Grüne Politik nach Gutsherrenart

In früherer Zeit hat auf vielen Dörfern der Gutsherr bestimmt, was die Bauern und das Gesinde zu essen bekamen. War er gut gelaunt oder von Natur aus Philanthrop, gab es etwas Leckeres. War er schlecht gelaunt oder von Natur aus Misanthrop, dann gab es eine dünne Suppe oder einen faden Brei.


Der Abgeordnete Frank Schäffler berichtet über eine Umfrage der Albert-Schweitzer-Stiftung unter Bundestagsabgeordneten. Die Stiftung fragte die Abgeordneten, ob sie einen verbindlichen (zwangsweise eingeführten) vegetarischen Tag in der Bundestagskantine befürworten. Schäffler schreibt dazu:

Kein Scherz: Die Bundestagsabgeordneten sollen darüber entscheiden, ob ihre Mitarbeiter zum Kantinenpreis Fleisch essen dürfen. Für uns Abgeordnete bleibt ja stets der teurere Ausweg in ein Restaurant.

Es ging also nicht etwa darum, ob die Bundestagsabgeordneten selbst vegetarisch essen würden. Sie sind materiell und organisatorisch unabhängig von der Bundestagskantine. Es ging um die Verpflegung der Angestellten.


Ich kenne die Preise und die Leistungen der Kantine des Bundesrechnungshofs in Bonn. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist für die Angestellten ein Traum – und es gibt übrigens jeden Tag die Möglichkeit, freiwillig lecker vegetarisch zu essen. Die Kantine im Bundestag dürfte noch etwas besser sein.

Nun raten Sie, welche Fraktion zu hundert Prozent dafür war, anderen Menschen einmal in der Woche die Ernährungsweise aufzuzwingen? Richtig: Die Grünen. Die Partei der Unfreiheit. Raten Sie auch, welche beiden Fraktionen zu über achtzig Prozent dafür waren? Die SPD und die Linkspartei.


Eigentlich dachte ich, dass wir die Zeiten hinter uns gelassen haben, in denen der Herr über den Speiseplan des Gesindes bestimmt hat. Dass ausgerechnet die Abgeordneten der Linken und Grünen diese Zeiten langsam wieder aufleben lassen, wundert mich allerdings. Nicht.

Denn die Damen und Herren Abgeordneten, die für den zwangsweisen vegetarischen Tag stimmten, zeigen sich ja genauso paternalistisch, wie es in früheren Zeiten die Gutsherren waren.


Disclaimer: Ich esse an fünf bis sechs Tagen pro Woche vegetarisch. Ich würde aber niemals jemandem, der von mir abhängig ist, auch nur einen vegetarischen Tag aufzwingen.


Links:

Frank Schäffler: Eintopf fürs Volk

Website der Albert-Schweitzer-Stiftung


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11 Responses to Grüne Politik nach Gutsherrenart

  1. Muriel sagt:

    Entscheiden denn sonst die Mitarbeiter, was es in der Kantine zu essen gibt?

    • stefanolix sagt:

      Vermutlich ja: Was bei den Gästen nicht gut ankommt, wird vom Speiseplan genommen. Was begehrt ist, wird ins Angebot aufgenommen.

      So gab es früher deutlich weniger vegetarische Angebote. Heute sind vegetarische Gerichte und Fleischgerichte in der besagten Kantine des Bundesrechnungshofs relativ gleichberechtigt. Man darf vermuten, dass es in Berlin auch so ist. Alles andere würde mich sehr wundern.

      • Muriel sagt:

        Sie entscheiden es also eher nicht direkt, sondern es wird nach Einschätzung ihrer Wünsche von dem Caterer, der das ganze organisiert, entschieden?
        Ich frage natürlich, weil ich nicht sicher bin, ob ich dir große Gängelei sehe. Wenn ich irgendwo essen gehe, dann kann ich eben nur das essen, was mir angeboten wird. Das ist immer so. Wenn ich Fleisch will und keins angeboten wird, dann muss ich woanders hingehen, und wenn ich Vanillepudding mit Rosinen will, es aber heute nun mal rote Grütze gibt, dann kann ich das schade finden, aber ist es paternalistisch?
        Disclaimer: Ich esse recht viel Fleisch, obwohl ich es eigentlich nicht besonders mag. Ich hasse einfach nur Tiere.

      • stefanolix sagt:

        Das Catering-Unternehmen dürfte relativ genau erfassen, ob ein bestimmtes Gericht liegenbleibt und ob andere Gerichte besser abgenommen werden. Dran entscheidet sich schließlich, wie viel Gewinn man macht. Außerdem gibt es dort einen Briefkasten für das Feedback der Gäste. Und: Gute Köche haben ein Interesse daran, dass ihre Speisen auch gegessen werden.

        Ich hätte keinerlei Problem damit, wenn die Mehrheit der Gäste an den Ausgabetheken quasi demokratisch entscheiden würde: Wir wollen donnerstags nur vegetarisches Essen haben. Dann würde der Betreiber das merken und sein Angebot an Fleisch an Donnerstagen immer weiter zurückfahren.

        Aber nicht auf Gutsherrenart und von oben herab!

      • Muriel sagt:

        Ich weiß ja nun nicht, wie die Bundestagskantine genau organisiert ist, aber ich habe jedenfalls auch kein Problem damit, wenn der Betreiber oder dessen Auftraggeber entscheiden, welche Art Speisen sie servieren.
        Gerade beim Fleisch ist das ja auch keineswegs eine willkürliche Entscheidung, als würden sie zum Beispiel rote Grütze streichen, weil sie selbst lieber Vanillepudding essen. Es ist eine ethische Frage, und wenn der Hausherr entscheidet, dass er aus ethischen Gründen kein Fleisch servieren will, ist das für mich nicht zu beanstanden.
        Na gut, dann kann man es wieder albern finden, das nur an einem Tag in der Woche nicht zu tun.
        Ich sag ja nicht, dass ich den Bundestag in irgendeiner Form für ein Gremium halte, das zu rationalen Entscheidungen in der Lage ist.
        Ich meine nur, dass ich es völlig in Ordnung finde, wenn jemand entscheidet, was er in seinem Haus zu essen serviert.

      • stefanolix sagt:

        Lassen wir die beiden Meinungen jetzt einfach nebeneinander stehen, mag sich jeder Gast seine Meinung daran bilden ;-)

  2. Sathiya sagt:

    Na, das ist ja wieder mal typisch.
    Wenn es von vorn herein so gewesen wäre wie in einer druchschnittlichen Uni-Mensa – drei Gerichte plus Beilagen zu Auswahl, mittelprächtig zubereitet, dann würde es einen nicht weiter aufregen. So aber – typisch. Regulationswut und Bevormundung wo es nur geht. Selbstherrlichkeit nach Gutsherrenart, ganz richtig.

    Es klingt für mich ebenso, als ob es im Supermarkt einen vegetarischen Tag gäbe – und man kein Fleisch kaufen könne, weil es nicht angeboten wird. (Das würde, glaube ich, jeder als groben Einschnitt in seine Rechte betrachten – oder aber hinnehmen?)

    Ob ich da jemanden auf Ideen gebracht habe? Ein neues Pro-Vega-Gesetz – es wäre gesetzlich verboten, am Freitag (in guter christlicher Tradition) Fleisch zu kaufen, zu verkaufen, zuzubereiten und zu essen. Fleischereien und Restaurants haben geschlossen zu bleiben oder aber nur Fisch im Angebot zu haben.

    Was für ein normales Restaurant oder eine Mensa gilt, läßt sich nicht unbedingt auf die Bundestagskantine übertragen. Sie ist mehr oder weniger auch Aushängeschild des Landes und – eine Armee marschiert zuallererst mit dem Magen, auch Abgeordnete und ihre Mitarbeiter, Wie werden wohl die Mitarbeiter über ihre Dienstherren reden, wenn sie zwangsweise unfreiwillig vegetarisch essen müssten? Unmut und Häme, und die Regenbogenpresse wird mit Wonne in diese Kerbe hauen.

    Grüße, Sathiya

    • stefanolix sagt:

      Ich fürchte, dass wir einige Deiner Pro-Vega-Vorschläge noch in Gesetzesform erleben werden.

      Gerade heute, wo ein Provinz(possen)politiker den modernen Ablasshandel vorgeschlagen hat: Punkt in Flensburg löschen gegen Einzahlung in den Hochwasser-Fonds.

  3. mom sagt:

    Ich hab ja in meiner frühen, idealistischen Jugend immer grün gewählt, aber das geht einfach gar nicht mehr. Ironischerweise machen gerade die Grünen – aus den Befreiung von bürgerlichen Zwängen fordernden Sprechchören der 68er-Demos hervorgegangen, wie sie sind!-eine dermaßen illiberale, bevormundende Politik, dass es einem graust.

    • stefanolix sagt:

      Diese Politik machen die Spitzenpolitiker und die mittlere Funktionärsebene unter sich aus. Dort sind ehemalige Mitglieder von K-Gruppen und maoistischen Gruppen maßgeblich vertreten.

      Bei der Auswertung der Mitgliederbefragung hat man ja gesehen, dass die Themen der Führung gar nicht immer so gut bei den Mitgliedern ankommen.

      Es wird auch viel zu wenig darauf hingewiesen, wie stark die Grünen Politik zugunsten ihrer eigenen Klientel machen. Sie deuten nur immer mit einem Finger auf die anderen, aber vier Finger sind auf sie selbst gerichtet ;-)

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