre ein Thema für sich). W. Lieb hat Presseartikel zusammengetragen (eine übliche Arbeit der NDS), die Kritik an solchen Steuererhöhungsplänen äußern. Lieb betrachtet das als „Manipulationsapparat“ – okay, kann man als übertrieben einstufen. Aber es geht insgesamt um Vor- und Nachteile von Steuererhöhungen (bzw. auch -senkungen). Und innerhalb dieser Gesamtdiskussion leisten die NDS durchaus ihren Beitrag zum Nachdenken.

    • stefanolix sagt:

      Ich korrigiere mich in einer Sache und formuliere es jetzt so:

      Mich stören auch die linksradikalen Verlautbarungen nicht, die manchmal auf den NachDenkSeiten zu lesen sind.

      Ich denke, so ist es differenzierter. In der Tat ist nicht jeder Artikel radikal links, auch wenn ich die NachDenkSeiten politisch bei der Linkspartei einordne.


      In einem Punkt korrigiere ich mich aber nicht: Ich sehe es als Aufforderung zum Nichtdenken, die Argumentation der politischen Kontrahenten von vornherein als Manipulation zu bezeichnen. Denn wer liest schon Manipulation?

      • Frank sagt:

        Die als Manipulation eingestuften Artikel wurden alle verlinkt. Insofern ist es nicht ausgeschlossen, dass sie gelesen werden.

      • stefanolix sagt:

        Punkt für Dich.

        Wenn ich aus irgendwelchen Gründen auf die NachDenkSeiten komme, denke ich trotzdem unwillkürlich (a) an den festen Klassenstandpunkt der Partei der Arbeiterklasse und (b) an den »Schwarzen Kanal« (letzteres gerade bei der angeblichen Manipulation).

    • Rayson sagt:

      Nach jüngeren Umfragen sind Steuererhöhungen alles andere als unpopulär. Trifft ja nur die Anderen, die Reichen.

      • stefanolix sagt:

        Ja, weil die Befragten keinen Gesamtüberblick über die geplanten Belastungen bekommen.

        Könnten sie sich vor der Stimmabgabe ein halbes DIN-A4-Blatt mit sachlichen Informationen zu den tatsächlichen Mehrbelastungen durchlesen, würde das Ergebnis ganz anders aussehen.

        Ich würde diese Information sogar kostenlos bereitstellen. Ist aber vermutlich nicht gewollt ;-)

  2. Wenn du die ‚Nachdenkseiten‘ als „linksradikal“ bezeichnest, dann würde mich mal interessieren, was du früher zu wahrhaft radikalen Postillen wie den ‚Marxistischen Blättern‘, der ‚UZ‘ oder dem ‚Arbeiterkampf‘ gesagt hättest. Da hättest du deinen Wortschatz, der dir zur Beschreibung zu Verfügung stünde, schlicht am ungeeigneten Objekt schon erschöpft.

    Anders ausgedrückt: Wenn diese ‚Nachdenkseiten‘ linksradikal sein sollten, dann ist der Linksradikalismus ziemlich auf den Hund gekommen. Die Nachdenkseiten heute sind bloß ein unzeitgemäß keynesianisch orientiertes Medium, dessen Positionen mitten im SPD-Konsens zu verorten sind, also eher auf der rechten Seite eines potentiell linken Spektrums, das weithin brach liegt und nicht mehr beackert wird. Die NDS sind nicht mehr als ein kleiner Kieselstein im rauschenden medialen Mainstream …

    • stefanolix sagt:

      Diese radikalen Postillen kenne ich leider nicht. Links neben der Position »linksradikal« gibt es aber immer noch die Position »linksextrem«. Mir ist natürlich bewusst, dass all diese Einstufungen nicht objektiv sind.

      Vielleicht kann man Publikationen und Organisationen am besten daran unterscheiden, welche Lösungen sie anbieten und was sie zur Durchsetzung der Lösungen tun wollen.

      Wollen sie eine radikale Umverteilung? Wollen sie die Abschaffung des Privateigentums? Bleiben sie auf dem Boden der Demokratie? Befürworten sie gewaltfreie oder gewalttätige Aktionen?


      Ich habe den bewussten Satz im Artikel unglücklich formuliert und ich hatte mich oben in einem Kommentar schon korrigiert:

      Mich stören auch die linksradikalen Verlautbarungen nicht, die manchmal auf den NachDenkSeiten zu lesen sind.


  3. Gäbe es in deinen Augen überhaupt eine ’nichtradikale Umverteilung‘?

    • stefanolix sagt:

      Natürlich. Es gibt eine angemessene Umverteilung.


      Die Anhänger einer radikalen Umverteilung negieren weitgehend die Eigenverantwortung und die Pflichten der Nehmenden.

      Die Gegner jeder Umverteilung negieren dagegen die Pflichten der Gebenden und deren Verantwortung für die Gesellschaft.

      Zwischen beiden Positionen liegt die angemessene Mitte. Die angemessene Umverteilung berücksichtigt gleichzeitig die Eigenverantwortung der Nehmenden und die Leistungsfähigkeit der Gebenden. Beide Seiten haben Rechte und Pflichten.

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