Ein neues Qualitätsmedium? – Die »Huffington Post« für Deutschland

Wie beginnt man einen Artikel über den Start des deutschen Ablegers einer weltbekannten Medienplattform? Meine beiden ersten Versuche:

  1. Gestern wurde mit viel PR die Seite »huffingtonpost.de« gestartet.
  2. Gestern wurde die Seite »huffingtonpost.de« mit viel PR gestartet.

Beide Ansätze stimmen: Natürlich wurde im Vorfeld viel PR für die »Huffington Post« verbreitet. Aber offenbar ist die »Huffington Post« schon am ersten Tag ein PR-Portal geworden, wie es seinesgleichen sucht.

In den ersten Stunden war ein Beitrag des Telekom-Chefs unter den Aufmachern. Zitat:

Die Telekom wandelt sich, aber sie bleibt ein Kommunikationsunternehmen. Wir bauen die besten Netze für die kommende Gigabit-Gesellschaft.


Weitere Beispiele vom ersten Tag:

  1. PR für Erdgas von GAZPROM
  2. PR für Boris Beckers neues Buch
  3. PR für diverse PR-Experten
  4. PR für Wellness-Kosmetik-Produkte

Die »Huffington Post« hat schon am ersten Tag bewiesen, dass kostenlose Gastbeiträge nicht im Interesse der Leser, sondern im Interesse von Unternehmen, PR-Agenturen, Lobbyisten oder meinungsstarken Einzelpersonen geschrieben werden.


Aber kann man denn wenigstens den »redaktionellen Teil« lesen? – Man würde das ja gern testen, wenn man ihn hinter den vielen PR-getriebenen Beiträgen finden könnte. Eine erkennbare Abgrenzung zwischen PR und Journalismus gibt es nicht. Allerdings sind manche Beiträge als Kommentare gekennzeichnet – und da kann es schon mal unfreiwillig komisch werden.

Die »Huffington Post« will nämlich auch ein Meinungsmedium sein und ihre internationalen Ausgaben vernetzen. Sie publizierte dazu gestern die Übersetzung eines Artikels aus der englischen Schwesterausgabe. Legen Sie das Original neben die Übersetzung und Sie kommen entweder aus dem Weinen oder aus dem Lachen nicht mehr heraus:

Die Aufgabe einer kühnen und konstruktiven deutschen Außenpolitik ist eine führende Rolle in der EU und in dem Zwischeneuropa von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer zu spielen, aber auch Einfluss auf Friedensbestrebungen in dem „Wilden Osten“ zu haben.

It is the task of a bold and constructive German foreign policy to play a leading role in the EU and in that Zwischeneuropa, the „Europe in-between“, from the Baltic to the Black Sea; but also to influence the peace efforts in what has become the „Wild East“ – the Orient.


Ich wage die Behauptung: Die Investoren werden einen langen Atem haben müssen, bis diese Plattform ein Qualitätsmedium wird. Mit einem Discount-Modell wird sich die »Huffington Post« sicher nicht durchsetzen können. Auf die Dauer müssen Leserinnen und Leser davon überzeugt werden, für guten Journalismus auch gutes Geld auszugeben und z. B. eine »Huffington App« zu abonnieren. Was natürlich voraussetzt, dass gute Journalisten bezahlt werden. Kostenlos verteilte PR bekommt man überall …

 


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6 Responses to Ein neues Qualitätsmedium? – Die »Huffington Post« für Deutschland

  1. dekabrista sagt:

    Ich habe mir die Seite soeben kurz angeschaut. Allerdings wirklich nur kurz, denn es gab nichts, was meine Aufmerksamkeit fesselte. Im Gegenteil: ich hatte das Bedürfnis, schnell wieder wegzukommen: zu laut, zu beliebig, zu sehr Regenbogenpresse. Plötzlich erscheint SPON wieder als Qualitätsmedium.

  2. Sathiya sagt:

    Qualitätsmedium??
    Daß ich nicht lache!!! oder: „… da kannst du warten, bis Jesus nach Moskau kommt“
    Na, man soll die Hoffnung nie aufgeben. Nach oben ist da noch mehr als genügend Luft… um viiel besser zu werden. (und eine Huffington-App ist das letzte, was ich brauche)

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