Exhibitionismus ist #unerwünscht

Sehen wir an diesem kalten Tag den nackten Tatsachen ins Auge: Unter hundert heterosexuellen Männern gibt es vier Männer mit einer Neigung zum Exhibitionismus. Einige davon entblößen sich in der Öffentlichkeit vor Frauen und Mädchen. Etwa ein Viertel der Täter wird aggressiv und tätlich. Im Augenblick der Tat sind Exhibitionisten von einem Drang besessen und können sich nicht selbst steuern.

Exhibitionismus wird von Medizinern als Persönlichkeits- oder Verhaltensstörung betrachtet und kann eine »schwere seelische Abartigkeit« sein. Forensische Psychiater müssen Straftäter und Straftaten beurteilen. Sie haben zum Phänomen Exhibitionismus folgende Erkenntnisse gewonnen [siehe Quelle 1]:

  • die meisten Exhibitionisten sind (außer dieser Veranlagung) »psychopathologisch weitgehend unauffällig« und sozial integriert
  • die Exhibition der Geschlechtsteile dient oft der Kompensation eigener Ohnmacht und Angst
  • Exhibitionisten mit aggressiver Tendenz wollen bei Mädchen oder Frauen Schrecken und Angst auslösen
  • die Tat kann bei Männern mit einem niedrigen Grad an (sozialer) Intelligenz (»Minderbegabten«) als  »unbeholfenes Kontaktangebot« interpretiert werden

Forensische Psychiater unterscheiden in [1] die folgenden drei Gruppen von Exhibitionisten:

  1. der Exhibitionist im mittleren Alter, der aufgrund von Kränkungen, Angst und Frustration ein gestörtes Selbstwertgefühl hat
  2. der unsichere und unbeholfene jugendliche Exhibitionist, der »scheu, einzelgängerisch und kontaktarm« ist
  3. der »instabile, sozial randständige Exhibitionist« mit häufig aggressiven Zügen

[Quelle 1] Jürgen Leo Müller, Norbert Nedopil: Forensische Psychiatrie: Klinik, Begutachtung und Behandlung zwischen Psychiatrie und Recht; Georg Thieme Verlag; 2012


Exhibitionismus kann nach deutschem Recht strafbar sein. Er ist laut § 183 StGB nur bei Männern unter folgenden Voraussetzungen strafbar: Es ist jemand durch die exhibitionistische Handlung belästigt worden und die Tat muss angezeigt werden.

Exhibitionismus wird nur auf Antrag verfolgt. Die Strafverfolgungsbehörde kann aber wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten halten, wenn etwa ein Täter wiederholt in der Fußgängerzone auftritt.

Exhibitionistische Handlungen können allerdings als öffentlich sexuelle Handlungen interpretiert werden. Sie können dann nach § 183a StGB auch als »Erregung öffentlichen Ärgernisses« verfolgt werden. Das gilt dann für Männer und Frauen gleichermaßen. Die Größenordnung für beide Paragraphen zusammen lag in Deutschland zwischen 1995 und 2014 insgesamt zwischen etwa 7.000 und 10.000 Fällen im Jahr [Quelle].

Was ich bisher nicht wusste: In § 183 (3) StGB wird explizit eine mögliche Therapie erwähnt. Zitat: »Das Gericht kann die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe auch dann zur Bewährung aussetzen, wenn zu erwarten ist, dass der Täter erst nach einer längeren Heilbehandlung keine exhibitionistischen Handlungen mehr vornehmen wird.«


Wenn ich diese Erkenntnisse aus Psychologie und Recht für mich zusammenfasse, komme ich zu folgenden Erkenntnissen:

  1. Exhibitionismus ist therapierbar. Wenn ein Mann diese Neigung an sich bemerkt und zur Reflexion in der Lage ist, kann er sich einer Psychologin oder einem Psychologen anvertrauen. Menschen aus sozial besseren Schichten haben eine höhere Chance auf Therapie.
  2. Die Tat wird von Männern begangen, die tendenziell eher am Rande der Gesellschaft stehen. Sie wissen nichts von den Therapiemöglichkeiten. Sie haben keine Bezugspersonen, denen sie sich öffnen können. Sie sind oft selbst verunsichert und fühlen sich ausgegrenzt.
  3. Statistische Schlussfolgerung: Eine sehr kleine Anzahl an Tätern kann bereits sehr viele Frauen und Mädchen erschrecken, belästigen oder in Angst versetzen. Das kann durch häufige Wiederholung oder durch Exhibition vor einer Gruppe geschehen.

Aktivistinnen haben nun die Aktion #unerwünscht gestartet. Diese Aktion soll auf Belästigungen durch Exhibitionismus hinweisen und Fälle sammeln. Angesichts des Anteils der Exhibitionisten an der Gesamtzahl der Männer und angesichts der oben beschriebenen Profile der »Täter« muss man sich die Frage stellen: Wem nutzt das?

Die Aktion kann ganz offensichtlich nicht der Prävention dienen: Man beeinflusst keinen der drei oben beschriebenen Täter-Typen mit Kurzmeldungen auf Twitter. Eher besteht die Gefahr, dass sie sich noch mehr Aufmerksamkeit für ihren Exhibitionismus (und vielleicht die Erwähnung im nächsten storify) erhoffen.

Diese Aktion wurde von Anfang an so aufgezogen, dass es nicht um Exhibitionisten, sondern um Männer geht. Die Aktivistin Anke Domscheidt-Berg twitterte explizit:

frage an männer: war Euch das ausmaß bekannt, in dem männer in der öffentlichkeit ihre schwänze auspacken?

Exhibitionisten können zweifellos bedrohlich und belästigend wirken. Ich habe mich im privaten Kreis umgehört und von solchen Fällen (aber auch von Gerüchten) gehört. Es sind aber immer bedauerliche Einzelfälle. Es darf dabei nicht pauschal um alle Männer gehen.

Was ich zu dem Thema in kurzer Recherche herausgefunden habe, sollte auch einer Gender-Aktivistin bewusst sein: Kein Mann, der bei klarem Verstand und psychisch gesund ist, entblößt im ÖPNV, in der Fußgängerzone oder im Kaufhaus seine Geschlechtsorgane.

Exhibitionismus ist kein bewusst eingesetztes Mittel zur Unterdrückung von Frauen, sondern es ist eine krankhafte Aktion von (möglicherweise) Unterdrückten und an den Rand Gedrängten, die psychische Probleme haben. Das wird bei #unerwuenscht bewusst ausgeblendet.


Warum wurde also diese Aktion ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt initiiert? Die WELT schrieb in einem viel beachteten Kommentar:

In teilweise atemberaubender Empathielosigkeit gegenüber den weiblichen Opfern von Köln, Hamburg, Bielefeld, Stuttgart, Frankfurt und anderswo verteidigen viele von denen, die sich sonst tagtäglich für „Gender-Mainstreaming“ einsetzen und die „Festung Europa“ attackieren, ihre eigene Festung im Kopf.
(…)
Im Übrigen gelte es nun, Rechtspopulisten, Nazis und Rassisten, die politischen Profiteure der Ereignisse, noch stärker zu bekämpfen.

In diesem Artikel ist explizit das Umfeld der radikalen Genderaktivisten und Netzfeministinnen gemeint. Die Aktion #unerwünscht kann auch nur im Rahmen dieser Ideologie des radikalen (Netz)-Feminismus einen Sinn ergeben. Er hat momentan das Ziel, von den Ereignissen in Köln abzulenken. Er hat darüber hinaus das permanente Ziel, Männer als Unterdrücker und Aggressoren hinzustellen.

Jeder der in #unerwuenscht veröffentlichten Tweets kann objektiv wahre Ereignisse, subjektive Wahrnehmungen, Gerüchte oder sogar rein fiktive Erzählungen enthalten. Aus Einzelfällen und mutmaßlichen Einzelfällen soll wieder einmal eine Bedrohung der Frauen durch (vornehmlich weiße, heterosexuelle) Männer konstruiert werden.

Es gibt aber in Wahrheit keine pauschale Bedrohung durch Männer, sondern es gibt eine Bedrohung durch eine ganz winzige Minderheit: Gehen wir von 4 % exhibitionistisch veranlagten Männern aus, dann wird sicher ein bestimmter Anteil davon therapiert und bekommt diese Veranlagung unter Kontrolle.

Von den übrig gebliebenen tatsächlichen »Tätern« werden 25 % aggressiv. Somit sind wir bei einem winzigen Bruchteil aller Männer angekommen. Diese sind (a) als Exhibitionisten veranlagt, (b) noch nicht therapiert, und werden (c) Frauen wirklich gefährlich. Der oben zitierte Tweet müsste also lauten:

War Euch das Ausmaß bekannt, in dem einige wenige therapiebedürftige Exhibitionisten in der Öffentlichkeit ihren Penis auspacken?

Wenn die Aktion #unerwünscht von Anfang an thematisiert hätte, dass es sich um therapiebedürftige Einzeltäter handelt, hätte ich keinerlei Einwand dagegen gehabt. Aber mit Sachlichkeit kann man nun mal keine neue Kampagne gegen Männer aufziehen, keine Klicks generieren und sich nicht in das Licht der Öffentlichkeit drängen.


PS: Ich bitte alle meine Leserinnen und Leser hier in den Kommentaren und auch in den Tweets zu diesem Thema um anständige Umgangsformen. In der Sache kann man hart diskutieren – aber Beleidigungen, Beschimpfungen und Bedrohungen vergiften das Klima für uns alle.


19 Antworten zu Exhibitionismus ist #unerwünscht

  1. […] Blog “Stefanolix” schrieb im Hinblick auf diesen, in der Zeitschrift “Welt” erschienen Artikel […]

  2. […] wird wieder mehr getrollt, als dass es tatsächlich Erlebnisberichte gibt. Die Blogs emmanzer und Stefanolix haben bereits […]

  3. Dummerjan sagt:

    Ich bin sehr dankbar, dass Du das Thema aufgreifst – denn es trifft im Zweifel häufig Menschen, die krank sind. Eine psychische Erkrankung, die andere Menschen belästigt ist schon sehr schwierig, aber andererseits sind es doch ausgerechnet die Gerechtigkeitsfanatiker im Internet, die an dieser Stelle die Randständigen der Gesellschaft noch weiter ausgrenzen.

    Inklusion für alle, solange es keine Anstrengung kostet. Sobald es schwierig oder unappetitlich wird ist Schluss mit Toleranz und Engagement.

  4. JeanP sagt:

    Bei Männern ist es Exhibitionismus.

    Bei Frauen „Kunst“
    http://www.ksta.de/koeln/nacktkuenstlerin-protestiert-vor-dem-koelner-dom-sote,15187530,33481286.html

    Was würde wohl passieren, käme ein Exhibitionist auf den Gedanken, das was er tut, als Kunst zu deklarieren?

    Danke für den Artikel!

  5. […] Kurznachrichten vom 18.1. haben mich auf Stefanolix’ Kommentar zu #unerwünscht aufmerksam gemacht. Ich schließe mich dem an. Und ich finde es beschämend wie weit der […]

  6. mitm sagt:

    Danke für die interessante Zusammenstellung der Informationen.

    „Unter hundert heterosexuellen Männern gibt es vier Männer mit einer Neigung zum Exhibitionismus.“

    Wo kommt die Angabe 4% her? Aus [1]? Kommt mir erstaunlich viel vor, allerdings ist „Neigung“ ein dehnbarer Begriff.

    „Einige davon“

    Bei ca. 25 Mio erwachsenen Männern und ca. 8000 Gerichtsfällen wäre das eine Quote von ca. 0.3 Promille. Anders gesagt müßte man ca. 3000 Männern begegnen, um einen Täter dabei zu haben (der aber vermutlich gerade in dem Moment keinen Anfall hat). Selbst wenn man eine hohe Dunkelziffer annimmt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, einen solchen Fall innerhalb eines Jahres einmal mitzuerleben, extrem klein.

    Vermutlich soll hier wieder der Trick mit den #Aufschrei-Statistiken wiederholt werden, wonach man den Erfassungzeitraum beliebig große macht und dann so tut, als passierte das täglich. In Ihrem storify-Artikel liegen mehrere zitierter Fälle über 10 jahre zurück.

    „Aus Einzelfällen und mutmaßlichen Einzelfällen soll wieder einmal eine Bedrohung der Frauen durch (vornehmlich weiße, heterosexuelle) Männer konstruiert werden.“

    Diese Absicht ist kaum übersehbar, deswegen frage ich mich, wieso ein medienerfahrener Aktivist wie Domscheidt-Berg glaubt, damit durchzukommen. Ist das jetzt nur eine Selbstversicherung des immerwährenden Opferstatus innerhalb der eigenen Filterblase? Oder glaubt sie selber daran, das sei ein Massenphänomen?

    • stefanolix sagt:

      Meine Erklärung: Es gibt Veranlagungen, die wir als Erwachsene durch kulturelle und soziale Bindungen unterdrücken können.

      Nehmen wir an, dass die reine Veranlagung auf alle Männer (jeder Intelligenz und Stellung) verteilt ist.

      Wer in einer Bindung lebt, wer sozial in eine Gruppe integriert ist, unterliegt im übertragenen Sinne auch einem »Herdenschutz«. Übertragen auf Exhibitionismus: Das soziale Umfeld hält vermutlich die meisten Veranlagten von der Ausführung ab. Nämlich alle mit einem IQ oberhalb einer gewissen Grenze und sozialer Bindung.

      Auffällig wird es bei Menschen mit einem sehr niedrigen IQ und gleichzeitig mit sehr schwachen sozialen Beziehungen.

      Über die Motive von Frau Domscheidt-Berg kann ich jetzt nicht spekulieren, weil die Arbeit auf dem Schreibtisch wartet. Die Hauptmotivation nach Köln ist m. E. das Werfen von (sprichwörtlich) roten Heringen. Je stinkender, desto besser.

      • lomi sagt:

        Ich glaube, dass das Motiv „Nebelkerze“ überbewertet wird. Dies ist ja eine Zuschreibung der politischen Gegner der Feministinnen und auch wieder nur Teil einer Kampagne. Endlich einmal meint man den Linken ihre Bigotterie aufgezeigt zu haben.

        Dabei ist nicht wichtig, ob die tatsächlich bigott sind. Bigotterie ist stets Teil öffentlicher Kampagnen. Das ist etwas, was alle politischen Aktivisten aufweisen.

        Ich denke, es ist wesentlich einfacher gelagert:
        Köln bietet ein Thema mit großer medialer Aufmerksamkeit. Als Skandalthema lässt es die Emotionen hochkochen und führt zu polarisierenden Diskussionen. Also kann man das Thema als Vehikel nutzen, um die eigene Position zu propagieren und die eigenen politischen Forderungen zu pushen. Das ist ganz klassisches Moralunternehmertum. Und ich sehe da gegenwärtig, dass alle Interessengruppen ihre politische Suppe auf den Flammen der Kölner Silvesternacht kochen. Die Moralunternehmer finden sich überall im politischen Spektrum.

        Was da viel interessanter ist: Die rechte und die linke Skandalisierung bedingen einander. Die rechte Skandalisierung nutzt die feministische Empörung über sexuelle Gewalt für sich. Daran dockt der Feminismus nun wieder an und versucht, die von den Rechten aufgekochte Empörung in ihre Kanäle zu lenken. Das Ende vom Lied sind Verschärfungen im Strafrecht und die Umsetzung von GEsetzen, die zuvor keine Chance auf Mehrheiten hatten, aber jetzt dank der Stimmung im Lande nahezu alternativlos erscheinen. Auch wenn diese Gesetze letztlich nicht den Kern des Problems berühren, schon gar nicht die Ursachen für Köln anpacken.

      • stefanolix sagt:

        Zweifellos gibt es (neben anderen) auch rechte und religiöse Bigotterie. Aber diese Arten der Bigotterie werden m. E. bereits überall ausreichend gewürdigt und außerdem haben deren Vertreter eher wenig Sendezeit im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk oder auch Raum in den Zeitungen.

        Zum Thema Skandalisierung und Gesetzesverschärfung: Sehe ich ähnlich. Wir haben genügend Gesetze. Es kommt auf die Stärkung der Organe des Rechtsstaats an!

      • lomi sagt:

        Ich meine auch nicht, dass rechte Bigotterie nicht ausreichend gewürdigt werden würde. Da hast Du recht, dass das hinreichend thematisiert wird. Es geht nicht ums Aufrechnen. Vielmehr wollte ich daran erinnern, dass Bigotterie und der Vorwurf der Bigotterie elementare Bestandteile des öffentlichen politischen Kampfes sind. Insofern ist der Bigotterie-Vorwurf gegenüber dem Feminismus auch oft nur politischer Kampf. Das gehört zu dieser Debatte dazu, das zu berücksichtigen. Nur weil ich Feminismuskritiker bin, will ich nicht mit braunen Wölfen heulen.

        „Zum Thema Skandalisierung und Gesetzesverschärfung: Sehe ich ähnlich. Wir haben genügend Gesetze. Es kommt auf die Stärkung der Organe des Rechtsstaats an!“

        Es ist halt gefährlich, wenn über Stimmungen und Emotionen Politik gemacht wird. So werden Projekte umgesetzt, die womöglich auch starke Eingriffe in die Bürgerrechte nach sich ziehen. Im Grunde agiert die „Öffentlichkeit“ wie im Rausch, um dann dereinst verkatert zu erwachen, wenn es zu spät ist.

        Es ist der Nachteil einer nur polarisierenden, auf Freund-Feind-Schemata abhebenden Debatte, dass die genaue Analyse unter den Tisch fällt. Die Analyse würde wahrscheinlich sehr deutlich zeigen, dass viele Gesetzesvorhaben mit Köln nichts zu tun haben und dass die Defizite (Vollzugsdefizit als Stichwort) wo anders liegen. Aber es liegt in der Natur der polarisierenden Freund-Feind-Debatten, dass es zu einer Eskalation und zu einer Emotionalisierung kommt und alle Tore damit weit aufgestoßen werden für die kühl-berechnende Lobbypolitik – zu der ganz definitiv im Moment auch #ausnahmslos gehört, weil auch sie sofort mit altbekannten politischen Forderungen antreten.

      • stefanolix sagt:

        Gedankenexperiment: Ich gehe davon aus, dass es bei der Aktion #unerwünscht nicht um Selbstdarstellung, Politik oder Ideologie gegangen ist. Ich unterstelle als Motiv das Eintreten gegen Belästigung von Frauen und Mädchen.

        Selbst im Rahmen dieses Gedankenexperiments ist die Annahme einer Erfolgsaussicht doch völlig absurd. Ein Mensch aus dem Täterkreis, der sich wirklich öffentlich entblößt, um Frauen und Mädchen zu erschrecken, zu ärgern oder auf absurde Weise zu beeindrucken – der ist entweder gar nicht auf Twitter [weil die Schwelle für ihn zu hoch ist] oder er fühlt sich durch die Beachtung des Exhibitionismus eher noch angestachelt.

        Ich bin ohne Wenn und Aber ein Befürworter der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und ich lebe das auch. Meine Frau und ich haben sehr jung geheiratet. Wir sind bis heute in unserer Erwerbsarbeit, im Einkommen und in den Rechten/Pflichten in der Familie im Gleichgewicht. Das ist zum Teil auch der Tradition aus den letzten Jahren der DDR geschuldet – wir sind mit sehr weitgehender Gleichberechtigung in der Gesellschaft aufgewachsen.

        Gerade deshalb bin ich ohne Wenn und Aber ein Gegner der Gender-Ideologie und des radikalen Netzfeminismus. Beide sind totalitär in der Durchsetzung ihrer Ziele. Dort geht es immer um Doppelstandards und gerade nicht um das Konzept der gleichen Rechte und gleichen Pflichten. Deshalb waren die beiden Absätze oben ein Gedankenexperiment: Ich kann bei radikalen Ideologinnen und Ideologen nichts anderes erkennen als Ideologie/Polit-PR mit den miesesten (rhetorischen) Tricks …

  7. Antifa sagt:

    Kann es sein dass Du in Deinem Hass gegen Feministinnen und Feministen (Gender-Ideologie, radikaler Netzfeminismus usw. usf.) manche Aktion einfach auf- um nicht zu sagen total überbewertest? Lass sie doch bei Twitter unter einem Hashtag(!) übergriffiges Verhalten thematisieren. Das wird weder einen politischen Diskurs in Deutschland beeinflussen, noch, wie Du schon richtig geschrieben hast, irgendeinen Exhibitionisten davon abhalten, es erneut zu tun.

    „Er [(Netz)-Feminismus] hat momentan das Ziel, von den Ereignissen in Köln abzulenken. Er hat darüber hinaus das permanente Ziel, Männer als Unterdrücker und Aggressoren hinzustellen.“

    Ist das so? Falls es bei der Hashtag-Aktion tatsächlich darum geht, von den extrem vielschichtigen und komplexen „Ereignisse“ der Silvesternacht „abzulenken“, dann hätte ich gern einen Beleg für diese Behauptung.

    „Jeder der in #unerwuenscht veröffentlichten Tweets kann objektiv wahre Ereignisse, subjektive Wahrnehmungen, Gerüchte oder sogar rein fiktive Erzählungen enthalten. Aus Einzelfällen und mutmaßlichen Einzelfällen soll wieder einmal eine Bedrohung der Frauen durch (vornehmlich weiße, heterosexuelle) Männer konstruiert werden.“

    Wenn sich Betroffene dadurch besser fühlen, dann lass sie doch ihren Netzaktivismus als zugegeben einfaches Mittel, um sich Gehör zu verschaffen. Vielleicht habe ich auch einfach nur den Textabschnitt oder Blogbeitrag übersehen, in dem sich hier mit Gewalt gegen Frauen auseinandergesetzt wird, aber eine tatsächlich stattfindende Bedrohung von Frauen zu thematisieren, halte ich jedenfalls immer für eine gute Idee, auch wenn es manchmal an der Umsetzung hapert.

    • stefanolix sagt:

      1. Auf dem Niveau »Kann es sein, dass du in deinem Hass …« kann man aus gut nachvollziehbaren Gründen nicht diskutieren: Ich wäre jetzt gezwungen, Dir auch einen Hass anzudichten und dann könnten wir uns das gegenseitig um die Ohren hauen.

      2. Wer einigermaßen aufmerksam Zeitung liest und sich online in Medien informiert, muss die konzertierte Aktion zur Relativierung der Übergriffe von Köln wahrgenommen haben. Ich werde jetzt die Meldungen aus 14 Tagen nicht alle noch mal aufrollen, denn das ist nicht meine Bringepflicht, sondern Deine Holepflicht.

      3. Es geht bei politisch initiierten Aktionen nicht darum, dass etwas für die Betroffenen (in diesem Fall die von Exhibitionismus betroffenen Frauen) getan wird. Es geht um die Maximierung der Aufmerksamkeit für Personen oder für Interessengruppen.

      4. Ich habe mich in dem Beitrag lang und breit mit den Ursachen und Auswirkungen des Exhibitionismus auseinandergesetzt. Ich habe im Artikel und in den Kommentaren auch nachgewiesen, dass die Aktion #unerwünscht gerade nicht gegen Exhibitionismus helfen kann.

      • Besorgter Bürger sagt:

        Weiß eigentlich deine Frau was Du hier so schreibst? Oder ist das gerade das Problem?

      • stefanolix sagt:

        Meine Frau ist gebildet und bringt eine reiche Lebenserfahrung ein. Natürlich habe ich mich mit ihr über dieses Thema ausgetauscht.

      • Antifa sagt:

        4. Habe ich irgendwo das Gegenteil behauptet?

        „Konzertierte Aktion zur Relativierung der Übergriffe von Köln“ / „politisch initiierte Aktionen“

        Gefangen in einer Welt aus Unterstellungen und Behauptungen. Genauso könnte ich behaupten, die Debatte über die Ereignisse von Köln hätten zu einer weiteren Verschlechterung des sowieso schon rassistisch aufgeladenen Klimas in Deutschland beigetragen.

        Ich sehe mit Ausnahme eines Tweets nicht einen(!) Beleg für diese These. Aber gut, wenn es dazu einer Holepflicht bedarf, dann kann ich mir das kommentieren auch sparen.

    • Archeopteryx sagt:

      Antifa sät HASS.

    • Demonstrant sagt:

      „Falls es bei der Hashtag-Aktion tatsächlich darum geht, von den extrem vielschichtigen und komplexen “Ereignisse” der Silvesternacht “abzulenken”, dann hätte ich gern einen Beleg für diese Behauptung.“

      Sehr gut.
      „extrem vielschichtig und komplex“ warendie „Ereignisse“.
      Jetzt um Lenins Willen nicht pauschalieren.
      Im Gegenteil, Differenzierung ist Menschenpflicht.

      Leider sagt mir keiner, wie ich differenzieren soll.
      Bis vor einem Vierteljahr war das klar. Die vielen Millionen Verbrechen von Muslimen waren durch die Bank weg Einzeltaten, die nichts mit dem Islam zu tun haben. Und wir mussten wir zwischen den wenigen bösen Muslimisten und vielen ganz lieben Muslimen differenzieren.

      Seit Köln hört man nichts mehr von Muslimen und Muslimisten. Dabei hätte mich gerade in diesem Fall interessiert, ob die tausend Täter zur winzigkleinen Minderheit böser Muslimisten gehört oder zur überwiegenden Mehrheit lieber Muslime.

      Antifaschist, kannst Du das auflösen, vielleicht sogar „extrem vielschichtige und komplex“?

  8. […] Störung handelt, haben die Initiatoren der Kampagne gänzlich übersehen. In seinem Blog hat Stefanolix diesen Gesichtspunkt ausführlich […]

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