»Mansplaining Fallacy«

25. September 2016

Im Jahr 1916 saß der Schuldirektor Knauer [bekannt aus der »Feuerzangenbowle«] vermutlich jeden Morgen mit seiner Gattin beim Frühstück und las ihr aus der Zeitung vor. Bei einem Einwand oder einer Ergänzung seiner Gattin hätte er bei sich gedacht:

»Meine Gattin ist eine wunderbare Frau und Mutter, aber von Politik hat sie keine Ahnung.«

Und sie hätte gedacht:

»Er hört mir nicht zu. Aber wenigstens redet er mir nicht in den Haushalt hinein.«


Das ist hundert Jahre her und die Gesellschaft hat sich in großen Schritten weiterentwickelt: Drei Jahre später durfte die Gattin des Schuldirektors zum ersten Mal wählen gehen. Ihre Tochter Eva, ihre Enkelinnen und ihre weiteren weiblichen Nachkommen hatten einen besseren Zugang zur Bildung, erkämpften sich gleiche Rechte und übernahmen gleiche Verantwortung.

Heute ist zum ersten Mal nach vielen Jahrzehnten der positiven Entwicklung ein Rückschritt zu erkennen: Feministische Aktivistinnen meinen, dass sie bereits der Status »Frau« dazu berechtigt, die Worte von Männern geringer zu werten als die Worte von Frauen. Sie sprechen dann verächtlich (und in der Regel meist unüberlegt und unberechtigt) von »Mansplaining«.

Sie wissen es nicht – aber sie ähneln darin dem Schuldirektor Knauer aus dem Jahr 1916, der bereits »wusste«, dass eine Frau sowieso nichts zu einem komplexen Thema beitragen könne. Und der Witz dabei ist: Für das vernichtende Urteil »Mansplaining« muss die Aktivistin heute noch nicht mal ein Studium abgeschlossen oder wenigstens eine gewisse Lebenserfahrung erworben haben. Dieser Fehlschluss hat eine eigene Kategorie verdient:

Ein Argument nicht akzeptieren oder gar nicht erst hören wollen, nur weil es von einem Mann kommt: »mansplaining fallacy«.


Der Schuldirektor Knauer war im Jahr 1916 im umgekehrten Fehlschluss befangen. Heute wissen wir: Eine Gesellschaft, die auf die Intelligenz der Frauen verzichtet und ihnen nicht zuhört, wird sich entweder nur sehr langsam entwickeln oder sie wird in ihrer Entwicklung stagnieren.

Man sieht das bis heute in allen Gesellschaften, die der Frau keine gleichen Rechte zubilligen. Die gesellschaftlichen Auswirkungen sind fatal (ich muss sie hier nicht aufzählen).

Eine Gesellschaft, in der Mann und Frau gleichberechtigt sind und einander gleichberechtigt zuhören, wird dagegen einen höheren Wohlstand erreichen. Diesen sollten wir bewahren und nicht leichtfertig aufs Spiel setzen: Es gibt keinerlei vernünftigen Grund, im Jahr 2016 einen neuen Irrtum zu etablieren.

Ergänzung: Es gab in meinem Blog bereits einen Artikel zu diesem Thema.


Advertisements

Warum der Aufbau der Solartechnik in Marokko keine schlechte Idee ist

21. September 2016

Auf der »Achse des Guten« hat Dirk Maxeiner einen recht polemischen Beitrag zum Thema Solarenergie in Marokko verfasst. Vor der Kritik sei gesagt: Ich schätze seine Artikel zu Umwelt- und Energiethemen grundsätzlich sehr. Hier schießt er aber über das Ziel hinaus.

Maxeiner erinnert zu Beginn an das gescheiterte Desertec-Projekt. Dieses Projekt ist an ungelösten technischen Problemen, wirtschaftlichen Risiken und politischer Unsicherheit gescheitert. Die Fehler wurden erkannt, das Projekt wurde (zu recht) begraben.


So »lustig« nun der Ansatz mit den Solardächern auf Moscheen klingt: Er ist besser durchdacht, als es auf den ersten Blick scheint.

Heute geht es nicht mehr um das unrealistische Desertec, sondern um ein völlig anderes Projekt. Es ist in Marokko technisch und wirtschaftlich sinnvoll, aus der Energie der Sonne den Strom für die lokale Wirtschaft zu gewinnen. Die Energie kann in Anlagen in der Wüste auch zwischengespeichert werden, so dass eine stabile Versorgung möglich wird.


Es geht hier nicht um die »Klima-Religion«, auch wenn das Projekt in Deutschland vielleicht mit diesem Etikett politisch verkauft wird. Es geht um eine stabile Energieversorgung und dazu kann Solarenergie in Nordafrika einen weitaus besseren Beitrag leisten als im kalten Mitteleuropa.

Wenn die EU aus nachvollziehbaren Gründen eine Stabilisierung Nordafrikas erreichen will, muss sie die Fehler der früheren Entwicklungshilfe vermeiden. Die EU kann der Wirtschaft in Nordafrika durch Infrastrukturmaßnahmen helfen: Energie, Trinkwasser und Verkehrswege sind die Grundlage jeder Wirtschaft.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass das geplante Projekt der deutschen Solarindustrie helfen wird. In den offiziellen Dokumenten wird nicht darauf verwiesen, dass deutsche Technik bevorzugt eingesetzt wird. Das ist aber für das eigentliche Ziel auch nicht notwendig.

Bjorn Lomborg ist einer der bekanntesten Kritiker der wenig innovativen EU-Klimapolitik. Er plädiert dafür, dass erneuerbare Energien billiger und besser verfügbar werden müssen:

Bei der Pariser Klimakonferenz sollten wir aufhören, zu erwarten, dass alle einer politischen Linie folgen, die ihren wirtschaftlichen Interessen direkt zuwiderläuft. Stattdessen sollten wir anfangen, in die Erforschung und Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien zu investieren, um diese so günstig zu machen, dass sie fossile Brennstoffe im Wettbewerb hinter sich lassen. [Quelle]

Der Einsatz von Solarenergie in Nordafrika kann dafür ein sinnvoller Ansatz sein, denn dort kann die Solartechnik für einen Kontinent mit riesigem Bedarf optimiert werden.


Ja: Die grüne und staatliche Propaganda rund um das Projekt ist für alle nüchternen Betrachter unerträglich, weil sie irrelevante Gesichtspunkte in den Vordergrund stellt. Die Kombination aus staatlich geförderter Propaganda und Religion mag auf den ersten Blick lustig aussehen.

Warum bezieht man die Geistlichen in den Moscheen mit ein? Als eines der größten Risiken für Desertec wurde damals die politische und soziale Unsicherheit genannt: Was passiert, wenn sich die Bevölkerung gegen Desertec wendet und große Solaranlagen zerstört werden?

Wenn man den großen Einfluss des Islam kennt, dann ist es doch sinnvoll, die religiösen Führer von vornherein mit einzubeziehen. Sie sind zweifellos eine Interessengruppe, die man bei allen Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur berücksichtigen muss.

Die Ausstattung der Moscheen mit Solardächern wird keinen messbaren Einfluss auf das Klima und keine wirtschaftliche Bedeutung für unsere Industrie haben. Sie kann aber der Türöffner für Infrastrukturprojekte sein. In Marokko werden auch richtige Solarkraftwerke gebaut.


Fazit: Die EU und die deutsche Bundesregierung wollen Fluchtursachen bekämpfen. Es sollen weniger Migranten aus wirtschaftlichen Gründen nach Europa kommen. Eine Fluchtursache ist zweifellos die Perspektivlosigkeit vieler Menschen in Marokko, Tunesien, Algerien und Ägypten.

Junge Männer aus nordafrikanischen Ländern stecken bei einer Anerkennungsquote von 1 % in den Asylverfahren fest, die niemals für Einwanderung aus wirtschaftlichen Gründen ausgelegt waren. Hunderttausende Asylanträge aus Nordafrika sind eigentlich Einwanderungsanträge. Damit wird die Idee des politischen Asyls völlig ad absurdum geführt und die Verfahren sind für alle Beteiligten würdelos. In unseren Städten wachsen die Spannungen zwischen diesen Gruppen und der Bevölkerung.

Die begrenzten Ressourcen in Deutschland sollten denen zugute kommen, die tatsächlich unter Krieg und politischer Verfolgung leiden.

Die wirtschaftliche Hilfe für Marokko und andere nordafrikanische Staaten ist sinnvoll, damit die Leute dort eine wirtschaftliche Perspektive und einen Anreiz für den Aufbau der eigenen Wirtschaft haben. Das kann mittels einer Art »Trickle-Down-Effekt« Auswirkungen auf andere afrikanische Staaten haben.