Bürgerversammlung in der Kreuzkirche: »Medien – zwischen Wahrheit und Lüge?«

Hinweis in eigener Sache: Der folgende Bericht ist eine Rohfassung. Eine Einordnung und Kommentierung folgt irgendwann in den nächsten Tagen. Änderungen in der Substanz werde ich kennzeichnen, kleinere Schreibfehler und Ungenauigkeiten stillschweigend beheben.


Kurz vor 19.00 ist das Kirchenschiff noch nicht wirklich dicht besetzt. Die Emporen sind geschlossen. Auf dem (symbolischen Podium) sollen auftreten:

  • Prof. Dr. Lutz M. Hagen (Medienwissenschaftler)
  • Stefan Locke (Korrespondent der FAZ in Sachsen)
  • Heinrich Löbbers (Redakteur in der Sächsischen Zeitung)

Pünktliche Begrüßung durch den Gastgeber Superintendent Christian Behr: Das schöne Wetter scheine die Ursache für die nicht so zahlreiche Beteiligung (wie auch an den letzen Gottesdiensten) zu sein. Seine These von den »Kirchen als Orten des Austauschs« kann man allerdings hinterfragen …

Der Gastgeber erinnerte dann an die letzte Bürgerversammlung, in der es um muslimische Mitbürger in Dresden ging.

Das Thema »Wahrheit in den Medien« habe eine lange Geschichte: den von der SED gelenkten Medien (Neues Deutschland) in der DDR-Zeit konnte man ja nicht trauen. Nach der Wende gab es zunächst großes Vertrauen in die nun freien Medien und in das Engagement der Journalisten. Dieses Vertrauen wich zunächst einem Misstrauen, bevor es zu Wut und Hass in Richtung der Medien kam.

Die Veranstalter haben das Format umgekehrt (wie angekündigt): erst »Input« aus den Reihen der Bürger und dann die Diskussionsbeiträge der Referenten. Es sollte dann eine »Murmelphase« zum Austausch mit den Nachbarn geben – und im Anschluss ein Orgelstück als Ruhepunkt.


Peter Stawowy stellte sich zuerst selbst vor: als Medienberater und Moderator. Er führte kurz in das Thema ein, sagte etwas zum Unmut über die »Lügenpresse« und zum Gesprächsbedarf zwischen Journalisten und Bürgern [hier ist sein Beitrag im Vorfeld der Veranstaltung].

Er wies auch auf die Regeln hin: Thema sollte nur die Stadt Dresden sein, man solle sich kurz fassen, nach 90 Sekunden ertöne im Normalfall die Klangschale.


An dieser Stelle habe ich mich noch mal umgeschaut: Wer ist hier die Zielgruppe? Das Kirchenschiff ist jetzt locker gefüllt, Interesse ist vorhanden. Viele Beteiligte scheinen sich schon zu kennen.


Ein Herr Engel macht den Anfang: er ärgere sich über das Angebot in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten und bei den Privaten. Er sprach vom Quotenkrieg und von der Vermittlung »grottenschlechter Charaktereigenschaften«. Gebe es nicht einen Bildungsauftrag? Er war nicht mit dem Fernsehen einverstanden. Und: Warum öffnete sich die Kirche für einen Krimi-Dreh? Er sei auch mit Kommentaren zu Israel nicht einverstanden.


Eine Frau ist überzeugt: Die Journalisten gehen den falschen Weg, weil sie kein »gesundes Nationalgefühl mehr zulassen«. Viele Bürger wüssten nicht mehr, »wo wir stehen«. Ein gesundes Nationalgefühl sei etwas ganz Normales. Sie zitierte Simone Weill: Die Verwurzelung in der Tradition sei das Wichtigste – die Entwurzelung gehört zu den gefährlichsten Krankheiten.


In einem weiteren Wortbeitrag wird auf die Eigentumsverhältnisse der Sächsischen Zeitung hingewiesen (es ist eine Beteiligung der SPD). Auf die Ausrichtung der Zeitung soll später eingegangen werden.


Eine Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche ist über das aktuelle Verhältnis zwischen Journalisten und Bürgern irritiert. Ihr macht Angst, dass der Begriff »Lügenpresse« genutzt wird und dass Journalisten angegriffen bzw. an ihrer Arbeit gehindert würden. Sie hat in der ersten Runde als einzige eine professionelle Sicht auf Presse.


Prof. Hagen vertrat nun sieben Thesen zur Qualität des Journalismus in Deutschland. Ich gebe sie in Kurzform und sinngemäß wieder:

  1. Journalismus sei nie fehlerfrei gewesen und könne es nicht sein (Zeitdruck, Leistungsdruck).
  2. Die Qualität des Journalismus in DE habe abgenommen: er beobachte eine Boulevardisierung. Aufstieg des Fernsehens und des Internets setzten andere Kriterien auch für den Printjournalismus.
  3. Die Qualität des Journalismus in DE sei international (immer noch) in der Spitze. Lüge sei nicht die Regel in unserem Mediensystem.
  4. Die Ressourcenkrise sei eine Bedrohung für die Medien. BILD-online habe z.B. eine sehr hohe Reichweite, während die Print-Auflage der BILD kontinuierlich sinkt.
  5. Das Vertrauen der Bürger in die Medien sei seit langer Zeit nicht mehr gut. Die Presse sollte die Mächtigen kontrollieren, sei aber selbst ein Teil der Macht. Nur 30 bis 40% vertrauten noch in den Journalismus.
  6. Journalisten könnten mehr tun, um die Bevölkerung zu repräsentieren. Die Mehrheit der Journalisten sei links eingestellt. Er sprach von Zielgruppenferne, viele Journalisten hätten einen Erziehungsauftrag. Die ÖR-Medien hätten den Nachteil, dass die Parteien sich die ÖR zu eigen machen. Die »Indexing-Hypothese« besage: Die Elite vertritt Meinungen → die Presse schreibt.
  7. Das Internet entfesselt. Es sei Segen und Fluch zugleich. Algorithmen entscheiden(?), was wir zu lesen bekämen. Er erwähnte auch die »hostile-media-Hypothese«, sie besagt etwa: Je stärker jemand Parteigänger einer bestimmten Linie ist, desto mehr fühlt er sich von den Medien betrogen.

Als Abschluss: Im Internet seien bestimmte Leute sehr laut. Wer sich laut zu Wort meldet, ist aber nicht unbedingt repräsentativ (Beispiel: Leserbriefe). Er erwähnte die Diskussion im Presserat: Soll man die Nationalität der Straftäter nennen? Unter den Journalisten werde überlegt, ob man die Regel abschafft.


Heinrich Löbbers begann seinen Beitrag mit einem originellen Spruch: »Ich stehe in der Kirche und soll beweisen, dass ich kein Lügner bin.« Den Begriff Lügenpresse finde man auch im Dynamo-Stadion.

Im Verhältnis zwischen Lesern und Journalisten komme Misstrauen zum Ausdruck. Die Leser mischten sich offensiv ein, stellten Forderungen von einer festen Position aus. Es seien spannende und interessante Zeit für Journalisten.

Der Vorwurf der Lüge sei falsch, denn Glaubwürdigkeit sei ihr Kapital. Die Presse sei nicht »gelenkt«. Es gebe keinen Einfluss der SPD. Wenn es eine Kontroverse gebe, müsse sie ins Blatt geholt werden. Positionen und Perspektiven seien in der Kolumne von Prof. Patzelt und Michael Bittner zu finden. Man erwäge nun die Gründung eines Leserbeirats.


Stefan Locke ging zunächst auf die Kritik am Fernsehen ein. Das Feuilleton seiner Zeitung sähe durchaus auch eine Verschlechterung des Fernsehprogramms.

Pegida sei beruflich für ihn günstig gewesen, da viele Menschen etwas über Pegida wissen wollten. Auch er führte sich mit einem prägnanten Spruch ein. Es gebe nämlich tatsächlich eine Anweisung von oben: »Schreiben Sie mal auf, was in der Stadt passiert.«

Viele seiner Artikel seien von der Seite der Pegida-Befürworter und Pegida-Gegner kritisiert worden. Er habe aber auch Hass gespürt und den Vorwurf gehört, es sei wieder »wie zu DDR-Zeiten«.

Nein, es sei nicht alles gut in den Medien. Die Fehlerkultur sei ausbaufähig. Auch in Sachen Pegida habe es Vorurteile und Fehler gegeben – aber niemals eine Verschwörung zur Lüge: »Die Realität zeigt ja, dass die Wahrheit doch ans Licht kommt.«

Locke weiter: »Auch ich rege mich auf beim Zeitungslesen« – und genau das sei auch der Sinn der Zeitung. Im Internet könne man das klicken, was bestätigt. In der Zeitung könne man fremden Meinungen nicht so einfach ausweichen.


Es folgte die Murmelrunde, in der man sich mit seinen Nachbarn unterhalten sollte. Da ich nun sehr schnell mitgeschrieben hatte, kam logischerweise die Frage: Sind Sie Journalist?

Eine Frau stellt sich mir als Ärztin und gleichzeitig Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit vor. Sie erzählt Begebenheiten: wie ihre fachlichen Pressemitteilungen falsch wiedergegeben wurden und wie ein Journalist bitter enttäuscht gewesen sei, als sie ihm seine Meinung nicht bestätigen konnte.

In unserer kleinen Runde waren wir uns schnell einig: Mit der Fachkunde von Journalisten ist so eine Sache, wenn man selbst etwas vom Fachgebiet X versteht. Immerhin konnten wir uns auf ein Lob für die FAZ einigen, aber die DNN und die Sächsische Zeitung kamen bei den Umsitzenden nicht wirklich gut weg.


Es folgte eine sehr beruhigende ORGELMUSIK – ja, man müsste mal wieder ein Orgelkonzert in der Kreuzkirche hören. Nach einem Blick auf die Uhr wurde klar: Noch eine Stunde Veranstaltungszeit ist etwa geplant.

Nun muss ich vorgreifen: Einer meiner Nachbarn war (wie ich später erfahren habe) mit Pegida verbunden. Ich kannte ja dort niemanden. Mein Nachbar nannte mir einige Namen und ordnete einige Beteiligte der Pegida zu. In jedem Fall sprachen aber die Beiträge auch für sich, sodass die Zuordnung plausibel ist.


Ab jetzt verlasse ich die chronologische Darstellung an einigen Stellen und fasse die Pegida-Beiträge zum Teil zusammen:

Einer der Gründer von Pegida fragte rhetorisch: »Wie ist es denn zum Begriff Lügenpresse gekommen?« Seine Antwort: Erst sei gar nicht berichtet worden. Dann sei »Manfred aus Striesen« zur Demo gegangen und die Zeitung habe über die Demo ganz anders berichtet, als es Manfred als Teilnehmer erlebt habe. In den Unterhaltungen der Pegida-Anhänger untereinander habe sich ein Misstrauen entwickelt. Er monierte auch: Sachsen werde in der Presse als Schandfleck hingestellt und die Nazi-Keule werde geschwungen.

Ein weiterer Vertreter von Pegida stellte sich in der ersten Runde als »Robin aus Dresden« vor: Die Parole Lügenpresse sei eben eine Kurzfassung. Er nahm Bezug auf den Bericht über die Bachmann-Aussage zum »Schauprozess« – die »Sächsische Zeitung« habe über Bachmanns Begründung für diese Einordnung nicht  differenziert berichtet.


Dann sprach Herr Vogel, ein Stadtrat von der AfD. Er sagte sinngemäß: es gebe auch eine Zone zwischen Wahrheit und Lüge, nämlich das Verschweigen. Oft fehlte in den Stadtrat-Berichten der Beitrag der AfD fehlt. Obwohl er gewählter Stadtrat der AfD sei, könne er den Termin seiner Sprechstunde nirgendwo in die Lokalpresse unterbringen.


Der letzte Redner in der ersten Runde begann mit: »Ich bin ein Mensch.« Er erinnerte an das (offenbar fehlende) Bewusstsein zum Holen von Informationen. Wir als Bürger sollten auf Plakate und Werbeflächen und deren Einfluss achten. Er monierte als Abstinenter den Spruch »Bleib wie Dein Bier …«. Er zitierte dann sinngemäß das Gelassenheitsgebet.


Nun bekam zuerst der SäZ-Redakteur Heinrich Löbbers das Wort für seine 90-Sekunden-Stellungnahme. Hier und bei den weiteren Stellungnahmen der Journalisten zeigte sich schnell: 90 Sekunden sind einfach zu wenig Zeit, um auf Positionen eingehen zu können.

Löbbers sagte jedenfalls: Ein Bericht sein immer ein Ausschnitt aus der Realität und zu jedem Bericht gehöre auch die Wahrnehmung beim Empfänger. Dass Bachmann seinen Prozess als Schauprozess bezeichnet habe, sei nun mal die Kernaussage gewesen. Im Übrigen: Die »Nazikeule« sei auch geeignet, um eine Opferrolle für Pegida zu reklamieren.


Ein Herr stellte sich als »Physiker und Leser« vor und verteidigte die Journalisten. Er kenne keinen Journalisten, der ein Lügner sei. Es gebe aber durchaus Falschmeldungen, Falschdarstellungen und Tendenzjournalismus – aufgrund der »Journalistenfalle«: Große Konzerne und Lobbyvereine setzten Pressemitteilungen zur Manipulation in die Welt, die Fallen für Journalisten, Halbwahrheit und Verkürzungen enthielten.

Es folgt ein Herr, der von sich sagt, dass er schon bei der ersten Veranstaltung dabei gewesen sei: Früher sei man ins Gefängnis gekommen, heute würden Menschen medial hingerichtet. Eva Herman sei von den Bildschirmen verschwunden und bankrott. Sarrazin sei ebenfalls medial benachteiligt worden. In Sachen Bachmann-Urteil sprach er von »9600 Euro plus Gerichtskosten für eine Lappalie«. Im Bachmann-Prozess habe es ein Eigeninteresse eines Journalisten der MOPO gegeben.


Eine weitere Wortmeldung: Die Mehrheit der Journalisten sei links orientiert und wolle die Menschen erziehen. Erwachsene sollten aber nicht bevormundet werden. Die Meinung der Journalisten sei links, somit gingen sie kritischer mit Pegida um. Die Presse habe sich entfremdet vom Publikum und werde zu recht als Lügenpresse empfunden. Weiter: Es sei auch »Lüge«, wenn Meldungen hoher Bedeutung nicht gesendet werden. Ein EU-Funktionär namens Timmermann habe nämlich 2015 eine »Durchmischung« der Welt gefordert. Er habe außerdem recherchiert: Thomas Barnett »The Pentagon’s New Map«.


Stefan Locke antwortete, er habe 30 Pegida-Veranstaltungen miterlebt. Pegida habe nicht mit den Medien gesprochen. Zum Thema »Schauprozess«: Die Maßstäbe für Begriffe seien verrutscht. Er erinnerte an Roland Freisler. Er bezog sich auch ausdrücklich auf die Möglichkeit der Verteidigung vor Gericht im Dritten Reich und heute. Sarrazin und Herman seien nicht in ihrer Freiheit eingeschränkt: Sie verkauften Bücher in hohen Auflagen.

Der Journalismus sei nicht links und es gebe keine Entfremdung. Er gab dann auch den Hinweis auf die WELT, in der man eher rechte und konservative Themen finden könne.


Eine Frau namens Beate Förster bezeichnete die »Lügenpresse«, den »Fremdenfeind« und den »Hasser« sinngemäß als unangemessene Pauschalisierung. Demokratie lebe von freier Presse, ohne die vierte Macht im Staat gebe es keine Demokratie. Napoleon habe vor der Presse größeren Respekt als vor den Bajonetten gehabt. Die Leit- und Premiummedien spielten heute eine unrühmliche Rolle …

Es wurde dann auf die Geschichte mit den protestierenden Schülern vor dem Schauspielhaus Bezug genommen, die ja anfangs wirklich kein Ruhmesblatt der Dresdner Presse war. Die Wahrheit wurde erst sehr spät richtig gestellt, als ein Video auftauchte.


Ein Herr ereifert sich über Dramatisierung: überall würden Rassisten, Menschenfeinde, Angst und Schrecken dargestellt. Es werde oft »hinten herum« argumentiert (Rückgang des Tourismus, weniger Steuern), aber im Januar und Februar seien die Zahlen gestiegen. Das SäZ-Erklärungsmuster sei: Pegida schade dem Tourismus (es gebe aber in Wahrheit mehrere Einflussfaktoren). Kritisiert wird auch die Russland-Berichterstattung der SäZ, z. B. zu den von SIPRI festgestellten Rüstungsausgaben.

Wieder ein Pegida-Anhänger: Pegida war das Ergebnis einer Entwicklung, die Presse habe »subjektiv« reagiert. Es habe Weglassen und Subjektivität gegeben. Journalisten hätten das Vertrauen der Bürger verloren.

Es wird aus diesem Kreis der Pegida-nahen Diskussionsteilnehmer auch auf Kündigungen aufgrund der Aktivität für Pegida verwiesen, die nicht in der Presse berücksichtigt worden seien. Es lässt sich nicht klären, ob es solche Kündigungen gab.


Prof. Hagen weist in seinen 90 Sekunden darauf hin, dass es im Journalismus einen Unterschied gibt: zwischen Wertung und Aussage, Kommentar und Nachricht. Der SäZ-Redakteur Löbbers geht in den Verteidigungsmodus:

Ja, die Medien hätten teilweise »verpennt« und einen Bereich der Gesellschaft nicht im Blick gehabt. Journalisten seien eine sehr homogene Gruppe mit ähnlicher Haltung. Neue Kollegen sollen »passen«. Deshalb habe man externe Autoren ins Blatt geholt, die eine größere Breite von Meinungen repräsentierten.


Eine junge Frau stellte sich als Studentin vor, sie kam aus einer Gruppe von vier (habituell linken) Studentinnen: Sie sei seit 1.5 Jahren in Dresden und wohne auf der Petersburger Straße. Sie habe einer Pegida-Demo das Plakat »Refugees welcome« entgegengehalten und Abscheulichkeiten zu hören bekommen. Es klingt plausibel – aber ihr Beitrag hat mit Presse und Medien gar nichts zu tun.


Es folgt prompt die Gegenrede einer anderen Frau: eine linke Demonstration von Antideutschen wird (mit konkreten Parolen der Deutschlandfeindlichkeit). Im Verfassungsschutzbericht sei die Anzahl der Straftaten der Linken stark gestiegen.


Es folgten Gerlinde Kind und ein Mann, der etwas später zu Wort kam. Beide leben nach eigener Aussage ohne Fernseher und leiden als »Fernsehlose« unter der Ungerechtigkeit, den vollen Rundfunkbeitrag bezahlen zu müssen. Ihre Beschwerde:

Die lokalen Zeitungen berichteten nicht über das Problem der Gebührenverweigerung (nur die SäZ habe einmal aus dem Gericht berichtet). Die Medien seien staatsnah. Dann ein interessanter Spruch: Die finanzielle Lage der Zeitungen sei sicher für die Qualitätseinbußen verantwortlich – aber das Fernsehen bekäme andererseits ja sehr enorme Summen und die Qualität werde trotzdem nicht besser.

Hintergrund: Pegida strebt einen Volksentscheid mit dem Ziel an, dass Sachsen aus dem Rundfunkstaatsvertrag aussteigen und einen eigenen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gründen soll.


Ein russischstämmiger Mann spricht über russische Medien: Eine Lügenpresse sei nicht unsere Presse, die vieles verschweigt, sondern die russische Presse, die wirklich lüge: zu Ukraine, Kindesmisshandlung oder auch den Panama-Papers. Russische Flaggen seien bei Pegida pro Putin. Es gebe keine Flaggen von Frankreich oder Simbabwe – nur russische. Er sieht viele »Putin-Versteher« bei Pegida.


Ein Martin(?) kritisiert die Wortwahl der Presse und die mangelnde Differenzierung (vor allem zwischen: rechts, rechtsradikal, rechtsextrem).

Margitta ist wieder eine eindeutige Pegida-Anhängerin: Es gebe Stinkefinger von Gegnern und Pegida werde mit Anfeindungen überzogen. Sie spricht das Vermummungsverbot an: Warum durften am Montag Vermummte das Plakat »Rassismus tötet« zeigen?


Wieder Stefan Locke: Das Bewusstsein für die Unterscheidung (rechts, rechtsradikal, rechtsextrem) solle geschärft werden. Pegida bringe ein Misstrauen in die Medien zum Ausdruck. Er verteidigt aber Weglassen und Subjektivität: es gebe unterschiedliche Wünsche der Leser und man müsse natürlich Kompromisse aus Platzgründen machen.

Er sagt, die Gegendemonstranten kritisierten die FAZ ebenfalls schwer. Es gebe Vorwürfe von beiden Seiten. Vielleicht liege die FAZ insgesamt also gar nicht so falsch. Klare Aussage von Locke: Wer zu Pegida hingehe unterstützt das, was gesagt wird.


H. Löbbers zur Berichterstattung aus dem Stadtrat: verantwortlich sei die Stadtredaktion. Es gebe keine Vorgaben, die AfD auszuschließen. Es gebe aber auch keine Vorgabe, dass alle Fraktionen erwähnt werden müssten. Löbbers fordert auch auf: Bitte melden, wenn jemandem wegen Pegida gekündigt wurde.


Bleibt das Schlusswort des Gastgebers: Er hätte es sich konstruktiver gewünscht (ja: ich auch). Dann der Auftritt von Dirk Hilbert: er resümiert eine faire Diskussion unterschiedlicher Meinungen, lobt das Zuhören auch bei gegenteiliger Meinung. Er lobt auch die Medienlandschaft mit großer Bandbreite (vier Tageszeitungen). Keine Gleichschaltung. Es gebe durchaus Meinungsvielfalt. MP Tillich habe für den 09.06. zugesagt.

Zum Tourismus: Außerhalb Dresdens werde Dresden kritisch betrachtet, v.a. in Westdeutschland. Er bekomme auch Post: die Absender wollten nicht mehr nach Dresden. Wir sollten als Stadt kritisch unsere Außenwirkung reflektieren.

Der Superintendent bittet um Zurückhaltung gegenüber MP Tillich und sagt: »Wir haben heute kein Pressebashing gemacht.«

Der Abend endet mit Orgelmusik. Leider eher aufwühlend und etwas dissonant. Diesmal eher nicht beruhigend …


Soweit meine Aufzeichnungen. Ich bin leider in den nächsten beiden Tagen beruflich sehr eingespannt. Sollten Wünsche und Hinweise kommen: Es kann sein, dass ich nicht immer sofort reagieren kann …


Ergänzungen


Zusatz (1): Ich hatte den Eindruck, dass die Teilnehmer aus den Reihen der Pegida einen großen Teil der 90-Sekunden-Beiträge bestritten haben. Sie waren gut vernetzt und haben ihre Chancen an den Mikrofonen genutzt – sie haben aber niemanden verdrängt.

Das ist auf der einen Seite legitim: Pegida-Anhänger sind Bürger wie alle anderen auch. Auf der anderen Seite kamen neutrale Positionen oder Gegenpositionen zur Pegida aus den Reihen der Bürger kaum zu Wort.


Zusatz (2): Es ist immer etwas langweilig, wenn sich auf einem Podium alle einig sind. Die beiden Journalisten, der Medienforscher und der Medienberater kamen im Grunde alle aus derselben Medien-Elite. Sie waren naturgemäß im Vorteil:

Es verleiht in einer Versammlung Geltung und Autorität, wenn jemand in einem Impulsreferat sieben Thesen über den Journalismus vortragen kann und dafür mehr Zeit bekommt als die anderen Teilnehmer. Was leider fehlte: sieben Gegenthesen aus Sicht der Medienkonsumenten.

So entstand am Ende der Eindruck: Auf der einen Seite stehen die Vertreter der Medien-Elite: Moderator, Professor und Journalisten. Auf der anderen Seite (an den Mikrofonen und strukturell benachteiligt): das Volk.


22 Antworten zu Bürgerversammlung in der Kreuzkirche: »Medien – zwischen Wahrheit und Lüge?«

  1. Frank Nagel sagt:

    Danke für den Bericht! Da warst Du ja gestern Abend noch noch ganz schön fleißig angesichts dieser Textmenge. Ich wollte ursprünglich selbst hingehen.

    Letztlich ist es durchaus so, dass der Begriff „Lügenpresse“ von Anfang an falsch war. Wie die eine Frau sagte: Es ist eine unangemessene Pauschalisierung. Wirkliche Lügen werden nur in wenigen Fällen verbreitet und wenn ja, dann passiert das auch eher bei Themen wie Energiewende oder Landwirtschaft (z.B. Glyphosat), wo es dem Unwissen oder der Ideologie des Journalisten geschuldet ist. Aber es gibt in verschiedenen Bereichen Verbesserungsbedarf in der Berichterstattung, wie ja offensichtlich mehrere Teilnehmer beschrieben.

    Was ich übrigens auch beim letzten Besuch in der Kreuzkirche dachte: Man müsste mal wieder ein Orgelkonzert in der Kreuzkirche hören. Da hast Du Recht!

    • stefanolix sagt:

      1. Es gibt wieder eine Soundcloud-Aufnahme: Klick!

      2. Ich habe ja meine Meinung fast völlig aus dem Artikel herausgehalten. Es gab Licht und Schatten. Zufrieden bin ich naturgemäß nicht, weil die Veranstaltung /mir/ im Grunde nichts Neues über Medien gebracht hat.

  2. Danke für die Dokumentation – ich hätte gar nichts dagegen, noch mehr von deiner persönlichen Meinung zu erfahren, wie Du die Veranstaltung fandest und was man besser machen könnte (bzw. ob das Format in der Form Sinn macht – dazu hast du dich ja bei Twitter geäußert).

    Eine Anmerkung zu deinen Anmerkungen:

    Mich irritiert: „Die beiden Journalisten, der Medienforscher und der Medienberater kamen im Grunde alle aus derselben Medien-Elite.“ Das geht für mich in die gleiche Richtung, wie wenn ein Teilnehmer ein Richter-Urteil (Stichwort: Bachmann-Prozess) komplett in Frage stellt und keinerlei Widerspruch erntet. Stufst du die Aussagen eines Wissenschaftlers als gleichwertig mit denen der „Betroffenen“ ein? Das ist eine Gleichmacherei, die ich zunehmend problematisch finde. Nichts gegen einen kritischen Umgang mit Wissenschaft oder Rechtsprechung. Aber ich störe mich daran, dass die Kritik bzw. die kritische Haltung immer undifferenzierter wird. In meinen Augen gehst du damit dieser billigen „die da oben, wir hier unten“-Rhetorik auf den Leim.

    Was mich in der Veranstaltung selbst sehr irritiert hat: Es waren m.E. zwei Beiträge dabei, die ganz klar in die Kategorie „Wortergreifungsstrategie“ gehören. Beide kamen von zwei jungen Männern, von denen mind. einer auch durch sein szenetypisches Äußeres klar zu erkennen war. Beide Beiträge dienten dazu, die Wut auf das System und die „Lügenpresse“ weiter anzuheizen. Ich habe das kurz als Moderator kommentiert, ärgere mich aber im Nachhinein darüber, dass ich es nicht deutlicher entlarvt habe.

    Schließlich: Ich hätte mich sehr gefreut, auch mal ein Gesicht zum Blog zu bekommen! Beim nächsten Mal, okay? ;-)

    • stefanolix sagt:

      Die Sache mit der »Wortergreifungsstrategie« ist aus meiner Sicht noch viel gravierender (dazu schreibe ich aber besser eine E-Mail).


      Was ich mit der Anmerkung meinte: Es hätte eine seriöse und kompetente Person sieben Thesen aus Sicht der Medienkonsumenten formulieren können. Diese Thesen sollten dann natürlich nicht von einer Person aus Medien, Medienwissenschaft und Mediengeschäft kommen – dort kritisiert man sich ja eher mit dem Wattebausch.

      Ein Beispiel aus der Politik ist Richard v. Weizsäckers Satz: »Die Parteien haben sich den Staat zur Beute gemacht.«* Richard v. Weizsäcker gehörte sicher zur Elite dieses Landes, wurde aber später aufgrund einiger Aussagen auch ein Außenseiter.

      Ich wollte also nicht auf den Gegensatz »oben gegen unten« hinaus – sondern auf den Gegensatz »drin und draußen«.

      Man kann man über die Dresdner Medien deutlichere Worte formulieren, als sie von Prof. Hagen kamen – ohne den Weg des Anstands und des guten Benehmens zu verlassen. Und ohne Pegida in irgend einer Weise damit recht zu geben …


      *Im Original 1981: »Tatsächliches Verhalten und Einfluß der Parteien haben ihren Ruf begründet, daß sie sich den Staat zur Beute machen.«


      • FrankD sagt:

        „Die Sache mit der »Wortergreifungsstrategie« ist aus meiner Sicht noch viel gravierender“

        Klappt nicht immer mit der Wortergreifung.
        Neulich in Zwickau wollte Maas das Wort ergreifen. Ist in die Hose gegangen.

        Ansonsten:
        Wer schon mal bei einer Pegida-Veranstaltung war, der macht sich über die Redlichkeit der Medien keine Illusionen mehr.
        NICHT wegen der sagenhaften Pegida-Hetze, sondern weil die Medienberichte über Pegida mit der Realität nichts zu tun haben.

      • stefanolix sagt:

        Ich denke, dass man hier unterscheiden muss: Heiko Maas ist ein Politiker einer demokratischen Partei. Man kann ihn ausreden lassen und dann je nach seiner Leistung auspfeifen oder beklatschen. Das gilt grundsätzlich für alle Politiker von Linke bis AfD, solange sie im Rahmen des menschlichen Anstands bleiben. Ein Wettbewerb der Meinungen ist notwendig.

        Davon abgegrenzt: Die Ausfälle eines Björn Höcke, der von Zwangsjacke oder Handschellen für die Kanzlerin phantasiert – oder die Ausfälle bei Pegida-Kundgebungen, wo von Mistgabeln die Rede ist und Galgen mitgeführt werden. Die wesentlichen Fälle sind dokumentiert, darüber muss man nicht diskutieren.

        Aber: Zweifellos gab es auch Fehler bei der Berichterstattung, ich habe selbst damals die Sache mit dem Schauspielhaus aufgegriffen. Es gab mehr solche Fälle, bei denen zuungunsten von Pegida und auch zuungunsten unserer Stadt berichtet wurde. Noch schlimmer als die verzerrten Berichte waren die Kommentare auf der Basis der verzerrten Berichte.

        Die Kultur der Anerkennung und Berichtigung von Fehlern fehlt leider in den Medien – immerhin werden manche Fehler wenigstens nicht wiederholt.

        Illusionen mache ich mir nicht. Ich vertraue aber noch auf die Lernfähigkeit der Journalisten und informiere mich aus möglichst vielen voneinander unabhängigen Quellen. In der F.A.S. war heute z. B. ein aussagekräftiger Beitrag über Gewaltverbrechen und Anschläge gegen die AfD – auch diesen Teil der Realität findet man also in »den Medien«.

  3. Es war in dem Sinne „konstruktiver“, dass es nicht ausschließlich um eine Ansammlung von Vorwürfen gegenüber den Medien war (die gab es auch), sondern die Zuschauer eine ganze Reihe von Fragen und Statements abgeben konnten und das Podium – durchaus auch kontrovers – diese beantworten bzw. kommentieren konnte. So stand am Ende der Veranstaltung in Rechenberg-Bienenmühle zumindest einiges an Aufklärung im Raum.

  4. […] sich für den Ablauf der Veranstaltung interessiert, findet im Blog von stefanolix eine schriftliche Dokumentation des Abends. Bei Soundcloud ist außerdem ein Audio-Mitschnitt zu finden, aufgenommen und zur Verfügung […]

  5. Dirk sagt:

    Erst mal vielen Dank für Deine Arbeit. Ein Kraftakt, der sicher viele Stunden gekostet hat.

    Die Mitschrift und auch die verlinken Seiten evozieren bei mir ein Déjà-vu. Vor 30 Jahren gab es mal so was ähnliches, im kleineren Kreis. Damals ist Karin Retzlaff, Redakteurin der Junge Welt, im Informatikzentrum der TU aufgetreten und hat sich genauso exkulpiert wie heute die GenossInnen Locke, Hagen und Löbbers.
    Wie wenig sich am Zustand der Medienlandschaft geändert hat kann man ganz gut an Christa Wolfs Kommentar zu dem von Retzlaffs 3 Jahre danach veröffentlichten Hetzartikel „Henrich mir graut vor Dir“ [1] sehen. Viel müsste man nicht ändern, damit er auf die heutige Situation passt.

    Entlarvend schon die erste der 7 Thesen des verehrten Herrn Professor.
    „Journalismus war noch nie fehlerfrei und kann es auch nicht sein“.

    Eigentlich könnte man an der Stelle aufhören. Das verlogene „Machen Sie etwa keine Fehler?“ ist angesichts der Mediengleichschaltung und Medienhetze einfach nur eine Frechheit. Als wenn es um Fehler ginge.

    Das Problem sind nicht Fehler. Das Problem ist, dass die Medienfuzzis eine Mission haben, dass es denen nicht ums Berichten geht, sondern um Propaganda.

    Früher gab es mal den Anspruch der Medien als die „vierte Gewalt“, als Korrektiv, als Wachhund, der den Mächtigen auf die Finger klopft.
    Wenn die heutigen Medienfuzzis keinen aufklärerischen Impetus haben, OK, wäre kein Problem. Einfach nur berichten würde reichen.
    Tun die aber nicht. Die berichten nicht, die hetzen. Und haben Spaß dabei.

    Das fängt an bei den Sprachregelungen. Die neueste Kreation ist „Männergruppe“.
    Allein bei diesem rassistischen Dreck kommt einem das große Kotzen. Noch ekliger wird es, wenn die rassistische polit-mediale Elite allen Ernstes andere als Rassisten verleumdet.
    Wenn wir bei Rassismus sind, gibt es schon eine Gedenktafel für Susanna H.? [Nachname gekürzt, ich bitte um Verständnis. Siehe unten.]
    Ein Susanna-H.-Stipendium?
    Warum nicht, sind die Rassen etwa nicht gleichwertig?
    Und warum kommt kein einziges Mitglied der gleichgeschalteten Lügenmedien auf die Idee, diese Frage aufzuwerfen?
    Liebe HerrInnen Locke, Haben und Löbbers, was sagen Sie dazu?

    Ähnlich liegt es beim gern verwendeten „Krawalle bei Nazidemo“, „Randale bei Pegida“ oder „friedliche Gegendemonstration, an deren Rande …“
    Wenn Hagen das als Fehlerchen verniedlicht, ist das eine erfreulich klare Aussage über sein Verständnis von den Medien als Propagandasprachrohr der Machthaber. Dieses Selbstverständnis ist fatalerweise das gleiche, dass die Medienfuzzis in den tausend Jahren hatten und in der DDR auch.

    Die können nicht anders. Deshalb halten die es auch für normal, die Rede von Akif Pirincci falsch wiederzugeben. [2]
    Warum eigentlich?
    Wenn Pirincci so schlimm ist, würde es nicht reichen, einfach nur seine schlimmen Reden 1:1 zu protokollieren?

    Locke sagt, dass Pegida nicht mit den Medien reden will. Damit erfüllt er zwar seinen Propagandaauftrag, Wahrheit wird es trotzdem nicht.

    Als wenn Tausende Woche für Woche auf die Straße gehen, um nichts zu sagen.
    Es gibt Gründe, warum wir keinen Trieb haben mit den Lügenmedien zu reden. Diese liegen bei Hetzern der Locke-Klasse. Warum soll ich mich vor der Kamera exponieren, wenn schon vorher feststeht, dass die Lügenmedien meine Worte nur durch den Wolf gedreht publizieren, meine Person als Volltrottel vorführen?
    Richtig Geschmäckle kriegt Lockes Hetze, wenn man hinzuzieht, dass die FAZ seit Beginn der „Flüchtlingskrise“ die Kommentarfunktion in der Online-FAZ abgeschaltet hat.
    Die FAZ-Methode, die Meinungen der Andersdenkenden zu erforschen.

    Als Absacker noch die Feststellung, dass in der Mitschrift und auch in den verlinkten Texten das Wort „Khaled“ kein einziges Mal vorkommt.
    Obwohl, hier sind die Medien das Opfer.
    Das ist die perfide Pegida-Strategie. Die haben Khaled nicht ermordet, nur um hinterher zu sagen, dass sie Khaled nicht ermordet haben.
    Zurecht sind hier die gleichgeschalteten Lügenmedien sauer, wenn man sie dafür verantwortlich macht, dass Pegida nicht gemordet hat!

    [1]
    https://books.google.fr/books?id=sDyVBwAAQBAJ&pg=PA96&lpg=PA96&dq=%22henrich+mir+graut+vor+dir%22&source=bl&ots=WcXdyAA9hE&sig=fjyR4UQ0EOxKXbXLGWgeVak88zU&hl=en&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=%22henrich%20mir%20graut%20vor%20dir%22&f=false

    [2]
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/22191/die-unwahrheit-ueber-akif-pirincis-kz-rede/

    • stefanolix sagt:

      Ich möchte zuerst um Contenance bitten. Ich habe selbst diese Zeiten miterlebt (ich war zur Wendezeit 22) und ich bin selbst oft fassungslos, wie weit es gekommen ist – aber die am letzten Dienstag Beteiligten sind immer noch Journalisten und keine »Medienfuzzis« oder »Hetzer«. [Zusatz: Es gab von Seiten des beteiligten FAZ-Journalisten keine Hetze, deshalb sollten wir ihn bitte nicht in einen Topf mit Ideologen werfen.] Wirklich nicht. Ich bin nicht selten wütend wegen der Entwicklung unserer Medien und ich sehe wirklich viele Probleme im Journalismus, aber wir werden diese Probleme nicht durch Radikalisierung des Tons lösen.


      Es entspricht den Tatsachen, dass der »Fall Khaled« in der Kreuzkirche nicht angesprochen wurde. Aber vielleicht war das instinktiv richtig so.

      Es ist nicht rückgängig zu machen, was damals geschehen ist. In den Medien gab es falsche Einschätzungen und substanzlose Kommentare. Zu oft lassen sich Journalisten von linksradikalen bis linksextremen Interessengruppen beeinflussen. Aktuelles Beispiel:

      Ich bin fassungslos angesichts der Verzerrung der Tatsachen in Tweet und Überschrift.


      Im »Fall Khaled« wie auch im Fall der ermordeten Dresdner Schülerin möchte ich aber an eines erinnern: Es ist sehr bedenklich, Opfer zu instrumentalisieren. Man muss eine Balance finden: Fehler der Presse benennen, aber den Opfern Respekt zuteil werden lassen.

      Der junge Mann Khaled kann nichts für die Fehler, die von Journalisten gemacht wurden. Größter Fehler der Presse war, dass man eben nicht abgewartet hat, bis es belastbare Ergebnisse gibt. Khaled kann auch nichts für die Instrumentalisierung seines Todes durch linke Ideologen und Extremisten.

      Die Eltern der ermordeten Schülerin und deren Geschwister möchten die Erinnerung privat halten und waren m. W. gegen große Berichte in der Presse.

      Das ist meine persönliche Meinung zum Thema Opfer von Migranten-Gewalttaten – ich will sie niemandem aufdrängen, aber ich möchte es einfach zu bedenken geben.


  6. Michael_DD sagt:

    Etwas OT – aber so viel Genauigkeit muß sein

    stefanolix :
    Ein Wettbewerb der Meinungen ist notwendig.
    Davon abgegrenzt: … die Ausfälle bei Pegida-Kundgebungen, wo von Mistgabeln die Rede ist und Galgen mitgeführt werden. Die wesentlichen Fälle sind dokumentiert, darüber muss man nicht diskutieren.

    Weil die wesentlichen Fälle dokumentiert sind, kann man Ihre Piural-Aussagen kritisieren :
    M.W. Ist Frau Festerling nur einmal mit der Mistgabel aufgetreten und der Galgen war auch nur einmal dabei. Das macht diese, gelinde gesagt, Geschmacklosigkeiten nicht besser, aber so viel Genauigkeit muß sein.
    Übrigens Dokumentieren – was man der Pegida und ihren Anhängern so alles an den Kopf wirft hat bei „Franks Halbwissen“ der Demonstrant am 29.12.2014 aufgelistet.

  7. Fubu sagt:

    Das hört einfach nicht auf. Die können gar nicht mehr anders.

    Gerade MDR-aktuell:
    „Am Freitag Morgen wurde Niklas P. von einer Gruppe junger Männer ermordet. In Bad Godesberg wurden heute zwei Tatverdächtige verhaftet.“

    Und dann wundern die sich noch über „Lügenpresse!“.

    • stefanolix sagt:

      Tatverdächtige sind noch keine Schuldigen. Eine Staatsanwaltschaft muss Anklage erheben und ein Gericht muss über sie urteilen. Eventuell muss ein zweites Gericht das erste Urteil überprüfen. Wenn das Urteil rechtskräftig ist – dann sind es Täter.

  8. Fubu sagt:

    Könntest Du diese klugen Worte bitte mal an
    – Bundestag
    – Bundeskanzlerin
    – Bundespräsident
    – Landtage
    – Landeszentrale für politische Bildung
    – Landesregierungen
    – Zeitungsredaktionen
    – Rundfunkredationen
    – Fernsehredationen
    – Professoren
    schicken?

    Für Deine Bemühungen bereits im Voraus vielen Dank.

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