Der ZDF-Werbespot zur Frauenfußball-EM zeigt das Spiel einer Frau mit dem Ball – und deshalb passt er zu dieser Sportart.

Das ZDF gerät gerade wegen eines Werbespots für die Frauenfußball-EM in einen Shitstorm: Man hat es in Mainz gewagt, eine Frau mit einer Waschmaschine in Verbindung zu bringen!

Auch die Illustrierte »Brigitte«, die Gruner-und-Jahr-Werbestrecke für Mode, Diät und Kosmetik, stimmt in den Chor der Aufschreierinnen ein und fragt: »ZDF-Spot zur Frauen-EM: Noch ganz sauber?«

Man sollte nach dem ersten Blick und der ersten Erregung immer einen zweiten Blick riskieren. Auf den zweiten Blick ist es ein Spiel mit Bildern und Symbolen: Selbst wer zu Hause keinen Fernseher hat, kennt die ZDF-Torwand und weiß, wie viele Sportler daran schon gescheitert sind. Diese Fußballerin bringt den Ball locker ins Ziel

Nach den beiden Blicken kann man noch etwas nachdenken. Das Klischee lautete früher: Die Hausfrau wäscht die Sachen ihres Mannes und ihrer Kinder. Aber das tut die Fußballerin im Werbespot nicht. Ihr geht es um den Ball – weil er ihr Arbeitsgerät ist – und sie hat an ihrer Waschmaschine sogar ein Leder-Programm. Der Spot zeigt also Selbstbestimmung der Frau – und keine Fremdbestimmung. Was man nach drei Minuten Nachdenken auch mühelos kapieren kann …


Advertisements

20 Antworten zu Der ZDF-Werbespot zur Frauenfußball-EM zeigt das Spiel einer Frau mit dem Ball – und deshalb passt er zu dieser Sportart.

  1. Muriel sagt:

    Nee.
    Ich bin schon eher auf Seiten der Stürmer, ohne deren Texte bisher gelesen zu haben.
    Wenn es der Spot ist, den ich gerade bei YouTube gefunden habe, dann ist der daneben.
    Die Idee ist beinahe so gut wie einen schwarzen Sportler mit einer Banane spielen zu lassen. Brüllwitz.

    • stefanolix sagt:

      Sicher kann man sich über die Qualität des Witzes streiten.
      Ob der Witz gut oder schlecht ist, wollte ich gar nicht beurteilen.

      Meine Deutung der Hintergedanken muss nicht »richtig« sein. Einen ironischen Spot kann man sowieso nicht eindeutig deuten. Aber ich kann an dem Spot nichts Diskriminierendes oder Bösartiges sehen.

      • Muriel sagt:

        Ich sehe da nicht mal was Ironisches. Wie gesagt, das ist für mich auf einem Niveau mit einem schwarzen Fußballer, der eine Banane in eine Palme schießt. Nicht lustig, und bedient eine ganz ganz unschöne Assoziation.

      • stefanolix sagt:

        Tatsache ist: Es gibt üblen Rassismus in bestimmten Randgruppen der Stadionbesucher. Solche »Fans« sollten mit Stadionverbot belegt werden, wann immer man sie greifen und es ihnen beweisen kann.

        Aber ich sehe in dem Spot des ZDF keinerlei Parallele zum Rassismus im Fußball.

      • Antifa sagt:

        Tatsache ist: Es gibt üblen Rassismus in bestimmten Randgruppen der Stadionbesucher. Solche »Fans« sollten mit Stadionverbot belegt werden, wann immer man sie greifen und es ihnen beweisen kann.

        Erstens ist Rassismus kein Problem „bestimmter Randgruppen“ und zweitens ist ein Stadionverbot die wohl sinnloseste Art, mit diesem Problem umzugehen.

        Im Hinblick auf den Spot bin ich geneigt, Dir zuzustimmen. Die Werbung ist vielleicht nicht rundum gelungen, aber irgendwie verstehe ich sie auch eher als „intelligentes Spiel mit Klischees“.

        Das ZDF gerät gerade wegen eines Werbespots für die Frauenfußball-EM in einen Shitstorm […]

        Was zeichnet denn einen Shitstorm aus? Ich habe davon bislang überhaupt noch nichts mitbekommen und würde schon sagen, dass ich mich in Kreise bewege, in denen das auf kurz oder lang thematisiert werden würde.

      • stefanolix sagt:

        Ich weiß, dass wir da nicht einer Meinung sein werden, weil Du vermutlich Nationalmannschaften ablehnst.

        Aber ich behaupte, dass sich unter den Fans der DFB-Nationalmannschaft seit 2006 sehr viel zum Positiven entwickelt hat. In unserer Nationalmannschaft sind Migranten und deren Nachkommen heute selbstverständlich Leistungsträger. Eine sehr große Mehrheit der Fans akzeptiert das. Die Rechtsextremen sind krachend gescheitert mit ihrer Hetze gegen Nationalspieler mit Migrationshintergrund.


        Wenn (wie in Italien) Fußballer aus Schwarzafrika übel beschimpft werden, muss das Konsequenzen haben. Wenn die Täter und Rädelsführer ermittelt werden können, dann sollten sie zuerst nach Recht und Gesetz bestraft werden und danach aus den Stadien ferngehalten werden.

        Ich finde es problematisch, dass die Mannschaften Punkte abgezogen bekommen oder dass abgebrochene Spiele für eine Mannschaft als verloren gewertet werden. Das lädt zu Aktionen unter falscher Flagge geradezu ein. Die Konsequenzen sollten nicht die Sportler, sondern immer die Täter tragen.

      • Antifa sagt:

        Ich weiß, dass wir da nicht einer Meinung sein werden, weil Du vermutlich Nationalmannschaften ablehnst.

        Korrekt, dennoch muss ich ja auch einen Umgang damit finden.

        Aber ich behaupte, dass sich unter den Fans der DFB-Nationalmannschaft seit 2006 sehr viel zum Positiven entwickelt hat. In unserer Nationalmannschaft sind Migranten und deren Nachkommen heute selbstverständlich Leistungsträger. Eine sehr große Mehrheit der Fans akzeptiert das. Die Rechtsextremen sind krachend gescheitert mit ihrer Hetze gegen Nationalspieler mit Migrationshintergrund.

        Auch da stimme ich Dir zu, auch wenn ich natürlich dabei bleibe, (sportlichen) Nationalismus nicht besser zu finden, nur weil er auf einmal positiv patriotisch daherkommt.

        Wenn (wie in Italien) Fußballer aus Schwarzafrika übel beschimpft werden, muss das Konsequenzen haben. Wenn die Täter und Rädelsführer ermittelt werden können, dann sollten sie zuerst nach Recht und Gesetz bestraft werden und danach aus den Stadien ferngehalten werden.

        Die rassistisch beschimpften Spieler kommen doch oft gar nicht aus „Afrika“. Der dargelegte Lösungsvorschlag klingt in meinen Augen etwas kurz gedacht, schließlich löse ich das Problem nicht, wenn ich es aus dem Stadion verbanne, sondern schaffe nur irgendwo eine neues Problem. Es ist wesentlich sinnvoller direkt vor Ort mit den Menschen zu arbeiten, denn wo sonst in unserer Gesellschaft findet denn diese Diskussion für viele dieser Leute überhaupt noch statt. Nirgendwo sonst kann das Zielpublikum leichter erreicht werden, als in einem Fußballstadion. (Zumindest jenes Publikum, welches Rassismus leider viel zu oft auch „praktisch“ werden lässt.) Am Beispiel der hervorragenden Arbeit bei und von Dynamo lässt sich das in Dresden ganz erkennen. Der Verein hat sich in den letzten Jahren sehr zum positiven verändert und ein Baustein war mit Sicherheit der offensive Umgang des Vereins mit eben diesem Thema.

        Ich finde es problematisch, dass die Mannschaften Punkte abgezogen bekommen oder dass abgebrochene Spiele für eine Mannschaft als verloren gewertet werden. Das lädt zu Aktionen unter falscher Flagge geradezu ein. Die Konsequenzen sollten nicht die Sportler, sondern immer die Täter tragen.

        Ach naja, das sehe ich ein bisschen differenzierter, denn oft sind es ja gerade die Vereine (nicht die Sportler), die sich nicht mit ihrem eigenen Fanklientel auseinandersetzen und sich auf einmal mit Strafen wegen Rassismus konfrontiert sehen. Diese Sanktionen können und sollten auch vom Verband dann direkte Konsequenzen für die Fanarbeit in den betroffenen Vereinen haben, womöglich auch mit finanzieller Unterstützung des Verbandes, der Kommune oder des Landes.

      • stefanolix sagt:

        Wenn sportlicher Nationalismus in Bezug auf unsere heutige Nationalmannschaft dazu führt, dass Sportler mit einer Abstammung aus der Türkei oder aus Afrika zu Integrationsvorbildern werden, dann kann ich nichts Schlechtes daran finden. Und bei Dynamo Dresden ist es doch ähnlich.

        Überall in Europa gibt es Fans, die stolz auf die Leistungen ihrer Nationalmannschaften sind.

        Nationalchauvinismus ist nur noch die Sache einer kleinen extremistischen Minderheit. Das war früher anders und ich finde die Entwicklung des »Nationalfußballs« in dieser Beziehung ermutigend.

        SCNR: Jetzt wäre es der nächste Schritt, dass wir mit dieser Mannschaft aus Leistungsträgern unterschiedlicher Herkunft endlich mal wieder einen Titel holen ;-)

      • Antifa sagt:

        Nationalchauvinismus ist nur noch die Sache einer kleinen extremistischen Minderheit. Das war früher anders und ich finde die Entwicklung des »Nationalfußballs« in dieser Beziehung ermutigend.

        Dann schlage ich vor, bei der nächsten Niederlage der deutschen Mannschaft im Trikot des Siegerteams durch die Straßen zu laufen. Was dabei herauskommt, konnte ich sowohl 2006, als auch 2008 immer wieder erleben.

      • stefanolix sagt:

        Das kann einem Dortmunder Fan auch passieren, wenn er nach einem Sieg im Derby gegen Schalke in einen Aufzug der königsblauen Fans gerät. Ein Grund mehr, Fußballfans nach einer Niederlage weiträumig zu umgehen …

        Es ist meiner Meinung nach eine spezielle Art des Mobbings: Eine extreme Minderheit von »Fans« kann es nicht ertragen, dass »ihre« Mannschaft, »ihre« Sportlerin oder »ihr« Sportler verliert. Sie schlagen um sich, zerstören etwas, brüllen wahnwitzige Parolen etc.

        So erkläre ich mir auch die üblen Ausfälle gegen die Wimbledon-Siegerin Marion Bartoli: Da konnten Anhänger von Sabine Lisicki einfach nicht ertragen, dass sie an diesem Tag keine Chance gegen eine sehr gute Gegnerin hatte. Folglich mussten sie sich im Netz sexistisch austoben. Hätte Sabine Lisicki gegen eine andere Tennisspielerin verloren, hätten sich die Mobber einen anderen Angriffspunkt gesucht.

        Das ist nicht nationalspezifisch. Das ist einfach krank.

  2. albjaga sagt:

    Ich finde den Spot ziemlich lustig. Früher nannte man sowas spielen mit Klischees. Aber ich denke in unsere Gesellschaft stirbt nicht nur die Freiheit sondern auch der Humor und die Fähigkeit mal über sich selber zu lachen.
    Dafür marschieren wir alle geeint im Gleichsprech, diskriminierungs- und intelligenzfrei.

    • stefanolix sagt:

      Ich würde (wie oben angedeutet) sogar so weit gehen: Es ist ein intelligentes Spiel mit Klischees.

      Es ist kein Spot mit Esprit und Witz, aber es ist ein Spot mit Anspielungen auf die Marke ZDF und auf die Entwicklung der Frauen im Fußballsport: Früher haben sie im Breitensport wohl fast alle Trikots der Männer gewaschen, oft ehrenamtlich. Heute spielen sie an der Weltspitze mit und kümmern sich um ihr Arbeitsgerät.

    • Frank sagt:

      @albjaga: Genauso sehe ich es auch. Ich fand den Spot auch eher witzig. Etwas Selbstironie kann nicht schaden.

  3. G. sagt:

    Weiss nicht, was an dem Werbespot/guten Schuss so schlimm ist. Nur weil er in die Klischee-Waschmaschine geht?
    Stimme albjaga und Dir zu!

    • stefanolix sagt:

      Es geht (historisch eingeordnet) um die Definitionsmacht. Eine kleine radikale Gruppe maßt sich an, über Kunst und Kultur zu bestimmen. Dabei wird natürlich immer eine gute Absicht hochgehalten.


      »Wir definieren, was gut oder schlecht ist!«. – Auf dieser Basis fand z. B. in der Zeit der Reformation der Bildersturm statt.

      Die Reformation als solche war richtig und notwendig, nachdem die Katholische Kirche in Korruption versunken war und sich weit vom ursprünglichen Christentum entfernt hatte.

      Während die Reformation also durchaus vernünftige Ziele verfolgte, wurde der Bildersturm zum Exzess. Wertvolle Kunstwerke waren danach unwiederbringlich verloren.


      Diese Anmaßung von Definitionsmacht ist heute leider wieder an der Tagesordnung. Sie hat totalitäre Züge angenommen.


      Was würde wohl passieren, wenn sich die radikalen »Genderist*Innen« in der Dresdner Gemäldegalerie austoben könnten? Wie viele wertvolle Kunstwerke wären nie geschaffen worden, wenn solche Leute das Sagen gehabt hätten?

      • Antifa sagt:

        Es geht (historisch eingeordnet) um die Definitionsmacht. Eine kleine radikale Gruppe maßt sich an, über Kunst und Kultur zu bestimmen. Dabei wird natürlich immer eine gute Absicht hochgehalten.

        Eine wie auch immer geartete Kritik an etwas ist weder „totalitär“ noch ein Beleg für „Definitionsmacht“, sondern allenfalls ein Beispiel für die Konstruktion von Deutungshoheit.

        Das ist wie bei dieser Kritik an einem „Shitstorm“ gegen das ZDF. Obwohl er überhaupt nicht stattfindet, wird er dennoch wenig zielführend zum Anlass genommen, um historische Vergleiche anzustellen und Parallelen zur Gegenwart ziehen.

        Was würde wohl passieren, wenn sich die radikalen »Genderist*Innen« in der Dresdner Gemäldegalerie austoben könnten? Wie viele wertvolle Kunstwerke wären nie geschaffen worden, wenn solche Leute das Sagen gehabt hätten?

        Wer hat das denn vor?!?

      • stefanolix sagt:

        Wenn es denn Kritik wäre! Aber es ist keine. Es beginnt mit einer willkürlichen Definition [»Dieser Spot ist sexistisch«]. Jede weitere Diskussion darf nur noch auf der Basis dieser Definition stattfinden. Wer es wagt, eine andere Definition anzuwenden, wird als sexistisch hingestellt.

        Diese Übung haben wir ja damals schon einmal durchexerziert, als der Bionade-Spot um die Kunst der Travestie als transphob diffamiert wurde.

        https://stefanolix.wordpress.com/2013/05/10/warum-travestie-in-der-werbung-keine-diskriminierung-ist/

        Genau das selbe Bild erkennt man bei allen Boykottaufrufen dieser radikalen Gruppen wieder.


        Was die genderistische »Korrektur« von Kunst anbetrifft: Ich weiß nicht, ob es radikale Vertreter*Innen dieser Richtung gibt, die so etwas gern tun würden. Wundern würde es mich nicht. Sie schmieren ja schon ihre Parole »Sexistische K.« willkürlich überall hin, wenn etwas ihrer Ideologie und ihrer Definition nicht entspricht.

        Zwei Beispiele von vielen: http://www.notesofberlin.com/2013/05/barbie-busting.html

        http://journal.translarte.de/2012/04/%E2%80%9Esexistische-kackscheise-diskussion-um-werbung-der-staatsoperette-dresden/

      • Antifa sagt:

        Wenn es denn Kritik wäre! Aber es ist keine. Es beginnt mit einer willkürlichen Definition [»Dieser Spot ist sexistisch«]. Jede weitere Diskussion darf nur noch auf der Basis dieser Definition stattfinden. Wer es wagt, eine andere Definition anzuwenden, wird als sexistisch hingestellt.

        Tja, dann trifft wohl Definition auf Definition. Dass keine Diskussion möglich ist oder gar in einem Sexismus-Vorwurf endet, ist mir persönlich noch nicht vorgekommen. Aber ja, auch das soll es geben.

        Sie schmieren ja schon ihre Parole »Sexistische K.« willkürlich überall hin, wenn etwas ihrer Ideologie und ihrer Definition nicht entspricht.

        Das macht das Beispiel der Werbetafel auch und zwar flächendeckend. Wenn Menschen einfach nur diese Aufkleber wahrnehmen, ist zumindest schon einmal ein Ziel erreicht.

        […] radikale Vertreter*Innen dieser Richtung gibt, die so etwas gern tun würden […]

        Kunst wird aktuell glaube ich weniger vom „genderistischen“ Korrektiv zerstört.

  4. E-Haller sagt:

    Also ich kann da nicht mal eine Frau erkennen, die den Ball in die Waschmaschine kickt… Könnte auch ein Mann/ Junge sein, der seinen Ball ganz selbstbestimmt selber wäscht, weil Mama Fussball-WM guckt – äääh, weil er es immer so macht.

    Ich sage es immer wieder: wir haben keine Probleme mehr in Deutschland…

  5. Antifa sagt:

    Die britische Fassung ist eher klassisch gehalten und die Reaktion des ZDF-Chefredakteurs auf die Kritik am Spot ist auch eher sinnlos.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: