Wie eine gemeinsame Aktion gegen Hassrede aussehen müsste

Disclaimer: Es werden in diesem Artikel keine Gesetzesverschärfungen, Verbote, Kontrollen, Überwachungen oder staatlichen Kampagnen gefordert. Wenn Sie solche Maßnahmen befürworten, sind Sie hier falsch. Wenn Sie solche Maßnahmen nicht befürworten, lesen Sie bitte weiter.

Es geht in diesem Artikel um die Verbesserung der Kommunikation in einer freien Gesellschaft. Im Grundgesetz und im Strafgesetzbuch sind dafür Rahmenbedingungen gesetzt und die Organe des Rechtsstaats setzen die Regeln mehr oder weniger gut durch. Den entscheidenden Rest müssen wir selbst beitragen.


Technische Maßnahmen können keine sozialen Probleme lösen

Eine schärfere staatliche oder private Kontrolle der sozialen Netzwerke wäre ein tiefer Einschnitt in die Freiheit: Jedes Kontrollwerkzeug kann missbraucht werden, um unliebsame Meinungen zu unterdrücken.

Jedes Kontrollwerkzeug kann außerdem sabotiert werden, fehlerhaft eingesetzt werden und auch technisch versagen. Die gesammelten Daten können und werden irgendwann in falsche Hände geraten.


Staatlich geförderte Erziehung von Erwachsenen funktioniert nicht

Staatlich geförderte Kampagnen werden uns bei der Lösung dieses Problems auch nicht helfen, weil die zuständigen Behörden erstens die falschen Anreize setzen und zweitens die Adressaten gar nicht erreichen:

Der Staat setzt die falschen Anreize, weil er Geld für Maßnahmen ausgibt, die sich im Grunde selbst überflüssig machen müssten. Die Ziele der Maßnahmen sind unscharf formuliert und ihr Erfolg ist nicht messbar. Also werden die beauftragten Akteure das Geld nehmen und in Zukunft mehr Geld fordern, weil das Problem nicht kleiner geworden ist. Was verständlich ist: aus deren Sicht ist es die Maximierung ihres persönlichen Nutzens.

Der Staat erreicht die Adressaten nicht, weil gerade die gesellschaftlichen Gruppen mit den größten Problemen nur noch ein sehr schwaches Vertrauen in den Staat haben. Welchen Erfolg haben denn Stellungnahmen der Ministerin Manuela Schwesig oder des Ministers Heiko Maas in den sozialen Medien? Sicher sind die Politiker des eigenen Lagers und einige Agitprop-Journalisten davon hellauf begeistert. Aber wer vergibt bitte für Frau Schwesig oder Herrn Maas aus privater Überzeugung auf Twitter ein Herzchen?


Zwischenfazit: Wir müssen selbst klarkommen, weil uns weder der Staat noch die Betreiber der sozialen Netzwerke helfen können. Und so schwer ist das gar nicht.


Regeln und Regelverletzungen

Im Grunde sind sich doch in den sozialen Netzwerken fast alle Nutzerinnen und Nutzer einig: wir wollen keine üblen Gehässigkeiten hören. Die meisten von uns haben die simple »Goldene Regel« verinnerlicht:

Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.

Wir wollen folglich auch nicht, dass unsere Freunde mit gehässigen Äußerungen überzogen werden. Wir wollen sogar mit unseren schärfsten Kontrahenten und Gegnern lieber sachlich diskutieren, als uns ihre Klagen über Hassreden anzuhören.


Soweit das Ideal. Die Realität: Jeder kann im Netz zum Ziel gehässiger Äußerungen werden. Es ist deshalb völlig verfehlt, die Empfänger solcher Äußerungen in »Opfergruppen« einzuteilen und andere Gruppen willkürlich als nicht betroffen zu deklarieren. Um das zu verstehen, soll folgende Definition für Hassrede eingeführt werden:

Hassrede ist eine legale Äußerung, mit der eine Person oder Personengruppe öffentlich herabgesetzt werden soll. Mit einer Hassrede wird die »Goldene Regel« (meist) vorsätzlich gravierend verletzt.

Abgrenzung 1: Strafbare Äußerungen wie Volksverhetzung, Verleumdung, üble Nachrede oder Beleidigung werden hier bewusst ausgeklammert, weil sie schon vom Rechtsstaat verfolgt werden.

Abgrenzung 2: Eine Äußerung wird nicht schon dadurch zur Hassrede, dass sie von einigen Empfängern aus persönlichen, weltanschaulichen oder ideologischen Gründen abgelehnt wird.

Mehrfach wurde die Frage gestellt: Wozu dienen die Abgrenzungen?

  1. Wenn strafbare Äußerungen mit gehässigen Äußerungen vermischt werden, besteht die Gefahr einer Unterdrückung unliebsamer legaler Meinungen unter dem Vorwand der Bekämpfung von Hassreden.
  2. Wenn die Sicht der Empfänger in den Vordergrund gestellt wird, besteht die Gefahr einer Unterdrückung unliebsamer legitimer Kritik unter dem Vorwand der Bekämpfung von Hassreden.

Mit meiner Definition sollen Äußerungen eingegrenzt werden, die einerseits legal sind und andererseits für viele Nutzer ein Ärgernis darstellen: Beschimpfungen, Wutausbrüche, Menschenverachtung, Grenzüberschreitung.

Es gibt in sozialen Netzwerken kaum Grenzen, deshalb kann sich Ärger schnell verbreiten. Das Netz vergisst nie. Hass wird kopiert und zitiert, auf Screenshots gebannt und für lange Zeit dokumentiert.


Wann beginnt Hassrede?

Wenn mit gehässigen Reden vorsätzlich die allgemein anerkannte »Goldene Regel« verletzt werden soll, dann stellt sich die Frage: Wann beginnt das eigentlich?

Mit drei oder vier Jahren testen Kinder aus, welche Worte in ihrer Umgebung akzeptiert oder nicht akzeptiert werden. Mit fünf oder sechs Jahren und später in der Grundschule verwenden sie bereits Worte, um andere Kinder bewusst zu verletzen.

Im Kindergarten oder in der Familie werden Gehässigkeiten ähnlich wie körperliche Übergriffe behandelt: Man weist die Kinder auf die »Goldene Regel« hin und man verhängt im Wiederholungsfall auch Sanktionen.

Irgendwann spaltet sich dann jede Generation in zwei Teile auf: die einen haben es verinnerlicht und die anderen haben es nicht verinnerlicht.


Welche Arten der Hassrede treten im Netz auf?

In den Anfangszeiten des Internet waren fast nur Nutzerinnen und Nutzer aktiv, die die »Goldene Regel« verinnerlicht hatten. Sie haben diese Regel sogar noch erweitert: »Be conservative in what you send and liberal in what you accept from others.«

Das war im gewissen Sinne eine Elite: Ingenieure, Wissenschaftler, Studenten. Heute ist das Netz ein Spiegelbild der gesamten Gesellschaft – mit allen Vorteilen und Nachteilen.

In den sozialen Netzwerken einer freien Gesellschaft kann man heute nicht mehr davon ausgehen, dass elementare Regeln des Zusammenlebens beachtet werden. Im Netz entsteht Hassrede unter anderem aus folgenden Gründen:

  • Ausgegrenztheit: Menschen fühlen sich von der ökonomischen, sozialen und technischen Entwicklung abgehängt.
  • Unwissenheit: Menschen verstoßen gegen Regeln oder verletzen kulturelle Normen, die sie gar nicht kennen.
  • Aggressivität: Jemand zieht Befriedigung daraus, andere zu verletzen und/oder aus ihren Räumen zu verdrängen.
  • Selbstüberhöhung: Das Ich steht im Mittelpunkt. Das kann mit der Suche nach Anerkennung und der Gier nach Aufmerksamkeit verbunden sein.
  • Kalkulation: Jemand will politischen oder gesellschaftlichen Gegnern schaden, indem er Hass in die Welt setzt. In der schlimmsten Ausprägung: Hassrede unter falscher Flagge.

In all diesen Fällen ist die staatlich empfohlene Methode von »no-hate-speech.de« völlig fehl am Platze: Noch nie wurde jemand dadurch überzeugt, dass man ihn mit Sprüchen auf Bildchen wie einen Idioten behandelt und in die Ecke gestellt hat.


Wie könnte also eine nachhaltige Arbeit gegen Hassrede aussehen?

Wenn wir Gehässigkeiten nicht durch staatliche oder private Kontrolle aus der Welt schaffen können, dann müssen wir möglichst viele Nutzer

  1. psychisch so stark machen, dass sie Widerspruch, Gegenwind und auch Gehässigkeiten aushalten,
  2. technisch so kompetent machen, dass sie mit den vielen Funktionen der sozialen Netzwerke umgehen können,
  3. sozial so kompetent machen, dass sie die Ursachen für Gehässigkeiten kennen und einordnen können,
  4. rechtlich so sicher machen, dass sie ihre Pflichten und Rechte, ihre Spielräume und Grenzen kennen.

Wenn Menschen nämlich ihre Rechte kennen und wenn sie sich kompetent in sozialen Netzwerken bewegen, dann werden sie auch mit Äußerungen umgehen können, die ihnen Schmerz zufügen sollen. In den Schulen und Familien muss Medienkompetenz vermittelt werden.


Und was können wir als medienkompetente Nutzer in der Praxis tun?

Bitte erwarten Sie von mir keine Patentrezepte. In den Kommentaren können gern noch mehr Vorschläge gemacht werden.

  1. Keine Doppelstandards zulassen: Kein Zweck rechtfertigt die Verbreitung gehässiger Reden, auch nicht der edelste soziale Zweck. Es wäre anmaßend, der Gruppe A das Recht auf Gehässigkeit zuzugestehen und es der Gruppe B abzusprechen.
  2. Offen und interessiert sein: Die Wand der Filterblase sollte so dünn wie möglich sein. Man wird vielen Meinungen nicht zustimmen können, aber man sollte sie kennen. Und sei es, um ihnen kompetent entgegentreten zu können.
  3. Aufklärung: Jeder von uns ist auf mindestens einem Gebiet kompetent und kann Informationen gut einordnen. Mit relativ wenig Zeitaufwand kann man Gerüchten und Lügen entgegentreten und Wahrheit verbreiten. Gerüchte sind oft die Quelle des Hasses.
  4. Hassreden entgegetreten: Wenn Gehässigkeiten in die Timeline kommen und wenn man die Möglichkeit hat, kann man angemessen reagieren. Aber das will gut abgewogen sein.

Die Hoffnung stirbt am Ende doch nicht.


Ich danke den vielen Nutzern, die mit mir auf Twitter über die Definition von Hassrede und über die Ursachen für Hassrede diskutiert haben.


8 Antworten zu Wie eine gemeinsame Aktion gegen Hassrede aussehen müsste

  1. keine doppelstandards – erzähl das [gelöscht]-Heiko und seinen schergen

    • stefanolix sagt:

      Ich habe hier meine Vorstellungen dargestellt. Ich muss leider ein Wort aus deinem Kommentar entfernen, weil es eine Tatsachenbehauptung darstellt, für die ich eventuell gerade stehen müsste.


      PS: Was Du sagen willst, kann man inhaltlich genauso deutlich, aber in der Form anders sagen. Die Kritik an Doppelstandards ist absolut legitim, dafür muss man aber keine Person abwerten oder gar verleumden.

      Natürlich habe ich keine Chance auf Einfluss auf die Politik und deren Doppelstandards. Was ich tun kann: einige Menschen beeinflussen, die meine Artikel lesen.

  2. Theo Kruse sagt:

    Ich bewundere Deine Energie und Dein Engament im Sinne einer guten Sache, auch wenn ich Deinen Optimismus („Die Hoffnung stirbt zuletzt doch nicht.“) gerade in DIESER Sache nicht teilen kann.

    Warum?

    1. Abgrenzung des Nutzer-/Geltungskreises: Geht es um deutschsprachige Beiträge? Was ist mit platt (bairisch, sächsisch, …)? Um Beiträge, gesendet von deutschen (österreichischen, …) IPs? Die des Senders oder des Serverbetreibers? Welche rechtlichen Grundlagen ermöglichen bzw. verhindern „Aktion(en) gegen Hassrede“?

    2. Reichweite des Themas: Wieviele Deutsche bzw. „hier Lebende“ interessieren sich im weitesten Sinne für das Thema „Hatespeech“. Wieviele davon wollen sich ernsthaft damit auseinander setzen? Gehen wir mal von 10% aus.
    Von diesen 10% erreichst DU mittels Twitter vielleicht 0,5%. Ein Zehntel davon kommt auf Deinem Blog und liest den Artikel: 0,05%
    Davon wieder ein zehntel sagt sich: „Ja, das ist es wert, etwas KONKRETES zu unternehmen“, also mehr, als i-wo eine Petition mitzuklicken. 0,005%
    Nicht viel.
    Wenn unter diesen die wichtigen Entscheider sind (und die Dich und Deine Idee mögen), hast Du eine kleine Chance, daß es mal angesprochen wird, in einer der berühmten Gesprächsrunden, wo das BMJV nur rein zufällig mal einen Raum stellt und Heiko „Saftschubse“ spielt (Gruß an Hadmut!).
    http://www.danisch.de/blog/2016/05/11/maas-facebook-und-ein-staatssekretaer/
    Eine wichtige Vertreterin hast Du ja hier schon zum Kommentieren bewegt -Respekt!-, aber mit einem kleinen Satz* hast Du Dir bei zwei mächtigen, aber möglicherweise nachtragenden, Menschen schonmal heftig Minuspunkte gesammelt.

    3. Datenbasis: Gibt es belastbare Daten, aus welchen von Dir genannten 5 Gründen „Ausgegrenztheit, …“ Hassrede in’s Netz gestellt wird?
    Ich sehe überhaupt nur bei Punkt 2 (Unwissenheit), evt. noch 4 (Selbstüberhöhung) einen realistischen Ansatz einer Aufklärungskampagne. Alles andere gerät so weit in gesellschaftliche Verhältnisse hinein, da kannst Du gleich mal fragen, ob 100 Millionen nicht besser dafür verwendet werden sollten.

    4. Subjektivität: Was ist „Hassrede“, was Sarkasmus? Was augenzwinkerndes Frozzeln? WER soll das entscheiden? Täglich mit wechselnnden, evt. kippenden Stimmungen wie je nach Wetter, Volmond und Terroralarm!

    Das sind erstmal meine wesentlichen Einwände.

    Noch ein paar „Petitessen“ am Rande: „Technische Maßnahmen können keine sozialen Probleme lösen“

    Richtig! Das trifft aber nicht nur auf Hassrede zu (die m.E. nur ein Symptom darstellt). Auf der Metaebene bedeutet das letztlich: Ursachen bekämpfen, nicht Symptome!
    Ich weiß, leicht gesagt.

    „Aber wer vergibt bitte für Frau Schwesig oder Herrn Maas aus privater Überzeugung auf Twitter ein Herzchen?“*

    Da war er, der „böse“ Satz! Chance vertan!
    Und unterschätze nicht die Wirksamkeit der „rosaroten Brille“. Bei Heiko gibt es ja mindestens eine Dame (N.W.) und einen Jüngling (GegenFa-Sohn), die das aus vollster Überzeugung tun werden. Und aus Solidarität sowieso die gesamte SPD-Bundestagsfraktion. Herr Oppermann kontrolliert persönlich!
    Bei „Küstenbarbie“ kommt noch die optische Ausstrahlung und der Frauenbonus dazu.

    „In den Anfangszeiten des Internet waren fast nur Nutzerinnen und Nutzer aktiv, die die »Goldene Regel« verinnerlicht hatten. …
    Das war im gewissen Sinne eine Elite: Ingenieure, Wissenschaftler, Studenten.“

    Ja, das war eine wirkliche Elite, nämlich Leute, die fachliches Interesse hatten (und haben), die das Netz als Kommunikations- (nicht Präsentations-)kanal nutzen. Informatiker, Physiker, Techniker, MINT-Studenten.
    Was da heuteMassentweets absondert, sind auch Studenten und „Wissenschaftler“, aber was für welche?
    Aus welcher Richtung werden denn i.a.R. die Shitstorms losgetreten?
    Nach meiner Meinung sehr häufig von sog. „Geisteswissenschaftlern“. Also Leute, auf die Punkt 2 „Unwissenheit“ wohl gerade nicht zutrifft, aber sehr viel mehr die Punkte 3-5: Aggressivität, Selbstüberhöhung, Kalkulation.

    Gerade diese Motive sind besonders verwerflich, eben weil sie von „Intelligenten“, also oft um ihr Tun wissenden, begangen werden. VORSATZ!

    Letztlichmuß man sich fragen: Sollen wir das komplette Netz in einen „triggerfreien“ Raum (Safe Space) umwandeln? Das kann man in den Netzwerken i.W. schon: followen, blocken, muten, geschlossene Gruppen wählen. Meine Meinung: Entweder man geht in öffentliche, soziale Netzwerke (dann muß man das „Rauschen“ aushalten) oder nicht!
    Auf der Straße kann einem schließlich auch jederzeit ein „Triggererlebnis“ passieren: Ein anderer Verkehrsteilnehmer motzt einen an, man latscht in einen Haufen, wird beinahe überfahren …

    Mein Fazit: Ich bin für freie Rede, solange es nicht justiziabel wird! Anti-„hatespeech“ ist Mist.

    PS: Mein (vorerst) letzter Beitrag bei Dir. Das twittern am Abend scheint Dir sehr viel wichtiger zu sein, als mal nachzuprüfen, warum soviele Postings (und Mails ja anscheinend auch, z.B. meine) nicht zu Dir durchkommen.
    Du blockst angeblich selbst nicht, aber Vorblockerei ist Dir egal. Bist Du investigativer Informatiker?

  3. otlapinnow sagt:

    „Wenn strafbare Äußerungen mit gehässigen Äußerungen vermischt werden, besteht die Gefahr einer Unterdrückung unliebsamer legaler Meinungen unter dem Vorwand der Bekämpfung von Hassreden. “

    Ich fürchte, Du übersiehst eines: Hassrede als Mittel der politischen Auseinandersetzung.

    Erlebt habe ich das zum ersten Mal vor Jahren von politically incorrect, Grüne Pest und ähnlichen Accounts. Wann immer etwas halbwegs Neutrales zum Thema Islam in den Online-Medien gesagt wurde, packten die einen Link in PI-Kommentare rein (relativ gleich, zu welchem Thema) und man konnte sicher sein, dass sich daraufhin alles, was Zeit hatte, auf diesen Link stürzte.
    Dabei lieferten die meisten lediglich gängige Sprüche und Parolen ab.Potente Organisationen haben bei diesen Sprüchen inzwischen den Menschen durch Bots ersetzt, was schon mal die Qualität solcher Auseinandersetzungen zeigt.
    Ziel ist, nebenTöten der Diskussion, die Illusion zu erwecken, die Meinung der weit überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung sei identisch mit der dieser Trolle.

    Etwas anderes – da sind die Betreiber inzwischen schlauer geworden – ist das erzwungene Löschen missliebiger Accounts, um die User gleich mundtot zu machen. Wir kennen das u.a. von Twitter – Spamblock.
    Aber teilweise funktioniert das immer noch, weil z.B. Kommentare in den Medien häufig von Praktikanten überwacht werden, die einfach denken, wenn viele einen Kommentar melden, wird wohl was dran sein.
    Je nachdem können die Vielen auch noch viele Mehrfachaccounts sein.

    Problem: dadurch ist Trollen normal und üblich geworden.
    Und dagegen kommt man nicht mit Appellen an den einzelnen User an.

    Wir brauchen Aufklärung darüber, dass in den social media politische Machtkämpfe toben, Medienkriege, gar nicht so selten staatlich organisiert und bezahlt. Zugegeben haben das USA und Israel, es wird wohl niemand glauben, dass Russland das nicht tut und die sind gewiss nicht die einzigen.

    Die Frage ist, wie werden wir, das Netz, damit fertig? Denn machen wir uns realistischerweise klar, die haben ein einfaches Ziel: mediale Vernichtung, heißt Mundtotmachen des politischen Gegners.

    Wäre schön, wenn sich dagegen ein Mittel entwickeln ließe – aber bis dahin bleibt imho nur blocken.

  4. […] Netz abzubauen hilft, anstatt Freund-Feind-Strukturen zu reproduzieren und zu stärken. Der Blogger Stefanolix  hat dafür – unentgeltlich, übrigens – gerade Vorschläge gemacht, die ich deutlich […]

  5. luisman sagt:

    Ich bin ein Verfechter der absoluten Meinungsfreiheit.

    „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss“ (Cato)

    «Abgrenzung 1: Strafbare Äußerungen wie Volksverhetzung, Verleumdung, üble Nachrede oder Beleidigung werden hier bewusst ausgeklammert, weil sie schon vom Rechtsstaat verfolgt werden.»

    Das ist schon eine so heftige Einschränkung, dass damit die freie Rede verhindert wird. Schon der Paragraph der Volksverhetzung wird von Gerichten massiv missbraucht um unliebsame Meinungen zu unterdrücken. Die anderen drei angeführten strafbaren Äußerungen werden fast ausschließlich dazu benutzt Geld zu machen. Wenn ich nicht weiß wie einer denkt, so hasserfüllt, beleidigend oder aggressiv er das auch ausdrückt, kann ich ihm auch nichts entgegen halten. Es wird nie eine neutrale Definition von Hassrede geben – rede mal einer Maus ein, dass sie Katzen nicht hassen darf. Die politische Definition wird vorwiegend von der SPD und ihren steuerfinanzierten Meinungsmacher-Instituten erzwungen. Jede Maßnahme gegen sogenannte Hassrede wird massiven Missbrauch zur Folge haben, sobald der Rechtsstaat sie übernimmt.

    Deinen 4 Punkten zur nachhaltigen Arbeit gegen Hassrede kann ich nur zustimmen. Aufklärung tut Not, offensichtlich vor allem bei Politikern. Es gibt kein Recht zum Schutz vor unliebsamen Gefühlen und so etwas darf es auch nie geben. Dein Idealismus und Deine Hoffnung ist jedoch übertrieben. Nur wenige werden sich solche Kompetenzen aneignen können, vor allem weil sie im Elternhaus und in der Schule auf Kuschen programmiert wurden. Wer selbst angepasster Untertan ist, der will auch dass jeder Andere das ist. Ich würde es also nicht nachhaltige Arbeit gegen Hassrede nennen, sondern nachhaltige Arbeit für die Meinungsfreiheit.

    • stefanolix sagt:

      Absolute Meinungsfreiheit ist ein Ideal, das Du aber wie jedes andere Ideal nur mit idealen Menschen realisieren kannst. Das ist wie mit der absoluten Marktfreiheit: auch ein schönes Ideal, aber leider geht es in der Praxis nicht ohne einen ordoliberalen Rahmen, u. a. mit einem Kartellamt und Gesetzen gegen unlauteren Wettbewerb.

      Mir ist bewusst, dass »Volksverhetzung« ein sehr weit dehnbarer Paragraph sein kann. Aber es hat sich in der Anwendung gezeigt, dass das Bundesverfassungsgericht der Meinungsfreiheit doch einen große Raum gibt (z. B. beim Soldatenurteil).

      Regeln gegen Verleumdung, üble Nachrede und Beleidigung wären in einer idealen Welt ebenfalls nicht notwendig. Aber hier geht es anders als bei der Meinungsfreiheit um Persönlichkeitsrechte.

      Es ist ein Unterschied, ob ich öffentlich sage: »Ich halte X charakterlich nicht für ein höheres Amt geeignet …« (Meinungsäußerung) oder ob ich öffentlich ohne jeden Beleg sage »X, das korrupte Schwein, hat in seiner früheren Funktion eine Million Euro veruntreut …« (Beleidigung und Verleumdung).

      Ich bin ausdrücklich GEGEN weitere Gesetze (das steht auch über meinem Beitrag). Aber die bestehenden Gesetze kann ich für meinen Artikel über Hassrede auch nicht einfach außer Kraft setzen. Daher die Abgrenzung.

      Mein Idealismus kann (soweit ich das sehe) wenigstens keine negativen Folgen haben. Der (missbrauchte) Idealismus für absolute Gerechtigkeit, für den absoluten Gottesstaat usw. hat dagegen schon Millionen Menschen das Leben gekostet.

  6. […] Sicher sind die Politiker des eigenen Lagers und einige Agitprop-Journalisten davon hellauf begeistert. Aber wer vergibt bitte für Frau Schwesig oder Herrn Maas aus privater Überzeugung auf Twitter ein Herzchen?Quelle: Wie eine gemeinsame Aktion gegen Hassrede aussehen müsste | stefanolix | LINK […]

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