Endlich: Gendergerechte Sprache in Country-Songs

19. Juni 2013

Wie SPON heute berichtet, hat sich eine Gender-Aktivistin in den USA endlich einer wirklich dringenden politischen Aufgabe gewidmet: Die Country-Songs der jungen Sängerin Taylor Swift werden via Twitter in eine gendergerechte Sprache übersetzt. Das klingt dann so:

She wears high heels
I wear sneakers
We’re each expressing our gender identities
in ways that make us feel comfortable

Diese Kuriosität musste ich noch kurz in »Zettels Raum« kommentieren.



Aus dem Gleichgewicht

18. Juni 2013

Ich habe mich nicht nur in meinem eigenen Blog, sondern auch bei der Bloggerin Antje Schrupp an der Diskussion über #waagnis beteiligt. Ich sehe das Wegwerfen der Waagen als nutzlosen symbolischen Akt an und vertrete die Meinung, dass

  • wir uns in unserem reichen Land auf Gesundheit, Maßhalten und das körperliche Gleichgewicht besinnen sollten 
  • man mit geringem finanziellen Aufwand Maß halten und genießen kann, wenn man bereit ist, etwas Zeit und Überlegung in die Ernährung zu investieren
  • es angesichts des Hungers auf dieser Welt völlig absurd ist, in Deutschland über mehr »fat acceptance« zu diskutieren …

Ich greife jetzt eine Argumentation auf, die mich in dieser Diskussion am meisten befremdet. Es wird uns ein fester marxistischer Klassenstandpunkt auf den Teller gepackt und das geht so:

  1. Die Arbeiter und Angestellten seien ein Opfer der Lebensmittelindustrie und der kapitalistischen Verhältnisse.
  2. Ihnen würden die industriell hergestellten Lebensmittel geradezu aufgezwungen.
  3. Sie könnten auch aus Zeitmangel unmöglich selbst kochen.
  4. In früheren Jahrzehnten (1950er oder 1960er Jahre) sei das noch nicht so schlimm gewesen.

Früher war ja fast alles schwerer. Es war viel schwerer, sein tägliches Brot zu verdienen. Es war auch viel schwerer, den Haushalt zu bewältigen. Aber die Menschen waren im Durchschnitt noch nicht so schwer wie heute.


Was spricht zuerst gegen die These von der unterdrückten Klasse, die vor lauter Unterdrückung nicht kochen kann? Dass die durchschnittliche Arbeitszeit seit den 1960er Jahren gesunken ist.

Gegen diese These spricht auch, dass es noch nie so viele Geräte gab, die uns das Leben im Haushalt leichter machen. Eine Grundausstattung mit solchen Geräten ist für alle Arbeiter und Angestellten verfügbar. Wer sich noch an das Leben in der DDR erinnert, kann die Verbesserungen besonders gut nachvollziehen.

Aber vor allem spricht gegen diese These, dass Lebensmittel (auch frische Lebensmittel) seither im Verhältnis immer günstiger geworden sind. Es gibt Statistiken, in denen man nachlesen kann, wie lange ein durchschnittlicher Beschäftigter in den 1950er und 1960er Jahren für die notwendigen Grundnahrungsmittel arbeiten musste und wie lange er heute dafür arbeitet.


Halten wir fest: Die Arbeiterklasse wird nicht durch die bösen Kapitalisten am Kochen gehindert. Es liegt nicht an der »Klassenzugehörigkeit«. Entscheidend sind Motivation und Information. Information gibt es genug: Man findet im Netz kostenlos abertausende Rezepte, die man für wenig Geld, mit ganz einfacher Ausrüstung und mit relativ wenig Zeitaufwand nachkochen kann.

Nur am Rande: Viele faszinierend einfache und leckere Rezepte stammen traditionell aus den »Klassen« der Arbeiter und Bauern. Man findet so viele gute Rezepte, dass ein Leben nicht reicht, um sie alle nachzukochen. Man muss einfach nur ein wenig Motivation aufbringen und damit anfangen.


Nun ging ich einen Schritt weiter als die versammelten Elitefeministinnen und argumentierte: Unsere Lebensmittelversorgung geht zum Teil zu Lasten der Menschen in den armen Ländern und zum Teil auch zu Lasten der Umwelt. Die Ressourcen sind nicht fair verteilt. Neben diesem Problem werden die Befindlichkeiten und #waagnisse ganz unbedeutend.

Wenn wir vernünftiger mit Essen umgehen würden [und wenn wir nicht für das Greenwashing Biomasse einsetzen würden], blieben mehr Ressourcen für Menschen in den Hungergebieten übrig. Ich habe heute Nacht in der Diskussion bei Antje Schrupp sinngemäß geschrieben:

Die Hinweise auf die sozialen Aspekte und auf den Umweltaspekt des Übergewichts sollten zeigen, dass es einfach wichtigere Dinge auf dieser Welt gibt als die Frage, ob sich ein gesunder Mensch etwas zu dick oder etwas zu dünn fühlt. Und wenn man diese wichtigeren Dinge verstanden hat, kommt man zwangsläufig zum Maßhalten.

Ist diese unfaire Verteilung der Ressourcen kein Grund, die unendlich hoch abgehobene Diskussion über Befindlichkeiten wie »fat acceptance« zu unterbrechen? – Um vielleicht darüber nachzudenken, was die Überernährung der Menschen in reichen Ländern mit der Unterernährung der Menschen in armen Ländern zu tun hat? Da kommt nur betretenes Schweigen. Sie verstehen es nicht oder sie wollen es nicht verstehen. Sie setzen lieber öffentlichkeitswirksam ihre Waagen aus.


Die Bandbreite der Antworten in Antje Schrupps Blog reichte von »faschistoid« über »menschenfeindlich« bis zu der rätselhaften Sentenz:

… damit irgendwelche missionarischen Grün-Wähler durch die Bekehrung anderer ihr Vielflieger-Gewissen sanieren können.

Ich lasse mir ja viele harte Worte an den Kopf werfen, aber »Grünen-Wähler« geht definitiv zu weit. Geflogen bin ich zum letzten Mal vor 15 Jahren und ich habe immer noch kein Auto. Meine »Luxusreisen« sind lange ICE-Fahrten in interessante Gegenden und eine teure ÖPNV-Jahreskarte für eine der schönsten Städte Deutschlands.

Es ist aber interessant, dass diese Leute lieber die Argumente ihrer Kontrahenten verzerren und Kommentatoren in Schubladen einordnen, als sich mit Argumenten auseinanderzusetzen. Fehlt eigentlich nur der Kampfbegriff »neoliberal« (der muss noch kommen, wenn jemand nachrechnet und Fakten gegen den linken Klassenstandpunkt auf den Tisch legt).


Inzwischen wird die Entwicklung dieser Diskussion als »fat shaming« bezeichnet und man setzt sogar Trigger-Warnungen in die Welt. Zur Erklärung: Eine Trigger-Warnung wird normalerweise ausgesprochen, wenn von sexuellem Missbrauch und Gewalt die Rede ist. Das ist klar: Betroffene sollen vor Texten gewarnt werden, die sie an das erlittene Leid erinnern.

Inzwischen gibt es aber eine Trigger-Warnung, weil jemand zum Maßhalten aufruft. Verkehrte Welt. Wäre es nicht angeraten, einfach mal etwas mehr Bewegung ins Leben und mehr Vernunft in die Ernährung zu bringen, statt »fat acceptance« einzufordern und schon vor der Erwähnung des Maßhaltens zu warnen?



Grüne Politik nach Gutsherrenart

17. Juni 2013

In früherer Zeit hat auf vielen Dörfern der Gutsherr bestimmt, was die Bauern und das Gesinde zu essen bekamen. War er gut gelaunt oder von Natur aus Philanthrop, gab es etwas Leckeres. War er schlecht gelaunt oder von Natur aus Misanthrop, dann gab es eine dünne Suppe oder einen faden Brei.


Der Abgeordnete Frank Schäffler berichtet über eine Umfrage der Albert-Schweitzer-Stiftung unter Bundestagsabgeordneten. Die Stiftung fragte die Abgeordneten, ob sie einen verbindlichen (zwangsweise eingeführten) vegetarischen Tag in der Bundestagskantine befürworten. Schäffler schreibt dazu:

Kein Scherz: Die Bundestagsabgeordneten sollen darüber entscheiden, ob ihre Mitarbeiter zum Kantinenpreis Fleisch essen dürfen. Für uns Abgeordnete bleibt ja stets der teurere Ausweg in ein Restaurant.

Es ging also nicht etwa darum, ob die Bundestagsabgeordneten selbst vegetarisch essen würden. Sie sind materiell und organisatorisch unabhängig von der Bundestagskantine. Es ging um die Verpflegung der Angestellten.


Ich kenne die Preise und die Leistungen der Kantine des Bundesrechnungshofs in Bonn. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist für die Angestellten ein Traum – und es gibt übrigens jeden Tag die Möglichkeit, freiwillig lecker vegetarisch zu essen. Die Kantine im Bundestag dürfte noch etwas besser sein.

Nun raten Sie, welche Fraktion zu hundert Prozent dafür war, anderen Menschen einmal in der Woche die Ernährungsweise aufzuzwingen? Richtig: Die Grünen. Die Partei der Unfreiheit. Raten Sie auch, welche beiden Fraktionen zu über achtzig Prozent dafür waren? Die SPD und die Linkspartei.


Eigentlich dachte ich, dass wir die Zeiten hinter uns gelassen haben, in denen der Herr über den Speiseplan des Gesindes bestimmt hat. Dass ausgerechnet die Abgeordneten der Linken und Grünen diese Zeiten langsam wieder aufleben lassen, wundert mich allerdings. Nicht.

Denn die Damen und Herren Abgeordneten, die für den zwangsweisen vegetarischen Tag stimmten, zeigen sich ja genauso paternalistisch, wie es in früheren Zeiten die Gutsherren waren.


Disclaimer: Ich esse an fünf bis sechs Tagen pro Woche vegetarisch. Ich würde aber niemals jemandem, der von mir abhängig ist, auch nur einen vegetarischen Tag aufzwingen.


Links:

Frank Schäffler: Eintopf fürs Volk

Website der Albert-Schweitzer-Stiftung



Werft Eure Waagen nicht weg

15. Juni 2013

Die Waage symbolisiert seit Jahrtausenden ein Gleichgewicht: Man kann auf beiden Seiten etwas hinzufügen. Man kann auf beiden Seiten etwas wegnehmen. Aber man darf nicht einseitig hinzufügen oder einseitig wegnehmen.

Jetzt werfen offenbar hunderte Frauen ihre Waagen auf den Müll und twittern darüber unter dem Hashtag #waagnis. Ich finde das einfach nur völlig absurd. Sie diskutieren als Vertreterinnen einer privilegierten Schicht über ein Problem, das durch privilegiertes Leben entsteht.

Wenn ich diese elitefeministische Diskussion sehe, frage ich mich: Wie hoch sind die Autorinnen in ihrem Helikopter eigentlich schon von der Realität abgehoben?


Ich finde es falsch, die Waage wegzuwerfen. Das ursprüngliche Gleichgewichtsprinzip der Waage gibt eine wichtige Orientierung – nur kann man es leider auf dem Elektronikschrott nicht erkennen, der heute als Personenwaage für den Haushalt verkauft wird.

Die innere Waage des Menschen sollte das Gleichgewicht zwischen Essen und Bewegung aufzeigen – oder anders ausgedrückt: zwischen Energieaufnahme und Energieabgabe. Wer sich wenig bewegt und wer wenig körperlich arbeitet, der sollte auch weniger essen. Vor allem darf Essen kein Spielzeug, keine Belohnung und keine Bestrafung sein.

Dabei geht es mir überhaupt nicht um das Aussehen. Mir geht es nicht um die kritischen Blicke der Mitmenschen auf das eine oder andere Polster am weiblichen oder männlichen Körper. Oder um übermäßig wichtig genommene Befindlichkeiten.


Es werden in den vielen Diskussionen um »fat acceptance« zum Teil erschreckende Körpergewichte und Kleidungsgrößen genannt. Da geht es nicht mehr um das Aussehen. Da geht es in Wahrheit um die Gesundheit. Ich meine hier nicht die »gefühlte Gesundheit«. Ich meine die von einem Arzt diagnostizierte Gesundheit. Ich meine, um das auch deutlich zu sagen, eine Diagnose, die fachkundig, nach bestem Gewissen und im Interesse des Patienten erfolgt. Nicht im Interesse des Arztes, der Pharma-Industrie oder der Diät-Industrie.

Diese Gesundheit ist jedenfalls wirklich ernsthaft gefährdet, wenn der Körper aus dem Gleichgewicht kommt und unkontrolliert an Gewicht zunimmt. Ich muss die Krankheiten hier nicht alle aufzählen, die durch Übergewicht verursacht werden können. Es sind sehr schwere und sehr teure Krankheiten darunter. Und das Übergewicht kann im Alter sehr belastend werden.


Wen das nicht überzeugt hat: Es gibt noch ein weiteres Argument für die Waagen und für das innere Gleichgewicht. Viele Menschen sorgen sich um die Ressourcen, die durch unseren Lebensmittelverbrauch in Europa verbraucht werden. Um die Folgen der Massentierhaltung. Um die gerechte Verteilung. Den Menschen in armen Ländern fehlen Nahrungsressourcen, weil wir z. B. über tausende Kilometer Futtermittel importieren [oder auch BIO-Energie aus Palmöl gewinnen].

Bei uns in Deutschland geht’s in der völlig realitätsfernen feministischen Diskussion um das Aussehen, um gefühltes Dicksein, um »fat-positive-Diskurse« (was immer das sein mag). In den armen Ländern geht es um das Überleben. Vor dem Hintergrund vieler wirklich ernster Probleme erscheint mir diese Diskussion um #waagnis völlig absurd. Man fragt sich, ob diese Leute die wirklich dringenden Probleme überhaupt an sich heranlassen.


Wer in Maßen isst und dick machende Nahrung vermeidet, tut in jedem Fall etwas Vernünftiges für sich und für das Gleichgewicht auf der Welt. Dann sinkt nämlich die Nachfrage nach Nahrung und es muss für uns in Europa weniger produziert werden. Und ich kann den weltweiten Ressourcenverbrauch ein klein wenig ins Gleichgewicht bringen. Ähnlich wichtig wäre das Nachdenken über BIO-Treibstoff aus Entwicklungsländern.

Wenn sich alle 80 Millionen Menschen in Deutschland vernünftig ernähren würden [und wenn wir kein Palmöl verbrennen würden], könnten wir etliche Ressourcen an andere abgeben. Das ist keine Frage der Optik, sondern eine Frage der Ethik. Wie gesagt: Die Waage weist immer auf ein Gleichgewicht hin. Und wenn das Gleichgewicht gestört ist, sollte man nicht die Waage wegwerfen.



Was den Grünen wirklich wichtig ist

13. Juni 2013

Eines muss man den Grünen ja lassen: Sie legen die Ergebnisse der Mitgliederbeteiligung schonungslos offen. Das erfordert Mut, denn die Zahlen können weder der Parteiführung noch den Wählern gefallen. Nur etwa 16.000 von 61.000 Mitgliedern haben sich an dem Entscheid beteiligt.


Die Parteispitze und die mittlere Führungsebene der Grünen haben sich auf dem letzten Parteitag auf ein Wahlprogramm festgelegt. Sie wollen vor allem Steuern und Abgaben teils drastisch erhöhen. In der Vorlage für den Mitgliederentscheid wurde dieses Vorhaben so beschönigt:

Niedrige Steuern für Geringverdiener und Mittelschicht – gerechte Reform der Einkommenssteuer

Unter den Beteiligten am Mitgliederentscheid erreichte dieses Vorhaben knapp 23 Prozent Zustimmung. Bezogen auf alle Parteimitglieder fand es nur eine Zustimmung von etwa 6 Prozent.


Ähnlich gering war die Zustimmung zu einer Vermögensabgabe. Das Ehegattensplitting wollen gar nur 9 Prozent der Beteiligten (also knapp 2.5 Prozent der Parteimitlieder) möglichst bald abschaffen.

Ganze 19 Prozent der Befragten (5 Prozent aller Parteimitglieder) der Grünen haben die Zeit gefunden, ihr Kreuz für eine verbindliche Frauenquote zu machen. Noch weitaus geringer war die Zustimmung zu solchen Themen wie Datenschutz oder Inklusion.

Das Ergebnis der Mitgliederbefragung zeigt, dass den Beteiligten die eigene Klientel am wichtigsten ist: EEG-Profiteure, BIO-Bauern und die sozialfürsorgliche Branche.


Welches Thema ist den Grünen am wichtigsten? Es ist offenbar der Tagtraum vom Plakat »Die Sonne schickt keine Rechnung«:

»100 % erneuerbare Energiequellen – für eine faire Energiewende in BürgerInnenhand«.

In den nächsten Legislaturperioden ist das Erreichen dieses Ziels schon aus technischen Gründen völlig unmöglich. Die Energiewende ist bisher zutiefst ineffizient und zutiefst unfair. Nur wenige »BürgerInnen« profitieren stark davon – die große Mehrheit zahlt zwangsweise drauf. Ein greifbarer Nutzen ist bisher nicht erkennbar.

Ich kann aus dieser Idee der Grünen nur den Schluss ziehen: In den nächsten Jahren sollte man unbedingt das Geld und die Energie sparen, die bisher für das Greenwashing eingesetzt werden. Das dürfte unsere gefühlte Klimabilanz deutlich verbessern.


Was ist den Grünen fast genauso wichtig? Es soll noch mehr Geld in die Förderung von »Projekten gegen Rechtsextremismus« gesteckt werden (Platz 3 unter den Projekten für eine »moderne Gesellschaft«). Man darf vermuten: Auch das dient der eigenen Klientel. So ist es formuliert:

Rechtsextremismus entschieden entgegentreten – Projekte gegen Rechtsextremismus systematisch fördern.

Eine Erfolgskontrolle dieser Projekte ist offenbar nicht vorgesehen. Entweder hatten sie in den letzten Jahren Erfolg: Dann muss man nicht noch mehr Geld hineinstecken, denn dann wäre der Rechtsextremismus ja bereits deutlich geschwächt. Oder sie hatten eben keinen Erfolg: Dann darf man nicht mehr Geld hineinstecken, sondern man muss bessere Ansätze finden.

Ich finde den Ansatz der Regierungsfraktionen im Sächsischen Landtag überzeugend: Das Geld sollte in die Förderung von Strukturen wie Freiwillige Feuerwehr und THW gesteckt werden. Dort ist erstens ein greifbarer Nutzen zu sehen: Bei Überschwemmungen und anderen Katastrophen sind mehr geschulte Helfer vor Ort. Und zweitens ist ein Mensch, der sich ehrenamtlich in solchen gewachsenen Strukturen engagiert, wohl kaum noch anfällig für den Extremismus von Rechts und Links.

Die Förderung des ehrenamtlichen Engagements in Feuerwehren und ähnlichen regionalen Strukturen wird den rechten und linken Extremismus sicher nicht vollständig beseitigen, aber ihm wird damit ein Teil seiner Grundlagen entzogen.

Gegen die Auswirkungen jeder Art des Extremismus hilft sowieso nur ein starker Rechtsstaat. Die Handlungsfähigkeit des Rechtsstaats sollte folglich Priorität haben. Seine Schwächen (die sich leider auch in Sachsen gezeigt haben) sollten umgehend behoben werden.


Die Grundlage der Zahlen in diesem Artikel ist das offizielle Ergebnis des Mitgliederentscheids.



Tagesschaum (2) ist wie BILD-Blog und taz vor der Kamera

12. Juni 2013

Ich habe mir heute in aller Herrgottsfrühe die zweite Tagesschaum-Folge angeschaut. Sie hat mich sehr an das BILD-Blog erinnert, aber auch an die Beiträge und Interviews von Friedrich Küppersbusch in der taz. Im Grunde würde man viel Zeit sparen, wenn man #tagesschaum einfach lesen könnte ;-)



Der will nicht gewinnen

11. Juni 2013

In der ersten Folge der Satire »Tagesschaum« wird Peer Steinbrück mit folgender Ankündigung zitiert:

Ich bin sehr froh,
dass [ich],
wie intern ich mir das vorgenommen habe,
mit dem heutigen Tag den,
wenn Sie so wollen,
vierten Set und abschließenden Set
für ein Kompetenzteam,
mit dem wir in diesen Bundestagswahlkampf gehen wollen,
Ihnen vorstellen kann.

Schauen Sie sich die ersten Minuten der Sendung an. So wird das nichts mit dem Sieg bei der nächsten Bundestagswahl. Das ist die Bewerbung um einen warmen und trockenen Platz in der nächsten Großen Koalition.



Manche Menschen glauben, dass Barcodes systematisch ihr Leben zerstören …

9. Juni 2013

Im Frühjahr 2013 habe ich zum ersten Mal von einem Phänomen gehört, das so gar nicht in unsere aufgeklärte Zeit passt: Manche Menschen glauben offenbar wirklich daran, dass ein Barcode auf der Produktverpackung

  • negative Energie sammelt,
  • die Produktqualität verschlechtert,
  • eine »energetisch toxische« Wirkung hat und somit
  • dem Menschen geistigen oder körperlichen Schaden zufügt.

Das ist kein Witz, kein Aprilscherz und keine Satire. Dieser Glaube wird so ernst genommen, dass Unternehmen ihre Barcodes inzwischen »entstören«, weil sie offenbar Angst haben, dass ihre Produkte sonst seltener gekauft werden. Auf einer speziellen FAQ-Seite findet man folgende Überzeugung:

So sind z.B. die Lichtzellen von Nahrungsmitteln von den Schwingungen des Codes durchsetzt. Selbst Produkte ohne eigenen Strichcode sind betroffen, wenn sie mit den gängigen Transportmitteln befördert und mit deren Verpackungs-Strichcodes in Kontakt kommen oder unmittelbar benachbart von Codes gelagert werden.


Manche Menschen »entstören« ihre Strichcodes gleich nach dem Kauf. Diese Entstörung soll mit speziellen Stiften möglich sein, die angeblich mit »positiver Energie« aufgeladen sind. Mit einem normalen Stift richtet man vermutlich mehr Schaden als Nutzen an.

Nun mag das eine Angelegenheit etwas seltsamer Kunden sein. Sollen sie doch auf dem Barcode herumkritzeln. Inzwischen ist aber eine Grenze überschritten: Manche Unternehmen aus den Branchen BIO und Esoterik »entstören« die Barcodes mit einer waagerechte Linie.

Man darf vermuten, dass sie dazu energetisch positiv geladene Druckmaschinen verwenden, sonst hätte es ja gar keine Wirkung. Inzwischen kann man Produkte mit solchen entstörten Barcodes wirklich im BIO-Laden finden.


Wenn ich also das Verhalten solcher Kunden und Unternehmen mit dem folgenden Barcode als esoterischen Unsinn bezeichne, kann ich die Barcode-Grafik mit einem Querstrich »entstören« und dann ist alles wieder gut:

barcode_400


Halten wir fest: Manche Kunden der BIO-Märkte glauben offenbar an derart groben Unfug. Sie sind mithin für Wissenschaft und rationales Denken nicht wirklich zugänglich. Man darf vermuten, dass sie auch Vollmondwasser kaufen, dass sie einen Halbedelstein zur Abwehr von »Telefonstrahlung« auf dem Schreibtisch stehen haben oder dass sie ihr Bett nach einer Wasserader ausrichten. In der F.A.Z. wurden im April Vertreter dieses seltsamen Kults zitiert.


Nun ist mir ja bewusst, dass es z. B. eine gewisse Sensibilität für Räume gibt. Bestimmte Räume rufen bei manchen Menschen Unbehagen hervor: Sie möchten nicht in eine Wohnung ziehen, in der jemand umgebracht wurde oder in der sich vor kurzer Zeit erst ein Paar getrennt hat. Das ist bis zu einem gewissen Grad verständlich. Ich spüre auch eine gewisse Beklemmung, wenn ich in alten Burgen eine Folterkammer oder ein Verlies sehe.

Aber ein gedrucktes Strichmuster soll als »Antenne« für »negative Energie« wirken? Eines von so vielen anderen regelmäßigen oder unregelmäßigen Mustern in der Natur und in der Technik? Kann man mit diesem »Bewusstsein« im 21. Jahrhundert überhaupt durchs Leben gehen? Was sagt ein solches »Bewusstsein« über das Verständnis für Politik, Wirtschaft und Technik aus? Ist das nicht zutiefst unaufgeklärt und unmündig?

Ich frage mich wirklich besorgt: Was ist mit den Kindern, deren Mütter so einen Unsinn glauben? Wie sollen sie in der Schule ernsthaft Physik und Biologie lernen, wenn zu Hause solcher Aberglaube herrscht?

Das Frappierende ist doch auch: Obwohl diese Leute vermutlich ähnlich naiv auch an Politik, Wirtschaft und Technik herangehen, dürfen sie im September trotzdem zur Bundestagswahl gehen. Und das macht mir doch ein wenig Angst. Denn eigentlich brauchen sie auf dem Wahlzettel kein Wahlprogramm und keine Namen der Direktkandidaten, sondern nur das Bild einer energetisch positiv geladenen Sonnenblume auf grünem Grund …



Die Zerstörung von Gütern kann kein volkswirtschaftlicher Konjunkturimpuls sein …

4. Juni 2013

Bei SPON darf sich ein ganz großer Spezialexperte für die Zusammenfassungen der Artikel klammheimlich darüber freuen, dass uns in einigen Landesteilen das Wasser in die Häuser läuft, dass die Bauarbeiter nicht arbeiten können, dass die Produktion in vielen Unternehmen stillsteht und dass die Verkehrswege zerstört werden:

Das Hochwasser in Bayern, Thüringen und Sachsen schadet kurzfristig der deutschen Wirtschaft. Doch ist das Wasser erst einmal weg, dürften die notwendigen Reparaturarbeiten als Konjunkturimpuls wirken.

Das steht über einem Artikel, in dem viele schlimme Schäden bilanziert werden.


Diesen Unsinn kann man als solchen entlarven, wenn man die Parabel vom zerbrochenen Fenster verstanden hat. Frédéric Bastiat schrieb schon im Jahr 1855 zusammenfassend:

»Die Gesellschaft verliert den Wert unnütz zerstörter Güter«. (…) »Zerschlagen, zerbrechen und zerstören heißt nicht, die nationale Arbeit fördern“ – oder kürzer: »Zerstörung ist kein Gewinn.«

Frédéric Bastiats »Was man sieht und was man nicht sieht« sollte allen angehenden Journalisten zur Pflichtlektüre gemacht werden! Es steht ja sogar kostenlos zur Verfügung.


Natürlich kann man die Vorbeugung gegen Hochwasserschäden als Konkunkturimpuls betrachten. Solche Bauprogramme laufen einschließlich der Planungen und der Bürgerbeteiligung oft über Jahre. In der Dresdner Innenstadt kann man erste Erfolge sehen.

Aber dadurch entsteht wenigstens ein Nutzen, während durch Zerstörungen immer nur ein volkswirtschaftlicher Schaden entstehen kann – wie Bastiat schon vor mehr als 160 Jahren wusste.

Den Nutzen eines Hochwasserschutzprogramms sieht man. Wir werden dafür auch noch weitere Milliarden ausgeben müssen. Was man nicht auf den ersten Blick sieht: Das Geld für den Hochwasserschutz kann man nicht mehr für andere Dinge ausgeben.

Dieses Geld fehlt dann bedauerlicherweise beim Kauf von Drohnen, beim Ausbau der Gender-»Wissenschaft«, bei der Förderung der Homöopathie und Esoterik, bei der staatlich geförderten Heißluftpropaganda, bei überteuerten staatlichen Prestigebauten – und bei vielen anderen Steuergeldverschwendungen.

Aber es fehlt natürlich auch für wirklich sinnvolle staatliche Investitionen in Bildung, Kultur, Rechtsstaat und Infrastruktur.


Man hört schon die linksgrünen Fraktionen skandieren: »Wir müssen einfach für zehn Jahre die Steuern erhöhen!« – Natürlich könnte man das tun. Aber dieses Geld fehlt den Bürgern, die es nicht mehr selbst ausgeben können. Somit fehlt es an anderen Stellen der Volkswirtschaft.

Es kann also nur eine Lösung geben: Nutzlose Staatsausgaben müssen reduziert werden, damit genügend Spielraum für nutzbringende Investitionen bleibt. Steuersenkungen sind auf mittlere bis lange Sicht nicht möglich. Aber Steuererhöhungen sind auch nicht nötig, wenn man an den richtigen Stellen kürzt.



Geladene Frage

3. Juni 2013

Ich habe nur selten die Zeit und die Möglichkeit, das ARD/ZDF-Morgenmagazin anzuschauen. Vielleicht ist das auch gut so: Heute morgen im Hotel durfte ich mir wieder einmal anschauen, wie parteiliche Berichterstattung funktioniert. Der Reporter fragt den ver.di-Vertreter:

Inwiefern haben Sie den Eindruck, dass Amazon Ihre Forderungen völlig egal sind?

[aus dem Gedächtnis zitiert.]



Spaziergang in Bonn

2. Juni 2013

Auch wenn es in Dresden nicht so ausschaut: Es gibt noch Städte, in denen die Sonne scheint – zum Beispiel Bonn. Der Rhein hat zwar einen beeindruckend hohen Wasserstand, aber es regnet wenigstens nicht. Das zeigen einige Bilder von einem Spaziergang vom Museum Koenig am Rhein entlang bis zum Hofgarten.

Bonn (02.06.2013).

Bonn (02.06.2013).

Bonn (02.06.2013).

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