Unbequemes

Im Sommer 2016 habe ich mir das Buch »Die neuen Deutschen. Das Land vor seiner Zukunft« von Marina und Herfried Münkler gekauft. Gestern habe ich einen Tag in der Sauna genutzt und einen großen Teil des Buchs in einem Zug gelesen. Warum erst gestern?

Ich habe das Buch im Sommer noch im eingeschweißten Zustand weggelegt, weil mich die Vermarktung irritiert hat: nach meiner Wahrnehmung wurde es als Begründung für die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung »verkauft«.

Ein zweites Mal habe ich das Buch ungeöffnet weggelegt, als Herfried Münkler mit dem Spruch »Große Teile des Volkes sind dumm« nicht gerade um Sympathiepunkte warb. Ich muss also zugeben, dass ich das Buch gestern mit einer gewissen Voreingenommenheit in die Hand genommen habe.

Er hat aber in dem Interview auch etwas gesagt, was ich richtig fand:

Nehmen wir mal das Beispiel Kompromissbildung. Je mehr einer Bevölkerung, einer Bürgerschaft an Politik partizipieren, desto mehr haben einen Sinn für Kompromisse, wissen das zu schätzen. Populismus ist unter anderem auch, das ist keine erschöpfende Definition, eine Verachtung gegenüber dem Kompromiss.

Somit stand es unentschieden und ich habe mit einem gewissen Grundoptimismus gesagt: Wenn man ein Buch ohnehin gekauft hat, dann kann man es auch lesen.


Das Autorenpaar ist inzwischen aus vielen Interviews bekannt: Prof. Dr. Marina Münkler ist Literaturwissenschaftlerin an der TU Dresden. Prof. Dr. Herfried Münkler ist Politikwissenschaftler an der HU Berlin.

Das Buch besteht aus vier großen Kapiteln und einem sehr umfangreichen Quellenverzeichnis. Etwas vereinfacht: Das erste Kapitel ist eine Einführung in das Thema, dann folgen zwei Kapitel zur Analyse der historischen und gegenwärtigen Migrationsbewegungen und schließlich folgt der Ausblick in die Zukunft.

Ich habe zuerst die beiden Analyse-Kapitel gelesen und fand viele Gedanken wieder, die ich mir als politisch denkender Bürger und politikwissenschaftlicher Laie auch gemacht habe – aber in einer hochkonzentrierten Form, mit Quellenangaben, mit (für mich) neuen Zusammenhängen und mit vielen Anreizen zum Weiterdenken. Das war wirklich ein Gewinn.

Marina und Herfried Münkler schreiben prägnant. Man spürt, dass an den Formulierungen gründlich gearbeitet wurde. Verglichen mit vielen anderen aktuellen Büchern aus dem Regal »Politik« ist dieses Buch sprachlich sehr gut.

Das Buch liest sich in weiten Teilen nicht wie ein gewöhnliches politisches Sachbuch, sondern wie eine gründliche geisteswissenschaftliche Arbeit. Es ist für die Zielgruppe der gebildeten Bürger verfasst. Man kann es nicht einfach nebenher lesen.


Das Buch dürfte den Befürwortern völlig offener Grenzen und den Befürwortern einer Abschottung Deutschlands zu gleichen Teilen weh tun. Man muss es unvoreingenommen und ohne Illusionen lesen. Die Probleme werden an vielen Stellen wie mit dem Seziermesser offengelegt – und das liest sich nicht immer angenehm. Der Zustand der EU wird etwa so schonungslos offengelegt, dass man sich fragt: Wie soll diese Staatengemeinschaft jemals wieder zu einer gemeinsamen Politik kommen?

Die Autoren betrachten die folgenschweren Entscheidungen zur Grenzöffnung 2015 und konfrontieren dabei sowohl die Kritiker als auch die Anhänger Angela Merkels mit unbequemen Wahrheiten.

In einer ziemlich harten, aber zum Teil auch gerechten Rezension wurde das Buch als »Katechismus der Einwanderungs-Befürwortung« bezeichnet: Das ist es nicht. Freilich muss man eine dicke Haut haben, wenn man es als Kritiker der aktuellen deutschen Flüchtlingspolitik zu Ende lesen will.

Genau entgegengesetzt argumentierte die taz: Sie sah das Autorenehepaar vom linken »Klassenstandpunkt« als Vertreter einer Elite, die es ja sehr leicht hätten, von anderen mehr Verantwortung zu fordern. Immerhin kommt Autor Jan Feddersen zu dem Ergebnis: »Die Streitschrift der Saison, optimistisch und ungemütlich zugleich.«


Für mich als wertorientierten Bürger in der Mitte der Gesellschaft ist das Buch zum einen eine Art Gradmesser, auf welche Weise man Probleme ansprechen »darf« und mit welchem Hintergrundwissen man aus der Mitte der Gesellschaft nach allen Seiten argumentieren kann. In dieser Hinsicht ist es ein Gewinn, der weit über den Aufwand des Lesens hinausgeht.

Zum anderen sind viele Stellen auch eine Herausforderung zum Widerspruch und zum Nachdenken über Fehlendes. Die Geschehnisse in Sachsen werden etwa recht einseitig und manchmal nur auf der Grundlage der ersten vorliegenden Informationen betrachtet. Hier hätte ich mir die Gründlichkeit gewünscht, die die Autoren in der wissenschaftlichen Hintergrundarbeit an den Tag gelegt haben.


Kritiker des Buchs haben bemängelt, dass die Lösungsvorschläge der Autoren falsch seien und dass sie eine zu optimistische Sicht auf die 2014 bis 2016 Zugewanderten hätten. Das mag sein. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Redaktionsschluss für das eigentliche Manuskript im März oder April 2016 gewesen sein dürfte, wenn man noch Zeit für Lektorat, Satz und Druck kalkuliert.


Zurück zur eingangs zitierten Bemerkung Herfried Münklers »Große Teile des Volkes sind dumm.« Wenn man sich die Leserbriefe in der Dresdner Lokalpresse nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt anschaut, könnte man im ersten Ansatz formulieren: Große Teile des Volk sind vorschnell in ihrem Urteil.

»Das Volk« sieht auf den Leserbriefseiten mehrheitlich Angela Merkel in direkter oder mindestens indirekter Verantwortung, was zum voreiligen Urteil führen könnte, dass da nur Populisten und deren Opfer am Werk seien.

Man muss die Leserbriefe aber zweimal lesen: zuerst mit dem Hintergrundwissen der Münklers und dann noch einmal aus der Sicht der Absenderinnen und Absender. Die Absenderinnen und Absender der Leserbriefe beschäftigen sich mit den Problemen auf ihrem jeweiligen Wissensstand und mit ihrem jeweiligen Hintergrund. Sie sind deshalb aber nicht »dumm«. Sie können (Bereitschaft vorausgesetzt) dazulernen. Das ist die Aufgabe politischer Bildung.

Ich wünsche mir für 2017, dass Marina und Herfried Münkler etwas mehr von dem verstehen, was »das Volk« bewegt. Ich wünsche mir für 2017, dass wir alle bereit sind, über Zusammenhänge länger nachzudenken und unser Grundlagenwissen zu stärken. Das gilt auch für die Absenderinnen und Absender der Merkel-kritischen Leserbriefe, die in diesen Wochen eine einzige Ursache für ein hochkomplexes Problem sehen.

Denn die einseitige Schuldzuweisung an die Merkels, an die EU, an die Eliten, an die »Lügenpresse« – aber auch an die Sachsen und an die »Populisten« – die wird auch 2017 falsch sein. Wir brauchen im Gegenteil ethische Grundsätze, Offenheit, Toleranz, Bereitschaft zum Dazulernen und eben auch unbequeme Bücher.


22 Antworten zu Unbequemes

  1. Horst sagt:

    Sehr gut, Stefanolix. Danke für diesen tollen Text zum Buch und zu dem, was hoffentlich auf vielen Listen mit den Vorsätzen für das kommende Jahr stehen wird.

    Dir und deiner Familie einen guten Rutsch und ein tolles 2017. Am besten im Sinne dessen, was du geschrieben hast.

  2. Beobachter sagt:

    Das Buch habe ich nicht gelesen. Aber das Interview im DR. Seitdem weiß ich, dass ich das Buch auch künftig nicht lesen werde.
    Das gute am DR-Interview ist, dass der Fragesteller dem Prof. Münkler intellektuell durchaus das Wasser reichen kann. Das Grundwasser.

    Seit 1933 sieht sich unsere Professorenschaft in erster Linie als Propagandasprachrohr der jeweiligen politischen Machthaber. Deshalb besonderen Dank an Prof. Münkler, dass ich dieses Vorurteil nicht korrigieren muss.
    Der Clou findet sich unter dem Gespräch in der Link-Liste:

    Einwanderung sichert unseren Wohlstand

    Der Massenimport von Analphabeten und Sozialhilfeempfängern (nicht zu reden von der Menge von Gewalttätern) sichert unseren Wohlstand.
    Ja, das klingt logisch.

    • stefanolix sagt:

      Wenn es so einfach wäre, hätte ich nicht über das Buch geschrieben. Ich bitte auch darum, zu unterscheiden, was Prof. H. Münkler selbst öffentlich sagt und was über ihn geäußert wird oder was über sein Buch geäußert wird. Die gesamte Professorenschaft mit hineinzuziehen ist … sehr gewagt. Wenn Prof. H. Münkler ein »linkes Propagandasprachrohr« wäre, hätte ich das Buch weggelegt.

      Das Buch enthält wie gesagt gute analytische Passagen über Themen, die ich kannte, aber selbst nicht so gründlich recherchieren konnte. Es enthält z. B. eine hervorragende kurze Abhandlung über Gastrecht, Gastfreundschaft etc. – selbstverständlich inklusive der Pflichten der Gäste. Es enthält Sätze, die man extremen rechten und linken Ideologen gleichermaßen vorhalten kann.

      Ja, es ist schwer, das Buch von dem gelegentlich etwas arroganten Auftreten Prof. H. Münklers zu trennen, deshalb betone ich auch die Autorenschaft beider Seiten. Manchmal muss man den Weg finden, Person und Werk zu trennen ;-)

      • Beobachter sagt:

        “Es enthält z. B. eine hervorragende kurze Abhandlung über Gastrecht, Gastfreundschaft etc. – selbstverständlich inklusive der Pflichten der Gäste.

        Das gehört heute zum Standardrepertoire der Multikultipropaganda. Dieses einlullen mit dem Hinweis, dass auch die Gäste Pflichten haben.
        Hat sich der verehrte Herr Professor zur Frage geäußert, was mit den ungebetenen Gästen passieren soll, die sich einen Dreck scheren um die „Pflichten der Gäste“?
        Ich vermute nein.

        “Es enthält Sätze, die man extremen rechten und linken Ideologen gleichermaßen vorhalten kann.

        Linke Ideologen kenne ich zuhauf. Genaugenommen kann man heute keinem Sender wählen oder Zeitung aufschlagen, ohne dass die sich einem aufdrängen.
        Mit rechten Ideologen sieht das anders aus. Egal welche Zeitung man aufschlägt oder welchen Sender man einschaltet, man begegnet keinem einzigen.
        Grob gesagt, Ausnahmen bestätigen die Regel.

        Das ganze Thema bietet sich an für eine Diskussionsendlosschleife, was wohl nicht Sinn der Sache ist. Als Ausklang möchte ich einen Artikel der WELT verlinken. Dieser zeigt, dass man sich zu unserer Problematik auch vernünftig äußern kann. Vielleicht liegt es daran, dass Clemens Wergin kein Professor ist (sorry, den Seitenhieb konnte ich mir nicht verkneifen).

        http://www.welt.de/debatte/kommentare/article160667821/Der-Staat-verletzt-das-Gerechtigkeitsgefuehl-der-Buerger.html

      • stefanolix sagt:

        Ich will uns beide auch nicht in eine endlose Diskussion verwickeln. Ich habe es nicht bereut, das Buch gelesen zu haben – und ich darf sagen: Ich habe als gelernter DDR-Bürger noch bis zum zarten Alter von 22 Jahren gegen alle Arten der Propaganda eine gesunde Reaktanz entwickelt ;-)

  3. Demonstrant sagt:

    Kritiker des Buchs haben bemängelt, dass die Lösungsvorschläge der Autoren falsch seien und dass sie eine zu optimistische Sicht auf die 2014 bis 2016 Zugewanderten hätten. Das mag sein. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Redaktionsschluss für das eigentliche Manuskript im März oder April 2016 gewesen sein dürfte,

    Habe ich das richtig gelesen,
    die „Wissenschaftler“ konnten nicht vorhersehen, was Pegida von Anfang an gesagt hat;
    der geistige Horizont dieser Koryphäen reicht von zwölf bis Mittag?

    • Wuffel Chen sagt:

      Chapeau, Deine Intellektuellenfeindlichkeit erinnert mich an die Kulturrevolution in China, den Stalinschen Proletarierkult und das faschistische Überhöhen des Asozialen gleichzeitig. Wie machst Du das nur!?

      • Demonstrant sagt:

        Nachvollziehbar der Zorn. Das ist mehr, als ein Mensch ertragen kann.

        Das Internet ist, je nach Standpunkt, leider/glücklicherweise nur partiell vergesslich. Jeder kann sehr schnell nachlesen, was unsere Nomenklatura damals zum Asylwahnsinn (den die natürlich nicht so nennen) gesagt hat.
        Auch die Äußerungen der rechtspopulistischen Rechtspopulisten sind noch abrufbar.

        Heute,
        also
        – Zwei Jahre
        – Zig Morde
        – Hunterte Vergewaltigungen und
        – Tausende schwere Körperverletzungen
        später
        ist der GAU offensichtlich.

        Allein in Köln waren zu Silvester rund zweitausend Polizisten nötig, um die Menschen vor den Schutzsuchenden zu schützen. Dazu im ganzen Land die von mit MPi bewaffneten Polizisten und Betonklötzen geschützten Weihnachtsmärkte. Welch anheimelnde Gemütlichkeit.
        Das muss man nicht weiter analysieren oder kommentieren, die Bilanz liegt auf der Hand.

        Allerdings ist sie von unseren Geistesgrößen kaum zu ertragen.
        Für Dresden bedeutet das nämlich nicht weniger, dass ein unklarer Typ wie Lutz Bachmann (würden wir von dem ein gebrauchtes Auto kaufen?) im Großen und Ganzen richtig lag – und Ministerpräsident Tillich genauso versagt hat wie TU Rektor Müller-Steinhagen.
        Eine Situation, wie sie absurder nicht sein könnte.

        Verständlich, das neben den führenden GenossInnen auch ihre Hilfskräfte leiden.
        Und was soll ich sagen, mir gefällt´s.
        Deshalb tu Dir keinen Zwang an, wenn der Frust schmerzt.
        Lass es raus, Wuffel Chen (ist das der Nick von Ralf Stegner?), lass es raus.

      • Wuffel Chen sagt:

        Keine Ahnung, wer Ralf Stegner ist. Ich bin es jedenfalls nicht. Ansonsten entnehme ich Deinem Beitrag nichts Substantielles, auf das ich irgendeine Antwortidee habe – hast also von mir aus in Deiner Welt gewonnen. Nimm Dir einen Keks und ein Plastikauto und freu Dich.

      • UweC sagt:

        Hat schon mal jemand rausgefunden, ob die Posts von „Wuffel Chen“ von einem Menschen oder einem Roboter generiert werden?

      • Wuffel Chen sagt:

        Nu, ich. Dass Du menschliches Leben nicht als solches erkennst, sollte Dir zu denken geben – verwundert mich aber nicht. Upgrade doch mal auf Uwe C++.

      • stefanolix sagt:

        Orr. Leute. Ich möchte hier weder Intellektuellenfeindlichkeit noch Wuffel-Feindlichkeit oder Uwe++-Feindlichkeit. Argumente wären hilfreich.

      • Apodikt sagt:

        „Argumente wären hilfreich.

        Naja, das liegt auch bei Dir.

        Dein Blog, Du kannst hier schalten und walten wie Du willst.
        Wenn Du Dir auf diese spezielle Art (die einen dürfen beleidigen und die anderen nicht) ein spezielles Publikum zusammenmoderierst, ist das Deine Sache.
        Es ist auch Deine Sache, wenn Du glaubst, dass Du so noch ernst genommen wirst.

        Lass Horst Schulte und Wuffl Chen nur weiter pöbeln („Hetzer“), dann hast Du hier eine richtig schöne Pöbel-Orgie.
        Wenn das Dein Ziel ist …

    • stefanolix sagt:

      Zum einen muss ich sagen, dass ich das harte Einsteigen auch nicht nachvollziehen kann. Wem genau bringt das jetzt was? Zum anderen werden wir doch alle mit jedem Quartal, jedem Halbjahr ein Stück klüger.

      Es gibt neue Informationen auf allen Gebieten der Migration. Und logischerweise betrachten wir das Buch und die Voraussagen der beiden Autoren aus einer Perspektive mit besseren (oder zumindest mehr) Informationen.

      Ich habe heute sogar einen Artikel von Anatol Stefanowitsch gelesen, der sonst oft als radikal linker Ideologe auftritt und mich früher regelmäßig zur Weißglut brachte. In diesem Artikel schreibt er sehr sachlich und verständlich zum Thema »Nafri«, so dass ich aus meiner Perspektive sogar noch etwas dabei gelernt habe.

      Man muss einen eigenen ethischen Kompass haben. Man muss aber auch offen für Reize sein, die abhärten und stärken.

      • Michael_DD sagt:

        Eine Vermutung, eine neue Bedeutung und zwei Ursachen
        Vorweg : Ich habe das Buch nicht gelesen und werde es auch nicht lesen. Ein Autor ( ich weiß, seine Frau hat mitgeschrieben) welcher behauptet „Einwanderung sichert unseren Wohlstand“ und damit die seit 2015 in´s Land geströmten Migranten meint, hat nicht alle Latten am Zaun. Von den über eine Million sind die Hälfte junge Männer, die meisten Syrer bestenfalls halbgebildet, von den afrikanischen Migranten ist da nichts Besseres zu berichten. Diese Leute sind zum großen Teil in islamischen Kulturen sozialisiert, blicken auf Ungläubige herab und haben ein uns fremdes Frauenverständnis. Solche Leute als „Die neuen Deutschen“ zu bezeichnen ist für mich mehr als eine Zumutung. Ich verweise auf drei Generationen türkischer Gastarbeiter, deren „Deutschwerdung“ auch nur äußerst unvollkommen gelungen ist.
        Die „neu Dazugekommen“ kosten dem Steuerzahler jährlich mindestens10 Mia €.
        Im Januar 2015, nach den Anschlägen von Paris, sagte Merkel Der Islam gehöre zu Deutschland. Sie wiederholte damit den Ausspruch einer politischen Lusche aus dem Jahre 2010, welcher auch mal was Bedeutendes sagen wollte. Damals wurde auf die türkische Gemeinde gezielt. Für mich bedeutet Zugehörigkeit zu Deutschland ein klares Bekenntnis zu Deutschland oder ein nachweislicher Beitrag zur Entwicklung der Deutschen Kultur. Letzteres sucht man beim Islam vergeblich. Übrigens hat Frau Merkel nie ihre steile Behauptung begründet und sie ist auch nicht nach einer solchen gefragt worden.
        Im Herbst 2015 machte Merkel die deutsche Grenze auf. Anlaß waren einige tausend Flüchtlinge in Ungarn, welche sich weigerten in ein Lager zu gehen und mit der Bahnhofsbelagerung so ihre Weiterreise nach Deutschland erzwangen. Die Grenzen blieben offen und es kamen mehr als eine Million, viele ohne Pässe, aber immer mit Smartphone. Eine richtige Begründung für diesen Schritt geschweige denn eine Diskussion im Bundestag gab es nicht. Merkels „humanitäre Gründe“ zählen nicht. Humanitäre Hilfe kann man heute in Europa und in der Nachbarschaft ziemlich problemlos leisten. Ich leiste mir mal eine Vermutung : Merkel schielte damals nach dem Friedensnobelpreis.

        Demonstrant sagt: Allein in Köln waren zu Silvester rund zweitausend Polizisten nötig, um die Menschen vor den Schutzsuchenden zu schützen. Dazu im ganzen Land die von mit MPi bewaffneten Polizisten und Betonklötzen geschützten Weihnachtsmärkte. Welch anheimelnde Gemütlichkeit. .

        So bekommt Merkels Ausspruch

        Wir schaffen das!

        eine ganz neue, besondere Bedeutung.

        stefanolix sagt: Ich habe heute sogar einen Artikel von Anatol Stefanowitsch gelesen, der sonst oft als radikal linker Ideologe auftritt und mich früher regelmäßig zur Weißglut brachte. In diesem Artikel schreibt er sehr sachlich und verständlich zum Thema »Nafri«, so dass ich aus meiner Perspektive sogar noch etwas dabei gelernt habe.

        Kann man da mal mitlernen?

        stefanolix sagt: Ich wünsche mir für 2017, dass wir alle bereit sind, über Zusammenhänge länger nachzudenken und unser Grundlagenwissen zu stärken. Das gilt auch für die Absenderinnen und Absender der Merkel-kritischen Leserbriefe, die in diesen Wochen eine einzige Ursache für ein hochkomplexes Problem sehen.

        Die einzige Ursache für die Migranten welche wir heute im Lande haben heißt ja wohl Merkel. Und für die Probleme, welche die Migranten mitbringen und für die hochkomplexen Probleme in ihren Herkunftsländern gibt es eine einzige Hauptursache, und die heißt Islam.

      • UweC sagt:

        Die „neu Dazugekommen“ kosten dem Steuerzahler jährlich mindestens10 Mia €.

        Die Betonung liegt auf „mindestens“.
        Folgende Verlautbarungen habe ich in Erinnerung:

        1. Bundesrat: 26 Mrd. jährlich

        2. Bundesregierung: 21 Mrd. jährlich.
        So wenig werden es sein unter der Voraussetzung, dass 55% der Analph … äh … hochqualifizierten Fachkräfte einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

        3. Kölner Institut für Wirtschaftsforschung: 25 Mrd. jährlich

        Das sind nur die Kosten, die unter der Rubrik [hier habe ich als Blogverantwortlicher ein für mich nicht akzeptables Wort entfernt – es sind Flüchtlingskosten] in den Büchern stehen.
        Hinzu kommen die Ausgaben, die die buchhalterisch unter Gemeinkosten verkramen.
        Aus den Augen, aus dem Sinn.

        In Köln waren zu Silvester bis dahin ca. 150 Polizisten im Einsatz. Die haben ausgereicht für Verkehr regeln und die paar Besoffenen zur Räson bringen.
        Diesmal waren 1700 dabei.
        Das kostet n Paarmarkfuffzich.

        Die Krankenhauskosten für die neulich von den Friedensbringern in Berlin schwerverletzten 45 Menschen muss man auch dazu addieren.
        Die Sargtischler für die 12 Todesopfer wollen auch Geld sehen.
        Dazu der Verlust an Lebensqualität durch den Verlust der Sicherheit im öffentlichen Raum. Nicht zu reden von denen, die den Frieden ganz unmittelbar körperlich zu spüren kriegen.
        Und … es kommt einem das große K. wenn man an die Katastrophe denkt.

      • Demonstrant sagt:

        “Kann man da mal mitlernen?

        Gemeint ist wahrscheinlich dieser Artikel
        Der Autor bringt einen ganz neuen Gedanken in die Diskussion ein: Das Verallgemeinerungsverbot.

        Obwohl, ganz neu ist das nicht. Wir kennen schon vom Islam. Man darf nicht einfach sagen „Der Islam“, man muss die vielen Strömungen beachten.
        Hier ist sicher nicht der Platz, auf die vielen Strömungen einzugehen. Deshalb sei nur die größte Islam-Strömung erwähnt. Das ist der Islam, der nichts mit dem Islam zu tun hat.

        So auch bei den Nafris.
        Es gibt die tunesischen Strömung des Nafritums, die marokkanische, die syrische, die … usw. usf.
        Weiter muss man differenzieren zwischen vergewaltigenden Nafirs, messerstechenden Nafirs und raubenden Nafris.
        Nicht jeder Messerstecher ist ein Vergewaltiger und nicht jeder Räuber ist ein Messerstecher. Von daher verbietet sich jede Pauschalierung von selbst.

        Dann gibt es noch diesen Tibor Pézsa von der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen, aber der hat keine Ahnung.
        Wer ernsthaft behauptet,
        Nicht das Wort Nafri ist das Problem, die Nafris sind es,
        sollte sich mal überlegen, ob er an der richtigen Stelle ist.
        So viel Realismus in der Zeitung, da bleibt einem das Wort Lügenpresse im Halse stecken.

      • Michael_DD sagt:

        Sprachwissenschaftliche Sensibilität und die Schrotthändler

        Demonstrant sagt:

        Michael_DD sagt:

        stefanolix sagt: Ich habe heute sogar einen Artikel von Anatol Stefanowitsch gelesen, der sonst oft als radikal linker Ideologe auftritt und mich früher regelmäßig zur Weißglut brachte. In diesem Artikel schreibt er sehr sachlich und verständlich zum Thema »Nafri«, so dass ich aus meiner Perspektive sogar noch etwas dabei gelernt habe.

        Kann man da mal mitlernen?

        Gemeint ist wahrscheinlich dieser Artikel.Der Autor bringt einen ganz neuen Gedanken in die Diskussion ein: Das Verallgemeinerungsverbot. …

        Ja, dieses Sprachlog habe ich dann auch gefunden und das mit dem Verallgemeinerungs-Verbot mußte endlich mal gesagt werden!
        Was hier Bild zitiert

        BILD
        • Täter ist Angehöriger eines „Nafri“-Staates (Ägypten, Algerien, Libanon, Libyen, Marokko, Syrien und Tunesien)
        • Täter ist meist zwischen 15 und 25 Jahre alt
        • Begangen werden Raub-, Körperverletzungs-, BtM-, und Taschendiebstähle …

        kannte man schon aus diversen Zeitungsberichten. Es geht natürlich gar nicht, daß man syrische und libanesische Verdächtige den Nordafrikanern zuschlägt. Da muß ein Sprachseminar für Klarheit sorgen.
        Ich bin nur gespannt, wann sich die Schrotthändler melden : BtM sei bei ihnen die Abkürzung für Bunt-Metall und mit BtM-Diebstählen dieser o.g. Klientel hätten sie schon gar nichts am Hut.
        Noch mal zum sprachwissenschaftlichen Seminar :

        Der Begriff ist nicht deshalb problematisch, weil die Kölner Polizei (vermutlich korrekt) erkannt hat, dass bestimmte Gruppen von Menschen aus bestimmten Ländern ihnen besonders oft Probleme bereiten, sondern, weil die sehr breite Kategorie Nafri dazu führt, dass nicht nur etwa alle Tunesier unter einen Generalverdacht für die Taten einer bestimmten Gruppe von Tunesiern gestellt werden, sondern sogar etwa alle Syrer unter einen Generalverdacht für die Taten einer bestimmten Gruppe von Tunesiern gestellt werden (und umgekehrt). …
        Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Polizeiarbeit und sprachwissenschaftlichen Seminaren aller Farben, aber dort, wo Polizeiarbeit sich auf sprachliche Kategorien bezieht, kann sprachwissenschaftliche Sensibilität sicher nicht schaden.

        Wer hätte das mit dem Unterschied gedacht …
        Nun hätte ich erwartet, daß der Seminarleiter am Ende die Kölner Polizei nicht im Regen stehen läßt, sondern mit „sprachwissenschaftliche Sensibilität“ geholfen hätte.
        Ich springe mal ein :
        – Damit nicht alle Nordafrikaner unter Generalverdacht gestellt werden im Kölner Polizeijargon, sollte die Endung –it für Intensivtäter eingeführt werden.
        Also Nafrit = Nordafrikanischer Intensiv-Täter (Plural Nafrits)
        – Eine entsprechende Person aus Nahost heißt per definitionem Nostit (Plural Nostits).
        Um Vorschläge für die Herkunft Afghanistan, Pakistan, Subsaharah usw. wird gebeten.

      • Dirk sagt:

        Und für die Probleme, welche die Migranten mitbringen und für die hochkomplexen Probleme in ihren Herkunftsländern gibt es eine einzige Hauptursache, und die heißt Islam.

        Oh, oh, oh.
        Das gibt Ärger.

        Wenn ich die Hetzreden der Fuzzis von Politik, Gewerkschaften, Kirche und Wissenschaft (hier speziell die schon erwähnten Professor*I_nnen Münkler und Müller-Steinhagen) vor meinem geistigen Ohr Revue passieren lasse, sind die Gründe für alle Übel diese Welt
        – Pegida
        – AfD
        – Rechtspopulisten
        – Rassismus in der Mitte der Gesellschaft
        – Struktureller Rassismus bei der Polizei
        – Mangelnde Willkommenskultur
        – Fehlende Integrationsangebote
        – Islamophobie
        – Ziganophobie
        – Negrophobie
        – weitere dreihundert wissenschaftlich erforschte Phobien
        – Nazis
        – Nazis
        – Nazis
        – weitere hunterfünfzigmillionenmal Nazis.
        – das zum größtenteil dumme Volk (allerdings nur das deutsche, alle anderen Völker sind klug)
        – Kolonialismus (die rassistischen weißen Rassisten haben die Sklaverei abgeschafft, Hexenverbrennungen und Albinoverzehr verboten, Eisenbahn, Schulen und Universitäten gebaut, ganz furchtbar das alles)

        Aber niemals ist der Islam die Ursache.
        Nein, nein und nochmals nein.

  4. Kostet viel Geld, die Leute in Deutschland unterzubringen und zu versorgen. Ich erinnere mich nicht, dass je einer etwas anderes behauptet hätte. Auch, dass die ganze Sache nicht leicht wird, war beizeiten zu hören. Über die Höhe der Kosten sind die Leute, die das berechnen können, noch nicht ganz einig. Teuer ist es auf jeden Fall. Der Polizeieinsatz in Köln wird auch sehr teuer gewesen sein.

    Man soll echt nicht glauben, dass es so teuer ist, so ein paar Hundertausend Menschen einigermaßen vernünftig zu versorgen. Dass uns das nicht nur gedankt wird, sondern dass sich unter den Flüchtlingen auch Leute befinden, die unsere Gastfreundschaft missbrauchen, ist traurig und vereinfacht die Position der Gegner dieses Hetzers UweC, der hier nach dem Anschlag offenbar leichtes „Argumentieren“ hat, nicht gerade.

    Warten wirs einfach mal ab, ob die Mehrheit der Deutschen auf Leute wie ihn hereinfallen und ob es zur großen Katastrophe kommt, die dieser Menschenfreund an die Wand malt.

  5. Michael_DD sagt:

    Formulieren + Definieren

    stefanolix sagt: Das Buch besteht aus vier großen Kapiteln und einem sehr umfangreichen Quellenverzeichnis. Etwas vereinfacht: Das erste Kapitel ist eine Einführung in das Thema, dann folgen zwei Kapitel zur Analyse der historischen und gegenwärtigen Migrationsbewegungen und schließlich folgt der Ausblick in die Zukunft. …
    Marina und Herfried Münkler schreiben prägnant. Man spürt, dass an den Formulierungen gründlich gearbeitet wurde. Verglichen mit vielen anderen aktuellen Büchern aus dem Regal »Politik« ist dieses Buch sprachlich sehr gut

    .

    Bassam Tibi sagt: Die Deutschen sind nicht nur im Fussball Weltmeister, sondern auch in der Ideologisierung der Problematik der Zuwanderung. Ein Beispiel hierfür ist der deutsche Professor Herfried Münkler. In dem Buch «Die neuen Deutschen» des Ehepaars Münkler werden Zuwanderer upgegradet, ohne eine eindeutig definierbare Bestimmung. Die anderen Gesinnungsethiker der Willkommenskultur nennen sie die «neuen Bürger».

    Gefunden auf der Achse.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: