Was der Netzaktivismus mit Don Quijote zu tun hat

Der Deutschlandfunk hat in den letzten Tagen eine sehr interessante Hörspielbearbeitung des Romans »Don Qujote« gesendet. Das Buch ist in einer älteren Übersetzung auch im Projekt Gutenberg zu finden.

Die beiden Helden geraten ja im Buch immer wieder in Abenteuer nach dem Schema: Der Ritter bekämpft Gefahren und Missstände, die einzig in seiner Phantasie existieren. Der Knappe muss dem Ritter aus der Patsche helfen. Eine charakteristische Szene beginnt so:

Der Ritter sieht eine Prozession mit einer Marienfigur. Er bildet sich aber ein, dass es sich um eine gegen ihren Willen festgehaltene junge Frau handelt:

[so] daß er sich einredete, eine Bildsäule, die sie in Trauerhüllen einhertrugen, sei eigentlich eine vornehme Dame, die von diesen Bösewichtern und schamlosen Wegelagerern mit Gewalt entführt werde.

Also reitet er in seinem Wahn auf die Prozession zu und herrscht die Geistlichen an:

»Ihr sollt gleich auf der Stelle diese schöne Dame freigeben, deren Tränen und betrübtes Antlitz deutlich zeigen, daß ihr sie wider ihren Willen fortschleppt und daß ihr eine offenbare Ungebühr an ihr verübt habt. Und ich, der ich zur Welt geboren bin, um dergleichen Freveltaten abzustellen, ich werde nicht gestatten, daß sie einen einzigen Schritt weiterziehe, ohne ihr die ersehnte Freiheit wiederzugeben, derer sie würdig ist.«


In unsere Zeit übertragen: Don Quixote »sieht« ein Beispiel für Sexismus, entlarvt die Sexisten und entscheidet kraft seines Sendungsbewusstseins ohne lästige Formalitäten über die notwendigen Maßnahmen. Die Reaktion der Betroffenen und Zeugen ist folgerichtig:

An diesen Worten merkten alle Hörer, Don Quijote müsse verrückt sein, und brachen in herzliches Lachen aus; aber hier zu lachen hieß Pulver auf Don Quijotes Zorneswut schütten, und ohne ein Wort weiter zu sagen, zog er das Schwert und sprengte auf die Tragbahre los.

Natürlich bezieht der Ritter nun eine Tracht Prügel und sein Knappe muss ihn (wieder einmal) retten:

Als Sancho Pansa, der ihm keuchend nachgeeilt war, ihn am Boden liegen sah, schrie er dem Zerbleuer seines Herrn zu, er solle vom Prügeln ablassen, denn der sei ein armer verzauberter Ritter, der all sein Lebtag keinem ein Leides getan.


Heute gibt es ja leider keine Ritter und keine Knappen mehr. Stattdessen gibt es die radikalen Genderist*Innen, die in ihrem unermüdlichen Kampf gegen die Realität immer wieder weit über die Windmühlenflügel hinausschießen. Eine dieser Ritterinnen gegen das Unrecht hat kürzlich zwei aufeinanderfolgende Tweets in die Welt gesetzt:

Blockempfehlung.

Blockempfehlung.

Damit hatte sie aber keinesfalls eine rassistische oder sexistische Person erwischt – sondern eine Bloggerin, die für die Interessen alleinerziehender Frauen eintritt und es lediglich gewagt hatte, in einer bestimmten Diskussion eine abweichende Meinung zu vertreten.

Es ist dabei völlig egal, in welcher Reihenfolge man die beiden Tweets liest: Sie haben tiefe Spuren hinterlassen. Die Anschuldigung hatte eine ähnliche Wirkung wie Mobbing auf dem Schulhof oder im Berufsleben.


Ideologisch oder persönlich motivierte Falschbeschuldigungen können unterschiedslos Männer oder Frauen treffen. Die Auswirkungen sind immer verheerend. In der Uni-Satire »Der Campus« hat Dietrich Schwanitz diese Art der »Frauenförderung« schon gebührend gewürdigt – aber der große Roman über den Genderismus steht noch aus. Vielleicht sollten interessierte Autoren schon mal mit dem Materialsammeln beginnen …


Quellenangabe für die Zitate: Miguel de Cervantes Saavedra »Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha« in der Übersetzung von Ludwig Braunfels.


Advertisements

20 Responses to Was der Netzaktivismus mit Don Quijote zu tun hat

  1. Gerlinde sagt:

    ;-) Danke, lieber ‚Sancho P. fuer Viele‘

    Part-Dona-Quijota-Australiis

    PS: ein gutes Neues Jahr und weiter im netten ‚Blog-Duell‘ mit Dir?!

    • stefanolix sagt:

      Na klar. Es steht ja mindestens noch ein Artikel mit herbstlichen Fotos aus. Aber konkrete Vorsätze habe ich mir für 2014 in Bezug auf das Bloggen nicht aufgeschrieben.

  2. Auf dem Blog der angegriffenen Feministin finde ich im verlinkten Artikel folgendes Zitat:

    „Es werden andere Aktivist*innen angegriffen, anstatt sich Betätigungsfelder im Außen zu suchen. Genügend zu tun für die Emanzipation gäbe es durchaus im patriarchalen Kapitalismus. Auch ich finde nicht alles gut, was terre de femmes machen oder pinkstinks oder andere. Niemals würde ich jedoch auf die Idee kommen, die Aktionen der anderen auf diese Weise zu zerstören. Schon erst gar nicht, wenn ich selbst schon lange gar keine eigenen Aktionen mehr starte. Denn wo sind denn diese ganzen rantautoren den ganzen Tag? Ich habe den Eindruck, sie sind im Internet. Zu jeder Zeit. Auf twitter, facebook oder in Foren und auf blogs.“

    Sie sieht also einen „patriachalen Kapitalismus“, gegen den sie auch gerne kmäpft – aber selbst dass ist dem ganz harten Gender-Extremismus-Kern noch zuwenig. Das sagt schon einiges über Gender aus – wie eine Religion: Mit Extremisten, bei denen einem der Mund offen bleibt und im Vergleich zu denen selbst die verlinkte Aktivisten noch „moderat“ ist. Wohl so Moderat wie die Muslimbrüder im Vergleich zu den Salafisten.

    Interessant auch das Ende des Zitats: Die Extremisten haben irgend wie 24/7 Zeit…

    • stefanolix sagt:

      Ich bin vorsichtig mit Einordnungen (Ausnahme: wenn sich eine Person selbst eindeutig einordnet). Die Initiatorin der »Blockempfehlung« hat offenbar sehr radikale Ziele und rechnet sich den radikalen Genderist*Innen [Arbeitstitel von mir] zu.

      Die angegriffene Bloggerin lässt sich schwieriger einordnen. Den ersten Teil des Zitats mit der Wendung »im patriarchalen Kapitalismus« kann man auch so deuten, dass sie einfach viel sinnvollere Aufgaben der Gleichberechtigunh sieht.

      Ob sie wirklich an die Existenz eines »patriarchalen Kapitalismus« glaubt, weiß ich nicht. Ich sehe in D keinen Kapitalismus, sondern eine Soziale Marktwirtschaft. Die Betonung liegt eher auf »sozial« als auf »Markt«. Und ich sehe auch kein Patriarchat mehr, denn wo wären denn in modernen Partnerschafts- und Familienverhältnissen die Patriarchen?

    • Antifa sagt:

      Sie sieht also einen “patriachalen Kapitalismus” …

      Den gibt es nicht? Da muss ich wohl im Sexual- und Gesellschaftskundeunterricht geschlafen haben.

      Was bitte ist denn ein so genannter Gender-Extremismus?

  3. Klaus W. sagt:

    OT: Leider etwas verspätet auch von mir beste Neujahrswünsche und weiterhin viel Kraft an der Tastatur.

  4. Antifa sagt:

    Die Anschuldigung hatte eine ähnliche Wirkung wie Mobbing auf dem Schulhof oder im Berufsleben.

    Die Auswirkungen sind immer verheerend.

    Woher nimmst Du denn diese kühnen Behauptungen? Kommt es denn nicht vielmehr auf die persönlichen Begleitumstände der betroffenen Person an und wie ernst Äußerungen genommen werden, die im Netz in häufig anonymer Form geäußert werden? Und wenn Du dann an der Stelle Verlautbarungen wie diese auf Deinem Blog zulässt: Wohl so Moderat wie die Muslimbrüder im Vergleich zu den Salafisten. sehe ich darin keinen Unterschied zum zu Recht zu kritisierenden Umgang mit der Frau aus Teilen der Netzgemeinde.

    • stefanolix sagt:

      1. Ich habe hier auch schon viele Kommentare des Kommentators Antifa stehen lassen, mit denen ich politisch nicht einverstanden war. Das hat etwas mit Meinungsfreiheit zu tun. – Ich persönlich würde die unterschiedlichen Strömungen des Feminismus, Genderismus etc. nicht mit den unterschiedlichen Strömungen einer Religion vergleichen.

      2. Dass die Auswirkungen der Diffamierung schlimm waren, sieht man ja in dem oben verlinkten Kommentar (Link unter: »Sie haben tiefe Spuren hinterlassen«). Dass die durch Screenshot belegte Diffamierung der Inhaberin des Twitter-Accounts als Rassistin oder Sexistin völlig inakzeptabel ist, sieht man in dem verlinkten Blog.

      3. Stell Dir einfach vor, es stünde Dein Blog oder Dein Name an einer solchen Stelle – aus keinem nachvollziehbaren Grund. Vielleicht wird’s dann einfacher mit dem Verständnis. Die Bloggerin hatte lediglich gewagt, eine etwas abweichende Meinung zu äußern. Sie war niemals rassistisch oder sexistisch oder extremistisch in Erscheinung getreten.

  5. Antifa sagt:

    Das hat etwas mit Meinungsfreiheit zu tun.

    Ok, dann habe ich das hier gewählte Beispiel wohl einfach nur nicht verstanden. Vielleicht hätte der Frau auch einfach irgendwer nur Meinungsfreiheit als Argument ihren Befindlichkeiten gegenüber entgegenhalten sollen.

    Dass die Auswirkungen der Diffamierung schlimm waren, sieht man ja in dem oben verlinkten Kommentar (Link unter: »Sie haben tiefe Spuren hinterlassen«).

    Aus diesem Grund spricht sie sich ja auch für mehr face-to-face Konversation aus. In meinen Augen eine richtige und wichtige Erkenntnis, auch um Fehldeutungen und Missinterpretationen von wenig zielführenden online geführten „Diskussionen“ vorzubeugen. Es gibt ja inzwischen auch wissenschaftliche Studien, die sich mit Menschen auseinandersetzen, die überall ihre Meinung online wiedergeben müssen.

    Stell Dir einfach vor, es stünde Dein Blog oder Dein Name an einer solchen Stelle – aus keinem nachvollziehbaren Grund.

    Aus diesem Grund habe ich so etwas auch nicht.

    Sie war niemals rassistisch oder sexistisch oder extremistisch in Erscheinung getreten.

    So genau kenne ich sie leider nicht.

    • stefanolix sagt:

      Man kann geteilter Meinung sein, ob der verlinkte Artikel wissenschaftlich ist. Ich halte ihn jedenfalls nicht für wissenschaftlich ;-)

      Vielleicht [sind] wir uns in folgendem einig: Wir wollen nicht, dass unser Name unter den beiden Kategorien auftaucht, die dort oben in dem Screenshot zu sehen sind – und wir wünschen niemandem, dass er zu Unrecht in solchen Kategorien geführt wird.

      Die Personen, die hinter dem Account »Blockempfehlung« bzw. hinter der ominösen »Masku-Liste« stehen, haben völlig willkürlich Personen erfasst, deren Ansichten ihnen nicht in den Kram passen. Die Auswahl erfolgt nicht nach transparenten Kriterien und natürlich gibt es auch keine Belege. Somit ist das Vorgehen völlig inakzeptabel: Meinungsfreiheit darf nicht missbraucht werden, um Menschen willkürlich als Rassisten oder Sexisten an den Pranger zu stellen.

  6. Sascha sagt:

    Immmer das Gleiche …. es gibt Menschen die Anderen Sexismus, ein unreflektierte Haltung vorwerfen und andere die sich davon diffamiert fühlen und Gender-Extremisten konstruieren. Können wir uns vielleicht darauf einigen, dass Sexismus, Gender, Geschlecht und alles was sich darum dreht Schlüsselthemen sind, neben anderen intersektionellen Aspekten, wie sozialer Status, Herkunft usw. … und wir versuchen tolerant und respektvoll miteinander umzugehen? Stefanolix und Antifa ihr seit für mich die 2 Seiten einer Münze – ihr diskutiert welche Seite die richtige ist – leider vergesst ihr die Münze in den Automaten für die bessere Welt einzuwerfen … naja … wir schaffen das schon noch …

    • stefanolix sagt:

      Es gibt einen notwendigen und legitimen Feminismus im Sinne von Frauenrechten und Gleichberechtigung. Die Ziele dieser Strömung des Feminismus sehe ich in Deutschland als verwirklicht an, selbstverständlich müssen seine Errungenschaften verteidigt werden. Diese Strömung ist grundsätzlich kooperativ. Sie nutzt Männern (aller Orientierungen) und Frauen (aller Orientierungen).

      Weltweit gibt es teilweise große Defizite: Frauen werden in manchen Gesellschaften noch auf das Übelste unterdrückt. Diese Unterdrückung zu beseitigen sollte das erste Ziel jedes vernünftigen Menschen sein, denn nur wenn es beiden Seiten gut geht, ist die nachhaltige Entwicklung gesichert.

      Es gibt eine radikalen bis extremen Flügel des Feminismus (auch als Genderismus bezeichnet), dem diese Gleichberechtigung nicht genügt. Er lehnt Kooperation ab.

      Dieser radikale bis extreme Flügel stößt bei den allermeisten Menschen auf Ablehnung und Unverständnis. Auch bei den vernünftigen, kooperativen Feministinnen und bei den vielen anderen klugen Frauen, von denen ich im Netz Artikel oder Tweets lese: Sie sind die scharfsinnigsten Kritikerinnen des radikalen (genderistischen) Flügels.

      • Antifa sagt:

        Es gibt einen notwendigen und legitimen Feminismus im Sinne von Frauenrechten und Gleichberechtigung. Die Ziele dieser Strömung des Feminismus sehe ich in Deutschland als verwirklicht an, selbstverständlich müssen seine Errungenschaften verteidigt werden.

        Ich würde meinen, nicht einmal gemäßigte Feministinnen oder Feministen würden soweit gehen und das behaupten.

        Weltweit gibt es teilweise große Defizite: Frauen werden in manchen Gesellschaften noch auf das Übelste unterdrückt. Diese Unterdrückung zu beseitigen sollte das erste Ziel jedes vernünftigen Menschen sein, denn nur wenn es beiden Seiten gut geht, ist die nachhaltige Entwicklung gesichert.

        Eine „nachhaltige Entwicklung“ ist also der Grund dafür, weshalb Frauen nicht unterdrückt werden sollten?

        Es gibt eine radikalen bis extremen Flügel des Feminismus (auch als Genderismus bezeichnet), dem diese Gleichberechtigung nicht genügt. Er lehnt Kooperation ab.

        Was nochmal zeichnet diese „Taliban unter den Feministinnen und Feministen“ aus? Ich konnte im Netz leider nur obskure Erklärungen auf dubiosen Seiten für den Begriff des Genderismus finden.

      • „Was nochmal zeichnet diese “Taliban unter den Feministinnen und Feministen” aus?“

        Unsachlicher Stil, persönliche Unterstellungen und Angriffe, „empört sein“, wenn man ihnen widerspricht. Mediale Hetzkampagnen (z.B. #aufschrei aus nichtigem Anlass) bei denen ein paar therapiebedürftigen Gestörte (Exibitionisten, etc…), tatsächlich strafbare Übergriffe, normales Ansprechen von Frauen und gar einfach nur flüchtige Höflichkeit gegenüber Frauen alles in einen Topf geworfen wird. Ständiges Gerede von „rape culture“, mit der ausgerechnet die westliche Gesellschaft bezeichnet wird. Die „rape culture“ beginnt dabei bei einem kurzen Blick durch einen Mann oder gar bei der Verwendung des Wortes „Frau“.

        Alles wird unter dem Aspekt Geschlecht betrachtet, alles, bis hin zu Albernheiten wie einer „feministischen Programmiersprache“, deren Grundkonzept für Informatiker so unverständlich ist, wie auch Quantenesoterik für Physiker wie Kauderwelsch klingt (siehe: http://www.hastac.org/blogs/ari-schlesinger/2013/11/26/feminism-and-programming-languages#comment-23034 ).

        Es gibt ein Paar Grunddogmen die regelmäßig ins Feld geführt werden und die hiermit gut zusammengefasst sind:

        „1. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen haben nichts mit Biologie zu tun sondern sind sämtlich sozial konstruiert.
        2. Menschen besitzen eine einzige soziale Motivation, nämlich Macht(streben). Das soziale Leben kann allein unter dem Gesichtspunkt verstanden werden auf welche Weise diese Macht eingesetzt wird.
        3. Zwischenmenschliche Handlungen basieren nicht auf der Grundlage der Motive von Einzelpersonen, sondern auf den Motiven von Gruppen, in diesem Fall der Gruppe der Männer die
        die Gruppe der Frauen beherrscht. “
        ( http://asemann.de/?p=97 )

        Alle drei Dogmen sind Unsinn, aber die Gender-Netzwerke können auch jedes der drei Dogmen fallen lassen, wenn es ihr beliebt und ihrer Argumentation nützt.

        Am Ende des Tages ging es um Posten für das eigene Netzwerk.

        „Ich konnte im Netz leider nur obskure Erklärungen auf dubiosen Seiten für den Begriff des Genderismus finden.“

        Die gender studies verwenden nun mal obskure Definitionen, deren Bedeutung sie immer nach belieben abändern, im Zweifel auch mitten in einer Diskussion. Nennt sich Definitionsmacht. Per Definition ist diese nötig um das Patriachat zu bekämpfen.

        Frauen werden als das diskriminiertes Geschlecht _definiert_. Könnte feministische Literatur als Quelle dieser Definition angeben. Glauben Sie nicht? Kann ich wirklich, wollen Sie?

        „Da ‚Frauen‘ die Bezeichnung des in der Geschlechterdifferenz als benachteiligt konstruierten Geschlechts ist, fallen unter diesen Schutz im Ausnahmefall auch (biologische) Männer. Liegt eine geschlechtsbezogene Benachteiligung vor, so ist das Grundrecht auf Gleichberechtigung verletzt. Eine Rechtfertigung für Benachteiligung gibt es nicht. Diese Stufe der verfassungsrechtlichen Prüfung fällt sozusagen weg.“

        Susanne Baer: Würde oder Gleichheit? S. 316 f.

        Der Witz ist nur: Sobald es um Maßnahmen gegen Diskriminierung geht, wird mit „Frau“ natürlich nicht mehr „diskriminierter Mensch“ gemeint, sondern es kommt darauf an, was zwischen den Beinen ist.

        Und auch Anforderungen, zum Beispiel Mindestgrößen, sind – obowhl die Größe offensichtlich kein soziales Konstrukt ist – eine „Frauenbenachteiligung“, da die Verteilung der Körpergröße bei (biologischen) Frauen anders ist als bei (biologischen) Männern. Man stellt also auf plötzlich auf eine Statistik über die Korrelation von Körpergröße und biologischem Geschlecht ab. Aber eine Überprüfung, ob Mindestgrößen für bestimmte Bereiche einen guten Grund haben und – sofern die selbe Mindestgröße unabhängig vom biologischen Geschlecht auf Männer wie Frauen und alles dazwischen angewendet wird – daher keine Frauenbenachteiligung sind, findet nicht statt. Überflüssig: Frauen sind als diskriminiertes Geschlecht definiert. Da gibt es nicht mehr zu prüfen. Erkennen Sie den Definitionssprung?

        Albern? Nein, offenbar funktionierendes Kalkül. Es sollte einem schon bei der Definition auffallen. Natürlich kann man jeden Begriff erst einmal beliebig definieren und – solange man konsistent bei der selben Definition bleibt und jedem die Definition bekannt ist – damit diskutieren. Nur muss man sich schon wundern: Was bringt es einen weit verbreiteten Begriff mit bisher gänzlich anderer Bedeutung, nämlich zur Beschreibung der Rolle bei der Fortpflanzung, plötzlich mit einer für das Wort gänzlich unintuitiven Bedeutung zu füllen? Insbesondere, da es das naheliegendere Wirt „Diskriminierte“ gibt, um diskriminierte Menschen im Allgemeinen zu bezeichnen.

        Es gibt nur einen Sinn: Verwirrung ausnutzen, um „das Patriachat zu dekonstruieren“ (das ist die Generalrechtfertigung für dieses manipulative Vorgehen, das rechtfertigt alles, auch dieses Patriachat erst realitätsfremd zu konstruieren, um es bekämpfen zu können).

        Erst wird die Welt mit den Worten unter Verwendung ihrer unintuitiven, neuen Bedeutung beschrieben und Diskriminierte sind nun mal per Definition diskriminiert, wenn man Frau = Diskriminirte setzt, wer kann dann die Diskriminierung der Frau bestreiten?

        (An diese Stelle sei nochmal betont, das es sich nicht um eine Übertreibung von polemischen Kritikern handelt. Es ist tatsächlich offen nachlesbare Definition in einigen feministischen Schriften. Wird aber in der Öffentlichkeit nicht herumposaunt. Susanne Bear ist Verfassungsrichtern, nominiert wurde sie von den Grünen.)

        Und dann werden politische Forderungen aus diesem Weltbild mit diesen kruden Definitionen abgeleitet.

        Allerdings: Nun sind mit Frauen natürlich diejenigen gemeint, welche entweder die richtigen Geschlechtsorgane haben (siehe einen Aufnahmeantrag der Grünen Jugend, in der explizit nach biologisch „weiblich“ und „nicht weiblich“ gefragt wird; „männlich“ wird übrigends teilweise von Gender-Anhängern nicht als Geschlecht gesehen, das es der universelle, geschlechtslose Normalzustand sein soll und Geschlecht nur zur Unterdrückung erfunden wurde, auch da könnte ich Zitate liefern; daher reden Gender-Anhänger fast nur vom Geschlecht im Singular und es erklärt die Nachfrage der GJ nach „weiblich“ oder „nicht weiblich“) oder zumindest höchstens diejenigen, die nicht Norm-Männer sind und daher per Definition nicht zu den Diskriminierten zählen.

        Zu beachten ist in dem Zitat die offensichtliche Umdeutung der Begriffsbedeutungen, welche die Wörter Frau und Mann in der Verfasung haben: Aus dem Gleichheitsgrundsatz („Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ wird ein reines „schützt danach Frauen vor geschlechtsbezogener Benachteiligung“. Diese einseitige Interpretation gibt nur dann Sinn, wenn man Frau als Diskrimineirte definiert und Männder als alle anderen (oder als die Diskriminierer). Ein Schutz des Mannes ist da nicht notwendig, aus der Definition heraus. Frau sein als gesellschaftlich verursachte Behinderung. Aber warum wurde dann nicht einfach geschrieben „Niemand darf wegen seines Frauseins benachteiligt werden“? Natürlich ist bei näherem Nachdenken klar: 1949 hatten die Begriffe Frau und Mann nicht im entferntesten die Beudeutung in den Augen des Verfassungsgeber gehabt, welche die gender studies ihnen heute gegeben haben. Verfassung und gender studies reden einfach nicht vom selben, nur weil sie die gleichen Wörter verwenden. Wobei das wie schon gesagt auch nicht ganz stimmt: Genauer gesagt reden die gender studies von was sie wollen, mal mit der einen Definition und dann plötzlich – Mitten in der Argumentationskette – mit einer anderen Definition.

      • stefanolix sagt:

        Antifa fragt (und zitiert mich): Eine “nachhaltige Entwicklung” ist also der Grund dafür, weshalb Frauen nicht unterdrückt werden sollten?


        Setzen wir die Deklaration der Menschenrechte als Grundlage voraus, lassen wir das Wort »nachhaltig« für einen Augenblick weg und reden wir über Entwicklung.

        Eine starke Unterdrückung der Frau in einer Gesellschaft korreliert auffällig mit:
        – Hungersnot
        – Krankheiten
        – Bevölkerungsexplosion
        – hoher Kindersterblichkeit
        – geringer Lebenserwartung

        Wenn eine Gesellschaft überhaupt die Chance haben will, diese Zustände zu überwinden, muss sie den Grad der Unterdrückung der Frauen schrittweise mindern.

        Wenn sich eine Gesellschaft nachhaltig zum Besseren entwickeln und einen gewissen Lebensstandard erreichen will, muss sie Männern und Frauen Gleichberechtigung garantieren.


        Jetzt kann der Einwand kommen: Es gibt heute in einigen Staaten die Kombination eines relativ hohen Lebensstandards und einer Unterdrückung der Frauen. So geht es in den muslimisch beherrschten Golfstaaten und im Iran den Frauen materiell relativ gut, während sie gesellschaftlich in vielerlei Hinsicht unterdrückt sind. Das ist aber ein Sonderfall, weil sich diese Staaten mit den Erlösen aus Öl und Erdgas fast alles kaufen können.

        In einigen Staaten hat man aber schon kapiert, dass es so nicht weitergeht – und stellt den Frauen z. B. eigene Hochschulen zur Verfügung. Auf lange Sicht wird sich auch dort der Satz bestätigen: Eine Gesellschaft kann sich nur nachhaltig entwickeln, wenn Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Spätestens, wenn die Ölreserven aufgebraucht sind …

    • „und andere die sich davon diffamiert fühlen und Gender-Extremisten konstruieren. “

      So was extremistisches aber auch: Sich von einem wilkürlich angehefeten, abwertenden Edikett diffamiert fühlen…

      Im übrigen muss man Gender-Extremisten nicht konstruieren.

      “ Können wir uns vielleicht darauf einigen, dass Sexismus, Gender, Geschlecht und alles was sich darum dreht Schlüsselthemen sind, neben anderen intersektionellen Aspekten, wie sozialer Status, Herkunft usw.“

      Dazu müsste ersteinmal klar sien, was die Begriffe bedeuten: Sexismus, Gender, Geschlecht, Schlüsselthemen.

      Nicht, das man nicht Definitionen finden würde, bei „Geschlecht“ sogar verbreitete. Bloß fühlt sich der Gender-Extremismus an keine Definition gebunden.

      • stefanolix sagt:

        Ich war jetzt zwar nicht direkt gefragt, aber ich steuere meine zwei Cent trotzdem bei:

        Ich finde diese etwas willkürlich zusammengestellte Liste der »Schlüsselthemen« nicht zielführend. Es gibt zunächst einmal Definitionen für »Sex« (biologisches Geschlecht) und »Gender« (soziales Geschlecht).

        Menschen sind keine rein biologischen und auch keine rein sozialen Wesen, sondern eine faszinierende Mischung aus beiden Anteilen.

        Beide Definitionen sind notwendig. Sowohl biologisches als auch soziales Geschlecht sollen mit wissenschaftlichen Methoden erforscht werden. Was die Bewertung von Methoden als »wissenschaftlich« betrifft, bin ich sehr konservativ …

        Irgend etwas zu definieren und sich ein Abbild der Wirklichkeit passend dazu zu konstruieren ist keine Wissenschaft, weil sich Wissenschaft und Definitionshoheit gegenseitig ausschließen.


        Womit wir beim Sexismus wären: Sexismus ist die bewusst ausgeübte Unterdrückung einer Gruppe aufgrund ihres biologischen und/oder sozialen Geschlechts.

        Bevor ich zu den schlimmen bis tödlichen Beispielen komme, ein Wort zu unserer eigenen Vergangenheit und Gegenwart.

        In der Vergangenheit hatten Frauen kein aktives und passives Wahlrecht, konnten über die Fortpflanzung nicht selbst bestimmen und durften kaum selbständig arbeiten. Bis heute dürfen sie in vielen Religionsgemeinschaften nicht als Geistliche tätig werden.

        Darüber hinaus kann sich Sexismus auch in Mobbing oder in systematischer Benachteiligung zeigen, beispielsweise
        – im Schulsystem gegen Jungen,
        – allgemein gegen sexuelle Außenseiter,
        – gegen alleinerziehende Frauen,
        – beim Strafmaß gegen männliche Angeklagte,
        – bei der Anwendung starrer Frauenquoten,
        – im Familienrecht oft gegen die Väter,
        – gegen von der »Norm« abweichende Soldaten.


        Wie man unschwer erkennen kann, werden bestimmte Formen des Sexismus von Männern und/oder Frauen getragen. Sie benachteiligen manche Gruppen. Sie bringen manchen Gruppen Vorteile.

        Im demokratischen Rechtsstaat wird aber immer ein System des Ausgleichs angestrebt. Früher benachteiligte das Scheidungsrecht die Frauen, heute benachteiligt es die Väter – wenn die demokratischen Prozesse funktionieren, sollte es eines Tages zu einem Ausgleich kommen.


        Das ist in vielen Ländern der Welt NICHT so: Dort gibt es einen systematischen Sexismus, der u. a. die Frauen sehr stark unterdrückt. Die ganz schlimmen Beispiele bis in die Gegenwart:
        – Frauen werden verstümmelt
        – Frauen werden vergewaltigt
        – Ehebrecherinnen werden gesteinigt
        – Homosexuelle werden getötet oder eingekerkert


        Wir gehören im Weltmaßstab zu den relativ wenigen Ländern, in denen Frauen völlig gleichberechtigt sind, in denen Lesben und Schwule weitgehend den Heteros gleichgestellt sind und in denen Männer und Frauen relativ gut miteinander klarkommen. Dass es im einzelnen noch einiges auszugleichen gibt, will ich nicht bestreiten, aber das betrifft Benachteiligungen oder Vorteile /beider/ Seiten.

        Weil wir wirklich weit gekommen sind, wollen einige Gruppen Neid und Uneinigkeit säen und sich Vorteile verschaffen – indem sie Dinge dramatisieren. Da war dieser Brüderle-Aufschrei: Der Mann hatte nichts getan, als die Dirndl-Wendung der Journalistin zu zitieren. Er hat sich das nicht ausgedacht, er hat einfach ihr Motiv aufgegriffen, dass sie vorher auf eine bayrische Politikerin angewandt hatte.

        Nein, es ist hierzulande KEIN Sexismus, wenn Personen mal anzügliche Bemerkungen machen, wenn ein Unternehmen Travestie in der Werbung einsetzt, wenn eine Person einen Blick auf den Hintern einer anderen Person riskiert oder wenn sie im halb leeren ÖPNV zwei Plätze einnimmt. Das ist manchmal unhöflich, manchmal vielleicht auch nervend – aber natürlich tun es die allermeisten Menschen ohne jede bösartige Absicht.

        Männer und Frauen nehmen sich im Übrigen in der Öffentlichkeit in punkto anzügliche Bemerkungen, raumgreifendes Verhalten oder eindeutige Blicke überhaupt nichts mehr. Ich lebe in der Großstadt Dresden; ich fahre oft genug mit offenen Augen in Eisenbahn, Bus und Straßenbahn durchs Land; ich sollte es mit der Lebenserfahrung eines Mittvierzigers wissen.

      • Antifa sagt:

        Nochmal die Frage, wer oder was soll „Gender-Extremismus“ sein?

      • „Was nochmal zeichnet diese “Taliban unter den Feministinnen und Feministen” aus?“

        Unsachlicher Stil, persönliche Unterstellungen und Angriffe, „empört sein“, wenn man ihnen widerspricht. Mediale Hetzkampagnen (z.B. #aufschrei aus nichtigem Anlass) bei denen ein paar therapiebedürftigen Gestörte (Exibitionisten, etc…), tatsächlich strafbare Übergriffe, normales Ansprechen von Frauen und gar einfach nur flüchtige Höflichkeit gegenüber Frauen alles in einen Topf geworfen wird. Ständiges Gerede von „rape culture“, mit der ausgerechnet die westliche Gesellschaft bezeichnet wird. Die „rape culture“ beginnt dabei bei einem kurzen Blick durch einen Mann oder gar bei der Verwendung des Wortes „Frau“.

        Alles wird unter dem Aspekt Geschlecht betrachtet, alles, bis hin zu Albernheiten wie einer „feministischen Programmiersprache“, deren Grundkonzept für Informatiker so unverständlich ist, wie auch Quantenesoterik für Physiker wie Kauderwelsch klingt (siehe: http://www.hastac.org/blogs/ari-schlesinger/2013/11/26/feminism-and-programming-languages#comment-23034 ).

        Es gibt ein Paar Grunddogmen die regelmäßig ins Feld geführt werden und die hiermit gut zusammengefasst sind:

        „1. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen haben nichts mit Biologie zu tun sondern sind sämtlich sozial konstruiert.
        2. Menschen besitzen eine einzige soziale Motivation, nämlich Macht(streben). Das soziale Leben kann allein unter dem Gesichtspunkt verstanden werden auf welche Weise diese Macht eingesetzt wird.
        3. Zwischenmenschliche Handlungen basieren nicht auf der Grundlage der Motive von Einzelpersonen, sondern auf den Motiven von Gruppen, in diesem Fall der Gruppe der Männer die
        die Gruppe der Frauen beherrscht. “
        ( http://asemann.de/?p=97 )

        Alle drei Dogmen sind Unsinn, aber die Gender-Netzwerke können auch jedes der drei Dogmen fallen lassen, wenn es ihr beliebt und ihrer Argumentation nützt.

        Am Ende des Tages ging es um Posten für das eigene Netzwerk.

        „Ich konnte im Netz leider nur obskure Erklärungen auf dubiosen Seiten für den Begriff des Genderismus finden.“

        Die gender studies verwenden nun mal obskure Definitionen, deren Bedeutung sie immer nach belieben abändern, im Zweifel auch mitten in einer Diskussion. Nennt sich Definitionsmacht. Per Definition ist diese nötig um das Patriachat zu bekämpfen.

        Frauen werden als das diskriminiertes Geschlecht _definiert_. Könnte feministische Literatur als Quelle dieser Definition angeben. Glauben Sie nicht? Kann ich wirklich, wollen Sie?

        „Da ‚Frauen‘ die Bezeichnung des in der Geschlechterdifferenz als benachteiligt konstruierten Geschlechts ist, fallen unter diesen Schutz im Ausnahmefall auch (biologische) Männer. Liegt eine geschlechtsbezogene Benachteiligung vor, so ist das Grundrecht auf Gleichberechtigung verletzt. Eine Rechtfertigung für Benachteiligung gibt es nicht. Diese Stufe der verfassungsrechtlichen Prüfung fällt sozusagen weg.“

        Susanne Baer: Würde oder Gleichheit? S. 316 f.

        Der Witz ist nur: Sobald es um Maßnahmen gegen Diskriminierung geht, wird mit „Frau“ natürlich nicht mehr „diskriminierter Mensch“ gemeint, sondern es kommt darauf an, was zwischen den Beinen ist.

        Und auch Anforderungen, zum Beispiel Mindestgrößen, sind – obowhl die Größe offensichtlich kein soziales Konstrukt ist – eine „Frauenbenachteiligung“, da die Verteilung der Körpergröße bei (biologischen) Frauen anders ist als bei (biologischen) Männern. Man stellt also auf plötzlich auf eine Statistik über die Korrelation von Körpergröße und biologischem Geschlecht ab. Aber eine Überprüfung, ob Mindestgrößen für bestimmte Bereiche einen guten Grund haben und – sofern die selbe Mindestgröße unabhängig vom biologischen Geschlecht auf Männer wie Frauen und alles dazwischen angewendet wird – daher keine Frauenbenachteiligung sind, findet nicht statt. Überflüssig: Frauen sind als diskriminiertes Geschlecht definiert. Da gibt es nicht mehr zu prüfen. Erkennen Sie den Definitionssprung?

        Albern? Nein, offenbar funktionierendes Kalkül. Es sollte einem schon bei der Definition auffallen. Natürlich kann man jeden Begriff erst einmal beliebig definieren und – solange man konsistent bei der selben Definition bleibt und jedem die Definition bekannt ist – damit diskutieren. Nur muss man sich schon wundern: Was bringt es einen weit verbreiteten Begriff mit bisher gänzlich anderer Bedeutung, nämlich zur Beschreibung der Rolle bei der Fortpflanzung, plötzlich mit einer für das Wort gänzlich unintuitiven Bedeutung zu füllen? Insbesondere, da es das naheliegendere Wirt „Diskriminierte“ gibt, um diskriminierte Menschen im Allgemeinen zu bezeichnen.

        Es gibt nur einen Sinn: Verwirrung ausnutzen, um „das Patriachat zu dekonstruieren“ (das ist die Generalrechtfertigung für dieses manipulative Vorgehen, das rechtfertigt alles, auch dieses Patriachat erst realitätsfremd zu konstruieren, um es bekämpfen zu können).

        Erst wird die Welt mit den Worten unter Verwendung ihrer unintuitiven, neuen Bedeutung beschrieben und Diskriminierte sind nun mal per Definition diskriminiert, wenn man Frau = Diskriminirte setzt, wer kann dann die Diskriminierung der Frau bestreiten?

        (An diese Stelle sei nochmal betont, das es sich nicht um eine Übertreibung von polemischen Kritikern handelt. Es ist tatsächlich offen nachlesbare Definition in einigen feministischen Schriften. Wird aber in der Öffentlichkeit nicht herumposaunt. Susanne Bear ist Verfassungsrichtern, nominiert wurde sie von den Grünen.)

        Und dann werden politische Forderungen aus diesem Weltbild mit diesen kruden Definitionen abgeleitet.

        Allerdings: Nun sind mit Frauen natürlich diejenigen gemeint, welche entweder die richtigen Geschlechtsorgane haben (siehe einen Aufnahmeantrag der Grünen Jugend, in der explizit nach biologisch „weiblich“ und „nicht weiblich“ gefragt wird; „männlich“ wird übrigends teilweise von Gender-Anhängern nicht als Geschlecht gesehen, das es der universelle, geschlechtslose Normalzustand sein soll und Geschlecht nur zur Unterdrückung erfunden wurde, auch da könnte ich Zitate liefern; daher reden Gender-Anhänger fast nur vom Geschlecht im Singular und es erklärt die Nachfrage der GJ nach „weiblich“ oder „nicht weiblich“) oder zumindest höchstens diejenigen, die nicht Norm-Männer sind und daher per Definition nicht zu den Diskriminierten zählen.

        Zu beachten ist in dem Zitat die offensichtliche Umdeutung der Begriffsbedeutungen, welche die Wörter Frau und Mann in der Verfasung haben: Aus dem Gleichheitsgrundsatz („Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ wird ein reines „schützt danach Frauen vor geschlechtsbezogener Benachteiligung“. Diese einseitige Interpretation gibt nur dann Sinn, wenn man Frau als Diskrimineirte definiert und Männder als alle anderen (oder als die Diskriminierer). Ein Schutz des Mannes ist da nicht notwendig, aus der Definition heraus. Frau sein als gesellschaftlich verursachte Behinderung. Aber warum wurde dann nicht einfach geschrieben „Niemand darf wegen seines Frauseins benachteiligt werden“? Natürlich ist bei näherem Nachdenken klar: 1949 hatten die Begriffe Frau und Mann nicht im entferntesten die Beudeutung in den Augen des Verfassungsgeber gehabt, welche die gender studies ihnen heute gegeben haben. Verfassung und gender studies reden einfach nicht vom selben, nur weil sie die gleichen Wörter verwenden. Wobei das wie schon gesagt auch nicht ganz stimmt: Genauer gesagt reden die gender studies von was sie wollen, mal mit der einen Definition und dann plötzlich – Mitten in der Argumentationskette – mit einer anderen Definition.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: