Bargeld lacht …

sagte man früher. Gegenwärtig scheint es allerdings (fast schon) eine Kampagne gegen das Bargeld zu geben. In den Zeitungen werden die Kosten für die Versorgung mit Bargeld aufgerechnet. Ein SPON-Kolumnist will das Bargeld abschaffen. Die Finanzminister sind aus nachvollziehbaren Gründen dagegen.

Man sollte nicht vergessen: Bargeld ist ein Stück Freiheit.

Jede Kartenzahlung hinterlässt eine Datenspur. Kartenzahlungen können mit Kassenzetteln verknüpft werden. Kassenzettel können mit Ihrer Person verknüpft werden.

Niemand kann den Missbrauch dieser Daten verhindern, wenn sie erst einmal erfasst wurden.

An dem Tag, an dem das Bankgeheimnis in Europa zu Grabe getragen wird, sollten wir uns einer Sache bewusst sein: Ohne Bargeld stehen wir nackt vor allen, die Zugriff auf unsere Zahlungsdaten haben.


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49 Responses to Bargeld lacht …

  1. Muriel sagt:

    Ich bin ja tendenziell für Nacktheit, und gegen Bargeld, auch wenn das von mir aus natürlich jeder handhaben darf, wie er mag.

    • stefanolix sagt:

      Nacktheit in der Sauna oder an manchen Stränden ist für mich völlig in Ordnung. Aber Nacktheit in der Datengesellschaft (vor dem Staat, vor Privaten, vor Unternehmen) sehe ich sehr kritisch.

      • Muriel sagt:

        Da stehen sich unsere Einschätzungen dann ja wirklich diametral gegenüber, wie man so sagt, wenn man ein bisschen hochklassig klingen will.

      • stefanolix sagt:

        Wenn ich so direkt fragen darf: Wo beginnt denn für Dich im Datenschutz der schützenswerte Bereich?

      • Muriel sagt:

        Kurze Antwort: Gar nicht.
        Etwas ausführlicher: Wir leben natürlich in einer Gesellschaft, in der es für Menschen nicht nur vorteilhaft, sondern sogar notwendig sein kann, bestimmte Dinge zu verheimlichen, aber das bedaure ich, und ich glaube, dass wir enorm viel gewönnen, wenn wir uns die Geheimnistuerei abgewöhnten, natürlich wissend, dass das so bald nicht klappen wird.
        Im Hinblick auf den Staat halte ich es für den wesentlich wichtigeren und letztlich einzig entscheidenden Aspekt, seine Eingriffsmöglichkeiten so gering wie möglich zu halten, dann spielt es auch keine Rolle, welche Daten er hat.
        Das ist natürlich immer noch eine Kurzfassung.
        Welche Risiken sind denn aus deiner Sicht hier die ausschlaggebenden für deine Position?

      • stefanolix sagt:

        Wir haben aber momentan einen Staat mit sehr umfangreichen Eingriffsmöglichkeiten. Dazu kommen Missbrauchsmöglichkeiten von privater Seite.

        In einer Welt mit einem sehr zurückhaltenden Staat und ohne das Risiko eines Datenmissbrauchs würde ich sofort für die Abschaffung des Bargelds plädieren.

      • Muriel sagt:

        Welche Missbrauchsmöglichkeiten für Privatrechtssubjekte schweben dir denn vor?

      • stefanolix sagt:

        Alice will sich privat krankenversichern. Die Versicherung kann vorher ihre gesamte Einkaufshistorie der letzten 5 Jahre auswerten.

        Fred lebt in einer Kleinstadt und kauft manchmal Dinge, die in seinem Umfeld wirklich nicht bekannt werden sollten. Der Sohn des Nachbarn hackt Freds Kreditkartenabrechnungen und erpresst ihn.

        Eine Auskunftei könnte es sich zum Geschäftsmodell machen, die Abrechnungen aller großen Handelsunternehmen zu importieren und zusammenzuführen. Damit bekäme jeder Mensch ein Öko-Scoring. Wer ein schlechtes Öko-Scoring hat …

      • Muriel sagt:

        Inwiefern wären denn deine Beispiele 1 und 3 ein Missbrauch?

      • stefanolix sagt:

        Weil die Kreditkartenfirma und die Umweltpolizei damit (zwangsweise: es gibt ja kein Bargeld mehr) Informationen in der Hand hätten, die sie anderweitig nie bekämen. Damit wären gegenüber dem einzelnen Verbraucher in einer viel stärkeren Machtposition als heute.

      • Muriel sagt:

        Aber wo ist der Missbrauch?
        Würde der nicht implizieren, dass man mit den Daten irgendwas Falsches macht?

      • stefanolix sagt:

        Nachtrag: Ich glaube mich zu erinnern, dass es in einzelnen Ländern der schon EU Bestrebungen gibt, den Einsatz von Bargeld für Waren und Dienstleistungen ab einer bestimmten Grenze zu verbieten.

  2. Fonzo sagt:

    SPON: „Und vor allem leisten diese hohen Scheine Vorschub für alle möglichen Verbrechen und der damit einhergehenden Geldwäsche.“

    Ein Argument, das ja z.Zt. ernsthaft diskutiert wird. Man koennte eigentlich nur noch lachen, wenn man nicht die Gewissheit im Hinterkopf haette, von Idioten regiert zu werden.

    Diese Argumentation zeigt recht deutlich, dass viele Menschen sich ueberhaupt nicht vorstellen koennen, dass es ausser der staatseigenen Waehrung noch andere geben koennte.

    Drogengeschaefte kann man auch cash in US-Dollar, Schweizer Franken oder meinetwegen dem Moldawischen Leu abwickeln; evtl. auch in Form von Gold oder Diamanten. Es muss nur eine Waehrung sein, fuer die irgendjemand auf diesem Planeten bereit ist, andere Waehrungen einzutauschen; die Moeglichkeiten hier sind fast unbegrenzt.

    Dafuer erwaehnt niemand die Nachteile: In Thailand bspw. hat der groesste Geldschein (THB 1000) einen Wert von ungefaehr 25 Euro; das Preisniveau ist in vielen Bereichen aber fast das selbe wie in Deutschland. Versuchen Sie mal, mit diesen Scheinen eine Anzahlung auf ein 50,000 Euro Auto zu leisten… Der Anblick in den Bankfilialen erinnert ein wenig an die Great Depression, als Leute ihre Gledscheine in Koerben zum Haendler getragen haben um einen viertel Laib Brot zu bekommen ;)

    • stefanolix sagt:

      Ja, ich glaube auch, dass die Bekämpfung der Drogenkriminalität unglaublich erfolgreich wäre, wenn es keine großen Scheine gäbe. Die Anzahl der Dinge, die schon gegen Drogen eingetauscht wurden, dürfte Legion sein. Drogen werden immer ihren Weg finden, ob es nun Geldscheine gibt oder nicht.


      Ein Auto kann man problemlos ohne Bargeld zahlen. Das ruft kein Datenschutzproblemproblem hervor: Das Auto mit mir am Steuer kann sowieso jeder sehen. Außerdem muss man ein Auto anmelden und Steuern dafür zahlen.

      • Fonzo sagt:

        „Ein Auto kann man problemlos ohne Bargeld zahlen.“

        Haben Sie mal einen Gebrauchtwagen gekauft? Unmoeglich ohne Cash.

      • stefanolix sagt:

        Nein, wirklich noch nicht. Aber das würde ja meine These von der Bedeutung des Bargelds eher untermauern.

        Nachbemerkung: »problemlos« bezog sich auf Datenschutz, da dem Staat das Auto ja nach der Anmeldung ohnehin bekannt ist. Allerdings: Bei zwangsweiser Kartenzahlung eben auch der Preis.

      • Frank sagt:

        Haben Sie mal einen Gebrauchtwagen gekauft? Unmoeglich ohne Cash.

        Kein akzeptables Argument: Gebrauchtwagenhändler wollen ihre Waren ja auch los werden, also würden sie sich auf bargeldlose Zahlungen zwangsläufig irgendwie einstellen müssen.

      • Paul sagt:

        „Nein, wirklich noch nicht. Aber das würde ja meine These von der Bedeutung des Bargelds eher untermauern.“

        Nein, lieber Stefanolix, die Gebrauchtwagenhändler wollen nur die Unsicherheit der bargeldlosen Zahlung vermeiden.

        Deine Einwendungen gegen die Abschaffung des Bargeldes erinnern mich sehr an andere Phobien der Deutschen. Tut mir leid, aber das ist mir jetzt so durch den „Kopf geschossen“.

        Wenn ich mich richtig erinnere hatten die Menschen ähnliche Bedenken bei der Einführung des Papiergeldes. Die Inflation hat ihnen recht gegeben. Trotzdem wird das Papiergeld nicht abgeschafft.

        Es ist so sicher, wie das Amen in der Kirche, dass das Papiergeld durch das elektronische Geld abgeschafft wird. Nur werden wir das nicht erleben. Aber unsere Urenkel schon.
        Sicherlich werden die Sicherheitsbedingungen bis dahin auch verbessert sein und eine Anonymisierung ermöglichen.

  3. Fonzo sagt:

    Off-topic Exkurs, aber interessant: Die Geschichte der Waehrung in Kamboscha:

    Es gibt in Kambodscha eine Waehrung names Riel, aber bezahlt wird in Riel und Dollar.

    Die Regierung damals (ich schaetze direkt nach dem Pol Pot Gesocks) galt als unzuverlaessig, ergo auch deren Waehrung… also haben die Leute neben der eigenen Staatswaehrung auch US-Dollar akzeptiert…

    Der Witz ist jetzt: Es gab irgendwann mal so ein Wechselkursgleichgewicht, zu dem $1 genau 4000 Riel wert war… das laesst sich leicht umrechnen, und deshalb wurde dieser Wechselkurs innerhalb der Bevoelkerung bis heute beibehalten.

    Resultat: Die einheimische Waehrung wird heute als Ersatz fuer US-Cents verwendet, zu einem festen Kurs von 1/4000; die Regierung kann machen was sie will, Geld drucken oder vernichten, es hat keinen Einfluss auf den Wechselkurs zum US Dollar (eine extreme Gelddruck- oder Vernichtungsaktion hat dann zur Folge, dass sich das Preisniveau so stark aendert, dass die Regierung zurueckrudern muss um nicht geteert und gefedert zu werden:-).

    Ich find das cool, aber gleichzeitig traurig, dass so eine Art von Staatsgeldverweigerung nur in Schwellen- oder 3. Welt Laendern moeglich ist…

    • Fonzo sagt:

      Ich lach mich kaputt, Nachtrag aus Wikipedia, zum Kambodschanischen Riel:

      „…Seit 2007 gibt es von Seiten der Sam-Rainsy-Partei und der Politikerin Tioulong Saumura verstärkte Bestrebungen, die Verwendung des US-Dollars als Zahlungsmittel in Kambodscha einzudämmen und den Riel zu forcieren.

      Hauptargument der Befürworter der „Entdollarisierung“ ist die Tatsache, dass der US-Dollar die gängige Währung im internationaler Drogen- und Waffenhandel, bei Geldwäsche und Terrorismus sei.“

      Tja…

    • stefanolix sagt:

      [Nachbemerkung: Der zweite Kommentar über Kambodscha hing im Filter und ist später freigeschaltet worden. Die folgenden Zeilen beziehen sich auf die etablierte Parallelwährung & deren Kurs.]

      Wenn es in der DDR noch etwas weiter gelaufen wäre, hätten wir das dort auch beobachten können. Ende der 1980er gab es zwar noch die DDR-Mark, aber die DM hatte sich quasi inoffiziell als zweite Währung etabliert. Wobei man sagen muss, dass es zusätzlich eine Tauschwirtschaft gab, in der Geld allenfalls noch ein Umrechnungsfaktor war.

      Anmerkung: Ich war 1989 22 Jahre, daher kenne ich aus eigener Erfahrung nur die Zeit ab Mitte der 1980er Jahre, als die DDR-Regierung solche Entwicklungen (wohl im Zustand einer gewissen Resignation) toleriert hat.

      • Fonzo sagt:

        haha, d.h. Sie kennen nur den Untergang des Sozialismus, aber nicht dessen Aufstieg….

      • stefanolix sagt:

        Welchen Aufstieg? ;-)

      • Fonzo sagt:

        …war doch schon in der Nationalhymne: Auferstanden aus Ruinen…. ;)

      • Paul sagt:

        „haha, d.h. Sie kennen nur den Untergang des Sozialismus, aber nicht dessen Aufstieg….“

        Danke liebe(r) Fonzo. DER ist gut. Musste schallend lachen.

        Der „Aufstieg des Sozialismus“. Wirklich köstlich.

        Dazu fällt mir ein: „Überholen ohne einzuholen“. So wollten wir die Bundesrepublik wirtschaftlich „besiegen“.

  4. Antifa sagt:

    Das Problem gibt es auch nicht erst seit heute, in den Dresdner Mensen ist das Essen beispielsweise schon seit geraumer Zeit fünf Prozent teurer, wenn man mit Bargeld bezahlen möchte. Begründet wird das mit dem höheren Verwaltungsaufwand.

    • stefanolix sagt:

      In einer Mensa (mit Vorausbezahlsystem) lässt sich der Datenschutz meiner Meinung nach aber recht gut gewährleisten. Zum Abbuchen des Essenspreises muss die konkrete Zusammensetzung des Essens nicht gespeichert werden. Sind die Karten (Keys) überhaupt personalisiert?

      • Antifa sagt:

        Keine Ahnung, man bekommt die Karten jedenfalls nur unter Vorlage eines entsprechenden Papierbelegs vom Immatrikulationsbogen. Gespeichert wird mit Sicherheit die Aufladung und am Ende auch was wo wann gegessen wurde, das war zumindest mir immer zu viel.

  5. Michael sagt:

    Antifa schrieb : … Gespeichert wird mit Sicherheit die Aufladung und am Ende auch was wo wann gegessen wurde, das war zumindest mir immer zu viel.

    Haben Sie damit eine Last?
    Sie glauben doch nicht im Ernst, daß der Mensabetreiber am Monatsende nachprüft, was der/die Antifa wann + wo verdrückt hat.
    Das Ganze hat was mit Marktforschung zu tun.

    • stefanolix sagt:

      Nur prophylaktisch: Bitte recht freundlich (diskutieren)! ;-)

      Es wäre mit einer Datenschutz-Anfrage ganz einfach herauszufinden. Ich glaube nicht, dass auf diese Idee in Dresden noch niemand gekommen ist, immerhin haben wir eine aktive CCC-Gruppe und ein Symposium »Datenspuren«.

      Bevor ich nichts Genaues weiß, möchte ich aber nicht spekulieren.

    • Antifa sagt:

      Es ist mir total egal was sie mit den Daten machen, aber ich möchte nicht dafür bestraft werden, wenn ich keine Lust darauf habe und insofern habe ich damit „eine Last“.

  6. Frank sagt:

    (Ich habe die bisherigen Kommentare zu dem Artikel nicht gelesen – nur für den Fall, dass das Argument schon kam)
    Zum Thema

    Bargeld ist ein Stück Freiheit

    werfe mal das absolute Spießer-Argument in die Runde: „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten“. Ja, Kartenzahlungen hinterlassen Datenspuren. Na und? Was habe ich in den letzten 23 Jahren bezahlt, wo ich jemals die Datenspuren hätte befürchten müssen? Mir fällt nichts ein. Von mir aus hätten sämtliche Behörden alle meine Zahlungen aus dieser Zeit gern sonstwofür auswerten können. Als Gegenleistung hätte mir das Finanzamt diese nervigen Steuererklärungen abnehmen können. Solche Befürchtungen vor Datenspuren müsste nur jemand haben, der auch etwas zu befürchten hat.
    Bargeld ist aus rein pragmatischen, ökonomischen* und technischen Gründen antiquiert. Ich fände eine Abschaffung konsequent.
    (* Münzherstellung, Sicherheitsprobleme bei Geldscheinherstellung)

    • stefanolix sagt:

      Es gibt aber nicht nur Menschen in Großstädten. Es gibt auch Menschen in Kleinstädten und Dörfern, wo man mit bestimmten Eigenschaften [Details möchte ich hier nicht ausbreiten] zu einem Ausgestoßenen werden kann.

      Mal ganz abgesehen davon, dass es auch Menschen aus anderen Kulturkreisen gibt, bei denen Handlungen, die für uns selbstverständlich sind, zu einem schweren Problem werden können.

      Insofern geht es mir auch nicht ausschließlich um die Gefahr der staatlichen Überwachung, sondern mindestens genauso sehr um die Gefahr der sozialen Ausgrenzung bzw. des Machtmissbrauchs von Organisationen.

      • Frank sagt:

        Okay, dann nehmen wir einen solchen konkreten Fall an: Herr X wohnt auf dem Dorf und hat eine abweichende Eigenschaft – vielleicht etwas sexuelles (daran wird man sicher zuerst denken). Und er hat irgendetwas bezahlt, was darauf schließen lassen könnte. Aus irgendeinem Grund ermittelt die Polizei oder das Finanzamt seine Finanzflüsse und entdeckt das – ja und? Deshalb erfahren seine Nachbarn doch noch lange nichts davon! Auch (und gerade) Behörden haben sich an bestimmte Spielregeln zu halten, was Datenschutz betrifft.

        Die Wahrscheinlichkeit, dass die Nachbarn durch ganz andere dumme Zufälle von Herrn X Neigung erfahren, dürfte wesentlich höher sein.

      • stefanolix sagt:

        Du siehst hier zuerst die Behörden als Zugreifende auf die Daten. Nein, ich unterstelle auch nicht, dass der Finanzbeamte jemanden über die sexuelle Orientierung des Dorf-Pfarrers informiert.

        Ich sehe aber ganz andere Lücken. Die erste Lücke besteht doch schon bei den Unternehmen, die die Zahlungen abwickeln und die mit der Vermarktung der Zahlungsdaten Geld verdienen wollen.

      • Frank sagt:

        Unternehmen, die die Zahlungen abwickeln und die mit der Vermarktung der Zahlungsdaten Geld verdienen wollen

        Diese Möglichkeit ist doch aber heute bereits existent. Wenn der erste derartige Fall bekannt würde, wäre der betreffende Händler sofort weg vom Fenster. Und der Konkurrenz wäre es eine Warnung.

  7. Ole sagt:

    Neben den datenschutztechnischen Aspekten darf man auch nicht vergessen, wie schnell ein Konto gesperrt oder eingefroren werden kann, sowohl auf individueller als auch auf gesamt-nationaler Ebene. Man denke nur an die jüngsten Vorkommnisse auf Zypern, von denen ich mir mittlerweile durchaus vorstellen kann, dass wir sie früher oder später auch hierzulande erleben werden.

    Wer Bargeld besitzt, hat demnach auch eine deutlich stärkere Verfügungsgewalt über sein Vermögen und ist weniger vom Goodwill anderer abhängig – oder, vielleicht etwas weniger dramatisch, vom Funktionieren eines Kartenlesegeräts an der Supermarktkasse…

    @stefanolix: Vielen Dank übrigens für Ihren schönen Blog (und auch Ihre Beiträge in Zettels Raum)! :-)

    • stefanolix sagt:

      Bitte! Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit und etwas mehr Ruhe dafür.

      Vom Missbrauch haben wir ja in dieser Diskussion bisher kaum gesprochen. Ich habe mich neulich mit einem Meister unterhalten, der ein Team führt, das Geldautomaten wartet. Er hat (ohne auf konkrete Fälle einzugehen) erzählt, wie weit das Skimming technische inzwischen schon ist. Die Angreifer machen Gebrauch von miniaturisierten Geräten, die man mit bloßem Auge kaum noch erkennen kann.

      Wenn man mal von einer Sperrung der eigenen Karte aus Sicherheitsgründen betroffen war, weiß man Bargeld zu schätzen!

  8. Krischan sagt:

    Kleine Anmerkung: Die Kosten für Bargeldbearbeitung auf allen Stufen (Handel, Banken, Wertdienstleister, Cash Center, Bundesbank) sind nicht zu unterschätzen – jeder, der am Ende des Tages Schichteinnahmen zählen muss und dann zur Bank bringt, weiss, wovon er redet. Das sind Personalkosten (Vier-Augen-Prinzip, Revisionssicherheit, Differenzhandling – die Inventurdifferenzen bei Bargeld sind rund 0,4% vom Umsatz!) sowie Versorgungs- und Entsorgungskosten (die Wertdienstleister wollen auch bezahlt werden, ebenso Banken).
    Trotzdem hat Bargeld eben den Vorteil der Anonymität, den hat so absolut eben kein elektronisches Zahlungsmittel, und die Verfügbarkeit. Hat sich ja auch tausende von Jahren bewährt.

    • stefanolix sagt:

      Natürlich sind mir die Kosten bekannt. Aber es gibt bestimmte Preise, die man eben zahlen muss. Es sollte doch niemand glauben, dass es besser wird, wenn alle zwangsweise mit Karten umgehen müssen. Dann sind die Kontoführungsgebühren mit Sicherheit nicht kleiner als heute.

      Wie sehr unsere Landsleute das Bargeld zu schätzen wissen, zeigen doch auch die geringen Erfolgsquoten der Geldkarte (wird nur sehr selten verwendet) und der unterschiedlichen Arten des kontaktlosen Bezahlens.

      • Antifa sagt:

        Wie sehr unsere Landsleute das Bargeld zu schätzen wissen, zeigen doch auch die geringen Erfolgsquoten der Geldkarte (wird nur sehr selten verwendet) und der unterschiedlichen Arten des kontaktlosen Bezahlens.

        Wie meinen?

      • stefanolix sagt:

        Geldkarte = Guthaben auf dem Chip der EC-Karte zur Zahlung von Kleinbeträgen. Die Anwendung ist weit hinter den Hoffnungen des Bankgewerbes zurückgeblieben, die Akzeptanz ist niedrig und der Umsatz pro Kopf m. W. vernachlässigenswert gering.

    • E-Haller sagt:

      Aber auch eine EC-Zahlung verursacht Kosten, die in etwa in der selben Größenordnung liegen. Deshalb werden größere Beträge – z.B. beim Autokauf – auch lieber bar genommen…

    • Paul sagt:

      „…doch auch die geringen Erfolgsquoten der Geldkarte“

      „Geldkarte“ ist doch schon wieder eine andere Spielwiese. Die Geldkarte halte ich für eine Fehlentwicklung, die sich nicht durchsetzen wird.
      Die Zukunft liegt bei der EC-Karte oder der Kreditkarte.
      Etwa 90% (bezogen auf die Zahlungsereignisse) meines „Bargeldzahlungsverkehrs“ wickele ich heute schon mit der EC-Karte ab. Nicht nur an der Tankstelle und im Supermarkt bezahle ich mit Karte. Gut, im Blumenladen „lacht noch das Bargeld“.

  9. E-Haller sagt:

    Neben dem Datenschutzaspekt sehe ich auch noch den Zuverllässigkeits- und Zeitfaktor. Wenn man sieht, wieviel inzwischen per EC bezahlt wird – und wie lange manchmal die Rückmeldung vom System dauert: auch das summiert sich in Zeit. Gerade zu Haupteinkaufszeiten sind die Server scheinbar überlastet. Mal angenommen, da hackt sich jemand ein und blockiert das System: was dann?

    Ich für meinen Teil habe Bargeld aber auch aus einem anderen Grund lieber: die Ausgabe wird dadurch „real“. Sprich: ich merke, dass mein Einkauf Geld kostet, am sich leerenden Portemonaie sehr direkt Und dies hilft doch eher haushalten, als wenn man aller x-Tage schockiert auf sein Konto schaut, was sich da schon wieder zusammengekleckert hat.

    • Paul sagt:

      Das ist ein starkes Argument.
      Aber auch dafür wird es in der Zukunft eine Antwort geben.
      Warum soll ich über Handy erfahren können, wann der nächste Bus kommt und wieviel Verspätung er hat und nicht den täglichen Kontostand?

  10. Michael sagt:

    E-Haller schrieb : Neben dem Datenschutzaspekt sehe ich auch noch den Zuverllässigkeits- und Zeitfaktor. Wenn man sieht, wieviel inzwischen per EC bezahlt wird – und wie lange manchmal die Rückmeldung vom System dauert: auch das summiert sich in Zeit. Gerade zu Haupteinkaufszeiten sind die Server scheinbar überlastet. Mal angenommen, da hackt sich jemand ein und blockiert das System: was dann?

    Zum Datenschutz möchte ich anmerken :
    Das Ausspähen von Kartendaten am Bankomat wurde hinreichend in der Presse erörtert. Der andere Weg, Spionage-Hardware in die Lesegeräte (z.B. Bezahlung Skipass in der Schweiz an der Seilbahn) einzubauen, läßt sich mit Plomben am Gerät in Grenzen halten. Der große Rest ist IT-Sache, da muß der Kunde vertrauen, wenn er es nutzt.
    Der Zeitfaktor spielt auch eine Rolle. EC-Karten-Abbuchungen dauern bevor sie auf dem Konto erscheinen. Im Konsum bezahle ich mit VISA und wenn ich zu Hause bin, ist der Kontoticker im eMail-Eingang.
    Beträge unter 10Euro zahle ich bar, im Restaurant mit Karte, das Trinkgeld auch bar.
    Das kommt gut an beim Personal.
    Zeitfaktor : So muß ich nur 1x pro Monat zum Bankomat.
    Bezahlen mit Karte ist einfach + gängig, sicher nutzen es mehr als 90%.
    Möchte daran erinnern, daß es politische Bemühungen gibt, jedem Volljährigen in D ein Girokonto + Karte zu garantieren.
    Ich kenne aber auch ein paar Käuze, die haben die zugesandte EC-Karte beim Sparkassendirektor gegen Quittung zurückgegeben.

  11. Michael sagt:

    1x reicht . sorry
    M.

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