Anmerkungen zum #Aufschrei-Buch (3): Differenzierte und weniger differenzierte Beiträge im Netz

Das peinlichste Beispiel für schlechten Journalismus lieferte die Frankfurter Rundschau: Es ist ein Interview, das distanzloser nicht sein könnte und das sich auf reine Stichwortgeberei beschränkt. Es wird von der Journalistin Katrin Gottschalk geführt, die selbst als Chefredakteurin einer feministischen Zeitschrift tätig ist.

Diese Interessenlage wird von der »Frankfurter Rundschau« natürlich nicht offengelegt. So wird das Interview zur Farce und es sind keine auch nur annähernd differenzierten Betrachtungen zu erwarten. [Hinweis: Die Seite wurde leider schon nach wenigen Stunden wieder vom Netz genommen und ist momentan (08.10.2014, 22.20 Uhr) nicht zu finden.]

[Nachtrag 09.10.2014: Der Twitter-Account @FRonline hat sich in zwei Tweets zu dem Thema geäußert.]

»Der Artikel ist versehentlich online gegangen und wurde daher wieder gelöscht.«

»Es gibt Artikel, die bieten wir nur im Print, in der App und im E-Paper an. Dieser gehört dazu.«


Ein kurzer Podcast von Harald Martenstein ist dagegen sehr hörenswert. Er sagt zwei Autorinnen aus dem #Aufschrei-Kollektiv: »Sie sind das Establishment von heute.« Und das Establishment darf man (muss man!) in einer freien Gesellschaft kritisieren können.

In dem Podcast wird eine Forderung angesprochen, die mir gar nicht aufgefallen war. Die Frauenministerin Manuela Schwesig wollte die Bahn zwingen, mehrere hundert Frauen auf nutzlosen Bürokratie-Posten als sogenannte Gleichstellungsbeauftragte einzustellen [Männer werden dabei von vornherein diskriminiert]. Das hätte bei sehr vorsichtig kalkulierten 60.000 Euro Gesamtkosten pro Stelle mal eben 57 Millionen Euro pro Jahr gekostet. Zitat aus dem SPIEGEL:

Für Ärger sorgt auch die Forderung nach mehr Gleichstellungsbeauftragten. Das Verteidigungsministerium hat ausgerechnet, dass es dafür die Stellen von 100 auf 200 verdoppeln müsste. Der Staatsbetrieb Deutsche Bahn kalkuliert für die Tochterfirmen mit mindestens 960 neuen Stellen.

Nun ist es nicht soweit gekommen, weil die CDU-Ministerien aufgepasst haben. Aber der Versuch ist schon erschreckend. Das ist eine teure Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu Lasten der Bürger, die einfach nur mit der Bahn fahren und nicht noch mehr teure Bürokraten durchfüttern wollen. Zumal Bürokraten ja oftmals auch noch die Leistungsprozesse lahmlegen, um eine Existenzberechtigung zu behalten …


Ein interessantes Stück über das #Aufschrei-Buch stammt von einer Leser-Autorin des »freitag«: Marlen Hobrack schreibt kenntnisreich über die Vorgeschichte und legt einige Schwächen des #Aufschrei-Buchs offen.

Lucas Schoppe stellt das ganze #Amazongate ironisch in historische Zusammenhänge und wird dann aber ernst:

Die krankhafte rhetorische Aufrüstung, die sich bei Seemann, Stefanowitsch und anderen – auch auf der Seite der Kritiker Wizoreks – findet, hat eigentlich nur eine Konsequenz: nämlich die, dass sachliche Kritik völlig untergeht.


Zum Schluss noch ein Hinweis von Harald Martenstein an die Radikalfeministinnen: »Behandeln Sie Ihre Kritiker einfach so fair, wie Sie selbst behandelt werden möchten.« – Tja, Frau Wizorek, wie kommen Sie jetzt aus dieser Nummer raus?

Abstruser Vorwurf. (Klick vergrößert).

Abstruser Vorwurf. (Klick vergrößert).


PS (1): Die Verkaufszahlen bei Thalia (Rang 5.150) und Amazon (Rang 9.676) lassen nicht auf einen Verkaufsschlager schließen. Worüber reden wir hier eigentlich? Über einen Luftzug im Elfenbeinturm?


PS (2): Dieser Artikel hat zwei Vorgänger: Im ersten Artikel ging es um die einseitige Wahrnehmung von Sexismus in der Politik und im zweiten unter anderem um die Umgangsformen der radikalen Gender-Aktivist*Innen mit anderen Menschen.


PS (3): Arne Hoffmann setzt derweil das »maskulistische« Stilmittel Sarkasmus ein, um die Entscheidung der Frankfurter Rundschau zu kommentieren.


12 Antworten zu Anmerkungen zum #Aufschrei-Buch (3): Differenzierte und weniger differenzierte Beiträge im Netz

  1. Muyserin sagt:

    Schrecklich. Ich bin deprimiert.

  2. Gerlinde sagt:

    Sorry, auch ich muss dann wohl auf ‚morgen und Besserung‘ warten – grmpf; absolut nicht Deine Schuld, Junge! Du hast nur Info zur Verfuegung gestellt/darauf hingewiesen = best one can do!
    Wenn ‚DIESE‘ (‚tollen Frauen‘) von einem Regierungs-System SO behandelt wuerden, wie sie selbst agieren, wuerden sie das aber todsicher gaaanz anders und passend benennen ^^!
    Startet ‚Dieses Wort‘ nicht irgendwie mit „D“ ;-) ?!
    Lass DU Dich in Umkehr mal lieber von uns liebevoll troesten – es war wirklich kein Fehler Deinerseits zu sehen – mM!

  3. Spruance sagt:

    Lieber Stefanolix,

    nachdem ich vor Jahren auf „Rat“ der Tochter eines Freundes versucht habe, die Grundlagen des Genderismus (sage ich jetzt) kennenzulernen und, trotz Investition großer Portionen von Gemütsruhe, niemals auch nur eine verwertbare Erkenntnis gefunden hatte, sondern nur schillerndes Geschwätz mit ständig changierenden „Definitionen“ fand, bin ich nicht mehr bereit, dieser Infektion auch nur mehr als periphere Aufmerksamkeit zu widmen.
    Wenn es den Proponentinnen (oder *innen) gelungen ist, Beamtenposten zu ergattern, schön für sie und gleichzeitig Schande über die Institutionen, die in ihrer intellektuellen Wachsamkeit nachgelassen hatten. Vielleicht läutet diese Entwicklung ja das Todesurteil der Massenuniversität ein. Ist das schade? Nur, solange es nicht durch etwas Besseres ersetzt wird; da könnte manche Institution, die auf Qualität achtet, punkten. Traurig nur, daß das alles der Steuerzahler finanzieren muß. Es könnte aber sein, daß diejenigen, die am stärksten auf den Staat zählen, was ihr persönliches Fortkommen angeht, auch unter dessen finanzieller Impotenz zu leiden haben. Zuerst werden alllerdings natürlich die zahlenden Bürger leiden.

    Herzlich, Thomas

  4. aranxo sagt:

    Der Podcast von Harald Martenstein war auch seine Kolumne im Zeit Magazin von letzter Woche. Da habe ich das mit den Hunderten von neuen Gleichstellungsstellen bei Bahn und Bundeswehr auch schon gelesen.
    Einerseits ein galoppierender Irrsinn, andererseits auch wieder nur konsequent. Schließlich müssen die hunderte von Gender Studies-Absolventinnen ja irgendwo auf dem Arbeitsmarkt untergebracht werden. Dort werden diese Gleichstellerinnen feststellen, wie benachteiligt Frauen immer noch allerorten sind, was natürlich unbedingt noch mehr „wissenschaftlich“ „erforscht“ werden muss, was zu noch mehr Gender Studies-Lehrstühlen und noch mehr Absolventinnen darin führen wird. Mithin ist die Feminismus-Industrie ein blühendes Geschäft.
    Warum nur erinnert mich das irgendwie an die christlichen Kirchen, besonders in den vergangenen Jahrhunderten? Überflüssig wie ein Kropf, völlig unproduktiv für die Gesellschaft, auf den dort geschaffenen und von der Gesellschaft bezahlten Stellen kann man wunderbar eine ruhige Kugel schieben, und sie beziehen ihre einzige Existenzberechtigung aus dem schlechten Gewissen der anderen, das sie aber sehr geschickt immer weiter schüren. Die Parallelen sind unverkennbar.

  5. Gerlinde sagt:

    Wenns gesamt ’nach absichtlich erfundene Jobs zum ruhige Kugel schieben‘ geht, moechte ich die Maennerwelt auch nicht gerne naeher untersuchen – sorry ;-) !
    Ausserdem: bei eeetwas angewandter Logik haetten wir SOfort eine Herde von Arbeitslosen mehr indem man unnoetige, unsinnige Berufe ‚ab-erfindet‘.
    Aber DAS ist wieder eine andere Geschichte; mich stoert einfach die gegenseitige Feindschaft der Geschlechter aufeinander. Gut, was die Pille den Frauen an sog. Freiheit brachte, wurde dann wohl durch’s Hintertuerchen damit bestraft, dass sie auf dem Arbeitsmarkt aber trotzdem nicht dieselbe Bezahlung bekommen. Weeeer z. Kuckuck ist wohl sooo sehr darauf erpicht, dass man entweder UNbedingt nur als Mann-und-Frau-Kombination ueberleben kann bzw. die Maenner alleine sehr wohl?
    Gleichzeitig aber nicht einmal diese traumhaften (= wenn sie funktioniert, dann sehr wohl so zu nennen!) Mann-und-Frau-Kombinationen mehr ‚rueckwaertser‘ koennen; sprich: seltenst, dass sich ein Ehepaar heutzutage auch LEISTEN kann, die Frau nicht ausserhaeusig arbeiten und MITgeldverdienen zu haben. DAS nennt man dann Fortschritt – kopfkratz?
    DAS ist der EINZIGE Streitpunkt der Gender, welchen ich akzeptiere: Frau von sich abhaengig haben wollen (?) aber KEINE Verantwortung uebernehmen (= zahlen; bei Scheidungen) und/oder Frauen UNabhaengig (und jederzeit abschiebbar – beide Seiten allerdings gleich interessiert !) haben wollen und auch in dieser Form nicht zahlen !!! Und das Ganze staatlich bewacht ^^!
    MM muessten/sollten diese Gender-Ueberwacher gar nicht notwendig sein, wenn der Staat da etwas schaerfer durchgegriffen haette !

    • stefanolix sagt:

      Ich weiß ja nicht, wie das in Australien aussieht. Aber hier in Deutschland werden die meisten Scheidungsväter sehr hart in die Verantwortung genommen. Wo legales Einkommen oder Vermögen greifbar sind, werden sie auch für den Unterhalt der Kinder bzw. den Unterhalt der Frau herangezogen. Gerade in den Fällen, wo sich Paare ein Haus bauen und noch viele Jahre abzahlen müssten, ruiniert eine Scheidung auch den Mann.

      Sicher gibt es extreme Fälle, in denen Männer z. B. nach Thailand auswandern oder ihr Einkommen verschleiern bzw. teilweise aus Schwarzarbeit beziehen. Aber in unserem durchbürokratisierten Staat dürfte es eher die Ausnahme sein, und so will ja wohl eigentlich niemand leben.

  6. Gerlinde sagt:

    evtl. speziell f. ‚aranxo‘ mit Augenzwinkern und auch dem vorsichtigen Einwurf: wenn wir aaaalles automatisieren haben wir auch niemanden mehr mit ausreichend Einkommen um sich die technisch geschaffenen Gueter ueberhaupt leisten zu koennen – right?
    Es ist schwierig einen richtigen Kreislauf dazu hinzukriegen – bet!
    Einen schlechten schon eingefahrenen zu aendern auch und ueberhaupt: das gesamte Thema ‚riecht nach Arbeit‘ ;-)

    Das passende Video … [geändert: Link statt Einbettung.]

  7. Gerlinde sagt:

    Sorry Stefanolix; wusste nicht dass Du auch ’so einen automatisierten‘ Blog hast, wo das gleich aufscheint.
    Kannst ruhig loeschen, wenn ungelegen. Evtl. dann die You-tube-Nr. einstellen mit der letzten Nr. absichtlich falsch und dem Hinweis mit welcher Richtigen diese stattdessen zu ersetzen waere?

  8. mitm sagt:

    „Die Frauenministerin Manuela Schwesig wollte die Bahn zwingen, mehrere hundert Frauen auf nutzlosen Bürokratie-Posten als sogenannte Gleichstellungsbeauftragte einzustellen“

    Bei dem aktuellen Gesetzentwurf von Schwesig und Co. (den ich nicht kenne) geht es vermutlich nur darum, die Betriebsgröße zu senken, ab wann eine hauptberufliche Gleichstellungsbeauftragte eingestellt werden muß, oder z.B. für jeden Standort eines Unternehmens eine eigene statt nur eine in der Zentrale.

    Die wenigen 100 neuen Stellen sind Peanuts im Vergleich zum von der SPD angestrebten Entgeltgleichheitsgesetz, die grob geschätzt mehrere 10,000 Stellen für eine neue Gender-Fahndungsbehörde schaffen will. Gesetzentwurf s. hier http://dipbt.bundestag.de/extrakt/ba/WP17/451/45122.html bzw. Volltext hier: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/097/1709781.pdf

    Das geplante Entgeltgleichheitsgesetz soll die Unternehmen z.B. zwingen, einer Frau, die einen Master in Literatur oder irgendwas mit Medien hat, das gleiche Gehalt zu zahlen wie einem Diplomingenieur, denn beide haben ja „vergleichbare Qualifikationen“. Mit anderen Worten sollen die Tarifstrukturen des öffentlichen Dienstes (und tw. der großen Tarifverträge), wo ausschließlich die Klassifikation des formalen Bildungsabschlusses zählt, allen Unternehmen aufgezwungen werden. Betroffen sein sollte nach dem Entwurf jeder Betrieb mit mehr als 15 Mitarbeitern.

    Hierzu müssen die Unternehmen minutiös jeden Einflußfaktor, der bei der Bestimmung eines Gehalts relevant war, dokumentieren, und dürfen dabei Faktoren, die überwiegend bei Männern vorliegen, nicht besonders günstig bewerten, denn das wäre eine Diskriminierung. $3 Absatz (3) definiert „Gleichwertige Arbeit“ mittels Gummibegriffen wie „tatsächlichen Anforderungen und Belastungen“, der erhöhte Marktpreis für seltene Qualifikationen spielt keine Rollen, ebenso nicht die persönliche Leistungsfähigkeit / Effizienz / Qualität einzelner Mitarbeiter (wie halt im ÖD üblich).

    Absatz (3) legt weiter fest: „Das Gesamtsystem muss so beschaffen sein, dass Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts im Ergebnis ausgeschlossen sind.“ D.h. im Mittel müssen Männer und Frauen den gleichen Stundenlohn bekommen, auch wenn sie andere Tätigkeiten ausüben.

    Unternehmen ab 15 Mitarbeitern müssen sich also eine „diskriminierungsfreie“ Tarifstruktur zulegen und deren Praktizierung durch detaillierte Dokumentierung überprüfbar machen. Die Überprüfung selber wird durch eine Art Steuerfahndung durchgeführt, die aus abertausenden vor Ort prüfenden Fahndern besteht sowie zentralen Einheiten (Antidiskriminierungsstelle des Bundes) zur Ausbildung, Akkreditierung und Koordinierung der Fahnder sowie vermutlich auch zur zentralen Sammlung von Vergleichsdaten.

    Das Gesetz wurde 2012 von CDU/FPD abgelehnt. Die SPD hat dieses Gesetz keineswegs aufgegeben und damit weiter im Wahlkampf geworben: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/wahlprogramm-spd-will-steuern-erhoehen-12110974.html „….. Zudem sollen Frauen mit Quoten und einem „Entgeltgleichstellungsgesetz“ in der Wirtschaft per Gesetz bessere Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten eröffnet werden. ….“

    Die Grünen sind natürlich auch dafür: http://www.rp-online.de/politik/deutschland/goering-eckardt-fordert-entgeltgleichheitsgesetz-fuer-maenner-und-frauen-aid-1.4418825

    Ich weiß nicht, ob einzelne Details aus dem Entgeltgleichheitsgesetz in das neue Schwesig-Gesetz diffundiert sind, wäre interessant zu wissen.

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