Die Familie Mustergrün denkt über die Energiewende nach

Die Grünen und die Linken behaupten ja gern, die EEG-Umlage für unsere Haushalte sei nur deshalb so hoch, weil so viele Unternehmen davon »befreit« seien. Sie bezeichnen diese Befreiung als »Subventionen«, »Rabatte« oder auch »Geschenke für Konzerne«.

Und die umweltbewusste vierköpfige Dresdner Familie Mustergrün glaubt daran. Die Mustergrüns wohnen in Dresden-Loschwitz und haben zwei Kinder auf dem Gymnasium Dresden-Bürgerwiese. Sie leben ohne Auto. Beide Eltern und beide Kinder haben eine Jahreskarte der Dresdner Verkehrsbetriebe. Diese Jahreskarten kosten insgesamt 1.894 Euro.


Schauen wir uns die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVBAG) etwas näher an. Sie zählen nämlich zu den »befreiten« oder »beschenkten« Unternehmen. Sie verbrauchen im Jahr rund 60.000.000 kWh Strom. Das entspricht etwa dem Verbrauch von 15.000 vierköpfigen Familien.

Würde dieser Strom mit der EEG-Umlage belastet, wie es die Grünen fordern, müsste die DVBAG 3.744.000 Euro zusätzlich für ihren Strom zahlen. Diese Summe kann die DVBAG entweder auf die Kunden umlegen oder als Verlust verbuchen. Die Verluste müssten allerdings von den Kunden der Stadtwerke oder von den Steuerzahlern ausgeglichen werden.


Wenn die DVBAG die Mehrbelastung von 3.744.000 Euro auf ihre Kunden umlegt, muss sie diesen Betrag zusätzlich erlösen. Der Erlös der DVBAG beträgt ohne die Mehrbelastung etwa 115.000.000 Euro pro Jahr. Müsste sie die Mehrbelastung auf die Fahrpreise umlegen, entspräche das einer Preiserhöhung von etwa 3,25 %.

Das bedeutet für unsere umweltbewusste Familie Mustergrün: Die Jahreskarten der Eltern wären 2014 um jeweils 17 Euro teurer gewesen, die Jahreskarten der beiden Kinder um jeweils 13 Euro. Summa summarum: Bei gleichmäßiger Belastung aller Fahrkarten etwas mehr als 60 Euro Mehrbelastung durch die EEG-Umlage.

Nun könnte man denken, dass die Familie Mustergrün jetzt furchtbar viel Geld spart, weil ja die DVBAG brav ihre EEG-Umlage zahlt. Das ist aber ein Trugschluss: Dieses Geld fließt in den riesigen EEG-Topf, in den alle Stromkunden in ganz Deutschland einzahlen müssen.

Alle in Deutschland bisher befreiten ÖPNV-Unternehmen sparen nach Angaben ihres Verbandes pro Jahr 250 Millionen Euro EEG-Umlage. Verteilt man diese »Ersparnis« auf (grob geschätzt) 25 Millionen private Haushalte, bleibt für jeden Haushalt eine Ersparnis von 10 Euro. Für unseren grünen Musterhaushalt ist das ein ganz schlechtes Geschäft.

Das bedeutet: Bisher wird die »Befreiung« der DVBAG und der anderen ÖPNV-Unternehmen von allen Stromkunden getragen. Nach dem Wegfall dieser Befreiung würde die EEG-Umlage direkt auf die ÖPNV-Nutzer umgelegt. Das würde für die umweltbewussten Mustergrüns richtig teuer.


Diesen Zusammenhang sehen sie aber nicht, wenn sie den Erklärungen der Grünen glauben. Die Grünen verschleiern systematisch die Zusammenhänge, sprechen von »Industrierabatten« – und verschweigen, dass letztlich alle Unternehmen ihre Mehrkosten auf die Kunden umlegen müssen. Manche Familie würde leicht entlastet, manch andere Familie würde höher belastet.

Aber am Ende zahlen bei einem möglichen Wegfall der EEG-Entlastungen immer die Endkunden, die Steuerzahler und die Beitragszahler. Also: Wir. Nur das Verhältnis zwischen direkter und indirekter Belastung würde sich ein wenig verschieben.


Nun könnten die Grünen und Linken der DVBAG das Erhöhen der Preise verbieten, weil das Preiserhöhen ja furchtbar unsozial ist. Also würden sich die Verluste der DVBAG erhöhen. Wenn sich die Verluste der DVBAG erhöhen, geht das allerdings primär zu Lasten der Dresdner Stadtwerke (DREWAG): Entweder sie können weniger investieren oder sie legen die Belastung auf uns als Bürger um.


PS: Warum haben sich die Grünen im Sommer 2013 auf diese peinlichen Veggie-Day-Diskussionen eingelassen? Heute kann ich mir das erklären: Weil ihre Argumente für das EEG so furchtbar dünn sind und weil sie Fragen zu diesem Thema vor der Wahl unbedingt vermeiden mussten.


Anmerkung 1: Leser @Jottes hat mich auf Twitter darauf hingewiesen, dass auch die »befreiten« Unternehmen 0,05 Cent EEG-Umlage pro kWh zahlen müssten. Der Unterschied von 0,8 % ist aber so gering, dass er die Berechnung nicht beeinflusst.


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17 Antworten zu Die Familie Mustergrün denkt über die Energiewende nach

  1. […] Beginn des letzten Artikels wollte ich eigentlich noch eine Grafik zur besseren Darstellung der EEG-Kosten für eine […]

  2. Frank sagt:

    zur Anmerkung 1: So wie ich das bisher verstanden habe, gab es tatsächlich noch nie eine komplette Befreiung der Industrie von der EEG-Umlage – die betreffenden Unternehmen mussten mindestens 0,05 Cent/kWh zahlen. In Wikipedia steht zu dem Thema zwar:

    „Nach Angaben des Bundesumweltministeriums vom März 2012 war durch diese Regelungen zu diesem Zeitpunkt etwa die Hälfte des industriellen Stromverbrauchs ganz oder teilweise von der EEG-Umlage befreit.“

    Laut dort angegebener Quelle bezieht sich das „ganz befreit“ aber nur auf die Unternehmen, die ihren Strom selbst produzierten – alle anderen mussten offensichtlich die oben genannte Gebühr zahlen:

    „Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass besonders stromintensive Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie Schienenbahnen durch die Besondere Ausgleichsregelung im EEG weitestgehend unabhängig von EEG-bedingten Strompreissteigerungen sind. Zum Schutz ihrer Wettbewerbsfähigkeit beträgt ihre EEG-Umlage derzeit in der Regel lediglich 0,05 ct/kWh bzw. – bei Pflicht zur Übernahme eines 10 % Selbstbehalts – etwa 0,4 ct/kWh. Zudem sind Industrieunternehmen, die ihren Strom selber erzeugen und verbrauchen, ohnehin nicht umlagepflichtig.“

    • stefanolix sagt:

      Interessant ist in der Tat der Absatz, auf den Du verwiesen hast: Ich war von einer kompletten Befreiung ausgegangen, obwohl die Verkehrsbetriebe offenbar für einen Anteil bis 1 GWh doch schon EEG-Abgabe zahlen müssen und darüber hinaus auch noch einen geringen Anteil. Die Aussagekraft der Musterrechnung ist dadurch IMHO aber nicht gefährdet. Der Verband der Öffentlichen Verkehrsunternehmen spricht auch von 3% Fahrpreiserhöhung.

      • Frank sagt:

        Die Aussage Deiner Berechnung ändert sich dadurch wirklich nicht großartig, das ist schon richtig.

        Solche verringerten Zahlungen zur Subvention umzudeuten, ist übrigens ein gern gemachter Trick, um angebliche Subventionen zu erfinden. Dafür gibt es einige Beispiele.

      • stefanolix sagt:

        Das wird auch gern verwendet, um von den „eigenen“ (natürlich „positiven“) Subventionen abzulenken.

      • Frank sagt:

        Im vorliegenden Beispiel ist das auf jeden Fall so, dass damit von den Fehlern der eigenen Subvention abgelenkt werden soll.

  3. Antifa sagt:

    Nach dem Wegfall dieser Befreiung würde die EEG-Umlage direkt auf die ÖPNV-Nutzer umgelegt.

    Das stimmt einfach nicht, ist nur ein mögliches Szenario.

    Das würde für die umweltbewussten Mustergrüns richtig teuer.

    Also in dem von Dir dargelegten Beispiel geht es um insgesamt 60 Euro im Jahr an Mehrkosten für eine vierköpfige Familie.

    Aber am Ende zahlen bei einem möglichen Wegfall der EEG-Entlastungen immer die Endkunden, die Steuerzahler und die Beitragszahler. Also: Wir.

    Es hat doch nicht jedes bislang entlastetes Unternehmen gleichzeitig etwas mit dem Endverbraucher zu tun, geht es nicht vielmehr auch um die Beteiligung großer Unternehmen an der Energiewende? Außerdem zahle ich als Endverbraucher doch auch mit Entlastung für Unternehmen höhere Beiträge für den Strom.

    Warum haben sich die Grünen im Sommer 2013 auf diese peinlichen Veggie-Day-Diskussionen eingelassen?

    Was hat denn das mit der Diskussion zu tun?!?

    Wer sollte denn Deiner Meinung nach in Japan und den umliegenden Staaten für die Kosten aus der Fukushima-Katastrophe aufkommen?

    • stefanolix sagt:

      Die DVBAG hat genau eine andere Möglichkeit: Sie macht noch mehr Verluste und muss noch mehr subventioniert werden. Dann trifft es mit den Mustergrüns alle Dresdner, die Kunden der DREWAG und/oder Steuerzahler sind.

      In welchem Szenario würden denn Deiner Meinung nach die Kosten nicht auf die Fahrgäste oder auf uns Dresdner umgelegt? Kannst Du mir das vorrechnen?


      Jedes bisher entlastete Unternehmen, das für den deutschen Markt produziert, hat am Ende mit den Verbrauchern zu tun – Man kann die Produkte ja zurückverfolgen. Die exportierenden Unternehmen sollen ja laut Energiewende-Agenda der Grünen weiterhin „befreit“ bleiben.

      Und wenn ein Unternehmen für die öffentliche Hand produziert, dann zahlen wir als Steuerzahler drauf. Nenne mir doch mal ein bisher befreites Unternehmen, das nicht für den Markt oder für die öffentliche Hand produziert.

      Die „Beteiligung großer Unternehmen an der Energiewende“ bleibt insofern ein inhaltsleeres Schlagwort: Sie werden die Kosten eben nicht selbst tragen, sondern weitergeben.


      Die vierköpfige Familie hat heute bei 4.000 kWh Verbrauch im Jahr schon 250 Euro Mehrkosten allein durch die EEG-Umlage. Das verringert natürlich ihre Kaufkraft und Produkte werden weniger nachgefragt.

      Gleichzeitig gehen Solar- und Windunternehmen in die Insolvenz und die Anzahl der Mitarbeiter in der Solarbranche sinkt kontinuierlich. Von einer positiven Auswirkung der EE auf die Beschäftigung kann schon lange nicht mehr die Rede sein.

      Dieses Geld gehört den Familien und nicht den wenigen Profiteuren aus der EE-Branche. Mag jeder Grüne freiwillig einen Aufpreis für Sonnen- und Windstrom zahlen. Ich will es jedenfalls nicht.

      • Antifa sagt:

        In welchem Szenario würden denn Deiner Meinung nach die Kosten nicht auf die Fahrgäste oder auf uns Dresdner umgelegt? Kannst Du mir das vorrechnen?

        Nö, wie Du schon gesagt hast: „muss noch mehr subventioniert werden“ und ja, aus Steuergeldern oder mit neuen Schulden.

        Jedes bisher entlastete Unternehmen, das für den deutschen Markt produziert, hat am Ende mit den Verbrauchern zu tun – Man kann die Produkte ja zurückverfolgen.

        Gibt es dazu eine Übersicht?

        Die vierköpfige Familie hat heute bei 4.000 kWh Verbrauch im Jahr schon 250 Euro Mehrkosten allein durch die EEG-Umlage. Das verringert natürlich ihre Kaufkraft und Produkte werden weniger nachgefragt.

        Da hilft es nur, Strom zu sparen ;) Wenn gleichzeitig die Kaufkraft sinkt und Produkte weniger nachgefragt werden, dann ist das doch gar nicht so verkehrt.

        Dieses Geld gehört den Familien und nicht den wenigen Profiteuren aus der EE-Branche. Mag jeder Grüne freiwillig einen Aufpreis für Sonnen- und Windstrom zahlen. Ich will es jedenfalls nicht.

        Ich will für so einiges keine Steuern bezahlen und muss es dennoch. Mit welcher Begründung sollte ich denn in Deinen Augen ausgerechnet die „EE-Branche“ besonders kritisch sehen? Nochmal, wer bezahlt denn die Folgekosten bei Unglücken wie in Fukushima?

      • stefanolix sagt:

        Wenn man für nachhaltige Entwicklung ist, muss man den Familien (Haushalten) auch die Mittel dafür lassen. Den privaten Haushalten wird immer mehr Geld entzogen, das sie eigentlich für bessere (nachhaltigere) Güter ausgeben könnten, womit wiederum Energie gespart und Müll vermieden würde.

        Nun könnte man einwenden: Es gibt ja dank der Zwangsabgaben diese wunderbare Kapazität an Sonnen- und Windenergie. Die bisherige EEG-Wende ist aber gerade /nicht/ nachhaltig. Die installierte Kapazität ist an manchen Tagen zu weniger als 1% abrufbar und ganz selten deckt sie mal für ein paar Stunden annähernd den Bedarf..

  4. […] Die Familie Mustergrün denkt über die Energiewende nach […]

  5. Lenbach sagt:

    Einen hübschen Propaganda-Beitrag lieferte heute morgen der Brandenburger SPD-„Forschungspolitiker“ Stephan Hilsberg im Deutschlandradio ab:

    Kohle- oder Atomstrom? Ökologisch keinen Unterschied sieht hier der Brandenburger SPD-Forschungspolitiker Stephan Hilsberg. Wer Klimaschutz will, muss die Braunkohleverstromung aufgeben.

    Der Strom aus Braunkohle ähnelt dem aus Atomenergie. Nicht nur physikalisch, sondern auch politisch gesehen…

    http://www.deutschlandradiokultur.de/energiepolitik-ausstieg-aus-der-braunkohle-jetzt.1005.de.html?dram:article_id=276145

    Da geht es schon los: Der Kohlestrom „ähnelt“ physikalisch also dem Atomstrom (während der gute EE-Strom vollkommen anders gestrickt ist). Die Begriffe Ökologie und Klimaschutz werden lustig durcheinander geworfen und man brüstet sich noch damit, keinen Unterschied zu sehen.

    Wie einst die Atomlobby wirbt sie beim Verbraucher mit niedrigen Produktionskosten. Doch sie verschweigt, worum es ihr wirklich geht – um ihre Gewinne. Davon hat der Kunde aber nichts, denn der Strompreis wird vom teuersten Erzeuger getrieben.

    usw.

  6. Nobilitatis sagt:

    Der Vorwurf, die EEG-Umlage würde bei Unternehmen auf die Kunden umgelegt, ist ein allgemeiner. Er trifft nicht nur auf die Dresdner Verkehrsbetriebe zu, sondern auf alle Unternehmen. Die Ausnahme hatte das Ziel, Wettbewerbsverzerrungen mit Anbietern aus dem nichtzahlenden Ausland zu vermeiden.
    Was den Beitrag so zusammenfasst, dass entweder nur Privathaushalte zahlen sollen, oder das EEG abgeschafft werden müsste.

    • stefanolix sagt:

      Die Ausnahmeregelung hatte ganz offenbar noch weitere Ziele, denn die ÖPNV-Schienenverkehrsunternehmen waren ja schon immer davon befreit – und sie stehen sicher nicht in Konkurrenz mit ausländischen Anbietern


      Die ganze Konstruktion des EEG ist kaputt. Damit hat der Staat doch die denkbar unsinnigsten Anreize geschaffen: Baue schnell und billig.

      Es gibt keinerlei Anreiz, in moderne Speichertechnik zu investieren – also wird auch keine solche Technik entwickelt. Es gibt kaum einen Anreiz zur Verbesserung des Wirkungsgrades und zur Verbesserung unserer Netze.

      Wenn sich der Staat Ende der 1990er Jahre entschlossen hätte, die Forschung sowie die F&E-Investitionen der Unternehmen auf den Gebieten Wind und Solar mit zusätzlichen 20 Milliarden Euro zu stützen, wäre der Schaden für uns als Steuerzahler und Verbraucher viel geringer und der Nutzen für die Umwelt möglicherweise sogar höher.

      Das EEG vereint die schlimmsten Seiten der Planwirtschaft mit den schlimmsten Seiten der Marktwirtschaft.


      • Nobilitatis sagt:

        Damit haben Sie durchaus recht. Aber ein Anreiz für Speichertechnologie wäre schon mal, dass Energie manchmal verschenkt werden muss und manchmal teuer verkauft werden kann. Was ist eigentlich aus dem Pumpspeicherwerk Niederwartha geworden?

      • stefanolix sagt:

        Das Pumpspeicherwerk arbeitet noch, ist aber m. W. stark sanierungsbedürftig. Es kann allerdings so wenig Energie speichern, dass es uns bei der Energiewende nicht wirklich weiterhelfen wird. Es ist die Frage, ob dort ein technisches Denkmal bleiben wird – der praktische Nutzen dürfte sich in Grenzen halten.

        Wir bräuchten in Deutschland tausende solche Pumpspeicherwerke, wenn wir wirksam Energie speichern wollten. Das Prinzip Pumpspeicherwerk ist nicht die Lösung für das Speicherproblem.

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